Nervensägen I: Behindertengroupies

Ich weiß, wie schwierig es manchmal ist, ungezwungen mit Leuten umzugehen, die anders sind. Nicht zuletzt aus meinen eigenen Problemen mit anderen Behinderungen. Man will ganz normal mit denen umgehen, weiß aber nicht genau wie. Nur — diese Behindertengroupies, die machen mich wahnsinnig.

Das ist so eine Form besondere Form von Betroffenheit. Ein unglaubliches VERSTÄNDIG und BETROFFEN Sein, das zwar nicht ausgesprochen wird, aber aus weit aufgerissenen Augen und auch ansonsten jeder Pore dringt. So eine nächstenliebigebetroffenheitundbewunderungfürmichinmeinerschwierigensituation, mit der komm ich gar nicht klar.

Zum Glück nicht alle dieser Leute, aber viele davon, suchen meine Nähe. Scheinbar gibt es ihnen etwas, mit mir zusammen zu sein — besonders, sich mit mir über meine Schwerhörigkeit zu unterhalten. Das ist ja okay, aber mit diesem verständigen Betroffensein fühl ich mich so unwohl, ich möchte am liebsten wegrennen. Und habe das auch schon ein-, zweimal getan.

Das Schlimme daran ist: Es  ist ja eigentlich nett gemeint und ich bin auf nette Leute angewiesen. Solche die mir erzählen was los ist und mich im Gespräch mitnehmen. Ich bin daher grundsätzlich sehr verständig. Aber manchmal reicht es einfach. Also bitte: Wenn Ihr mich oder andere Behinderte trefft, bitte nicht gar zu sehr betroffen sein und nicht übertrieben bewundern. Danke!

P.S. — Auf Nachfrage hin hier die Klarstellung:  Es darf natürlich weiterhin bewundert und Nähe gesucht werden. Nur das sollte sich nicht nur an der Behinderung aufhängen.

Und nach den Behindertengroupies kommen bei den Nervensägen als nächstes die Jammerlappen.

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5 Antworten zu “Nervensägen I: Behindertengroupies

  1. …es ging mir genauso und hab dann die leute bzw. den menschen einfach stehen lassen…ihre betroffenheit fand ich einfach übertrieben

  2. Wie gesagt, ich hab das auch schon öfters gemacht. Weil insbesondere wenn man sich nicht so kennt ist schwer was zu sagen.
    Wenn man sich ein bißchen kennt oder es paßt kann man ja immerhin mal versuchen zu sagen: Nee, so bitte nicht!

  3. Pingback: Werd’ ich benutzt? Oder bin ich cool? | Not quite like Beethoven

  4. das kenn ich auch… 🙂 und am Ende fühlt man sich manchmal selbst auch noch gaanz furchtbar, weil man vor den ach-so-netten-Leuten,-die-es-ja-nur-gut-meinen wegläuft und somit unfreundlich ist 😀

  5. Einerseits muss man es halt auch einfach akzeptieren, dass die Behinderung zu einem gehört und wie man damit umgeht auch. Ist also genauso bewunderungsfähig wie alles andere auch, man sollte dazu stehen. Andererseits eben ein feiner Grat hin zu wo’s unangenehm wird. Ich mache es daran fest ob ich das Gefühl hab, als Person wahrgenommen zu werden oder nur als Behinderter.

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