Monatsarchiv: April 2009

Lippenlesen II: Für Spione

„Laß uns spazieren gehen!“ Unter schweren Jungs ist klar was das heißt: Der Raum ist verwanzt, wir sprechen draußen weiter. Tja, wenn da nicht die speziell ausgebildeten Spione mit ihren Schlapphüten und Feldstechern wären. Oder? Ich hatte ja gerade behauptet, dass Lippenlesen eigentlich gar nicht geht Not quite like Beethoven erklärt auf Nachfrage was dran ist  an der Geschichte der lippenlesenden Spione:

Spion

Erstmal. Spionieren ist ein hartes Geschäft. Man nimmt was man kriegen kann — auch Lippenlesen — und setzt die Spuren zusammen. Erste Wahl ist das Absehen aber sicher nicht. Schon bei Dämmerung, im Gegenlicht, wenn der Verdächtige sich abwendet, eine Hand oder ein Bart den Blick versperrt ist Sense. Aber wenn nur das geht, macht man’s halt.

Dann: Spionieren tut man ja nicht ohne Grund. Wann ist die Übergabe? Hat die was mit Drogen am Hut? Kennt der diesen Waffenhändler? All das sind Dinge, auf die hin man Gesehenes prüfen kann. Das ist etwas ganz anderes als zu verstehen was jemand so sagt.  Denn man hat Namen, Begriffe oder Ausdrücke im Kopf, und braucht „nur“ noch zu checken ob die Mundbewegungen dazu passen. Zahlen, Daten und Zeiten sind relativ leicht zu sehen, es gibt halt nur sieben Wochentage und 12 Monate. Für anderes, würde ich denken, setzen Spione lieber was anderes als Lippenlesen ein.

So gesehen, also von der Offenheit und Schwierigkeit der geforderten Informationsverarbeitung her, haben es lippenlesende Spione sogar einfacher als Schwerhörige im Alltag. Schließlich bringen die wenigsten Leute den nur damit zu, Vermutungen zu prüfen.
Möglich allerdings, dass Computerhilfe das bald ändert.

Lippenlesen I: Geht das wirklich?

Töne kann man nicht sehen. Da beißt die Maus einfach mal keinen Faden ab. Sehen kann man höchstens wie sie produziert werden — und selbst das nur manchmal. Oft bewegt sich einfach nicht genug als dass man durch bloßes Sehen was verstehen könnte. Zumindest wär mir neu, dass bei Wetten dass…?! schonmal wer nur vom Starren auf die sich drehende Schallplatte verstanden hätte, was gerade gesungen wird. Von digitalen Endgeräten reden wir gar nicht erst.

Lips

Genauso ist’s beim Lippenlesen. Das geht nämlich eigentlich gar nicht. Klar, wohl jedem ist im Kino schonmal schlechte Synchronisation aufgefallen. Man kann’s trainieren. Und wenn man die Sprechweise der Leute schon kennt, geht’s auch leichter. Aber letztlich gibt es viel weniger unterscheidbare Lippenbewegungen und -stellungen als all die Laute, die zusammen Sprache ausmachen (im Deutschen sind’s wohl nur um die 15%).

Will ich was von den Lippen absehen, muss ich im Grunde schon vorher wissen, was für eine Situation wir haben und was Du so alles sagen könntest. Volle Kaffeetasse in der Hand? Kein Problem zu sehen, dass Du mir eine anbietest. Auch kein Problem sind einfache, häufig vorkommende Phrasen: „Hallo!“, „Wie heißt Du?“, „Dankeschön“ oder auch, gar nicht zu verkennen: „Arschloch“. Nur weil man schon wußte, dass es wohl Beleidigungen sein würden, konnte abgelesen werden, was Zidane bei der Fußball WM 2006 zu seinem berühmten Kopfstoß veranlaßt haben mag. Ansonsten ergibt von den Lippen ablesen immer nur einen Lückentext. Erzählst Du mir plötzlich was vom blauen Pferd, wird’s aller wahrscheinlichkeit nach nix. Sowas wie einem Vortrag per Lippenlesen mehr als nur grob zu folgen ist meiner Erfahrung nach unmöglich. Computer können bislang noch kein Lippenlesen, aber das könnte sich bald ändern. HAL läßt grüßen. Brr.

Absehen ist für mich darum zwar sehr wichtig. Ohne geht so gut wie  gar nix. Es ist aber immer nur ein begleitendes Hilfsmittel. Aufträge privatdetektivischer Art werden bei guter Bezahlung trotzdem angenommen. Mehr zum Lippenlesen (für Spione) hier.

Gebrauchsanweisung für Schwerhörige #5: Trimme den Schnauzer

Wie macht man’s Schwerhörigen leichter und das Gespräch erfolgreich?  11 Regeln von denen auch Andere profitieren.

Regel Nummer 5: Trimme den Schnauzer

Auch nicht besonders kompliziert. Im Grunde eine Variante von Regel Nummer 4. Ich führe sie extra deswegen auf, weil mich die hippen Holzfällerbärte in Brooklyn und Boston ziemlich nervös gemacht haben. Mir scheint, auch der Schnauzbart könnte demnächst eine Renaissance erfahren.Foto: PRN / PR Photos, starpulse.com

Joaquin Phoenix, als Schauspieler bekannt aus Gladiator und Walk the Line und seit Anfang des Jahres nurmehr bärtiger Rapper, ist da nur das bekannteste Beispiel.

Kurz und knapp: Wenn die Haare den Mund verdecken — und das tun sie schneller als die meisten stolzen Träger glauben — ist nicht mehr viel mit Lippenlesen. Liegt der Mund frei, freut sich der Schwerhörige.

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Auszeit von der Schwerhörigkeit: Ich empfehle Boxen

Wunderbares Kontrastprogramm! 7 gute Gründe dafür:

  1. Hören spielt keine Rolle. Schläge sieht man — im Ansatz oder gar nicht.
  2. Es gibt nix mißzuverstehen. Ne trockene Gerade läßt keinen Zweifel. Geradezu Urlaub von der Schwerhörigkeit.
  3. Ausgleich für verloren gegangene Schlagfertigkeit. (Wenn das halbe Gehirn damit beschäftigt ist, aus Bruchstücken von Gehörtem einen Satz zusammenzusetzen, fällt’s schwer, nicht auf dem Mund gefallen zu sein. Und beim Boxen mußt Du spontan agieren.)
  4. Schon mal Frust mit Sandsack abreagiert? Super!
  5. Gibt Selbstvertrauen. Gut gegen verlorenes.
  6. Moral: Auch nach dem Hauen Freunde bleiben. Und manchmal erst dadurch werden.
  7. Macht gute Figur. Kann nie schaden.

Gut, es ist eher ne Männersache. Aber viele andere Kampfsportarten gehen auch. Allen die jetzt mit komischen Nasen, blauen Augen, Schmerzen und Langzeitschäden kommen, sei zweierlei gesagt: Es gibt Schutzausrüstung — damit können sogar Leute in kundennahen Berufen sorglos boxen. Und es schallt meist so aus dem Wald heraus, wie man hineinruft. Wenn das nicht so ist, sollte man den Club wechseln, dann ist es nämlich der, der schlecht ist. Noch besser als Boxen ist übrigens Thaiboxen!

Gebrauchsanweisung für Schwerhörige #4: Hände Weg!

Wie macht man’s Schwerhörigen leichter und das Gespräch erfolgreich?  11 Regeln von denen auch Andere profitieren.

Regel Nummer 4: Hände weg!

Dazu gibt’s nicht viel zu sagen. Es gibt so eine seltsame Sorte Mensch, die beim Reden mit den Fingern an ihrem Mund rumnestelt oder ihn sogar mit der Hand ganzen Hand beschirmt. Das mag gedankenverloren oder höflich gemeint sein. Ist aber nicht hilfreich. Und das meine ich jetzt nicht nur wegen des Lippenlesens.

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Gebrauchsanweisung für Schwerhörige #3: In den Strafraum

Wie macht man’s Schwerhörigen leichter und das Gespräch erfolgreich? 11 Regeln von denen auch Andere profitieren.

Regel Nummer 3: In den Strafraum

Ich bin immer wieder fasziniert, wenn sich Leute von Zimmer zu Zimmer, über eine vielbefahrene Straße hinweg oder vom Bürgersteig zum Balkon im fünften Stock rauf unterhalten. Gut, das ist extrem. Und so richtig unterhalten will sich ja so auch kaum einer. Typischerweise ist das, was so stattfindet wohl eher vom Typ Vergiß-nicht, Hast-Du oder vielleicht auch Du-$#*%§! Oder seh ich das falsch? Ich meine, ich versteh’s ja nicht.

Schon was sehr Bequemes, so ein schneller Austausch ohne erst mühsam rüber-, rauf- oder runterlaufen zu müssen. Kann ich schon verstehen. Würd ich auch so machen. Warum manche Menschen aber auch sonst beim Reden am liebsten Distanz halten, ist mir unbegreiflich. Bestes Beispiel vielleicht: Ein Meeting oder Seminar in einem Raum, der für wesentlich mehr Leute ausgelegt ist als da sind. Wenn man nicht dringend vorzeitig weg muss, gibt es einfach keinen Grund sich gleich neben die Tür, ganz nach hinten oder in alle vier Ecken des Raumes zu setzen. Ich weiß schon, dass es unliebsame Verpflichtungen gibt. Aber wer nicht da sein will, soll einfach gleich zu Hause bleiben! Anstatt nur zu kommen um sich soweit als möglich zum Verschwinden zu bringen.

Das Gespräch als — körperlich gesehen — vorsichtiges Paßspiel gibt’s leider oft genug auch unter Freunden. Besonders in größerer Gruppe. Wenn’s nach mir geht: Kommt einfach näher ran. Wenn Du schon da bist, laß uns zusammenrücken. So nah, dass ich Dich berühren könnte. Distanzschützen mag ich nicht so, ich will Dich nicht nur aus der Ferne hören. Ist ja nicht so als müßtest Du was riskieren, wenn Du in meinen Strafraum kommst:  Auch wenn ich anderer Meinung bin, hau ich dich nicht gleich. Hab ja grad erst wieder Zuhören gelernt.

Was soll ich sagen? Ich mag einfach kleine, heimelige Runden – und versuch sie mir zu schaffen, wo immer es geht. Und Du?

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Zuhören nach Harvard-Art

Wettbewerbsvorteile von Schwerhörigkeit habe ich ja schonmal erwähnt. Aber was braucht es eigentlich wirklich für allerhöchste Führungsaufgaben? Und was davon bringe ich von Haus aus mit?

„Das musst Du dir angucken“, dachte ich mir darum als die Ankündigung ins E-Postfach flatterte: Zuhören als leadership skill — ein Workshop, der Studenten der amerikanischen Elite-Universität, die z.B. Barack Obama besucht hat, das notwendige Handwerkszeug für ihre späteren Heldentaten vermitteln soll. Wollen doch mal sehen wie in Harvard Zuhören gelehrt wird! Und ob ich mir da noch ne Scheibe abschneiden kann. Denn ich gelte ja als guter Zuhörer. Meine Bemühungen, was zu Verstehen, geben den Leuten das Gefühl, dass ihnen zugehört wird.

Also nichts wie hin — der Not quite like Beethoven-Test nach dem Klick!

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Schwerhörig, taub oder gehörlos? Drei Worte für Schwerhörige

Mal sollen sie vier, dann bis zu hundert Worte für Schnee haben, die Eskimos Inuit. Genaugenommen ist das aber eine Mischung aus Ente und stille-Post-Effekt (siehe The Great Eskimo Vocabulary Hoax und wikipedia).  Schade eigentlich.

Für Leute mit Hörproblemen gibt’s drei wichtige Worte. Bisher waren mir die damit verbundenen Spitzfindigkeiten eher Wurscht. Doch Not quite like Beethoven gewinnt jetzt so langsam an Popularität. (Vielen Dank an alle, die mich empfohlen (klick, klick und klick), geherzt (klick) oder in ihre Blogroll aufgenommen haben (klick und klick)!) Außerdem ist die Sache nicht ganz unpolitisch. Darum hier ein kleiner Führer durch die korrekte Nomenklatur:

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The Art of Waking

Aufwachen und Arbeiten gehen, wenn der Körper, diese weise Sau, eigentlich noch weiterschlafen würde. Schon lange mein Problem. Das haben ja andere auch. Um aber meinen süßen Schlaf zu beenden, braucht es schweres Gerät.

Zunächst wurden die Wecker immer lauter – und meine Mitbewohner immer genervter. Denn schon nach kurzer Zeit hatte ich mich an das neue Geräusch gewöhnt und konnte wunderbar weiterschlafen. Zuletzt hatte ich einen Radiowecker auf voller Lautstärke, den ich bewußt zwischen alle Stationen eingestellt hatte. Das war was!

Inzwischen sind meine Wecker wieder leise geworden, sie vibrieren, rütteln und schütteln sich unter meinem Kopfkissen. Sowas hier meine ich. Wie ein Handy auf Vibrationsalarm, aber stärker und – wie soll ich sagen – aufgedrehter. Das Ding ist ziemlich zuverlässig. Sobald es losgeht bin ich wach und habe nur einen Gedanken: Aufhören! Wegmachen!  Die meisten Handies brummeln ja eher sanft, dies ist ähnlich wie ein Preßlufthammer, den jemand netterweise in ein Handtuch gewickelt hat.

Aber was soll ich sagen; man gewöhnt sich an alles. Nur wenn jemand mein Bett teilt, darf ich nicht vergessen, darauf hinzuweisen. Sonst ist am nächsten Morgen aber fröhliches Aufwachen garantiert.

Gebrauchsanweisung für Schwerhörige #2: Ruf! mich! an!

Wie macht man’s Schwerhörigen leichter und das Gespräch erfolgreich?  11 Regeln von denen auch Andere profitieren.

Regel Nummer 2: Ruf! mich! an!

Nein. Nicht wie Du denkst. Ohne Telefon. Ich bin ständig unglaublich beschäftigt. Sieht vielleicht nicht immer so aus, ist aber so. Darum mußt Du erst einmal meine Aufmerksamkeit erlangen.  Das geht am besten indem Du meinen Namen sagst.  Je nachdem wie gut Du mich kennst und wie die Situation es erlaubt, darfst Du mich auch berühren. Bin ich zu weit weg oder hilft alles Namensagen nichts, probier’s mal mit Glas Zerdeppern oder heftig auf den Boden Stampfen. Schaue ich Dich dann an – kannst Du loslegen.

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„Sag mal, was war eigentlich das Größte, das Du je überhört hast?“

Also – ich hab ja schon alles Mögliche überhört. Mehr davon bald hier. Aber was hier ein Fotograf über seinen Vater berichtet…

Mein Vater war mit 15 Jahren im Krieg in Frankreich. Er war schwerhörig. Als die Meldung vom Kriegsende kam, überhörte er sie und marschierte einfach weiter ins Landesinnere. Später traf er auf französische Soldaten, die ihm Bescheid sagten und ihn glücklicherweise gehen ließen.

Ein gutes Beispiel für die Geduld und Ruhe, die man Schwerhörigen entgegen bringen sollte. Auch wenn’s bißchen anstrengend wird mit dem Wiederholen und er mit Gewehren fuchtelt.

[gefunden über deafread]

Liebes- und anderes Geflüster

Manche Dinge kann man einfach nicht mit bewußt deutlicher und lauter Stimme sagen. Oder: Kann man schon, klingt aber komisch. Spätestens nach der dritten Wiederholung. Grrrrr!

Gebrauchsanweisung für Schwerhörige #1: Hauptsache Reden

Wie macht man’s Schwerhörigen leichter und das Gespräch erfolgreich? 11 Regeln von denen auch Andere profitieren.

Regel Nummer 1: Hauptsache Reden

Das klingt vielleicht trivial, aber es hilft ungemein, wenn Reden beim Reden die Hauptsache ist. Es ist für mich extrem schwer bis unmöglich, ein Gespräch zu führen — wenn nebenher was am Computer getippt, Papiere durchgesehen, ein Blümchen gepflanzt, Essen gekocht oder Geschirr abgewaschen wird. Leider sogar: eine Stadt angeguckt oder über einen Flohmarkt  geschlendert wird. Und was man sonst noch so beim Reden mit dem Rest des Körpers anfangen kann.

Der Witz bei der Sache ist der: Wenn Du was anderes machst und nebenher redest, verstehe ich oft nix. Wenn ich was anderes mache und nebenher verstehen will, dann muss ich das andere unterbrechen. Wenn ich mich dabei überhaupt unterhalten kann und noch darauf achte, dass ich nicht überfahren werde, Leute oder Laternenpfähle anrempele, dann bekomme ich von Stadt und Flohmarkt oft kaum was mit.

Mir hilft es schon, wenn Du das im Hinterkopf behältst. „Reden als Hauptsache“ führt zwar dazu, dass manche Dinge doppelt so lang dauern, weil weder das Reden noch das andere nebenher erledigt werden können. Und ich mag ja auch nicht schweigend mit dir bummeln. Aber wenn’s ums Reden und Verstehen geht, ist Multitasking für Schwerhörige nicht machbar.

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Süßer Schlaf

Geschichten aus mir fremden exotischen Ländern finde ich meist ziemlich spannend. Vor kurzem erzählte mir ein Freund, wie er eine ganze Nacht lang von einer Mücke im Zimmer um den Schlaf gebracht worden sei. Vom Geräusch, wohlgemerkt. Und nicht am Ohr sondern irgendwo im Zimmer. Waas?!

Die Geschichte vom Kampf Mann gegen Mücke war faszinierend – hier waren wirklich strategische Superhirne aneinander geraten. Von Ignorieren über Aussitzen bis Falle Stellen, vom Provozieren bis zur Nadelstichtaktik war alles dabei. Aber im Grunde ist das für mich so als wenn ich Dir erzählen würde, ich konnte nicht schlafen weil sie in Hongkong wieder die ganze Nacht gefeiert haben.

Denn wenn ich mir nicht gerade selber Probleme mache, dann habe ich den ungestörtesten Schlaf auf Erden. Kein Geräusch stört mich beim Schlafen. Bei mir darf man zu jeder Tageszeit anrufen. Gut, Straßenlärm höre ich ganz bißchen.

Zum Glück lebe ich im 21. Jahrhundert, mitten in der Stadt. Sonst wäre ich sicher schon lange im Schlaf von einem Säbelzahntiger erlegt oder von Banditen ausgeraubt worden. Es hatte schließlich mal eine sinnvolle Funktion, dass man im Schlaf noch was hört. Damals wäre niemand auf die Idee gekommen, zum Schlafen freiwillig Ohrstöpsel zu nehmen. Aber so ganz vorbei ist das nicht, wie mir in letzter Zeit öfter mal auffällt. Denn wovor ich inzwischen richtig Angst habe, ist Feueralarm. Nachts. Und auch noch im Winter.

Vielleicht muss ich doch mal über spezielle Rauchmelder nachdenken. Oder ich schaffe mir schnell Familie an…

Besser Reden mit Schwerhörigen: 11 Regeln von denen auch Andere profitieren

Wie macht man’s Schwerhörigen leichter und das Gespräch erfolgreich? Eine Gebrauchsanweisung:

  1. Hauptsache Reden
  2. Ruf! mich! an!
  3. In den Strafraum
  4. Hände weg
  5. Trimme den Schnauzer
  6. Fühl Dich frei
  7. Schlucke Dein Essen
  8. Singe unter der Dusche
  9. Zuwendung zeigen
  10. Erweitere Deinen Wortschatz
  11. blue steel oder le tigre?

Alles klar? Ich werde in den nächsten Tagen zu jedem dieser Punkte Genaueres schreiben und hierher verlinken…

Wer nicht hören kann, muss fühlen

Au weia. Wo Du was hörst, da taste ich nur. Und zwar nicht nur im übertragenen Sinn, sondern auch im Gehirn. Der Teil der bei Dir fürs Hören zuständig ist – und vor allem: bei mir früher war -  ist jetzt fürs Fühlen zuständig. Kann man jedenfalls vermuten, wenn an dieser Studie was dran ist (mehr in der Pressemitteilung, z.B. hier).

Na gut, das Prinzip ist ja wie beim Aufräumen. Ist der alte Schrank weg, hinterläßt er ne Lücke. Lücke sieht leer aus, also stellt man ein Tischchen rein. Bleibt nur die Frage: Fühl ich jetzt mehr als Du?

Essen mit allen Sinnen – oder auch nicht: Tsch-Tsch und Schokolade

Not quite like Beethoven ist ja leider dem Hören nicht so, anderen Sinnen dafür aber umso mehr zugetan. Essen zum Beispiel. Aber was genau ist das für ein Sinn? Ganz richtig – gar nicht einer, sondern alle. Und zwar ohne dass man was dagegen tun kann

Dass Schmecken und Riechen fast dasselbe sind weiß jeder, der sich schon mal die Nase zugehalten hat, um eklige Medizin runterzukriegen. Wenn der Tastsinn unwichtig wäre, würde wohl niemand gerne Bonbons lutschen. Auch das schreckliche Wort Mundgefühl hätte nicht erfunden werden müssen. Und weil selbst der Sound beim Kauen nicht egal ist, ist das knusprige Krachen von Marken-Keksen und Kartoffelchips schon lange Ergebnis ausgetüftelter Ingenieurskunst.

Doch wer weiß, vielleicht hat es mit der Zwangs-Vielsinnigkeit von Essen nun endlich ein Ende. Ende des Monats kommt Schokolade zum Inhalieren auf den Markt.  Nur Geschmack zum Einatmen, sonst nix. Ganz ohne blödes Mundgefühl: LeWhif

Super, Konzentration aufs Wesentliche? Ironischer Kommentar auf Diätwahn? Oder einfach nur: eklich?

Ich finde: Ausprobieren müsste man das mal, so abgefahren wie das klingt. Aber wer Schokolade will, soll auch Kalorien nehmen. Außerdem: Was ist denn schon so ein tsch-tsch gegen ein herzhaftes Krrrrackk und die darauf folgende Geschmacksexplosion. Den Unterschied hört doch jeder Schwerhörige!

Also, nur ein Kommunikationskanal reicht definitiv nicht!

Wo soll das nur alles hinführen? Und dabei fing alles ganz harmlos an:

Ich gestern so bißchen auf einem befreundeten Blog rumgeguckt. Interessante Kommentare hat sie gekriegt. Ich gerade Langeweile, sie gerade online. Darum per Skype meine Meinung dazu geschrieben. Dann bißchen drüber geschnackt. Nett wars. Schließlich nebenher doch noch nen Kommentar im Blog abgegeben und – weil ja schon mal dabei – gleich in Skype darauf hingewiesen.

Klar, in der Blog-Öffentlichkeit sagt man nicht alles, in privaten Chat schon. Aber weißte eigentlich wie unglaublich Web-2.0-mäßig das ist, sich gegenseitig im Blog zu kommentieren und dann noch darüber zu chatten? Gleichzeitig!

Stell dir mal vor wir können am Telefon ein Konferenzgespräch zu dritt haben – und zu zweit lästern wir derweil per Chat über den dritten. Und wir unfrienden ihn noch auf facebook. Stell dir das mal bitte bildlich vor!
Zum Vergleich versuch mal, sowas auch nur annähernd von Angesicht zu Angesicht durchzuziehen. Soviel Insider- und indirekte Kommunikation geht doch gar nicht.

Ich habe nur Freunde mit tiefem Timbre – versteh ick einfach besser*

Wirklich. Ich hör zwar alles schlecht, aber mittel bis hohe Frequenzen besonders. Also versteh ich hohe Stimmen kaum. Manchmal hör ich nicht einmal, dass sie was sagen. So gesehen ungünstig, dass ich nicht schwul bin. Denn leider sind es ja oft die Frauen, die die höhere Stimme haben. Meine weiblichen Freunde sind darum auch gar nicht piepsig, sondern alles ausgesuchte Resonanzkörper.

*Mit einem Zwinkern an meine liebe Freundin K.

Online? Da hilft auch Schwerhörigkeit nix

Gestern war’s eher ein kleiner Scherz, aber das Thema Leben mit Internet und Web 2.0 beschäftigt mich weiter: Wenn ich nicht aufpasse, verliere ich als Schwerhöriger dadurch Wettbewerbsvorteile.

Dass das Internet nicht nur das Lesen sondern auch das Denken verändert – und zwar nicht nur zum Guten – brennt offensichtlich vielen unter den Nägeln. So wird z.B. dieser sehr lesenswerte Artikel von Nicholas Carr aus The Atlantic seit fast ein Jahr immer wieder in Blogs thematisiert (letztens etwa hier von Berlinessa). Und ich hab  ja auch das Gefühl, dass es mir schwerer fällt, mich in längere Texte zu vertiefen.  Nach ein paar Minuten beginnt der Kopf einfach, im Hintergrund an was anderes zu denken. Das zerstreut die Aufmerksamkeit. Bin allerdings nicht restlos überzeugt, dass das nur am Internet liegt. Ich fürchte es ist auch einfach ein Teil des Berufstätig Seins und Älter Werdens.

Übrigens, kommt Dir dieser Eintrag eigentlich lang vor? ;-)

So weit, so gleich ist das Problem für alle, die beruflich viel im WWW unterwegs sind oder sich privat dem Web 2.0 hingeben. Für mich als schwerhöriger bzw. ertaubter Mensch ist aber Konzentrationsfähigkeit einer meiner wenigen Wettbewerbsvorteile. Viele nervige Ablenkungen nehme ich gar nicht erst wahr oder kann mich ihnen entziehen, einfach durch Hörgeräte ausschalten. Außerdem: Das bißchen was ich verstehe, verstehe ich nur weil ich jahrelang extreme Konzentration geübt habe. Es steht also was auf dem Spiel!

Gleichzeitig sind das Netz und all die Möglichkeiten zum sozialen Netzwerken – Email, Instant Messages, SMS, Facebook, von sowas wie Twitter gar nicht zu reden – für mich ein unglaublich wichtiger Draht zum Leben: Endlich verstehe ich zur Abwechslung mal perfekt, weil sie ja schriftlich ablaufen. Welche Erleichterung! Ich WILL sie also. Auch beruflich bin ich auf Chat und Emails angewiesen. Aber wenn all diese Lese- und Kommunikationsmöglichkeiten die Ruheräume füllen, die tiefe Konzentration braucht, dann hilft auch Nichthören oder Hörgeräte ausschalten nix. Zu diesem Dilemma wird hier sicherlich noch häufiger was zu lesen sein…

Frühling und das Web 2.0

Sonntag, Sonne  – und es hat bis eben nur ganz knapp nicht gefroren. Brr! Erste Blüten sind wieder in sich zusammen- oder gleich ganz abgefallen. Wenn nicht schon gestern in den Wassermassen ertrunken. Mir scheint, der Frühling kann ein bißchen aufmunterndes Schulterklopfen gebrauchen.

Diese zwei Plakate sind zwar schon etwas älter (letzten Herbst in der Bostoner U-Bahn gesehen) ich finde sie aber eher frühlingshaft: Rausgehen, Leute treffen, Spaß haben. Und das ganze Internet mal sein lassen. Mach ich auch gleich.

Original instant message Friendship request accepted

Wobei mir bisher nie klar war, dass Instant Messaging, Facebook und Co. langfristig die Atemerfrischer-Industrie schädigen können. Ob das wohl auch für Seife gilt….?