Tauben Ohren ist gut predigen: An wen richtet sich eigentlich Werbung für Hörgeräte?

Komisch habe sie geklungen, berichtete gestern meine Freundin J. Eine Mischung aus salbungsvoll und als ob man kleinen Kindern etwas zum fünften Mal erkläre: Werbung für Hörgeräte im Berliner Klassikradio.

Hat das zufällig wer gehört?

Abgesehen von dem Tonfall fanden wir es beide äußerst merkwürdig, dass im Radio Werbung für Hörgeräte lauft. Das ist doch wohl das Medium, das Schwerhörige am wenigsten nutzen. Dann schon eher Print, Online oder Fernsehen — oder bin ich da ein Einzelfall?

Aber vielleicht — haben wir dann weiterüberlegt — vielleicht zielen die ja gar nicht auf die Schwerhörigen selbst, sondern auf Freunde und Familie. Damit diese die Betroffenen überzeugen? Meist braucht es ja ein wenig Arschtreten Ermutigung, bevor einer sich ein Hörgerät anschafft. Oder ist schonmal einer nur vom Werbung betrachten auf die Idee gekommen, jetzt ein Hörgerät zu wollen?

Oder kann man beim Klassikradio einfach besonders gut betuchte Hörer erwarten? Schließlich handelte es sich um diese implantierbaren Hörgeräte. Kosten nur etwas über 13.000 Euro. Sind gerade runtergesetzt.

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6 Antworten zu “Tauben Ohren ist gut predigen: An wen richtet sich eigentlich Werbung für Hörgeräte?

  1. Da war sie wieder! Mit allerhand illustrativen Geräuschen untermalt („wollen Sie endlich wieder besser hören?“ – Piepsen von , Hörgerät“, …schwimmen?“ – Plantsch!, „…Radfahren?“ – Knirsch), dem Verweis auf eine US-Studie und viel direkter Ansprache mit vielen „endlichs“ („Wollen Sie endlich“, „dann können Sie endlich“). Die Internetseite heisst entsprechend auch „endlich-besser-hören“.

  2. Aha, das klassische Rezept: Erst Einlullen und Hypnotisieren, dann Triggern. Verstehe. 🙂

    Hmm, ich überlege gerade ob Radio vielleicht gerade WEIL es nur akustisch ist, das ideale Werbemedium für Hörgerätehersteller ist. Denn da kann man die Hörerfahrung zeigen (und ist nicht so von Bildern abgelenkt).
    Das Pfeifen von Hörgeräten ist vielleicht DAS Symbol für Hörgeräte, nervt viele und implantierbare pfeifen nicht (moderne normale allerdings auch kaum). Wasserplanschgeräusche vermisse ich ja auch (weil ich die normalen Hörgeräte immer rausnehmen muss). Und Radfahrknirschen und Vogelzwitschern fänd ich auch nett zu hören. Das sind so die kleinen Dinge, die Schwerhörigkeit ausmachen.

    Bleibt trotzdem die Frage ob so viele Schwerhörige Radio hören — und wenn nicht, wer dann angesprochen ist.

  3. Es sind ja nicht alle Schwerhörige so schwerhörig, dass sie Radio nur schwer hören können. (Ähem, das muss die Hitze sein…)
    Vielleicht waren die Werbenden ja auch schlecht beraten – oh, Radio, da erreiche ich VIELE potentielle Kunden! – oder hatten Geld übrig, wer weiß…

  4. ich vermute – ob der RADIOwerbung und eines kurzen Überfliegens der Website -, dass sich diese Aktion an gut betuchte, noch nicht sehr schwerhörige Menschen wendet, denen aber andererseits die (beginnende) Schwerhörigkeit Sorgen macht. Also eitle, die bereit sind, viel Geld auszugeben, ums zu verbergen

  5. Interessant finde ich auch die Werbung fuer Analphabeten. Im Fernsehen. Mit eingeblendeter (und nicht vorgelesener) Textzeile am Schluss.

  6. Die kenn ich leider nicht, wie geht die denn? Und was sagt denn die Textzeile?

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