Monatsarchiv: April 2010

Was darf Werbung?

Jens Scholz vermißt Anstand in der Werbekampagne eines Hörgeräte-Akustikers. Ich finde zu Recht. Noch mehr aber finde ich sie einfach um ein schlechtes Wortspiel herum gemacht. Das habe ich drüben schon in einem Kommentar geschrieben. Und was denkt Ihr?

Nachtrag: Die Werbung auf der Homepage des fraglichen Akustikers dagegen („Sie verstehen Ihre Welt nicht mehr?“) finde ich wirklich sehr gut! Besonders die verstörten und deplatzierten Gesichtsausdrücke der Schwerhörigen.

Die rumänische Hochzeit

PS: Übrigens, der Dress wurde nicht getrasht.

Hörende zu Gehörloser: „Bitte sprechen Sie langsamer!“ — Marlee Matlin in Desperate Housewives

Grandios! Zum Schießen! Besonders wenn man den Charakter der Lynette kennt, aber ich glaube auch ohne.

[via]

Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #10: Kundenkontakt per Telefon

Hier gibt es eigentlich nur einen einzigen Ratschlag: Vermeiden! Am besten komplett. Selbst wenn man einigermaßen telefonieren kann, gibt es einfach zu viele Möglichkeiten, wie das schiefgehen kann. Mindestens bedeutet es Streß pur!

Das Problem besteht darin, dass der Anrufer die Initiative hat. Und man ja selbst erst einmal verstehen muss, wer dran ist und was er überhaupt will. Man hat keinerlei oder nur sehr wenig Anhaltspunkte, die das Verstehen erleichtern. Womöglich ist der Anrufer auch noch aufgebracht oder in Eile…

Ich gebe beruflich meine Telefonnummer gar nicht erst heraus. Sie steht auch nicht auf meiner Visitenkarte. Stattdessen betone ich meine Erreichbarkeit per E-Mail (oder je nach Anlass manchmal auch Chat). Das zu betonen ist aus mehreren Gründen wichtig:  Man muss gleich am Anfang für klare Verhältnisse sorgen und die Schwerhörigkeit oder Ertaubung offen kommunizieren. Es muss klar sein, dass man genauso erreichbar ist wie alle anderen. Und netter Nebeneffekt ist, dass man sich dem Gesprächspartner/Kunden oft deutlich einprägt — die erinnern sich an mich.

Ob der Verzicht auf Telefonnummern machbar ist, hängt natürlich von der eigenen Funktion, von Branche, Unternehmen und vom Chef ab. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich aber, es zu versuchen — wenn man dabei erstmal überlegt und dann klarmacht, welche Alternativen es gibt und das sie tatsächlich machbar sind, ohne die Abläufe zu gefährden. Dazu gehört z.B. auch, im Büro einen Kollegen zu suchen, der Notfallanrufe übernehmen kann (z.B. auch ans Reisebüro für kurzfristige Reisen).

E-Mail und Chat haben den Vorteil, dass man hinterher alles gleich schriftlich hat. Falls sich telefonieren gar nicht vermeiden läßt: Am besten alles noch einmal schriftlich notieren und per E-Mail bestätigen lassen, dass man alles und das auch richtig verstanden hat.

Was haltet Ihr von diesen Ratschlägen? Wie sind Eure Erfahrungen mit dem Telefon und seiner Vermeidbarkeit?

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Aarrrgh ist…

… mit drohender Deadline zuhause arbeiten und ein Ohr auf die Türklingel haben, weil ein wichtiges Paket kommt. Am selben Tag, an dem sie eine Etage höher die Badewanne rausreißennnnngnnn!

Normalerweise würde ich spätestens jetzt cool meinen Vorteil ausspielen, die Hörtechnik ausschalten — und entspannt arbeiten. Stattdessen:  zum Lärm gezwungen.

Bin dann soweit

Laute Musik Hören ist gesund — mehr noch: Ein Jungbrunnen!

Glaubt Ihr nicht? Ist aber so, lest selbst: Menschen, die Hörprobleme haben, werden immer jünger. Und falls Euch das noch nicht Beweis genug ist: Auch die Hörgeschädigten in den Entwicklungsländern werden immer jünger.

(Aufgefallen ist diese sprachliche Blüte leider nicht mir, sondern dem Kollegen von der Bedarfshaltestelle. Ich fand die Beobachtung aber so gut, ich musste sie einfach weiterführen.)

Der Spaziergang in die Harthörigkeit

Feeling brave? Orientierungslosigkeit, Scham und Langeweile gefällig? Dann wäre vielleicht ein kleiner Spaziergang in die Harthörigkeit etwas für Sie.

Da ich neulich davon gesprochen hatte, habe ich mal ein paar Berichte herausgesucht, in denen Menschen für einen Tag in die Schwerhörigkeit eingetaucht sind — oder jedenfalls ein paar Stunden, die meisten haben vorher aufgegeben. Wie ist es, auf einmal schwerhörig zu sein? Unter den Links versteckt sich jeweils der ganze Bericht (leider alle in Englisch):

It’s scary; I feel off-balance [...]. It shocked me as to how people live like this. Everything was distorted and it suddenly made me appreciate the normal hearing I have. [...] I felt lost and a little bit embarrassed when I had to ask her to repeat what she had said because I couldn’t hear her. (Leanne, At the Rim)

When I hear the footsteps of the letter carrier on my front path or the children pouring into the schoolyard across the street for recess, it helps me to track the passing of the hours. When I tip my laundry basket out, I expect to hear a “plop” sound when the contents hit the floor. This confirms for me where the room ends. I found it surprisingly disconcerting to be deprived of these clues that I usually take for granted. [...] Many tasks that I take for granted — climbing steps, walking through traffic, cooking — required far more attention than I normally pay them. Multi-tasking was difficult and often impossible. (Judy, The Experiment, plus Kommentar von mog: judy’s experience.)

I was fine at home, in my environment, but I didn’t like that I was feeling so insecure as I moved about the city. I was okay in the car. It’s still my space, but I was on edge, constantly looking around to be sure I wasn’t missing something important, keeping an eye on lights and gauges lest I be indicating a turn I didn’t intend to take or red lights flashing in warning of an imminent engine explosion. Stress. (Rob, hard of hearing for a purple squishy day)

I find myself avoiding customers as I know I’ll struggle to hear them – [...] I feel they would get annoyed if I ask them to repeat themselves. [...] Outside the store noise is muffled although I know the city centre is busy and there are lots of people around, I’m aware of feeling isolated and cut off. (Stephanie, I volunteered)

Ich kann nur sehr empfehlen mal reinzulesen. Und die haben immerhin im Schnitt nur etwa 30db Hörverlust gehabt, also nur eine leichte, maximal mittelgradige Schwerhörigkeit.

Thanks, mog, for digging up those links!

Besser als angeklebte Etiketten: Postmodern Hören

my ability to hear depends a lot on what I’m listening to

Das sagt Kim und ich fand es extrem gut gesagt: Wie gut oder schlecht, viel oder wenig ich höre, hängt ganz davon ab wem oder was ich zuhöre. Das ist so ein Satz, der kommt ganz unauffällig daher. Doch je mehr man drüber nachdenkt, umso mehr entfaltet er sich.

Ich finde das eine wahnsinnig wichtige Wahrheit über Hörprobleme.  Es ist da ganz wie beim Reden über Behinderung:  Man muss eigentlich immer dazusagen, in Bezug worauf und in welchen Situationen. Alles andere sind nur verkürzte bis verfälschende Labels für Menschen. Es sind nur angeklebte Etiketten. Egal ob man so über andere spricht — oder über sich selbst.

Schwerhörigkeit ist NICHT das Problem

Das Problem ist viel eher: Um halb sieben Uhr morgens so müde sein, dass man auf KEINEM Kanal mitbekommt, dass der Zug, der da steht, wo meiner immer steht, ein ganz anderer ist. Nämlich einer, der eigentlich schon vor 20 Minuten nach Jüterbog gefahren sein sollte. Und dass mein Zug, der ist, bei dem sich auf dem benachbarten Gleis gerade die Türen schließen.

Ist ja auch kompliziert. Es ging gerade noch mal gut: Die Tür erwischte mich nur an der Brust.

Auf dem Weg zur Telefontauglichkeit — heute: Nonchalance und Ernst

Beim zweiten Mal wollte ich es besser machen. Nach langer Telefonabstinenz war ja mein erstes Telefon“gespräch“ mit dem elektrischen Ohr durchaus beglückenden Inhalts aber vor lauter Aufregung zu kurz gewesen. Den nächsten Marketinganruf, das hatte ich mir fest vorgenommen, würde ich besser nutzen!

Heute klingelte dann endlich wieder das Telefon. Nummer unbekannt. Ich nahm mit dem festen Vorsatz ab, ein längeres Gespräch zu führen. Egal wer es sei. Und da ich weiß, dass man nie eine zweite Chance für den ersten Eindruck erhält, legte ich direkt größtmöglichen Ausdruck in mein „Hallooo?“

Es musste gewirkt haben. Denn aus dem Hörer flötete es: „Oh, das freut mich aber, dass ich Sie erreiche, Herr Not quite, …“ — Zumindest glaube ich das. Denn selbst wenn es inzwischen einigermaßen klingt — flöten kann man es nun wirklich nicht nennen, was mir das CI da übers Telefon serviert. (Ich habe das Implantat jetzt drei Monate.)

Leider hatte ich vor lauter Aufregung vergessen, das Gerät auf Telefonspule zu stellen, und so verstand ich schon den nächsten Satz nicht. Ich spielte darum auf Zeit. „Ich habe verstanden, dass Sie sich freuen mit mir zu reden, aber leider nicht, wer Sie sind“, lächelte ich ins Telefon. Und fummelte dabei mit der freien Hand an meiner Fernbedienung herum.

Nachdem ich auch noch das Fenster geschlossen und die Dame dabei weiter hingehalten hatte, stellte sich heraus, dass sie sich für eine meiner Versicherungen interessierte. Ob der Abschluss damals einfach gewesen sei, ich noch etwas wünschte. Nein, nein, sagte ich, alles wunderbar. Ich verstand nicht alles, aber doch ziemlich viel. Und ich glaube, die Freude darüber muss sie mir angehört haben. Denn ich kann es mir nicht anders erklären, dass sie nach einer ganzen Weile äußerst nonchalanten Geplauders auf einmal perplex verstummte — als ich sagte, nein, man dürfe mich gerne per Brief über neue Angebote informieren, keinesfalls aber per Telefon! „Äh, okay“, sagte sie. Natürlich muss sie damit gerechnet haben, aber ich denke, der abrupte Stimmungsumschwung hat sie überrascht.

Trotzdem, mich hat’s erfreut. Und wenn ich telefonmäßig mal groß bin, dann führe ich so umwerfende Gespräche wie Frau N.!

Gesunder Gefühlsegoismus

No one can make you feel inferior without your consent.

wird Eleanor Roosevelt zugeschrieben

Ja, doch, ich glaube, ich würde das Gefühlsegoismus nennen. Die gesundeste Form von Egoismus, die ich kenne. Leider erst spät gelernt und immer noch nicht gemeistert. Aber ich werde besser. Es hat tatsächlich Vorteile, keine 16 mehr zu sein.

Auf deutsch habe ich es neulich so ausgedrückt: Wer mich beleidigt, entscheide immer noch ich.

Mehrwert gleich null? o2s Expertendiskussion über Behinderte und die digitale Integration

Zugegeben: Man soll ein Ereignis nicht nach den oberflächlichsten Berichten darüber beurteilen. Doch andere habe ich nicht gesehen über die Expertendiskussion von o2 über Telekommunikation und digitale Integration Behinderter. Alle scheinen aus derselben Pressemitteilung abgeschrieben. Und da deutet nichts daraufhin, dass ich oder irgendjemand sonst etwas verpaßt hätte.

Ein paar schnippische Bemerkungen beim Lesen (kursiv von mir, der Rest zitiert oder paraphrasiert aus der Meldung bei Portel.de, einem „Portal für den deutschen Telekommunikationsmarkt“):

Portel berichtet und hebt den Satz „Barrierefreiheit sollte eigentlich Standard sein“  in die Überschrift. Gesagt wurde er von einer Vertreterin eines Behindertenverbandes.
Ich bin von den Socken! Kann es einen allgemein zustimmungsfähigeren und zugleich zu weniger verpflichtenden Aufruf geben? Na gut, man will ja als Behinderte keinesfalls jemand auf die Füße treten oder etwa fordernd erscheinen, richtig?
Außerdem: Wenn DAS das Resümee oder prägnantester Satz dieser Expertendiskussion gewesen sein sollte, war sie ja wohl für die Tonne! Um sich denken zu können, dass Behinderte das finden, braucht man doch keinen Verbandsvertreter  zu fragen. Vor allem nachdem zuvor ein monatelanges Online-Forum lief, in dem Gleichsinniges schon mehr als einmal gesagt wurde.

Das Fazit aus der vorhergehenden Online-Debatte sei Folgendes (und ich nehme mal an, da wird die Auswertung für o2 zitiert): „Die Teilnehmer waren sich über das hohe Potenzial moderner Technologien grundsätzlich einig. Entscheidend für die tatsächliche Nutzbarkeit seien allerdings die Anwenderfreundlichkeit der Produkte und Dienste sowie die Haltung der Anbieter gegenüber behinderten Menschen.“
Oha. Viele Leute meinen, Anwenderfreundlichkeit entscheidet über ihre Nutzbarkeit? Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Vor allem nicht vor Beginn des Online-Forums, wirklich nicht. Dass Potential da ist, aber auch genutzt werden muss, war außerdem Ausgangspunkt der ganzen Unternehmung. Also Fazit: Null Ertrag?

Eine Professorin für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik habe darauf aufmerksam gemacht, dass durch den demografischen Wandel immer mehr Menschen betroffen sein werden. „Ab einem Alter von 80 sind hundert Prozent der Menschen mehr oder weniger schwerhörig.“ Sie wies auch darauf hin: „Die Technik kann zwar helfen, aber sie kann den zwischenmenschlichen Kontakt nicht ersetzen. Daher brauchen wir beides.“
Es gibt immer mehr Alte und Alte tendieren zur Schwerhörigkeit. Wieder so ein Kracher, auf den ich nie gekommen wäre.  O2 sicher auch nicht, wenn sich irgendein beliebiger Angestellter mal 10 Minuten Gedanken gemacht hätte. Dazu brauchte man auf jeden Fall Experten! Und wer hat denn bloß gefordert, dass Technik den zwischenmenschlichen Kontakt ersetzen solle? Ging es nicht erstmal darum überhaupt für Nutzbarkeit und digitale Integration zu sorgen?

Hat das Publikum auch etwas gesagt? Dem Bericht zufolge ja: „Es ist einmalig, dass o2 heute Abend Hörende und Gehörlose zusammengebracht hat“
Sehr schön, freut mich. Aber was war nochmal der Zweck der Veranstaltung?

Und was macht eigentlich O2 jetzt? Laut Bericht von portel.de fasste der Vertreter von O2 fasst zusammen: „In Deutschland leben circa 800.000 Menschen mit Sinnesbehinderung. Mit der Entwicklung barrierefreier Produkte und speziell zugeschnittener Services können wir zu deren digitaler Integration beitragen. Die heutige Diskussion gab wichtige Impulse für die fortlaufende Zusammenarbeit mit dieser Kundengruppe.“
Ich freue mich immer, wenn jemand der Meinung ist, Impulse bekommen zu haben. Mag ich. Ich hoffe aber, die impulsgebenden Teile der Veranstaltung haben sich vor der Pressemitteilung versteckt. Sonst wäre das nicht so schmeichelhaft für den Begeisterten.

Wenn ich bedenke, dass ich ernsthaft überlegt habe, dort hin zu fahren. Ich meine, wenn das alles war, wer braucht dann solche Veranstaltungen? Ich weiß schon, dass das PR ist. Aber sowas braucht doch nicht einmal ernsthaft ein Konzern für seine Corporate-Social-Responsibility-Bilanz! Und mit solchen Pressemitteilungen ist auch niemand gedient.

[Nachtrag: Wie die Geschichte (vorerst) zu Ende ging, lest ihr hier.]

Mondegreening ist das neue schwerhörig!

Kennt Ihr Ken Lee? Gut, dann erzähle ich Euch das mal. Denn es ist ja so: Jeder versteht, was er will. Ich zum Beispiel. Kann gerade immer noch nicht fassen, dass das richtig sein soll. Ergibt doch gar keinen Sinn!

Manche Leute nennen das schwerhörig, ich nenne es mondegreening. Das klingt doch gleich viel besser. Bei Wikipedia kann man lesen, dass der Begriff schon 55 Jahre alt ist und von der Autorin Sylvia Wright eingeführt wurde. Die hatte lange gedacht, die letzte Zeile eines mittelalterlichen Gedichtes laute, erschlagen habe man „the Earl of Murray and Lady Mondegreen.“ Dabei gab es nur einen Toten — und den hat man dann auf eine Wiese gelegt („And laid him on the green“).

Und was ist nun mit Ken Lee? Der war vor zwei Jahren ein besonders schöner Fall von mondegreening:

Diese Frau sang, was sie für Mariah Careys Interpretation von „Without you“ hielt. Sie hat, so wird sie zitiert, ohne Englisch zu können das Lied nur vom Hören her gelernt. Ich weiß genau wie sie sich fühlt, als die anderen beginnen, komisch zu gucken und schließlich zu lachen.

Sie hätten gern ein Hörgerät? Da wird ihnen geholfen

Danke an R. fürs Video! :-)

Aber mal im Ernst: Hörgeräte Kaufen ist nichts für zaghafte Naturen. Wie findet man eigentlich einen guten Akustiker?

Für unsere hörgeschädigten Zuschauer habe ich hier noch das Transkript zum Mit- oder eher Nachlesen des Sketches herausgesucht: Weiterlesen

Hörgeräte Kaufen — Nichts für zaghafte Naturen: Fünf Tips wie man einen guten Akustiker erkennt

Schnell „Ich hätte gern ein Hörgerät“ sagen, kaufen und damit weggehen. Hahaha, guter Witz. So einfach ist es nicht. Eher wie wenn man sich auf eine Beziehung einläßt. Eine langjährige, mit dem Akustiker oder der Akustikerin nämlich. Wenn’ schief geht, ist man unglücklich oder hat viel Ärger.

Außerdem ist das immerhin jemand, der oder die einem glitschiges Zeugs ins Ohr drückt, was solange schmatzt bis das Ohr vollständig verschlossen (und der Druckausgleich im Kopf im Eimer) ist. Und es dann an einem Bindfaden mit sattem Ploppen wieder herauszieht. Vor dem man sich hörmäßig nackig machen muss. Wie erkenne ich also eine/n gute/n?

Vor ein paar Monaten wurde ich über HörBiz auf  diesen Test von Hörgeräteakustikern aufmerksam. Das fand ich zwar interessant aber nicht besonders aussagekräftig. Ich kenne diese Ketten auch nicht, daher kann ich nicht beurteilen ob ich zustimmen würde. Hier eine saloppe Reihe von Punkten, die mir wichtig sind:

  1. Darauf achten, dass man persönlich mit dem Akustiker oder der Akustikerin kann. Denn man wird viel Zeit dort verbringen. Also einfach mal darauf achten, ob man sich mit der Person gut aufgehoben fühlt.
  2. Gleich am Anfang mal die Geduld des Akustikers oder der Akustikerin testen. Denn die rechte Anpassung fällt nicht vom Himmel — es ist oft zu laut, zu leise oder zu verzerrt. Und es wird 100%ig mehrere Termine dauern, bis die richtige gefunden ist. Man muss oft viel herumprobieren; es ist schwierig, Höreindrücke in Worte zu fassen. Man sollte nie das Gefühl haben müssen, dass man stört.
  3. Mindestens zwei verschiedene Marken und Modelle sollten einem angeboten werden, nachdem der Typ des Hörverlusts geschildert ist. Denn die unterscheiden sich oft deutlich in Einstellmöglichkeiten, Extras, Preis und nicht zuletzt: Klang.
  4. Einfach zum Vergleich sollte man sich auch mal ein ganz billiges Gerät anpassen lassen und ein paar Tage damit herumlaufen. Vielleicht braucht man ja gar kein teureres mit viel Schnickschnack — und wenn doch, dann weiß man wenigstens warum. Ich habe das selbst gemacht und dabei viel gelernt.
  5. Und am Schluss, auch wenn’s schwer fällt: Einen Kostenvoranschlag eines anderen Akustikers einholen. Es könnte sich lohnen. Auch das ist etwas, das mir eigentlich zu mühsam und zu unangenehm war, mit dem ich aber einiges Geld gespart habe.

Übrigens, die schönste Beschreibung was man erleben kann, wenn man ein Hörgerät erhält, stammt von Moira (englisch und die Serie hat inzwischen mehrere Teile. Einfach drüben bei ihr im Blog den Titel suchen.)

Und an die Hörgeräteträger unter uns: Was habt Ihr für Erfahrungen beim Hörgerätekauf gemacht? Wie erkenne ich einen guten Akustiker oder eine gute Akustikerin? Worauf kommt es an?

Es muss hier irgendwo sein

„Warm, WAAAAARM! Nein, nicht da. Da ist KAAALT“ — die Köpfe der anderen Parkbesucher rucken herum. Wir brüllen quer über den Botanischen Garten, denn wir haben Ostereier versteckt. Gut versteckt, sagt jedenfalls die Spielfreude im Gesicht der Suchenden, die etwas hilflos versucht, sich nach unserer Ansage richtig zu positionieren und das Ei zu finden. Und wenn man sich das amüsierte Laufpublikum ansieht, muss man sagen: Wir stehlen den Blumen die Schau!

Ich habe ein bißchen Bammel vorm an die Reihe kommen, weil’s hier wieder um’s Hören geht. Wie soll ich das machen, mich auf 20m Entfernung dirigieren lassen? Werde ich verstehen wo’s warm und wo’s kalt ist? Der Park ist verflixt groß…

Es fängt dann auch gleich typisch schwerhörig an, denn als ich die Augen zumache, während das Ei versteckt wird, bekomme ich nicht mit, dass ich sie wieder aufmachen kann, bis mich jemand am Ärmel zupft. Und dann geht’s los: Es muss hier irgendwo sein…

Schließlich geht es doch leichter als gedacht. Ich verstehe zwar nicht die Worte und ich kann mich nicht ohne hinzusehen herumlotsen lassen. Muss immer wieder unterbrechen, zurückgucken und die Mimik der anderen betrachten. Das macht alle Richtungen schwierig, die von der Gruppe auf den Picknickdecken wegführen, denn in die kann ich mich nicht stellen und dann mitbekommen ob ich richtig liege oder falsch. Ich sehe die anderen ja nicht dabei, ich muss mich umdrehen. Womit ich dann nicht mehr in die gleiche Richtung zeige.

Ein paarmal gehe ich auch entschlossen in die kaaaalt-Richtung, bevor ich es merke. Doch schließlich finde ich das Ei in einem Zweig auf dem Baum. Ostersonntag.

Das waren 12 Monate!

Und ich hätte es fast verpaßt. Aber es ist tatsächlich schon ein Jahr her, dass ich begonnen habe, ins Internet zu schreiben. So. Na dann mal alles Gute zum ersten Geburtstag! Mir macht’s immer noch großen Spaß und ich habe das Gefühl, ich tue was Sinnvolles. Auch wenn es in den letzten Wochen etwas ruhiger geworden ist, hier, und leider auch erstmal so bleiben wird.

Aber das wäre alles nichts ohne Euch. Das Beste an dem ganzen Unternehmen sind die Kommentare und Unterhaltungen, die hier inzwischen entstehen. Hätte nicht gedacht, dass es so viel Interesse geben könnte, als ich damals etwas widerwillig anfing zu schreiben. Zu uninteressant fand ich die Themen Hören und Hörprobleme. Außerdem fast nur beschwerlich und mir selbstverständlich.

Danke, dass Ihr mir Eure Zeit und Aufmerksamkeit schenkt. Danke, dass Ihr hier mitschreibt. Und falls es etwas gibt, dass Ihr hier vermißt oder worüber Ihr hier gerne lesen und sprechen würdet — sagt Bescheid!

Womit gerade zu rechnen ist

Wenn Sie über Ostern in der U-Bahn, im Café oder auf öffentlichen Plätzen so in 2 bis 5 Meter Entfernung einen gutaussehenden jungen Mann entdecken, der erfolglos versucht, so auszusehen als höre er Ihnen nicht zu — dann regen Sie sich nicht auf, schenken Sie ihm ein Lächeln und reden Sie einfach weiter. Das bin nur ich.

Ich, wie ich versuche herauszufinden, welche von den drei neuen Einstellungen für das elektrische Ohr nun besser ist. Das in meiner Hand ist kein Handy sondern die Fernbedienung. Das rote Blitzlicht am Ohr beim Programmwechsel lasse ich demnächst mal abstellen. Und der leicht verwirrte Blick gehört auch dazu.