Lob der Glastür, oder: Besser angezogen dank Schwerhörigkeit

Bin ich allein? Und wenn nicht, wer ist draußen? Ich wette diese Fragen habt Ihr Euch noch nicht so häufig gestellt, auch wenn Ihr nicht allein lebt. Ich mach das ständig und darum schlucke ich mein ästhetisches Gefühl und werde ab morgen Fan von Glastüren.

Glass Door -- Photo by Kol Tregaskes / flickr, some rights reserved

Ziemlich häßliche Sache, finde ich eigentlich, diese Zimmertüren — Holzrahmen mit gemustertem Glas. Ich kenne die vor allem aus Neubauten aus den 1970ern und 1980ern, meist ein untrüglicher Hinweis auf fürchterliche Beistelltischchen und Schrankwände im Wohnzimmer. Und wer will sich schon gerne immer ins Zimmer blicken lassen?!

Aber schwerhörig wie ich bin, hab ich sie zu schätzen gelernt. Denn so weiß ich wenigstens, was mich auf der anderen Seite erwartet.

Wenn auf der anderen Seite Party ist, höre ich das natürlich — sonst aber oft so gut wie nichts. Solange ich nicht allein lebe heißt das für mich: Glücksspiel. Ich hab die Öffentlichkeit  in der Wohnung, nix mit „daheim, da lass ich mich gehen“. Ich muss mich eigentlich immer so anziehen und verhalten als seien Fremde in der Wohnung. Vielleicht ein wichtiger Gast (oder schlimmer noch eine Gästin 🙂 ) meiner Mitbewohnerin. Vielleicht steht auch die Haustür auf und sie spricht gerade mit der Nachbarin oder dem Postboten! Ich hatte schon Zimmer, die zum Flur und solche die zur Küche hin gehen.

Aber vielleicht ist das ja eigentlich gut, man sollte sich ja auch zuhause eh nicht so gehen lassen. Oder? Immerhin bleiben Unterwäsche und Pyjama auf diese Weise unsiffig.

Übrigens, es hört nicht bei der Zimmertür auf: Zuletzt war ich bei meinen Eltern zu Besuch. Hab mich entspannt — und bin ungeduscht, unrasiert, in halbem Schlafanzug und mit Laptop aufs Klo, Zeitungen und Blogs lesen. Nichtsahnend trat ich heraus — und fand mich der Nachbarin gegenüber, die meine Mutter gerade eingelassen hatte. Okayokay, ist ja alles nicht so schlimm. Aber so ganz ohne Vorwarnung?! Ist mir das schon ein bißchen peinlich…

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8 Antworten zu “Lob der Glastür, oder: Besser angezogen dank Schwerhörigkeit

  1. Ich merke schon: diese Seite wird meinen Horizont erweitern. :O)

  2. Ich lebe in einem Haus Baujahr 1960, das seit dem nie saniert worden ist. Das birgt einige Unannehmlichkeiten, aber wenn ich deinen Beitrag so lese sollte ich vielleicht froh sein, dass sowohl meine Badezimmer- als auch Schlafzimmertür Fenster haben?! 😉

  3. Die letzte Sache könnte aber jedem passieren, nicht nur Schwerhörigen. Und eine Klotür mit Fenster finde ich schon blöd… (Gibt es, gibt es, ich weiß.) Überhaupt ist das in WGs doch immer so, ich zumindest habe DAMALS nicht erst gelauscht, ob irgendwelche Gäste da sind. Schlafanzug? Unterwäsche? Die halten das schon aus. 🙂

  4. Das stimmt schon. Ich sollte mir ein Herz fassen. Der Unterschied ist wie nackig wo reingehen und auf einmal nackig dastehen…

  5. Denen war das bestimmt genauso peinlich wie dir.

  6. Ohje ohje, aber das Gefühl kenne ich. bei mir allerdings dank Glastüren. Ich War anfangs ein totaler Fan davo und iegentlich mag ich sie ja immer noch aber wenn der MItbewohner Besuch hat und du schemenhaft erkennen kasnnt, was im WOhnzimmer vor sich geht und es auch hören kannst, dann denkst du dir automatisch,d ass es umgekehrt genauso ist. Seit dem mache ich mich auch immer Besuchertauglich, sobald ich weiß, es sind Leute im Haus.
    Grüße,
    Tina von den Glastüren
    🙂

  7. TanteMaedel

    Lach, das kenne ich auch, aus dem Badezimmer raus, nackig wie ich bin und huch, wer ist da denn? Roter Kopf und die Frage, wohin gehe ich jetzt, zurück ins Badezimmer sieht blöd aus, daran vorbeilaufen auch. Peinlich ist es eh schon, und dann schwirrt noch im Kopf rum, in der Sauna sind auch alle nackig, warum jetzt so prüde sein. Es ist und bleibt eine komische Situation, weil keiner damit rechnet und es ist Commedyreif.

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