Monatsarchiv: Juli 2009

Bei mir dagegen, ein Glücksspiel — Schwerhörigkeit und die Fremdsprache IV

Schwierig ist es ja immer für mich, das Gespräche Führen. Dass aber im letzten Jahr fast jede Unterhaltung auf Englisch stattfand, hat mir in sehr vielen Situationen den Rest gegeben. Besonders ungern erinnere ich mich etwa an eine wunderbare Halloween Party, auf die mich meine Mitbewohnerin mitnahm…

LODA Halloween Party -- Photo by Sexy Fitsum / flickr

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Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #4: Beeinflusse die Sitzordnungen

Hätte ich nur einen einzigen Wunsch frei, um mein Leben als Schwerhöriger im Berufsleben zu verbessern — ich würde sagen: Ich will die Kontrolle über die Sitzordnungen. Denn die sind wohl das einfachste Mittel mit der größten Wirkung.

Wenn etwa zwischen allen Anwesenden zu großer Abstand herrscht, wichtige oder gar alle Redner auf der Seite mit dem schlechteren Ohr sitzen oder mitten im Gegenlicht vor einem Fenster, dann wird das Verstehen mühsam bis unmöglich. Ideal ist, wenn der Schwerhörige sich im Raum dorthin setzen kann wo er oder sie will — und dann alle anderen entsprechend platziert werden.

Wie genau „entsprechend“ geht, kann ich hier nur für mich sagen, denn jede Schwerhörigkeit ist anders. Für mich am besten ist: In der Mitte des Tisches bzw. ein bißchen in die eine oder andere Richtung versetzt, wenn dort Personen sitzen, von denen wichtige Beiträge erwartet werden (Kunden, Berater, Lehrpersonen, etc.). Die will ich halbrechts von mir haben. Nur halbrechts, damit ich mir nicht den Kopf verrenken muss um sie anzusehen. Manchmal setze ich mich auch mit dem schechten Ohr dicht an eine wichtige Person und lasse das gute ‘den Raum überwachen’. Ich bin außerdem als jemand bekannt, der Leute bittet, doch ein bißchen zusammenzurücken, wenn sie sich gar zu sehr in alle vier Ecken des Raumes verteilen. Bei Vorträgen gehe ich in die erste Reihe, manchmal auch in die zweite oder dritte, wenn von dort aus die Sicht angenehmer ist. Und ich setze mich nie in die Mitte des Raumes, sondern immer ein wenig seitlich an den Rand, möglichst mit einer Wand im Rücken. Wegen des Halls.

Meiner Erfahrung nach sind die meisten Menschen, schnell bereit sich entsprechend zu setzen — wenn man ihnen die Sache vorher nett und nicht auf den letzten Drücker erklärt (siehe dazu Tipp #2) .Wenn Hierarchie freie Platzwahl nicht zuläßt, kann man meist immer noch die gesamte Runde ‘um den Tisch drehen’. Oder über die Kontrolle des Mobiliars Verbesserungen erreichen (Tische umstellen oder anders anordnen). Oder wie seht Ihr das?

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Ich freue mich…

… dass Not quite like Beethoven langsam aber sicher zur Anlaufstelle für die wirklich wichtigen Fragen im Leben wird. Und hoffe sehr, dass meine Beiträge dem Sucher mit dem folgenden Anliegen zwar unerwartet aber doch interessant vorkamen:

Wie macht man Kinder?

Not quite like Beethoven — querbeet gelesen

Warum bloggt man über Schwerhörigkeit? Was steckt hinter diesem komischen Namen? Und was ist eigentlich mit Beethovens Musik? Andrea von querbeet gelesen hat sich für die Hintergründe von Not quite like Beethoven interessiert und mich interviewt. Bitte mal ansehen gehen. Und bißchen rumstöbern.

Denn umsonst dazu gibt’s bei querbeet gelesen eine große Dosis Sprachgefühl. Hier bei mir hat Andrea mir zuletzt das nun unvergessliche „Schruffeln“ beschert…..

Zwei Klicks am Montagmorgen: Petition für Untertitel im öffentlich-rechtlichen TV (und Aktion Gegen-Synchro)

Guten Morgen, einen wunderschönen Montag wünsche ich! Eine kurze Durchsage:

So unersetzlich Untertitel in Film und Fernsehen für Hörbehinderte sind, so stiefmütterlich gehen die deutschen Behörden und Rundfunkanstalten mit dem Thema um. Nicht dringlich und nicht machbar, sagen die Verantwortlichen — und könnten nicht falscher liegen. Dass das Beispiel USA zeigt, wie es gehen kann und dass vor allem nicht nur Hörbehinderte profitieren habe ich vor kurzem hier schon einmal beschrieben. Auch in England läuft es genauso.

Für Deutschland kann man jetzt eine Untertitel-Petition mitzeichnen für eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrages. Das ist ein bißchen ungünstig, weil er ja gerade erst geändert worden ist — und das in einem äußerst zähen Prozess. Aber dennoch, mit vielen Unterzeichnern für die Petition erhält das Anliegen wenigstens Aufmerksamkeit. Mit dem Hinweis auf eine hohe Zahl von Mitzeichnern kann man dann weiterarbeiten. Also bitte: Mitzeichnen! Danke.

UPDATE: Bitte auch die Kommentare lesen und mal die Aktion Gegen Synchro ansehen gehen…

Das Wort zum Sonntag: Serenity

Take my love, take my land,
Take me where I cannot stand.
I don’t care, I’m still free,
You can’t take the sky from me.

Take me out to the black,
Tell them I ain’t coming back.
Burn the land and boil the sea,
You can’t take the sky from me.
There’s no place I can be
Since I’ve found Serenity–
But you can’t take the sky from me.

Joss Whedon, The Ballad of Serenity
[If you don't know what this is look here]

Zuhören auf schwerhörig: Warum sagen Schwerhörige eigentlich so oft „jaja“ auch wenn sie nichts verstanden haben

Sag’s doch wenn Du was nicht verstehst! Einer der Sätze, den Schwerhörige am häufigsten hören. Ich kenne ihn auch oft genug gemischt, mit ein bißchen Aggression, weil sich mal wieder herausgestellt hat, dass ich etwas nicht verstanden aber dennoch „jaja“ gesagt habe. Ich habe auf diese Weise sogar einmal den Umzug meiner Freundin verpaßt, bei dem ich eigentlich helfen sollte. Zumindest muss ich das annehmen, denn ich weiß nur, dass ich sie einmal anrief — und sie sagte: „Wir haben gerade alles zu zweit hochgeschleppt, danke.“ Sie hat es mir immer noch nicht verziehen.

Warum also sage ich und sagen all die andern nicht Bescheid, sobald ich etwas nicht verstehe? Sind die alle verschüchtert oder zu bequem? Nein. Es ist ein bißchen komplizierter.

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Verflixte Witze!

Ich glaub ich bin witzbehindert. Weil witzig ist ja einfach nur das was man nicht erwartet – oder was ein bißchen anders kommt als man denkt. Aber gerade alles Unbekannte, Unerwartete verstehe ich besonders schlecht. Außerdem bringen die Leute die Pointe fast immer schneller, manchmal auch leiser, gebrüllt oder in komischem Dialekt. Stand-up und andere Comedy-Vorstellungen waren noch nie wirklich was für mich.

Schade. Das hier z.B. fand ich vor Jahrzehnten zum Schießen! Jaja, ich weiß schon…..

Kinder und Schwerhörige — geht das zusammen?

Das ist ja alles schön und gut mit meinen Regeln, der Gebrauchsanweisung für Schwerhörige. Aber Sigrid hat eine gute Frage gestellt, hier in den Kommentaren:

Aber wie bringe ich es meinen Wirbelwinden von Kindern bei, wie sie mit [dem schwerhörigen] Opa sprechen müssen?

Kinder beim Spielen, Foto by Torsten-Schröder / pixelio.de

Ja, wie macht man das? Wie geht man als Schwerhöriger mit Kindern um oder wie bereitet man sie auf den Umgang mit einem vor?

Ehrlich gesagt, ich habe ich dazu rein gar nichts zu sagen. Ich kenne nur das Problem. Kinder, insbesondere kleine Kinder verstehe ich so gut wie nie! Die hellen Stimmen, das Rumgewusel, die kindliche Aussprache… Das ist so schlimm, dass ich ihnen oft ausweiche oder mir übersetzen lasse — so dass ich schon wirklich Angst davor habe wie das wohl wird, wenn ich selber mal welche habe. Denen sollte man ja wohl nicht ausweichen. Und Angst haben vor ihnen auch nicht.

Darum mal von mir die Frage in die Runde: Was habt Ihr für Erfahrungen mit Kindern und Schwerhörigkeit gemacht? Wie geht man damit um? Gibt’s da mehr zu zu sagen als „es ihnen in ner ruhigen Minute erklären“?

Über Tinnitus und High-Tech Ohrstöpsel

Schon etwas älter aber sehr interessant: Jerome Groopman schreibt im New Yorker über Tinnitus und die Forschung dazu — und in der Mitte des Artikels gibt’s einen längeren Exkurs über Lärmschutz beim US Militär und Schwerhörigkeit bei Veteranen.

Theresa Schulz, an audiologist who served in the military for twenty-one years, told me that hearing loss accompanying tinnitus is now the No. 1 cause of disability among veterans of the conflicts in Afghanistan and Iraq. “I think it’s probably because of the nature of urban warfare,” she said, given that gunfire and mortar and grenade explosions occur in relatively confined and often closed areas.

Das Versprechen

„Was wir nicht ändern, ist nicht zu ändern“, warb das Schild im Schaufenster. Eine Änderungsschneiderei, aber was für eine! Was würde man da nicht alles hinbringen wollen, um es zu ändern — oder zumindest die Gewissheit zu haben, dass man sich damit abfinden muss. Erst die tolle Hose, von der man sich verabschieden muss, dann vielleicht den Geldbeutel, der immer so leer ist. Schließlich den Chef, die Freundin, Entscheidungen, die man mal getroffen hat — den eigenen Körper?

Das kann ja heiter werden, dachte ich. Leland Gaunt ist nach Schöneberg gekommen. Ich werde meine Nachbarn aufmerksam beobachten und weiter berichten…

Der lange Abschied — von der Welt und dem Leben, das man sich wünschte

Arbeit sollte so gestaltet sein, dass sie immer Zeit für ein kleines zweites Frühstück läßt. Heute: Dabei gelesen, und sehr berührt gewesen. Über eine junge Frau — mitten im Leben und im Beruf sollte es gerade richtig losgehen — die langsam aber sicher erblindet. Der lange Abschied vom Licht (von Nina Poelchau im SZ magazin 29/2009).

Bei mir ist es nicht das Licht — aber ich erkenne sie genau, die Gefühlslandschaft, die da vor mir aufgefächert wird. Dieser Schmerz, die Verzweiflung und die Wut über die Ausweglosigkeit. Den Trotz, weil man das führen will, was man für sein Leben hält. Und es damit möglicherweise nur noch schlimmer gemacht hat. Wie wichtig das über-andere-Themen-sprechen für einen ist und wie vergeblich, weggucken, von diesem Schicksal frei sein zu wollen.

Und bei alldem –  die immer wiederkehrende Einsamkeit, und die Angst: Wer soll einen „und dieses Gebirge an Not aushalten“ können?

Viel Glück

Sie war mir sofort aufgefallen, als ich am Südstern in die U-Bahn stieg. Ich setzte mich so, dass ich sie während der Fahrt anschauen konnte. Dunkle Haare, die ihr ins Gesicht fielen, weil sie konzentriert in das Buch auf ihrem Schoß sah. Trotzdem saß sie angenehm entspannt. Ich mag es, wenn sich Leute in ihrem Körper wohlfühlen.

Mir fiel auf, dass sie nur den Pappeinband des Taschenbuches nach hinten umgeschlagen hatte — so wie man es bei Zeitschriften tut. Bei Büchern kann ich das nicht ausstehen. Aber während die meisten Menschen das mit dem kompletten Buch tun, tat sie es nur mit dem Einband. Ich starre nicht gerne, darum beobachtete ich sie während der Fahrt nur hin und wieder. Immer fiel mir der wunderschöne, volle Mund in dem eher schmalen Gesicht auf. Lippen, die ich gerne küssen würde.

Als sie ausstieg — in dem Moment, in dem sie das Buch in die Tasche steckte — erhaschte ich einen Blick auf den Einbad. Die Bulimie besiegen. In der Lederhose wirkten ihre Beine auf einmal sehr dünn. Ich bin kurz schockiert — und wünsche ihr im Stillen viel Glück.

Geht doch mal…

hier gucken! Creezy, die einige von Euch vielleicht aus meinen Blogempfehlungen kennen, hat sich von meinen Sonntagsgrübeleien angesprochen gefühlt und drüben bei Holy Fruit Salad mal schnell ziemlich beeindruckende Dinge dahingesagt — über ihre Erfahrungen und Vorstellungen vom Leben mit Behinderten.

Ein Lichtdouble schöner als das andere

..das eigentliche Bild nämlich. Vermute ich zumindest mal, kenn sie ja nicht. Schaut mal hier, und blättert ein bißchen rum. Ich musste gerade so lachen!

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[via Jeriko]

Grausige Geräusche #3

Dieser verflixte Tinnitus! Gut, für was im Bereich Ohregeräusche sonst noch so geht hab ich’s, glaub ich, noch ganz gut getroffen. Ein hohes Pfeifen, wie ein Sinuston. Manchmal auch ein Klingeln. In beiden Ohren. Aber dennoch: HAAARGH!

Aufwachen ist besonders furchtbar. Stellt Euch vor, zu Baulärm aufzuwachen, der dann aber nie wieder aufhört. Aufwachen heißt, in eine Welt geworfen werden, in der ich nicht sein will. Die ich aber auch nicht wechseln kann. Kostet einiges an Überwindung, und frohgemut ist es eigentlich nie. Oft will ich am liebsten wieder schlafen gehen. Denn in meinen Träumen bin ich tinnitusfrei.

Ist das ein Betrieb auf meinem Balkon heute…

Butterflies-on-my-balcony_1 -- Photo by Not quite like Beethoven, all rights reserved

Butterflies-on-my-balcony_3 -- Photo by Not quite like Beethoven, all rights reserved

Butterflies-on-my-balcony_3 -- Photo by Not quite like Beethoven, all rights reserved

Butterflies-on-my-balcony_4, Photo by Not quite like Beethoven, all rights reserved

„Behindert ist man nicht, behindert wird man“ — doch kein guter Spruch?

Es ist ja einiges dran, gerade wenn man ihn benutzt um gegen Diskriminierung anzugehen. Aber ist so zu reden wirklich eine gute Idee? Zumindest ist es nur die halbe Wahrheit, finde ich, jedenfalls was Hörbehinderung angeht.

Damit behauptet man ja, Behindertsein sei keine Eigenschaft einzelner Menschen, sondern das Ergebnis des diskriminierenden Tuns von Menschen. Und schiebt denen damit den schwarzen Peter zu. Aber wenn man das wirklich ernst nimmt, dann müsste man doch auch sagen: Wer schwerhörig ist, behindert Normalhörende. In ihren Kommunikations- und Entfaltungsmöglichkeiten nämlich.

The Fountain on Washington Square -- Photo by Not quite like Beethoven, all rights reserved

Das ist jetzt nicht nur Wortakrobatik, sondern genau das, was mich oft an meiner Schwerhörigkeit verzweifeln läßt. Dass es nämlich letztlich immer wieder darauf hinausläuft, anderen zur Last zu fallen — indem man sie um Hilfe bittet. Nochmal sagen. Nicht so, sondern so reden. Etwas aufschreiben, einen Moment warten weil gerade ein Störgeräusch da ist. Näher herankommen. Was hat der da drüben gerade gesagt? Man lese nur all die Regeln die ich selbst aufgestellt habe. Natürlich hab ich guten Grund, das zu fordern; nette Menschen sehen das ein und wollen mir helfen. Es ist ja auch nicht so viel verlangt. Und es gibt sogar Situationen, in denen alle davon profitieren, wenn ‘ordentlich’ geredet wird.

Aber trotzdem, es bleiben Forderungen. Und zwar viele und immer wieder. Dieses dauernde Querulantsein macht mich echt fertig. Mal ganz davon abgesehen, dass selbst beste Freunde oder Ehepartner von ständigem Wiederholen öfters unwillkürlich aggressiver werden oder von den ganzen Notwendigkeiten genervt sind. Weil es einfach nie leicht ist mit mir.

Wäre es dann nicht eigentlich zutreffender — und vielleicht auch politisch schlauer — wenn man den Spruch sein ließe? Und stattdessen sagte, es sind gar nicht Menschen die behindert werden, sondern die Kommunikation?

Erstens verteilt man dann keine schwarzen Peter. Und zweitens sieht man dann gleich, dass Hörbehinderung ein Problem ist, das nie nur einen allein betrifft. Und auch nicht von einem allein gelöst werden kann. Egal wie sehr man sich anstrengt. Es braucht immer beide (oder alle) Beteiligte.

Nur mal so in den Raum gestellt…

Heatwave, damals — und nochmal damals

Das verspricht ja wieder schön warm zu werden heute. Ich freu mich. Ich finde dazu paßt:

1977: (Heatwave: Ain’t No Half Steppin’)

Später ist daraus dann übrigens das hier geworden – und das find ich auch sehr schön:

1988: (Big Daddy Kane – Ain’t No Half Steppin’)

1988: (Doug E Fresh – Keep Risin’ to the Top)

Schwerhörigkeit zu langweilig für Literatur und Film? Oder warum gibt’s keine schwerhörigen Helden?

Seit ich dieses Blog begonnen habe, suche ich nebenher nach schwerhörigen Figuren in (fiktionaler) Literatur und Film. Gefunden habe ich nur sehr wenige und nur gehörlose. Schwerhörig sind scheinbar nur komische oder schrullige Nebenfiguren, vielleicht noch Opfer von Unfällen.

Mein erster  Fund, der mich sehr begeistert hat, war die von Geburt an gehörlose Superheldin Echo. Sie hat eine geradezu übersinnliche Auffassungs- und Beobachtungsgabe. Nur schwerhörig, wäre sie wohl nicht vorstellbar – und auch nicht wirklich interessant.

Bei der umstrittenen Folge der TV-Serie Dr. House, die ich ziemlich spannend fand, haben sich die Autoren nicht von ungefähr für einen Gehörlosen und das Thema Cochlea Implantat entschieden. Die Dramatik des NICHTS Hörens und dann DIE FLUT DER EINDRÜCKE. Sich ein Hörgerät abzureißen wäre wohl nicht besonders dramatisch. Ganz anders dagegen die (unrealistische) Idee, sich das Implantat herauszureißen!

Und auch Desmond Bates, der schwerhörige Protagonist aus David Lodges „Deaf Sentence“ (meine Rezension hier)  stellt fest, Blindheit sei tragisch, Schwerhörigkeit dagegen allenfalls kauzig oder komisch.

Für die Fernsehserie Heroes wurden ja  vor kurzem „hearing impaired“ Darstellerinnen gesucht. Meine Prognose wäre: Auch hier wird es eine komplett taube oder gehörlose Figur sein. Und wer weiß, vielleicht sogar von Echo inspiriert.

Ich würde ja gerne meine Reihe Taube Helden fortsetzen, aus Belletristik und fiktionalem Film und Fernsehen. Aber irgendwie scheint Schwerhörigkeit nicht dramatisch genug. Ich hoffe jetzt kommt und widerspricht mir wer mit einem schönen Beispiel…

Musikbelustigung oder Lärmbelästigung: Was macht man eigentlich mit U-Bahn-Musikern wenn man sie nicht hören kann?

Music on the Subway -- Photo by Ryan Gessner, some rights reserved

Perlen, manchmal sind es einfach nur Perlen, die da in der U-Bahn spielen. Ich erinnere mich an einen traumhaften Sänger, dessen Stimme mich in Boston, noch nicht ganz wach, auf dem Weg zur Arbeit mitnahm und den ganzen Tag begleitete. Oder dieser sichtbar kaputte Charakter aber begnadete Gitarrist in Berlin, wie Emmet Ray aus Sweet and Lowdown, toller Film übrigens. Manchmal macht einfach auch das Zusehen Spaß — ich könnte wetten, dass das bei den beiden Kollegen auf dem Foto der Fall war.

Je schlechter ich höre, umso weniger habe ich davon. Wenn ich jetzt in Gedanken versunken bin und nicht hinsehe, dann merke ich manchmal nicht einmal, dass am anderen Ende des Wagens jemand begonnen hat zu musizieren. So laut und dominant ist durch das Hörgerät das Rattern und Heulen der Bahn. Dazu vielleicht noch das Geräusch der Unterhaltung direkt neben mir. Wenn ich also nicht direkt daneben stehe, habe ich sowieso nichts mehr davon. Und selbst dann eigentlich nur, wenn es eine gute, laute Stimme ist oder eine laute, prägnante Melodie — die die Automatik des Hörgeräts ein bißchen aus dem Störschall herausfiltern kann. Gitarre, das Lieblingsinstrument aller Straßenmusiker, geht eigentlich gar nicht.

Viele dieser Musiker wollen sicher nicht betteln. Man gibt für ihre Musik. Aber was soll ich tun, wenn ich ihre Musik nicht einmal hören kann? Wäre es nicht eine Beleidigung, wenn ich sie zum Bettler mache? Oder wenn sie mich nur nervt, weil sie für mich nichts als Lärm ist? Klar, niemand weiß, aus welchem Grund ich gebe oder nicht gebe. Aber unwohl fühle ich mich jedesmal. Schließlich muss ich auch immer die Blicke dessen aushalten, der schaut ob ich geben möchte — oder wie die meisten, den Blickkontakt einfach vermeiden. Früher habe einfach gegeben, wenn mir die Musik gefallen hat, soll ich jetzt anhand der Kleidung entscheiden?

Ich habe auch das Gefühl, dass das meiste was mir in letzter Zeit so begegnet, schnelles und liebloses Heruntergeschrammel und ein bißchen Rumgesinge ist. Manchmal sogar noch mit einem kleinen, leicht verwahrlost aussehenden Kind dabei, das Geld einsammeln darf. Die Türen gehen zu, der Lärm geht los, nach 20 Sekunden soll man zahlen und nach 30 ist alles vorbei, weil an der nächsten Station schon wieder ausgestiegen wird. Das ärgert mich manchmal maßlos, ich finde das eine Zumutung: Für mich ist das Lärmbelästigung. Vor allem wenn mir dann noch fordernde bis vorwurfsvolle Blicke begegnen. Und das mit den Kindern…!

Am besten gefällt mir, und davon habe ich dann im Idealfall auch was, wenn sich Leute über zwei oder drei Stationen Zeit nehmen. Auch die Strecke sollte gut gewählt sein — manche Linien oder Streckenabschnitte sind einfach zu laut. Letztens zum Beispiel war da so ein junger Typ, der auf einem dieser kleinen Omi-Einkaufswägen einen Verstärker hinter sich herzog. Er hatte also Bass, Gitarre und Gesang. Das war alles laut genug und hob sich vom Fahrgeräusch ab. Wunderbar. Den hätte ich gern noch ein bißchen länger gehört….

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie handhabt Ihr das? Gebt Ihr — und wenn ja wofür?