Behindern ist heilbar — ein gutes Video?

Spannende Diskussion in den Kommentaren, die ich hiermit mal in einen eigenen Thread auslagern möchte. Dieser neue Spot der Bundesregierung zum Thema “Behindern ist heilbar” — ist der gut oder nicht?

  1.  Ja, die schon wieder | 8. November 2012 um 19:05 | |

    Der Kinospot zu sehen ab dem 15.11.2012 gefällt mir besser als die Plakataktion Mensch …

    http://www.bmas.de/DE/Themen/Teilhabe-behinderter-Menschen/Meldungen/2012-11-03-behindern-ist-heilbar-kinospot.html?nn=6246

    Wie beurteilt Ihr den Spot mit DGS und Untertitelung?

    Bis die Tage oder Nächte :-)

  2. Hab den Kinospot einmal mit Ton und einmal ohne gesehen – gefällt mir :-) Ich frage mich nur, wie die Aussage “Behindern ist heilbar” verstanden wird. Hier wird sie auf die gemünzt, die nicht behindert sind. Macht deutlich, dass es von Vorteil ist, wenn die Nicht-Behinderten ihren Blick und ihr Verhalten öffnen.
    Der “souveräne Umgang mit Hörbeeinträchtigung“ – tja, klar, schön wär’s, und ich staune immer, wenn ich jemanden so souverän erlebe. So will ich auch manchmal sein. Und wenn mir’s dann mal wieder passiert, dieses nicht so souverän Sein, dann sag ich mir, ich bin halt ein Mensch.

  3. flor | 12. November 2012 um 17:29 |
    den Spot mag ich nicht. Effektheischerei ohne Message. Was hat der Slogan “Wir müssen de Alltag einfach machen” mit der Szene im Polizeipräsidium zu tun? Soll das inklusiver Alltag sein? Und “Behinderung ist heilbar” – klingt für mich sehr bemüht. Kein schönes sprachliches Bild.
  4. Ich finde den Spot insgesamt auch nicht gelungen. Aber: Das was da gezeigt wird, ist ein reales Problem. Es gab schon einige Fälle, in denen der Polizei nicht erkannt wurde, dass die Leute gehörlos sind, woraus dann große, für die Leute schlimme Verwicklungen entstanden.
    (Ich finde aber im Netz gerade nichts, vielleicht weiß jemand noch, wie einer der Fälle war?)

  5. Unerträglich, dass sowas tatsächlich passiert …

    Was mich ärgert, ist, dass der Spot ein Stereotyp reproduziert, anstatt es zu unterlaufen: Der Mensch mit Behinderung als unverstandener, isolierter und hilfloser Typ, der von einem ohne Behinderung erlöst und “geheilt” wird.

  6. @flor: Ich finde das nicht so. Denn der “Heiler” hat DGS genutzt, sich damit auf die Ebene des GL begeben, seine Sprache gesprochen. Im Gegensatz zu den anderen Polizisten, die am Ende als die Volltrottel da stehen, die anscheinend so blöd waren, nicht mal Gehörlosigkeit geahnt zu haben.

    Ich könnte dir zustimmen, hätte der Spot damit aufgehört, dass der GL zwei CIs angeheftet bekommen hätte und – oh Wunder! – nicht nur hören, nein auch sofort – oh Wunder! – akzentfrei ohne Fehler sprechen gekonnt hätte und somit – oh Wunder! – als geheilt in die Freiheit entlassen worden wäre.

    Zum Glück ist uns dieses Ende erspart geblieben …

  7. Ich weiß nicht. Da sitzt einer gequält rum, er reagiert nicht. Am Ende stellt sich raus, er ist gehörlos. Gut daran: Die Take-Home-Message ist, dass man nun weiß, wenn sowas passiert, ah, er könnte vielleicht gehörlos sein. Was gelernt.Schlecht daran: Take-Home-Message ist auch, Gehörlose muss man erkennen. Selbst können sie nicht darauf aufmerksam machen, was sie brauchen.

    Zum Vergleich: Wird in Filmen ein Deutscher in Spanien verhaftet und kann kein Spanisch, brüllt er ständig: “No Espagnol. Deutsch. Deutsch!”

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25 Antworten zu “Behindern ist heilbar — ein gutes Video?

  1. Na ja, dieser Spot spielt halt mit dem Bild des üblen Schurken, der im Verhör hart rangenommen werden muss… es würde nicht funktionieren, wenn der Gehörlose Mann von sich aus auf das Problem aufmerksam machen würde. Dadurch entsteht dann ja der Aha-Effekt…. also insofern finde ich es schon gut gemacht, weil er mit den Erwartungen der Kinobesucher spielt.

  2. Ich bin mal still, weil ich das Video gerade aus technischen Gründen nicht sehen kann. Aber: wie stellt Ihr Euch einen Gegenvorschlag vor? Ich kann mir vorstellen, dass es sehr schwer ist bei diesem Thema nicht irgendwann an Stereotypen zu kratzen?

  3. Ja, so hab ich das auch gesehen, Andrea, natürlich wird hier Spannung aufgebaut… Und erklärbar wäre das schon, dass der Gehörlose erstmal nicht auf seine Taubheit aufmerksam macht, denn er wirkt noch ziemlich aufgeregt. Er hat eine verletzte Hand … er sortiert gerade selbst, was passiert ist.
    Message ist für mich auch, dass jemand, der Gebärdensprache kann, in diesem Fall ‘mehr’ wahrnimmt.

  4. Ja, Andrea, so sehe ich das auch. Mir fiel dabei ein Badesalz-Sketch ein, der genauso spielt (ich vermute sowieso, dieser alte Sketch war die Anregung für den Heilbar-Spot): http://www.youtube.com/watch?v=N-RqV4KS_40

  5. Ist doch alles gut dargestellt – im zweiten Teil des Spots. Der Gehörlose gebärdet ganz klar “… ist Teil meiner Persönlichkeit” und wirkt angenehm selbstbewusst. Die umständliche doofe Krimisituation kann man komplett wegschneiden, aber danach wird es gut. Die zwei Typen am Schluß des Spots sind echt locker und cool. Und interessant. Es macht auch viel her, wenn man sieht, dass der hörende Schauspieler (Götz Otto?) für den Spot Gebärden gelernt hat. Das macht neugierig.

    (Vermutlich geht es immer irgendwie schief, wenn die Werbefuzzis das bischen, was sie sagen wollen, erstmal umbiegen in eine überanstrengte Idee. Es geht doch viel einfacher.)

  6. Ja Pia, ich finde das “Nachspiel” auch eher gelungen. Und das liegt eher an dem Charisma des gehörlosen Darstellers als an dem Ideenreichtum der Macher dieses Filmchens.

    Aber: Mit diesem Clip will die Bundesregierung für keine geringeren Themen als Inklusion und Barrierefreiheit werben (und nicht etwa die örtliche Volkshochschule für den Gebärdensprachkurs, den sie neuerdings anbietet). Da erwarte ich schon mehr! Vielleicht sowas wie eine neue Perspektive auf das Thema, Bewusstsein schärfen, Berührungsängste abbauen, gängige Konzepte von “Normalität” gegen den Strich bürsten …

    Schaut euch doch mal an, was die Werbefuzzis anderswo aus dem Thema gemacht haben:

    http://www.youtube.com/watch?v=VArCXBqArQY (New Zealand: read my lips)

    http://www.youtube.com/watch?v=6ILI1IhgVro (The Norwegian association of the Blind: Office Love)

    http://www.youtube.com/watch?v=NL_mEySYBv4 (Handicohésion, Werbung der französischen Stromgesellschaft EDF)

    http://www.youtube.com/watch?v=Ldn0nspV0qg (Gracias por lo de guapo, Fundación ONCE)

  7. Wow, tolle Videos – meine Nummer eins ist das von EDF – da wird alles komplett umgedreht und gegen den Strich gebürstet.

  8. Ich würde nicht sagen, dass das mit der Hilflosigkeit nicht stimmt. ich selbst habe etwas ähnliches erlebt. Nicht im Polizeirevier, ich sollte eigentlich bloß meinen Ausweis im Bahnhof zeigen. Der Polizist brüllte wohl immer wütender hinter mir her (stellte sich hinterher raus). Plötzlich wurde ich aus dem Nichts von hinten von dem Polizist herumgerissen und angebrüllt. Natürlich habe ich nichts verstanden. Das Mundbild wird ja auch nicht besser vom Brüllen… Und klar hätte ich was sagen können… Hab ich aber nicht… Ich war total perplex. Ich wusste ja nichts was überhaupt los ist und warum ich herumgerissen wurde. Bis dann -zum Glück- der “Chef”, also “der Über ihm Stehende” dazukam und ihm wohl zu verstehen gab, das er nciht brüllen soll. Dann wandte er sich an mich. und erst dann hab ich meinen Schwerbehindertenausweis rausgenommen und gesagt, dass ich gehörlos bin. Ich hätte in einer Situation wie der, im Video beschriebenen, wahrscheinlich auch nicht viel besser dagesessen. Man weiß nicht, was die eigentlich von einem wollen, sieht aber das die wohl sauer aussehen. Vielleicht können sie nicht verstehen was man sagt,weil man nicht deutlich spreche… Und ich bin einentlich eine selbstbewusste Person.

  9. Ich find das Video gut. Wir kennen ja die Vorgeschichte nicht. Vielleicht hat er ja schon gebärdet? Die Polizisten, die ihn befragen müssen auch nicht die gleichen sein, wie die die ihn aufs Revier gebracht haben. Die Message ist: Guck mal genauer hin.
    Ich finde es wichtig, dass in der Gesellschaft stärker auf das Thema Schwerhörgkeit hingewiesen wird. Flotthörende können das oft nicht verstehen oder nachvollziehen. Ich habe mal ein paar Leuten das Klangbeispiel aus dem letzten Post vom Hören mit Hörgerät der Kirche vorgespielt. Ich glaube das hat einigen die Augen geöffnet.
    Taubheit ist eben nicht auf den ersten Blick sichtbar und nur die wenigsten können sich vorstellen wie es ist schwerhörig zu sein.

  10. “Man weiß nicht, was die eigentlich von einem wollen, sieht aber das die wohl sauer aussehen.” (Zitat Luise)

    Ja, das fällt mir auch auf, dass sehr schnell mit Ärger reagiert wird, wenn jemand nicht sofort versteht. Für Normalhörende ist Nichtverstehen nur gleichbedeutend mit Provokation und Verweigerung. Wie dumm …

    Positiv an dem Spot finde ich übrigens, dass nicht immer die Rollifahrer als übliche Symbole für Behinderung herhalten müssen. Mein Eindruck insgesamt ist auch, dass Gebärden bald hipp werden, denn Hörbehinderung wird nicht mehr wie bisher mit unattraktiver Altersschwerhörigkeit verbunden. Deshalb ist die Präsenz von jungen, selbstbewussten und mitmischenden Gehörlosen in einem Spot viel aussagekräftiger als bekannte Schauspieler in überzogener Spielfilmdramatik. (An dieser Stelle nochmal der Hinweis auf die junge Künstlerin Christine Kim Sun, die als Persönlichkeit ein ganz anderes Bild von Gehörlosigkeit vermittelt, fern ab von jedem Klischee.)

  11. @flor: “Mit diesem Clip will die Bundesregierung für keine geringeren Themen als Inklusion und Barrierefreiheit werben (und nicht etwa die örtliche Volkshochschule für den Gebärdensprachkurs, den sie neuerdings anbietet).”

    Umgekehrt: Der VHS-Kurs ist bedeutender!
    Was hat die Welt davon, wenn im Kino die Gutmenschen bei dem Spot denken: “OK, ich finde Inklusion von Behinderten echt total gut, geht klar. Habe damit selbst nix zu tun, kenne keine Gehörlosen.”

    Wenn es aber alltäglich wird, einfach mal VHS-Gebärdenkurse zu machen, weil man die Sprache interessant findet: Perfekt! Ich kenne einen städtischen Kindergarten (keine spezielle Fördereinrichtung!), der einfach mal so Gebärden für hörende Kinder angeboten hat und die Kinder lernten sie gern – einfach so, spielerisch. DAS ist der richtige Ansatz. Mir ist Machbarkeit im Alltag sehr viel lieber als reine Gutmenschenkampagnen im Kino – egal wie originell der Spot ist. Solange man keine Gebärden kann, steht man gegenüber Gehörlosen doch weiterhin doof da, auch wenn man Inklusion “irgendwie total gut findet”.

    Der Spot wird zur Realsatire, wenn gleich danach im TV oder Kino ein Film ohne Untertitel läuft, den Gehörlose absolut nicht verstehen können. Wie clever ist das denn?

    Es liegt ja oft nicht an der Hörfähigkeit, sondern an der Denkfähigkeit.

  12. @Luise: Hat sich der Polizeibeamte bei Dir entschuldigt? Und hast Du den Zwischenfall bei der zuständigen Dienststelle gemeldet?

    Deine Erfahrung und auch die oben erwähnten Vorfälle untermauern die Forderung nach Sensibilisierungstrainings bei der Polizei (und auch anderen Behörden). Solche Schulungen werden immerhin in Rheinland-Pfalz seit Kurzem durchgeführt: http://www.lzg-rlp.de/fileadmin/pdf/2012_Polizei-und-Behinderung-Broschuere.pdf

    @Tastybites: „Flotthörende können das oft nicht verstehen oder nachvollziehen.“ Da stimme ich Dir voll zu. Ich bin vor einigen Wochen durch dieses Blog auf das Thema Schwerhörigkeit gestoßen und ziemlich erschrocken über meine Ahnungslosigkeit – und der Tendenz zu verharmlosen.

    Um mich aus meiner ignoranten Ofenecke hervorzulocken, hätte der Werbefilm aber stärker die Perspektive der gehörlosen Figur offenlegen müssen – wie es zum Beispiel der Eintrag von Luise vermag.

    Für diese Möglichkeit zum (wenigstens annähernden) Perspektivwechsel bin ich übrigens sehr dankbar.

  13. @Pia: Schön dass Du auf meine – ein wenig polemisierend gemeinte – Bemerkung eingehst. Deine Ausführungen setzen allerdings voraus, dass die Leute im Kino Inklusion befürworten und überhaupt schon offen genug sind, einen Gebärdensprachkurs in Erwägung zu ziehen (korrigiere mich, wenn ich falsch liege).

    Was ich in meinem Alltag erlebe, ist allerdings anders: Wenn ich nur das Wort „Barrierefreiheit“ erwähne, spüre ich, wie innerlich die Augen gerollt werden. Ich habe noch nicht ganz verstanden, was die Gründe sind, aber meine Kollegen raffen sich nicht dazu auf, auch nur richtig über Maßnahmen zur Barrierefreiheit nachzudenken, geschweige denn Zeit und Geld dafür zu investieren. Es reicht noch nicht einmal zu Lippenbekenntnissen. Als ein Gebärden-Dolmetscher gebucht werden sollte, kam vom Chef ein Kommentar, der mir echt die Schamesröte ins Gesicht trieb.

    Aus Gesprächen mit Bekannten höre ich heraus, dass sie es ablehnen, ihr Kind auf eine Schule zu schicken, in der Inklusion gelebt wird. Sie scheinen zu befürchten, ihr Kind würde da unterfordert. Die Liste mit Beispielen für dieses abwehrende Verhalten könnte ich noch fortsetzen. Und deshalb rege ich mich so über diesen Spot auf. Weil er bei diesen Leuten überhaupt nichts bewegen wird.

  14. Ich finde den Spot deswegen gut, weil er spannend erzählt ist und nicht mit dem Zeigefinger daher kommt: Achtung, obacht aufgepasst, jetzt lernen wir mit Behinderten umzugehen. Das funktioniert nicht und schafft eher das Gegenteil von dem was man erreichen will. Der Spot schafft keinen Perspektivenwechsel, da stimme ich zu. Aber rückt die Gehörlosigkeit mehr ins Bewusstsein. Bevor mein Sohn taub auf die Welt kam habe ich mich auch nicht mit Schwerhörigkeit/Cis und Hörgeräten beschäftigt. Dazu gab es ja auch keinen Anlass. Deswegen finde ich es gut, wenn man die Gesellschaft sensibilisiert.

  15. @flor zu ” Und deshalb rege ich mich so über diesen Spot auf. Weil er bei diesen Leuten überhaupt nichts bewegen wird.”

    Ich hoffe, der Spot erhöht die Zahl derer, die für DGS sind und Gehörlosigkeit nicht als Defizit sehen. Und je mehr es Befürworter gibt, desto leichter kann Inklusion und Barrierefreiheit umgesetzt werden.

    Wie würde ein Spot, der Ablehner zum Umdenken bewegt, deiner Meinung nach aussehen können?

  16. @Martin: Um so einen Spot zu konzipieren, muss man erstmal dem nachspüren, warum manche Leute kein Interesse an der Inklusion von Behinderten haben und daher auch nicht an Barrierefreiheit. Ich höre bei vielen die Vorstellung heraus, dass barrierefreies Design sehr teuer und kompliziert ist, blöd aussieht und dabei nur einer kleinen Gruppe dient – also nicht lohnt.

    Dazu kommen die Bedenken, dass die unterschiedlichen Formen von Behinderung beim barrierefreien Design miteinander kollidieren (man denkt sich ein tolles Bodenleitsystem für Sehbehinderte aus, das dann wiederum für die Rollstuhlfahrer hinderlich ist. Oder man macht extra einen Crashkurs in Gebärdensprache und dann kommen nur Kunden, die Infos in Braille-Schrift wollen, etc.). Es entsteht der Eindruck, man könne es sowieso nie allen recht machen und deshalb lässt man’s gleich ganz sein.

    Was die Eltern angeht, die sagen: “Inklusion ja, aber keine Bildungsexperimente mit meinen Kindern”, – ich glaube, die brauchen einerseits Information, andererseits einen positiveren emotionalen Zugang zu der Sache und vielleicht doch ein bisschen den Zeigefinger “Dein Kind könnte auch jederzeit eine Behinderung abbekommen.”

    Dann gibt es Menschen, die das Thema aus unausgesprochenen Motiven rundheraus ablehnen. Ich glaube, sie wollen keine Barrierefreiheit, ganz einfach weil sie keine behinderten Menschen um sich wollen. Die erinnern sie nämlich immer daran, wie sehr auch sie selbst abhängig sind von der Funktionalität ihres Körpers (den sie oft schlecht behandeln). Wenn sie diesen Gedanken weiterdenken, wird es ihnen flau. Und das gilt es zu vermeiden.

    Für die letzte Gruppe sehe ich wenig Hoffnung. Um die anderen ins Boot zu holen, müsste der Werbespot wohl auf ihre Bedenken oder Ängste eingehen, sie widerlegen, konterkarieren oder ihnen mit Humor beikommen. Auf jeden Fall müsste er sie ernst nehmen.

  17. @flor, deinen vielen Gedanken schließe ich mich an. Humor halte ich für das beste Mittel.

  18. Genau. Vielleicht sogar besser als “den Vorurteilsstrukturen nachspüren und daran anknüpfen”. Ich kann mir vorstellen, dass zumindest auf das männliche Publikum der ONCE-spot, den flor gepostet hat, gut wirkt. Ich finde ihn toll. Die Gehörlosen sind souverän (bzw. normal unsouverän) und am Ende will man am liebsten Gebärdensprache lernen.

    Luise, das ist ja heftig. Danke fürs Teilen! Ich glaube solche Sensibilisierungstrainings, auf die flor hinweist, sind ganz wichtig, würde gern mal wissen wie so etwas abläuft. Nur vom einmal Broschüre lesen, kann ich mir kaum vorstellen, dass z.B. Dein Erlebnis nicht passiert wäre.

  19. “Behindern ist heilbar” ist höchst verwirrend bzw. abstrus. Während einige Gehörlose sich nicht als Behinderte sehen bzw. fühlen, aber doch viele CI-Träger und Schwerhörigen, die sich gesellschaftlich “akustisch behindert” fühlen. Ich provoziere hier schon mal gerne: Was ist, wenn hörende Mediziner nicht das Cochlear Implantat und Hörgeräte erfunden hätten, was hättest du denn dann gemacht? Dich von einer Brücke geworfen? Mit Schlaftabletten vergiftet? Den Puls geöffnet? Warum? Nur weil dir ein Sinn “fehlt”? In diesem Sinne sind für CI-Träger und Schwerhörige “heilbar” geworden.

  20. Interessante Gedanken, doch mir helfen sie nicht weiter. Ich denke, der Slogan regt zum Umdenken bei den Nichtbehinderten an. Bei all denen, denen es so gut geht, weil sie keine Behinderung durch andere erfahren, auch keine “akustische Behinderung”.

    Zu deiner Frage: Ich hätte die 10. Symphonie geschrieben. Beethoven war ja auch taub, als er seine 9. schrieb, und er konnte nicht auf ein CI oder Hörgeräte zugreifen. Ich trage Hörgeräte. Jetzt kann ich keine Symphonie mehr schreiben, Dumm gelaufen …

  21. hewritesilent, hm, also den reinen Slogan (mal vom Video ganz abgesehn) finde ich eigentlich ziemlich gut. Es geht ja dabei rein sprachlich gar nicht um die “Behinderten”, sodnern um “die Normalos”: Andere Leute behindern ist heilbar, im Sinne von: Das kann man einfach ausschalten.

    Och, Martin, so eine kleine Synfonie? Nur ne ganz kleine? : )

  22. Nochmal ich (sorry, die Gedanken gehen nicht aus). “Behindern ist heilbar” – brrr, das klingt doch total bemüht! “Heilbar” gehört für mich zu “Krankheit” und “Verletzung”, in einem Satz mit “Behindern” – geht gar nicht. Finde ich auch “höchst verwirrend und abstrus”.

    Die Idee hinter dem sprachlichen Malheur ist natürlich sowas wie “Nicht der Behinderte ist krank, sondern die Situation, die ihn behindert”. Das finde ich grundsätzlich schon einen richtigen Ansatz. Nur: Wer sendet hier nochmal diese Botschaft? “Behindern ist heilbar” – von einem Behinderten würde ich mir das ja sagen lassen, aber nicht von einem Bundesministerium, in dem die Partei regiert, die die systematische Ausgrenzung von Behinderten politisch verantwortet. Ich mich von denen heilen lassen? Nö.

    Das mit der 10. Sinfonie, die ich nun nie hören werde, finde ich natürlich auch sehr schade.

  23. @Tastybytes: “Bevor mein Sohn taub auf die Welt kam habe ich mich auch nicht mit Schwerhörigkeit (…) beschäftigt. Dazu gab es ja auch keinen Anlass.”
    Ja, geht mir auch so! Wenn es mich nicht selbst erwischt hätte, ich würde mich für das Thema Hörbehinderung ganz sicher nicht interessieren. Also, den Spot finde ich nur gut, weil die beiden Typen mit Gebärdensprache am Schluß echt entspannt und smart rüberkommen.

    @hewritesilent:
    Warum so spöttisch? Sind Selbstmordgefährdete für dich so lächerlich?
    Was würdest du denn tun, wenn du morgen deinen Sehsinn verlieren würdest? Dich natürlich auf Brailleschrift freuen und immer total gut drauf sein – klar, glaube ich dir sofort. Ist ja bloss so ein läppischer “Sinn”, nix Dolles. Ha ha ha. Wie lustig. Und du würdest jede Verbesserung, die das Sehen zurück bringen könnte, natürlich vehement ablehnen.
    Tüüüüürlich.

  24. Hui Pia Butzky! Apropos Sehsinn. Bin ich dennoch blind… was habe ich für Möglichkeiten? Da bin ich sehr stark / noch stärker auf andere Leute angewiesen, musst die anderen bitten, mit mir einkaufen zu gehen, damit ich nicht ins falsche Regal greife und statt Quark ne Portion Butter kaufe. Hören ist ein sehr wichtiges Sinnesorgan, das stimmt, ABER mir wäre viel lieber hörgeschädigt, als blind! Taubblind und Suizid? starker Tobak!

  25. Deine einzige Sorge bei Erblindung wäre, dass du statt Quark womöglich Butter kaufen könntest? Ist das wirklich das Wichtigste, bist du sicher?
    Mmh, interessant.

    Scherz beiseite: Ich denke, du hast den Vergleich mit dem Sehsinn sehr gut verstanden, wenn es um die Auswirkung von Sinnesverlust geht. Lassen wir es einfach dabei.

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