Ich finde, Lippen werden total unterschätzt. Augen, der Spiegel der Seele? Bah. Ich meine: Viel verräterischer ist doch der Mund. Bis etwa dreißig mag man ja vielleicht noch darüber diskutieren können. Doch spätestens ab da hat jeder deutlich den Mund den er oder sie sich verdient hat. Oder sollte ich sagen: erarbeitet? Heruntergezogene oder verschmitzte Mundwinkel, verkniffene oder entspannte Lippen. Die Haltung, mit der man das Leben nimmt, hinterläßt ihre Spuren.
Dass ich das denke ist natürlich wieder so ein Hörbehindertendingens. Münder spielen in meinem Leben einfach eine große Rolle, sie stehen im Zentrum meiner Wahrnehmung. Das sieht man auch daran, dass ich sogar von manchen meiner besten Freunden die Augenfarbe nicht genau kenne. Die Münder der allermeisten Menschen aber würde ich aus Tausenden wiedererkennen. Ich kann daran ganz kleine Stimmungsschwankungen ablesen. Und ich reagiere auch selbst sehr emotional auf Münder und wie ihre Besitzer damit umgehen.
Wie wichtig Lippenlesen für mich ist, was damit an Unannehmlichkeiten verbunden ist, und dass ich darum ne Brille zum Hören brauche, habe ich ja schon berichtet.
Stimmt Ihr mir zu?






6 Antworten bis hierher ↓
Judith // 15. Juni 2009 um 09:00
Stimmt, aber ich breche trotzdem eine Lanze auch für die Augen! Augen wie Dolche, schokoladenbraune Augen, große Augen, Sophia Loren-Augen, Roland Koch-Augen… you name it, Mr not quite like Beethoven.
Ist ja auch gar nicht so unähnlich, mit dem Mund und den Augen. Du willst Falten? Bitteschön: Eher (Zornes-?)Falten zwischen den Augenbrauen, (Grübel-?)Falten auf der Stirn oder welche vom Dauerlächeln oder anteilig in Kombination – kann man auch ganz schön viel sehen, oder? Und erst, wenn man beides zusammen anguckt!
not quite like beethoven // 16. Juni 2009 um 19:13
Das sagst Du jetzt alles nur aus Trotz, oder? Sowas versöhnliches…
Na gut, ich gebe zu: Auch ich stehe auf schöne Augen! Roland-Koch-Augen?! Brrrr…
Judith // 17. Juni 2009 um 09:22
Hihi! Stimmt, Roland-Koch-Augen sind einfach der Hammer, oder? Ein besseres Synonym für „Augen-die-einen-gruseln-machen“ ist mir zumindest auf die Schnelle nicht eingefallen. Hast Du ein ähnlich gruseliges Äquivalent bei Mündern?
the fräänk // 17. Juni 2009 um 11:41
Na, ich nehme mal an: Roland Koch.
not quite like beethoven // 17. Juni 2009 um 19:59
Hahaha, ja. Und einen Französischlehrer von mir aus der Mittelstufe. Aber den kennt ja hier keiner…
kace-68 // 31. August 2009 um 17:56
Das Auge bei TATORT Filmvorspann und ich erinnere mich noch an Sandokan. WOW!
Menschenskinnnnnner
Mein Mathelehrer kam nach der Reserve ohne Bart, d.h. schwarze Haare, dunkle Augen, braune Wangen und darunter der schwarze 5Tagebart war nackte weiße Haut. Ö – vor allem die Mädels waren geschockt.
Oder dieser Megafilm mit der Titanic. Der Kunstgriff ging durch das Auge der alten Dame in die Erinnerungen des Untergangs. Der Film ist Geschmacksache, aber die technische Umsetzung duchaus interessant wie bei Shrek.
Der Esel … und genug für heute …