Monatsarchiv: Februar 2010

Liebe oder Gehzurhölle: Kannst Du’s unterscheiden?

„Wow, mit Kopfhörern auf sieht I love you! verflixt genauso aus wie F**k you!“ — So kürzlich das volllippige Erweckungserlebnis von Freundin Berlinessa.

Ich fand das gar nicht. Ich fand, diese beiden sind wirklich leicht zu unterscheiden. Jedenfalls leichter als die wohlmeinenden Vorschläge der hilfsbereit einspringenden US-Freunde: Olive juice? Elephant juice? Hehehehe.

Wie seht Ihr das? Könnt Ihr’s unterscheiden?

Für meine deutschen Leser sei gesagt, dass diese dem deutschen Ohr vielleicht exotisch anmutenden Säfte in den USA einige Berühmtheit erlangt haben. Sie sind beliebt dafür, dass sie zumindest den Sex in schlechtlaufenden Liebesbeziehungen noch ein wenig länger am Laufen halten. Wer sie lautlos in den Mund nimmt, kann später immer behaupten, er habe von Liebe gesprochen. Oder hat nie gelogen. Fieses Ausnutzen der Tatsache, dass Lippenlesen eigentlich gar nicht geht. Oder auch, wenn man sich nicht sicher ist. Dann guckt man treu und haucht: Elephant juice. Ist ein bißchen wie etwas mit gekreuzten Fingern versprechen…

Schonmal probiert?

Und wer sich für gut im Lippenlesen hält, versuche sich mal an diesem Spiel, das der Herr just like Beethoven freundlicherweise gepostet hat.

Wie ich ein Film-Nerd wurde: Ein Kopfhörer und die Folgen

Andrea Diener hat mich drauf gebracht: Bis heute bin ich einer der weniger duldsamen Menschen beim Filmegucken, und das alles nur wegen nur diesem einen Kopfhörer.

Als ich klein war, hörte ich nicht so schlecht wie heute. Ich war nur leicht und dann mittelgradig schwerhörig. Darum hatte ich Probleme, Filme zu verstehen. Doch es war nicht unmöglich. Zuhause — denn Kino war etwas Besonderes, Filmegucken hieß also meistens Fernsehgucken — nahm ich dazu den großen, geschlossenen Kopfhörer meines Vaters.

Mit Kopfhörer gab es nur mich und den Film. Etwaiges Rumoren oder die Unterhaltungen meiner Eltern hörte ich nicht.

So ging das jahrelang, und meine Begeisterung für Filme wuchs. Ich weiß nicht mehr genau, warum ich irgendwann mit dem Kopfhörer aufhörte. Vermutlich, weil ich ohne Hörgeräte auch mit Kopfhörer nicht mehr gut verstand. Ab da hörte ich wie alle anderen im Raum auch — per Lautsprecher. Mit Hörgeräten, so gut es eben ging, später mit Untertiteln.

Bald darauf hatte ich als etwa 12-jähriger Naseweis das Gefühl, dass früher die Filme besser, fesselnder gewesen waren. Und ich brauchte eine Weile um zu merken, dass das an den fehlenden Kopfhörern lag. Daran, dass ich nicht mehr vollkommen eingehüllt war in den Sound des Films und nur den Sound des Films. Statt dass ich im Film zu versank, lief da halt ein Film im Raum.

Und bald stellte ich fest, dass mich nicht nur störte, wenn Mitzuschauer Geräusche machten oder den Film kommentierten. Nein, ich fand es auf schwer beschreibbare Weise dem Film gegenüber nicht gerecht. Es war nicht so, wie ich Filme zu gucken gelernt hatte. Das einzige, was mich komischerweise nie störte, war Lachen. Natürlich nur, wenn es auch ein lustiger Film war.

Heute gucke ich zwar sehr gerne Filme mit Freunden. Und ich bin jemand, der so gut wie nie allein ins Kino geht. Aber ich lerne nur langsam, Popcornkino zu mögen, bei dem nicht alle still und aufmerksam sind. Die Geräusche und Bewegungen der anderen irritieren mich. Wer schwatzt, kriegt fast immer einen bösen Blick ab. Und manchmal muss es einfach per Kopfhörer sein. Nur der Film und ich.

[Nachtrag: Weil ich per E-Mail gefragt wurde -- Nerd nenne ich das weil ich nur entweder Filmegucken oder soziale Beziehungen zu Anwesenden pflegen kann. Allenfalls ein bißchen streicheln, das geht.]

Technikfolgenabschätzung: Das eigene Schmatzen

Wer kennt das nicht — den Pickel auf der Backe, die schlechtsitzenden Haare oder der Soßenfleck auf dem Hemd. Und man läuft stundenlang damit rum, nur weil es gerade nirgendwo einen Spiegel gab, in dem man’s hätte sehen können.

Es ist eigentlich banal: Sich selbst wahrnehmen hilft bei der Selbstkontrolle. Darum hört man’s ihnen ja auch oft an, wenn Menschen ihr Gehör verlieren: Ihr Sprechen verändert sich, weil sie sich selbst nicht mehr hören.
Mit dem elektrischen Ohr merke ich das ja gerade selber, nur auf umgekehrtem Wege: Ich ertappe mich häufiger selbst beim nuschelig Reden.

Nun mag nicht jeder so pingelig sein wie ich. Aber — ob dieses neue, an den Zähnen befestigte Hörgerät wirklich so eine gute Idee ist? Das die Leute zum Essen herausnehmen müssen und, so dass sie ihr eigenes Schmatzen nicht hören? Ich glaub, das ist nicht gut für die Tischsitten…

Wie geht das mit der Gebärdensprache und dem Sprechen an Hörgeschädigten-Schulen?

Das Deutschlandradio Kultur hat mit dem Leiter einer Berliner Schule für Hörgeschädigte ein spannendes Gespräch geführt.

Da werden viele Fragen beantwortet, die hier im Blog gerade heiß diskutiert wurden…

[gefunden via deafread]

Sie haben gewonnen!

„Hallo, spreche ich mit [...]? Ich habe eine tolle Nachricht. Sie haben bei einem Gewinnspiel teilgenommen und-“

KRACK landet der Hörer wieder auf der Gabel. Dann schleicht sich ein Lächeln in mein Gesicht: Versteh-Premiere!

:-) :-D :-)

Im Nachhinein denke ich: Verdammt, hätte nicht so schnell auflegen sollen! Mit denen hätte ich kostenlos Telefonieren üben können. Ob sie es wohl nochmal probieren? Bin doch bestimmt eh der Einzige, der sich drüber freut.
Na, vielleicht ruft ja mein Mobiltelefon-Anbieter bald mal wieder an und will mir einen neuen Tarif andrehen. Oder eine Zeitung mit nem Abo…

Die Erkundung des O

Das ist aber mal ein schöner Text über den Besuch beim Ohrenarzt: kid37 über Emolotl Ohrkill.

Ich hätte auch nichts gegen so einen Ohrvaginalorgasmus — selbst wenn sich herausstellen sollte, das das ein Mädchendings sein sollte.

Hihihi

Dabei hab ich grad neulich noch gesagt: Hörbehinderte im Call Center? Wohl eher nicht. Und jetzt das! Schaut mal bei Jule vorbei….    –>klick<–

Das CI und der Spinal-Tap-Faktor: Musik eins lauter!

Laut macht Laune, das ist ja nichts Neues. Um das zu wissen muss man kein Stammgast im Berghain sein und auch kein Fan von Manowar — die seit über 25 Jahren den Titel lauteste Band der Welt beanspruchen. Ab einer gewissen Lautstärke hört man die Musik nicht nur. Sie drängt sich dem Körper auf, nimmt ihn gefangen und rockt ihn. Adrenalin!

Wie ich gerade feststellen durfte, passieren bei mir schon weit unterhalb dieser Schwelle seltsame Dinge. Denn ich habe nun zwei Ohren, die grundverschieden sind: Links das elektrische Ohr, eingeschaltet von der Empfindlichkeit her annähernd normal aber eben elektrisch, flüsternd und quartzig. Rechts, das Ohr mit dem ich geboren wurde, ohne Hörgerät in etwa so schwerhörig wie 1960er-Jahre-Kunst.

Höre ich nun Musik, heißt das für mein dazwischensitzendes Gehirn: Bei Bestückung links CI und rechts BioloGI wird erstmal nur elektrisch bedient. Das klingt nicht wirklich schlecht, aber ich merke, dass das CI auf Sprache spezialisiert ist. Höre ich Musik, nehme ich vor allem Gesang wahr. Dazu Rhythmus und dann- weitere mittlere und hohe Klänge. Das ist okay, aber meist nicht wirklich mitreißend. Ein bißchen wie ein Laptoplautsprecher.

Doch ab einer gewissen Lautstärke greift der Spinal-Tap-Faktor. Eins lauter — und es ist eine andere Welt! Das ist komisch weil ihr wißt ja alle wie es ist, die Musik lauter zu drehen. Es wird halt langsam lauter und dabei irgendwie mitreißender. Aber die Musik ändert sich nicht plötzlich radikal. Genau das passiert bei mir! Auf einmal wird BioloGI zugeschaltet, Basswahrnehmung und ein bißchen aus dem unteren Mittenbereich. Es ist als drehte ich zusätzlich noch an einem anderen Regler als Lautstärke. Einem, auf dem etwa „Fülle“ und „Begeisterung“ steht. In den klassischen Worten:

„You see, most blokes, you know, will be playing at ten. You’re on ten here, all the way up, you’re on ten on your guitar. Where can you go from there? Where?“

„I don’t know.“

„Nowhere. Exactly. What we do is, if we need that extra push over the cliff, you know what we do?“

Na, eins lauter natürlich. Auf elf! Nur dass ich mit CI für den extra push nicht mal einen dieser mythischen Verstärker brauche. Der biologische Nachbrenner wird schon früher zugeschaltet.

Tunnel Deine Ohren

So große Tunnel-Ohrringe fand ich eigentlich nie schön. Aber — wow, diese Designstudie eines Hörgerätes von designaffairs finde ich wirklich große klasse! Zumindest bei dem Model.  Jetzt noch eine CI-Studie, bitte, liebe designaffairer! (mehr Info gibt es im Blog von designaffairs)

Nur mal so zum Vergleich: cooler älterer Hörgeräte-Bling.

Herzlich willkommen an alle Besucher, die über den Yucca Tree hergefunden haben! Ich hoffe, es gefällt Euch hier. Da rechts in der Sidebar, bei den Top-Beiträgen, könnt Ihr Euch einen ersten Überblick verschaffen –>

Sind Behinderte die besseren Arbeitnehmer?

Seit einiger Zeit sitze ich von morgens bis abends nur noch vor dem Rechner und tippe. Spannende Berichte über echte Erlebnisse sind darum leider etwas selten geworden. Darum auch heute wieder — (hoffentlich) spannende Gedanken. Die Kommentare gestern haben mich daran erinnert:

Man hört ja immer mal, dass es Arbeitgeber gibt, die Behinderte nicht gerne einstellen. Zum Beispiel weil sie im Gespräch nicht so flott sind und nicht telefonieren (Schwerhörige/Gehörlose), Ansprüche an ihren Sitzplatz und den Aufzug stellen (Rollstuhlfahrer) oder vielleicht Arbeit in ihrer Freizeit erledigen (weil sie wegen ihrer Behinderung nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt oder über die gesamte Dauer arbeiten können).

Sicher, man würde Schwerhörige kaum in ein Call-Center setzen, Gehörlose vielleicht keine Kampfjets fliegen lassen,  einen Rollstuhlfahrer eher nichts als Tierarzt auf die Weide schicken. Das würden die meisten vermutlich selbst nicht wollen. Aber sonst?

Ist es nicht so, dass Behinderte oft sogar die besseren Arbeitnehmer sind? Weil sie es gewohnt sind, Probleme zu lösen und sich mehr als normal anzustrengen? Weil sie gut über ihre Grenzen Bescheid wissen, mehr vor- und nachbereiten, vielleicht auch einfach mehr Angst um ihren Job haben? Weil es ihr täglich Brot ist oder zumindest zeitweise war, sich beweisen zu müssen — aber auch zu scheitern, daraus zu lernen und dennoch weiterzumachen?

Kurz, weil sie quasi von Haus aus vieles von dem mitbringen, das man neben der fachlichen Qualifikation noch braucht, um erfolgreich zu sein? Und das auch noch ohne dafür mehr Lohn zu verlangen.

Traumhaft..

…ist Not quite like Beethoven!

Das hat mir schon länger keiner mehr gesagt. ((rotwerd))

Jetzt hat es Jürgen Vielmeier gesagt vom übrigens auch sonst sehr empfehlenswerten Yucca Tree Post. Dankeschön! Und geht auch mal die anderen 124 traumhaften Blogs ankieken. Da gibt’s einiges zu entdecken.

Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #8: Auf Dienstreise

Es ist schon länger her, seit ich das letzte Mal Tips zum Arbeitsleben als Schwerhöriger gegeben habe (hier Gesprächsführung in Teamsitzung und Meeting, da  akustisches Überleben bei Geschäftsessen). Aber da ich ja mit dem elektrischen Ohr nun langsam wieder zur Tagesordnung übergehe, soll es endlich auch hier weitergehen.

Auf Dienstreise — zahlt sich einfach aus, wenn die Rezeption weiß, dass sie einen nicht anrufen soll. Es muss nicht erst brennen, damit man das zu  schätzen weiß…

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Antenne Beethoven: Sich unter Blicken wohl fühlen

Manche Leute brauchen dazu gar kein Hörgerät, sie gewöhnen sich nie daran, dass Blicke anderer Leute auf ihnen ruhen. Ich hatte damit eigentlich nie ein Problem, obwohl ich ein dickes Hörgerät trug, seit ich in die Schule kam. Auch wenn ich es nie geliebt habe und nie fand, dass es gut aussieht, kann ich sagen: Ich habe mich nie geschämt. Meine Hörgeräte gehörten einfach zu mir.

Doch jetzt mit elektrischem Ohr kann ich zum ersten Mal nachvollziehen, warum sich Leute kein Hörgerät anschaffen wollen. Oder es ihnen so peinlich ist, dass sie es zuweilen abnehmen, nur damit damit man es nicht sieht. (Wie sieht das eigentlich aus, so ein Cochlea Implantat? Bei funny old life gibt es hier ein paar gute CI-Bilder.)

Eigentlich lächerlich, stimmts? Aber ich merke deutlich, dass es mich nervös macht, wenn ich in der U-Bahn stehe oder an der Kasse — und jemand mustert meine linke Kopfseite. Ich merke, dass ich die Mützensaison genieße.

Ich weiß auch, dass es egal ist. Viele wundern sich eh nur, wie das mit dem Kopfhörer eigentlich funktioniert, wenn er doch nicht einmal ins Ohr geht. Wie der da überhaupt hält! Und ich spüre, dass diese Phase vorbeigehen wird. Dass es sogar ein interessanter Aufhänger sein kann um Leute kennenzulernen. Aber im Moment ist es mir peinlich, dazu zu stehen, was an mir dran ist. Es sieht einfach nicht cool aus. Ich habe Lust, einen Witz daraus zu machen, die Leute zu verarschen. Wenn ich merke, dass sie gucken, auffällig zur nichtvorhandenen Musik mitzurocken.

Am liebsten aber hätte ich eine kleine Antenne, die ich auf Knopfdruck ausfahren kann, wenn ich merke, dass jemand guckt. Ha!

Das Furzfrühwarngerät

Der Streit um das elektrische Ohr kann beigelegt werden — die zivilisatorische Wirkung des Cochlea Implantats ist erwiesen: Rechtzeitige Entfernung aus dem Gefahrenbereich ist wieder möglich.

Flüstern ist halt was anderes als leise gedrehte Radiostimmen

„Sie wollen Beschreibungen der Sachen dieses Mädchens, nicht wahr?“ Ich bemerkte das Gezwungene und Förmliche an meinem Ton. „Ich verstehe nicht, was eine solche Tonbandaufzeichnung mit ihrem Projekt insgesamt zu tun hat und warum die Frau auf der Kassette flüstert.“

„Das Flüstern ist ganz wesentlich, weil die normale menschliche Stimme zu individuell ist, zu sehr von ihrer eigenen Geschichte geprägt. Ich bin auf Anonymität aus, damit die Reinheit des Gegenstandes ungehindert herauskommt, damit er sich in seiner Nacktheit entfalten kann. Geflüster hat keinen Charakter.“

Das Projekt wirkte ausgefallen bis zur Verrücktheit, aber es zog mich an.

Siri Hustvedt, Die unsichtbare Frau (original 1992: The Blindfold)

Siri Hustvedt schreibt unglaublich tolle erste Drittel von Büchern. Wirklich, ich habe selten so gebannt gelesen wie als ich Was ich liebte begann. Gerade wollen mir das erste Drittel der unsichtbaren Frau und die Stelle oben nicht aus dem Sinn — wenn ich versuche zu beschreiben, wie das Hören mit meinem neuen elektrischen Ohr jetzt klingt:

Ich verstehe immer mehr und wenn ich Sichtkontakt habe auch mal alles. Stimmen klingen zuweilen immer noch ein wenig quartzig in den Ecken. So als würden irgendwo in den Mundwinkeln zwei Amethyste aneinander reiben. Vor allem aber klingt es als flüsterten die Leute mir zu — obwohl es nicht so leise ist wie Flüstern. Aber die persönliche Färbung der Stimmen fehlt. Flüstern ist halt was anderes als die leise gedrehten Radiostimmen, die so viele Leute so angenehm beruhigend finden.

Warum das so ist, kann ich mir gut vorstellen: Denn alles was ich höre ist tatsächlich „leiser“ als die brachiale Lautstärke, die das Hörgerät liefern mußte, damit alles halbwegs in den Bereich der Sprachbanane kam. An die „leisen“ Reize des Cochlea Implantats müssen sich Nerven und Gehirn erst gewöhnen. Langsam werden die Stimmen wieder voller klingen. Im Augenblick aber — eher ein flaches Flüstern.

„Sag mal, wie habe ich mich eigentlicht nur mit CI angehört?“, frug kürzlich Freundin N. Und weil ich so eine ehrliche Haut bin, antwortete ich: „Ein wenig charakterlos.“

Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen: Informations-DVD mit Gebärdensprache und Untertiteln

Es sind erschreckend viele. Jede vierte Frau zwischen 16 und 85 hat in ihrem Leben mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt von ihrem Partner oder Ex-Partner erlebt.

Ich weiß nicht genau, ob hörbehinderte Frauen auch häufiger Opfer häuslicher Gewalt werden — aber zumindest sind nach Angaben der UNO behinderte Frauen etwa doppelt so häufig betroffen wie nichtbehinderte (siehe hier, ab S. 152). Und wenn es eh so schwer ist, sich selbst zu helfen: Wie viel schwerer muss es sein, bei Selbsthilfevereinen, Behörden oder Polizei Hilfe zu holen, wenn man die deutsche Lautsprache kaum oder gar nicht versteht — wie Gehörlose und Schwerhörige?

Darum finde ich es gut, dass die Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG) ihr Angebot möglichst barrierefrei gestaltet. Gestern erhielt ich die Mitteilung, dass nach solchen in den gängigen Fremdsprachen sowie Türkisch und Arabisch nun eine neue DVD in Gebärdensprache (DGS) und mit Untertiteln informiert, was man als Frau gegen häusliche Gewalt tun kann. Welche Schutz- und Hilfsangebote gibt es, welche Rechte hat man und wie nimmt man Frauenhäuser und Zufluchtswohnungen in Anspruch? Übrigens, die Polizei kann man in Berlin auch per SMS-Notruf verständigen.

Interessierte Frauen können die DVDs kostenlos (nur Versandkosten) erhalten. Einfach den Bestellwunsch mit der eigenen Adresse und € 1,45 in Briefmarken senden an:

B.I.G. e.V.
Monika Trieselmann
Durlacher Str. 11a
10 715 Berlin

Fragen per E-Mail an: mail@big-koordinierung.de –  Bald gibt es die Filme auch auf der Website der BIG!

Wieso sind Hörbehinderten-Themen und Gebärdensprache gesellschaftlich relevant?

Dass an den meisten deutschen Gehörlosenschulen keine Gebärdensprache unterrichtet wird, ist eines der wichtigsten Themen, über die in deutschen Medien mehr berichtet werden sollte. Sagt jedenfalls die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA). In den Top 10 der INA findet sich das Thema neben jenen, dass Pflegebedürftige — die wir fast alle mal werden — in Krankenhäusern allein gelassen werden, Sondermüll beim Bauen und Sanieren — der Häuser in denen wir alle wohnen — verwendet wird und Gene — die wir prinzipiell alle haben — patentiert werden können (vgl. hier).

Doch inwiefern sind eigentlich Gebärdensprache und Hörbehinderten-Themen für die allgemeine Öffentlichkeit relevant? Ich als thematisch interessierter Blog-Autor habe natürlich sofort aufgemerkt und schon vorgestern darüber geschrieben. Für die betroffenen Kinder und Eltern ist es ohne Zweifel ein wahnsinnig wichtiges Thema — doch für sie muss eigentlich nicht darüber berichtet werden: Sie wissen es eh besser als ihnen lieb ist. Was also sollte es, wie Frau Frogg so schön sagte, „Frau Meyer an der Hertensteinstrasse“ interessieren?

Die INA-Jury begründet die allgemeine Relevanz mit drei Punkten: einer hohen Anzahl von Betroffenen, der Charakterisierung als moralisch aufgeladener Konflikt  und dem Hinweis, man habe ein Schlüsselthema vor sich, das auch andere Mißtstände bewirke. Ich habe mir dazu mal ein paar schnelle Gedanken dazu gemacht…

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Für Liebhaber: Untertitel mal anders

Ein Tumblr nur mit Screenshots und Untertiteln. Sehr geil:  fuck yeah subtitles!

[Gefunden bei franzi. Danke!]

Den Klauen der Akustik entkommen

Nicht immer nur das Sofa plattsitzen. Mit Freundinnen oder Freundinnen einfach losziehen. Dahin gehen wo’s nett oder was los ist, das Essen gut, die Drinks gekühlt — oder wo es einfach interessant aussieht, um’s auszuprobieren. Eine Selbstverständlichkeit, oder?

Nein. Nicht als stark Schwerhöriger. Sofern auch geredet werden soll, geht es immer um die Akustik und die ist eine strenge Herrin. Zu voll? Geht nicht. Musik im Hintergrund? Gestorben. Hohe Decken, blanke Wände, Steinfußboden? Vergiß es. Das einzige Etablissement am Platze in dem sich kein Schwein aufhält, aus gutem Grund vielleicht? Das wäre was für uns!

Es ist wirklich ein Krampf. Wie man unter diesen Bedingungen wenigstens einigermaßen bei Geschäftsessen akustisch überlebt, habe ich hier beschrieben.

Jetzt aber tut sich was. Gestern war ich mit Freundin N. aus — und sie sagte hinterher: „Hat mich ein bißchen gewundert, dass Du dieses Restaurant gewählt hast. Die Musik war schon etwas nervig.“ Und wißt Ihr was? Ich hatte einfach eins vorgeschlagen, ganz ohne groß drüber nachzudenken wie die Akustik war. Mit CI und Hörgerät war es: Ziemlich anstrengend.

Das muss man aber andersrum lesen: Es war möglich. Es war möglich! Gut, es war recht leer, also nicht gar zu schwierig. Aber ich werde das jetzt öfter machen: frei wählen.