Monatsarchiv: Mai 2010

Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #12: Smalltalk und Netzwerken bei Empfängen und Konferenzen

Es ist vielleicht das Furchterregendste und Schwierigste was man sich für Schwerhörige vorstellen kann: Smalltalk und Netzwerken am Rande von anderen Ereignissen, Abendessen oder bei Empfängen vereint alles – den Druck des Berufs, das Ansprechen fremder Leute, oft schlechte Akustik, Gruppengespräche. Und obwohl es Beruf ist auch diesen ganz besonderen Schrecken des Feierabends, es soll ja alles möglichst zwanglos vonstatten gehen. So als ob es eine ganz normale Party sei und keiner eine Agenda verfolge. Immerhin haben damit ja oft genug auch Flotthörige ihre Schwierigkeiten und Ängste.

Was kann man da als Schwerhöriger tun? Zuerst mal… Weiterlesen

Office Sex: Jetzt hab ich das also auch mal gesehen

Was liegt das auch so nah beieinander: Nein, NEIN und Herein, heREIN??!!  Dabei hatte ich extra noch geklopft.

Ich hatte ja in den letzten Jahren schon häufiger an Türen geklopft und dann betont langsam die Tür geöffnet, weil ich gemerkt hatte, das ich zwar höre, dass aber leider nicht was geantwortet wurde. Hätte meist genausogut auch ein „Nein!“ oder „Moment!“ sein können. Trotzdem war das jetzt aber — ganz schön graphisch.

Vielleicht sollte ich in Zukunft klopfen und dann darum bitten, dass mir die Tür von innen geöffnet wird? [Nachtrag: Oder kann man sich vielleicht am Arbeitsplatz Glastüren, die ja eh mein Freund sind, bezahlen lassen? So als Selbstschutz?]

Das große Gruseln: Viren und Hacker in meinem Cochlea Implantat?

Enno jagt mir (und offensichtlich auch Jule) bei Yucca Tree Post  einen Schauer über den Rücken: „Mensch mit Computervirus identifiziert“, schreibt er und verweist auf Medizintechnik wie Cochlea Implantate. Denn auch da werden Fernwartung und Funkverbindungen mit anderen Geräten in Zukunft kommen. Aber muss man deswegen Angst vor Viren und Hackern im elektrischen Ohr haben?

Dass Cochlea Implantate ihre Träger fernsteuern könnten, war wohl früher ein gern erzähltes Schauermärchen. Nun — das kann man wohl ausschließen. Aber auch im renommierten New England Journal of Medicine haben Wissenschaftler vor kurzem vor Sicherheitslücken bei medizinischen Geräten und Implantaten gewarnt (der Text ist nur für Abonnenten zugänglich, hier eine frei zugängliche Zusammenfassung).

Bei Kernspin-Tomographen (MRI) ist es schon passiert: Letztes Jahr Jahr wurden einige Geräte in Krankenhäusern vom Conficker-Wurm infiziert. Im obigen Artikel wird daher gefordert: Bei medizinischen Geräten und Implantaten muss die Sicherheit erhöht werden bevor etwas geschieht. Am besten indem entsprechende Anforderungen schleunigst in den Zulassungsprozess integriert werden.

Ich denke: Da Cochlea Implantate nicht lebensnotwendig sind, wäre das vermutlich ziemlich einfach zu machen. Aufwendiger müssten die Vorkehrungen z.B. bei Herzschrittmachern und anderen Geräten sein, die kontinuierlich lebenswichtige Funktionen regulieren. Außerdem besteht, soweit ich das sehe, die größte Gefahr nicht in der drahtlosen Verbindung als solcher. Sondern in der dauerhaften Verbindung und v.a. im automatisierten Austausch von Daten.
Für beides sehe ich beim CI wirklich überhaupt keinen Anlass. Wenn es Sprachprozessoren (also den äußeren, hörgeräteartigen Teil des CI) mit integrierter Telefon-, Radio- oder mp3-funktion gibt, reden wir nochmal. Dann nämlich wäre es wirklich fatal, irgendwelche Datenpakete anzunehmen ohne genau zu wissen, was sich dahinter verbirgt. Oder was denkt Ihr?

Erstmal finde ich das Thema Sicherheitslücken, Hacker und Viren auf anderen Gebieten viel beunruhigender. Z.B. diese smarten Stromzähler, die gerade überall eingebaut werden
[Nachtrag: Ennos Beispiel, Autos, ist auch nicht von schlechten Eltern.]

„Aber, Du wirst für immer zwischen den Welten bleiben!“ — Deutungsmuster und mein Leben mit Cochlea Implantat

„Aber“, sagte sie und sah mit mich aufgerissenen Augen an, „Du wirst für immer zwischen den Welten bleiben!“ Das war vor nicht ganz einem Jahr, als ich mich schon fast entschlossen hatte, mir ein elektrisches Ohr, ein sogenanntes Cochlea Implantat (CI)  implantieren zu lassen. Noch zögerte ich, doch dieser Freundin hatte ich davon berichtet. Sie war besorgt:

„Du wirst nie etwas ganz sein. Weder bei den Gehörlosen zuhaus, noch bei den Hörenden.“

An diese kleine Geschichte musste ich bei der Diskussion denken, die sich gerade ab hier in den Kommentaren zu einem ganz anderen Thema ergeben hat. Wir haben uns dort mit den Benennungen herumgeschlagen — was ist gehörlos, was ist taub? Kann sich jemand mit CI noch gehörlos nennen? Und ich denke, es ist weder Zufall, dass wir uns nicht einig werden konnten. Noch dass sich das Ganze am CI entzündete.

In der Tat, das Leben mit CI ist ein ständiger kleiner Grenzverkehr — ja, meine Freundin hatte Recht mit ihrer Einschätzung. Aber mir hatte auch nie jemand etwas anderes versprochen. Ich habe mich wirklich viel umgehört, bevor ich mich für ein CI entschieden habe. Kein Arzt, kein Wissenschaftler und kein CI-Träger hat mir je gesagt, ich würde mit dem Implantat normal hören. Keiner hat je behauptet, er könne mich reparieren. Die Unterstellung, ein CI sei eine Reparatur, etwas das aus „kaputt“ wieder „ganz“, aus „schwarz“ „weiß“ mache, kenne ich persönlich nur aus einer ganz anderen Richtung. Nämlich aus dem Vorwurf, ich würde mich mit der Operation „den Normalos“ anpassen. Mich dem unterwerfen, was „die Gesellschaft“ will. Und zeige damit entweder meine eigene Unreife oder mache mich zwangsläufig unglücklich. Weil die Reparatur eben nicht funktioniere (was aber, wie gesagt, zumindest mir gegenüber auch niemand behauptet hatte.)

Es ist halt so: CIs produzieren ganz systematisch Menschen, die weder richtig gehörlos noch richtig hörend sind. Sind sie eine Minderheit unter den Hörenden, also im Hören behinderte Hörende? Oder eine Minderheit unter den Gehörlosen, also durchs Hören behinderte Gehörlose?

Ich würde sagen: Weder noch. CIs bringen unsere gängigen Deutungsmuster durcheinander. Mit den alten Mitteln ist keine eindeutige Kategorisierung möglich. Und obwohl ich es selbst auch immer so nenne — „schwerhörig“ ist doch im Grunde auch nur so eine Hilfskonstruktion, mit der man einigermaßen durch den Alltag kommt. Das sieht man, finde ich, schon daran, dass keiner so recht sagen kann, was eigentlich das Gegenteil von schwerhörig sein soll.
Außerdem suggeriert „schwerhörig“ eine Gleichförmigkeit, die gar nicht da ist. Nur mit angelegter Technik bin ich schwerhörig, ohne bin ich taub. Ersteres bin ich bis zu 18 Stunden am Tag, das andere oft etwa neun. Manchmal, wenn mir danach ist, aber auch tagelang. Was bin ich also? Fünfachtelschwerhörig?

Ich glaube, was  unsere kleine Diskussion in den Kommentaren mal wieder zeigte war: CIs bringen eine nicht stillzustellende Unruhe in unsere gängigen Deutungsmuster. Sie produzieren etwas Drittes, weder schwarz noch weiß. Wer’s theoretisch mag — es ist im Grunde genau das, was schon vor 20 Jahren Donna Haraway in ihrem Cyborg Manifesto geschrieben hat (hier englisch, hier eine deutsche Version): Cyborgs, Techno-Menschen, unterlaufen die alten Kategorien.

Damit sind sie aber erstmal auch von Anpassung an eine „Normalität“, von Unterwerfung unter „die Gesellschaft“ weit weg. Haraway glaubte sogar, dass durch Cyborgs etablierte Denkweisen in Bewegung kommen und politisch neue Möglichkeiten eröffnet werden. Weil die bisherigen Strukturen auf sie nicht passen, ja weil sie in diese Veränderungsdruck hineinbringen. Dieses Moment der Ironie und Befreiung versuchte Haraway mit ihrem Text herauszuarbeiten. Das mag ein bißchen optimistisch sein, aber jedenfalls: Weil die alten Kategorien keine Pilze, sondern Menschen und Lebensentwürfe bezeichnen, wird dadurch auch Identitätsbildung zum Problem: Was sind Menschen mit elektrischem Ohren, wenn sie denn weder hörend noch gehörlos sind? Wo gehöre ich hin, wenn ich ein CI im Kopf habe?

Doch schon letztes Jahr, als meine Freundin mich so besorgt anschaute, war ich zwar von der Rhetorik ein bißchen beunruhigt — wer möchte schon kein Zuhause haben? — fühlte mich aber gleichzeitig merkwürdig unangesprochen von diesem Sortierproblem. Ein Grenzgänger war ich ja schon immer gewesen. Wirklich normal gehört hatte ich nie. Aber bis vor etwa zwei Jahren kannte ich auch das nicht, was man medizinisch Taubheit nennt. Lange bevor ich Not quite like Beethoven wurde, war ich schon nicht ganz. Daran hat auch das CI nichts geändert. Es macht es nur deutlicher sichtbar.

Und darum gab ich der besorgten Freundin schon damals die — wie ich heute weiß — richtige Antwort: „Mein Zuhause, das muss ich mir sowieso selber suchen seit ich bei meinen Eltern ausgezogen bin. Das kann man mir eh nicht zuteilen.“

[Übrigens, wer sich für Kulturgeschichte und die Cyborg-Thematik interessiert, schaue mal hier rein: Menschliche Cyborgs und reflexive Moderne (pdf).]

Konnte nicht widerstehen: ♥ für Blogs

Man könnte meinen, ich hätte die Welt die letzten drei Wochen schon genug mit meinen Blogvorlieben belästigt, aber weil heute zum dritten Mal nach Ansage Blogs geherzt werden, will ich noch ein paar Empfehlungen hinterherschieben. Dreie hab ich noch:

proletkult — ervehea nimmt den Look von Filmen auseinander. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Beispiel Bonnie und Clyde, Clueless oder The Lady from Shanghai. Sehr schön!

Das hermetische Café — Das Motto Neopathetik trifft es eigentlich ziemlich gut. kid 37s Arztbesuche zum Beispiel.  Hierauf hatte ich ja schonmal verlinkt. Ich lese gerne und lerne zum Beispiel wie ich gutaussehend Fahrradfahren kann.

Rene Schaller — Und nochmal ein Männermodeblog. Wen’s angeht, der weiß wieder warum. Was ich dagegen nicht wußte war, welche Einträge ich einzeln herausgreifen sollte. Jedenfalls hole ich mir dort seit über einem halben Jahr inspirierende Bilder und kritische Gedanken über Mode und Stil.

Bitte beachtet auch meine Empfehlungen von gestern, vorletzter Woche und vorvorletzter Woche.

Was für ein Audiot! — Eine Blogempfehlung

Einer der nettesten Nebeneffekte dieser Grimme-Nominierung ist, dass neue Besucher hierherfinden und ich dadurch  auch interessante Blogs kennenlerne. Das neueste Beispiel ist so spannend, dass ich es Euch hier vorstellen möchte.

Auf Ohrenblicke führt Jens die Welt durch die Ohren betrachtet vor. Das heißt vor allem: In Form von Podcasts.  Jens bezeichnet sich selbst zuweilen als Vollaudiot — darunter versteht er jemand, der in Tönen denkt, mit Geräuschen malt und seine Realität aus Klängen zusammenbastelt. Ich habe mich ein bißchen durch Ohrenblicke und das dazugehörige Lieblingshörer-Forum geklickt, ein bißchen reingehört, habe was verstanden oder auch nicht — und bin begeistert von diesem akustischen Blick auf die Welt. Denn die Themen sind eigenwillig, die Podcasts gut gesprochen. Und selbst wo ich nichts verstanden habe, konnte ich fremde oder unerwartete Klänge genießen.

Der neueste Streich ist eine Reportage vom Blindenfußball. Und dank Jens Beschreibung kann ich mir das lebhaft vorstellen:

Die Rasselbälle verlieren Farbe und Form und verwandeln sich in bewegliche Geräusche – die Spieler werden zu Stimmen, die sich in einem akustischen Raum bewegen.

Außerdem, last but definitely not least, ist dieser Bericht ein schönes Beispiel dafür, was im Internetz und in den Einmann-Medien wie Blogs alles möglich ist. Jens ist nämlich vor kurzem über Not quite like Beethoven gestolpert und hat spontan beschlossen, zumindest probeweise Skripte für seine Podcasts anzubieten. Den Blindenfußball-Beitrag gibt’s nun also zum Mitlesen — und zwar hat sich Jens sogar die Mühe gemacht, sein Sounddesign zu beschreiben!

Ich finde das großartig! Klickt mal bitte rüber und schenkt dem Mann ein wenig Aufmerksamkeit (flattr gibt’s auch).

Wie lebt man gut mit Schwerhörigkeit? Nochmal Evelyn Glennie

Mal ab von der Musik und dem Film — diese Frau ist einfach wahnsinnig erfolgreich und lebt offensichtlich genau so wie sie leben will. Was hat so eine zu sagen, was kann man von ihr lernen?

Schon im Film Touch the Sound kriegt man schnell den Kernpunkt mit: Klein-Evelyn spielte Klavier und wollte Musikerin werden, verlor als junges Mädchen große Teile ihres Gehörs. So dass der Ohren-Arzt dem stark schwerhörigen Mädchen sagte, Musikerin? Kind, das kannst Du vergessen.

Das hat das kleine Mädchen sehr verunsichert. Doch zum Glück hatte sie einen Vater, der sagte: Hörend oder nicht, sie wird tun, was sie tun will. Und Klein-Evelyn wurde zur weltbekannten Percussionistin.

Es klingt banal und vielleicht ein wenig naiv, aber ich glaube: Die Unterstützung der Eltern und Orientierung daran was man will, nicht was einem gesagt wird was man könne, sind das wichtigste. Ich glaube, man muss das immer wieder betonen. Denn niemand kann von vornherein sagen, welche Lebenswege unmöglich sind.
Darum finde ich es auch so schlimm wenn Menschen mit eingeschränkter oder gar keiner Audio immer nur auf die gleichen Jobs eingeschworen werden. Und gerade vorgestern ergab sich z.B. hier im Blog wieder so eine Diskussion, bei der ich fand, dass genau das im Hintergrund stand — obwohl es vordergründig um ganz Anderes ging.

Dazu kommen müssen natürlich noch eine Prise Realitätssinn und eine Handvoll Glück. Das ist das Rezept. Realitätssinn hieß in Evelyn Glennies Fall:  statt „nur“ Pianistin Percussionistin werden. Und Glück hieß, auf inspirierte Lehrer zu treffen (und vielleicht ein Stipendium, das ist mir nicht so ganz klar).

Auf Evelyn Glennies Website kann man einen Text namens Disability Essay lesen, eine Rede, die sie mal gehalten hat,  wenn ich recht verstehe für Lehrer oder Therapeuten:

How [...] do the terms „disabled“ or „Deaf“ really apply to me? In short, they don’t, not even the „Hearing Impaired“ label works because in some respects my hearing is superior to the average non-impaired person. I simply hear in a different way to most people. Other people apply the categories, but to me and some others like me these particular categories are irrelevant.

Das ist der Kern ihrer Selbstwahrnehmung: Wenn es darum geht, was sie tun und lassen kann, wie sie sich fühlt oder was sie ist, dann fallen ihr nicht zuerst die Etiketten „behindert“, „schwerhörig“ oder „taub“ ein. Und genau das hält sie auch für den Keim ihres Erfolges. Dass sie ihr Gehör ganz ähnlich wie Normalhörende behandelt. Soll heißen: nicht weiter darauf herumreitet, welche Grenzen sie hat und wo sie liegen. Sondern sie gleichsam vergisst — und sich auf ihre ganz andersartige Stärke konzentriert, nämlich ihre Musikalität.

Nebenbei: Ich finde es auch reichlich unglücklich, dass ich im Zusammenhang mit der Grimme-Nominierung in vielen Berichten als „schwerhöriger Blogger“ zu Ehren zu komme. Dabei ist das, was hier gut und preiswürdig ist, ja gerade nicht, dass ich schlecht höre. Sondern dass und wie ich hier schreibe.

Like all other people, regardless of any so called „handicap“, there are certain jobs I can’t do due to my physical attributes. However, I can’t excel at hundreds of other jobs because I either don’t want to or I believe I am not sufficiently talented. How we categorise ourselves and where we fit in to our own framework of understanding leads the vast majority to the belief that they are unable to achieve the highest levels of attainment in their chosen field of endeavour.

Was man von Evelyn Glennie lernen kann ist: Selbstbeschränkung und die Konzentration auf die eigenen Schwächen können eine viel größere Behinderung sein als irgendwelche körperlichen Gegebenheiten. Ich kann dem gar nicht genug zustimmen. Sich dauerhaft auf die eigenen Schwächen zu konzentrieren macht schließlich nicht nur unglücklich, davon hat wirklich niemand etwas.

Es gibt nur einen Haken. Was ich oben „Rezept“ genannt habe, ist eigentlich keins. Denn das Ganze heißt natürlich nicht, und das sagt auch Dame Glennie, dass man die Schwächen ignorieren oder verleugnen könne. Den Luxus hat man nicht. Spätestens von anderen wird man wieder darauf zurückgeführt. Man muss sich schon damit auseinandersetzen. Und Strategien entwickeln, wie man mit den Problemen, die daraus erwachsen, umgehen oder sie vermeiden kann. Glücklich sind dabei diejenigen, deren Zustand gleich bleibt (wo sich also die Hörfähigkeit nicht ständig verschlechtert oder stark schwankt). Denn dann muss man das Ganze nur einmal machen. Und nicht immer und immer wieder.

Was man genau tun und lassen soll, ist  damit noch lange nicht beantwortet. Und dass es einfach wird, ist damit auch nicht gesagt. Man kann sogar scheitern. Nur — gibt es eine Alternative? Ich glaube nicht.

/2010/03/16/musikhoren-probiers-mit-ausziehen/

Touch the Sound: Horchen wird unterschätzt

Klang berühren ist ihr Motto, Musik Spüren ihre Spezialität: Dame Evelyn Glennie ist hochgradig schwerhörig  und erfolgreiche Musikerin. Die Finger wollen hier einfach „trotzdem“ reinschreiben, aber gerade das würde sie auf die Palme bringen. Unter Menschen mit eingeschränkter Audio ist sie umstritten, auch hier im Blog kochte die Diskussion schon einmal hoch.

Gestern habe ich Touch the Sound gesehen, einen 100-Minuten Film über ihre Art, Musik wahrzunehmen und zu machen. Der hat mich so beeindruckt, ich muss das kurz beschreiben. Und ich will nochmal auf ihre Vorstellung eingehen, wie man mit Hörproblemen gut leben kann. Die finde ich nämlich ziemlich gut. Weil aber alles zusammen aber ein sehr langer Eintrag geworden wäre, hier schonmal der kurze Hinweis auf den Film vorab. Zur Frage, was man von Evelyn Glennie lernen kann, kommt bald noch was. [Nachtrag:  Klick hier]

Der Film ist, kurz gesagt, wunderbar. Und zwar auch die Bilder. Thomas Riedelsheimer hat eine anderthalbstündige, spannende Reise in die akustische und visuelle Wahrnehmung geschaffen. Hat mich sehr an meinen alten Musiklehrer erinnert, von dem hier auch schon die Rede war: Überall ist Musik, man muss sich nur darauf einlassen. Das hat mich sehr berührt. Man muss sich jedoch tatsächlich darauf einlassen. Denn faßt man die Botschaft des Films in Worte,  ist sie ziemlich einfach. Achtet man nur darauf, ohne sich Bild und Ton ein wenig hinzugeben, zieht sich der Streifen doch etwas. Ich finde aber: Diesen Film sollte man gesehen haben. Und zwar nicht auf youtube, das ist nur als Teaser gedacht!

Oben in dem Filmausschnitt sieht man übrigens ab 5:12 mein Lieblingsinstrument. Und weil so viele verschiedenartige Klänge vorkommen ist der Film auch super zum Hören mit dem Cochlea Implantat! Ich habe immer wieder die Augen zugemacht und einfach nur gehorcht, was ich da höre. Genau das ist für mich die Botschaft des Films: Ob nun vor lauter Arbeit, Routine oder Lärm — Horchen geht im Alltag einfach viel zu oft unter. Horchen wird unterschätzt.

Das Arsenal des guten Zuhörers: Ein Blick in die Trickkiste der Schwerhörigen

Meine Damen und Herren! Ich werde heute einige der unrühmlichsten Stunden meines Lebens zum Anlass nehmen, Ihnen ein Geheimnis — nein, mehrere zu verraten.
Über diese Stunden will ich nicht viele Worte verlieren, es soll nur soviel gesagt sein, dass ich damals den bislang bestehenden Rekord brach: Über drei Stunden lang einen guten Zuhörer zu geben, ohne dass das Gegenüber bemerkte, dass ich so gut wie nichts verstand. Direkt im Anschluss entschied ich: Nie wieder Feierabend!

Meine Damen und Herren! Ich gewähre Ihnen hiermit einen Blick, ich öffne meine Trickkiste für Sie:

  • An erster Stelle, die Grundstellung: Der nicht-endende Blick. Diese Technik kann weder in Subtilität noch in Effektivität überschätzt werden.
  • Dann: Das Kopfnicken, je nach vermutetem Gesprächsthema auch ein anerkennendes Kopfwiegen. Akzentuieren Sie damit den Gedankengang Ihres Gegenübers — oder das, was Ihnen wie einer vorkommt.
  • Außerdem: Das ermutigende bis nachdenkliche Lächeln. Hiermit sollten Sie es nicht übertreiben, Sie wirken sonst debil. Aber damit bestätigen Sie die Beziehung zwischen Ihnen, ohne dass sie etwas sagen müssen. Sie halten gewissermaßen kommunikativ die Hand ihres Gegenübers. Daher: unverzichtbar!
  • Ein zustimmendes Mmh! in den Mikropausen ihres Gesprächspartners — das hat nach den Schwerhörigen schließlich auch die Konversationsanalyse erkannt — ermuntert zum Weiterreden. Sie geben ihrem Gegenüber zu verstehen, dass Sie dabei sind. Ganz egal was er sagt.
  • Fortgeschrittene wenden zwischendrin den Blick auch mal ganz laaangsam ab — und dann rasch wieder zu. Fixieren Sie die Augen Ihres Gegenübers. Diese Technik wird ihm oder ihr zuverlässig das Gefühl geben, etwas Wichtiges gesagt zu haben.
  • Werden Sie mit zunehmender Gesprächsdauer müde, kopieren Sie einfach, was Ihr Gegenüber tut. Nickt sie? Nicken Sie auch. Schüttelt sie den Kopf oder ist am Tonfall erkenntlich, dass sie sich beschwert?  Schütteln Sie ebenfalls den Kopf oder schauen Sie entrüstet.  Auch ein heftiges Ausatmen oder Schnauben, gefolgt von einem Lächeln, wird seine Wirkung unter diesen Umständen nicht verfehlen.
  • Falls Sie doch mal etwas verstehen, wiederholen sie dies in fragendem Ton. Wenn es nur ein Wort war, sagen Sie: „Und >Wort< wie bitte?“ So wird ihr Gegenüber keinen Zweifel haben, dass Sie jedes andere Wort verstanden haben.
  • Last not least: Vergessen Sie nie die Allzweckwaffe: Das gemurmelte „jaja“. Sie ist zwar etwas für Anfänger oder Gespräche nach dem dritten Martini. Doch üben Sie damit, den Flow des Gespräches am Laufen zu halten. Sie werden sehen, es ist verblüffend einfach.

Meine Damen und Herren — das Arsenal des guten Zuhörers. Bedienen Sie sich daraus, wenn Sie mögen. Sie werden sehen: Sie können Ihre Redebeiträge auf ein Minimum beschränken. Aber seien Sie vorsichtig! Unsachgemäßer Gebrauch oder Erwischtwerden, vor allem aber der erfolgreiche Gebrauch geschieht vollkommen auf eigene Gefahr. Ich wünsche Ihnen noch eine gesegnete Woche.

Rechtsanwälte empfehlen: Richtige Gebärdensprache nutzen, nicht Zeichensprache!

Hahaha! Drüben auf Christianes Behindertenparkplatz gibt’s ein wirklich sehr gelungenes Stück PR zu sehen: Air New Zealand gebärdet mit Journalisten.

Dim Sum, oder: Nichtfragen ist auch keine Lösung

Vielleicht ist es ja nur, weil ich sonst schon so oft außen vor bleibe. Akustisch nicht mitkomme. Jedenfalls bin ich hoffnungslos fasziniert, wenn in chinesischen Restaurants auf einmal Gerichte nur auf chinesisch in der Karte stehen. Mitten in Deutschland. Ich habe dann das Gefühl, dass mir das Beste vorenthalten wird. Oder oder zumindest das Interessanteste.

Im äußerst empfehlenswerten Berliner Good Friends z.B., in dem Chinesen auf der regulären Karte ganz offen-heimlich etwa 20 Gerichte mehr angeboten werden! Oder im New City in Düsseldorf, in das mich vorgestern Freundin N. ausführte. Dort allerdings bekommen Uneingeweihte sowieso nur die „deutsche“ Karte, was man sich etwa so vorstellen muss wie die Kinderkarte im Landgasthof.

Wer aber hingeht und mit wissendem Lächeln die Dim-Sum-Karte verlangt, der bekommt nicht nur mit die besten Dim Sums, die ich bisher in Deutschland gegessen habe. Sondern auch seitenweise faszinierende Rätsel. Denn nur die Dim Sums sind deutsch untertitelt. Er darf sich dann nur nicht wundern, wenn — nach der Darstellung von soviel Pseudokennerschaft –  die Bedienungen  sich das breite Grinsen nicht verkneifen können, während man etwas hilflos und so offensichtlich ganz falsch mit Tellern, Saucen, Löffeln und Stäbchen hantiert.

Und die „geheimen“ Gerichte? Müsst Ihr schon selbst rausfinden. Für mich war es wie wenn ich in geselliger Runde nicht verstehe, worüber sich die anderen so angeregt unterhalten. Es waren zwar ein paar Dinge darunter, die werden mich jetzt mein Leben lang verfolgen. Aber Nachfragen lohnt sich. Und der Besuch in beiden Restaurants auch. Denn einiges, was ich so erfahren habe, will ich nun nicht mehr missen. Nichtfragen ist jedenfalls keine Lösung.

Sieht gut aus: Mobiltelefonie für Hörbehinderte von o2

Ich habe ja letztens ziemlich viel gemeckert über die PR-Aktivitäten von o2 Telefónica. Jetzt muss ich aber hinzufügen: Flott sind sie doch. Seit gestern gibt es dort spezielle Tarife für Menschen mit Hörbehinderung und einen speziellen Online-Shop extra für Hörgeschädigte mit erklärenden Videos in Gebärdensprache. Außerdem sollen die o2-Mitarbeiter fortgebildet worden sein.

Ich habe mir den Online-Shop und die Angebote mal kurz angesehen und finde beides ziemlich gut gemacht.  Nur die angekündigte Chat-Hotline habe ich nicht gefunden — ich hoffe, das lag an mir oder sie kommt erst noch. Denn gerade das finde ich sehr wichtig: ein textbasiertes Angebot nicht nur zur Kundengewinnung, sondern auch zu deren Betreuung.

So auf den schnellen Blick (kein ausgiebiger Test!) schienen mir Shop und Angebote von o2 verständlicher und einfacher aufgebaut als die Hörgeschädigten-Angebote von der Telekom und Vodafone — zumal das der Telekom, wenn ich richtig sehe, eigentlich kein Angebot für Hörbehinderte ist, sondern für Mitglieder des Deutschen Gehörlosen-Bundes (bzw. der Landesverbände). Also ein Gruppentarif für Mitglieder einer Organisation.

Bei E-plus habe ich kein spezielles Angebot gefunden — aber bislang gab es dort immer zumindest die Möglichkeit, einen vergünstigten Tarif zu bekommen.

Im Nachhinein muss ich also sagen: Ich bin zwar immer noch skeptisch, inwiefern das, was O2 jetzt tut, tatsächlich durch die Beteiligungs- und Diskussionsveranstaltungen angestoßen wurde und ansonsten nicht machbar gewesen wäre. Aber geliefert haben sie! Und von heute aus gesehen: als PR für die Einführung dieser Angebote und des Shops war es einfach gut gemacht.

Was haltet Ihr von den Angeboten der Mobilfunkbetreiber? Wenn Ihr z.B. welche kennt, die ich übersehen habe, verlinke ich sie gerne hier. Oder habt Ihr die Chat-Kundenbetreuung bei o2 gefunden?
[Nachtrag: Einen Link zum Chat habe ich jetzt gefunden: Wenn man auf Bestellen klickt, kann man ihn aus dem Bestellprozess heraus aufrufen. Nicht optimal, ich hoffe, der Link kommt noch auf die Hauptseite. So sieht es aus als solle der Chat wirklich nur der Kundengewinnung dienen, nicht ihrer Betreuung]

Not quite like Beethoven ist für den Grimme Online Award nominiert

Yay! Ihr glaubt gar nicht, was mich das für eine Mühe gekostet hat, die letzten zwei Wochen lang NICHT ständig Andeutungen zu streuen. So lange weiß ich es nämlich schon. Und solange habe ich mindestens dreimal am Tag unkontrollierbare Grinsanfälle bekommen.

Die Grimme Online Awards werden jährlich verliehen und sollen zeigen, was herausragende publizistische Qualität im Netz sein kann. Das ist viel Lob für mein feines, aber eben doch nur nebenher betriebenes und auf ein Randthema spezialisiertes Blog.
Da ich ja noch nicht weiß, ob ich dazu komme bei der Preisverleihung eine große Rede zu halten, sage ich es schon jetzt: Diese Nominierung ehrt nicht nur mich, sondern auch Euch, die Ihr hier mitschreibt. Denn das Gespräch mit Euch bringt nicht nur mir Motivation zum Weiterschreiben — es war ja oft genug so, dass mein Starteintrag nur der dürftige Anstoß war und erst Eure Perspektiven, Erzählungen und Hinweise was Spannendes daraus machten. Ich finde: Erst Eure Beteiligung macht lebendig, was hier nominiert wurde. Herzlichen Glückwunsch. Und: Dankeschön!

Bis 30. Juni wird die Spannung nun anhalten — bis dahin wird die Jury aus den 23 nominierten Angeboten acht Preisträger auswählen. Und dabei habe ich früher schon gelitten, wenn ich nur einen Film abgeben und zwei Tage auf die Entwicklung warten mußte!

Zusätzlich gibt es noch einen Publikumspreis, wer den bekommt könnt Ihr drüben bei TV Spielfilm bestimmen. Ich freue mich, wenn Ihr dort für Not quite like Beethoven votiert! (Wenn Ihr das hier lest, bin ich in Düsseldorf und gerade erst dabei, die anderen Nominierten kennenzulernen. Ich freue mich schon sehr darauf. Bin so gespannt wen ich dort so alles interessantes treffen werde….)

Nachtrag: Hier die anderen nominierten Angebote.

Kategorie Information

Kategorie Wissen und Bildung

Kategorie Kultur und Unterhaltung

Kategorie Spezial

Der Schein ist Dein Freund

Du bist beim Bäcker. Zweimal hast Du schon nachgefragt und noch immer hast Du nicht verstanden, was Deine zwei Nougatcroissants, vier Schrippen, drei Stück Bauernkäsekuchen und das Landsknechtbrot für das Sonntagsfrühstück kosten sollen. Die Bäckersfrau schaut Dich an — und Du zögerst, ein drittes Mal nachzufragen. Irgendetwas hat die Zahl drei an sich, dass es ab da richtig peinlich wird.

Verflixt, denkst Du, warum hast Du auch wieder bestellt ohne alles mitzurechnen? Die Antwort kennst Du: Weil es früh am morgen und Sonntag ist. Mittlerweile schauen auch die Leute hinter Dir in der Schlange. Selber zusammenrechnen geht so schnell auch nicht. Wo sind überhaupt die Preisschilder?!

Also schiebst Du einfach einen Schein rüber, und zwar einen möglichst großen. Noch peinlicher als ein drittes Mal nachzufragen ist nämlich: Zweimal nach dem Preis zu fragen, dann zu nicken, ‘nen Fünfer oder Zehner rüberzuschieben — und der genannte Preis lag doch drüber.

Aber Achtung: Zu groß darf der Schein darf auch nicht sein, ein 50-Euro-Billet auf zwei Schrippen etwa. Bei soviel Wechselgeld hört der Berliner Bäckersfrau der Spaß auf. Du willst ja nicht jeden Morgen den Bäcker wechseln müssen. Und weil Dir das Ganze überall passiert wo die Rechnung nicht erst rübergereicht, der Betrag nicht sichtbar angezeigt wird — darum, lieber Schwerhöriger, hast Du auch so ein dickes Portemonnaie. Vor Wechselgeld.

Haben Kinder ein “Recht” auf elektrische Ohren? Oder darauf, kein Cochlea Implantat zu haben?

Die Möglichkeiten oder Angebote der modernen Medizin finde ich ja gut. Wären es Zwänge – oder werden es über sozialen Druck Zwänge — finde ich sie weniger gut. Aber wie sieht es eigentlich mit Rechten aus? Haben taube Kleinkinder ein Recht auf ein Cochlea Implantat (CI) — und wenn man es ihnen nicht noch im Kindesalter verschafft, ist man im Unrecht? Oder ein Recht darauf, kein Implantat zu erhalten? Und ist, wer dagegen verstößt eigentlich nur moralisch im Unrecht oder sogar rechtlich?

Keine einfachen Fragen, sehr unangenehme sogar. Vor ein paar Wochen ist dazu ein interessanter Text erschienen:

Müller, S; Zaracko, A. (2010), „Haben gehörlose Kleinkinder ein Recht auf ein Cochleaimplantat?Nervenheilkunde 29 (4): 244-248

Ich wollte schon länger was darüber schreiben, habe es aber immer aufgeschoben. Jetzt hat sich aber vor ein paar Tagen schon Jule dazu geäußert. Dann hat gestern Regenbogen hier im Blog den ersten Kommentar dazu geliefert, der vielleicht in der anderen Diskussion etwas untergeht. Bernd vom Taubenschlag hat eine Diskussionsvorlage geliefert. Und schließlich erhielt ich noch ein paar E-Mails, in denen ich gefragt wurde, was ich von dem Text halte. Darum hier nun ein paar schnelle Gedanken dazu — keineswegs fertig, es darf diskutiert werden:

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Hörtraining: Was ich vom kleinen Kerlchen lernte

Mit dem elektrischen Ohr muss man ja üben, sonst wird das nichts. Vorgelesene Bücher, die man gleichzeitig noch  mitliest, sind da sehr praktisch. Dabei lernt man nämlich nicht nur Hören mit dem Cochlea Implantat:

  • Der kleine Prinz ist mir irgendwann als ich noch klein war in Überdosis aufgedrängt worden. Wenn man mir den heute als Hörbuch schenkt, ist meine erste Reaktion: Ähh, danke.
  • Wenn man sich nach einigen Wochen dann doch mal daran macht, sieht man: Das macht aber nichts. Es gibt schon einen Grund dafür, dass das Buch so berühmt geworden ist.
  • Wenn man zum Mitlesen ein Hörbuch kauft, muss man aufpassen, dass man die 1:1 gelesene Version erwischt. Also beim Kauf unbedingt auf den Hinweis „ungekürzt“ achten! Außer wenn der Käufer und Schenker mein Papa ist. Der sucht dann nämlich extra antiquarisch eine kleine, handliche Ausgabe, hört alles mehrfach selbst durch und zeichnet extra für mich ein, was ich höre. Und das sieht dann aus wie auf dem Bild unten.
  • Die sind da alle so sicher über sich selbst und in der Welt. Der Fuchs ist ein Fuchs, die Blume ist eine Blume und die Schlange ist eine Schlange. Sie wissen das auch. Und sie wissen, was zu tun ist.
  • Ich finde nicht, dass das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist, genauso wie es für die Ohren nicht unhörbar ist.
  • Von Saint-Exupéry lese ich heute lieber sowas wie Nachtflug.
  • Komischerweise lachen die Leute beim kleinen Prinzen nicht so wie bei der kleinen Lisa, wenn sie als Kollateralschaden mithören, was ich da höre.

I like diese Blogs, Teil 2

Mit Fortsetzungen ist es ja so eine Sache. Soll man das gleiche noch einmal in grün machen? Oder lieber was neues riskieren? Ich jedenfalls mache, nachdem das letztes Mal bemängelt wurde, diesmal nicht nur in Unterhaltung:

  • Dandy Diary — Mal wieder was aus der Kategorie Modeblogs — wen’s angeht weiß warum ;-) Mir gefällt besonders die Rubrik look du jour. Nicht alles, und anziehen würde ich das nicht. Aber ich mag die Inszenierungen und die feine Ironie.

Auch diese Blogs kommen bald wieder in  meine bisherigen Blogempfehlungen. Bitte schaut Euch die doch auch mal an.


Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #11: Präsentation vor dem Kunden oder Auftraggeber

Es ist leicht, schwerhörig zu sein, solange alle lieb und nett sind. Schwer wird’s erst bei hohem Druck oder sogar Gegenwind. Zum Beispiel der Moment, in dem die Früchte tage-, vielleicht wochenlanger Arbeit präsentiert werden. In dem’s ums Geld oder den nächsten Auftrag geht.

Bloßes Vortragen-und-Schwitzen ist nichts dagegen: Es geht um was, es muss begeistert und überzeugt werden. Und nicht selten sind die, vor denen man da präsentiert, ziemlich hoch in der Hierarchie. Dazu noch ungeduldig, unverständig oder gar feindselig eingestellt, z.B. weil ihr Intimfeind den Auftrag in Auftrag gegeben hat oder ihm eins reingewürgt werden muss. Mehrfach nicht verstehen oder falsch Antworten kann hier tödlich sein.

Die Lösung — nichts Neues eigentlich: Versuche, vor Beginn der Präsentation Sitzordnung sowie Gegenstände und Möbel im Raum zu beeinflussen. Wenn Fragen gestellt werden, Analyse, Strategie oder Idee kritisiert werden — gehe zum Sprecher hin (aber stelle Dich nicht zu dicht vor sie, manche Leute mögen es nicht, nach oben zu sprechen).
Und, ganz wichtig: Wenn Du kannst, mach es nicht allein! Besprich Dich mit Deinem Team, dass sie helfen, falls es Probleme gibt. Kläre auch, ob bei Problemen der Vorgesetzte oder Teamkollege sofort einspringen soll oder erst einmal der Schwerhörige selber. Manche mögen’s so, manche so. Sonst passiert es schnell, dass man bemuttert wird. Oder sich bevormunden läßt und Verantwortung abwälzt.

Und was habt Ihr für Erfahrungen?

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I like diese Blogs

Wenn einem was gefällt, soll man sich mitteilen. Soweit klar. Nach allem was man hört, wird deswegen durch facebooks neuen Like-Button demnächst das Netz umgekrempelt (klick und klick).

Zum 1. Mai hier jedenfalls die altmodische Version: Handverlesene Blogempfehlungen.  Autorenzentriert, annotiert und ungestreamt. Davon wird’s hier demnächst wieder mehr geben. Hier die ersten drei:

  • anders anziehen — Smilla schreibt, kurz gesagt, das Blog, auf das ich auch gerne gekommen wäre. Früher bin ich stundenlang durch die Straßen gestrichen, habe Leute beobachtet, ihr Äußeres fotografiert und mich gefragt, was das wohl für welche sind. Nur — ich habe mich selten getraut, sie anzusprechen, habe meine Fotos fast immer gestohlen. Ich verlinke absichtlich keine Einträge, einfach rüberklicken und rumstöbern. Es ist einfach alles interessant.
  • Anke Gröner — Spricht zwar kein Deutsch, hat aber regelmäßig wahnsinnig interessante Graphic- und Buchstaben-Novel-Kritiken (z.B. hier). Außerdem die glaubwürdigste (und unterhaltsamste) Mutation zum Foodblog, die ich je gesehen habe (ab hier, dann nach „Gut Essen“ suchen)! Und ich mag ihren Seriengeschmack.
  • GlamourDick — Glam hat den wahrsten Spruch, den man sich vorstellen kann, zum Motto seines Blogs gemacht (oben rechts bei ihm). Ich bin ein bißchen neidisch. Er ist froh, dass er diese Mitbewohnerin wieder los ist, regt zum Nachdenken und Lebenwollen an — und was er so hinter verschlossenen Türen treibt, hat mir die Lachtränen in die Augen getrieben.

Ich werde diese Hinweise auch bald in meine bisherigen Blogempfehlungen einpflegen. Da es da aber langsam unübersichtlich wird (muss mir mal eine neue Darstellungsweise ausdenken), hier eben schonmal vorab. Übrigens, wie seht Ihr das eigentlich mit dem Like-Button?

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