Archiv der Kategorie: Being ‘Not quite like Beethoven’

Der Karnevalsanfänger

Fünf Tage Hörtraining unter schwierigsten Bedingungen haben ein Ende. Und wie jedes Mal hinterher frage ich mich, ob die Ohrwürmer schlimmer oder angenehmer wären, wenn ich den Text tatsächlich verstehen würde.
Freue mich auf die nächste Trainingssession in neun Monaten!

Sage “Ich dich auch” am Telefon…

…stellt sich raus, dass sie “Guten Appetit!” gesagt hat.

Speculoos — oder: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Seit sie ihn eines schönen Sonntagmittags bei einer Freundin probiert hatte, sprach Lisa von kaum etwas anderem mehr als von diesem fantastischen Brotaufstrich: Speculoos. Ein irrwitzig süßes Zeugs aus Belgien — Karamellkekse in halbfestem Aggregatzustand, so dass sie auf der Zunge zerlaufen und  sofortigen Zuckerflash auslösen. Unerhört, ja unanständig gut. Lisa wollte ein Glas für sich allein.

Nachdem wir in drei eigentlich gut sortierten Supermärkten hintereinander kein Glück hatten, schlug ich vor, ins KaDeWe zu gehen; meiner Erfahrung nach gab es da alles. Dort angekommen durchforsteten wir die Feinkostabteilung — fanden aber nichts. Lisa, schon ein wenig geknickt, sprach einen der Verkäufer an.

“Haben Sie vielleicht diesen belgischen Brotaufstrich? Speculoos?”
“Spekulatius?” Der Verkäufer sah Lisa freundlich an.
“Ja.” Die Falte zwischen Lisas Augenbrauen löste sich.
“Brotaufstrich aus Belgien, nicht wahr?” Der Verkäufer lächelte.
“JA.” Lisas Vorfreude war unübersehbar.
Dann verfinsterte sich die Miene des Verkäufers: “Nein. Haben wir nicht. Tut mir leid.”

Voll auflaufen lassen hatte er Lisa. Das zumindest dachte ich, bis der Verkäufer sich wegdrehte und ich seine Hörgeräte sah.

Er hatte alles richtig gemacht. Hatte nachgefragt. War erst sichergegangen, dass er richtig verstanden hatte, bevor er ins Blaue Auskunft gab. Tja, dachte ich, als ich mit der konsternierten Lisa wegging, erst einmal ein Bier zu trinken. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Beim schwerhörigen Verkäufer nämlich.

Casanova wider Willen — oder: Wie ist es eigentlich, schwerhörig zu sein?

Wie ist es eigentlich, schwerhörig zu sein? Nun, manchmal gerät die Sache etwas außer Kontrolle und man wird zum Casanova wider Willen. Ich habe ein kleines Video gedreht und hoffe, es macht Euch Lust auf mein neues Buch Taube Nuss. Nichtgehörtes aus dem Leben eines Schwerhörigen. (Hier die facebook-Seite zum Buch.)

Ist Euch so etwas auch schon einmal passiert?

Taube Nuss ganz frisch!

Unboxing Taube Nuss

Ich war schon lange nicht mehr so aufgeregt wegen eines Pakets. Mein Buch ist da — ein richtiges, echtes Buch. Von mir geschrieben (das hätte ich mitunter selbst beim Schreiben nicht gedacht).

Und wenn Ihr möchtet, könnt Ihr es auch bei dieser kleinen Buchhandlung bestellen, in der ich öfters meine Bücher gekauft habe, als ich klein war. Dort gibt es auch das erste Kapitel als Leseprobe. (Leider nicht verlinkbar, daher bitte einfach durchklicken.)

“Es reicht nicht, schwerhörig zu sein, Baby — Du musst auch noch gut damit umgehen!”

Am Schlimmsten sind diese Momente, in denen man eigentlich nichts als Zuspruch und Motivation braucht — aber dennoch eine ordentliche Watschen bekommt. So wie heute mein Bekannter D.

Als er nach einem Hörsturz plötzlich kaum noch etwas hörte, entschloss er sich ziemlich schnell zu elektrischen Ohren, also Cochlea-Implantaten (CIs). Dann kehrte er wieder ins Berufsleben zurück, allerdings bei einem anderen Arbeitgeber. Telefonieren war ein wichtiger Teil des Jobs. Dem Arbeitgeber und den Kollegen erzählte er zunächst nichts von seiner Schwerhörigkeit. Erst als die Nerven nach ein paar Monaten blank lagen, weil er bei jedem Telefonklingeln in Panik geriet, ob er den Anrufer auch verstehen würde, überlegte er hin und her, ob er es vielleicht doch erzählen sollte. Schließlich erzählte er es. Das Gespräch war wohl nicht schön. Er wurde nach Ende der Probezeit nicht weiterbeschäftigt. Seine ansonsten guten Leistungen hätten keine Rolle gespielt, sondern nur dass er nicht richtig funktioniert habe.

Danach hat er an die 50 Bewerbungsgespräche gehabt und keines davon hatte den gewünschten Erfolg. Immer wieder das Gleiche, sagte er, so viel Aufklärungsarbeit sei noch zu leisten. Immer wenn er das CI offen erwähnt habe, dann sei er in der ersten Runde gescheitert, wenn er es verschwiegen habe, dann oft erst in der zweiten. Die Gesellschaft wisse einfach nicht genug über die Möglichkeiten und Grenzen von Schwerhörigen im Allgemeinen und CI-Trägern im Besonderen. Und die Behörden, die seien eben auch oft nicht hilfreich.

So sehr ich den letzten beiden Sätzen auch zustimme. Bei solchen Geschichten glaube ich, liegt der Hase zumindest teilweise auch anderswo im Pfeffer als bei der Gesellschaft.

Ich sagte also nur sehr kurz: “Och, verdammt, Recht hast Du. Diese Idioten, komm, wird schon. Mach Dir nichts draus, werden schon sehen, was sie davon haben.”

Dann sagte ich: “Wer soll denn den Arbeitgeber aufklären außer Du selbst? Wer, außer Dir selbst, soll den Leuten, die Dir im Vorstellungsgespräch gegenübersitzen, denn einen Eindruck vermitteln auf was sie sich einlassen, wenn sie Dich nehmen? Wer außer Dir soll darüber bestimmen, was Du kannst und was nicht? Wenn überhaupt irgendjemand im Vorhinein eine Einschätzung darüber treffen soll, ist es doch besser, man macht es selbst. Wenn Du herumdruckst oder ganz schweigst, stehen die Chancen gut, dass Du später mal nicht nur ein Problem hast, sondern selbst eins wirst für Deinen Chef. Wenn Du es offen ansprichst und erzählst, wie Du damit umgehst, hast Du die Chance, Dich als Problemlöser zu präsentieren.”

Das ist alles nicht einfach. Als ob es nicht schon schwer genug wäre, nur schwerhörig zu sein. Aber das reicht eben nicht. Und daran kann man nicht nur den anderen die Schuld geben.

Nachstehend “Autor” genannt

nachstehend "Autor" genannt

Yippieh, es wird ein Buch geben vom Herrn Not quite like Beethoven, und es wird im Spätsommer 2013 bei Rowohlt erscheinen. Das freut mich sehr!

Ich hoffe, Euch auch. Jedenfalls könnt Ihr nicht gespannter sein als ich. Lese mir jedenfalls gerade zum ersten Mal mein eigenes Blog wieder richtig durch. Im Augenblick werkeln wir besonders an Cover und Titel. Ich halte Euch auf dem Laufenden…