Archiv der Kategorie: Tipps

Man muss das nicht erst von Google lernen

Zwei Computerbildschirme werden an die Wand projiziert. Auf einem Schirm läuft die Präsentation, auf der anderen Seite wird der Sitzungsverlauf direkt mitprotokolliert.

Wenn Ihr mich fragt: Genau so sollen Meetings gemacht werden. Nicht nur gibt es eine Art Live-Untertitel, die mir beim Verstehen hilft — da haben alle was von. Es gibt ein anständiges Protokoll und ob Ihr’s glaubt oder nicht: Die Sitzung läuft zielgerichteter ab. Probiert es mal aus, müssen ja nicht gleich zwei Beamer sein, zwei Fenster reichen.

In dem FAZ-Portrait der Google-Entwicklungschefin Marissa Mayer allerdings, aus dem das Zitat stammt, wird es als Beispiel ihrer “legendären Sitzungsdisziplin” angeführt. Dabei sollte es eigentlich die unspektakuläre Norm sein. Wenn Ihr mich fragt.

So müssen sich Schwerhörige nicht so anstrengen, die Qualität der Meetings zu gewährleisten

Alles, was es über Schwerhörige im Beruf zu sagen gibt?

Oh, ich habe es gar nicht getan. Vor kurzem habe ich die Reihe Taub im Job, trotzdem erfolgreich — für Schwerhörige, ihre Kollegen, Chefs und Kunden abgeschlossen und glatt vergessen noch einmal zu fragen: Was haltet Ihr denn zusammengenommen davon?

1.  Lege ein Depot an
2.  Offen sein, es nicht alleine versuchen, Initiative ergreifen
3.  Selbstvermarktung und das erfolgreiche Bewerbungsgespräch
4.   Beeinflusse die Sitzordnungen
5.   Raum und Gegenstände in Teamsitzung, Besprechung und Präsentation
6.   Ergreife das Wort: Gesprächsführung in Teamsitzung und Besprechung
7.   Akustisch Überleben beim Geschäftsessen
8.   Auf Dienstreise
9.   Nicht verzweifeln bei Konferenzgesprächen
10. Wenn’s denn sein muss: Kundenkontakt per Telefon
11. Präsentationen vor Kunden und Auftraggebern
12.  Smalltalk und Netzwerken bei Abendessen, Empfängen und Konferenzen

Was fandet Ihr gut, was nicht? Fehlt Euch was? Ist das zusammen mit der Gebrauchsanweisung für Schwerhörige alles, was es Nützliches über Schwerhörige im Beruf zu sagen gibt?

Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #12: Smalltalk und Netzwerken bei Empfängen und Konferenzen

Es ist vielleicht das Furchterregendste und Schwierigste was man sich für Schwerhörige vorstellen kann: Smalltalk und Netzwerken am Rande von anderen Ereignissen, Abendessen oder bei Empfängen vereint alles – den Druck des Berufs, das Ansprechen fremder Leute, oft schlechte Akustik, Gruppengespräche. Und obwohl es Beruf ist auch diesen ganz besonderen Schrecken des Feierabends, es soll ja alles möglichst zwanglos vonstatten gehen. So als ob es eine ganz normale Party sei und keiner eine Agenda verfolge. Immerhin haben damit ja oft genug auch Flotthörige ihre Schwierigkeiten und Ängste.

Was kann man da als Schwerhöriger tun? Zuerst mal… Weiterlesen

Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #11: Präsentation vor dem Kunden oder Auftraggeber

Es ist leicht, schwerhörig zu sein, solange alle lieb und nett sind. Schwer wird’s erst bei hohem Druck oder sogar Gegenwind. Zum Beispiel der Moment, in dem die Früchte tage-, vielleicht wochenlanger Arbeit präsentiert werden. In dem’s ums Geld oder den nächsten Auftrag geht.

Bloßes Vortragen-und-Schwitzen ist nichts dagegen: Es geht um was, es muss begeistert und überzeugt werden. Und nicht selten sind die, vor denen man da präsentiert, ziemlich hoch in der Hierarchie. Dazu noch ungeduldig, unverständig oder gar feindselig eingestellt, z.B. weil ihr Intimfeind den Auftrag in Auftrag gegeben hat oder ihm eins reingewürgt werden muss. Mehrfach nicht verstehen oder falsch Antworten kann hier tödlich sein.

Die Lösung — nichts Neues eigentlich: Versuche, vor Beginn der Präsentation Sitzordnung sowie Gegenstände und Möbel im Raum zu beeinflussen. Wenn Fragen gestellt werden, Analyse, Strategie oder Idee kritisiert werden — gehe zum Sprecher hin (aber stelle Dich nicht zu dicht vor sie, manche Leute mögen es nicht, nach oben zu sprechen).
Und, ganz wichtig: Wenn Du kannst, mach es nicht allein! Besprich Dich mit Deinem Team, dass sie helfen, falls es Probleme gibt. Kläre auch, ob bei Problemen der Vorgesetzte oder Teamkollege sofort einspringen soll oder erst einmal der Schwerhörige selber. Manche mögen’s so, manche so. Sonst passiert es schnell, dass man bemuttert wird. Oder sich bevormunden läßt und Verantwortung abwälzt.

Und was habt Ihr für Erfahrungen?

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Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #10: Kundenkontakt per Telefon

Hier gibt es eigentlich nur einen einzigen Ratschlag: Vermeiden! Am besten komplett. Selbst wenn man einigermaßen telefonieren kann, gibt es einfach zu viele Möglichkeiten, wie das schiefgehen kann. Mindestens bedeutet es Streß pur!

Das Problem besteht darin, dass der Anrufer die Initiative hat. Und man ja selbst erst einmal verstehen muss, wer dran ist und was er überhaupt will. Man hat keinerlei oder nur sehr wenig Anhaltspunkte, die das Verstehen erleichtern. Womöglich ist der Anrufer auch noch aufgebracht oder in Eile…

Ich gebe beruflich meine Telefonnummer gar nicht erst heraus. Sie steht auch nicht auf meiner Visitenkarte. Stattdessen betone ich meine Erreichbarkeit per E-Mail (oder je nach Anlass manchmal auch Chat). Das zu betonen ist aus mehreren Gründen wichtig:  Man muss gleich am Anfang für klare Verhältnisse sorgen und die Schwerhörigkeit oder Ertaubung offen kommunizieren. Es muss klar sein, dass man genauso erreichbar ist wie alle anderen. Und netter Nebeneffekt ist, dass man sich dem Gesprächspartner/Kunden oft deutlich einprägt — die erinnern sich an mich.

Ob der Verzicht auf Telefonnummern machbar ist, hängt natürlich von der eigenen Funktion, von Branche, Unternehmen und vom Chef ab. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich aber, es zu versuchen — wenn man dabei erstmal überlegt und dann klarmacht, welche Alternativen es gibt und das sie tatsächlich machbar sind, ohne die Abläufe zu gefährden. Dazu gehört z.B. auch, im Büro einen Kollegen zu suchen, der Notfallanrufe übernehmen kann (z.B. auch ans Reisebüro für kurzfristige Reisen).

E-Mail und Chat haben den Vorteil, dass man hinterher alles gleich schriftlich hat. Falls sich telefonieren gar nicht vermeiden läßt: Am besten alles noch einmal schriftlich notieren und per E-Mail bestätigen lassen, dass man alles und das auch richtig verstanden hat.

Was haltet Ihr von diesen Ratschlägen? Wie sind Eure Erfahrungen mit dem Telefon und seiner Vermeidbarkeit?

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Gesunder Gefühlsegoismus

No one can make you feel inferior without your consent.

wird Eleanor Roosevelt zugeschrieben

Ja, doch, ich glaube, ich würde das Gefühlsegoismus nennen. Die gesundeste Form von Egoismus, die ich kenne. Leider erst spät gelernt und immer noch nicht gemeistert. Aber ich werde besser. Es hat tatsächlich Vorteile, keine 16 mehr zu sein.

Auf deutsch habe ich es neulich so ausgedrückt: Wer mich beleidigt, entscheide immer noch ich.

Hörgeräte Kaufen — Nichts für zaghafte Naturen: Fünf Tips wie man einen guten Akustiker erkennt

Schnell “Ich hätte gern ein Hörgerät” sagen, kaufen und damit weggehen. Hahaha, guter Witz. So einfach ist es nicht. Eher wie wenn man sich auf eine Beziehung einläßt. Eine langjährige, mit dem Akustiker oder der Akustikerin nämlich. Wenn’ schief geht, ist man unglücklich oder hat viel Ärger.

Außerdem ist das immerhin jemand, der oder die einem glitschiges Zeugs ins Ohr drückt, was solange schmatzt bis das Ohr vollständig verschlossen (und der Druckausgleich im Kopf im Eimer) ist. Und es dann an einem Bindfaden mit sattem Ploppen wieder herauszieht. Vor dem man sich hörmäßig nackig machen muss. Wie erkenne ich also eine/n gute/n?

Vor ein paar Monaten wurde ich über HörBiz auf  diesen Test von Hörgeräteakustikern aufmerksam. Das fand ich zwar interessant aber nicht besonders aussagekräftig. Ich kenne diese Ketten auch nicht, daher kann ich nicht beurteilen ob ich zustimmen würde. Hier eine saloppe Reihe von Punkten, die mir wichtig sind:

  1. Darauf achten, dass man persönlich mit dem Akustiker oder der Akustikerin kann. Denn man wird viel Zeit dort verbringen. Also einfach mal darauf achten, ob man sich mit der Person gut aufgehoben fühlt.
  2. Gleich am Anfang mal die Geduld des Akustikers oder der Akustikerin testen. Denn die rechte Anpassung fällt nicht vom Himmel — es ist oft zu laut, zu leise oder zu verzerrt. Und es wird 100%ig mehrere Termine dauern, bis die richtige gefunden ist. Man muss oft viel herumprobieren; es ist schwierig, Höreindrücke in Worte zu fassen. Man sollte nie das Gefühl haben müssen, dass man stört.
  3. Mindestens zwei verschiedene Marken und Modelle sollten einem angeboten werden, nachdem der Typ des Hörverlusts geschildert ist. Denn die unterscheiden sich oft deutlich in Einstellmöglichkeiten, Extras, Preis und nicht zuletzt: Klang.
  4. Einfach zum Vergleich sollte man sich auch mal ein ganz billiges Gerät anpassen lassen und ein paar Tage damit herumlaufen. Vielleicht braucht man ja gar kein teureres mit viel Schnickschnack — und wenn doch, dann weiß man wenigstens warum. Ich habe das selbst gemacht und dabei viel gelernt.
  5. Und am Schluss, auch wenn’s schwer fällt: Einen Kostenvoranschlag eines anderen Akustikers einholen. Es könnte sich lohnen. Auch das ist etwas, das mir eigentlich zu mühsam und zu unangenehm war, mit dem ich aber einiges Geld gespart habe.

Übrigens, die schönste Beschreibung was man erleben kann, wenn man ein Hörgerät erhält, stammt von Moira (englisch und die Serie hat inzwischen mehrere Teile. Einfach drüben bei ihr im Blog den Titel suchen.)

Und an die Hörgeräteträger unter uns: Was habt Ihr für Erfahrungen beim Hörgerätekauf gemacht? Wie erkenne ich einen guten Akustiker oder eine gute Akustikerin? Worauf kommt es an?