Monatsarchiv: März 2011

Klassik? Das ist das Härteste!

„Wie hältst Du’s eigentlich mit Konzerten?“, hatte mich Freund O. gefragt. Und mir wurde klar, dass ich eigentlich keine Ahnung hatte. Wie ist es inzwischen mit der Musik, mit etwas über einem Jahr elektrischem Ohr? Eine Frage für die Praxis, dachte ich, und beschloss, es auszuprobieren.

Der O. wählte zielsicher den höchsten Schwierigkeitsgrad aus und führte mich in den Piano Salon, einer alten Fabrikhalle am Pankeufer, in der regelmäßig Konzertestattfinden. An jenem Tag spielte ein japanischer Pianist europäische Klassik. Klassische Klaviermusik!! Einer der härtesten Tests, die man sich für taube und elektrische Ohren denken kann: Kein wummernder, rhythmischer Beat oder Bass, den man spüren und mit dem man grooven kann. Stattdessen Vielstimmigkeit, Melodien, Triolen, Triller und ein enormer Frequenz- und Dynamikbereich, bei dem die Technik nicht annähernd mitkommt. Dazu noch mir unbekannte Stücke, auch das Playback aus dem Kopf konnte ich also vergessen.

Und wie zum Beweis, dass ich zum Hören, nicht zum Sehen hergekommen war, fand sich nur noch ein Platz, von dem aus ich die Rücken anderer Besucher, eine dicke Säule und den Kran an der Decke sehen konnte. Ich konnte mich also auch nicht mit dem Tanz der Finger oder dem Hin- und Herwerfen der Frisur vergnügen. Ich war ganz auf die technikuntertützten Ohren angewiesen.

Ich ergab mich in mein Schicksal — und wurde angenehm überrascht: Es geht! Und es macht Spaß! Das wollte ich nur mal kurz durchgeben. Als nächstes nehme ich dann Sinfoniekonzerte?

(Gehört bimodal, also mit CI und Hörgerät. Nur mit CI dagegen — nicht so prickelnd.)

Die energiepolitische Geisterfahrt der Regierung

Diesen Artikel aus der Wirtschaftswoche finde ich so gut, dass ich auch hier mal darauf hinweisen muss. Dieter Schnaas schreibt:

Und plötzlich ist sie weg, die Energielücke, einfach verschwunden – ganz so als habe es das Loch, in das der Industriestandort Deutschland wegen all‘ der grünen Technikfeinde und Fortschrittsverweigerer zu fallen droht, nie gegeben.

[via]

Ganz einfach

Wie wäre es wohl, mein Leben, wenn ich es mir so richtig einfach machen würde? Und für alles meiner Hörbehinderung die Schuld gäbe. Zum Beispiel so:
Die Avancen  wurden zurückgewiesen? Klare Sache. Den Job nicht bekommen? Was sonst. Kein Schwein ruft an, beim Bäcker zuletzt bedient worden, die Vögel scheißen von allen Autos nur auf Deins? Verstehe.

Vielleicht lebte es sich so ja gar nicht so schlecht? Nicht immer zweifeln, was jetzt woran lag. Nicht ewig auseinanderklamüsieren, inwiefern ich selbst Schuld und welche Löcher ich mir selber gegraben habe. Was ich selbst ändern müsste, wenn ich es anders haben wollte. Ich meine, man sagt ja nicht umsonst: Dumm fickt gut.

Ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass ich das könnte. Aber vielleicht sollte ich es öfter mal probieren. So ganz einfach.

Sonnenschein und Segelohren

Die Nebenwirkungen von strahlendem Sonnenschein werden unterschätzt. Als da wären: Segelohren, und zwar unverzüglich und sofort. Und dann, spätestens nach einiger Zeit, schmerzende Segelohren, Kopfweh und Genervtheit.

Kennst Du nicht? Nun, das mag daran liegen, dass Du hinter Deinem Ohr keine Hörtechnik mit Dir rumschleppst.  Und dass Du einfach Deine Sonnenbrille aufsetzt.

Mich dagegen findest Du am Strand und im Straßencafé entweder schmerzfrei und dafür uncool in die Sonne blinzelnd. Oder cool bebrillt, aber dafür mit den oben erwähnten Begleiterscheinungen. Schon doof, wenn man’s faustdick hinter den Ohren hat.

 

Schaut Euch diesen Audioten an!

Jens, den Ohrenblicker, habe ich Euch hier schonmal vorgestellt. Der Mann ist von Tönen und Klängen begeistert und macht sehr interessante Podcasts. Und er macht sich die Mühe, sie zu transkribieren, so dass Leute mit Hörproblemen nachlesen können was gesagt wird und was für Klänge sie gerade hören. Jens schreibt mir:

Der Stand der Dinge: Inzwischen gibt es drei kurze Ohrenblicke-Folgen mit Skript. Das Ganze ist schon ein wenig Mehrarbeit, aber ich versuche zumindest die Kurzfolgen auch in Zukunft mit „Untertiteln“ anzubieten und ich werde demnächst mal einen Aufruf starten nach Leuten, die mir helfen, auch längere Folgen zu transkribieren. Alle Folgen mit Skript findet man hier.  Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn ihr noch ein bisschen die Werbetrommel für mein Projekt rühren könntet. Es sind sicherlich nicht all zu viele, die von meinen Skripten gebrauch machen, aber ich möchte damit auch ein Zeichen setzen, dass es Menschen gibt, die die Welt anders wahrnehmen und ich hoffe, dass ich so einen kleinen Beitrag für ein barrierefreies Internet leisten kann. Ich denke auch, dass die Texte Menschen helfen, die die deutsche Sprache lernen möchten und hoffe, auch in dieser Richtung noch mehr Publikum zu finden, sodass sich die Mehrarbeit lohnt. Liebe Grüße an alle! Jens

Ich sage: Toll! Unterstützenswert. Schaut Euch das doch bitte mal an, ob Ihr’s auch interessant findet. –> Ohrenblicke.de

 

Gezwitscher hören und sehen

Gezwitscher ist eins der Dinge, die mir die Ertaubung relativ schnell genommen hat. Da ist es ja eigentlich passend, dass ich nun, mit  elektrischem Ohr, es nicht nur wieder höre — sondern eins drauf setze und schriftlich zwitschere: Mit Not quite like Beethoven kann man sich jetzt auch bei Twitter unterhalten.
Lesen wir uns dort? Würd’ mich freuen! –>klick<–

Übrigens, ich bitte um Entschuldigung für die lange Abwesenheit. Ich werde jetzt nach und nach auf die Kommentare antworten.