Monatsarchiv: Juni 2010

Bin dann mal weg

Ereignisreicher Tag heute: Mal kein Fußballspiel. Dafür ein neuer Bundespräsident. Eine abgegebene Dissertation!!! Und Grimme Online Awards für ein paar Leute. Na mal sehen…

Der Ruck aus den Träumen: Geht’s noch besser? Ein Selbstversuch

Über die Sache mit den angenehmen und weniger angenehmen Weisen des Weckens hab ich schon länger nachgedacht. Jetzt habe ich seit etwa acht Wochen Rütteln am Handgelenk probiert. Soll heißen: einen Armband-Vibrationswecker. Denn ich wurde gefragt, ob ich Lust hätte, den Sleep-Tracker zu testen. Ohne Geld und ohne Verpflichtung. Das fand ich anständig. Auf sogenannte Schlafphasen-Wecker war ich eh neugierig: Wecken genau in den Phasen, in denen ich eh fast wach bin? Erholter Aufwachen? Ich sagte zu.

Und stellte fest: Ich musste mich wirklich dran gewöhnen! Mir was anzuschnallen zum Schlafen fühlt sich einfach komisch an. Ich bin’s gewohnt, mich vorher auszuziehen – und schlafe lieber unbeschwert. Die Gewöhnung hat sicher zehn Tage gedauert.

Die Erkennung, wann ich fast wach bin, funktioniert aber richtig gut. Der Alarm kommt zuverlässig kurz nachdem ich mich umhergewälzt habe und gerade weiterschlafen wollte. Das ist wirklich erstaunlich angenehm!

Allerdings: Man muss dem Wecker auch eine Chance geben. Er weckt zwar, übernimmt aber — natürlich — keine Verantwortung fürs Wiedereinschlafen. Aufstehen muss man auch immer noch selber. Viel zu früh bleibt einfach viel zu früh. Und wenn der Schlafrhythmus aus den Fugen ist, hilft auch Schlafphasenwecken nicht. Dann hat’s sich was mit dem erholteren Aufwachen. (Wer Spaß daran hat, kann das Gerät aber gerade dazu nutzen, sich geregelteren Schlaf anzutrainieren.)

Freunde der Sleep-Taste (wenn ich nicht ganz dringend aufstehen muss, kann ich mich damit über Stunden hangeln!) haben auch nicht soviel davon. Ausmachen und Weiterschlafen-bis-es-sich-endlich-richtig-anfühlt zerstört den Effekt. Ganz Geübte können ihn so aber auch von Hand und ohne Sleeptracker nachbauen.

Für Schwerhörige, Taube und Gehörlose muss gesagt werden: Die Vibrationsfunktion, und nur die habe ich ja getestet, ist beim Sleeptracker vergleichsweise schwach — eher so ein leichtes Rubbeln. Technisch gesagt: Als vibrierte er mehr lateral denn gegen meinen Arm. Kein Vergleich zu meinem Preßlufthammer im Handtuch. Das kann man schonmal verschlafen.

Nachdem ich mich nun dran gewöhnt habe, mit Uhr ins Bett zu gehen, finde ich so schlafphasengewecktwerden ganz angenehm. Kann ich also empfehlen. Allerdings wäre mir der Sleeptracker zu teuer. Es dauert nämlich eine ganze Weile, bevor man merkt ob und wieviel es einem bringt. Das hängt sehr vom individuellen Schlaf- und Aufwachverhalten ab. Ich werde den Sleeptracker definitiv noch eine Weile weiternutzen und berichten wenn sich Neues ergibt. Zum Beispiel hatte ich seither noch keine Gäste in meinem Bett — bin gespannt, wie die darauf reagieren, wenn ich mich zum Schlafengehen erstmal an den Wecker binde.

Weckkontakt: Man soll nicht von sich selbst auf andere schließen!

Also, ich werde ja am liebsten am Bein geweckt. Da Schwerhörigkeit und Ertaubung es mit sich bringen, dass man aus der Entfernung nur mit grellem Licht geweckt werden kann, ist auch kein sanftes Rufen in die morgendliche Realität mehr möglich — es ist Anfassen angesagt. Und Rucken. Oder Schütteln. Ob nun durch Wecker oder Personen. Wurfgeschosse lassen wir mal außen vor.

Aus dem Schlaf gerissen werden, weil’s am Körper irgendwo heftig wackelt, ist extrem. Das ist gleich so dicht an mir dran, ich wache mit Kampf- oder Fluchtreflex auf. Darum ist’s mir deutlich lieber, am Bein geweckt zu werden als an der Schulter oder am Arm. Das ist gefühlt weit weg und die Störung kann notfalls weggetreten werden.

Dass diese Vorliebe indezent sein kann, lernte ich gerade an einer schlafenden Pendlerin im Zug. Sie war so ungünstig eingeschlafen, dass ich nicht an meinen Sitz kam. Im Minirock. Und erst kurz vor Abschluss fiel mir auf, dass es vielleicht doch nicht so gut kommt, eine fremde Frau am Bein zu begrapschen während sie schläft. Mit einem Lächeln begrüßte sie mich trotzdem nicht.

Soll mal einer verstehen…

Perfektion am Telefon

Maschinen arbeiten bevorzugt bei schönem Wetter und am Wochenende. Oder wie soll ich es verstehen, dass ich ausgerechnet heute mal wieder ein Glückspilz sein soll?

Klingelte das Telefon, ging ich ran und hatte ein Tonband an der Strippe, das mir verkündete: Preisausschreiben gewonnen ohne je teilzunehmen! Also quasi doppelt Glück gehabt — nein eigentlich dreimal: Denn ich freue mich auch immer über die Gelegenheit, zwanglos mit dem elektrischen Ohr telefonieren zu üben. Ganz ohne den Gesprächspartner zu nerven, irritieren oder gar zu verprellen.

Die haben mit diesem Tonband wirklich alles richtig gemacht. Es ist die perfekte Übung! Von der langsamen Sprachgeschwindigkeit über die Deutlichkeit, bis hin zu dass die Aussage in fünf verschiedenen Formulierungen wiederholt wird und die WICHTIGEN Worte BETONT werden. Dass die Nummer, die ich anrufen soll mit endloser Geduld ebenfalls wiederholt wurde, brauche ich wohl nicht eigens zu erwähnen. Von dieser Aufnahme könnte sich so mancher menschliche Telefonierer ne Scheibe abschneiden!

Nur der Name der Firma, der war nicht zu verstehen. Zufall? Oder wurde der gar nicht gesagt?

Das neue iPhone: Soll auch noch klasse klingen

Hat jemand ein iPhone 4 für mich zum Testen? :-) Schön isses ja sowieso. Aber dass die Sprachqualität so überragend sein soll hat mich neugierig gemacht:

The first time we took a call on the device we were walking down New York’s extremely noisy Fifth Avenue [...]. Even though sirens were wailing behind us and we were surrounded by chatty shoppers, it was easy to hear our party on the other end, and they could hear us perfectly (unless we were lied to). [engadget iPhone 4 review]

Die da verwendete Technik mit einem zweiten Mikrophon zur Geräuscheunterdrückung gibt’s ja schon länger. Aber bei anderen Modellen wie den HTCs und Motorolas hab ich noch niemand begeistert darüber reden hören. Die von Engadget sagen, man merke nochmal einen deutlichen Unterschied zum 3G. Weiß jemand genaueres?

Außerdem: Pia, meintest Du solche Mikrotechnik mit diesem Kommentar?

Sehen, was sonst keiner hört: Der Ablese-Service zur WM 2010

Meine Blogkollegin Jule ist ein alter Ablesefuchs. Sie vergnügt sich schon lange damit, Leuten von den Lippen abzulesen, was diese nicht laut sagen wollen.

Seit gestern tut sie damit auch was für die Allgemeinheit und twittert live, über die Spiele bei der Fußball-WM. Wir hatten dadurch schon gestern beim Spiel Deutschland gegen Ghana eine äußerst unterhaltsame 2. Ebene im Hintergrund! Ich sag nur: Arne Friieeedrich! ;-)

Ich bin gespannt wie’s weitergeht. Ob sich die Mannschaften mit sowas wie dem alten Elephant-Juice-Trick auf die neue Bedrohung einstellen?

Den Spieß umdrehen — und die Folgen

Zuweilen komme ich mir vor wie jene unglückliche Frau, die mir gestern Nacht in der U-Bahn gegenübersaß. Neben ihr saß ihr Mann. Ich verfolgte ihr Gespräch — und hatte bald so genug davon, dass ich ihn hätte nehmen wollen und schütteln bis er heult.

Das mag Euch übertrieben erscheinen, aber ich fand es wirklich nicht zum Aushalten: Wann immer sie mit ihm sprach, wandte sie sich ihm zu. Nicht nur den Kopf, ihr gesamter Körper richtete sich zu ihm aus. Sie blickte ihn an. Sprach ihn an. Wann immer er sprach, tat er — gar nichts. Starrte geradeaus, aus dem Fenster oder einer Frau nach, gerade wie es ihm paßte. Und es war ganz offensichtlich für beide das Normalste von der Welt.

Warum läßt sie sich das bieten? — dachte ich. Interessiert er sich nicht mal für sie?

Aber ich bin ja vorbelastet. Ich wende mich allen zu, mit denen ich rede und blicke sie an. Ich muss das. Ich verstehe sonst nichts. Es ist etwas, das die anderen sehr an mir schätzen, was mich zu einem begehrten Zuhörer macht. Und ich bin darauf angewiesen, dass meine Gegenübers es mir gleich tun.

Neuerdings jedoch drehe ich ab und zu den Spieß um und drehe mich weg, wenn jemand mit mir spricht. Ich teste dann, ob ich mit dem elektrischen Ohr auch ohne Sicht Verstehen kann. Und übe es ein bißchen. Meine Abwendung bleibt nie ohne Reaktion: von milder Irritation bis zum Wutanfall war schon alles dabei. Wäre ich die Frau in der U-Bahn, ich würde mich sofort scheiden lassen!

Ich hab da was, was Du nicht siehst: Die Zwickmühle

Ich gehe einfach nicht gern mit meinen Problemen hausieren. Ich sage, was nötig ist, damit ich klarkomme. Also wie man mit mir reden muss und was alles sonst noch so in diesem Blog steht. Aber ich habe keinen Bock zu jammern. Darauf rumzureiten, was alles nicht geht. Wie anstrengend Hören oft für mich ist, so dass ich mehr Ruhe brauche als andere. Oder wieviel mehr Zeit ich brauche, weil ich bestimmte Dinge vorbereiten und nachbereiten muss. Das finde ich auch wichtig.

Denn ich achte lieber auf das Positive und rede lieber darüber. Außerdem will ich mir ja auch nicht in die Tasche lügen und alles mit der Schwerhörigkeit entschuldigen. Und es gibt leider genügend Leute, die mich nicht mehr für voll nehmen, wenn ich dauernd sage, dass ich andere Maßstäbe brauche, bestimmte Dinge nicht alleine hinbekomme oder nicht garantieren kann, dass sie klappen. Das kann auch ganz unbewußt geschehen: Schwupps, ist man bei denen im Kopf in einer anderen Schublade.

Leider aber kommt das Unthematisierte zurück und beißt mir in den Allerwertesten.

Ganz besonders natürlich im Lebenslauf. Denn das Ding wird erst rund durch die langsame Ertaubung, die Probleme, die sie mit sich bringt und die Lösungen, die ich dafür fand oder auch nicht. Wie sonst soll man die Knicke, lange Dauer und Lücken erklären? Aber man braucht sich gar nicht erst zu bewerben, es geschieht schon im Freundeskreis. Wenn ich nicht ständig dazu sage, wie schwer ich’s habe oder was nicht geht, dann vergessen die Leute es. Oder es war ihnen in irgendeiner neuen Weise nie so richtig klar. Und man steht halt mal wieder dumm, luschig oder irgendwie eigenartig da. Manchmal sogar vor sich selbst. Es ist zum Verrücktwerden. Egal wie man’s macht: Damned if you do, damned if you don’t — es ist eine Zwickmühle.

Stilles Örtchen? Denkste!

Erinnert Ihr Euch noch an den Audioten? Ohrenblicker Jens wurde gestern zum Telefoninterview gebeten und dachte sich: Kein Problem, ich finde mit dem Handy sicher eine stille Ecke. Denkste!

Die Odyssee, die er dabei erlebte, kenne ich genau. Aus meinen eigenen Versuchen, mobil zu telefonieren. Und zwar egal ob ich (ohne Headset) oder der andere am Handy ist: Überall ist Lärm. Stille Örtchen? Nirgends. Treppenhaus? Hallig. Und ständig kommt wer vorbei, poltert, redet, scharrt mit den Füßen.

Flotthörenden reicht das zum Telefonieren. Als Schwerhöriger habe ich dabei nichts (gar nichts!) zu lachen. Denn um überhaupt irgendwas zu verstehen, stelle ich die gleichen Ansprüche wie die sendefähige Tonaufnahme.

Alles, was es über Schwerhörige im Beruf zu sagen gibt?

Oh, ich habe es gar nicht getan. Vor kurzem habe ich die Reihe Taub im Job, trotzdem erfolgreich — für Schwerhörige, ihre Kollegen, Chefs und Kunden abgeschlossen und glatt vergessen noch einmal zu fragen: Was haltet Ihr denn zusammengenommen davon?

1.  Lege ein Depot an
2.  Offen sein, es nicht alleine versuchen, Initiative ergreifen
3.  Selbstvermarktung und das erfolgreiche Bewerbungsgespräch
4.   Beeinflusse die Sitzordnungen
5.   Raum und Gegenstände in Teamsitzung, Besprechung und Präsentation
6.   Ergreife das Wort: Gesprächsführung in Teamsitzung und Besprechung
7.   Akustisch Überleben beim Geschäftsessen
8.   Auf Dienstreise
9.   Nicht verzweifeln bei Konferenzgesprächen
10. Wenn’s denn sein muss: Kundenkontakt per Telefon
11. Präsentationen vor Kunden und Auftraggebern
12.  Smalltalk und Netzwerken bei Abendessen, Empfängen und Konferenzen

Was fandet Ihr gut, was nicht? Fehlt Euch was? Ist das zusammen mit der Gebrauchsanweisung für Schwerhörige alles, was es Nützliches über Schwerhörige im Beruf zu sagen gibt?

Der gleichgestellte Straßenräuber

Ich finde: Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit sind kein Grund, Jobs zu meiden, in denen es auf Kommunikation ankommt. Notfalls muss man sich halt ein paar Gedanken über Arbeitsassistenz machen — der Kleinunternehmer in dem Video macht’s vor.

Was man in Deutschland für Hilfen bekommt und wie man sie beantragt, steht in diesem und diesem Merkblatt der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen. Für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Selbständige. Nur was man aus all den Möglichkeiten macht, liegt immer noch an einem selber.

(Wie sieht’s eigentlich in Österreich aus? Über Hinweise würde ich mich freuen.)

Der schwerhörige Frequent Flyer

Der Finnland-Urlaub hatte schwerhörigentypisch begonnen und er endete ebenso standesgemäß. Am Flughafen Helsinki-Vantaa entspann sich kurz vor Abflug folgender Dialog:

Herr Notquite legt seine Umhängetasche in die Plastikschale, wo sie durchleuchtet werden soll. Eine freundliche Flughafenangestellte (FF) deutet auf die Tasche.

FF: „Do you have a ticket, sir?“

Notquite: „No, no. Don’t worry!“

FF: <blinzelt einmal> „You don’t have a ticket?“

Notquite: <fröhlich> „No, really, it’s not the first time I’m flying.“

FF: „???“

Notquite: „?!!“

FF: „Well, sir–“

Notquite: <bei dem der Groschen pfennigweise fällt> „Ah, of course!“ <sucht hektisch das Ticket in der Tasche> „There you go.“ <grinst liebenswert, hofft er jedenfalls>

So kann’s kommen wenn man sich wie ein Profiflieger vorkommt und seine Boardkarte an der Handgepäckkontrolle gar nicht erst zückt. Und sich außerdem in dem sicheren Wissen sonnt, dass man ja weiß, dass nach „liquids“ im Handgepäck gefragt werden wird. Typisch schwerhörig. Kann ja jedem mal passieren. Oder?

Beswingt nach Stockholm

Wer auch nur einmal über Nacht mit einer der großen Ostseefähren gefahren ist, weiß was das heißt. Ich hatte es ja schon angedeutet, die Reise nach Finnland beinhaltete auch einen Abstecher nach Stockholm. Das waren zweimal 16 Stunden Fähre. Stil und Glamour habe ich ein wenig vermißt. Aber mit guter Reisebegleitung und viel Lust auf Alkohol kann so eine Überfahrt ziemlich lustig werden.

Absolutes Highlight der ersten Nacht war der mitternächtliche Auftritt der Schiffsband, die — die Mädchen in Haremshosen mit silbernen Pailetten bestickt — ein Medley überraschend gut ausgesuchter älterer Hits zum Besten gaben. Alle Mitglieder der Band ließen mir Schauer über den Rücken laufen aber nur eine mit ihrer rauchigen Stimme.
Auch als Hörübung war das Medley gut geeignet: Ich kannte alle Lieder, aber es dauerte unterschiedlich lang, bis ich sie erkannte. Und sicher war ich fast jedesmal erst, wenn ich den Refrain hörte. Ich denke, das ist typisch fürs Musikhören von Schwerhörigen. Und insbesondere mit dem elektrischen Ohr: Das Cochlea Implantat ist ein Sprachverstehding. Entsprechend läuft auch das Erkennen (und sehr oft auch das Genießen) von Musikstücken hauptsächlich über die Sprache.

Highlight der zweiten Nacht war finnisches Karaoke. Die Finnen singen wirklich gern. Und yay, was für eine Sprache! Schriftlich so unglaublich fremd, aber klingen tut sie wunderschön! Und auch das eine klasse Hörübung: Fremde Klänge zum Mitlesen.

Wer sich mal anhören mag, wie Päivästä päivään klingt, das hier abgebildet ist — das hab ich auf youtube gefunden (natürlich mit anderer Stimme). [Nachtrag: Ich erfahre gerade, dass das Lied eigentlich Levoton Tuhkimo heißt. Unter dem Namen hab ich sogar das Karaoke-Video gefunden.] Von dem ganzen schwermütigen, aber wunderschönen finnischen Zeugs hab ich leider nix gefunden.

Jetzt: Pickelhauben gegen, äh, Wäscheaufhänger?

Falls beim Spiel gleich mal wieder kein Geschrei die Vuvuzelas übertönen kann, hier die Lösung: Gebärdensprache.

Über jule bin ich auf die Seite deafkids gestoßen mit einer schönen Zusammenstellung der Gebärden für die Länder und einige Fußballbegriffe.

Demnach, also den Gebärden nach, treffen also gleich die Pickelhauben auf die– ja was sind denn die Australier? Handbefeuchter und -trockenschüttler? Wäscheaufhänger??
Wer kann helfen, wer weiß, was sich hinter der Gebärde verbirgt?

Vuvuwasbitte soll da stören? Perfekt gerüstet für die WM

Allerorten Aufregung um Vuvuzelas. Ich bin da ganz gelassen. Das elektrische Ohr regelt einfach ab oberhalb der Unbehaglichkeits-Schwelle. Und dank jahrelangem Tinnitus bin ich geübt darin, störende Geräusche schnell auszublenden. Bring it on!

Übrigens: So eine Vuvuzela ist lauter als eine Kettensäge. Besonders die Kombination mit Alkohol verursacht extrem schnell Hörschäden. Und AP berichtet über eine Studie, die behauptet, dass die Tröte auch Bakterien und Viren effektiver an den Mann oder die Frau bringt als jeder Husten. Also besser mit Ohrenstöpseln und Mund-Nasen-Schutz zum Public Viewing? Man kann ja froh sein, dass wenigstens Sommer ist…

Hörlos in Helsinki

Wer sich eine Uhr ans Handgelenk bindet, kettet sich an die Zeit — und wer sich auf Hörtechnik verläßt, macht sich von seinem Batteriendealer abhängig. Das Flugzeug beschleunigte gerade zum Abheben, da durchzuckte es mich. Du hast ja gar nicht genug Batterien dabei! Vor mir lagen sieben Tage Finnland und Schweden. Mein mitgeschleppter Vorrat würde maximal die Hälfte reichen — danach würde das linke Ohr den elektrischen Geist aufgeben. Ich wäre hörlos in Helsinki.

Verflixt, ich habe sonst IMMER und SEIT JAHREN genug Batterien dabei. Hoffentlich gibt’s diese speziellen CI-Batterien, die ich brauche, in Helsinki einfach so im Geschäft! Ausgerechnet jetzt, wo das elektrische Ohr gerade erstmal richtig funktioniert! Und dabei soll man doch im Urlaub feiern, genießen und entspannen!
Nun ja, tröstete ich mich. Hast ja immer noch das rechte Ohr mit dem Hörgerät. Dafür hatte ich genug Batterien. Nur: einohrig und damit noch schlecht hören ist wirklich besch-eiden. Außerdem stand ein Besuch bei guten alten Freunden der Familie auf dem Programm. So lange nicht gesehen und dann die Gespräche nur halb mitzukriegen! Von der Anstrengung beim gemeinsamen Abendessen ganz zu schweigen.

Ging gerade nochmal gut. Ein Glück, dass es eben Helsinki und nicht Zelten auf dem platten Land war. In einem großen Elektrogeschäft konnte ich rechtzeitig Batterien auftreiben. Hörgerätebatterien zwar, von denen man mir sagte, sie hielten bei dem immensen Strombedarf der CIs nur ein paar Stunden — doch Überraschung: Bei mir halten die genauso lang wie spezielle Implantatbatterien.

Ansonsten: Helsinki gefiel mir gut. Viele schöne Häuser, viel Wasser, viel Felsen und viel Baum — und die jährlichen Abiturfeiern da sind wirklich nicht von schlechten Eltern. Ist ja auch kein Wunder wenn’s nur zwischen  halb zwölf und zwei dunkel ist…

Mono ist doof, oder: Vom Richtungshören auf Zehenspitzen

Am Besten, das habe ich festgestellt, geht es auf den Zehenspitzen. Hunderttausende von Tänzern und Tänzerinnen können nicht irren. Ich höre die Sirene — und drehe schnell die Pirouette. So jedenfalls könnte man sich das vorstellen, Richtungshören mit nur einem Ohr.

Ich war nur kurz einseitig taub. Zwischen der Operation, die mich zum Cyborg machte und dem Zeitpunkt als mein mein elektrisches Ohr zu arbeiten begann. Und auch während ich gezielt mit dem elektrischen Ohr Hören übte (und dabei das andere Ohr verstopfte um mich besser auf das elektrische zu konzentrieren). Aber schon in der kurzen Zeit hat mich sehr beeindruckt wie krass das ist. Seither weiß ich, dass einseitige Taubheit auch dann kein Honigschlecken ist, wenn man mit dem anderen Ohr noch gut hört.

Ein taubes Mädchen mit nur einem elektrischen Ohr bringt es so auf den Punkt:

„Emma, woher kommt dieses Geräusch?“

„Was meinst Du mit, woher? Geräusche, die ich höre sind entweder in meinem Kopf oder sehr dicht an meinem Ohr.“

Ich habe es sehr ähnlich empfunden. Allerdings bilde ich mir ein, ich merkte oft eher deutlich, ob die Quelle auf der gleichen Seite ist wie das Ohr. Oder eben nicht — denn dann klingt es wattig, so als hätte ich eine große Menge Holzwolle zwischen Ohr und Geräusch geschoben. Moment, Holzwolle?! Ähm, naja, okay. Also jedenfalls: Was dazwischen.

Ich frage mich darum, ob einseitig taube Leute in den Richtungshör-Tests nur darum so schlecht abschneiden weil sie sich nicht bewegen dürfen. Gut, die meisten Reize, bei denen es darauf ankommt zu hören woher sie kommen, sind ja so kurz, dass es keinen Sinn hat, das zu tun. Wie ein Zuruf auf der Straße. Ist das Geräusch aber länger, so könnte ich mir durchaus verstellen, dass es funktioniert: Eine schnelle Pirouette und der Sound ist lokalisiert. Und die — soviel weiß ich — geht eben am besten auf Zehenspitzen.

Warum poltert er so?

Klopfen. Bisher war mir nicht klar wie gestört eigentlich meine Beziehung zu Klopfen ist. Die gute Freundin, bei der ich gerade zu Besuch war, wohnt mit ihrem Liebsten in einer wunderschön weitläufigen Altbauwohnung. Fast jedes Zimmer hat zwei Türen. Auch das Bad, eine in den Flur, eine direkt in ihr Schlafzimmer. Nur — beide Türen lassen sich nicht abschließen.  Und ich höre ja von außen nicht unbedingt, ob wer drin ist.

„Kein Problem“, sprach die Freundin, „Kannst ja klopfen, wenn Du rein willst. Dann rufen wir, wenn schon wer drin ist.“ Das leuchtete mir natürlich ein. Und es dauerte genau bis zum nächsten Morgen, genau bis ich mich ausgezogen und unter der Dusche eingeseift hatte, bevor mir einfiel, was ich vergessen hatte zu sagen: Dass ich so ein Klopfen gar nicht hören würde, ohne Hörgerät und ohne elektrisches Ohr. Keins davon hatte ich mit ins Bad genommen. Ich glaube, ich habe schon lange nicht mehr so viel Krach im Bad gemacht, damit sie auch ja Bescheid wissen.

Muss wohl ausgleichende Gerechtigkeit gewesen sein.

[Auf Nachfrage in den Kommentaren hin: Das Problem bei der ganzen Badgeschichte ist nicht das Nacktsein, sondern dieses blöde Gefühl des Ausgeliefertseins.]