Archiv der Kategorie: Misc

Next Stop: Leipziger Buchmesse

Ich lese am 14.3. um 19 Uhr im Nikolai-Eck. Ihr seid alle eingeladen!

Schön war’s in Kölle

10x15 Lesung Köln-187

Das war am 21.2. im Café Franck.

Auf der Couch — oder: Schwerhörige können alles, außer gut hören.

Manon war eine tolerante Frau. Sie kannte viele Schwerhörige. Und sie war Schwäbin. “Ist doch klar”, dachte sie darum, “Schwerhörige können alles. Außer gut hören.” Zum Beispiel konnten sie exzellente Psychoanalytiker sein.

Weil sie das so empfand, und es ihr nach einigen Sitzungen deutlich besser ging, machte es ihr auch nichts aus, sich öfters zu wiederholen, wenn Dr. Reitenberger sie wieder einmal nicht verstand. “Ist doch klar”, dachte sie, “so wie er da am Kopfende der Couch sitzt, nebenher Notizen machen muss und wie ich von ihm abgewandt auf der Couch liege — kein Wunder, dass der Arme da Probleme hat. Nicht mal Lippenlesen kann er aus der Position!”

So dachte sie mehrere Monate lang. Bis sie eines Tages nach der Sitzung im Treppenhaus auf eine Nachbarin stieß. Dr. Reitenbergers Praxis befand sich nämlich in einem Wohnhaus. “Sie müssen Manon sein”, begrüßte sie die Nachbarin und lächelte schräg: “Ich habe schon so viel von Ihnen gehört. Eigentlich jedes Mal wenn Sie beim Dr. Reitenberger sind. So laut, wie Sie mit ihm reden.”

Manon erblasste.

Radiogespräch Taube Nuss bei “Scala”

Foto: Thorsten Wullf

Foto: Thorsten Wullf

Schönes Gespräch, angenehme Leute, spannende Sendung. Ich mag WDR5 und Scala, und freue mich, dass die sich für mein Buch interessiert haben.

Barrierefreier TV-Beitrag über mein Buch “Taube Nuss”

Sehen statt Hören, Beitrag vom 15.2.2014

Achtet in dieser Ausgabe von “Sehen statt Hören” (ab 17″50′ Beitrag über mein Buch “Taube Nuss”) mal auf den Gebärdensprachdolmetscher: Christian Pflugfelder bringt meine Geschichten so unglaublich gut rüber! Bin völlig hingerissen.

Bad Lipreading: Wer weniger versteht, hat mehr zu lachen.

Da sieht man mal, was einem alles entgeht, wenn man immer gleich richtig versteht. Was für eine Einschränkung! Was habe ich gelacht! Untertitel sind übrigens vorhanden.

Ich weiß nicht, wer sich hinter “bad lipreading” verbirgt oder wie sie auf die Idee gekommen sind, aber ich finde es großartig. Was man auch sieht, und zwar sehr deutlich, ist, dass reines Lippenlesen nicht geht. Die Lippenbewegungen völlig verschiedener Worte sind einfach nicht unterscheidbar. Damit Lippenlesen zuverlässig funktioniert, muss man zusätzlich im Kopf zumindest eine Vorstellung dessen haben, was gesagt wird. Was im Normalfall z.B. am Arbeitsplatz geredet wird, in der Kneipe oder auf dem Fußballplatz. Wird dann doch mal etwas Überraschendes gesagt, wird’s schwer bis unmöglich.

Und falls jemand mit Game of Thrones nichts anfangen können sollte, hier — ebenfalls hehehe — für die politisch Interessierten unter uns:

Transkript für den Beitrag über die “Taube Nuss” im ZDF

Über diesen Beitrag im ZDF freue ich mich noch immer. Leider gab es keine Untertitel. Jetzt aber kann ich Euch endlich ein Transkript zur Verfügung stellen. VIELEN Dank an Philipp und Katharina von Hören ohne Barriere e.V. für diese Unterstützung!

Zum Transkript hier entlang:

Weiterlesen

Lesungen aus meinem Buch “Taube Nuss”

Taube Nuss Buchcover
Es wird in den nächsten Monaten einige Lesungen aus der Tauben Nuss geben. Freue mich, hier die nächsten anzukündigen: Essen, Hannover, Köln. Und Leipzig.

  1. ESSEN
    Mi, 12.2.2014, 19 Uhr
    Kommunikationsforum (KoFo) Essen
    Internat für Hörgeschädigte
    Curtiusstr. 4
    Essen-Frohnhausen
  2. HANNOVER
    Fr. 14.2.2014, 18 Uhr
    Deutsches Hörzentrum (Foyer)
    Karl-Wiechert-Allee 3
    30625 Hannover
  3. KÖLN
    Fr. 21.2.2014, 20 Uhr
    Café Franck / Shibuya-Lounge
    Eichendorffstr. 30 / Ehrenfeldgürtel
    50825 Köln
  4. LEIPZIG (im Rahmen der Leipziger Buchmesse)
    Fr. 14.3.2014, 19 Uhr
    Nikolai-Eck
    Nikolaikirchhof 4
    04109 Leipzig

Radio-Tipp: hr iNFO über Ertaubung, mich und Hören mit elektrischem Ohr

Der Hessische Rundfunk hat sich mit mir unterhalten und dabei ist ein ganz interessantes Gespräch herausgekommen. (Auf hr iNFO Radio heute 15:05 und morgen 14:05h; mp3 hier.)

Nebenbemerkung: Ich bin ziemlich zufrieden mit dem Stück — genauso wie ich mich auch wahnsinnig über dieses ZDF-Stück hier freue. Leider gibt es senderseitig hier wie dort keine Barrierefreiheit (hier kein Sendemanuskript, dort keine Untertitel). Ich möchte aus diesem Anlass noch mal hervorheben, wie entgegenkommend die jeweiligen Redakteurinnen waren, wenn es um die Erstellung von Untertiteln bzw. Sendemanuskript ging, sie haben versucht, vieles in Bewegung zu setzen. Aber individuelles Engagement reicht halt nicht. Gescheitert sind sie dann an den Strukturen, in denen sie arbeiten. Wird höchste Zeit, das sich da was ändert, es müssten Wege gefunden werden, die Erstellung von Untertiteln, Manuskripten (oder auch Bildbeschreibungen) in die Prozesse einzubauen. Wie Christiane es ausdrückt, in ihren Kaffeesatzlesereien für 2014:

Bei einem Überschuss von 500 Millionen Euro an Rundfunkabgaben, ist es nicht zu verstehen, warum ARD und ZDF ihr Programm nicht endlich vollständig untertiteln. Mit dem Geld könnte man nicht nur untertiteln, sondern auch noch die Bildbeschreibungen für blinde Menschen massiv ausbauen. Zumindest sollten die Sender 2014 in der Lage sein mitzuteilen, bis wann sie die 100% Untertitel erreicht haben.

“Taube Nuss” in der ZDF-Mediathek (Beitrag in “Volle Kanne”)

Hier der Link zum Beitrag, der gestern im ZDF-Vormittagsfernsehen “Volle Kanne” lief. Über mich und mein Buch. Ist gut geworden, finde ich. : )

TV-Tipp: Wege aus der Stille — Wege zum Glück?

Die ARD hat eine Themenwoche, “Zum Glück”, und thematisiert in diesem Rahmen auch das elektrische Ohr (Cochlea Implantat). Ist der Weg aus der Stille, also aus der Taubheit, auch der Weg zum Glück? Unter welchen Bedingungen?

In einer halben Stunde Sendezeit kann man eine Geschichte ja schon differenziert erzählen, ich bin also gespannt was Claudia Banse aus der Geschichte einer Zahnärztin aus Leidenschaft, Kirsten K., macht (HR Fernsehen, Donnerstag, 21.11. 18:50 Uhr und Freitag, 22.11. 11:35 Uhr).
Kirsten ist in diesem Blog ja keine Unbekannte (z.B. hier), und dass ich sie und ihre Geschichte persönlich kenne, macht mich noch gespannter.

 

Video: Wie ist es eigentlich, schwerhörig zu sein?

Manchmal starrt einen eben eine ganze Busladung Menschen an. Ein kleiner Ausschnitt aus der ersten Taube-Nuss-Lesung in Wiesbaden, den Text habe ich als Zugabe gelesen.

Last Night

Setlist_Booklaunch-Lesung

Die Taube Nuss ist schon vor fast zwei Monaten erschienen — jetzt ist endlich auch die erste Feier mit Lesung dazu vollbracht (wegen Kleinheit invite only). Ab ging’s im Atelier, die Band rockte, die Stimmung war bombig. Hat Lust auf mehr gemacht! Bin gespannt, wo ich demnächst noch so lesen werde, einiges ist schon in der Planung. Ihr könnt Euch freuen, jedenfalls hoffe ich, dass Ihr das macht.
Übrigens, Einladungen — am liebsten in Bars, Cafés, Ateliers etc. — nehme ich auch gerne an…

Veranstaltungstipp: Inklusion geht alle an

Fast jeder fünfte Mensch in Deutschland hört schlecht, bei den über 70-jährigen jeder zweite. Auch immer mehr Jugendliche sind darunter. Der demographische Wandel ist Fakt. Es wird in den nächsten Jahren immer mehr Schwerhörige geben. Gut, dass am 6. November 2013 in Stade ein Symposium zum Thema “Besser hören für Alle” stattfindet.

Die crowdgesourcte Selbsthilfegruppe

Die oft beste helfende Hand findet man am Ende des eigenen Armes. Ein gutes Prinzip. Bei Selfpedia wird dies nun mit dem Konzept Schwarmintelligenz gekreuzt. Und das Ergebnis ist beeindruckend. Informationen, so gut wie aus einer passenden Selbsthilfegruppe — aber ohne dass man diese erst finden und hingehen können muss. Ohne die Beschränkung auf Anwesende.

Eine Frage-und-Antwort-Plattform für Menschen mit Behinderung, pflegende Angehörige und alle Interessierten. Wir wollen hier das Thema Behinderung in den Mittelpunkt rücken und ein Netzwerk aufbauen, in dem sich alle mit ihrem Erfahrungsschatz gegenseitig unterstützen können.

Ich habe mich gleich mal registriert. Aber guckt und seht selbst: –>klick<–

“Taube Nuss” — Facebook-Seite zum Buch

Bildschirmfoto 2013-09-16 um 21.41.37Schaut doch einmal herein, ich freue mich über Euren Besuch.

Kreislauf von Armut und Behinderung stoppen (change.org-Initiative)

Diese Initiative hat meine Stimme:

In Entwicklungsländern bilden Behinderung und Armut oftmals einen verhängnisvollen Kreislauf: Wer mit einer Behinderung lebt, hat schlechtere Bildungschancen, findet schwer Arbeit und wird sozial oft ausgegrenzt. Extreme Armut ist die häufige Folge. Wir fordern die Bundesregierung auf, sich dafür einzusetzen, dass bei der Formulierung der zukünftigen internationelen Entwicklungsziele Menschen mit Behinderungen explizit genannt werden.

Sag mir was Verbotenes — aber so, dass es alle hören!

Eine Station nur noch musste ich mit dem Bus fahren, aber leider hatte ich keine Fahrkarte.

“Einmal Kurzstrecke, bitte”, sagte ich darum nichtsahnend beim Einstieg zum Fahrer.

“Gaidiyo!”, oder so etwas Ähnliches hörte ich hörte ich den Fahrer leise sagen. Er legte die Hand auf den Fahrkartendrucker neben seinem Sitz und blickte mir auffordernd in die Augen.

“Wie bitte, wie viel?”

Der Fahrer blickte nach hinten, wo uns ein halbes Dutzend Fahrgäste neugierig ansahen, und warteten, dass endlich die Fahrt weiterging. “GaidiYO!” antwortete er dann, nun etwas lauter, aber immer noch mit zusammengebissenen Lippen.

Nicht laut genug für mich. Ich sah ihn verständnislos an. Als Schwerhöriger bekommt man ja oft gesagt, es sei doch eigentlich alles ganz einfach. Man solle einfach Bescheidsagen, wenn man etwas nicht versteht. Ich hatte mir nicht nur diesen freundlichen Ratschlag meiner Mitmenschen zu eigen gemacht, ich hatte auch auf die harte Tour gelernt, wie peinlich es für mich enden konnte, wenn ich einfach annahm, richtig verstanden zu haben. Obendrein beobachteten uns ja die restlichen Fahrgäste. Vor denen wollte ich nicht schlecht aussehen. 

“Entschuldigung, ich höre schlecht. Könnten Sie das noch einmal und etwas lauter sagen?”

Der Fahrer lief rot an. “Da will man mal nett sein… GEHEN SIE EINFACH DURCH, verdammt noch mal.” Er sah nach hinten zu den anderen Fahrgästen. “Und Sie haben alle nichts gesehn, klar?!”

Betreten setzte ich mich auf den nächstgelegenen Platz. Meine Sitznachbarin musterte mich amüsiert, sagte aber nichts.

Und ich dachte, nur im Bett gibt es solche Momente.

 

Buchtipp: “Hearing Stories” — besonders für Akustikerinnen und Akustiker!

Meinem Akustiker habe ich das Buch schon ans Herz gelegt, diese Fundgrube von Textstücken, Interviews und Aussprüchen zu allem, was man hören kann oder eben nicht. Mit Hearing Stories. Geschichten, Gespräche und Gedichte über das Hören haben Rainer Hüls und Martin Schaarschmidt eine kleine Schatzkiste geschaffen, randvoll mit interessanten Infos über Sprache und wie Sprechweisen wahrgenommen werden, Fangesänge, Wiegenlieder und Begräbnismusik, das Hinhören und aufmerksame Zuhören, Klangkunst, das bewußte Geräusche-Machen, Aufnahmetechnik — und den Lärm, der die Ohren betäubt. Schließlich auch darüber, wie Musiker und Schauspieler mit Schwerhörigkeit umgehen

Spannend zum Beispiel auch, wie sehr die Wahrnehmung von etwas als Krach und schädlich von den eigenen Vorlieben abhängt:

Ich habe aus nächster Nähe Bombeneinschläge gehört, ich habe neben einer feuernden Flak-Batterie gestanden, mir ist der Lärm riesiger Düsenmaschinen vertraut — aber das hier war schlimmer! Seit gestern habe ich ‘Steine’ in den Ohren! Ich höre schlecht!
Heinz Kluge-Lübke, BILD-Reporter nach einem Konzert der Rolling Stones 1965

Aber alles hat zwei Seiten:

Es ist so furchtbar still. Mir fehlt der Krach!
Erich Kästner, Lyrische Hausapotheke

Also, wer eloquent übers Hören parlieren will, dem lege ich das Buch ans Herz.

Mad World

So eine Art Neujahrsgruß. Wunderschön anzusehen.

Les’ ich die ZDF-Website in der Nacht… Anderthalb Anmerkungen zum “Rundfunkbeitrag”

Unter dem Titel “Warum es gut ist, dass jetzt auch Sinnesbehinderte Rundfunkgebühren zahlen” hatte ich vor ein paar Monaten einmal versucht, zum Nachdenken über das neue Abgabenmodell für die öffentlich-rechtlichen Sender anzuregen. Und eigentlich wollte ich nun, da es in Kraft getreten ist, noch einmal etwas Ähnliches nachlegen.
Doch das ist mir gewissermaßen in den Fingern steckengeblieben!

Ich wollte gerne wissen, wie mir denn das ZDF selbst die neue Struktur erklärt. Das ist doch wohl nicht zuviel verlangt, oder? Dass sie sich selbst erklären und auch, warum ich als Sinnesbehinderter zahlen soll. Ich fand eine Website mit dem Titel “Der Wert des ZDF“. Super, dachte ich. Genau was ich suche. Doch was ich las, brachte mich erst zum Lachen und macht mich jetzt nachhaltig wütend:

Ziemlich am Anfang steht dort ganz lapidar der Satz:

Das ZDF “trägt auch zukünftig dafür Sorge, dass seine Programme auf allen digitalen Bildschirmmedien barrierefrei empfangbar sind.”

Was so ein kleines “auch” anrichten kann! Fehlte es, ich würde den Satz bejubeln. Es wäre genau das ehrliche und klare Bekenntnis, das mir (und vermutlich vielen anderen auch) gefehlt hat. Und dass mich meinen Beitrag einigermaßen beruhigt zahlen ließe. Aber mit dem “auch”? Soll das heißen: Es geht genauso schlecht weiter wie bisher? Es wird bestenfalls (vielleicht nach etwas Piekserei von Julia) rumgefrickelt wie bisher? Schwerhörigkeit bedeutet auch weiterhin Schmonzettenabo?
Hier paart sich wohl besinnungsloses Marketingsprech mit Freudschem Versprecher? Danke für die Klarheit, ZDF!

Klarheit brachte die Website unfreiwillig auch auf einem anderen Feld. Und das wird sicher besonders Muriel erheitern. Ich las weiter:

Aufgrund seines Programmauftrags, kann das Angebot des ZDF nicht als bloßes Wirtschaftsgut betrachtet und behandelt werden und darf daher auch nicht rein ökonomischen Steuerungsmechanismen überlassen werden.

Also bin ich neugierig. Was genau macht, dass es ein Fehler wäre, ausschließlich nach individuellen Kosten/Nutzen Profilen über die Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen zu urteilen (mein Argument im eingangs verlinkten Eintrag)? Was genau sagt das ZDF hier? Ich klicke — und es erscheint: Nichts. Hahaha! Guter Witz.

Wo und wie genau muss man eigentlich die Klage auf Verpflichtung auf das Ziel 100% Untertitel einreichen?

PS: “Nichts” erschien auch heute, 6.1.2013, um 11.30 Uhr noch.