Gehörlose Welt trifft blinde Welt – Nachtrag

Vorgestern habe ich auf ein interessantes Gespräch bei Zeit.de verwiesen. Hier gibt es eine spannende Antwort darauf. Die dort schreibende Bloggerin war nicht begeistert und listet einige interessante Punkte auf, was mit dem Beitrag alles nicht stimmt.

Update: Weitere, auch nicht sehr schmeichelhafte Kommentare gibt’s hier, hier und hier. Und inzwischen auch bei zeit.de selber.

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8 Antworten zu “Gehörlose Welt trifft blinde Welt – Nachtrag

  1. Genau das liebe ich am Internet. Ich habe den Artikel im Zeit-Magazin gelesen und fand ihn durchaus spannend. Die Untertöne und Unstimmigkeiten aber sind mir natürlich nicht alle aufgefallen. Danke für die Links!

  2. the fräänk

    Habe gerade den Blog-Eintrag und die Kommentare gelesen und war etwas erstaunt über diese komplette Empörung. Ich hatte das Interview nicht als repräsentativ für Gehörlose oder Blinde empfunden, sondern als Aussagen dieser speziellen zwei Menschen.
    Hätte der Artikel denn irgendwie die Billigung der Bloggerin und der Kommentatoren finden können, wie gut er auch recherchiert gewesen wäre?

  3. Du klingst, als würdest Du vermuten, nein. Aber: Fragst Du mich? Ich glaub das musst Du eher die Betreffenden selber, also d.h. auf ihren Blogs fragen….

  4. the fräänk

    Ja.
    Nein.

    Ja, ich vermute eine negative Anwort.
    Nein, ich frage nicht Dich, aber auch keinen besonderen anderen. Eine halb rhetorische, halb offene Frage, die ich lieber nicht Bloggerin Jule stelle, weil mich Personen und Thema denn doch nicht brennend genug für eine längere Diskusstion interessieren.

  5. Axel Erator

    Ich habe den Artikel gerade im Archiv gefunden. Und ich muss zustimmen, dass ich die Kritik nicht so ganz richtig finde. Wieso sollten die beiden Interviewten repräsentativ für alle Gehörlosen oder Blinden sprechen müssen? Geht mir nicht auf. Man hätte auch mal anmerken können, dass der Süßebach wenigstens auf die Idee gekommen ist, mal so ein Interview zu machen. Das ist nun nicht gerade Tagesordnung! Dass er dabei ein bisschen tolpatschig oder vielleicht sehr unbedarft ist kann man ja sagen, aber so zu urteilen, als hätte er es besser gelassen: wem hilft das denn?

    Aber vor allem das Kritikprinzip, man hätte das so machen müssen, dass sich darin alle Gehörlosen oder Blinden wiederfinden…so funktioniert keine Zeitung, dass eine besprochene oder thematisierte Gruppe von Individuen sich vollständig darin wiederfindet, egal ob man sieht und hört oder eben nicht. Ich bspw bin schwul, aber finde das Meiste über Schwule (auch von Schwulen selbst verfasste) völlig schrecklich. Das liegt aber auch an meiner Einstellung, Homosexualität nicht als ein so wichtiges Ding zu empfinden, so lange es jedenfalls nicht um Gewaltätigkeit und Rassismus geht. Und rassistisch war der Artikel der Zeit nun wirklich nicht.

    Muss ehrlich sagen, dass ich die erwähnte Bloggerin ziemlich unfair fand. Man könnte auch bedenken: es dürfte auch für einen Zeitjournalisten nicht gerade die einfachste Sache der Welt sein, für so einen Artikel überhaupt die Genehmigung zu kriegen. Und dass da eine Nichtprofessionelle gesessen und gedolmetscht hat finde ich auch nicht schlimm, weil ich durchaus auch Freund des Prinzips bin nicht für alles und jeden überall immer Professionelle einzusetzen, weil sowas auch abhängig macht. Und die meiste Kommunikation zwischen Gehörlosen wird wohl eher von Nichtprofessionellen Gehörlosen stattfinden, denen ich deswegen aber nicht die Fähigkeit absprechen würde adäquat zu kommunizieren. Wäre ja absurd! Wenn diese Frau dann bspw sagt, dass man nicht alles ausdrücken könnte, könnte das auch in Richtung der Metaphorik der Sprachen allgemein gemeint sein, also das gestisches Sprechen eben ein anderes ist als ein mündliches. Man kann ja auch ein Gedicht aus dem Französischen nicht richtig ins Deutsche übersetzen, sondern nur metaphorisch. Und so hätte ich auch das mit der Dolmetscherin verstanden. „Nicht alles“ heißt ja nicht gleich „schlechter“.

  6. Ich finde auch, man kann die Unterschiede zwischen den Sprachen herausstellen. Dass eben NICHT alles in allen Spachen gleich geht, sondern die eine vielleicht mehr Möglichkeiten hat, gewisse Unterschiede mitzuteilen. Ich finde, das ist etwas positives — auch eine Motivation die andere Sprache zu lernen.

  7. CharlyBrown

    Durch Axels Kommentar, habe ich erst heute das alte Thema „Blinde Welt – Gehörlose Welt“ in diesem Blog entdeckt.
    Die kritischen Kommentare sehe ich ähnlich wie Axel.
    Es wird in einigen Kommentaren kritisiert, das nicht alle Gehörlosen so sind wie Torsten.
    Die Zeit-Leser sind allgemein intelligente Menschen.
    Die werden nicht von einem kurzen Interview auf alle Gehörlosen schließen.
    Die Kritik an der Dolmetscherin kommt offensichtlich von professionellen
    DolmetscherInnen die ein Problem damit haben, das manche CODAS
    (hörende Kinder von Gehörlosen Eltern) genau so gut oder sogar besser
    dolmetschen können wie akademisch studierte Dolmetscherinnen.
    Woher wollen die Kritiker eigentlich wissen, wie das Interview genau
    statt gefunden hat?
    Über die Dolmetscherin könnte man nur urteilen, wenn das Interview
    vollständig in einem Video zu sehen wäre.
    Jule kritisiert, das von „typischen Gehörlosenberufen“ geschrieben wird.
    Schreiner, Zahntechniker und andere Handwerksberufe sind
    auch für viele Hörende ganz normale Berufe.
    Die Mehrheit der Gehörlosen arbeiten tatsächlich in solchen Berufen.
    Gehörlose Akademiker (Ärzte, Anwälte, usw) gibt es sehr wenige.
    Gut finde ich: In dem Interview wurde ein durchschnittlicher Gehörloser
    vorgestellt und nicht, wie sonst in Medien üblich, ein Ausnahme-Gehörloser mit irgendwelchen „superguten“ Leistungen.

  8. Was CODAS und Dolmetschen angeht, da kann ich nichts zu sagen. Das häufig die Ausnahmeerscheinungen vorgestellt werden, nicht der Durchschnitt, finde ich auch auffällig — aber ist ja klar, hat halt Sensationswert. Aber leider (manchmal) auch den bitteren Beigeschmack von Freakshow. Ich glaube die journalistisch beste Lösung wäre ein Info-Kasten beim Interview gewesen, der noch ein paar Fakten nennt, damit man den Interviewten einordnen kann.

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