Monatsarchiv: Dezember 2011

Jahresendfigur mit Böllern

Schon lange hat mich kein ganzer Supermarkt mehr angestarrt. Und das kam so:

Als erstes muss man dazu wissen, dass ich in Sachen Silvesterzündelei sehr wählerisch bin. Jedes Jahr wache ich am Morgen des 31. auf und überlege, wonach mir dieses Jahr der Sinn steht. Heute morgen wachte ich mit zwei Begriffen im Kopf auf: Knallfrösche. Und Raketen. Und zwar genau drei. Das ist nicht viel, dachte ich mir — wie sich herausstellte, war es zumindest für die Drogerie an der Ecke aber zuviel verlangt. Denn wie Ihr ja selber merkt, der Trend geht zum Batteriefeuerwerk. Riesengroß und teuer, sicher schön, aber eben nicht das was ich wollte. Zur Dynamitpackung, groß genug um die S-Bahn endgültig lahmzulegen. Und zur Gemischtwarentüte mit allerlei Unsinn.

Außerdem muss man wissen, dass die Leute sich immer die bescheuertsten Momente aussuchen, um sicherzugehen, dass ich wirklich verstanden habe, was sie mir sagen wollten. In diesem Fall hatte die Kassiererin anscheinend schon zwei-, dreimal quer durch den Raum gebrüllt — doch weil ich so ins Suchen vertieft war und ins Überlegen, wie ich meine Knallfrösche und drei Raketen aus verschiedenen Paketen zusammensetzen und den Rest wegschmeißen/verschenken könnte, hatte ich nichts davon mitbekommen.

Als ich aufsah, war ich das Zentrum allgemeiner Aufmerksamkeit. Ein Kind hing am Arm seiner Mutter und starrte mich fasziniert an. Ein Rentner mit Rollator schien kurz davor, eingreifen zu wollen. „Wie bitte?“ fragte ich geübt ins Blaue.

„Auf Feuerwerk gibt’s heut 20 Prozent!“ Äh, ja. Na dann. Gekauft. Ich wünsche Euch allen guten Rutsch!

Kleiner Hinweis für Schweizer Leserinnen und Leser

In der Schweiz  hat sich letzten Sommer in punkto Hörgeräteversorgung und Kostenübernahme einiges geändert. Das bekomme ich nur so am Rande mit. Allerdings hat mir neulich Hansueli Müller einen Hinweis auf eine Umfrage gegeben, die die  Folgen der Gesetzesänderungen zu erfassen versucht. Den gebe ich hier gerne wieder.

–>Hinweis auf die Umfrage von pro audito Schweiz für Hörgeräteträgerinnen und -träger, die sich im Pauschalsystem ein neues Hörgerät geleistet haben

Auf dem Weg zum perfekten Werkstatt-Termin: Wie sollte die Anpassung eines elektrischen Ohres ablaufen?

Wer sich für ein elektrisches Ohr entscheidet, entscheidet sich für die Abhängigkeit von Experten und ihren Systemen. Das ist in etwas so, als schnalle man sich ein Auto an die Beine und kriege es nicht mehr ab. Das Ohr muss im ersten Jahr oft nachjustiert werden und später etwa einmal im Jahr zur Inspektion. Ich finde, es ist eine gute Idee, an der Gestaltung dieser Systeme mitzuwirken.

Der Hör-Treff, eine Selbsthilfegruppe besonders für Eltern hörgeschädigter Kinder, hat eine Website aufgesetzt, mit einer „Wunschliste“ bzw. Umfrage, wie die Anpass- und Inspektionstermine am besten gestaltet werden sollen. Damit sie möglichst effektiv und angenehm sind. Bisher nämlich hapert es an allen Ecken und Enden — es gibt genügend schlecht eingestellte elektrische Ohren, nicht so netten Umgang mit den Cochlea-Implantat-Trägern, Ingenieure, die mehr mit ihrem Computer als mit den CI-Trägern reden und entsprechend viele genervte CI-Träger.

Bisher am häufigsten bemängelt wurde, so sagten mir die Initiatoren, dass einem bei Inspektion und Nachjustierung nicht automatisch eine Dokumentation der aktuellen Einstellungen und Änderungen mitgegeben wird. Wie beim Arzt also, der einem auch seltenst Einblick in seine Akten und Notizen über einen gewährt.  Dabei sollte das selbstverständlich sein. Es gibt gute Gründe dafür, CI-Träger als Nutzer oder Kunden zu behandeln und nicht als Patienten (–>Menschenbilder — Was macht die Technik aus den Schwerhörigen?)

Das Formular kann man hier erreichen. Im übrigens sehr empfehlenswerten Forum der Gruppe gibt es einen Info-Artikel.

Der kleinste Hörtest der Welt

Das ist doch mal eine clevere Idee, die ich da neulich neben meinem Kaffee entdeckte. Fast hätte ich den Hinweis auf der Zuckertüte übersehen. „Bitte schütteln“ — und wenn Sie nichts hören, dann besuchen Sie einen Akustiker oder Ihren HNO und machen Sie einen Hörtest.

(Ich höre da ja absolut gar nichts. Wenn eine Zuckertüte geschüttelt wird und keiner ist da um es zu hören, macht sie dann überhaupt ein Geräusch…?)

Die Samstagsfrage

Wie nennt man es, wenn Menschen keine Verbrechen anzeigen, keine Wohnung mieten und keine Bewerbungsgespräche führen können? Antwort: Man nennt es Gehörlosigkeit. Jedenfalls in Griechenland.

Wie die Sparversuche in Griechenland Behinderte und Kranke treffen (vom Boston Globe aufgeschrieben).