Schwerhörigkeit zu langweilig für Literatur und Film? Oder warum gibt’s keine schwerhörigen Helden?

Seit ich dieses Blog begonnen habe, suche ich nebenher nach schwerhörigen Figuren in (fiktionaler) Literatur und Film. Gefunden habe ich nur sehr wenige und nur gehörlose. Schwerhörig sind scheinbar nur komische oder schrullige Nebenfiguren, vielleicht noch Opfer von Unfällen.

Mein erster  Fund, der mich sehr begeistert hat, war die von Geburt an gehörlose Superheldin Echo. Sie hat eine geradezu übersinnliche Auffassungs- und Beobachtungsgabe. Nur schwerhörig, wäre sie wohl nicht vorstellbar – und auch nicht wirklich interessant.

Bei der umstrittenen Folge der TV-Serie Dr. House, die ich ziemlich spannend fand, haben sich die Autoren nicht von ungefähr für einen Gehörlosen und das Thema Cochlea Implantat entschieden. Die Dramatik des NICHTS Hörens und dann DIE FLUT DER EINDRÜCKE. Sich ein Hörgerät abzureißen wäre wohl nicht besonders dramatisch. Ganz anders dagegen die (unrealistische) Idee, sich das Implantat herauszureißen!

Und auch Desmond Bates, der schwerhörige Protagonist aus David Lodges „Deaf Sentence“ (meine Rezension hier)  stellt fest, Blindheit sei tragisch, Schwerhörigkeit dagegen allenfalls kauzig oder komisch.

Für die Fernsehserie Heroes wurden ja  vor kurzem „hearing impaired“ Darstellerinnen gesucht. Meine Prognose wäre: Auch hier wird es eine komplett taube oder gehörlose Figur sein. Und wer weiß, vielleicht sogar von Echo inspiriert.

Ich würde ja gerne meine Reihe Taube Helden fortsetzen, aus Belletristik und fiktionalem Film und Fernsehen. Aber irgendwie scheint Schwerhörigkeit nicht dramatisch genug. Ich hoffe jetzt kommt und widerspricht mir wer mit einem schönen Beispiel…

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34 Antworten zu “Schwerhörigkeit zu langweilig für Literatur und Film? Oder warum gibt’s keine schwerhörigen Helden?

  1. Hi nqlb,

    schon älter, aber sehr einfühlend und treffend, sind die Romane von Hannah Green. Sie ist bekannt als Autorin von „Ich habe Dir nie einen Rosengarten versprochen“ (über Schizophrenie – ganz ausgezeichnet), hat aber auch mehrere Bücher mit sehr schwerhörigen bzw. tauben Protagonisten („Bevor Du liebst“, „Mit diesem Zeichen“ – vielleicht gibts auch noch mehr?). Die Frau weiß auf jeden Fall, wovon sie schreibt. Gibts selbstverständlich alles auch auf Englisch.

    Übringes: Ich habe David Lodges „Wie bitte?“ auf Deutsch gelesen und kann mich Deinem Urteil „interessant, aber leider nur halb spannend“ anschließen, zusätzlich ging mir dieses „alternde Männer“-Thema dort auf die Nerven.

  2. Dann bin ich froh, dass ich ein paar Filmempfehlungen loswerden kann 😀
    „Bangkok Dangerous“ hat einen taubstummen Helden. Ein großartiger thailändischer Film. Noch etwas besser ist der koreanische „Sympathy for Mr. Vengeance“, der auch einen taubstummen Helden hat. Ist allerdings auch einen tick blutiger als „Bangkok Dangerous“. Übrigens ist „Sympathy for Mr. Vengeance“ der erste Teil einer Rache-Trilogie, die in den anderen beiden Teilen nicht von Taubstummen handelt, aber deswegen nicht minder sehenswert ist. In dem Sinne….viel Spaß beim Gucken 🙂

  3. Danke, ihr beiden, für die Hinweise. Schau ich mir mal an….

    @Oliver: Meinst Du das Original oder das Remake mit Nicholas Cage?

  4. 1. Immer nur Original
    2. Auf gar keinen Fall etwas mit Nicholas Cage 😉

    Wobei ich jetzt neugierig bin. Heißt das Nicholas Cage spielt in einem Remake der beiden Filme? In welchen denn?

  5. Ich bin geneigt, Dir zuzustimmen 🙂
    Bangkok Dangerous, 2008

  6. the fräänk

    Habe Bangkok Dangerous (aus 2008) zufällig kürzlich gesehen und fand ihn gar nicht schlecht. Die Szene, in der seine taube Freundin seine Reaktion auf den Raubüberfall entdeckt, hat jedenfalls was.
    Und boxing Beethoven wird sich über die martial arts-Szenen gefreut haben, auch wenn sie etwas ‚ing ‚ung-lastig waren.

  7. muss zugeben, dass ich vom remake nicht wusste.

  8. Hannah Greens „Bevor Du liebst“ hätte ich auch empfohlen. Es ist Jahre her, dass ich es gelesen habe, aber es hat mich sehr beeindruckt.

  9. Spontan fallen mir nur noch zwei (Spiel)filme ein; den wohl berühmtesten „Gehörlosen“-Film „Children of a lesser God“ (dt. „Gottes vergessene Kinder“), für den Marlee Matlin den Oscar als beste Darstellerin bekam und „Four Weddings And A Funeral“ (dt. „Vier Hochzeiten Und Einn Todesfall“), wo der Bruder des Hauptdarstellers gehörlos ist und ein paar wunderbare Szenen beiträgt.
    Gaaanz dunkel meine ich mich auch noch an eine Folge aus der 90er-Jahre-UK-Serie „Cracker“ (dt. „Für Alle Fälle Fitz“) zu erinnern (mit Robbie Coltrane als Psychologen), in der ein Gehörloser die Hauptrolle spielte, aber ich komme gerade leider nicht drauf.

  10. Hm, hier kommt ja ganz schön was zusammen. Vielen Dank Jekylla und Kiki! Gottes vergessene Kinder kannte ich, die anderen Sachen organisiere ich mir mal.

    Ich glaube übrigens, mein Eintrag ist nicht gut geschrieben. Was mich auch umgetrieben hat — und was die Sammlung hier in den Kommentaren soweit bestätigt — ist, dass es keine schwerhörigen (im Unterschied zu gehörlosen) positiv besetzten Hauptfiguren zu geben scheint…

  11. Nein, das war nicht „nicht gut geschrieben“ von Ihnen, sondern einfach schlecht gelesen. Von mir. Sehr nachlässig über den Unterschied hinweggelesen. DAS ist nicht gut, sorry.

  12. Und ich habe dann noch ein bißchen recherchiert und das hier gefunden, worüber ich aber kein Urteil abgeben kann, weil bisher nicht gelesen.
    http://www.luise-berlin.de/lesezei/blz98_10/text30.htm

  13. Jekylla, kein Grund sich zu entschuldigen. Wie sehr sich diese Welten unterscheiden ist mir selbst erst im Laufe dieses Blogschreibens so richtig klargeworden — und damit auch die Aufmerksamkeit für so Unterschiede.

    S wie Beethoven muss ich natürlich schon des Namens wegen lesen. Klingt etwas kompliziert, aber bin gespannt.

  14. Nun bin ich auch neugierig geworden und da ich seit frühester Jugend eine große Verehrerin von Beethoven bin -das Buch von Felix Huch habe ich schon sehr früh gelesen- , habe ich mir „S wie Beethoven“ dann auch mal bestellt 🙂

  15. Sehr gut, dann können wir uns ja nach dem Lesen austauschen 🙂

  16. Ich hätte noch den Schmachfetzen „Mr. Holland’s Opus“ anzubieten (keine Ahnung, wie der auf Deutsch heißt): http://www.imdb.com/title/tt0113862/

    Darin geht es um einen Musiklehrer und Komponisten, dessen Sohn gehörlos geboren wird. Ist vielleicht nicht ganz das, was du gesucht hast …?

  17. Das nicht, klingt trotzdem interessant. Außerdem wo kämen wir da hin, wenn man immer nur genau das finden würde was man gesucht hat?! Ich schau ihn mir mal an. Danke!

  18. Helen Kellers Leben wurde auch verfilmt, allerdings kenne ich die Filme noch nicht. Helen Keller war sowohl blind als auch taub und konnte trotzdem kommunizieren – lange vor der Erfindung elektronischer Hilfsmittel. Sie hat auch mehrere Fremdsprachen gelernt und ein Buch über ihr Leben geschrieben, das ich schon seit einer Weile als Nebenbeilektüre lese.

    Bei Wikipedia gibt es einige Infos zu Helen Keller: http://de.wikipedia.org/wiki/Helen_Keller

    Schwerhörige Helden in Literatur und Film fallen mir allerdings auch keine ein, leider. Nur der schwerhörige Schwiegervater von Sisi, der allerdings in den Filmen mit Romy Schneider zur Witzfigur gemacht wurde.

  19. Hallo Notquitelikebeethoven,

    ich hab gestern schon versucht zu posten, aber es hat nicht geklappt.

    Bei Noah Gordon im „Schamane“ ist der Sohn auch gehörlos. Im Film „Babel“ spielt auch eine Gehörlose.

    Was SCHWERHÖRIGE Charaktere angeht frage ich mich allerdimgs dasselbe wie du. Ich denke, dass es daran liegt, dass die intensiver zu erschaffen sind als Gehörlose und dass Nicht-Betroffene vielleicht auch gar nicht wissen wie sie das tun sollen. Ich meine, ein Gehörloser ist relativ einfach, du informierst dich über Gebärden, vielleicht ein bisschen deaf history etc. und dann ist der halt gehörlos und anders als der Rest. Bei einem Schwerhörigen ist das nicht so leicht. Du musst – das weiß ich aus eigener Erfahrung, ich bin selbst spätertaubt und habe mitunter schwerhörige oder ertaubte, Hörgeräte tragende Figuren – immer überlegen, wie und wann setzt du diese Schwerhörigkeit ein, was machst du mit Sprache (sowohl die der Person als auch die vom Umfeld), welche Sozialisation hatte diese Person etc. Und ich denke, dass ist Hörenden Autoren einfach zu mühsam. Viele von denen verstehen noch nicht mal warum du zum Beispiel Hörgeräte hast aber kein Sprachverständnis und wen du über einen Schwerhörigen oder Ertaubten schreibst musst du dich vorher mit so was beschäftigen. Oder was „lapidares“ wie Berufswahl. Der Gehörlose wird für bestimmte Dinge nicht zugelassen oder bräuchte bestimmte Hilfsmittel die zu recherchieren wieder Zeit kostet, das heißt man nimmt eben was „typisches“ und fertig aus.

    Generell werden behinderte Figuren in der Literatur gern dramaturgisch eingesetzt. Ganz oft hast du Plots in denen der Behinderte erst ausgeschlossen und isoliert ist und dann passiert irgendwas und plötzlich ist er toll und integriert. Oder du hast behinderte Charaktere die verbittert oder bösartig sind. Dazu brauchst du aber eine offensichtliche Behinderung, deshalb nimmt man so gerne Rollstuhlfahrer (da hat man das Symbol und braucht die eigentlich Behinderung gar nicht zu erklären). Ein Gehörloser ist ähnlich klar. Ein Schwerhöriger oder Ertaubter nicht. Wir sind erstmal normal nach außenhin, der Leser versteht nicht warum wir nicht integriert sein könnten etc pp. Und das stört. Weil dann auch der Leser erst mal nachdenken muss. Zumindest dann wenn der Autor ihn „alleine lässt“. Oder der Leser ist desorientiert.

    Ist mir mal passiert. Ich hatte in einem Spontantext mal eine Schwerhörige (auch das – „offensichtlich“ behinderte Frauen gibt es nicht allzu oft in Literatur oder Medien, da bietet sich Gehörlosigkeit wieder an denn sie ist unsichtbar) und eine Klingel. Da kamen dann Leute zu mir und fragten, warum ich das mache. Erstens ICH als Person höre doch keine Klingeln mehr und außerdem wäre das viel zu kompliziert, die würden nicht nachdenken wollen.

    An so etwas mag es liegen.

    Es ist ein interessantes Thema. Vielleicht schreibe ich mal einen vollständigen Artikel darüber.

    Liebe Grüße

  20. Wow, Salomea, danke für den wirklich interessanten Kommentar!!!

    Ich denke, beides, was Du sagst kommt vielleicht ungünstig zusammen: Wenn nicht klar ist warum (dramaturgische Funktion) man Schwerhörige haben soll (oder anderes dramatisch günstiger/interessanter oder einfach besser/klarer für die Funktion scheint), dann ist nicht klar, warum man sich die Mühe machen soll, die nötig wäre, um sie plausibel einzufügen.

    Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja mal und schwerhörige Figuren werden weniger funktional eingesetzt. Wird ja sicher mehr Spätertaubte geben in naher Zukunft. Hätte z.B. auch nie gedacht, dass so ein Blog wie meins auf soviel Interesse stößt…

  21. Du hast vermutlich recht, dass es mehr Spätis geben wird. Das muss aber für die Fiktion nichts bedeuten.

    Beispiel: Alkoholikerfamilien.

    Da gibt es jede Menge von, sie gehören wenn man ein bisschen offene Augen hat eigentlich zur „Normalität“, Aber wie werden die in den Medien dargestellt? Du hast fast immer den bösen, gewalttätigen Säufer, oder den armen, gut betuchten Menschen (übrigens meistens auch Männer, bei Frauen ist wieder das Problem, dass sie wenn dann nur als Monster stirilisiert werden), der ja so unter Druck und im goldenen Käfig war, dass er anfangen musste zu trinken. Und in Literatur und Film sind die Rezipienten – also Leser/Zuschauer – dann mitfühlend oder geschockt. Kommt im realen Leben ein Kind in deine Klasse und ist mutig genug zu sagen, dass es die Klassenarbeit nicht mitschreiben kann weil die Eltern die ganze Nacht über den Alkoholkonsum von einem oder beiden getritten haben, dann soll es sich nicht so anstellen, es geht anderen schließlich auch nicht besser.

    Ich habe für das Beispiel bewusst ein Kind gewählt.

    Und ich glaube so wäre das auch bei Spätertaubten/Schwerhörigen in der Fiktion. Selbst wenn man sie richtig gut porträtieren könnte, so dass sie den Leser fesseln – es täte das weil es Literatur ist und der Autor guten Stoff gefunden hat, nicht weil sich jemand wirklich angeregt fühlen würde über entsprechendes Leben nachzudenken.

    Das ist wohl überall in der Literatur so. Ich meine, stellen wir uns doch für eine Minute vor – nicht lachen, bitte – Harry Potter oder der Typ aus diesen Vampirromanen wären schwerhörig oder ertaubt. Dann wären zwar Hörgeräte plötzlich wahnsinnig angesagte Fashion-Accessoires, aber hätte dann wirklich irgendwer mehr Interesse an der „Behinderung“? Es ginge wieder nur um das Symbol. Und vermutlich, darum dass der jeweilige Autor in die Trickkiste gegriffen hat um kurz aus der Masse herauszustechen (und dann womöglich, selbst wenn er hörend ist, von der Presse als neuer Beethoven abgefeiert zu werden). Wenn man es gut machen will muss man so was vermeiden. Und das ist enorm schwierig. Ich weiß wovon ich rede. 🙂

    Ich glaube übrigens warum dein Blog auf so viel Interesse stößt, davon ab, dass es wirklich gut gemacht und informativ ist, ist, dass es ein Sachblog ist. Du benennst was reales und jeder der hier hinkommt weiß das sofort, in der Fiktion ist es für den Leser eben genau das: fiktiv.

    Liebe Grüße

  22. Thanks for the link back to these interessting posts. To me it seems the difficulty of writing a scherhoerig character would lie, not just in the burden of research—people blithely publish and film all kinds of underresearched fluff, ie Tom Hanks as a Harvard symbolist in the Da Vinci Code who can’t even read Latin. Portraying any kind of zwischenstation is challenging. It’s easier to do a full-blown version. For example, I have a neck injury that’s a constant in my life but not debilitating, and partial permanent injuries are also rare in media.

    I think disabled characters provide a way for the non-disabled to work through states like isolation, anxiety, dislocation, fragmentation within the self. If it’s baldly autobiographical, giving a disability provides a disguise for the writer to work through such topics. At least I see this with characters who are missing limbs.

    Last, probably because of all of these techniques NQ lists, schwerhoerigs are not as visible, or as politically organized, as the deaf. I can count on one hand the people I’ve met over my whole life who say they are scherhoerig, or have tinnitus like me.

  23. @Elizabeth:

    This is actually true and probably – if an author is really interested in portaying a handicap – shouldn’t be dismissed: hard oft hearing or late deafened people are not as politically organised or „out in the open“ as deaf people are. For example there Gallaudet (I hope I didn’t spell that wrong) University and everyone goes on about how it is the only all-deaf university etc. I think it’s a great thing to have but due to the publicity people of course focus on deaf people taking university courses and probably forget about hárd of hear or late deafened people having difficulties too about being admitted to a university or being denied a degree or whatever.

    This might also be a cultural thing because there are some things that are different for handicapped people in Germany than in other countries. Me, for example I was interested in studying pharmacy because I’d liked to be a pharmacist, but was denied that in Germany. People think that a non-hearing person can’t do
    it here in Germany, while I know that just over the border, say in the Netherlands or Denmark, I could even have opened an own pharmacy. I think – after researching the subject for a couple of years – the bias that was legacy of the nazi time (think of the Euthanasia, and deaf people were one of the first groups that were forced to have themselves „fixed“) is still there, on a subconcious level, an influences a lot of the ideas that people here in Germany have about the handicapped. As the hard of hearing and late deafened are „invisible“ they might not be considered much in this context, especially because most of the are capable of a fluent oral communication, since people do not consider them „handicapped“ at first sight.

    I agree with what you say about handicapped characters providing a disguise etc. But my personal experience was that this is mainly because they have a certain picture of how a handicapped person in their eyes has to feel. While my deafness was aquired in my adult life I was born with a form of the so-called ICP which does enable me to walk and basically lead a normal life but there are often enough people who ask me how I could be – I quote an Englishman – „so damn comfortable“ about that, why I wouldn’t feel dislocated around all the other people. I guess they think that handicapped people must feel that way because a) they are once again influenced by the media who tells them so and b) because they probably cannot imagine that their own personal normality must not be anyone elses. (Then again it must be just as hard for a deaf writer for example – and I don’t mean late deafened – to write about hearing characters. Unfortunately I didn’t have much chance to find out because unlike in the U.S.A. there doesn’t seem to be any such thing as „deaf writers circles“ in Europe. )

    Kind regards

  24. Salomea:
    I’m so sorry to hear that. How awful–and nonsensical–that you were denied the ability to become a pharmacist.

    I noticed in Europe, the litigousness of American society is heavily criticized–everyone knows the McDonald coffee story. While it is true that there are many frivolous lawsuits, a lot of our laws I admire have come about because of someone got mad and sued. In this case, there is a legal precedent that education institutions must provide „reasonable accommodation“ to the handicapped. What this term means is the subject of debate–for example, in college (pre-tinnitus) I had a job taking notes for a student with a hearing disability, and the college paid me a salary. To name another example, if a school repairs a building, it is obligated to make that building accessible for Rollstuhlfahrer. If I’m not mistaken, if NQ were hired by an American school, the school would be obligated to provide him with „reasonable accommodation.“ I’ve never seen this but it is easy to imagine: that could take the shape of a classroom being wired for internet and students submitting in-class questions through a course website with a blog function.

    Re: Disguise. I agree with you that writers may have „a certain picture in their minds of how the handicapped has to feel.“ I didn’t mean to imply a value judgment of whether this results in good writing or not–just that I think this happens. I also like it in films when handicapped characters are part of the action, without being pitied or paternalized. Like in films by the director who made Four Weddings and a Funeral and Notting Hill. To draw a parallel, I think it’s good when films show gay characters for whom homosexuality is not their Single Defining All Encompassing feature, through which everything else about them is filtered.

  25. I forgot: Kind regards to you as well! I also prefer this sign-off when I write letters. It’s less impersonal than signing off „Best, BillBob.“ Here is a link to the „Reasonable Accommodation“ part of ADA, the Americans with Disabilities Act, a landmark piece of legislation for us:

    http://www.eeoc.gov/policy/docs/accommodation.html

  26. Thanks for the link, Elizabeth. I don’t have the time to read it properly now so I saved it and will print it out to read on the train tomorrow.

    As far as „reasonable accommodation“ is concerned, I don’t know about any official obligations. But I was a co-tutor/teaching assistant at an International School for a while two years ago. Though based in Germany they were not required to go along with the rules schools within the German system have to play by. I don’t know if there are special rules for International Schools – I think I can’t vaguely remember them telling me there are though -, but the school I taught at was borrowing a lot from the American system (this might have had to do with the fact that the majority of the children came from American families, I don’t know) and they in fact created an environment that was suitable for me. Starting with the simple fact that the students had to stomp their feet on the floor if they wanted my attentional rather than raising their hands and ending with such inventions as giving me the mobile numbers of several people in each building so I could notify someone via text message in an emergency. Of course this isn’t the most perfect solution ever but it is more than I have experienced in most Germany companies or schools.

    And actually that comparison with gay people is very common – unfortunately not so much in the context in which it came up here. I often came across it when I witnessed discussions about why many deaf people refuse contact with hard of hearing or late deafened ones. I saw a lot of comparisons made like ‚Well, that’s like bisexual people not being liked by gays and lesbians‘ (which, in my humble option, is about as pointless and sort of shallow as it is for deaf people rejecting or even discriminating against hard of hearing or late deafened folk).

    Kind regards and have a good night, or I’d better say a good day, since your time zone is probably way ahead of ours

  27. Salomea, again, this is very interesting. NQ, I hope you do not mind that we are taking up this real estate on your blog! I like the detail about the children stomping feet. This corresponds to my experience.

    Regarding the link, it is a government document and if you print in its entirety, your ink jet might give up the ghost. I would particularly recommend the first three sections: „General Principles,“ „Requesting Reasonable Accommodation,“ and „RA and Job Applicants.“ Thanks for your interest.

    I had never heard about this divide between the deaf and hard of hearing–what is the explanation given for this, irrational or not? My bisexual friend recently explained the prejudice you describe, at least among men, thus: if a gay man is dating a bisexual, he may have anxiety his bi boyfriend will enjoy being with him, but ultimately „settle down“ and marry a woman–thus gaining the (still significant) benefits society confers on traditional family structures.

    Please write in German. I love to read it, but I don’t want to annoy others with my bad German spelling and grammatical mistakes. I hope that everyone else who posted is not getting put off by too much email updates–if so, maybe we should continue our conversation later on a not-so-popular thread?

    Safe travels

  28. Hallo Elizabeth,

    okay, dann auf Deutsch 😉 Kein Problem 🙂

    Ich denke, ich kann den Vergleich mit Homosexuellen hier noch erklären, weil er doch noch mit ins Thema fällt (könnte mit eine Erklärung darstellen warum es so schwierig ist fiktional jemanden darszustellen der in einer anderen „Kultur“ als man selbst lebt), aber wir können gern auch an einer anderen Stelle weiterdiskutieren. Kein Problem 🙂

    Ich glaube, die „Trennung“ zwischen Schwerhörigen und Gehörlosen ist in erster Linie kulturell. Ich spreche jetzt über die Situation in Deutschland, obwohl die Situation woanders, so ich meinen Freunden im Ausland glauben kann, ähnlich ist.

    In Deutschland war die Gebärdensprache im Schulunterricht für gehörlose Kinder SEHR lange verpönt. Deshalb heißt die sogenannte „orale Methode“ – also der Zwang zum Sprechen und Lippenabsehen – im Ausland auch gerne „deutsche Methode“. Dieser Zwang hat in Deutschland dazu beigetragen, dass viele gehörlose Erwachsene nicht so gut die deutsche Schriftsprache verstehen. Wenn ein Hörender – oder auch Schwerhöriger – das nicht weiß, dann liegt die Vermutung nahe, der Gehörlose sei „dumm“. Es gibt noch diesen alten Satz „taub- stumm – dumm“ (auch deshalb ist es zum Beispiel einfach einen Gehörlosen literarisch zu instrumentalisieren, da hat man ja einen „besonderen“ Charakter). Schwerhörige und Ertaubte haben aber dadurch, dass sie in vielen Fällen zumindest zeitweise die Lautsprache verstanden haben, diese Probleme mit der Schriftsprache nicht, weil sie die Grammatik automatisch so gelernt haben wie sie sie gehört haben. Hörgeschädigtenpädagogen stellen oder stellten das gerne hervor und haben dann – zumindest zu meiner Zeit noch – mit dem Finger auf die Gehörlosen gezeit nach dem Motto „Ihr seid dumm und bringt es nie zu etwas – die Schwerhörigen sind intelligent und toll und bekommen mal richtige Jobs, denn sie sind wie die Hörenden“. Und wenn dir das jahrelang passiert, wirst du irgendwann, ich weiß nicht ob es ein deutsches Wort dafür gibt, „prejudiced“. Das ist nur eine kurze Erklärung warum es diese Trennung gibt.

    Die Homosexuellen sind ja auch lange verfolgt und kriminalisiert worden. Jede Subgruppe der so etwas passiert schottet sich gegen andere ab. (Die Gehörlosen eben unter anderem wegen der „oralen Methode“.) Und wenn dann jemand kommt, der erstmal zu ihnen gehören würde, das aber doch nicht so ganz tut ist das aus Sicht der jeweiligen Gruppe nicht gut und die Person wird ausgestoßen. Wir Ertaubte sind aufgrund unserer Prägung vielen (ich sage nicht alle, ich habe auch gehörlose Freunde) Gehörlosen also zu „hörend“.

    Nur weil jemand zum Beispiel Französisch kann, in Frankreich lebt und einen französischen Namen hat ist er ja – selbst wenn er die Staatsangehörigkeit hat – noch kein Franzose.

    Als ich meine Erstausbildung mangels Sprachverständnis abbrechen musste war ich relativ jung, gerade 19 Jahre alt, und habe mich dann entschlossen, das Abitur zu machen, weil ich dachte „Gut, du kannst dann ja studieren wenn du so nichts findest“. Ich kam damals an eine der wenigen Schulen in Deutschland wo Hörgeschädigte das Abitur machen können. An dieser Schule herrschte die „orale Methode“ (und deshalb auch eine Abbruchquote von 80% so weit ich weiß). Ich habe also sehr früh diese Trennung mitbekommen. (Wenn Interesse da ist schreibe ich darüber mal länger was, vielleicht auch einen selbstständigen Artikel). Denn umso schlechter mein Gehör wurde um so weniger wollten die Schwerhörigen mit mir zu tun haben. Kontakt zu Gehörlosen habe ich aber auch nicht bekommen, denen war ich nämlich zu „hörend“ von der Art und von der Sprache her.

    Ein kurzes Beispiel noch aus meiner kürzlich abgeschlossenen Umschulung für diese Trennung: Es gab in der Mensa einen Hörgeschädigtentisch. Der hieß zwar so, aber meistens saßen dort Gehörlose. Ich gebärde gut und ich hatte die ganze Ausbildung hindurch Dolmetscher, aber ich wurde lange Zeit von den Gehörlosen von diesem Tisch weggejagt. Obwohl einige von denen vielleicht mehr „hören“ als ich war ich denen zu „hörend“.

    Liebe Grüße

  29. Es gibt ein Buch, wo die Geschichte der Anwendug von tauben Personen im Film seit der Stummfilmzeit behandelt wird. Und zwar bis etwa 1988, das Jahr dessen Veroeffentlichung:

    John Schuchman (1988), „Hollywood Speaks: Deafness and the Film Entertainment Industry“, University of Illinois Press

    Apropos zur „Trennung von schwerhoerigen, ertaubten und tauben Gruppierungen“: stimmt, es ist kulturell. Jedoch mit dem Zusatz, dass es zumeistens abhaengt von wie Personen aus den ersteren zwei Gruppen sich gegenueber tauben Personen verhalten und wie sie den politischen und gesellschaftlichen Aspirationen zuwiderlaufen. Der Ausdruck „noch zu hoerend“ bezieht sich eher auf das Verhalten, wie sie sie verbal oder non-verbal zu verstehen geben, dass hoerend zu sein (auch nur teilweise) und die hoerende Welt besser seien, dass sie fuer taube Personen unablesbar sofort zu sprechen anfangen, wenn immer eine hoerende Person in die Gruppe eintritt, usw. Geschichtlich waren recht viele Schwerhoerige und Ertaubte schon immer willkommen und nicht „ausgestossen“ und viele davon waren auch aktiv drin in Vereinigungen und kulturellen Unternehmen. Diese sind schwerhoerig mit den Ohren, aber taub in Identitaet. Hoerende waren auch in den tauben Kreisen gern angesehen, je besser sie gebaerden koennen, desto mehr werden sie angenommen.

    Die Gruppierung am Mensa-Esstisch hat mit einem zusaetzlichen Faktor zu tun: sie kennen einander schon aus den frueheren Zeiten kennen und moechten ueber einander bekannten Themen plaudern.

  30. Schwerhoerigen in Filmen: ja interessant. Das widerspiegelt das Dilemma von „zwischen zei Stuehlen sitzend“. Wenn gerade dies das Thema des Filmes waere, dann wird eine schwerhoerige Rolle hineingeschrieben. Ich kann momentan nur an zwei Beispiele erinnern:
    1) Im „Gottes vergessene Kinder“ spielt eine schwerhoerige gerade diese zwiespaeltige Rolle, als eine gutsprechende wegen teilweiser Hoerfaehigkeit, aber gut gebaerdend und in der Schulgemeinschaft integrierte Person.
    2) In einem Detektiv-TV-Film, dessen Titel ich vergass, ist die Natur der Schwerhoerigkeit eine Nebenthema (als Teildolmetscher oder als ein Mord-Verdaechtigen), um die Problematik der Taubheit zu illustrieren.

  31. Danke für den Buchtip, da werde ich mal nach schauen. Und Gottes vergessne Kinder steht bei mir schon länger auf der Liste.

    Kürzlich gab es ja im ZDF „Freischwimmer“ — hat den jemand gesehen?

  32. Bin ja gerade auf einer Uraltseite gelandet.
    Das, was da über Hörende,Schwrhörige,Gehörlose geschrieben wurde, kenne ich nur zu gut. In meiner Jugend habe ich da wohl was versäumt, dass ich seit damals im grunde zwischen allen Stühlen sitze. Die Gebärdensprache habe ich gern gelernt und merkte doch, ich war „zu hörend“. ich konnte nie wirklich eintauchen in diese Welt . Bei den Hörenden eckte ich auch oft an…….auch bis heute. Gerade Zweiergespräche sind noch einigermassen erfolgversprechend.
    Und wenn ich bei einem Vortrag Gebärdensprachdolmetscher treffe, um so besser, denn dann kann ich wechseln,so dass das Zuhören mich nicht ganz so sehr anstrengt wie ohne Dolmi. Grüssele Dorena.

  33. Pingback: Warum es kaum Sehbehinderte in Film und Literatur gibt | Blind-Text

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