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Die der-Bart-ist-ab-App

Hahahahaha! Moira hat drüben bei Cookie Bite Chronicles die Idee einer Bart-ab-App vorgestellt. Geht mal schauen. Macht den Bart weg. Endlich freier Blick für die Lippenleser unter uns.

Übrigens, bist Du einer?

Sehen, was sonst keiner hört: Der Ablese-Service zur WM 2010

Meine Blogkollegin Jule ist ein alter Ablesefuchs. Sie vergnügt sich schon lange damit, Leuten von den Lippen abzulesen, was diese nicht laut sagen wollen.

Seit gestern tut sie damit auch was für die Allgemeinheit und twittert live, über die Spiele bei der Fußball-WM. Wir hatten dadurch schon gestern beim Spiel Deutschland gegen Ghana eine äußerst unterhaltsame 2. Ebene im Hintergrund! Ich sag nur: Arne Friieeedrich! ;-)

Ich bin gespannt wie’s weitergeht. Ob sich die Mannschaften mit sowas wie dem alten Elephant-Juice-Trick auf die neue Bedrohung einstellen?

Liebe oder Gehzurhölle: Kannst Du’s unterscheiden?

“Wow, mit Kopfhörern auf sieht I love you! verflixt genauso aus wie F**k you!” — So kürzlich das volllippige Erweckungserlebnis von Freundin Berlinessa.

Ich fand das gar nicht. Ich fand, diese beiden sind wirklich leicht zu unterscheiden. Jedenfalls leichter als die wohlmeinenden Vorschläge der hilfsbereit einspringenden US-Freunde: Olive juice? Elephant juice? Hehehehe.

Wie seht Ihr das? Könnt Ihr’s unterscheiden?

Für meine deutschen Leser sei gesagt, dass diese dem deutschen Ohr vielleicht exotisch anmutenden Säfte in den USA einige Berühmtheit erlangt haben. Sie sind beliebt dafür, dass sie zumindest den Sex in schlechtlaufenden Liebesbeziehungen noch ein wenig länger am Laufen halten. Wer sie lautlos in den Mund nimmt, kann später immer behaupten, er habe von Liebe gesprochen. Oder hat nie gelogen. Fieses Ausnutzen der Tatsache, dass Lippenlesen eigentlich gar nicht geht. Oder auch, wenn man sich nicht sicher ist. Dann guckt man treu und haucht: Elephant juice. Ist ein bißchen wie etwas mit gekreuzten Fingern versprechen…

Schonmal probiert?

Und wer sich für gut im Lippenlesen hält, versuche sich mal an diesem Spiel, das der Herr just like Beethoven freundlicherweise gepostet hat.

Lippenlesen: Team Mensch verliert gegen die Maschine

Einen Wettkampf im Lippenlesen hat ein Forscherteam von der University of East Anglia veranstaltet. Und die Menschen haben verloren.

Zwar müssen sie sich hinter den Ergebnissen nicht verstecken — Mundabsehen ist halt schwierig. Aber sie schafften nur 30%, der Computer 80%. Von der Lippenlesetechnik des Computers könnten in Zukunft aber auch die Menschen profitieren, hoffen die Forscher.

80%, hm. Stellt sich damit jetzt doch die Frage der Überwachung neu? Wie gut Ihr Lippenlesen könnt, könnt Ihr jedenfalls hier prüfen. Probiert’s mal aus, ist ganz amüsant. Nachtrag: Und – leider – nur auf Englisch!

[via jamie berke's deafness blog]

Ich les Dir doch nur von den Lippen, was bist Du so nervös?

Meine Mitfahrer meinen: Sie möchten bitte ruhig und im Schlaf sterben, wie mein Opa — und nicht heulend und kreischend wie sein Beifahrer.

Pfft, Memmen! (duckundweg)

Es gibt so Sachen mit Schwerhörigkeit…

…die hätte ich nie erwartet. Zum Beispiel finde ich mich in letzter Zeit regelmäßig vor solchen Schüsseln wieder:

Noodle Bowl, Foto: Not quite like Beethoven, all rights reserved

Das ist eine Thai-Nudelsuppe nicht vor, sondern nach dem Essen. Oder jedenfalls dann wenn alle anderen fertig sind.

Unterhalten konnte ich mich noch, während des Abendessens mit meinem Freund S. Das ließ die Lautstärke im Lokal gerade noch zu. Hab mich einfach besonders aufs Lippenlesen konzentriert. Aber die glitschigen Nudeln mit diesen glatten Plastikstäbchen aus der Suppe fischen — nur mit kurzem Hinsehen?! Nein.

Ergebnis: Fast alles Löffelbare ist weg, Nudeln mit nach Hause genommen.

Dass manch nette Aktivität logistisch überraschend schwierig wird, wenn man auf Lippenlesen angewiesen ist, habe ich hier schon mal am Beispiel des Knutschens beschrieben.

So, und jetzt bedanke ich mich, dass Ihr bei diesem wunderbaren Wetter so weit gelesen habt! Und wünsche einen schönen Sonntag.

Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #5: Raum und Gegenstände in Teamsitzung, Besprechung und Präsentation

Manche Sitzungsräume können es Schwerhörigen schwer machen. Meist wird man an den Räumen am Arbeitsplatz relativ wenig ändern können. Aber oft stehen unterschiedliche Räume zur Auswahl oder es läßt sich längerfristig was an der Einrichtung ändern. Zumindest aber kann man meist auf die Gegenstände einwirken, die jedesmal hinein- und herausgebracht werden. Hier ein paar Vorschläge, von denen auch Normalhörende profitieren:

  • Manche Klimaanlagen machen mit ihrem lauten Summen und Surren das Verstehen schwierig. Besonders, wenn die Sitzung lange dauert und dennoch volle Konzentration verlangt. Wenn möglich also einen Raum ohne laute Klimaanlage wählen, sie herunterdrehen oder gar für die Dauer der Sitzung ausschalten — und stattdessen vorher und hinterher lüften.
  • Ich habe einige Menschen kennengelernt, die durch das Lüftergeräusch von Computern gestört wurden, besonders Desktopmodelle älteren Jahrgangs. Außerdem: Wenn die Anwesenden beim Reden auf ihre Bildschirme starren und von dort ablesen ist Lippenlesen kaum möglich. Da kann es helfen, alle nicht dringend benötigten Rechner auszuschalten oder möglichst leise Modelle anzuschaffen.
  • Wenn die Akustik im Raum generell schlecht ist, kann man oft durch kleine Änderungen etwas erreichen, z.B. indem man den Tisch umstellt, verschiebt oder dreht. Häufig sind ja große Tische aus mehreren kleinen zusammengestellt um flexibler zu sein — diese Möglichkeit sollte man dann auch nutzen und sich je nach Zweck und Gruppengröße Passendes zusammenstellen (lassen).
  • Wenn möglich einen nicht zu hohen Raum mit Teppichboden wählen. Aber schon ein paar Pflanzen, ein kleinerer Teppich oder — kein Witz — mehr Möbel oder auch nur Aktenschränke oder -stapel können Hall entscheidend mindern.
  • Dünne Jalousien können vermeiden, dass einige Personen vor starkem Gegenlicht sitzen — das erleichtert Allen das Ansehen und Schwerhörigen das Lippenlesen.

Über Eure Erfahrungen und Kommentare zu diesen Hinweisen würde ich mich freuen.

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Schwerhörig Kuscheln

“Du gehst immer so auf Distanz, wenn wir kuscheln und knutschen. Bleib doch mal da!” Das hab ich nun schon häufiger zu hören bekommen. Es ist aber auch verzwickt!

Eigentlich suche ich ja die Nähe. Das ist ja wohl gerade die Definition von Kuscheln und Knutschen wollen.  Und eigentlich braucht man dabei ja auch nicht zu reden. Aber manchmal bietet es sich doch an, es kommt halt vor. Hat ja auch was, so kuscheln, knutschen und nebenher ein bißchen reden. Und wenn ich dann gerade  — wie’s sich gehört und wie ich’s will — in der absoluten Nahdistanz bin, dann habe ich ein Problem:

Wenn ich an ihrem Hals den Duft meiner Liebsten suche oder mich am goldenen Flaum erfreue, der von ihrem Bauchnabel abwärts führt, bin ich in denkbar schlechter Position um was zu verstehen. Nicht nur spricht die Liebste von mir weg. Ich sehe sie nicht einmal sprechen — und da ich immer ein bißchen Lippenlesen zu Hilfe nehmen muss, verstehe ich auch nichts. Ich höre etwas, das wie ein Wort oder ein kleiner Zuruf klingt.

Selbstverständlich lasse ich dann nicht alles stehen und liegen, richte mich auf, bringe unsere Gesichter voreinander und bitte um Wiederholung. Aber ich recke doch den Hals: Was geht da vor? Versuche, ihr Gesicht in mein Blickfeld zu bringen. Halte ich sie in den Armen und wir wechseln ein paar Worte, dann könnte ein zufälliger Beobachter durchaus auf die Idee kommen, ich wollte weder loslassen noch wegsehen, mich aber  gleichzeitig von ihrem schlechten Atem fernhalten.

Klar, theoretisch versteht jede das Problem, wenn ich’s einmal sage. Aber praktisch… fast so schwer wie umarmt schlafen, ohne dass dabei ein Arm einschläft.

Wie das so generell ist mit der Schwerhörigkeit im Bett, und mit dem Flüstern dort, habe ich ja schon berichtet.

Scharf müssen sie sein, die Lippen

Neulich bei Not quite like Beethoven zuhause: Ich am Küchentisch über dem Laptop brütend. Auftritt der Mitbewohnerin, braungebrannt, gutgelaunt und voller Mitteilungsbedürfnis. Zehn Tage Urlaub in Puerto Rico.Foto:  sisk4 / photocase.de

“Ooh, das war soo toll, das mußt Du hören!”

“Moment, warte — ich hol meine Brille.”

Da hat sie aber geguckt. Leider stimmt es. Zumindest um Englisch zu verstehen brauche ich tatsächlich Brille oder Kontaktlinsen. Bin zwar nur bißchen kurzsichtig, sagen wir: Die Welt ist sieht mir leicht impressionistisch aus. Auch schön. Aber für fremdsprachliches an den Lippen Hängen brauche ich absolut scharfe Sicht. Sonst reicht es einfach nicht ganz. Unglaublich, was das bißchen für einen Unterschied macht. Da merke ich auch, wie abhängig ich eigentlich vom Lippenlesen bin.

Waren dann übrigens wirklich nette Geschichten aus Puerto Rico. Will ich auch mal hin…

Lippenlesen III: Mit Computer

An der Universität East Anglia arbeitet eine Forscherguppe an einem lippenlesenden Computersystem. Welche Möglichkeiten für Schwerhörige! Endlich Live-Untertitelung von allem! Aber auch: Welche Überwachungs- und Spionagemöglichkeiten!! Ob Herr Schäuble wohl interessiert ist?Foto: UEA

Ich bin interessiert, aber skeptisch, ob’s funktioniert. Aus einer aktuellen Meldung (cnet, gefunden via 11k2, hier schreibt die ORF darüber) geht nämlich gar nicht hervor, wie gut das System wirklich erkennt.

Das Besondere scheint zu sein, dass die Sprache erkannt werden kann. Das wiederum überrascht mich als alter Schwerhöriger gar nicht. Zu unterschiedlich ist das Mundbild von Deutschen, Amerikanern und Spaniern. Ich würde aus meiner Erfahrung sogar vermuten, dass einige Sprachen wesentlich leichter lippenzulesen sind als andere. Ich liebe z.B. Spanisch, aber leider wird da teilweise kaum was  mit den Lippen gemacht und nur die Zunge bewegt sich.

Dennoch: Ich würde vermuten, dass der Vorteil des Computers wie schon beim Schachspielen in der blanken Rechenpower liegt. Darin, dass er viel längere Sequenzen von Bewegungen erkennen und merken kann. Und so das was nicht gesehen werden kann, besser erschließen kann. Hab dem Forscher mal eine Email geschrieben und werde berichten, falls er antwortet. Was meint Ihr denn? Kann das funktionieren? Müssen wir so eine Form von Überwachung fürchten? Müssen wir uns jetzt alle auf Spanisch verschwören?

Lippenlesen II: Für Spione

“Laß uns spazieren gehen!” Unter schweren Jungs ist klar was das heißt: Der Raum ist verwanzt, wir sprechen draußen weiter. Tja, wenn da nicht die speziell ausgebildeten Spione mit ihren Schlapphüten und Feldstechern wären. Oder? Ich hatte ja gerade behauptet, dass Lippenlesen eigentlich gar nicht geht Not quite like Beethoven erklärt auf Nachfrage was dran ist  an der Geschichte der lippenlesenden Spione:

Spion

Erstmal. Spionieren ist ein hartes Geschäft. Man nimmt was man kriegen kann — auch Lippenlesen — und setzt die Spuren zusammen. Erste Wahl ist das Absehen aber sicher nicht. Schon bei Dämmerung, im Gegenlicht, wenn der Verdächtige sich abwendet, eine Hand oder ein Bart den Blick versperrt ist Sense. Aber wenn nur das geht, macht man’s halt.

Dann: Spionieren tut man ja nicht ohne Grund. Wann ist die Übergabe? Hat die was mit Drogen am Hut? Kennt der diesen Waffenhändler? All das sind Dinge, auf die hin man Gesehenes prüfen kann. Das ist etwas ganz anderes als zu verstehen was jemand so sagt.  Denn man hat Namen, Begriffe oder Ausdrücke im Kopf, und braucht “nur” noch zu checken ob die Mundbewegungen dazu passen. Zahlen, Daten und Zeiten sind relativ leicht zu sehen, es gibt halt nur sieben Wochentage und 12 Monate. Für anderes, würde ich denken, setzen Spione lieber was anderes als Lippenlesen ein.

So gesehen, also von der Offenheit und Schwierigkeit der geforderten Informationsverarbeitung her, haben es lippenlesende Spione sogar einfacher als Schwerhörige im Alltag. Schließlich bringen die wenigsten Leute den nur damit zu, Vermutungen zu prüfen.
Möglich allerdings, dass Computerhilfe das bald ändert.

Lippenlesen I: Geht das wirklich?

Töne kann man nicht sehen. Da beißt die Maus einfach mal keinen Faden ab. Sehen kann man höchstens wie sie produziert werden — und selbst das nur manchmal. Oft bewegt sich einfach nicht genug als dass man durch bloßes Sehen was verstehen könnte. Zumindest wär mir neu, dass bei Wetten dass…?! schonmal wer nur vom Starren auf die sich drehende Schallplatte verstanden hätte, was gerade gesungen wird. Von digitalen Endgeräten reden wir gar nicht erst.

Lips

Genauso ist’s beim Lippenlesen. Das geht nämlich eigentlich gar nicht. Klar, wohl jedem ist im Kino schonmal schlechte Synchronisation aufgefallen. Man kann’s trainieren. Und wenn man die Sprechweise der Leute schon kennt, geht’s auch leichter. Aber letztlich gibt es viel weniger unterscheidbare Lippenbewegungen und -stellungen als all die Laute, die zusammen Sprache ausmachen (im Deutschen sind’s wohl nur um die 15%).

Will ich was von den Lippen absehen, muss ich im Grunde schon vorher wissen, was für eine Situation wir haben und was Du so alles sagen könntest. Volle Kaffeetasse in der Hand? Kein Problem zu sehen, dass Du mir eine anbietest. Auch kein Problem sind einfache, häufig vorkommende Phrasen: “Hallo!”, “Wie heißt Du?”, “Dankeschön” oder auch, gar nicht zu verkennen: “Arschloch”. Nur weil man schon wußte, dass es wohl Beleidigungen sein würden, konnte abgelesen werden, was Zidane bei der Fußball WM 2006 zu seinem berühmten Kopfstoß veranlaßt haben mag. Ansonsten ergibt von den Lippen ablesen immer nur einen Lückentext. Erzählst Du mir plötzlich was vom blauen Pferd, wird’s aller wahrscheinlichkeit nach nix. Sowas wie einem Vortrag per Lippenlesen mehr als nur grob zu folgen ist meiner Erfahrung nach unmöglich. Computer können bislang noch kein Lippenlesen, aber das könnte sich bald ändern. HAL läßt grüßen. Brr.

Absehen ist für mich darum zwar sehr wichtig. Ohne geht so gut wie  gar nix. Es ist aber immer nur ein begleitendes Hilfsmittel. Aufträge privatdetektivischer Art werden bei guter Bezahlung trotzdem angenommen. Mehr zum Lippenlesen (für Spione) hier.