Not quite like Beethoven

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Okay, dieses Mal hab ich aufgepaßt…

20. September 2009 · 1 Kommentar

…und habe die letzte Gruppe noch gesehen!

Marathon, Photo by Not quite like Beethoven, all rights reserved

Seit knapp 10 Jahren wohne ich an der Berliner Marathonstrecke, von Abwesenheiten mal abgesehen. Das heißt: Direkt etwa fünf Meter vor meinem Balkon spielt sich das ganze Spektakel ab, mit Lautsprecherdurchsagen, lautem Klatschen und anfeuernden Rufen. Vier Stunden lang. Bestimmt dreimal hab ich’s ganz verpaßt. Und oft war ich total überrascht beim irgendwann Vor-die-Tür-Treten oder Aus-dem-Fenster-Schauen.

Was soll ich sagen — es ist sonntags, ich schlafe ohne Hörgeräte und setze sie auch manchmal erst lange nach dem Frühstück ein.

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Was es so alles gibt: Plaudern als Prüfung – und Schwerhörigkeit als Qualitätskontrolle

22. August 2009 · 11 Kommentare

Eine der merkwürdigsten Erfahrungen, die ich durch meine Schwerhörigkeit habe, ist wie unsicher viele Menschen sind. Dadurch gerate ich in Rollen, die ich nicht will.

Immer wieder mal sagt jemand etwas zu mir, ich verstehe es nicht, frage nach — und erhalte als Antwort so etwas wie „Ach egal, nicht wichtig!“ Ziemlich häufig ärgert mich das. Dann finde ich es unfair, dass die anderen so eine zweite Chance bekommen. Natürlich darf jeder selbst entscheiden, was er sagen will. Aber so ist es doch schon einmal gesagt! Da finde ich, ich sollte mitentscheiden dürfen, ob es nun wichtig war oder nicht. Wie es zu verstehen und was dazu zu sagen ist. Ist doch bei mir auch so: Einmal gesagt und es ist draußen, die andere hat’s gehört. Und wenn’s halt dumm war — Pech gehabt. Besonders ärgerlich ist das, wenn es ein schwieriges, sagen wir, Beziehungsgespräch ist.

Aber solche Gespräche sind ja sowieso nicht angenehm. Und es geht auch um was, man kann mit Unbedachtem viel kaputt machen. Wirklich erstaunt hat mich aber die Wirkung meines unschuldigen „Wie bitte?“ in Plaudereien. Da höre ich überraschend häufig: „Bei Dir“ — soll heißen: wenn man öfters wiederholen muss — „merke ich, wie doof vieles von dem ist, was ich so sage.“

Hm. Tja. Gut, denke ich dann. Was soll ich denn jetzt dazu sagen? Ich bin natürlich total für Qualität in der Plauderei. Aber der Prüfer, der die Leute unsicher macht, so dass sie dann ne Schere im Kopf haben, oder gar der Lehrer? Nein. Das will ich nicht sein.

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Kleine Rechenaufgabe

4. August 2009 · 10 Kommentare

Der Kubikmeter Wasser kostet in Berlin etwa € 2,18, der Kubikmeter Abwasser etwa € 2,54. Wenn man also einfach nur das Wasser laufen lässt, kostet das — sagen wir der Einfachheit halber € 2,70 4,70 pro 1000 Liter.  Ein typischer Wasserhahn schafft vielleicht, hm, in 15 Sekunden einen Liter?

Was würde es dann eigentlich kosten, das Wasser von abends vorm ins Bett Gehen bis zum Aufstehen nach ausgiebigen zehn Stunden Schlaf voll aufgedreht laufen zu lassen? Nur mal so hypothetisch. Falls mir das mal passiert weil ich mal außergewöhnlich doof angeschickert zerstreut sein sollte und das rauschende Wasser nicht höre weil ich mal früh die Hörgeräte rausgenommen habe. Nur mal so hypothetisch. Und wie könnte ich dann mein aufgeregtes Öko-Bewußtsein beruhigen?

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Zuhören auf schwerhörig: Warum sagen Schwerhörige eigentlich so oft „jaja“ auch wenn sie nichts verstanden haben

24. Juli 2009 · 10 Kommentare

Sag’s doch wenn Du was nicht verstehst! Einer der Sätze, den Schwerhörige am häufigsten hören. Ich kenne ihn auch oft genug gemischt, mit ein bißchen Aggression, weil sich mal wieder herausgestellt hat, dass ich etwas nicht verstanden aber dennoch „jaja“ gesagt habe. Ich habe auf diese Weise sogar einmal den Umzug meiner Freundin verpaßt, bei dem ich eigentlich helfen sollte. Zumindest muss ich das annehmen, denn ich weiß nur, dass ich sie einmal anrief — und sie sagte: „Wir haben gerade alles zu zweit hochgeschleppt, danke.“ Sie hat es mir immer noch nicht verziehen.

Warum also sage ich und sagen all die andern nicht Bescheid, sobald ich etwas nicht verstehe? Sind die alle verschüchtert oder zu bequem? Nein. Es ist ein bißchen komplizierter.

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Unglaublich…

15. Juni 2009 · 2 Kommentare

…ein interessanter Artikel in der Bild am Sonntag: Wie sich Schwerhörigkeit anfühlt. Nichts wirklich Neues, aber sehr nett geschrieben. Helge Timmerberg ist ja nun auch ein spannender und nicht ganz unbekannter Autor! (Wer mag, sehe sich zB. die wirklich tollen Buchbesprechungen an, die er für die Zeit geschrieben hat, zu finden hier.)

In dem Text in der BamS hat mir besonders gefallen, wie er einmal versuchte, sich seiner Schwerhörigkeit zu entledigen. Ein kubanischer Voodoo-Doktor hatte nämlich den Grund dafür entdeckt:

Vor vielen, vielen Jahrhunderten hätte sich meine Familie an Zigeunern versündigt, und die hätten uns dafür verflucht. Für ein Honorar von 20 Dollar zwang der Voodoo-Mann den Fluch aus mir heraus und hinein in eine Flasche. Und Korken drauf. In das Meer sollte ich diese Flasche werfen, so weit wie möglich, damit sie nicht auf den Klippen zerschellt und den Fluch wieder frei gibt. Denn der ist verflucht schnell.

Ich hatte Gegenwind an der Ufermauer. Wolken jagten über der Bucht von Havanna, Wellen rollten wütend auf mich zu. Deshalb hatte ich den Motor des Mietwagens laufen lassen, auch die Fahrertür stand weit offen. Ich warf die Flasche ins Meer, sprang hinters Steuer und brachte den Fiat in 10,7 Sekunden von null auf hundert. Leider reichte das nicht.

Ich muss sagen: Ich hätte das ganz genauso gemacht. Denn man weiß ja nie.

UPDATE: Okay, jetzt wundert es mich auch nicht mehr so stark, solch einen Text in der Bildzeitung zu finden. Habe gerade entdeckt, dass der Text ein Wiederabdruck ist. Der war im Januar schon mal in der NZZ erschienen.

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Gibt es eigentlich…

12. Juni 2009 · 2 Kommentare

…für die Beschallung unterwegs auch MP3s wie „ruhige U-Bahnfahrt“ oder „Busfahrt mit zufälliger aber spannender Unterhaltung im Hintergrund“?

Heut morgen wär mir nach sowas gewesen. Weder das Original-Geplärre, noch Musik, noch Schwerhörigkeitsstille…

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Wie hört sich meine Schwerhörigkeit an? Hörbeispiele im Netz

6. Juni 2009 · 4 Kommentare

Bislang hab ich ja nur in Worten beschrieben, wie sich Schwerhörigkeit — meine Welt — mit und ohne Hörgeräte anhört . Jetzt hab ich dafür auch ein Hörbeispiel im Netz gefunden:

Hier hat Scott Bradley von der University of Wisconsin Beispiele für Hörminderung zusammengestellt und informativerweise gleich mit entsprechenden Audiogrammen versehen. So kann man sich das auch gleich grafisch angucken. Meins sieht in etwa aus wie das letzte, „profound hearing loss with residual low frequency hearing“. Ich habe noch etwas weniger Resthörvermögen. Die Files mit Störgeräusch sind gut um einen Eindruck davon zu bekommen, wie Hörgeräte klingen.

Weitere Hörbeispiele für verschiedene Formen von Schwerhörigkeit und Hörminderung gibts beim Online-Informationsportal der Audiotech Health Corporation, Hearing centre online. Und bei Phonak, einen Hörgerätehersteller.

[via you hear some funny things when you are deaf]

UPDATE: Ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie sich Schwerhörigkeit anhört, habe ich hier gefunden. Unbedingt mal reinhören!

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Ertaubung hört man — oder: Wieso können viele Schwerhörige nicht richtig sprechen?

6. Mai 2009 · 3 Kommentare

Ganz einfach: Wer sich selbst nicht richtig hören kann, kann kaum sprechen lernen. Und wer’s mal konnte, kann’s erstaunlich schnell wieder verlernen — sobald die Kontrolle durch das Hören fehlt. Das merke ich manchmal selbst am eigenen Leib. Nicht nur bin ich absolut unfähig zu flüstern, und manchmal rede ich zu laut. Sondern, wenn ich nicht aufpasse, auch schnell mal nuschelig oder lallig. Glücklicherweise geht das oft als Berliner Akzent durch.

Wie irrsinnig schnell das Sprechen leidet, wenn das Gehör weg ist, zeigt das Beispiel des US Radiomoderators Rush Limbaugh (hier ein schönes Portrait). Der macht auf seiner ultrakonservativen Rush Limbaugh Show schon seit Jahren alles Liberale und Demokratische fertig — vor regelmäßig weit über zehn Millionen Zuhörern. Hier neben einem Portrait auch ein paar typische Zitate von ihm und über ihn.

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Lippenlesen III: Mit Computer

1. Mai 2009 · 2 Kommentare

An der Universität East Anglia arbeitet eine Forscherguppe an einem lippenlesenden Computersystem. Welche Möglichkeiten für Schwerhörige! Endlich Live-Untertitelung von allem! Aber auch: Welche Überwachungs- und Spionagemöglichkeiten!! Ob Herr Schäuble wohl interessiert ist?Foto: UEA

Ich bin interessiert, aber skeptisch, ob’s funktioniert. Aus einer aktuellen Meldung (cnet, gefunden via 11k2, hier schreibt die ORF darüber) geht nämlich gar nicht hervor, wie gut das System wirklich erkennt.

Das Besondere scheint zu sein, dass die Sprache erkannt werden kann. Das wiederum überrascht mich als alter Schwerhöriger gar nicht. Zu unterschiedlich ist das Mundbild von Deutschen, Amerikanern und Spaniern. Ich würde aus meiner Erfahrung sogar vermuten, dass einige Sprachen wesentlich leichter lippenzulesen sind als andere. Ich liebe z.B. Spanisch, aber leider wird da teilweise kaum was  mit den Lippen gemacht und nur die Zunge bewegt sich.

Dennoch: Ich würde vermuten, dass der Vorteil des Computers wie schon beim Schachspielen in der blanken Rechenpower liegt. Darin, dass er viel längere Sequenzen von Bewegungen erkennen und merken kann. Und so das was nicht gesehen werden kann, besser erschließen kann. Hab dem Forscher mal eine Email geschrieben und werde berichten, falls er antwortet. Was meint Ihr denn? Kann das funktionieren? Müssen wir so eine Form von Überwachung fürchten? Müssen wir uns jetzt alle auf Spanisch verschwören?

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Lippenlesen II: Für Spione

30. April 2009 · 3 Kommentare

„Laß uns spazieren gehen!“ Unter schweren Jungs ist klar was das heißt: Der Raum ist verwanzt, wir sprechen draußen weiter. Tja, wenn da nicht die speziell ausgebildeten Spione mit ihren Schlapphüten und Feldstechern wären. Oder? Ich hatte ja gerade behauptet, dass Lippenlesen eigentlich gar nicht geht Not quite like Beethoven erklärt auf Nachfrage was dran ist  an der Geschichte der lippenlesenden Spione:

Spion

Erstmal. Spionieren ist ein hartes Geschäft. Man nimmt was man kriegen kann — auch Lippenlesen — und setzt die Spuren zusammen. Erste Wahl ist das Absehen aber sicher nicht. Schon bei Dämmerung, im Gegenlicht, wenn der Verdächtige sich abwendet, eine Hand oder ein Bart den Blick versperrt ist Sense. Aber wenn nur das geht, macht man’s halt.

Dann: Spionieren tut man ja nicht ohne Grund. Wann ist die Übergabe? Hat die was mit Drogen am Hut? Kennt der diesen Waffenhändler? All das sind Dinge, auf die hin man Gesehenes prüfen kann. Das ist etwas ganz anderes als zu verstehen was jemand so sagt.  Denn man hat Namen, Begriffe oder Ausdrücke im Kopf, und braucht „nur“ noch zu checken ob die Mundbewegungen dazu passen. Zahlen, Daten und Zeiten sind relativ leicht zu sehen, es gibt halt nur sieben Wochentage und 12 Monate. Für anderes, würde ich denken, setzen Spione lieber was anderes als Lippenlesen ein.

So gesehen, also von der Offenheit und Schwierigkeit der geforderten Informationsverarbeitung her, haben es lippenlesende Spione sogar einfacher als Schwerhörige im Alltag. Schließlich bringen die wenigsten Leute den nur damit zu, Vermutungen zu prüfen.
Möglich allerdings, dass Computerhilfe das bald ändert.

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Lippenlesen I: Geht das wirklich?

29. April 2009 · 4 Kommentare

Töne kann man nicht sehen. Da beißt die Maus einfach mal keinen Faden ab. Sehen kann man höchstens wie sie produziert werden — und selbst das nur manchmal. Oft bewegt sich einfach nicht genug als dass man durch bloßes Sehen was verstehen könnte. Zumindest wär mir neu, dass bei Wetten dass…?! schonmal wer nur vom Starren auf die sich drehende Schallplatte verstanden hätte, was gerade gesungen wird. Von digitalen Endgeräten reden wir gar nicht erst.

Lips

Genauso ist’s beim Lippenlesen. Das geht nämlich eigentlich gar nicht. Klar, wohl jedem ist im Kino schonmal schlechte Synchronisation aufgefallen. Man kann’s trainieren. Und wenn man die Sprechweise der Leute schon kennt, geht’s auch leichter. Aber letztlich gibt es viel weniger unterscheidbare Lippenbewegungen und -stellungen als all die Laute, die zusammen Sprache ausmachen (im Deutschen sind’s wohl nur um die 15%).

Will ich was von den Lippen absehen, muss ich im Grunde schon vorher wissen, was für eine Situation wir haben und was Du so alles sagen könntest. Volle Kaffeetasse in der Hand? Kein Problem zu sehen, dass Du mir eine anbietest. Auch kein Problem sind einfache, häufig vorkommende Phrasen: „Hallo!“, „Wie heißt Du?“, „Dankeschön“ oder auch, gar nicht zu verkennen: „Arschloch“. Nur weil man schon wußte, dass es wohl Beleidigungen sein würden, konnte abgelesen werden, was Zidane bei der Fußball WM 2006 zu seinem berühmten Kopfstoß veranlaßt haben mag. Ansonsten ergibt von den Lippen ablesen immer nur einen Lückentext. Erzählst Du mir plötzlich was vom blauen Pferd, wird’s aller wahrscheinlichkeit nach nix. Sowas wie einem Vortrag per Lippenlesen mehr als nur grob zu folgen ist meiner Erfahrung nach unmöglich. Computer können bislang noch kein Lippenlesen, aber das könnte sich bald ändern. HAL läßt grüßen. Brr.

Absehen ist für mich darum zwar sehr wichtig. Ohne geht so gut wie  gar nix. Es ist aber immer nur ein begleitendes Hilfsmittel. Aufträge privatdetektivischer Art werden bei guter Bezahlung trotzdem angenommen. Mehr zum Lippenlesen (für Spione) hier.

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The Art of Waking

23. April 2009 · 12 Kommentare

Aufwachen und Arbeiten gehen, wenn der Körper, diese weise Sau, eigentlich noch weiterschlafen würde. Schon lange mein Problem. Das haben ja andere auch. Um aber meinen süßen Schlaf zu beenden, braucht es schweres Gerät.

Zunächst wurden die Wecker immer lauter – und meine Mitbewohner immer genervter. Denn schon nach kurzer Zeit hatte ich mich an das neue Geräusch gewöhnt und konnte wunderbar weiterschlafen. Zuletzt hatte ich einen Radiowecker auf voller Lautstärke, den ich bewußt zwischen alle Stationen eingestellt hatte. Das war was!

Inzwischen sind meine Wecker wieder leise geworden, sie vibrieren, rütteln und schütteln sich unter meinem Kopfkissen. Sowas hier meine ich. Wie ein Handy auf Vibrationsalarm, aber stärker und – wie soll ich sagen – aufgedrehter. Das Ding ist ziemlich zuverlässig. Sobald es losgeht bin ich wach und habe nur einen Gedanken: Aufhören! Wegmachen!  Die meisten Handies brummeln ja eher sanft, dies ist ähnlich wie ein Preßlufthammer, den jemand netterweise in ein Handtuch gewickelt hat.

Aber was soll ich sagen; man gewöhnt sich an alles. Nur wenn jemand mein Bett teilt, darf ich nicht vergessen, darauf hinzuweisen. Sonst ist am nächsten Morgen aber fröhliches Aufwachen garantiert.

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Au weia!

23. April 2009 · Kommentar schreiben

Also – ich hab ja schon alles Mögliche überhört. Mehr davon bald hier. Aber was hier ein Fotograf über seinen Vater berichtet…

Mein Vater war mit 15 Jahren im Krieg in Frankreich. Er war schwerhörig. Als die Meldung vom Kriegsende kam, überhörte er sie und marschierte einfach weiter ins Landesinnere. Später traf er auf französische Soldaten, die ihm Bescheid sagten und ihn glücklicherweise gehen ließen.

Ein gutes Beispiel für die Geduld und Ruhe, die man Schwerhörigen entgegen bringen sollte. Auch wenn’s bißchen anstrengend wird mit dem Wiederholen und er mit Gewehren fuchtelt.

[gefunden über deafread]

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Liebes- und anderes Geflüster

21. April 2009 · 3 Kommentare

Manche Dinge kann man einfach nicht mit bewußt deutlicher und lauter Stimme sagen. Oder: Kann man schon, klingt aber komisch. Spätestens nach der dritten Wiederholung. Grrrrr!

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Süßer Schlaf

19. April 2009 · 6 Kommentare

Geschichten aus mir fremden exotischen Ländern finde ich meist ziemlich spannend. Vor kurzem erzählte mir ein Freund, wie er eine ganze Nacht lang von einer Mücke im Zimmer um den Schlaf gebracht worden sei. Vom Geräusch, wohlgemerkt. Und nicht am Ohr sondern irgendwo im Zimmer. Waas?!

Die Geschichte vom Kampf Mann gegen Mücke war faszinierend – hier waren wirklich strategische Superhirne aneinander geraten. Von Ignorieren über Aussitzen bis Falle Stellen, vom Provozieren bis zur Nadelstichtaktik war alles dabei. Aber im Grunde ist das für mich so als wenn ich Dir erzählen würde, ich konnte nicht schlafen weil sie in Hongkong wieder die ganze Nacht gefeiert haben.

Denn wenn ich mir nicht gerade selber Probleme mache, dann habe ich den ungestörtesten Schlaf auf Erden. Kein Geräusch stört mich beim Schlafen. Bei mir darf man zu jeder Tageszeit anrufen. Gut, Straßenlärm höre ich ganz bißchen.

Zum Glück lebe ich im 21. Jahrhundert, mitten in der Stadt. Sonst wäre ich sicher schon lange im Schlaf von einem Säbelzahntiger erlegt oder von Banditen ausgeraubt worden. Es hatte schließlich mal eine sinnvolle Funktion, dass man im Schlaf noch was hört. Damals wäre niemand auf die Idee gekommen, zum Schlafen freiwillig Ohrstöpsel zu nehmen. Aber so ganz vorbei ist das nicht, wie mir in letzter Zeit öfter mal auffällt. Denn wovor ich inzwischen richtig Angst habe, ist Feueralarm. Nachts. Und auch noch im Winter.

Vielleicht muss ich doch mal über spezielle Rauchmelder nachdenken. Oder ich schaffe mir schnell Familie an…

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Wer nicht hören kann, muss fühlen

17. April 2009 · 5 Kommentare

Au weia. Wo Du was hörst, da taste ich nur. Und zwar nicht nur im übertragenen Sinn, sondern auch im Gehirn. Der Teil der bei Dir fürs Hören zuständig ist – und vor allem: bei mir früher war -  ist jetzt fürs Fühlen zuständig. Kann man jedenfalls vermuten, wenn an dieser Studie was dran ist (mehr in der Pressemitteilung, z.B. hier).

Na gut, das Prinzip ist ja wie beim Aufräumen. Ist der alte Schrank weg, hinterläßt er ne Lücke. Lücke sieht leer aus, also stellt man ein Tischchen rein. Bleibt nur die Frage: Fühl ich jetzt mehr als Du?

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Das Spiel zur Lage der Welt

10. April 2009 · 2 Kommentare

Wo ich gerade Sparen und Finanzkrise ansprach – spielt eigentlich noch jemand Monopoly? Dieses Spiel in dem man ein Immobilienimperium aufbaut? Ist das immer noch das meistverkaufte Brettspiel der Welt, wie der Verlag Hasbro es bewirbt (in 103 Ländern verkauft, in 37 Sprachen übersetzt)?

Wär doch passend. Ich jedenfalls hab das früher ganz gern gespielt, aber schon lange nicht mehr daran gedacht. Und auch nix von gehört. Aber anscheinend wird im Moment doch tatsächlich Werbung für das Spiel gemacht – und zwar sehr schöne! Angucken bei space invaders! (Gefunden durch notcot).

Vielleicht kommt ja demnächst eine Version raus, in der man sich um staatliche Rettung (Bailout-Money) bemühen darf. Immerhin gab es passend zum Earth Day 2008 eine Klima- und Ressourcenschutz-Version des Spiels (mehr hier).

Der Verlag kolportiert übrigens immer noch den Erfindungsmythos, das Spiel sei kurz nach der Weltwirtschaftskrise in den 1920ern von einem Arbeitslosen erfunden worden:

Das Leben war trostlos, aber Darrow hatte eine großartige Idee: ein Spiel, mit dem jeder in die Welt der Reichen hineinschnuppern könnte. (Quelle)

Wikipedia gibt hier gut belegt die wie immer etwas kompliziertere Geschichte wieder.

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Street audiography: Das Gelaber der Stadt

4. April 2009 · 2 Kommentare

Ich liebe ja große Städte wo  auf engem, öffentlichen Raum viel passiert. Nur hinstellen, hinsetzen oder durchlaufen reicht, und so viel bietet sich mir dar. Optisch ist das ganz fein – wer street photography mag, weiß, was ich meine. Akustisch allerdings bekomme ich nur mit, was explizit für mich bestimmt ist. Und das ist von dem was um mich rum passiert natürlich ziemlich wenig.

Zum Beispiel verstehe ich das öffentliche Gelaber und Genöle von Besoffenen, Junkies und Verrückten nicht. Meine Freunde meinen, das müsse man nun wirklich nicht verstehen. Ich bin trotzdem fasziniert – und würde generell was dafür geben zu hören, was Leute so von sich geben: in der U-Bahn, auf der Straße, am Nebentisch. Was Schwereres hätte ich mir nicht vornehmen können. Denn Schwerhörige entwickeln zwar erstaunliche Fähigkeiten, ihr Gegenüber trotzdem zu verstehen. Aber zufällig mithören kann auch der Geschickteste nicht.

Die Rettung gibt’s wie immer im Internet. Aufgeschnapptes Gelaber aus New York, von-dort-aus-dem-Rest-der-Welt, Pittsburgh, Athen, London, Dublin, Manchester, Deutschland – und wer sucht, findet noch ein paar mehr. Nach eingehender Prüfung  kann ich vermelden: Jede Stadt hat wirklich ihren eigenen Charakter. Und: Vieles davon ist langweilig. New York und Berlin (wo bleibt die eigene Website?) sind eindeutig am interessantesten – Ich habe so gelacht! In Deutschland haben auch St. Gallen und Mülheim an der Ruhr ein paar wunderbare Einträge.

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