Elektrische Ohren: Nachteile? Welche Nachteile?

Ich mache ja gerade Bilanz nach anderthalb Jahren mit Cochlea Implantat: Was sind Vor- und Nachteile? Bislang habe ich eher Positives berichtet. Nun dachte ich, ich mache mich mal an die Nachteile. Und dabei brauche ich Eure Hilfe. Ich sehe nämlich eigentlich keine.

Jedenfalls wenn man es nicht mit Normalhören oder zu mittelgradiger Schwerhörigkeit, sondern mit an Ertaubung grenzender Schwerhörigkeit und Hörgeräten vergleicht. Was ich dann sehe, sind kleinere Unannehmlichkeiten.

Als da wären z.B.:

  • Das Aussehen. Sie sind größer als Hörgeräte. Und speziell Kabel am Kopf zu haben finde ich nach wie vor ästhetisch bedenklich.
  • Leichter Druck am Ohr ab und zu. Denn sie sind schwerer als Hörgeräte.
  • Manchmal Anfälle von: Boa, Du hast dir da den Schädel abfräsen und was in den Kopf setzen lassen! Aber im Großen und Ganzen ist der Umgang erstaunlich schnell natürlich geworden. Kein Ekel mehr.
  • Leichtes Abfallen bei Tätigkeiten wie Sex und die entsprechende Stille wenn dies passiert oder man es proaktiv macht, zumal man immer noch damit rechnen sollte, dass man bei einer CI- OP mindestens ein bißchen Hörvermögen verliert und deshalb die Stille größer ist.
  • Dass man zeitweilig mit Erwartungen der Anderen umgehen muss, man höre ja jetzt vielleicht wieder oder zumindest wenn man sich noch bißchen anstrenge und trainiere (nicht mal böse, sondern manchmal auch nur hoffnungsvoll gemeint).
  • Bei Hüten und Mützen muss man manchmal ein bißchen suchen bis man ein Modell findet, das paßt ohne zu drücken.

Aber mal ernsthaft. Gibt es irgendwelche Nachteile? Was denkt Ihr?

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41 Antworten zu “Elektrische Ohren: Nachteile? Welche Nachteile?

  1. Ich kann nur mit einer Bilanz nach 3 Monaten CI dienen. Deine Liste kann ich bisher voll und ganz unterschreiben.

    Wegen dem leichten Abfallen (nervt auch bei nicht-sexuellen Tätigkeiten im Bett, z.B. Lesen, Unterhalten im Liegen, mit Kleinkind im Bett herumtoben) wollte ich vielleicht mal diese Bügel ausprobieren, da gibt es ja mindestens zwei Varianten. Aber das widerstrebt mir, weil ich eigentlich so wenig wie möglich am Ohr haben möchte, das Ding ist schliesslich groß genug…

    Auch schlafe ich nicht mehr gerne auf der Seite mit dem CI. Könnt ihr das? (Ein Grund für mich, aufs zweite CI zu verzichten. Aber bisher bin ich mit der Hybrid-Versorgung CI/Hörgerät sehr zufrieden, beide liefern Informationen ans Gehirn, die das jeweils andere nicht leisten kann, also gutes Zusammenspiel).

    Was ich noch zusätzlich als stressiger (als mit Hörgeräten) empfinde: den häufigen Batteriewechsel. Ich bin dazu übergegangen jeden Morgen nach dem Aufstehen die Batterien zu wechseln, damit ich nicht irgendwann im Verlauf des Tages ohne Saft da stehe (passiert bei morgendlichem Wechsel trotzdem zuverlässig zwischen 20 und 23 Uhr). Und das dauert dann immer ca. 3 Minuten, mit gründlich Luft ziehen lassen, die alten Batterien wieder wegpacken, etc. Diese 3 Minuten erschweren momentan meinen ohnehin mühseligen Start in den Tag…

    Sonst könnte ich noch am Modell (Cochlear, Nucleus, CP810) etwas Designkritik ausüben: träge reagierende Schalter am Soundprozessor. Hin und wieder ist man auf die Fernbedienung angewiesen zur Programmkontrolle (wer von Euch trägt die eigentlich immer bei sich)?

  2. >das widerstrebt mir, weil ich eigentlich so wenig
    >wie möglich am Ohr haben möchte, das Ding ist
    >schliesslich groß genug…

    Geht mir genauso. Nach anfänglichen Safer-Sex-Experimenten bin ich inzwischen eher so drauf, dass ich alles nehme wie’s halt kommt. Ist etwas uncooler ;-) aber entspannter.
    Mit Schlafen auf der CI-Seite hab ich gar keine Probleme. Würde vermuten, da es mit 3 Monaten ja noch recht frisch ist, kann sich da durchaus noch was tun.

    Stimmt, mehr und größere Batterien ist auch noch eine der Unannehmlichkeiten! Aber — Du mußt täglich Batterien wechseln und 3 Min. warten? Das kommt mir ungewöhnlich vor. Meines Wissens nach sind ca 3-4 Tage bei allen Fabrikaten die Regel. Hast Du eine besondere Einstellung, die besonders viel Strom braucht? Über neue Batterien blase ich nur einmal kurz drüber und setze sie unverzüglich ein. Fernbedienung? Ich weiß gar nicht wo die eigentlich ist und wann ich sie zuletzt gesehen habe ;-) (Soll heißen, schalte die Dinger morgens ein und abends aus. Siehe oben. Möglichst wenig Umstände.)

  3. Angestarrt werden? Für Außenstehende ist es interessant, ein CI am Kopf zu sehen.

  4. No sports. Leider. Die Dinger packen das nicht und saufen ständig ab bei höherem Schweißaufkommen. Das Problem mit Bewegung >> siehe oben. Kann ebenfalls bestätigen: Je nach Fabrikat viel zu langsam und zu nervig zu bedienen. Zu kleine Prozessorknöpfe und zu schwerfällige Fernbedienung, kein wirklicher Nutzen daran. Kaum Bandbreite in der Lautstärkeregelung, immer noch erhebliche Schwächen bei der Störgeräuschfilterung.

    Viel zu teure Ersatzteile (muss ich zwar nicht zahlen, aber nur ein neues Batteriefach kostet soviel wie ein Mittelklasse-Hörgerät. Heftig.) Wenig koordinierte Zusteckgeräte zum Musik/TV/Hören/Mikroanlage.

    Buckelbildung unter der Haut, da wo das Implantat liegt. Magnetspule zu dicht am Prozessor, beides stößt aneinander. Öfter Druckstellen und – schmerzen vom Magnet. Kann man lockerer einstellen, aber dann rutscht das Ding schneller vom Kopf.

    Trockenbox (wenn die überhaupt was nützt) kostet Strom, dauert zu lange, verbraucht Trocknungstabletten (was ist das für Zeug? Umweltbelastung?). Hatte ich für Hörgeräte nicht verwendet, soll aber für das CI nützlich sein. Stimmt das?

  5. Nessy, stimmt, das hatte ich ganz vergessen! Langhaarigen mag das egal sein, aber mir hatte dieser vor der OP große Schwierigkeiten bereitet und auch hinterher: Das CI verletzte meine Eitelkeit. Daran, dass ich es vergessen hatte, sieht man aber, wie egal mir das inzwischen ist (obwohl ich es nach wie vor nicht schön finde). Und mit “Was ist denn das da an Deinem Kopf?” haben inzwischen schon häufiger ganz interessante Gespräche angefangen. Auf Parties z.B.

    Pia, das Absaufproblem ist wirklich vermaledeit, allerdings ist das ja bei Hörgeräten genauso. Wenn ich schwitzen werde, lege drum beides ab. Was ich dabei allerdings merke, ist dass das CI deutlich bequemer und schneller an- und abgelegt ist als das Hörgerät, wo ich noch das Ohrstück reinfummeln muss. Trockenbox benutze ich nur als Notrettung (bisher 2x als das Gerät ins Wasser gefallen war). Im Alltag lege ich das CI, nur regelmäßig offen/auseinandergebaut über Nacht hin. Funktioniert bisher super.

  6. Zum Thema “Trockenbox”: Ich persönlich halte von den Trockentabletten mit Silikat relativ wenig. Die sind ja ganz nett – aber viel effektiver sind elektrische Trockenetuis bzw. Heizkissen (gibts bei jedem gut sortierten Akustiker oder online) – sowas kostet zwar einmal etwas mehr, aber erzeugt keine Folgekosten (durch Tabletten, die nachgekauft werden müssen). Gibts auch mit integriertem UV-Licht zur Entkeimung. Kann ich für Hörgeräte uneingeschränkt empfehlen – bei CI’s kenn ich mich zu wenig aus und würde meine Hand nicht dafür ins Feuer legen. Einfach mal bei eurem Spezialisten erkundigen…

    Zum Thema “lockerer Halt”: eine Halteotoplastik (ähnlich der am Hörgerät, nur ohne Gehörgangsteil), die auch für zuverlässigen Halt beim Sport sorgt, kommt nicht in Frage?

  7. Ich habs jetzt 1.,5 Jahre, und habe seit dem 5 kilo zugenoomen, weil es mir so viel besser geht…. ob das ein Nachteil ist?
    Mei N5 sollte Wasser und Schweißfest sein (nutze Akkus). Nun ist es mir doch bei laufen abgesoffen. Seit dem trage ich es mit Schildmütze, die klemmt so tief hinterm Ohr, dass das CI Aussen ist. An der Übertragungsspule drehe ich den Magnet etwas weiter rein, dann hebt er auch gut durch den Stoff und es kommt auch kein fließender Schweiß übers Kabel….
    Der Batteriewechsel stört eigentlich garnicht. Ich wechsles jeden Morgen den Akku, das ist eine Sache von Sekunden, mit eine klick vom CI ein Klich ins den Lader, ein Klick aus dem Lader und ein Klick ans CI. Kein gefummel mit den Batterien und keine leere Batterie wenns gerade nicht past.

  8. Man kann nicht schwimmen gehen UND hören. Finde ich persönlich nicht so schlimm, da ich keine Badehose besitze, aber für Leute die gern schwimmen und nicht gebärden können wahrscheinlich von Relevanz. Ich berichte aus 3 Monatiger Erfahrung und bin sehr zufrieden. Möchte es nicht mehr missen.
    Meine Ohren scheinen anders als eure gebaut zu sein. Ich spüre das CI fast gar nicht – im Gegensatz dazu früher das HG deutlich. Es fällt auch nicht bei schnelleren Tätigkeiten wie z. B. Sex ;) herunter. bleibt immer zuverlässig oben. Nur beim Joggen benutze ich diese Haltevorriichtung zum draufstecken (Snugfit).
    Ansonsten Nachteile?? Fallen mir auch sehr wenige ein.Außer schwimmen gehen vielleicht, dass die Batterien die blöde Angewohnheit zu haben scheinen leerzugehen, wenn man sich gerade z. B. beim Bäcker befindet ;). Aber alles schnell zu händlen.

  9. Danke für Eure Hinweise!

    Benny, Halteotoplastik ist zumindest für mich keine Option (dann lieber im Zweifel mal abfallen lassen oder Stirnband, Tuch oder Mütze). Weil ich damit einen entscheidenden Vorteil des CI aufgeben würde. Keine Otoplastik. ;-)

    Michael, mir wurde damals zur Wasserdichtigkeit des Cochlear-Gerätes gesagt, “Achtung, Schweiß ist nicht gleich Wasser, der wieselt sich trotzdem rein.” Scheint ja dann zu stimmen.

    Thomas, schlimm ist es wohl für Leute, die schwimmen und schwatzen wollen. Ich bin aus Hörgerätezeiten dran gewohnt, beim Schwimmen nichts zu hören und deswegen im Wasser nur rudimentäre Unterhaltungen führen zu können. Da hat das CI nichts verändert.

  10. Sport-Edition: Eigentlich müsste es doch möglich sein, eine Art einfachen wasserfesten “Abstandhalter” von der Haut zu entwickeln, damit laufender Schweiß nicht direkt mit dem Prozessor in Berührung kommt. Die Notlösung mit Stirnband, Kopftuch und allen möglichen schweißsaugenden Stofffetzen am Ohr habe ich auch schon durch, damit das CI dann darauf halbwegs trocken liegt und nicht direkt auf der Haut klebt. Klappt teilweise. Merkwürdigerweise verstärken sich dann aber Windgeräusche …

    WINDGERÄUSCHE: Noch ein Nachteil des CI. Wenn es nicht darum geht, Hörgeräte und CI zu vergleichen, sondern einfach um wünschenswerte Verbesserungen: Ja, irgendwas, das die Windgeräusche unterbindet. Puschelmikrofone?

    (Falls es sie gäbe, wären sie klein wie ein Stecknadelkopf, mit Materialkosten von ca. 3,50 Euro und Kosten für den Verbraucher bzw. dessen KK vermutlich bei 300 – 500 Euro).

  11. @ Benny:
    Trockenbox = elektrisch. Die habe ich. Und da müssen Tabletten rein, was sage ich: Ganze Briketts müssen da rein. Alle 1 – 2 Monate muss man die wegschmeißen und neue nehmen, egal, ob man viel getrocknet hat oder nicht. Beim Trockenboxbetrieb (Hitze) miefen die ziemlich ungesund.

    Und Keimabtötung? Entkeimung? Warum? Ist doch Quark, wo doch überall Keime herumschwirren, die uns in zig Jahrtausenden der Menschheitsentwicklung nicht gestört haben. Wozu soll mein CI keimfrei sein, wo doch alles andere in der Umgebung die übliche Keimdichte hat? (OK, in Berlin die 20fach erhöhte Dichte, aber sonst …)

  12. @Pia: naja, gibt genug Leute die sehr empfindlich sind, was Keime angeht. Grade wo wir hier nunmal über ein Gerät sprechen was an einer operierten Stelle getragen wird. Wenn man aber bisher keine Probleme hat, braucht man jetzt natürlich nicht damit anfangen ;)

    Ein elektrisches Trockensystem, bei dem zusätzlich Silikattabletten verwendet werden? Irgendwie doppelt gemoppelt. Wo gibts denn sowas?

    Ich setze bei meinen Kunden auf elektrische Trockenkissen. Findet jeder bei Interesse selbst im Netz (bevor ich hier jetzt Werbung verlinke)…

  13. @ Benny: Vermutlich wurde die Entkeimung für Berliner entwickelt, weil der Schmuddel hier so spezial verseucht ist. Trockenbox Modell “Berliner U-Bahn”. Man weiß aber auch, dass Gesundheitsprobleme erst seit der übertriebenen Hygiene und seit Belastung mit Lebensmittel+chemie auftreten. Früher, als Kinder noch im Matsch direkt neben dem Misthaufen spielten und Spucke auf einen blutenden Kratzer machten, gab es keine Allergien. Aber wir kommen von Thema ab.

    Nachteil des CI: Die operierte Stelle, da gibt es Probleme mit Haarspangen und Frisuren. Manchmal sitzt der Brillenbügel auf der OP-Narbe, was ziemlich zwickt. Einfach mal eben kurz Haare kämmen, bevor man einen Termin hat – was ist das ein Aufwand. Wie oft habe ich das CI schon mit Bürste & Schwung runtergerissen. Nein, ich kann mir wirklich was Bequemeres vorstellen als das CI.

    Noch ein Nachteil: Bootsausflüge, Segeltouren, Paddelboote. Alles in Lautlosigkeit und das CI muss in eine wasserdichte Box oder irgendwo an Land bleiben. Also Kanutouren sind passé. Aber wer macht sowas schon? Kaum jemand. Noch ein Nachteil: Der Stress mit der Flughafenkontrolle und das Ausschalten bei Start und Landung, ausgerechnet dann, wenn man am nervösesten ist.

    Noch ein Nachteil: Keine MRT! Hoffentlich macht mich auf dem Rad kein LKW platt, sonst wird es schwierig (falls ich das überleben sollte). Bei Schädelverletzungen habe ich schon Bedenken, dass da schnell eine MRT gemacht wird und dann *ZONG* ist das Implantat kaputt. Es wird oft gesagt, man habe beim Unfall ja dann sicher andere Sorgen als das Hören, aber: Wenn man schon schwer verletzt ist, möchte man nicht auch noch das Hören verlieren und zusätzlich beschädigt werden. Man ist dann isoliert mit seinen Sorgen, Schmerzen, dem Trauma, weil man noch nicht mal die Ärzte versteht. Gruselig.

  14. CharlyBrown

    Sex, Sport, Schwimmen geht grundsätzlich auch ohne CI.
    Tip für sportbegeisterte CI-TrägerInnen:
    Werdet Mitglied in einem Gehörlosen-Sportverein!

    Wasserdichte Hülle für CI:
    vor einigen Jahren hat in einem Forum (hcig oder DCIG) der Vater
    eines CI-Kind über sowas berichtet.
    Seine Tochter hat beim Schwimmunterricht so eine DSchutzhülle getragen.
    Ich denke, das wäre auch eine Lösung für Kanu und sonstige nasse
    Sportarten.
    Ich persönlich lass das CI immer zuhause in der Schublade, wenn ich
    schwimmen gehe.
    (Für mich kein Problem weil ich vor dem CI schon Jahrzehnte taub gelebt habe.)

  15. Nachteile:

    - Gefahr für eine Gehirnentzündung besteht
    - Körperlicher Angriff
    - mit dem CI wird das Hörvermögen nicht an die gleiche Niveau wie eines Hörenden erreichen .. leider, auch wenn man besser hört.
    - ständige Kontrolle / Routine – Untersuchung
    - Plastik und Batterie-Verschwendung -> Umweltschaden
    - trotz CI können wir eigene Stimme nicht kontrollieren / Problematik mit unseren Akzenten -> Unangenehmlichkeit für die hörende Gesellschaft
    - unendliche weitere Probleme .. siehe bei Pia Butzky
    - Narbe .. “mit der Zeit heilt die Wunde, aber verschwindet niemals”

  16. Ich nehme wie Charlie Brown die ganzen Gerätschaften beim Sport und im Wasser, wie gesagt, lieber einfach ab. Nicht nur wegen des Schwitzens. Ist mir einfach angenehmer.

    Pia, keine Windgeräusche — auch einer meiner größten Wünsche. Ich würde vermuten außer Puscheln geht da leider nichts. TV-Teams haben ja auch nichts anderes. Und, ich meine, zwei Puscheln hinter den Ohren!???! Wie sieht das denn aus?
    MRT: Ohja, das sehe ich genauso wie Du. Narbenprobleme kenne ich zum Glück gar nicht. Und die Frisierprobleme auch nicht. Liegt wohl an meinen kurzen Haaren. ;-) Was mich überrascht ist, was Du von Flughäfen beschreibst. Ich gehe einfach durch die Sicherheitsschleuse und sitze im Flugzeug. Ohne Abnehmen oder Ausschalten. Hat Dir das Personal gesagt, Du sollst das tun? :-o

    Q, danke für die Aufzählung! Ich versuche mal aus meiner Sicht einzuordnen: Was das erhöhte Risiko einer Gehirnhautentzündung angeht, lehne ich mich hier mal uncharakteristisch weit und pro CI aus dem Fenster und sage: Ich glaube, heutzutage ist das Risiko letztlich eher geringer (vielleicht sogar geringer als bei Nicht-CI-Trägern), weil man geimpft wird. Das ist etwas das viele vergessen. Die Nachkontrolle ist einmal im Jahr, das ist wie beim Zahnarzt. Die Batterie/Akku-abhängigkeit: Volle Zustimmung, allerdings ist das elektrische Hören vielleicht mal ein guter Grund? (Im Gegensatz zu vielen anderen Aktivitäten/Gründen, aus denen die Umwelt belastet wird?) Dass wir evtl eine Unannehmlichkeit für die “hörende Gesellschaft” sein könnten, lasse ich mir echt und absichtlich mal egal sein!
    Dass man nicht perfekt hört, nun ja. Das würde ich hier nicht als Nachteil aufführen, eher als Grundbedingung. Wir reden ja hier über Hörtechnik, die ist grundsätzlich unzulänglich, kein “Ersatz” und keine “Reparatur”. Wer das denkt oder hofft, sollte sich definitiv kein CI holen.

  17. Ja (ich schon wieder …), beim Vor- und Nachteile aufzählen kommt man schnell dazu, sie mit irgendwas zu vergleichen. Nachteile des CI hat man ja nur, wenn es anderweitig eine bessere Alternative gäbe. Allein schon der Vergleich mit Normalhören lässt das CI alt aussehen. Aber das gilt eben nicht. Sonst wäre ja sogar “2 Arme haben” ein Nachteil gegenüber “3 Arme haben”. Aber weil letzteres keine Option ist, entsteht bei ersterem auch kein Nachteil.

    Ähnlich beim Vergleich mit Hörgeräten: Dass auch neuere digitale Hörgeräte vielen Leuten das Musikhören versauen, kann die Schwächen des CI nicht entschuldigen. Als ich mich mal über das zu langsame Reagieren der CI-Programmknöpfe beschwerte, kam die Antwort: “Aber das ist bei den modernen digitalen Hörgeräten auch so.” Macht es das in irgendeiner Weise besser? Löst es das Problem? Quark.

    Nachteil des CI (im Sinne von wünschenswerter zukünftiger Verbesserung als Option): Abhängigkeit vom Hersteller und den Audiotechnikern. Da wäre mehr eigenständige individuelle Anpassung gewünscht, weniger Abhängigkeit von den “Einfällen” des Herstellers und dessen Produktentwicklung (bzw. mehr Einflussnahme darauf). Wenn die sich entscheiden, zukünftig nur noch pinkfarbene Prozessoren mit Riesenpuschel zu vertreiben – Beethoven, dann hätte ich gern ein Foto von dir.

  18. Jeder Mensch mit CI entwickelt auch so seine eigenen kleinen Phobien. Hirnhautentzündung scheint ja als Phobie recht beliebt zu sein, lässt mich aber völlig kalt. Dagegen ist dieses Magnettor am Flughafen mein persönliches Horrording. Frage vorher tausendmal die Klinik und die Hersteller, ob ich da durch kann, kriege schwitzige Hände und erhöhten Puls. Aber: Nachteil “Spezialphobie Butzky am Flughafen” wird offiziell aus der Liste wieder gestrichen.

  19. Falls es sich ergibt, geh ich gern mal mit bzw. vor Dir durch!

    Zum mittleren Absatz oben würde ich sagen: Natürlich ist es ziemlich hirnrissig, mit der gegenwärtigen Realität irgendwelche Forschungsversäumnisse oder Gutsherrenmentalität der Versorger/Industrie entschuldigen zu wollen, wie der Techniker (?) das anscheinend bei Dir tat. Aber für die eigenen Entscheidungen und das eigene Wohlbefinden ist diese Realität dann doch relevant: Wenn ich weder mit Hörgeräten, noch mit CIs Musik perfekt hören kann, wie wichtig soll mir dann dieser Punkt sein? Ich plädiere ja übrigens für bimodal, mit CI und Hörgerät ist Musik zwar nicht perfekt, aber sie rockt wieder.

    Und pinkfarbene Puschel? Ok, falls das kommt, das Foto kriegste.

  20. Also ich bin schwerhörig geboren. Musik hat sich für mich irgendwie immer furchtbar angehört (komische Frequenzverteilung der Hörschädigung bei mir). Jetzt mit CI hört sich Musik für mich traumhaft an. Geniesse es richtig! So kanns also auch sein ;).

  21. Oh, Mann!!! Ich glaub diese Diskussion einfach nicht! Seit Juni 2011 bin ich “eingeschaltet” (OP im Mai 2011). Mein Leben hat an soviel (!!!!!) Qualität gewonnen, dass ich über die Nachteile (Druckstellen, Batterieverbrauch (bezahlt!!!), Aussehen, Sporttauglichkeit , etc. doch wirklich hinwegsehen kann! Beim HG brauchte ich MONATE um mich einzugewöhnen, doch das CI stecke ich morgens (MIT BÜgel!!!) auf und abends wieder ab. Jeden Tag verbessert sich das Hörverständnis ein bischen. Trotzdem mag ich mein HG auf dem anderen Ohr nicht missen!
    Einfach mal geniesen OHNE zu meckern!!! Geht das?

  22. Tina, wieso sollte man denn nicht auch mal meckern dürfen? Ich persönlich habe zwar kein CI, könnte aber in Zukunft vielleicht mal davon betroffen sein. Daher finde ich es sehr interessant, auch etwas zu Nachteilen durchzulesen. Die Leute hier wollen doch nicht negative Energie versprühen, sondern sich austauschen ;) Seitdem ich mein HG bekommen habe, hat sich die Hörqualität für mich zwar auch verbessert, aber einige Dinge stören mich dennoch und die kann ich mir auch nicht immer schönreden ;)

  23. Thomas, toll! Danke fürs Erzählen!

    Tina, klar geht das. Ich sehe es genau wie Tivien sagt, es gibt auch Unannehmlichkeiten und über die muss man auch mal reden. Damit Interessierte wissen, worauf sie sich einlassen und damit diese hoffentlich bald mal behoben werden. Ich finde das Eingehen auf die “Nachteile” gerade deswegen wichtig, weil ich weitaus überwiegend positive Erfahrungen mache und beschreibe. Da kannst Du dich in den nächsten Wochen auch noch auf ein paar entsprechende Einträge freuen! :-)

  24. Kleine Frage am Rande: Die CI-Batterien werden von der KK bezahlt? (Klingt bei Tina so.) Die für Hörgeräte ja nicht.

  25. Pingback: Das Conny-Tag: 10 Fakten über mich » » PAL-Blog

  26. Ja, tun sie (weil das CI eine “Prothese” ist, kein “Hilfsmittel”). Ich sage mal: Noch. Mindestens die Zuzahlung wird kommen.

  27. Jede/r spricht für sich selbst, man ist nicht für andere oder allgemeines verantwortlich, erst recht nicht für den Eindruck, den andere haben könnten vom CI oder von Hörgeräten oder weiß der Kuckuck von was. Wenn jeder Mensch aus seiner subjektiven Situation erzählt und alle das wissen, entsteht ein interessantes Mosaik – keine Allgemeingültigkeit. (Konstruktivismus, Watzlavik, Subjektivität statt Konsens als Grundlage jeder Wahrnehmung). Das Modell der gleichberechtigten subjektiven Wahrnehmung wird nirgendwo deutlicher als beim CI.

    @ Tina: Die Hype-Phase mit Dankbarkeit, Glücksgefühlen, Geniessen, Erfolge mit CI hatte und habe ich auch, wer nicht? Nach mehreren Jahren mit CI kann und darf ich aber auch eine andere Empfindung dazu entwickeln. Und denke übrigens, es wird auch wieder Hypephasen geben. Die innere Einstellung und Stimmung darf sich austauschen, wechseln. Und stellt dabei nicht die Empfindung eines Anderen in Frage. Meint: “Wenn mir kalt ist, kann dir warm sein” – und beides steht nebeneinander, nicht gegeneinander.

    (Welche Funktion hat Meckern? In der Wüste werden nach strapaziösen Wochen manchmal auch die geduldigsten Kamele wild und greifen ihre Besitzer an. Diese schmeißen schnell ihre Kleider in den Sand, damit die Kamele darauf rumtrampeln können. Danach kehrt wieder für Wochen Ruhe ein. Das ist die Funktion des Meckerns. Stressabbau.)

  28. Wer schmeißt hier die Kleider hin? :-)

  29. *lach* Genau: Wir machen uns nackig. :)
    Naja, eigentlich sind wir die geduldigen Kamele, die nach langen strapaziösen Monaten mal ein bischen trampeln dürfen, ohne wirklich was kaputt zu machen. Und danach geht es wieder ruhig und geduldig weiter.
    Stressabbau eben.

    @ Tina: Übrigens gehört gar nicht mal das “alles toll finden”, sondern das differenzierte Beurteilen zur Akzeptanz einer Sache. Frag mal Autofans oder Star-Wars-Fans oder Freunde des isländischen Schlagers: Da wird heiß geliebt, aber auch viel bewertet, beurteilt, bemängelt, kritisiert, daran herum geschraubt. Änderungswünsche gehören dazu, wenn man sich einer Sache voll und ganz verschrieben hat.

    Kritik hat aber gar keine Konsequenzen, denn vom CI kann man sich ja nicht verabschieden, wenn man mal eins hat. Aber man kann es auch nicht jahrelang einfach nur bedingungslos supertoll finden, das packt man psychisch nicht. Mit konkreten Kritikpunkten können übrigens CI-Hersteller auch viel besser arbeiten als mit “alles super”, sagen die ja selbst. Also mal keine Angst vor Gemecker. Aber das musst du dir gar nicht reinziehen in der schönen CI-Anfangsphase, wo es nur bergauf geht. Die ist toll, jaaaa! :)

  30. Bisschen off-topic, aber wo wir grade so schön beim Thema “Batterien und Kosten” sind:
    mich würde wirklich mal interessieren, wie viele Batterien ihr so braucht und welche Kosten dadurch pro Jahr so zusammenkommen. Wird das wirklich vollständig von der Krankenkasse gedeckt oder gibts da ein gewisses Kontingent o.ä.?
    Wärt ihr bereit, die Kosten dafür aus eigener Tasche zu zahlen – wenn ja: warum? wenn nein: warum nicht?

    @NotQuite: eigentlich albern, diese Differenzierung (Prothese Hilfsmittel). Der Ähnlichkeit zu deinem Hörgerät liegt ja irgendwo nahe: das HG hat zwar eine andere “Klassifizierung” im Katalog der Krankenkassen als dein CI, aber du trägst es aus dem selben Grund, es hat eine vergleichbare medizinische Indikation sowie einen vergleichbaren Nutzen, du könntest aufgrund deines Berufes und deines sozialen Umfeldes nicht darauf verzichten usw ad inf.
    Aus meiner Sicht nicht einzusehen, warum du für Hörgeräte-Batterien bezahlen musst, aber für die CI-Batterien nicht…

  31. CharlyBrown

    Benny, Batteriekosten sind “Peanuts”.
    Viele Jahre hatte ich die Batterien selber bezahlt.
    Ich kannte damals einige Hörgeräteträger (im Gehörlosensportverein)
    und wusste, das sie Batterien selbst zahlen.
    Das die Batterien für CI von der Krankenkasse bezahlt werden,
    wusste ich garnicht.
    Erst durch “Stänkerei” von Hörgeräteträgern über “Kosten des CI”
    erfuhr ich, das die Krankenkassen CI und HG unterschiedlich bezahlen.
    Manche Hörgeräteträger, die kein CI brauchen, können anscheinend
    nicht verstehen, das es stocktaube Menschen gibt, die ein CI brauchen.
    Kein Brillenträger, der Brille selbst zahlt, würde über die Kosten einer
    Operation für Blinde kleinkarierte Fragen stellen!

  32. Man kann ja das Glück haben, dass dieselbe Batterie in HG und CI passen. Bei mir brauchen beide eine 675/ PR 44! So ist das Thema Batterienkauf erledigt!

  33. Wenn in der Gesetzgebung und Kassenregelung bestimmte Freistellungen erreicht wurden, dann würde ich da nicht dran rütteln und bin froh, meine Ertaubung nicht auch noch finanziell ausbaden zu müssen. Früher habe ich das bischen Kleingeld für die Hörgerätebatterien (nur 2 Stück alle 14 Tage!) übrig gehabt, das war doch kaum spürbar. Das CI braucht aber 3 neue Batterien alle 4 Tage, das würde ins Geld gehen. Die Batteriefächer sind aber Auslaufmodelle, denn die nächsten Prozessorgenerationen haben weiterentwickelte Akku-Fächer. Der Nachteil ist dann bloss, dass man mit Akku keine Urwaldexpedition oder Bergsteigung ohne Steckdose in näherer Reichweite machen kann. Aber wer will das schon …?

  34. … und stimmt, @ Charly Brown, die Gegenrechnerei bei Batterien finde ich auch kleinkariert und “Peanuts”. Ich hoffe doch aber sehr, dass du jetzt deine CI-Batterien von der Kasse erstatten lässt, oder?
    (Wenn ich sehe, welcher fette Versicherungsbeitrag jeden Monat von meinem Konto angeht, dann zahle ich letztlich sowieso bzw. rückfinanziere das System wieder. Da bleibe ich nichts schuldig, wenn ich das mal über die Jahre nachrechne. Ein gutes Gefühl eigentlich. Aber das Prinzip basiert ja auf Lastenverteilung, von daher freue ich mich über die doch recht faire Regelung bei der Prothesenversorgung. Schlimm wäre, wenn nur noch einkommensstarke Leute überhaupt ein Implantat bekommen könnten. Horror!)

    Also klarer Vorteil des CI: Keine selbstbezahlten Batteriekosten. Super!

  35. CharlyBrown

    Pia, klar, die Krankenkasse zahlt jetzt die Batterien meines CI.
    Habe 40 Jahre lang hohe Beiträge gezahlt.
    Auch jetzt als Rentner werden Beiträge von Rente und Betriebsrente
    einbehalten.
    Wenn ich mit Hörgeräten Sprache verstehen könnte, würde ich
    täglich Gott danken und gern einige tausend Euro zuzahlen.
    Hörgeräteträger, die gegen CI stänkern, finde ich absolut mies.

  36. Ich würde mal zwischen 180 und 250 Euro im Jahr pro CI für Batteriekosten veranschlagen, je nach Einstellung und Batterietyp. Deutschland ist, soweit ich weiß, das einzige Land, in dem die Kosten für CI-Batterien übernommen werden. Ich glaube auch, das wird nicht lange so bleiben und hoffe, die Akkus sind vorher so gut, dass sie ein bißchen halten.
    Zur Vergleichbarkeit: Es ist schon ein *deutlicher* Unterschied wie das Leben ist, wenn Hörgeräte noch helfen und wenn sie nicht mehr helfen. Das war auch für mich überraschend, wie groß der ist.

  37. Auskunft der Kasse: Im Jahr 2009 fast 450 Euro im Jahr bei Verbrauch von 3 Batterien alle 4 Tage. Aber die Fabrikate kosten auch unterschiedlich, seit letztem Jahr habe ich billigere, anderer Hersteller.

  38. Ich glaube die Preise sind seither gefallen. Die vergleichsweise teuren Power One Implant Plus gibt’s für zwischen 83 und 90ct. Und die Kassen haben leiderleider (auch in sehr vielen anderen Fällen) nicht die schlauesten Einkäufer und Einkaufsregeln.

    Nachtrag: Rechnen muss man können. im ersten Link sind’s natürlich 120ct im zweiten 93ct! Sorry, ist mir durcheinander gerutscht!

  39. Annerose Rabe

    Hallo, bin HG-Trägerin, von meinem HNO-Arzt die Empfehlung erhalten zwecks CI, aber leider nur li. rechts taub und CI nicht möglich. Wie ist es mit Musikhören, ich liebe Musik

  40. Hallo Annerose, ich würde sagen: Das kann man nicht vorhersagen, besonders nicht ohne Deine Hörbiographie besser zu kennen und wenn die Situation so speziell ist, wie sie bei Dir zu sein scheint. Ein CI ist nicht wie ein gesundes, natürliches Ohr und zwei Ohren sind besser als eins– aber diese Optionen stehen Dir ja eh nicht mehr offen, darum würde ich mich von dem Gedanken nicht leiten lassen. Es gibt CI-Träger die genießen Musik sehr, andere weniger.

  41. Pingback: Wie wär’s mit einer elektrischen Vagina? | I can't come ...

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