Monatsarchiv: August 2009

Damit klingt der Tag gut aus. Ach ja und der August auch.

Linton Kwesi Johnson, Hurricane Blues

Schwierig, sehr schwierig: Schwerhörigkeit in Literatur und Film

Zu dem Eintrag Schwerhörigkeit zu langweilig — oder warum gibt’s keine schwerhörigen Helden? sind gestern, wie ich finde, sehr interessante Kommentare eingetroffen.

Wer sich für das Thema interessiert, bitte mal vorbeischauen.

Es muss gut sein, diese Zuversicht zu haben

he was twenty feet away, standing at the edge of the small meadow, in the deep shade of a huge fir tree. He stared at me, his eyes dark in the shadows, his expression unreadable.

I could feel the hurt and shock on my face. My empty hands stung.

„I’m … sorry … Edward,“ I whispered. I knew he could hear.

Da ist gerade was Dummes passiert und beide sind unsicher. Es muss gut sein, in so einer Situation wenigstens diese Zuversicht zu haben.

Gelesen in Stephenie Meyers Twilight (das ich gerade als Experiment gelesen hab — und das ich zwar okay aber auch reichlich eindimensional fand. Da sind mir die Geschichten von Sookie Stackhouse mit ihrem Blick für zwischenmenschliche Verwirrungen um einiges lieber.)

Ist ja auch leicht zu verwechseln so nachts im Club

Also, das ist mir ja schon sehr lange nicht mehr passiert. Nach dem netten Abend in der bekannten Berliner Spreeuferbar traf die Begleiterin auf dem Weg raus noch zwei mir unbekannte Freundinnnen. Und während zuvor akustisch noch alles recht okay war — offene Lage, nicht allzuviel Gedränge, nicht gar so laute Musik und vor allem: nonverbale Unterhaltung wie Tanzen und Tischtennis –  spielte nun die Musik auf und es wurde finster.

Berlin - Photo by Stanescoo / flickr(Photo: Lucian Stanescu)

Ich stand also daneben, verstand aber nichts — und als die Damen gar nicht mehr aufhören wollten zu reden, fing ich an, meinen Gedanken nachzuhängen. Ab und zu fragte mich die Begleiterin was, das ich mit einigem Nachfragen und vermutlich nicht vollkommen in den Rahmen des laufenden Gespräch passend beantwortete.

Wie sich später herausstellte, hielt man mich für besoffen.

Nicht nur für Journalisten: Wie spricht man richtig über Behinderung?

Natürlich präzise, neutral und nicht abwertend. Aber wie geht das eigentlich? Das National Center on Disability and Journalism einer US-Journalistenschule erklärt’s. Und davon hat auch der Deutsche was, finde ich. Sagt man z.B. „an den Rollstuhl gefesselt“? Nie! Sagt man auf Englisch „handicapped“? Nur im Zusammenhang mit Rechtsvorschriften, Orten oder Dingen, z.B. bei Behindertenparkplätzen! Ansonsten: disability.

Hier ein paar grundsätzliche Hinweise (Auszüge, meine Übersetzung):

Wenn Sie eine Person beschreiben, erwähnen Sie die Behinderung nicht — außer sie steht im sachlichen Zusammenhang mit der Geschichte. Ist dies der Fall, verwenden Sie Formulierungen, die zuerst die Person und erst in zweiter Linie die Behinderung hervorheben.

Vermeiden Sie Ausdrücke wie „leidet an“, denn dies beinhaltet eine Wertung. Nicht jede Person mit einer Behinderung „leidet daran“, „ist ihr Opfer“, „damit geschlagen“ oder sieht generell ihre Lebensqualität eingeschränkt. Vorzuziehen ist eine neutrale Ausdrucksweise, die die Behinderung klar benennt.

Als Beispiel wird genannt:  The writer, who has a disability anstelle the disabled writer. Das geht auf deutsch natürlich nicht wortwörtlich. Aber das Prinzip dürfte klar sein. Man sagt nicht einfach der behinderte Schriftsteller oder wirft grundlos ein, dass der Schriftsteller behindert ist. Genauso wie man es auch bei Merkmalen wie z.B. Hautfarbe, Migrationshintergrund oder sexuelle Orientierung machen sollte.

Man sagt allenfalls so etwas wie: Der Schriftsteller, der selbst querschnittsgelähmt ist — wenn man etwa über seinen einfühlsamen Roman oder die aufrüttelnde Reportage berichtet, wie Rollstuhlfahrern in Deutschland der Besuch im Theater und im Kino vergrault wird.

[via bionic ear]

Na immerhin hab ich noch nie vom Bloggen geträumt

Gestern nacht mit dem Laptop im Bett eingeschlafen. Nur nochmal schnell Emails checken und schauen, was die Lieblingsblogs Neues bringen und plötzlich: chrrrrrrrrrzzzzz. Heut morgen dann um sechs von meinem Lieblingswecker wachgerüttelt worden — und den Rechner halb unter meiner Decke gefunden. Die Hand keine zehn Zentimeter vom Einschaltknopf. Was soll man da schon anderes machen?! Ist ja schon wieder Zeit vorbei, gibt ja schon wieder wat Neues….

Morgens, sechs Uhr in Deutschland -- Photo by Not quite like Beethoven, all rights reserved

Also auch ihn aus dem elektronischen Schlaf geweckt. Und was les ich?!

After six to eight hours of network deprivation — also known as sleep — people are increasingly waking up and lunging for cellphones and laptops, sometimes even before swinging their legs to the floor and tending to more biologically urgent activities [NY Times].

Oops. Na immerhin: Letzter und erster wacher Moment online war das erste Mal. Aber inzwischen kommt es wirklich eher selten vor, dass ich nicht beim Frühstücken schon Emails, Blogs und Zeitungen checke. Eigentlich nur dann nicht, wenn ich keine Zeit für Frühstück zuhaus hab — oder nicht alleine aufstehe.

Wißt Ihr was? Wer noch nicht mit dem Laptop pennt, gehört schon zum Establishment!

7 (und mehr) Tips: Woran erkennt man einen Schwerhörigen?

Wie macht sich Schwerhörigkeit bemerkbar, woran erkennt man, ob jemand schwerhörig ist? Es gibt da ja diesen makabren Witz: Ein Mann erkundigt sich im Leichenschauhaus nach seiner Frau, die unglücklicherweise bei einem Fährunglück ertrunken ist. Er wird gefragt, wie man seine Frau von den anderen Ertrunkenen unterscheiden könne, ob sie vielleicht besondere Merkmale habe. Und antwortet, sie sei auf dem rechten Ohr schwerhörig. Haha.

Aber im Ernst, bei Lebenden gibt es doch einiges, was soweit ich sehe alle Schwerhörigen gemeinsam haben. Und es ist gut, wenn man diese Merkmale kennt, weil die Verwechslungsgefahr mit Unhöflichkeit und Doofheit ja doch recht groß ist, im Alter auch mit Senilität. Da gibt es einige dramatische Fälle, wo Leute für absolut dement gehalten und entsprechend behandelt wurden – dabei waren sie nur schwerhörig.

Anzeichen dafür, dass jemand schwerhörig sein könnte sind,

  1. dass sie einem an den Lippen hängen. Es gibt da so einen konzentrierten Ausdruck beim Reden, den ich bei bisher jedem halbwegs Schwerhörigem gesehen habe. „Der guckt einen immer so an beim Reden“, „der hat so einen intensiven Blick“ ist mir auch schon häufiger nachgesagt worden.
  2. dass sie häufig nachfragen, was gerade gesagt wurde
  3. dass sie näher herankommen, wenn man beginnt mit ihnen zu reden (und ggf. zurückweichen, wenn man ihnen zu nahe kommt).
  4. dass sie sich vorbeugen beim Zuhören. In David Lodges Roman Deaf Sentence wird das etwa so beschrieben: Nein, er schaut ihr nicht in den Ausschnitt.
  5. dass sie sich bei Gesprächen, besonders in der Gruppe, nie entspannen können. Als fast nie nach hinten lehnen, sondern immer vorgebeugt, auf der Stuhlkante sitzen. Oder sich auf den Tisch stützen.
  6. dass sie häufiger unlogisch, manchmal auch falsch antworten oder verwirrt wirken, weil sie (noch) nicht verstanden haben was gesagt wurde.
  7. dass sie erst dann auf Ansprache reagieren, wenn sie einen gesehen haben

Was meint Ihr, stimmt das so? Hab ich was vergessen?

Es gibt so Sachen mit Schwerhörigkeit…

…die hätte ich nie erwartet. Zum Beispiel finde ich mich in letzter Zeit regelmäßig vor solchen Schüsseln wieder:

Noodle Bowl, Foto: Not quite like Beethoven, all rights reserved

Das ist eine Thai-Nudelsuppe nicht vor, sondern nach dem Essen. Oder jedenfalls dann wenn alle anderen fertig sind.

Unterhalten konnte ich mich noch, während des Abendessens mit meinem Freund S. Das ließ die Lautstärke im Lokal gerade noch zu. Hab mich einfach besonders aufs Lippenlesen konzentriert. Aber die glitschigen Nudeln mit diesen glatten Plastikstäbchen aus der Suppe fischen — nur mit kurzem Hinsehen?! Nein.

Ergebnis: Fast alles Löffelbare ist weg, Nudeln mit nach Hause genommen.

Dass manch nette Aktivität logistisch überraschend schwierig wird, wenn man auf Lippenlesen angewiesen ist, habe ich hier schon mal am Beispiel des Knutschens beschrieben.

So, und jetzt bedanke ich mich, dass Ihr bei diesem wunderbaren Wetter so weit gelesen habt! Und wünsche einen schönen Sonntag.

Was es so alles gibt: Plaudern als Prüfung – und Schwerhörigkeit als Qualitätskontrolle

Eine der merkwürdigsten Erfahrungen, die ich durch meine Schwerhörigkeit habe, ist wie unsicher viele Menschen sind. Dadurch gerate ich in Rollen, die ich nicht will.

Immer wieder mal sagt jemand etwas zu mir, ich verstehe es nicht, frage nach — und erhalte als Antwort so etwas wie „Ach egal, nicht wichtig!“ Ziemlich häufig ärgert mich das. Dann finde ich es unfair, dass die anderen so eine zweite Chance bekommen. Natürlich darf jeder selbst entscheiden, was er sagen will. Aber so ist es doch schon einmal gesagt! Da finde ich, ich sollte mitentscheiden dürfen, ob es nun wichtig war oder nicht. Wie es zu verstehen und was dazu zu sagen ist. Ist doch bei mir auch so: Einmal gesagt und es ist draußen, die andere hat’s gehört. Und wenn’s halt dumm war — Pech gehabt. Besonders ärgerlich ist das, wenn es ein schwieriges, sagen wir, Beziehungsgespräch ist.

Aber solche Gespräche sind ja sowieso nicht angenehm. Und es geht auch um was, man kann mit Unbedachtem viel kaputt machen. Wirklich erstaunt hat mich aber die Wirkung meines unschuldigen „Wie bitte?“ in Plaudereien. Da höre ich überraschend häufig: „Bei Dir“ — soll heißen: wenn man öfters wiederholen muss — „merke ich, wie doof vieles von dem ist, was ich so sage.“

Hm. Tja. Gut, denke ich dann. Was soll ich denn jetzt dazu sagen? Ich bin natürlich total für Qualität in der Plauderei. Aber der Prüfer, der die Leute unsicher macht, so dass sie dann ne Schere im Kopf haben, oder gar der Lehrer? Nein. Das will ich nicht sein.

Genau 60 Kaffeebohnen für eine Tasse Mokka…

… soll Ludwig van Beethoven immer genommen haben. Nie mehr und nie weniger. Mir scheint das heute morgen etwas wenig <gähn>

Wie viele nehmt Ihr denn so, grob geschätzt, notfalls vom Pulver zurückgeschätzt?

Heute wird hier hitzefrei

Nancy Sinatra and Lee Hazlewood, 1967

Tauben Ohren ist gut predigen: An wen richtet sich eigentlich Werbung für Hörgeräte?

Komisch habe sie geklungen, berichtete gestern meine Freundin J. Eine Mischung aus salbungsvoll und als ob man kleinen Kindern etwas zum fünften Mal erkläre: Werbung für Hörgeräte im Berliner Klassikradio.

Hat das zufällig wer gehört?

Abgesehen von dem Tonfall fanden wir es beide äußerst merkwürdig, dass im Radio Werbung für Hörgeräte lauft. Das ist doch wohl das Medium, das Schwerhörige am wenigsten nutzen. Dann schon eher Print, Online oder Fernsehen — oder bin ich da ein Einzelfall?

Aber vielleicht — haben wir dann weiterüberlegt — vielleicht zielen die ja gar nicht auf die Schwerhörigen selbst, sondern auf Freunde und Familie. Damit diese die Betroffenen überzeugen? Meist braucht es ja ein wenig Arschtreten Ermutigung, bevor einer sich ein Hörgerät anschafft. Oder ist schonmal einer nur vom Werbung betrachten auf die Idee gekommen, jetzt ein Hörgerät zu wollen?

Oder kann man beim Klassikradio einfach besonders gut betuchte Hörer erwarten? Schließlich handelte es sich um diese implantierbaren Hörgeräte. Kosten nur etwas über 13.000 Euro. Sind gerade runtergesetzt.

Wer hätte das gedacht? Wie cool sind denn bitte diese alten Hörgeräte?!

Es ist von 1949 und man muss es wohl Hörgeräte-Bling nennen — so ganz in Gold und mit dem Wappen mit der Krone…

Zenith Miniature 75 Vacuum Tube Hearing Aid, Photo used by kind permission of HearingAidMuseum.com

Ich hätte nie gedacht, dass alte Hörgeräte spannend sein können, aber heut hab ich dieses Online Hörgeräte-Museum gefunden. Und bestimmt ne halbe Stunde rumgeguckt.

Eher furchterregend ist  dieses drei Pfund schwere Umhänge-Hörgerät von 1910, man hält sich eine Art Telefonhörer ans Ohr.

Acousticon Model RF "Multi-Acousticon" Carbon Hearing Aid, Photo by kind permission of HearingAidMuseum.com

Am Spannendsten aber fand ich die nicht-elektrischen Hörgeräte. Da gibt es tausend Arten von ziemlich wild aussehenden Hörrohren, die — wie mir der Museumschef sagte — auch bei hochgradiger Schwerhörrigkeit erstaunlich gut funktionieren. Und je nach Form die Höhen oder Tiefen hervorheben und auch sehr (sehr!) laut werden können!

Dann Gesprächsrohre, bei denen man in einen Schlauch spricht, dessen anderes Ende sich der Schwerhörige ans Ohr hält. Und schließlich filigran gefertigte künstliche Ohrmuscheln, die man aufsetzen und mit denen man offensichtlich ganz wunderbar im Störschall verstehen kann. Wie diese hier von 1890, in Schildkrötenpanzer-Anmutung.

Celluloid Auricles, Photo by kind permission of HearingAidMuseum.com

Celluloid Auricles, Photo by kind permission of HearingAidMuseum.com

Würde ich ja alles gerne mal ausprobieren. Vor allem — da können einem nicht die Batterien ausgehen…

Seht Euch das Hearing Aid Museum mal ein bißchen an!

Es gibt Neuzugänge…

…bei den Blogempfehlungen. Bitte mal stöbern gehen.

Das Harte für die Dame, das Zarte für den Herrn: Wie Schwerhörigkeit Geschlechter-Stereotypen durcheinander bringt

Wer mich anschaut, sieht nen Mann. Ganz klar. Breite Schultern, Boxernase, wilder Bartwuchs. Das verwirrt die Leute aber nur umso mehr, wenn ich mit Frauen zusammen bin.

Ich liebe Kaffee. Und hab ganz und gar nichts gegen Alkohol. Aber weil von beidem mein Tinnitus lauter wird und sich Kater auch mit Druck in den Ohren auswirken, trinke ich beides meist recht vorsichtig. Das führt in Bars und Restaurants oft zu skurrilen Situationen.

Outdoor Portrait of Man and Woman, Photo by Wisconsin Historical Society / flickr

Zuerst aufgefallen ist es mir in Andalusien — wo der Kaffee so stark ist, dass ich oft nicht mal Kaffee mit Milch (café con leche) sondern Milch mit Kaffee (leche manchada) bestellt habe. Merke: In Andalusien führte das, damals zumindest, nicht dazu, dass die gleiche Menge Kaffee mit mehr Milch aufgegossen wurde — die Gläser waren immer gleich groß. Außerdem bestellte ich wesentlich öfter Cola oder Wasser als Bier und Wein. Oder wenn, dann eher Bier und tinto de verano als Rotwein oder Härteres.

Meine Freundinnen waren schon immer nicht so zimperlich (und dafür liebe ich sie). Bei ihnen darf es oft ein doppelter Espresso, ein Bier oder manchmal auch ein Schnaps sein. Und wirklich jedesmal wenn café con leche und leche manchada oder Wasser und Bier gebracht wurden, wollte man das Stärkere natürlich vor mich hinstellen. Und war überrascht bis sogar ein wenig unwillig, wenn wir es anders haben wollten. Es paßt einfach nicht, auch in Deutschland nicht, dass der Kerl den Mädchendrink nimmt.

Super Man and Wonder Woman, Photo by San Diego Shooter / flickr

Ähnlich läufts wenn ich mit einer Frau unterwegs bin und Leute nach dem Weg fragen. Sie sprechen fast immer mich direkt an — und sind dann überrascht, wenn ihnen die danebenstehende Frau antwortet, weil ich die Frage nicht so schnell oder gar nicht verstehe. Anstatt dass sie einfach stumm bleibt. Und meistens schauen sie während ihnen geantwortet wird immer mal skeptisch zu mir rüber. Gleiches geschieht, wenn sie nach dem Weg fragt. Dann bekomme ich den Weg erklärt. Kaum jemand schafft es, einfach nur ihr zu antworten und nicht spätestens nach ein paar Sekunden mich anzusehen und ganz offensichtlich mit mir zu reden. Was lustig ist, weil ich ihnen natürlich auf typisch schwerhörig zuhöre.

Besonders skeptisch und durcheinander sehen die armen Leute dann aus, wenn das Ganze mit asiatischen oder schwarzen Begleiterinnen geschieht. So als würde es nicht in ihren Kopf gehen, dass diese sich herausnehmen, mit ihnen zu reden — obwohl sie mich angesprochen haben oder auch ich sie hätte ansprechen können. Und das passiert nicht nur auf dem Land und nicht nur bei Älteren.

Wurstmuseen im Trend – ein lokalpatriotischer Nachtrag

Gerade noch haben mich geradezu ausländische Bratwaren und Attraktionen erstaunt — nun stelle ich fest: Ab morgen gibt’s in Berlin ein Currywurstmuseum:

Die Currywurst ist in Deutschland viel mehr als nur ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor: Von Politikern, Sportlern und Prominenz favorisiert, in Literatur und Film thematisiert und von Liedermachern besungen, ist sie als ein Stück deutscher Kultur- und Gesellschaftsgeschichte zu begreifen.

[gefunden via hauptstadtblog, wo's auch einen Vorgeschmack gibt, was einen im Currywurstmuseum erwartet]

So viel Geld! Von denen?

In den USA finanziert ausgerechnet das Verteidigungsministerium Tinnitusforschung?! Mit bis zu 40 Millionen Dollar?!

Ach stimmt ja — die produzieren ja an Ohrgeräuschen Leidende wie sonst niemand.

Gut geschmeckt hat’s da

Bratwurstmuseum, Photo by Not quite like Beethoven, all rights reserved

Nicht immer nur die gleichen Jobs! Berufswahl für Schwerhörige und Hörbehinderte

Umgekehrt wird ein Schuh draus! Das Thema Berufswahl und Jobsuche für Hörbehinderte beschäftigt mich schon länger. Und da ich, seit Enno gestern diesen inspirierenden Artikel geschrieben hat, sowieso an kaum was anderes denke, hier ein kleiner Zwischenruf — der natürlich nur meinen ganz persönlichen Weg und besonders meine Erfahrung in Harvard widerspiegelt.

Ich denke nämlich, man sollte umgekehrt an die Sache herangehen als es die meisten tun — so zumindest mein Eindruck aus persönlichen Gesprächen und den Fragen, die mich ab und zu erreichen und die ich in einschlägigen Foren lese.

Da wird dann – meist von Schülern und Studenten oder ihren Eltern – gesagt, es stünde Berufswahl oder Umorientierung an. Und als allererstes gefragt, welche Jobs sich denn für Hörbehinderte eigneten. Eigene Interessen und persönliche Fähigkeiten kommen erst auf Nachfrage oder gar nicht. Ich finde: Das ist genau der falschen Ansatz. Denn damit wird die Hörbehinderung zum Hauptkriterium gemacht. Auf diese Frage kann man nur mit Jobs und Berufen antworten, in denen Hörbehinderte schon immer/typischerweise gearbeitet haben. Oder solchen, in denen man zufällig mal welche bemerkt hat.

Sicher, so ist es einfacher. So ist es sogar viel einfacher, die Frage nach dem richtigen Job für einen zu beantworten. Man läßt sich einfach eine Reihe von Jobs vorschlagen und wählt dann daraus aus. Aber ich glaube so sollte es nicht laufen. Ich habe das zwar früher auch so betrieben, aber mittlerweile herausgefunden, dass ich so nicht glücklich werde. Außerdem: So bleibt Behinderung die bestimmende Kategorie, so landen Behinderte immer nur in den gleichen Jobs.

Statt Hörbehinderung zum ersten Kriterium bei Berufswahl und Jobsuche zu machen, sollten wir den schweren Weg nehmen: Zuerst die eigenen Interessen und Fähigkeiten erkunden. Was können wir gut? Was wollen wir erreichen? Und vor allem: Was macht uns glücklich? Und dann den mühseligen und meist langwierigen Prozess des Recherchierens, mit Leuten Redens und sich Ausprobierens beginnen um den passenden Beruf und die passende Position zu finden. So kommt man dann auch darauf, dass man ein paar Dinge vielleicht gerade wegen der Behinderung gut kann.

Klar, eine gewisse Realitätsnähe sollte man behalten: Kann man als Hörbehinderter die Funktionen erfüllen, die dieser Job verlangt? Und vielleicht wichtiger: Kann man damit glücklich werden, wenn man ständig Funktionen erfüllen oder in Umgebungen arbeiten muss, die einen auf die Behinderung zurückwerfen? Stichworte: Telefonieren oder Unterhaltungen im Störschall. Aber das sollte eben nicht der erste, sondern der zweite Schritt sein.

Denn: Man kann nur an Aufgaben wachsen, die einen ein bißchen fordern (fordern, nicht überfordern!). Gut, das mag Euch vielleicht ein wenig sehr amerikanisch schmecken, ich war ja nun lang genug da. Aber ich finde es auf Dauer befriedigender. Und wenn man erstmal einen interessanten Beruf oder Job herausgefunden hat — dann erst kann und sollte man herausfinden ob man nicht mithilfe technischer Geräte, organisatorischer Änderungen und kleiner Kniffe die geforderten Funktionen auch mit Hörbehinderung und unter Normalhörenden erfüllen kann. Dazu werde ich dann bald wieder schreiben wenn ich meine Serie fortsetze Taub im Job, trotzdem erfolgreich: 12 Tipps für Schwerhörige, ihre Chefs, Kollegen und Kunden.

Berufswahl und Jobsuche für Hörbehinderte — Wie seht Ihr das?

Das Hören der Föten — prägt uns, was wir vor der Geburt hören?

Zu schön und zu lang war das Draußensitzen gestern im La Crapule.  Drum hier nur der Hinweis auf einen spannenden  Beitrag beim DLR Kultur – wie ungeborene Kinder hören — und ein paar eigene Gedanken dazu.

Z. B. das Lieblingslied, das Lied was die Eltern vorsingen, die Spieluhr, das erkennt das Baby nach der Geburt wieder.

Ich finde das ein wahnsinnig interessantes Thema. Wenn man davon ausgeht, dass sehr frühe Erfahrungen einen prägen, dann muss man vielleicht auch fragen was vorgeburtliche Höreindrücke auslösen. Ich habe mich z.B. schon mal gefragt, ob und welchen Einfluss es auf mich hatte, dass ich mir vor meiner Geburt anhören konnte, wie Krieg klingt — und sicher auch die Gefühle meiner Mutter dabei mitbekommen und sie mit diesen Geräuschen verknüpft habe.

Aber das ist ja ein extremes Beispiel. Meist werden Mütter ja heute schon verrückt gemacht, was sie alles tun und nicht tun sollen in der Schwangerschaft. Da sollte man ihnen wahrscheinlich nicht noch zumuten, besondere Klanghygiene zu betreiben. Jedenfalls nicht mehr als dass sie es sich gutgehen lassen sollten und — wo immer es geht — angenehme Klangumgebungen unangenehmen vorziehen sollten. Und das macht man doch sowieso. Oder?

[gefunden via deafread]

Heute: Laufen auf Spanisch

Ojos de Brujo, 2006

Paco de Lucía, 1981