Gebrauchsanweisung für Schwerhörige #3: In den Strafraum

Wie macht man’s Schwerhörigen leichter und das Gespräch erfolgreich? 11 Regeln von denen auch Andere profitieren.

Regel Nummer 3: In den Strafraum

Ich bin immer wieder fasziniert, wenn sich Leute von Zimmer zu Zimmer, über eine vielbefahrene Straße hinweg oder vom Bürgersteig zum Balkon im fünften Stock rauf unterhalten. Gut, das ist extrem. Und so richtig unterhalten will sich ja so auch kaum einer. Typischerweise ist das, was so stattfindet wohl eher vom Typ Vergiß-nicht, Hast-Du oder vielleicht auch Du-$#*%§! Oder seh ich das falsch? Ich meine, ich versteh’s ja nicht.

Schon was sehr Bequemes, so ein schneller Austausch ohne erst mühsam rüber-, rauf- oder runterlaufen zu müssen. Kann ich schon verstehen. Würd ich auch so machen. Warum manche Menschen aber auch sonst beim Reden am liebsten Distanz halten, ist mir unbegreiflich. Bestes Beispiel vielleicht: Ein Meeting oder Seminar in einem Raum, der für wesentlich mehr Leute ausgelegt ist als da sind. Wenn man nicht dringend vorzeitig weg muss, gibt es einfach keinen Grund sich gleich neben die Tür, ganz nach hinten oder in alle vier Ecken des Raumes zu setzen. Ich weiß schon, dass es unliebsame Verpflichtungen gibt. Aber wer nicht da sein will, soll einfach gleich zu Hause bleiben! Anstatt nur zu kommen um sich soweit als möglich zum Verschwinden zu bringen.

Das Gespräch als — körperlich gesehen — vorsichtiges Paßspiel gibt’s leider oft genug auch unter Freunden. Besonders in größerer Gruppe. Wenn’s nach mir geht: Kommt einfach näher ran. Wenn Du schon da bist, laß uns zusammenrücken. So nah, dass ich Dich berühren könnte. Distanzschützen mag ich nicht so, ich will Dich nicht nur aus der Ferne hören. Ist ja nicht so als müßtest Du was riskieren, wenn Du in meinen Strafraum kommst:  Auch wenn ich anderer Meinung bin, hau ich dich nicht gleich. Hab ja grad erst wieder Zuhören gelernt.

Was soll ich sagen? Ich mag einfach kleine, heimelige Runden – und versuch sie mir zu schaffen, wo immer es geht. Und Du?

Zur Übersicht: 11 Regeln für besseres Reden mit Schwerhörigen

Advertisements

6 Antworten zu “Gebrauchsanweisung für Schwerhörige #3: In den Strafraum

  1. Also ich finde bei mir ist es eher umgekehrt. Zu viele Mitmenschen kommen mir bei Unterhaltungen zu nahe oder wollen mir auch gleich direkt ins Ohr reden.

    Ich brauche Abstand zum Lippenablesen. Mindestens einen Meter!

  2. Stimmt, daran habe ich beim Schreiben gar nicht gedacht – danke für den Hinweis. Nicht ins Ohr sprechen!
    Für mich ist so 1m ideal. Heißt ja auch Strafraum und nicht Kuschelraum… 🙂

  3. ja, es ist tatsächlich manchmal witzig, wenn leute erfahren, daß ich rechts taub bin und mich dann [von rechts ^^] anbrüllen… *g

  4. Nach all den Jahren, in denen ich sclecht höre, haben es die Leute immer noch nicht gelernt, mich nicht aus anderen Zimmern anzusprechen. Sie können es einfach nicht fassen – weil ich ja immer noch recht gut höre, wenn es ruhig ist und ich vor ihnen sitze.
    Übrigens, Rebhuhn hat mir deinen Blog empfohlen.
    Clara

  5. Ja, das Problem ist dass es mal so mal so ist. Das beides zugleich sein kann, kriegen viele nicht in ihren Kopf. Ist ja auch schwer.

    Danke, rebhuhn, bei der Gelegenheit.

  6. bittebitte :), gern geschehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s