Das Treiben der Anderen

Gerade beim Heimkommen immer wieder dumpfes Pochen gehört. Könnte es das sein? Ich habe keine Ahnung. Dass man am Leben seiner Nachbarn teilhaben kann, ist für mich ähnlich exotisch die Lieblingsgerichte der Pygmäen oder diese Sache mit der Mücke.

Meine Freunde sind mal wieder der Ansicht, das sei auch in diesem speziellen Fall ein Segen — genauso wie bei den Alkoholikern, Junkies und Verrückten. Ich sehe das anders und stelle es mir, ehrlich gesagt, ziemlich aufregend vor zu hören wie’s meine Nachbarn so treiben. Oder zumindest eher belustigend als belästigend.  Außerdem isses bestimmt lehrreich, wer weiß? Spornt es an oder macht es unglücklich, Vergleich zu haben?

Jedenfalls finde ich es ungerecht, dass in hellhörigen Wohnungen nur ich mich wie auf dem Präsentierteller fühlen muss!

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18 Antworten zu “Das Treiben der Anderen

  1. Ich bin ja auch gerne mal neugierig, aber andererseits gibt es durchaus ein paar Dinge, von denen ich nichts mitbekommen muss.

  2. Hoffentlich fängst Du jetzt nicht an, als Präsentierteller-Ausgleich auf nur noch Samtpfoten durch Deine Wohnung zu schleichen?

    Ich persönlich habe ja den umgekehrten Fall: Ich fühle mich nur deswegen nicht auf dem Präsentierteller, weil mein Nachbar gerade aufgrund seiner Fussballberichterstattungen in Stationlaustärke gar nichts von mir mitbekommen kann.

  3. Während meiner Umschulung wohnte ich in einem Internatsgebäude mit festfixierten Möbeln (du konntest also nichts – außer Stühlen – verschieben) und sehr dünnen Gipswänden. Das Bett war an eben jener Wand fixiert und das Bett vom Nebenzimmer auch. Ich kann also aus Erfahrung sagen, dass es gar nicht soo traurig ist, dass du potentiell was verpasst. In Anbetracht des Faktes das die Wand so dünn war bekam ich nämlich statt der Geräuschkulisse eine Ahnung davon wie man das Wort „Einfühlsam“ noch deuten kann: RUMS RUMS RUMS jedes Mal wenn die irgendwie gegen die Wand gekommen sind. Der Staubsauger von Abends 22h bis Nachts 4:20h non-stop zwei Nächte vor einer wichtigen Klausur war auch *toll*

    Und nein, ich habe das nicht stillschweigend hingenommen sondern ja, ich bin rüber und hab gesagt „Sorry, so geht das nicht, ich kriege bei mir drüben alles mit und mag nachts schlafen“. Was kam als Antwort? „Du hörst es doch eh nicht, das bisschen Vibration kannst du doch übersehen.“

    Toll, oder?

    Für den Präsentierteller hab ich auch noch was Schönes, das hab ich früher in meiner alten Wohnung gemacht nachdem dort in meiner Gegenwart (weil ich ja so leise bin, dass man denkt ich wäre nicht da) eingebrochen wurde: Tonband mit richtig altem Schreibmaschinengetippsel und ab und zu mal „PING!“ wie beim Zeilenwechsel. Vorzugsweise wenn du nicht da bist. Dann kriegt du nämlich auch nicht mit wenn die Nachbarn bei dir klopfen und fragen ob deine Maschine ob der Lautstärke vom Museum entwendet wurde. 😉

    Liebe Grüße

  4. Also, ich habe geschlagene zwei Jahre in einer sehr hellhörigen Wohnung gelebt und war nach anfänglichem amüsieren sehr glücklich ausziehen zu können.
    Die Alkoholikerin mit ihrem Flaschenkegeln, den brummenden Boxen,demFernsehprogramm in Stadionlautstärke und ihrem Gesang meist so um 2 Uhr in der Frühe ging mir doch sehr auf die Nerven.Aber die WDR4 Nachbarn, auch in Stadionlautstärke,die kein Suchtproblem besaßen, aber schon morgens um 4.30 Uhr aufstanden waren noch etwas schlimmer. Schlimm war auch, dass sie ihr Sexleben wirklich lautstark auslebten.Davon bin ich sogar wach geworden.
    Ich weiß nicht ob es schlimm ist, seine Nachbarn nicht so gut hören zu können.Aber was sicher von Vorteil ist, Du mußt Dir ein Lachen beim Grüßen nicht verkneifen, wenn sie mal wieder die Nacht durchgevö… haben und du nicht schlafen konntes.

  5. 🙂

    Muriel, das sagst Du aber aus Erfahrung oder? Und nicht bevor Du diese Dinge erfahren hast…

    Judith, ich gehe IMMER auf Samtpfoten, aus Prinzip. Und was tust Du gerade, wo Du das schreibst 🙂 ?

    Salomea, na, wenn die Betten an die Wand geschraubt sind, dann hilft auch Nichtshören nix, das stimmt. Bei Dir stand auf einmal ein Einbrecher im Zimmer???

    Nina, also wenn Du trotz nichtschlafenkönnen noch lachen mußt wenn Du die Nachbarn schließlich siehst, dann muss es doch lustig gewesen sein.. 😉

  6. @notquitelikebeethofen: Kommt darauf an. Es gibt schon einige Erfahrungen, die mir gerne mein ganzes Leben lang erspart bleiben dürfen.

  7. Von der Sorte über die wir gerade reden? :-0

  8. Um es mit Luther zu sagen: Ja.

  9. Ich werde immer neugieriger was man da so alles hört….

  10. @ NglB: Ich bin ja leider leicht grobmotorisch veranlagt, und von daher finde ich die Idee, dass Du auf wohlgesetzten Sampfoten durch Deine Wohnung läufst, sehr hübsch.

    Aber nicht extra schleichen, ja? Die können und sollen Dich ruhig hören beim Tapsen.

  11. ähh, ….beim tigern. Tigern ist das richtige Wort.

  12. Aber das geht doch nicht. Man kann nicht tigern und dabei gehört werden!
    Ansonsten bin ich tatsächlich eher so der Mensch, der manchmal absichtlich Geräusche macht, damit sich andere nicht erschrecken wenn ich hinter ihnen bin. In der im Titel bezeichneten Sache allerdings — nun was raus muss, muss raus. Und wenn dabei mal was zu Bruch geht, auch nett.

  13. Stimmt auch wieder… Aber man kann die Tigerkrallen auf dem Parkett klappern hören! Aber nicht zu viele Vasen mit den Pfoten runterwerfen, nur damit jemand weiß, dass Du da bist. 😉 Überhaupt find eich ja manchmal, man sollte die Sachen, die man nur anderen (zumal Unbekannten) wegen tut, auf ein Minimum begrenzen. Oder?

  14. @nqlb: Ja! In Ermangelung von Akustik habe ich nicht mitbekommen, dass die meine Wohnungstür aufgebrochen hatten (in der Wohnung in der ich vor der Umschlung lebte) und plötzlich standen mir zwei Herren gegenüber, die ich definitiv nicht reingelassen hatte und noch nie zuvor gesehen.

    Heute kann ich da drüber lachen (wenn man sich das vorstellt ist das urkomisch), damals eher nicht.

  15. Judith, ich bemüh mich ums gute Gleichgewicht aus Hedonismus und guter Nachbarschaft.

    Salomea, ich stell mir das ehrlich gesagt überhauptnicht lustig vor.

  16. Ist es ja auch nur im NACHHINEIN. In der akuten Situation war das alles andere als lustig. Ich habe dann auch erstmal 3 Wochen bei meinen Eltern campiert weil ich Panik hatte in die Wohnung zu gehen. Mit überhaupt nicht lustig beim Akutfall hast du also Recht. Ich hab seitdem auch immer die Faxnummer der jeweils meiner Wohnung am nähesten liegenden Polizeidienststelle im Handy.

  17. Ein Hoch auf gutes Gleichgewicht, ob auf Samtpfoten oder ohne! 😉

  18. Als ich an der Uni kam, wohnte ich neben zwei Studenten im Studentenwohnheim. Die Waende waren duenn wie Kartonpapier. Ich dachte, OK, peinlich, aber jetzt entdeckt ich das Ratselhaftes Mannliches Wesen.

    Leider waren ihre Gespraeche ausnahmlos das Langweiligste, das ich je vorstellen koennte.

    „Yo, did you talk to Christy?“
    „Nah, dude.“
    „You gonna call her?“
    „Nah.“
    „Huh.“

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