Monatsarchiv: Januar 2010

Was 2009 in den Medien gefehlt hat: Sorgen Gehörlosenschulen für Ausgrenzung von Gehörlosen?

Fast alles, was wir über die Welt wissen, wissen wir aus den Massenmedien (dazu ein Interview mit dem Soziologen Niklas Luhmann). Darum ist es gut, ein Auge darauf zu haben, was in den Medien alles nicht vorkommt.

Eine der Gruppen, die dies tun, ist die  Initiative Nachrichtenaufklärung (INA). Sie stellt seit 1997 jährlich eine Top 10 der vernachlässigten Nachrichten des Jahres zusammen. Eine Jury wählt aus eingesandten Vorschlägen aus, Vorbild der Initiative ist das US-amerikanische Project Censored.

Gestern hat die Initiative nun die Situation an Gehörlosenschulen zu einem der wichtigsten, im Jahre 2009 vernachlässigten Themen gewählt: In den meisten Gehörlosenschulen werde keine Gebärdensprache unterrichtet.

Noch gibt es nur eine knappe Pressemitteilung, die ausführliche Begründung der Jury soll in den nächsten Tagen erscheinen. Ich bin gespannt, was genau darin steht. Warum sie ausgerechnet dieses Thema unter die Top 10 gewählt haben!

Ich habe selbst nicht genug Einblick um zu beurteilen, wie die Situation genau ist und warum sie so ist. Und leider auch keine Zeit, zu recherchieren. Aber ich habe nie verstanden, wie man sich von dem Argument überzeugen lassen kann, die Gebärdensprache grenze Gehörlose aus der Gesellschaft aus und sei darum zu vermeiden. Laut INA ist das das am häufigsten vorgebrachte Argument. Und das ist doch vom Grundgedanken her schon vollkommen wirr: Wie sollte die Kenntnis einer Sprache ausgrenzen? Sprachen ermöglichen Zugang.

Wenn die Absolventen von Gehörlosenschulen aus der „normalen“ Gesellschaft ausgegrenzt werden, dann liegt das doch bestimmt nicht daran, dass sie in der Schule neben anderem Gebärdensprache gelernt haben. Sondern daran, dass die Gehörlosenschulen den Rest ihres Bildungsauftrages nicht auf die Reihe kriegen. Ich denke da vor allem an schriftsprachliche Kompetenz.

[gefunden via KoopTech]

[Nachtrag: Um einem Mißverständnis gleich vorzubeugen, das mir bereits einen wütenden E-Mail-Schreiber bescherte -- ich meine nicht, dass schriftsprachliche Kompetenz vor Ausgrenzung schützt. Und auch nicht, dass mit deren Vermittlung die Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber Gehörlosen und Behinderten erfüllt sei. Aber ich halte sie für eine der wichtigeren Fähigkeiten, die einem die Schule mitgeben kann und sollte.]

Jetzt aber: Guckt! Lie to me!

Habe  jetzt weitergeguckt. Es wird noch besser! Heute kommt das Finale der ersten Staffel dran. Zweite liegt schon bereit…

Und das lustigste ist: Obwohl Lie to me „nur“ eine Fall-der-Woche-Serie ist, hat es meinen Blick schon stärker geprägt als alle anderen Serien, die ich bisher gesehen habe.  Wenn ich jetzt was anderes — sagen wir, öhm, Castle — gucke, frage ich mich immer: „Wieso sehen die nichts? Das war ne glatte Lüge.“ Oder: „Da hat sich doch die Pupille geweitet, er ist erregt!“  Und: „Die hat doch was zu verbergen, das sieht doch ein Blinder mit’m Krückstock!“

Das ist mir bisher noch nie passiert, dass ich einer Serie etwas aus einer ganz anderen vermisse. Ja, dass ich ihr das vorwerfe..

Hörtraining: The Unknown Stuntman

Wieder mal Üben mit einem Song, in dem ich mich wiederfinden kann. Nicht nur als Kind vor dem Fernseher, sondern vollkommen überraschend auch mit gewissen erwähnten Personen. Und mit meinen eigenen kleinen Zwischeneinlagen als Stuntman: Verfolgen, hauen und treten, mehr noch verprügelt werden, springen, stürzen und in Abgründe fallen. Nur ein Auto haben sie mir leider nie gegeben. Und ich wollte immer mal mit dem Baseballschläger vom Barhocker geprügelt werden. Naja, kann ja noch werden…

Well I’m not the kind to kiss and tell but I’ve been seen with Farah.
I’ve never been with anything less than a nine, so fine.
I’ve been on fire with Sally Fields, gone fast with a girl named Bo,
but somehow they just don’t end up as mine.
It’s a death-defying life I lead, I take my chances.
I die for a livin’ in the movies and T.V.
but the hardest thing I ever do is watch my leadin’ ladies
kiss some other guy while I’m bandagin’ my knees.

I might fall from a tall building
I might roll a brand-new car
’cause I’m the unknown stuntman
that made Redford such a star.

I’ve never spent much time in school but I taught ladies plenty.
It’s true I hire my body out for pay (hey, hey).
I’ve gotten burned over Cheryl Tiegs, blown up for Raquel Welch,
but when I end up in the hay it’s only hay (hey, hey).

I might jump an open drawbridge
or Tarzan from a vine
’cause I’m the unknown stuntman
that makes Eastwood looks so fine.

They’ll never make me president but I’ve got the best first ladies.
Some days I’ve got’em as far as the eye can see.
A morning dive with Jackie Smith, I crash in the night with Cheryl
but in the end they never stay with me.

I might fall from a tall building
so Burt Reynolds don’t get hurt
I might leap a mighty canyon
so he can kiss and flirt.

While that smooth talker’s kissin’ my girl I’m just kissin’ dirt
yes I’m the lonely stuntman that made a lover out of Burt.

written by Glen A. Larson, Gail Jensen, and David Sommerville; performed by Lee Majors.

Dienstagsausflüge

Guten Morgen! Drei kleine Ausflüge gefällig?

eyeIT berichtet Spannendes über die erste CI Operation im Jahre 1957. Interessant finde ich, dass sich die Leute auch schon früher immer am elektrischen Ohr zerstritten haben ;-)   Erst die beiden Pioniere, dann die zweite Patientin und ihre Operateure.

Enno berichtet, wie schwierig es ist, in der Straßenbahn gehbehindert zu sein. Was ähnliches habe ich leider neulich schonmal gehört.

Und in der Zeit berichtet Burkhard Strassmann, wie der Knochenkopfhörer klingt — ein Kopfhörer, der den Schall nicht ins Ohr sondern den Schädelknochen leitet und mit dem man auch unter Wasser Musik hören kann.

Der Anti-Kosmetiksalon

Im Kosmetiksalon dreht man am Körper herum, um für die Welt schön zu sein. Im Anti-Kosmetiksalon tut man’s, damit die  Welt für einen selbst schöner wird.

Ich habe da regelmäßige Termine. Und lasse an meinem elektrischen Ohr herumdrehen.

Nach der letzten Einstellung klingt nun alles viel voller, runder. Normaler. Und ich ertappe mich dabei, wie ich die alte Welt vermisse: dieses Mystische (so wie hier ab 1:15 und 2:05), Klingelnde, Bizarre der ersten Wochen mit CI.

Note to self: Schöner kann auch langweiliger sein! Muss auch mal gesagt und festgehalten werden. Weil ja alle immer nur über die erste Zeit mit CI jammern.

Mund geht nicht mehr zu, Kopf wackelt von selber

Ich fand es zunächst gar nicht mal schlecht, dass ein FDP-Mann ins Gesundheitsministerium einzog. Ich dachte, das könnte vielleicht etwas positive Dynamik ins System bringen. Seit mehreren Wochen aber verschlägt es mir einfach die Sprache. Schön knapp zusammengefaßt bei creezy gestern, von der auch mein Lesetipp für heute stammt. Bitte mal gucken!

PS: Mal ganz abgesehen von diesen unglaublichen Plakaten, auf denen sich die FDP seit Neujahr ihrer Großtaten rühmt.

Erst mal Holz nachlegen

Ich kann’s nicht lassen. Außerdem muss ich ja irgendwie nach der langen Pause wieder fit werden. Hören ist ja nicht Alles und auch nicht das Einzige. Gestern also nach fast drei Monaten wieder im Training gewesen. Nur bißchen kalt war’s…

Von Bananen und Keksen: Wie man über Hörverlust redet

Weil ich mit dem Reden über meinen Hörverlust Verwirrung ausgelöst habe will ich kurz zeigen, wie man ein Audiogramm liest — das ist die graphische Darstellung des Töne-Hören-Könnens. Und dabei auch die zwei Ausdrücke erklären, die gefallen sind. Zuerst zur sogenannten „Sprach-Banane“. Hier ist sie:

Von links nach rechts sind die Frequenzen aufgetragen (in Hertz). Je rechter desto höher ein Ton. Von oben nach unten ist die Lautstärke aufgetragen (in Dezibel). Je tiefer, desto lauter. Dass man diese Grafik „nach unten lesen muss“, dass es nach unten lauter wird und nicht nach oben, mag zunächst verwirren. Das ist einfach, weil im selben Format Hörverlust eingetragen wird – und Verlust=tief liegt intuitiv näher. (Weitere Details zum Thema „Hörverlust und Audiogramme lesen“ z.B. hier.)

Ganz unten links, also tief und laut: Lastwagen und Motorrasenmäher. Relativ hoch und leise (also oben rechts) sieht man Flüstern, daneben Uhrenticken. Nach demselben Schema sind verschiedene Sprachlaute eingetragen (bei durchschnittlicher Gesprächslautstärke). Und man sieht: Mit etwas gutem Willen kann man darin eine bananenförmige Fläche sehen: Die Sprach-Banane.

Wofür ist das wichtig? Zum einen für die Beurteilung des Hörverlusts und zum anderen für die Frage, wie laut ein Hörgerät sein muss, um Sprachverstehen zu ermöglichen. Als Beispiel: mein eigenes Hörvermögen in den verschiedenen Frequenzen, aufgetragen in demselben Diagramm:

Man sieht: Die Kurve geht nicht durch die „Sprach-Banane“. Das heißt: Ich höre die Laute nicht, die zusammen Sprache bilden. Ein Hörgerät muss in den tiefen Frequenzen 50dB und in den mittleren 70dB verstärken, damit ich diese Laute auch nur ganz leise höre. Das ist sehr, sehr viel! Über den Daumen kann man sagen, dass 10dB Verstärkung etwa doppelt so laut sind.

Damit ich Sprache auch nur teilweise höre, muss sie quasi auf die Lautstärke einer Motorsäge verstärkt werden. Mein Hörgerät bläst mir bei Gesprächslautstärke mit der Stärke eines Schlagzeugs oder eines Hubschraubers ins Ohr! Doch selbst mit dem lautesten Hörgerät der Welt: Laute wie „K“, „S“ und „F“ jedoch werde ich auf diesem Wege NIE verstehen — es gibt in dem Frequenzbereich bei mir nichts zu verstärken.

Schließlich noch zum Cookie-Bite-, also zum Keks-Biß- Hörverlust: So nennt man im Englischen die Form des Hörverlustes, mit der ich einmal angefangen hab. Die sah — ganz grob — etwa so aus:

So als ob jemand von oben in die „normales Hören“ darstellende, horizontale Linie hineingebissen (und sie ein bißchen abgesenkt) hätte. Details siehe auch hier.

[Nachtrag: Ich habe übrigens keine Ahnung, ob irgendjemand die Rechte an obiger Darstellung hält. Ich habe dies aus meinen Unterlagen gescannt, wer sucht, findet sie auch mehrfach im Netz.]

Strom ins Ohr: Vom nicht ganz wie früher Hören mit dem Cochlea Implantat

Er konnte wohl einfach nicht widerstehen. Es ist jetzt 200 Jahre her, dass Alessandro Graf von Volta, die gerade von ihm erfundene elektrische Batterie ansah und sich die beiden Elektroden in die Ohren steckte. Er bekam einen Schlag — und nachdem er wieder zu sich kam berichtete er, ein Knallen und etwas wie „das Köcheln dickflüssiger Suppe“ gehört zu haben (siehe z.B. hier und hier). Volta selbst versuchte das nicht mehr allzu oft. Doch andere kamen immer mal wieder auf die Idee, sich und anderen Strom in die Ohren zu leiten — und so entstand schließlich das Cochlea Implantat (CI). Ich habe so ein elektrisches Ohr.

Über die immer noch etwas seltsamen Höreindrücke hab ich ja gerade berichtet. Aber wie fühlt sich das eigentlich an, der Strom im Ohr?

Weiterlesen

Mein Hörvermögen

Da ich nun schon mehrfach danach gefragt wurde… Draufklicken hilft. Und ich hoffe, Sigmar Polke ist mir gewogen.

Zwischenstand: Wie klingt’s denn so inzwischen?

Kristallen. Nach fast einem Monat elektrischen Hörens klingt es: kristallen. Damit meine ich nicht, wie man vielleicht denken könnte, kristallklar, sondern hart. Sehr konturiert. Aber auch spröde, so als ob die Klänge gleich bersten könnten. Kann irgendjemand von Euch sich was unter dieser Beschreibung vorstellen?

Dieser Klang ist übrigens ganz und gar nicht unangenehm. Hat vielleicht was mit meiner Vorgeschichte aquarelligen Impressionismus zu tun.

Nur leider ist der Klang auch unvollständig, ich höre manches nicht. Manche Frequenzen und auch manche kompletten Klänge. Und manche Frequenzen höre ich zwar, aber sie sind dermaßen verschoben, dass ich sie kaum erkenne. Stellt Euch ein Foto vor, in dem alle — sagen wir — bläulichen Töne in Feuerwehrrot übersprüht sind. Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, lenken vom Rest ab und fransen aus. Jetzt stellt Euch die Leistung vor, die das Gehirn vollbringen muss, das wieder in Ordnung zu bringen! Ich merke jeden Tag wie es das mehr und mehr tut.

Hörtraining

Billy Idol: White Wedding — Auch vom Text her irgendwie passend…

Mein Sohn ist taub, endlich!

Sollen Eltern ihren kleinen Kindern Cochlea Implantate einsetzen lassen, wenn sie taub geboren sind? Elektrisches Hören als Ersatz für akustisches ohne dass man das selber entschieden hat? Ein Reizthema. Beim Lesen der Diskussionen in Spiegel-Forum und der Kommentare hier ist mir dieses Video wieder eingefallen, das vor einiger Zeit in der amerikanischen Deaf-Community die Runde gemacht hat und dort kontrovers diskutiert wurde. Ich poste es um mal eine Perspektive aus der Gehörlosenwelt zu zeigen.

Man sieht dort auch gut ASL, die US-Gebärdensprache. Leider gibt es das Video nur mit englischen Untertiteln, ich hoffe Ihr könnt folgen. Es ist etwas länger, aber wenn Ihr es guckt, bitte unbedingt bis zum Schluss gucken!

„Lie to me“: Die TV-Serie für Hörgeschädigte und andere notorische Beobachter

Es heißt, wenn ein Sinn ausfalle, würden die anderen schärfer. Ich weiß nicht, ob das wirklich so automatisch funktioniert — aber eigentlich alle Schwerhörigen, Ertaubten und Gehörlosen, die ich kenne, geben große Stücke auf die eigene Beobachtungsgabe. Wir sagen gerne:  Wir lesen in den Menschen wie in einem Buch (ich z.B. hier, Jule da und bei Judith gibt es eine extra Mimikgalerie).

Und es stimmt ja auch: Die Wahrheit steht Dir ins Gesicht geschrieben. In die Haltung. Und die angespannten Finger. Auch Deine Mundwinkel, hochgezogenen Augenbrauen und das verstohlene Kratzen verraten Dich. Du hältst Dich selber fest und denkst ich merk das nicht? Gib auf! Auch wenn Du schweigst: Alles an Dir spricht mit mir. Und manchmal widerspricht es Dir.

Genau darum geht’s in Lie to me. In dieser TV-Krimiserie spielen Mimik, Körpersprache und das was sie sagen die Hauptrollen. Und Tim Roth. Der spielt Dr. Cal Lightman, der ein Team außergewöhnlich guter und psychologisch geschulter Beobachter um sich versammelt und alle möglichen Aufträge annimmt. Die Wahrheit finden sie meist anhand winzig kleiner und ultrakurzer Gesichtsregungen oder Bewegungen heraus. Gewissermaßen CSI nur ganz ohne Technik.

Ich habe gerade ein paar Folgen der ersten Staffel gesehen und finde: Spannend! Keine gaaanz große Serie aber auf jeden Fall überdurchschnittlich gut angelegt und besetzt. Von der dahinterstehenden Psychologie bekommt man auch einiges mit. Jetzt kommt es darauf an, wie sich das alles entwickelt. Ich wollte Euch aber schonmal Bescheid sagen.

Lie to me läuft in den USA bereits in der zweiten Staffel. Die DVD der ersten ist schon raus, im deutschen Fernsehen soll die Serie bald auf Vox laufen.

[Später stellte ich fest: Die Serie wird sogar noch besser. Sie hat nur unerwartete Nebenwirkungen.]

Das elektrische Ohr: Die umstrittenste bionische Prothese von allen?

Spiegel Online bringt ein Stück über künstliche Körperteile (scheint down zu sein, andere URL siehe Kommentare), darunter am Ende auch zwei (!) Absätze über Cochlea Implantate (CI). Und im Spiegel-Forum, wo man über den Beitrag diskutieren kann, ist das CI schon nach weniger als vier Stunden das worüber am meisten diskutiert wird.

Schaut’s Euch mal an, vielleicht mögt Ihr Euch ja auch zu Wort melden!

Jetzt sind sie weg. WEG!

Und ich bin wieder allein…

(Mensch, lass das Gejammer sein, denn so ist’s nun mal auf dieser Welt. Auch wenn’s dir nicht gefällt.)

Der Zisch- und Keuchexperte

Das, liebe Leser, bin ich.  Andere verstehe ich zwar immer noch nur selten, doch zumindest an meiner eigenen Rede differenziere ich gerade feinste Unterschiede in Zisch-, Schnalz- und Keuchlauten sowie — das musste ich nachgucken — Frikativen. Und verbinde die mit Zungen- und Lippenstellungen. Natürlich nur wenn ich alleine bin.

Aber ich muss zugeben: Ich glaube, ich rede besser. Ertaubung hört man halt sofort. Sehr drastisch etwa bei dem Radiomoderator Rush Limbaugh, der seine Show ein paar Wochen taub führte, bevor er ein CI bekam.

Das erste Malheur — von vielen

In die Post geeilt. Junge Frau mit Kinderwagen erblickt, sofort Tür aufgehalten und beim an die Seite drücken damit sie vorbei kann mit dem Kopf Postkartenständer gestreift. Und schon lag’s auf dem Boden. Mittig in der Dreckspfütze.

Sitzt das Ding da aber auch so staksig auf’m Ohr! Wie soll man denn bei so wenig Haftung die Haltung bewahren?

Wie hören Menschen mit Cochlea Implantat?

Wie hört man mit einem elektrischen Ohr, mit so einem CI? Ich habe mal ein paar Hörbeispiele gesucht.

Das ist aber eine schwere Frage, denn selbst unter den einzelnen Nutzern sind die Unterschiede groß. Und je nachdem wie lange man schon eins hat. Ich finde — nach ein paar Wochen mit CI — vor allem fühlt es sich anders an als normales, akustisches Hören. Aber dazu ein andernmal. [Nachtrag: Ab jetzt hier zu finden.]

Die folgenden Beispiele sind also nicht wie ein CI-Träger hört. Es sind Versuche der Annäherung. Ich würde vermuten, wenn man jemandem, der nicht hört, normales Hören simulieren würde, es würde ähnlich bizarr aussehen. Die Beispiele vermitteln einen Eindruck, wie seltsam diese Klänge zunächst sind. (Leider habe ich keine deutschen Beispiele gefunden, sie sind alle auf Englisch.)

Hier gibt es Beispiele für Sprache und Musik – in denen die 32- und 16-Kanal-Simulationen, also die direkt nach bzw. vor dem Original meinem Hören mit CI am nächsten kommen. (Klicken auf „Decrease Channels“ spielt zuerst das Original und dann die CI-Simulationen, klicken auf „Increase Channels“ zuletzt das Original. Klick auf „Music 1″ und „Music 2″ spielt beide Male das Original zuletzt.)

Man darf sich allerdings nicht vorstellen, dass sich Hören mit CI dauerhaft so anhört. Die Hörempfindung ändert sich, man gewöhnt sich daran und lernt „lesen“, was einem das Ohr da mitteilt. Die meisten langjährigen CI-Träger sagen, dass sich Sprache später kaum noch anders anhört als „normal“. Manche sogar, dass sie keinen Unterschied mehr wahrnehmen.

In diesem äußerst interessanten Radiobeitrag sind Musikbeispiele enthalten. Da der komplette Beitrag, wie in den USA üblich, transkribiert ist, kann man mitlesen — für mich war das gleich eine Hörübung.

Und um einen Eindruck zu kriegen, wie eigenartig die Welt mit CI in den ersten Wochen ist — mog hat ein wunderbares Beispiel gefunden, aus einer alten britischen Kindersendung. Die „Clangers“ leben auf dem Mond — und das, was ich die ersten paar Wochen mit dem CI gehört hab, kommt ihren Unterhaltungen recht nah. Nicht so sehr im Klang selbst, bei mir war es zB auch nie so hoch. Aber von der Atmosphäre her.  Hört mal ab 1:15 und 2:05 hin!

Und schließlich gibt es hier noch ein paar gute Hörbeispiele!

Erfreuliches, zu Eis erstarrt

Es war §?#grr!!*-kalt auf diesem Bahnsteig gestern. Aber ich stand da so, versuchte mich mit dem ganzen Körper an meinen Kaffee zu kuscheln — und auf einmal merkte ich, dass ich die Lautsprecherdurchsagen fast komplett verstand! Hörgerät + CI. Das wollte ich nur mal kurz durchgeben!

Da war zwar nichts Gutes zu hören, nur Verspätungen und Zugausfälle, also noch mehr Kälte. Und ich stand direkt unter einem gut funktionierenden Lautsprecher, was ja nicht selbstverständlich ist. Aber vielleicht komme ich ja dann bald mal in den Genuß, dass sie mir sagen, mein Zug komme auf einem anderen Bahnsteig — und ich bin mal nicht der letzte, der es erfährt, gern auch erst nachdem der Zug schon weg ist…

Schöne Töne #12 — Der elektrische Anfänger

Um mich rum der Klang — in meinem Kopf, nun ja. Ich weiß, was ich hören müsste. Denn als ich, glaube ich, 14 war habe ich diese beiden Stücke rauf und runter gehört. Ich kann sie immer noch fast auswendig, vom Text und von der Musik her, Sprache und Töne. Damals hab ich nur mittelgradig schwer gehört.

Jetzt hab ich sie wieder rausgekramt, weil man das elektrische Hören mit CI ja vollkommen neu lernen muss. Und mit Stücken üben soll, die man sehr gut kennt. Das Gehirn davon überzeugen, dass es das was ankommt fortan anstelle des Alten akzeptieren möge. Das Neue in die alten Schubladen einsortieren, aber gleichzeitig auch die Schubladen ändern.

Ich mag sie immer noch. Aber mal ehrlich: Ohne die Untertitel würde ich den Text nicht verstehen. Und wüßte in all dem Krach, Gepfeife und Gepiepe nicht einmal, wo ich gerade bin. Zum gut Hören ist’s noch ein weiter Weg …

Queen: Under Pressure

Queen: Killer Queen