Not quite like Beethoven

Hörbehindert an der Waffe — Sollten Schwerhörige und Gehörlose Soldaten werden?

7. Juli 2009 · 7 Kommentare

Nach dem Thema Politik und Gehörlosigkeit, bei dem’s ja auch ums Autofahren ging, frag ich mal in die Runde: Sollten Schwerhörige und Gehörlose Wehrdienst leisten müssen? Sollen sie Soldat werden dürfen?

Miliziano colpito a morte, photo by SCAD1 / flickr, some rights reserved

Ich meine, auf der Outputseite ist alles klar: Das Militär ist einer der wichtigsten Produzenten von Spätertaubten — Knalltrauma durch Gewehrfeuer nämlich. Hörschäden sind die häufigsten erworbenen Behinderungen von Veteranen (zumindest in den USA laut dieser Quelle):  Mehr als 46.700 Veteranen aus Afghanistan und Irak haben Hörschäden registriert, viele davon dauerhafte. Aber wie sieht’s auf der Inputseite aus? Oder wie sollte es da aussehen?

Hier in den USA z.B. werden immer dann, wenn Leute gebraucht werden, die Tauglichkeitsstufen runtergesetzt. Also jetzt gerade zum Beispiel. Darum dürfen inzwischen auch Vorbestrafte dienen. Schwerhörige und Gehörlose sind jedoch noch immer ausgeschlossen. Soweit ich weiß, ist das in Deutschland nicht anders. Die genaue Begründung kenne ich nicht, hier wird behauptet, die militärische Führung in den USA lege Wert darauf, dass jedes gebrüllte Kommando bis zur letzten Silbe verstanden werde (mehr Info auch hier). In Israel dagegen müssten Taube wie Schwerhörige genauso wie alle anderen dienen. Und wenn die oben zuerst zitierte Quelle Recht hat, dann gab es sogar Gehörlose in der deutschen SS.

Abgesehen vom dürfen könnten Hörbehinderte das überhaupt? Dass sie Büroarbeiten erledigen können ist ja klar. Bleiben wir mal beim Grundwehrdienst und beim Kampfeinsatz. Hier exemplarisch (und übersetzt) eine Argumentation, warum selbst Gehörlose problemlos Dienst an der Waffe leisten könnten (von hier). Bildet Euch selber eine Meinung: Bei mündlich gegebenen Befehlen sieht der Offizier den Soldaten normalerweise an, daher kann von den Lippen abgelesen werden. Ein Ausbilder, der einen Rekruten einschleift (man kennt das ja aus Filmen), wird sein Gesicht dicht an das des Rekruten bringen. Hörbehinderte können also verstehen und vor Angst zittern wie alle anderen auch. Wenn gebrüllte Befehle nicht von den Lippen abgelesen werden, können sie trotzdem schnell verstanden werden, weil man die Reaktionen der anderen Soldaten sieht und sie nachmachen kann. Wenn man den Beschuss hört, sei es sowieso zu spät zum Ausweichen und dass man beschossen würde, sehe man wiederum an den Deckung suchenden anderen.

Wie seht Ihr das? Ich meine man kann ja sagen: JA, zumindest Grundwehrdienst sollen sie dürfen und müssen. Das hat was mit Gleichberechtigung und Pflichtbewußtsein zu tun! Außerdem sollte man sich auf einer Behinderung nicht wie auf Lorbeeren ausruhen und sich drücken. Erst recht nicht, wo die Bundeswehr vor allem friedenssichernde Aufgaben übernimmt. Da können wir auch Schwerhörige und Gehörlose brauchen. Außerdem müssen wir sowieso mal wieder über den Platz von Wehrpflicht und Armee in unserer Gesellschaft reden.

Oder man könnte sagen: NEIN, man muss die Gleichberechtigungsbemühungen nicht soweit treiben, dass man sich endlich auch anbrüllen lassen, auch töten und auch sterben darf? Außerdem ist es blödsinnig, Behinderte zwanghaft überall repräsentieren zu wollen.

Ich persönlich bin – damals mit mittelgradiger Schwerhörigkeit – ausgemustert worden. Ich musste nicht mal zum Vorstellungstermin. Das fand ich damals toll! Allerdings sagte man mir, schon etwa vier Wochen später hätte das vermutlich anders ausgesehen. Denn wäre ich in eine andere Tauglichkeitsstufe gekommen, bei der sie noch Verwendung für mich gefunden hätten — vermutlich irgendwo am Schreibtisch. Heute sehe ich das etwas abgeklärter. Fände es zwar gut, wenn’s gar kein Militär gäbe. Doch da man’s, wie die Dinge liegen, ja nicht einfach abschaffen kann, mache ich mir gerade mal wieder Gedanken darüber wie ich dazu stehen soll. Auf jeden Fall finde ich: Man sollte nicht, nur weil man schwerhörig oder gehörlos ist, denken, das gehe einen gar nichts an.

Also — wie haltet Ihr’s mit Hörbehinderung und der Armee?

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7 Antworten bis hierher ↓

  • Andrea // 8. Juli 2009 um 00:07

    Die Wehrpflicht gilt in Deutschland sowieso nicht für alle. Warum sollten dann Behinderte müssen?

  • not quite like beethoven // 8. Juli 2009 um 11:05

    Man könnte sagen: Weil wir eine allgemeine Wehrpflicht haben, d.h. eine Pflicht und eine die für alle gelten soll. Es gibt ja auch Leute, die für Frauen als Soldaten kämpfen. Wobei ich nicht sogenau weiß wie viele für die Wehrpflicht für Frauen kämpfen. ;-)

  • Boah ey // 8. Juli 2009 um 23:01

    manche Berichte sind echt gut Hut ab! Aber so ein Mist wie hier bitte nix ;-)

  • not quite like beethoven // 9. Juli 2009 um 01:03

    Boah ey, habe einen der beiden Kommentare gelöscht. Beleidigung muss nicht sein, man versteht auch aus dem 2. Versuch was Du meinst.
    Freut mich, dass einige Einträge Deinen Geschmack getroffen haben, ich kann und will aber nicht garantieren, dass Du nicht mehr enttäuscht wirst. Nachdem ich über die oben erwähnten Quellen gestolpert war, interessierte mich einfach, was andere so über dieses Thema denken….

  • the fräänk // 9. Juli 2009 um 07:55

    Und wems nicht gefällt, der kann ja weglesen, ähh klicken.

    Wehrpflicht für Frauen wird glaubich von niemandem ernstaft gefordert. In machnen – meist konservativeren – Köpfen spukt eine allgemeine Dienstpflicht für Frauen und Männer herum, also Wehrdienst oder Pendant zum Zivildienst oder zum freiwilligen ökologischen Jahr oder so. Aber mehrheitsfähig wird das nicht so schnell.

  • not quite like beethoven // 9. Juli 2009 um 10:05

    Also, wem was nicht gefällt, der soll sich schon melden, bitte. Ist ja bißchen langweilig sonst. Nur, der Ton macht die Musik.

  • not quite like beethoven // 11. Juli 2009 um 21:19

    Hm, ist wohl ein amerikanisches Thema. Für wen’s interessiert: Hier wird (für USA) argumentiert, es sei gut, wenn Hörbehinderte ins Militär könnten, weil sie auf dem normalen Arbeitsmarkt Probleme haben und beim Militär richtige Jobs finden könnten anstatt in Arbeits-Beschaffungs-Maßnahmen versteckt zu werden.

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