Manchmal denke ich, ich sollte extra Geld dafür nehmen. Einen selbstbewußten Schwerhörigen dabeizuhaben, macht Teamsitzungen und Besprechungen oft kürzer und viel effektiver. Das muss ich zumindest aus den Berichten meiner Kollegen schließen.
Denn man muss ja nicht erst schwerhörig sein, um von Meetings und Sitzungen nicht begeistert zu sein: Ohne kommt zwar kein Unternehmen und kein Projekt aus. Sie sind aber oft genug unproduktiv und damit eigentlich Zeitverschwendung. Wenn sie so betrieben werden, dass ich als Schwerhöriger auch etwas davon habe, ändert sich das. Und zwar ganz nebenbei.
Man muss sich als Schwerhöriger dazu allerdings die Mühe machen, das Heft in die Hand zu nehmen. Man muss vor allem aktiv zuhören, d.h. das Sprechen der anderen steuern. Und nachfragen — so lange bis wirklich klar ist, worin eigentlich der Punkt besteht, den der Kollege so wortreich, wortkarg, gelangweilt oder aggressiv machen möchte. Und worin der Bezug zum Zweck des Treffens besteht. Über beides sind sich leider die Sprecher oft genug selbst noch nicht klar. Oder es kommt nicht gut rüber. Was ist das Relevante, das Neue, Gute, Schlechte? Worin bestehen die Erfolge oder Probleme für das Unternehmen, die Abteilung, das Team oder das Projekt? Oder auch nur für das konkrete Meeting, denn dessen Ziele — also wann man was erreicht hat und sich wieder trennen kann — sind ja oft genug auch nicht ganz klar.
Der Witz dabei ist: Das muss man als Schwerhöriger sowieso tun. Jedenfalls wenn man in the loop, im Gespräch dabeibleiben will. Denn wenn man nicht alles mitbekommt, oder wenn einen das Gespräch erst einmal hinter sich läßt, dann wird es nur schwieriger. Und hinterher können allerlei Fehler oder Peinlichkeiten passieren.
Darum: Die Gesprächsführung übernehmen, zumindest abschnittsweise. Und auf Schriftlichkeit hinarbeiten (ggf. lassen). Wenn es ein Protokoll gibt, reicht oft die Frage, was denn nun festgehalten oder aufgeschrieben werden soll. Und wenn es keines gibt, sollte man als Schwerhöriger darauf drängen, dass es eins gibt. Muss ja nicht umfangreich sein: Die Effekte für die Gesprächsführung sind mindestens ebenso wichtig wie das Protokoll selbst, an dem man sicher gehen kann, alles oder zumindest das Wichtigste richtig verstanden zu haben.
Gute Erfahrungen habe ich auch damit gemacht, während der Besprechungen für alle sichtbare Notizen auf einer Tafel, einem Whiteboard oder auch einem Rechner mit angeschlossenem Beamer zu machen. Oder machen zu lassen. Dann haben die Sprecher noch beim Reden gleich vor Augen, was von ihrer Rede angekommen ist — und korrigieren sich gegebenenfalls, erläutern oder widersprechen. Als Schwerhöriger bin ich immer dankbar, wenn ich sozusagen Untertitel habe. Und wenn man das im Rechner macht, hat man dann schon die Hälfte des Protokolls.
All das ist anstrengend, klar. Und man hat auch nicht jedesmal Lust darauf. Richtig schwierig aber wird es, wenn man nicht die Position oder den Rang zu all dem hat. Das kommt ja leider oft genug vor. Meine Erfahrung ist aber, dass das nur ein kleines Problem ist — wenn man vor Beginn des Meetings mit allen (oder zumindest den relevanten und weisungsbefugten) Beteiligten geprochen und das Ganze vorbereitet hat. Ich bin zwar zuweilen auf guthörende aber taube Ohren und Abweisung gestoßen, und ich könnte mir vorstellen, dass das je nach Unternehmen, Kollegen und Chef auch wesentlich häufiger vorkommen kann. Aber meist hat es geklappt. Wenn man ersteinmal seinen Stolz und seine Angst geschluckt hat, die Leute um ihre Mithilfe zu bitten. Und höflich, sachlich und zielorientiert die Vorzüge für alle erläutert. Der Ton macht die Musik. Selbstverständlich auch während der Gesprächsführung.
Also: In Teamsitzungen, Besprechungen und Meetings nachfragen, erklären und auf den Punkt bringen lassen. Und auf Schriftlichkeit hinarbeiten. Oder wie seht Ihr das?
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In einer Art ist dein Blog wie etwa ein Comedy of Manners. Einige knapp geschilderte Figuren sind wirklich lustig, wenn man sie in action vorstellt–der selbstdarsteller bei Veranstaltung Fragenrunde, der longwinded Kollege bei Teamsitzung, der beschimpfender Mann im Bart–und du machst dich selbst ein Teil der Narrative.
In den USA sind die Studenten, insbesondere die juengere in Humanities, mehr Mitteilungsfreudig im Vergleich zu deutschen, so weit ich hoere. Manchmal kann es interessant sein zu erfahren, wie ist es eigentlich, ein knallhart feministische Muslime/ein schwuler Katholiken/ein orthodox Judin die sich mal rebellieren will, zu sein–statt nur reintheoretische Buecher zu diskutieren.
Aber es gibt eine Grenze, und manchmal denkt man, du, ich waere gerne erspart, wie deine Mutter dessen Hamlets ähnlich ist oder dein Freund Othello. In den Faellen waere es schoen vom Professor zu hoeren, “Wenn ihr nicht auf dem Punkt bleiben, hole ich der Schwerhoeriger ins Boot.”
Comedy of manners trifft es eigentlich ganz gut.
Ich finde im Studium ist die Situation im Unterschied zum Job/Unternehmen ein bißchen anders. Einerseits geht’s da ja um Bildung. Andererseits ist die Bindung der Leute an das Seminar, ihr Engagement (bzw. das was man voraussetzen kann), ja leider oft viel niedriger. Jeder studiert für sich, studieren ist (leider?) kein gemeinsames Projekt. Und ich fand es da oft einfach nicht meinen Job, für das Gelingen des Seminars zu sorgen. Der oben beschriebene Aufwand war mir unter den Bedingungen einfach zu anstrengend. Ausnahme: Gruppenarbeit.
Ah, I need Fraank’s smiley–war ironisch gemeint. Wenn mein Hoervermoegen schlechter war, als es ist, wuerde ich es auf keinen Fall so tun. I just meant, since I work as a teaching assistant, dass ist die Gegend wo ich diese Phaenonmen am meisten sehe. Am anderen Arbeitsplatz, wird alles ueber email besprochen.
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