Not quite like Beethoven

„Behindert ist man nicht, behindert wird man“ — doch kein guter Spruch?

19. Juli 2009 · 18 Kommentare

Es ist ja einiges dran, gerade wenn man ihn benutzt um gegen Diskriminierung anzugehen. Aber ist so zu reden wirklich eine gute Idee? Zumindest ist es nur die halbe Wahrheit, finde ich, jedenfalls was Hörbehinderung angeht.

Damit behauptet man ja, Behindertsein sei keine Eigenschaft einzelner Menschen, sondern das Ergebnis des diskriminierenden Tuns von Menschen. Und schiebt denen damit den schwarzen Peter zu. Aber wenn man das wirklich ernst nimmt, dann müsste man doch auch sagen: Wer schwerhörig ist, behindert Normalhörende. In ihren Kommunikations- und Entfaltungsmöglichkeiten nämlich.

The Fountain on Washington Square -- Photo by Not quite like Beethoven, all rights reserved

Das ist jetzt nicht nur Wortakrobatik, sondern genau das, was mich oft an meiner Schwerhörigkeit verzweifeln läßt. Dass es nämlich letztlich immer wieder darauf hinausläuft, anderen zur Last zu fallen — indem man sie um Hilfe bittet. Nochmal sagen. Nicht so, sondern so reden. Etwas aufschreiben, einen Moment warten weil gerade ein Störgeräusch da ist. Näher herankommen. Was hat der da drüben gerade gesagt? Man lese nur all die Regeln die ich selbst aufgestellt habe. Natürlich hab ich guten Grund, das zu fordern; nette Menschen sehen das ein und wollen mir helfen. Es ist ja auch nicht so viel verlangt. Und es gibt sogar Situationen, in denen alle davon profitieren, wenn ‘ordentlich’ geredet wird.

Aber trotzdem, es bleiben Forderungen. Und zwar viele und immer wieder. Dieses dauernde Querulantsein macht mich echt fertig. Mal ganz davon abgesehen, dass selbst beste Freunde oder Ehepartner von ständigem Wiederholen öfters unwillkürlich aggressiver werden oder von den ganzen Notwendigkeiten genervt sind. Weil es einfach nie leicht ist mit mir.

Wäre es dann nicht eigentlich zutreffender — und vielleicht auch politisch schlauer — wenn man den Spruch sein ließe? Und stattdessen sagte, es sind gar nicht Menschen die behindert werden, sondern die Kommunikation?

Erstens verteilt man dann keine schwarzen Peter. Und zweitens sieht man dann gleich, dass Hörbehinderung ein Problem ist, das nie nur einen allein betrifft. Und auch nicht von einem allein gelöst werden kann. Egal wie sehr man sich anstrengt. Es braucht immer beide (oder alle) Beteiligte.

Nur mal so in den Raum gestellt…

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18 Antworten bis hierher ↓

  • Muriel // 19. Juli 2009 um 00:46

    In seiner Absolutheit ist der Spruch sicherlich Unsinn, denn es gibt nun einmal leider Menschen mit Behinderung, ob man nun genau dieses Wort benutzen mag oder nicht.
    In jedem Fall vom Rest der Gesellschaft zu erwarten, ohne Rücksicht auf Verluste die Behinderung restlos auszugleichen, finde ich auch überzogen.
    Sicher erwartet das auch nicht jeder, der diesen Spruch benutzt, aber für mich klingt er immer ein bisschen so.
    Dass die Kommunikation behindert wird, ist aus meiner Sicht ein Spezialfall bei Schwerhörigkeit, dann aber sicherlich zutreffend.
    Vielleicht sollten wir uns von dem Spruch aus der Überschrift ganz verabschieden und nach einer völlig anderen Alternative suchen. Jetzt gerade fällt mir aber leider keine gute ein.
    Ergibt das irgendeinen Sinn, oder sollte ich so spät nicht mehr zu so schwierigen Themen schreiben?

  • Frauke // 19. Juli 2009 um 08:08

    Doch: nach einer völlig anderen Alternative suchen, finde ich am besten. Denn der Spruch teilt ja immer ein, in Behinderte und Nicht-Behinderte, das alleine ist schon blöd.

    Ich persönlich empfinde die Menschen am angenehmsten, die es schaffen, jeden anderen anzunehmen und ernst zu nehmen – als Individuum, wie er/sie ist. (Nicht nur sogenannte Behinderte, auch Alte, Kranke, Kinder, und was es dergleichen angeblich anstrengenden Nicht-Normalos sonst noch so gibt.) Für diese Menschen ist das, was nqlb in seinen Regeln völlig richtig beschreibt, eine Selbstverständlichkeit, sie machen das in der Regel auch automatisch. Es ist ein sich einlassen auf den anderen und nicht Rücksichtnahme, Anstrengung oder ähnliches. Ich habe ein wenig Schwierigkeiten, es zu beschreiben, denn der Hauptunterschied liegt darin, wie es sich anfühlt.

    nqlb: daraus folgt ‘natürlich’, dass man ein gewisse Auswahl trifft, letztlich eben nicht mit jedem/jeder kommuniziert oder interagiert. Das geht natürlich nicht immer, aber zumindest Lebenspartner/innen und Freunde/innen sollten schon passen, dann kann man die anderen und ihr Genervtsein auch besser ertragen.

  • kerstin // 19. Juli 2009 um 08:38

    hmhm, ich frage mich echt, wer es war, der zwischen „behindert“ und „nicht-behindert“ urteilt … ganz bestimmt nicht die, die selbst vom mainstream als – nett ausgedrückt – „besonders“ angesehen werden.

    daher finde ich den spruch äußerst treffend – vor allem in unserer unglaublich auf normalität fixierenden gesellschaft (obwohl – gibt es das denn, bei so viel vielfalt hier…?!)

    ich persönlich, lieber nqlb, habe das sprechen aufgegeben, und trage stattdessen stets stift und papier bei mir rum – und siehe da, ein WUNDER ist geschehen: ich werde weniger behindert, es entstehen öfters lachsalven und ernste gesichter, deren stirn wunderbar gerunzelt sind … ein wahrhaftes gespräch ist nun möglich geworden, ohne jedem externen störeinfluss zum opfer zu fallen!

    daraus folgere ich, dass es ganz und gar auf die perspektive ankommt, ob man nun behindert ist oder wird oder umgekehrt oder beides zugleich oder gar nicht ;-)

  • Enno // 19. Juli 2009 um 12:02

    Ich fand den Spruch schon immer doof: Meine Umwelt hindert mich ja nicht am hören, es ist immer noch mein Gehör, das nicht richtig funktioniert.

    Dem Wortsinne nach ist das Wort „Behinderung“ eigentlich ein sehr gut gewähltes: Es zeigt, dass man nicht ge- oder -ver, aber eben be-hindert ist, bestimmte Dinge zu tun. Ein Rollstuhlfahrer kann eben nicht laufen. Und es ist auch keine Diskrimierung, wenn man diese Abweichung von der Norm, dieses „Nicht-Laufen-“ oder „Nicht-Hören-Können“ als solches benennt.

    Wir reagieren darauf psychologisch, sozial, kulturell. Ein 100%iger Ausgleich ist vermutlich nie machbar. Selbst wenn es ein Hörgerät gäbe, dass uns das absolute Gehör verschaffen würde, müsste es immer noch gewartet werden, nachts rausgenommen werden, braucht Energie. Auch wenn wir unsere Umgebung bitten, Rücksicht zu nehmen (was sie in 99% aller Fälle tut) kann sie nicht alles immer ausgleichen. Wie auch.

    Ich empfinde mein schlechtes Hören nur bedingt als Einschränkung meiner Entfaltungsmöglichkeiten. Werte verschieben sich. Freiheit ist plötzlich nicht mehr, die Freiheit, so zu hören wie alle anderen auch, sondern die Freiheit, nicht zwingend darauf angewiesen zu sein, gut zu hören und trotzdem was auf die Beine zu stellen.

    Am liebsten Würde ich das Wort „behindert“ gerne als Kampfbegriff umgedeutet wissen, ähnlich wie schwul. Denn, und das ist in meinen Augen das größte Problem: Dieses Wörtchen hat einen ganz ganz schlechten Klang und erregt einen Rattenschwanz von Assoziationen. Wer sich behindert nennt, hat assoziativ gleich alle Behinderungen gleichzeitig.

    Streng genommen müsste man ja auch alle Brillenträger mit mehr als einer Dioptren Abweichung als behindert einstufen. ;) Darum sage ich auch immer einfach nur, dass ich schlecht höre, und gut ist. Die einfache Tatsache, Hörgeräte zu tragen, wird gefühlt auch nicht mehr so negativ wahrgenommen wie früher. Hörgeräte scheinen sich doch ganz langsam in Richtung Brille zu bewegen.

  • not quite like beethoven // 19. Juli 2009 um 17:22

    Dank Euch für Eure Gedanken! Kerstin, das ist ja spannend, was Du da für eine Lösung gefunden hast. Ich antworte mal zusammenfassend statt einzeln:

    Zum Unterscheiden von Menschen in sone und solche gibt’s glaub ich keine Alternative. Jedenfalls solange man über das Thema reden will. Das merke ich auch beim Schreiben dieses Blogs.
    Ich finde das Wort „Behinderung“ auch nicht schlimm. Ich denke aber, man sollte im Kopf behalten, dass Menschen immer nur in Bezug auf eine Tätigkeit „behindert“ sein können, z.B. Hören, Gehen etc. Einfach so und unveränderlich „haben“tun sie diese Eigenschaft nicht. Im Unterschied zum schlecht Hören etwa, diese körperliche Besonderheit trage ich ja mit mir rum egal was ich mache.

    Ich denke auch, man sollte auf jeden Fall danach streben sich mit Leuten zu umgeben die einen an- und ernstnehmen — aber das finde ich generell. Und als Schnelltest um herauszufinden wer wie drauf ist, ist eine Behinderung gar nicht mal schlecht geeignet. Da muss man nicht lange Zeit verschwenden.

    Die Sache mit der Normalität hat glaub ich was mit unserer Massengesellschaft zu tun. Für je mehr Leute irgendwas gedacht ist (ein Gesetz, ein Gerät, ein Arbeitsplatz,) umso mehr muss man mit Standardgrößen hantieren. Wie Kleidung von der Stange vs. geschneidert. Und viele sind eben auch beim Denken sehr universalisiert, sehr „massenorientiert“.

    Enno, schön beschrieben, die Sache mit der Verschiebung von Werten und Freiheitshorizonten. Nur ob sich „behindert“ als positiver Kampfbegriff umdeuten läßt? Ist doch rein vom Wortsinne her schwierig, bei „gay“ ist es ja recht einfach. Für „taub“ ließe sich da glaub ich eher was machen….

  • kerstin // 20. Juli 2009 um 14:58

    danke, nqlb ;-)

    enno, ja eine kampfesansage in bezug auf das, was man hat, wäre nicht schlecht ;-)
    doch das wort „behindert“ benutzen, wo du selbst doch so treffend bemerkt hast, dass „Wer sich behindert nennt, hat assoziativ gleich alle Behinderungen gleichzeitig“ wirkt ein bisschen so, als wenn die schlange sich ins eigene schwanz beißen würde …

    nqlb hat richtig beobachtet: momentan ist eine bewegung im gange, die sich „TAUB – NA UND?!“ nennt ;-)

    enno, ich, die ich bis zu meinem, sagen wir mal, 18. lebensjahr rund um die uhr hörgeräte trug, habe das gefühl, dass genau diese dinger, die in der hörenden welt als 7. weltwunder neben dem CI als 8. weltwunder hochhaus angepreist werden, uns behindern!
    sind es nicht diese dinger, die unser gegenüber hemmen, sie unsicher im umgang mit „uns“, genauer unseren dingern machen? die die kommunikation behindern anstatt sie fließender zu gestalten?
    ich jedenfalls habe die erfahrung gemacht, und sie aus diesem grund in die mülltonne geschmissen. es gab mal ne phase, wo ich mich wegen dem CI schlau machte, und ich sammelte wie ne irrsinnige informationen ein, von selbst betroffenen bis hin zu speziellen medizinern, fachtagungen, literatur, ja sogar eine voruntersuchung (die ich aber vorzeitig abbrach, weil schon am ersten tag sämtliche alarmglocken in mir schrillten … ).

    jetzt bin ich saufroh über diese entscheidung – und nein, ich bin keine radikaltaube, die in die gegend dgsiert (=gebärdet) „ich bin taub, und wer mit mir reden will, dann gefälligst in DGS, sonst gilt er als audist!“ (sorry, muss grad über diese vorstellung lachen)

    ich fühle mich einfach nicht mehr so behindert wie damals mit hörgeräten ….. in dem sinne: wir werden wirklich zu behinderten gemacht, auch wenn das „gut gemeint war“ :-/

  • not quite like beethoven // 20. Juli 2009 um 22:39

    Kerstin, wobei „taub, na und?!“ finde ich noch ziemlich defensiv. Das ist verständlich, weil schon neutral statt negativ ist ja ein Fortschritt — aber Kampfansage ist was anderes.

    Darf ich übrigens fragen, wie alt Du bist? Ich will Dir nicht zu nahe treten und es auch nicht aufs Jahr genau wissen. Es interessiert mich einfach, weil ich Deinen Schritt recht radikal finde und gerne wissen würde, in welchem Lebensabschnitt Du stehst bzw. das gemacht hast.

  • Mädchen aus Ostberlin // 20. Juli 2009 um 23:58

    Ich kann hören. Ich fühle mich dennoch manchmal behindert – in meinen Gedanken, wenn es um den Wechsel der Kommunikation in DGS geht, wenn ich einfach nicht in der Lage bin, eins und eins zusammen zu zählen oder wenn ich das Gefühl habe, dass ich in meinem Verhalten gerade mal nicht der Norm entspreche. Ich glaube, dass es jedem – und ich meine wirklich jedem – Menschen hin und wieder so geht.

    Ich finde den Spruch „Behindert wird man“ einerseits schon sehr fordernd, indem man verlangt, dass uneingeschränkt und absolut auf einen Rücksicht genommen wird, andererseits aber auch sehr gut, weil er eben wunderbar plakativ ist. Er ist dies insofern, als dass er Menschen, die noch nie darüber nachgedacht haben, darauf aufmerksam macht, dass es letztlich immer die Gesellschaft – die große Masse, die Normen vorgibt – ist, die Menschen in Schubladen einsortiert a là groß, dick, taub, herzkrank, kurzsichtig, alt, phlegmatisch. Aus diesem Grunde finde ich es nicht falsch, mit diesem Spruch einfach jedem erst einmal vor den Kopf zu stoßen, um zu sagen: Halt, Moment, denke doch mal bitte weiter und überlege, warum wir gerade nicht auf einer Augenhöhe kommunizieren können. Dann sieht der-/diejenige ganz schnell ein, dass es immer die Gewohnheit und die Unsensibilität sind, die eineN andereN ganz schnell – wenn auch unbewusst – diskriminieren.

    Ich halte es jedenfalls nicht für falsch, zu behaupten, dass Menschen behindert werden. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob dies aus Unwissenheit oder Absicht geschieht. Es passiert und es ist absolut richtig, darauf aufmerksam zu machen, auch wenn man diesen Spruch nicht überstrapazieren sollte, denn dann kann er leicht missverstanden und zum Totschlagargument mit genau den beschriebenen Folgen werden.

  • kerstin // 21. Juli 2009 um 08:11

    bin mittlerweile ne alte schachtel ;-)

    erzähl mir doch, was dir das anschließend bezüglich meines radikalen gedankengutes aussagt – würde mich sehr interessieren! :-)

  • Ute // 21. Juli 2009 um 08:13

    Ich habe die Kommentare nicht gelesen. Ganz spontan fallen mir daher zwei Dinge ein: Es ist mit keinem Menschen immer „leicht“. Gemeinschaft heißt Geben und Nehmen, und irgendwo, irgendwie, gleicht sich die Rücksichtnahme, die zu fordern Dir zu schaffen macht, immer wieder aus. Oder anders gesagt: Du bist es wert, daß man auf Dich Rücksicht nimmt. Punkt.

    Die zweite Sache, die mir durch den Kopf schoß: Behindert wird man vermutlich eher durch die Unwissenheit der Nichtbehinderten als durch die Menschen an sich. Besondere Bedürfnisse von Behinderten muß man als Nichtbehinderter eben erst einmal kennen, bevor man sie berücksichtigen kann. Da hilft nur Aufklärungsarbeit, wo Du gehst und stehst. Ich würde z.B. Deine „Verhaltensmaßregeln“ gegenüber Gehörlosen im Leben nicht als Forderung betrachten, sondern eher als „Gebrauchsanweisung“, die das Miteinander für _beide_ Seiten leichter macht.

    Und nochwas: Als Nichtbehinderte profitiere ich durchaus davon, wenn mir Leute begegnen, mit denen ich besser kommunizieren kann, wenn mein Denken dafür mal die Richtung wechseln muß. Das hält fit im Kopf. ;-)

  • Lars Fischer // 21. Juli 2009 um 10:04

    Ein sehr schöner Beitrag. Es funktioniert bei Schwerhörigkeit wirklich in beide Richtungen.

    Wenn mal wieder irgendjemand eine deiner wirklich praktischen Regeln (gibt’s die als T-Shirt?) missachtet, habe ich zwei Möglichkeiten: Einerseits kann ich mich auf den anderen konzentrieren und selbst aktiv versuchen zu verstehen.

    Oder ich lehne mich entspannt zurück, lasse das Gelaber lächelnd an mir vorbeifließen und nicke an den passenden Stellen wissend. Merken eh die wenigsten. Nett ist das aber auch nicht…

  • not quite like beethoven // 21. Juli 2009 um 14:01

    Sarah, ich stimme Dir grundsätzlich zu – und Du hast sicher wesentlich mehr Erfahrung mit politischer Bildung/Arbeit als ich. Das ist ja auch ein ganz anderes Setting, nämlich eines in dem diskutiert wird, mit Worten überzeugt werden soll (gegenüber dem Alltag, den ich im Kopf hatte).

    Danke, Kerstin. Ich frage nur, weil mit einem solchen Schritt ja je nach Lebensabschnitt ganz unterschiedliches verbunden ist. Also ob man jetzt in der Schule oder Ausbildung ist, vielleicht studiert, gerade beruflich Fuß zu fassen versucht, bereits Familie hat, in Rente ist etc.

    Ute, also ich find’s nett und aufmunternd, dass Du auch hier kommentiert hast und nicht nur dort. Wobei ich mich ja jetzt so als Fitness-Coach etwas verdinglicht fühle ;-)

    Lars, das mit dem Fließen lassen funktioniert erschreckend gut, das stimmt. Kann aber auch nach hinten losgehen, wenn’s dann doch rauskommt. Wie ich erfahren musste :-)

  • Ute // 21. Juli 2009 um 15:31

    *LOL* Eigentlich wollte ich nur sagen, daß ich es nicht als Belastung empfinde, anders zu kommunizieren. Für einen verdinglichten Fitness-Coach kaufe ich mir dann ggf. eine Wii. ;-)

  • Christiane // 21. Juli 2009 um 16:38

    Was Du hier diskutierst ist das „soziale“ und das „medizinische“ Modell von Behinderung. Wenn gl Menschen in Gebärdensprache miteinander kommunizieren, dann sind sie de facto nicht behindert. Aber sie werden behindert, wenn die Informationen nicht so dargeboten werden, damit sie sie verstehen. Es wäre in sehr sehr sehr vielen Lebenssituationen möglich, allen Menschen die gleichen Infos zu geben. Man macht es nur einfach nicht (siehe UT).
    Dass andere Leute ungeduldig sind und nicht gerne wiederholen etc. ist eigentlich ein gutes Beispiel für das „behindert werden“.
    Wenn man immer davon ausgeht, dass die Behinderung ursächlich für alle Probleme ist und nicht die Umwelt, hätte man nie angefangen, UT, Dolmetscher etc. zu fordern.
    Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass es bei Schwerhörigkeit anders ist als bei allen anderen Behinderungen. Da sind die Probleme nur nicht immer so offensichtlich wie wenn ich vor einer Treppe stehe und nicht hochkomme.

  • not quite like beethoven // 22. Juli 2009 um 12:14

    Hi Christiane, schön dass Du hier dabei bist! Du sprichst da viel an, ich will mal eine kurze Antwort versuchen.

    Ich würde das nicht so sehen, dass ich die Modelle hier gegeneinanderstelle. Wenn man’s aber in diesen Begriffen sieht, dann hänge ich mich an einer bestimmten Variante des sozialen Modells auf, die ich aus dem Spruch herausgelesen habe. Und ich würde sagen: Ohne dass ich dem, was medizinisches Modell heißt, das Wort rede. Ich finde die Gegenüberstellung medizinisch/sozial etwas einseitig und die Vorstellung von gegenseitiger Ausschließlichkeit nicht sehr glücklich. Behinderung ist immer ein soziales Problem und bedarf darum sozialer „Lösungen“.

    Dass man (also meist bestimmte Organisationen) nicht dauerhaft die Strukturen für gleiche Chancen schaffen obwohl es teilweise (z.B. UT) sehr einfach möglich wäre, liegt glaub ich nicht unbedingt daran, dass sie dem medizinischen Modell anhängen.
    Immerhin kann man was Fälle wie UT oder auf Arbeit angeht, (prinzipiell) politisch rechtlich was (also Gesetze) machen, auf der Basis von Gleichberechtigung als Wert. So zwischenmenschlich, beim geselligen Abendessen — schon schwieriger. Da kann man dann, denke ich, im Grunde nur die ungeduldigen und unwilligen Leute meiden.

  • Christiane // 22. Juli 2009 um 12:40

    Ich gebe Dir absolut recht, was das Leute meiden angeht und ich bin wirklich ein gut vernetzter Mensch und kenne viele Leute. Aber auch ich meide Leute, wenn ich den Eindruck habe, sie gehen nicht auf mich ein oder murren, wenn sie ein bf Lokal suchen müssen, wenn ich mitkommen soll. Aber ich glaube, dass die Verweigerungshaltung in Deutschland sehr viel mit dem medizinischen Modell zu tun hat. Es benennt so nur niemand. Ganz oft sagen Verantwortliche „Wir können es nicht jedem recht machen“ oder sowas. Das basiert ganz oft darauf, dass sie glauben, sie seien nicht für Behinderungen verantwortlich und müssten deshalb auch nichts tun.

  • not quite like beethoven // 22. Juli 2009 um 22:22

    Dass man konkret und persönlich für Behinderungen verantwortlich sein müsste um was dagegen zu tun, ist natürlich ein ganz blöder Glaube.

  • Fischer // 27. Juli 2009 um 12:26

    @not quite like beethoven
    Ja, manchmal wird man ertappt. Meine Freunde kennen das auch schon… *g*

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