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Zufrieden mit dem elektrischen Hören? Über das Leben mit dem Cochlea Implantat

Es herrschte lange Schweigen, hier im Blog, unterbrochen nur von kleinen Lebenszeichen. Und so traurig ich das finde: Es ist in sich ein gutes Zeichen. Es heißt nämlich, dass bei mir hörmäßig alles ziemlich gut läuft. Die Folge: Andere Themen und Probleme drängen sich in den Vordergrund, die Aufmerksamkeit wendet sich ab. Ganz genau wie der Herr Burke schon sagte.

Also genau der richtige Zeitpunkt, um in Sachen elektrisches Ohr ein Resümee zu ziehen. Ich wurde in den letzten Wochen ziemlich häufig gefragt, wie mein Fazit zum Cochlea Implantat (CI) heute sei. “Würdest Du die Entscheidung, genauso noch einmal treffen? Ärgerst Du Dich mit dem Wissen von heute, es erst einmal herausgezögert zu haben? Und wie ist Dein Hörempfinden heute?” Darauf will ich kurz antworten… Weiterlesen

Das Geheimnis der eigenen Stimme

Sich selbst vom Band reden zu hören, also eine Aufnahme der eigenen Stimme zu hören, finden ja viele unangenehm. Ich aber hätte jetzt gerne mal harte Fakten: Ich würde mich gerne mal hören — und zwar vor anderthalb Jahren.  Denn gerade habe ich jemand getroffen, die ich so lange nicht mehr gesehen hatte. Und sie sagte: “Deine Aussprache ist besser geworden.”

Das schockt erstmal. Denn es heißt ja, dass sie, als wir uns kennenlernten, nicht gut war — was immer das genau heißt. Und es ist doch ein herber Schlag fürs Selbstbewußtsein, zu erfahren, dass das eigene Bild soweit weg war von dem, was man dachte. Die Stimme bringt schließlich nicht wenig an Seele und Persönlichkeit rüber. Oder zumindest wird sie oft so wahrgenommen.

Was war seit unserer letzten Begegnung? Fast ein Jahr mit dem elektrischen Ohr. Und zugegeben, ich habe ja in den letzten Monaten vor dem Eingriff selber gemerkt, dass ich öfters, wenn ich nachlässig wurde, schlurrig redete. Aber die Entschiedenheit, mit der mir das eben gesagt wurde, schockt mich doch etwas. So auffällig soll es gewesen sein?! Gerade weil wir uns so lange nicht gesehen haben, kann sie’s wohl beurteilen.

Der Klang der eigenen Stimme, ein Geheimnis. Schade, dass ich nicht Rush Limbaugh bin, dann hätte ich die Aufnahmen und könnte einfach gucken wie ich damals geklungen habe.

Elektrosmog: Gesundheitliche Schäden durch Cochlea Implantate?

Ist die elektromagnetische Strahlung der elektrischen Ohren schädlich? Für dieses — hochspekulative! — Thema lege ich mal einen eigenen Eintrag an, denn es interessiert mich sehr — und bisher hat sich die Diskussion unter einem ganz anderen Eintrag entzündet.

Von mir zu Elektrosmog generell: Sehr schwieriges Feld, und wie gesagt: Ich mache mir auch Sorgen, es spricht vieles dafür, sich so ganz grundsätzlich mit möglichst wenig Funkgerätstrahlung zu umgeben.
Ich denke aber auch: Man sollte es aber mit dem Sorgenmachen speziell mit Blick auf Dinge wie CIs auch nicht übertreiben solange nichts konkretes sicher ist. Einmal googlen reicht da nicht, man muss schon versuchen, sich zumindest ein bißchen einen Überblick über die Diskussion verschaffen. Ich finde den Wikipedia-Artikel zu Elektrosmog recht gut.

Und jetzt kopiere ich einfach mal die bisherigen Beiträge (leicht gekürzt) hier ein.

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Angefaßt werden

Ich war noch ganz wund und verunsichert von der Entscheidung, die ich getroffen hatte. Ich hatte ihnen erlaubt, meine Grenze zu durchbrechen und dort zu tun, was sie für richtig hielten. Ich hatte einen Fremdkörper im Kopf. Dauerhaft — eine Maschine noch dazu, die aufgrund irgendwelcher Programme Strom abgibt.

Aus dieser Zeit wollte ich gerne eine Kleinigkeit erzählen. Denn gerade ist ja hier deutlich worden, dass manche es eklig finden, dort am Kopf berührt zu werden, wo direkt unter der Haut das Cochlea Implantat gebettet liegt.

Die Haut darüber, die heilte von alleine. Doch die Seele, die auch nicht so recht klar kam mit dem Fremdkörper, die heilte unter der Berührung anderer. Ein Streicheln, ein Kraulen, ein spürbares Zeichen, dass ich noch immer derselbe war. Dass alles okay, dass ich aufgehoben war — auch mit dem neuen Bestandteil. Zumindest die ersten Male ein fast magisches Erlebnis.

Gar nicht zu vergleichen mit meinen eigenen Selbsterkundungen. Kennt Ihr das?

Musikalischer Apartheid? Kompositionen für das Cochlea Implantat

Ist das jetzt Ausgrenzung oder Gleichberechtigung? Forschung oder PR?  Das australische Bionic Ear Institute startet gerade ein Projekt, in dem Musik speziell für Träger von Cochlea Implantaten komponiert wird. Hier ein Bericht der australischen Zeitung The Age.

Ausgangspunkt ist was wir gerade so schön in den Kommentaren diskutiert haben: Dass Leute mit elektrischen Ohren Musik ganz anders als ihre normalbiologisch hörenden Freunde wahrnehmen, die direkt daneben sitzen. Und dass viele Musik leider nicht genießen können. Die Komponisten sagen, es werde wahrscheinlich “unkonventionell”. Noch in diesem Jahr sollen die Stücke bei einem Konzert aufgeführt werden.

Ich bin gespannt — aber entzweigerissen. Einerseits denke ich: Die sollen lieber mal die CI-Systeme verbessern, ich will unbehindert Zugang zu jeder Musik. Nich so’n musikalischer Apartheid. Womöglich klingt es dann für normalbiologisch Hörende sogar ganz grauslich!
Oder sollte man es nur pragmatisch sehen? Dass spezielle Bevölkerungsgruppen spezielle Musik haben, ist ja nichts neues. “Schwarze Musik” ist schon lange kein Schimpfwort mehr, und war schon davor eine Bereicherung. Aber müssten dann nicht CI-Träger selber die Musik komponieren? Nich so’n musikalischer Paternalismus?
Oder geht es letztlich doch nur um gute oder schlechte Musik und was man dafür hält?

Perfektion am Telefon

Maschinen arbeiten bevorzugt bei schönem Wetter und am Wochenende. Oder wie soll ich es verstehen, dass ich ausgerechnet heute mal wieder ein Glückspilz sein soll?

Klingelte das Telefon, ging ich ran und hatte ein Tonband an der Strippe, das mir verkündete: Preisausschreiben gewonnen ohne je teilzunehmen! Also quasi doppelt Glück gehabt — nein eigentlich dreimal: Denn ich freue mich auch immer über die Gelegenheit, zwanglos mit dem elektrischen Ohr telefonieren zu üben. Ganz ohne den Gesprächspartner zu nerven, irritieren oder gar zu verprellen.

Die haben mit diesem Tonband wirklich alles richtig gemacht. Es ist die perfekte Übung! Von der langsamen Sprachgeschwindigkeit über die Deutlichkeit, bis hin zu dass die Aussage in fünf verschiedenen Formulierungen wiederholt wird und die WICHTIGEN Worte BETONT werden. Dass die Nummer, die ich anrufen soll mit endloser Geduld ebenfalls wiederholt wurde, brauche ich wohl nicht eigens zu erwähnen. Von dieser Aufnahme könnte sich so mancher menschliche Telefonierer ne Scheibe abschneiden!

Nur der Name der Firma, der war nicht zu verstehen. Zufall? Oder wurde der gar nicht gesagt?

Den Spieß umdrehen — und die Folgen

Zuweilen komme ich mir vor wie jene unglückliche Frau, die mir gestern Nacht in der U-Bahn gegenübersaß. Neben ihr saß ihr Mann. Ich verfolgte ihr Gespräch — und hatte bald so genug davon, dass ich ihn hätte nehmen wollen und schütteln bis er heult.

Das mag Euch übertrieben erscheinen, aber ich fand es wirklich nicht zum Aushalten: Wann immer sie mit ihm sprach, wandte sie sich ihm zu. Nicht nur den Kopf, ihr gesamter Körper richtete sich zu ihm aus. Sie blickte ihn an. Sprach ihn an. Wann immer er sprach, tat er — gar nichts. Starrte geradeaus, aus dem Fenster oder einer Frau nach, gerade wie es ihm paßte. Und es war ganz offensichtlich für beide das Normalste von der Welt.

Warum läßt sie sich das bieten? — dachte ich. Interessiert er sich nicht mal für sie?

Aber ich bin ja vorbelastet. Ich wende mich allen zu, mit denen ich rede und blicke sie an. Ich muss das. Ich verstehe sonst nichts. Es ist etwas, das die anderen sehr an mir schätzen, was mich zu einem begehrten Zuhörer macht. Und ich bin darauf angewiesen, dass meine Gegenübers es mir gleich tun.

Neuerdings jedoch drehe ich ab und zu den Spieß um und drehe mich weg, wenn jemand mit mir spricht. Ich teste dann, ob ich mit dem elektrischen Ohr auch ohne Sicht Verstehen kann. Und übe es ein bißchen. Meine Abwendung bleibt nie ohne Reaktion: von milder Irritation bis zum Wutanfall war schon alles dabei. Wäre ich die Frau in der U-Bahn, ich würde mich sofort scheiden lassen!