Du findest Hörgeräte doof, willst lieber gut aussehen? Ab nach Thailand

Brauchen tu ich’s ja nicht. Aber ich überlege, ob ich beim Bewerbungsgespräch ein Hörgerät anziehe. Läßt mich einfach kompetenter wirken. Schonmal gehört sowas? Ich auch nicht. Aber das ist wirklich alles eine Frage der Perspektive. Und Reisen hilft, das zu erkennen.

Not quite like Beethovens Hörgerät

Im Gegensatz zu Brillen haben Hörgeräte ein echtes Imageproblem. Brillen sind schick – und machen intellektuell. Aber Hörgeräte? Naja. Außer ein paar Star-Trek-Freaks kenne ich persönlich niemanden, der die Dinger wirklich schön findet. Ich übrigens auch nicht. Habe immmer versucht, sie durch Farbwahl und durchsichtige Ohrstücke zum Verschwinden zu bringen. Bunte Geräte fand ich allenfalls bei Kindern und Jugendlichen gut. Wobei man dazu sagen muss, dass ich seit 10 Jahren sehr kurzhaarig bin. Jetzt hab ich die auf dem Bild. Und was mir mit denen passiert ist, gleich nach dem Klick.

Als ich vor einiger Zeit in Thailand war, fanden sie mich extrem cool. Wegen meiner Hörgeräte! Wo die wohl her seien und was die kosten? Und zu welchen Telefonen sie passen. Moment, wie?! Na, die würden doch bestimmt nicht mit allen Modellen funktionieren, diese coolen Bluetooth-Headsets. Aaaah!!

Das war so eine Begeisterung für diese Dinger, die ich inzwischen wirklich nicht mehr schlimm finde, aber weiß Gott nicht „cool“. Ich war beindruckt und ganz berührt. Und zwar trotz der Verwechslung. Denn die hat ja eigentlich nur noch deutlicher gezeigt, dass es bei dem Nicht-Coolfinden und Verstecken-Wollen eigentlich nur um das Ich-kann-nicht-hören geht. Ums Schämen. Und nicht um die Optik!

Übrigens, diese Headsets hier (Diashow ansehen!), sehen doch eigentlich gar nicht mal so viel anders aus als ungewöhnlich geformte Hörgeräte. Nennen sich: „Earcandy“. Wär doch mal ein Name für ein Hörgerät…

Gut, auch ein noch so cooles Bluetooth-Headset würde man wohl kaum ins Bewerbungsgespräch mitnehmen. Aber ich finde, das ist doch trotzdem schon mal was.

Update: Übrigens, nicht das wer denkt, ich wollte hier Thais was unterstellen — letztes Jahr wurde einem Kind in den USA zweimal der Sprachprozessor seines Cochlear Implantats geklaut. Vom Kopf!

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6 Antworten zu “Du findest Hörgeräte doof, willst lieber gut aussehen? Ab nach Thailand

  1. Gibt doch auch Im-Ohr-Geräte, die man kaum sieht. Und nein, COOL sehen die Am-Ohr-Geräte leider nicht aus. Beziehungsweise sie kommen noch (?) nicht so rüber. Aber wer weiß, wenns immer mehr Schwerhörige gibt, dann… wird das vielleicht wie bei den Brillen. Who knows.

  2. Ich trage fleischfarbene Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte und rasier mir die Haare auf 1 mm. Eigentlich bin ständig überzeugt davon, dass jeder die sofort sieht. Tut keiner. Die Leute achten nicht drauf. Wenn ich was nicht verstehe, deute ich auf meine Ohren, damit sie das Hörgerät sehen und ich nicht umständlich erklären muss. Selbst dann sehen die Leute oft nicht sofort, was ich meine.

  3. @Andrea, wollte zwar immer gern welche haben, aber iO-Geräte waren für mich immer schon zu schwach. Nur ein kleines Nylonfädchen aus dem Ohr gucken haben ist natürlich toll. Dass sich Hg mal wie Brillen etablieren glaub ich – ehrlich gesagt – nicht. Aber mal sehen.

    @Enno, stimmt, das ist mir auch schon aufgefallen. Also noch einmal: Alles Psyche mit den Sorgen.

    Auf das Nichtsehen der Behinderung will ich demnächst auch nochmal eingehen…

  4. Aber so unrecht hatte die guten Thais ja nun auch nicht, Hörgeräte mit Bluetooth-Schnittstelle gibt’s ja inzwischen zu Hauf am Markt.

  5. Stimmt. Und ich will als nächstes auch so eins! 🙂

  6. Pingback: querbeet gelesen › Fünf Fragen an Not quite like Beethoven

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