Stille Welt? Wie sich Schwerhörigkeit anhört

Das hängt natürlich von der Form der Schwerhörigkeit ab. Wenn ich meine erklären soll, dann sage ich meistens:

Ohne Hörgerät: Wie durch eine richtig dicke Wand. Sagen wir, eine Burgmauer. Still ist es dahinter trotzdem nicht, dafür sorgt ein konstant laut pfeifender Tinnitus auf beiden Ohren.

Mit Hörgerät: Wie eine Fremdsprache, die man kaum kann. Nur dass es nicht mit der Zeit besser wird. Weil ich fast ganz taub bin, verstehe ich nur und ab und zu mal ein paar Worte oder einen Satz. Ganz selten, also unter superoptimalen Bedingungen mehr. Manchmal nicht mal das. Und zwar sogar wenn der Sprecher direkt vor mir steht und mit mir spricht. Und zwar obwohl die Hörgeräte die Stimme extrem laut machen.

Gleichzeitig sind durch die Hörgeräte alle Nebengeräusche — eine Klimaanlage, Absatzschuhe, Straßenlärm, Gespräche am Nebentisch oder im gleichen Raum, Musik etc — unglaublich laut und übertonen alles, was ich hören und verstehen will.

Still ist sie also nicht gerade, meine Welt.

Übrigens: Hier kann man sich anhören, wie Schwerhörigkeit klingt (ohne Hörgerät). Leider nur für leichte und moderate Hochtonschwerhörigkeit (gefunden via kelimalia).

UPDATE: Hier gibt es ein Hörbeispiel für meine Schwerhörigkeit.

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7 Antworten zu “Stille Welt? Wie sich Schwerhörigkeit anhört

  1. Vielen Dank für den kleinen Einblick. Hab mich schon oft gefragt, wie ihr wohl eure Umwelt wahrnehmt.
    Kann mir gut vorstellen, dass es auch reichlich „stressig“ für den Körper ist, jedesmal die Nebengeräusche zu unterdrücken, damit man wenigstens bisschen was versteht.

    Beherrscht du auch die Zeichensprache/das Lippenlesen oder verständigst du dich so ganz gut?

  2. Ebenfalls Dank für die Zeilen. Interessant, habe letztens gehört, wenn man bei beginnender und fortlaufend schlechter werdender Schwerhörigkeit zu lang mit Hörgeräten wartet, hat man Probleme mit den Nebengeräuschen, weil man verlernt hat diese zu hören bzw. hirnmäßig rauszufiltern. Oder ist das Hörgeräteakkustiker-PR?
    Beste Grüße, Hanna

  3. Wortman: Oh ja, das ist stressig. Hab schon ganz graue Haare davon. Ich kann nicht gebärden, vielleicht kommt das noch. Lippenlesen hab ich nie „gelernt“ nutze es aber ständig als Hilfe.

    Hanna: Bitte, gern geschehen. Ich kann nur sagen man hat auf jeden fall ein Problem mit den Nebengeräuschen – umso mehr, je ausgeprägter die Schwerhörigkeit. Es ist „hirnmäßig“ in Bezug Hören auf jeden Fall keine gute Idee, lange zu warten. Ich weiß aber nicht ob sich das gerade in der „Filterfähigkeit“ äußert. Bei Brillen ist es übrigens das gleiche, da soll man auch nicht warten. Ansonsten guck mal hier.

  4. Jetzt springe ich bestimmt gleich in Stereotypengebiet, doch mich interessiert es: Gibt es denn etwas, wofür dich die Schwerhörigkeit besonders gut wappnet?

    Du musst ja praktisch aus sehr wenig Informationen koherente Zusammenhänge schaffen. Lässt sich das auf andere Dinge übertragen?

  5. Danke für die Info 🙂
    Ich denke, dieses „zu lange Warten“ ist wahrscheinlich auch ein relatives Manko, denn man möchte sich wahrscheinlich auch nicht so eingestehen, dass man schlecht oder kaum etwas hört, oder?

    Gar nicht so uninteressant die Frage von Berlinessa: Man sagt ja, wenn man einen Sinn verliert, werden die anderen schärfer. Kannst du das irgendwie fühlen?

  6. Ja, Verdrängen ist eine beliebte Möglichkeit.

    Berlinessa und Wortman: Gute Frage. Heut schaff ich’s leider nicht mehr, aber ich werd mich dazu bald äußern

  7. Mach dir keinen Stress, ok?
    Wenn du Lust und Zeit hast, kannst ja antworten. Würde mich freuen.

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