„Wie hältst Du’s eigentlich mit Konzerten?“, hatte mich Freund O. gefragt. Und mir wurde klar, dass ich eigentlich keine Ahnung hatte. Wie ist es inzwischen mit der Musik, mit etwas über einem Jahr elektrischem Ohr? Eine Frage für die Praxis, dachte ich, und beschloss, es auszuprobieren.
Der O. wählte zielsicher den höchsten Schwierigkeitsgrad aus und führte mich in den Piano Salon, einer alten Fabrikhalle am Pankeufer, in der regelmäßig Konzertestattfinden. An jenem Tag spielte ein japanischer Pianist europäische Klassik. Klassische Klaviermusik!! Einer der härtesten Tests, die man sich für taube und elektrische Ohren denken kann: Kein wummernder, rhythmischer Beat oder Bass, den man spüren und mit dem man grooven kann. Stattdessen Vielstimmigkeit, Melodien, Triolen, Triller und ein enormer Frequenz- und Dynamikbereich, bei dem die Technik nicht annähernd mitkommt. Dazu noch mir unbekannte Stücke, auch das Playback aus dem Kopf konnte ich also vergessen.
Und wie zum Beweis, dass ich zum Hören, nicht zum Sehen hergekommen war, fand sich nur noch ein Platz, von dem aus ich die Rücken anderer Besucher, eine dicke Säule und den Kran an der Decke sehen konnte. Ich konnte mich also auch nicht mit dem Tanz der Finger oder dem Hin- und Herwerfen der Frisur vergnügen. Ich war ganz auf die technikuntertützten Ohren angewiesen.
Ich ergab mich in mein Schicksal — und wurde angenehm überrascht: Es geht! Und es macht Spaß! Das wollte ich nur mal kurz durchgeben. Als nächstes nehme ich dann Sinfoniekonzerte?
(Gehört bimodal, also mit CI und Hörgerät. Nur mit CI dagegen — nicht so prickelnd.)








