Warum ich kein Cochlea Implantat haben will

Es ist jetzt fünf Jahre her, dass erstmals ein Arzt zu mir sagte, ein Cochlea Implantat (CI) wäre doch was für mich. Damit könnte ich wieder um einiges besser hören. Ich war geschockt. Eigentlich war ich nur dort um herauszufinden, ob meine Schwerhörigkeit eine autoimmune Ursache hatte. Und dann so ein Themenwechsel! Doch ich sagte mir, ich sei erwachsen und sah mir Vorteile und Nachteile an. Schließlich habe ich das Angebot abgelehnt.

Seither werde ich immer wieder mal gefragt, warum ich das getan habe. Darum hier die Gründe, warum ich kein CI haben will…

Für mich bedeutet so ein Implantat zusätzliche Behinderung. Körperliche Unversehrtheit ist extrem wichtig für mich. Es mag lächerlich klingen, aber schon Piercings habe ich auch deswegen abgelehnt. Ich glaube, dass das meine Antwort auf die Härten der Hörbehinderung ist, ich ziehe Stärke aus meiner fleischigen Existenz. Bei der Vorstellung, auf einmal Technik im Körper, nein im Kopf zu haben und sie nicht mehr ablegen zu können, wird mir ganz blümerant zumute. Ich könnte jederzeit einen Magneten an meinen Kopf schnappen lassen wie Buchstaben an eine Kühlschranktür. Ich wäre in gewissem Sinne nie mehr nackt. Obwohl man von außen wohl kaum etwas sehen, allenfalls spüren könnte. Ich wäre in animalischem Sinne nie mehr normal. Sondern ein Cyborg.

Hinzu kommt, dass ich das Thaiboxen aufgeben müsste. Auch das mag lächerlich klingen, aber was ich dort tue ist mir über die Jahre zu einem ganz wichtigen Teil meiner Person geworden. Mit einem CI im Kopf wäre ich zerbrechlich. Ganz körperlich. Ich müsste immer auf mich achten. Nein, nicht auf mich, auf das Implantat in meinem Kopf! Und das beileibe nicht nur beim Boxen, sondern auch bei so dummen Dingen wie statischen Aufladungen — Winterjacken anyone? Gut, bei diesen scheint die Gefahr nicht allzu groß, aber es wird einem geraten, vorsichtig zu sein. Auch bei Auto- oder anderen Unfällen hätte ich mehr zu befürchten als andere. Denn ginge das Implantat kaputt, ich müsste mir wieder den Schädel öffnen lassen — beim zweiten Mal Implantieren sind die Erfolgsaussichten eher unsicherer als beim ersten.

Eine ganze Reihe medizinischer Verfahren, allen voran Kernspintomographie, ginge nicht oder nur unter engen Bedingungen und mit Vorsichtsmaßnahmen. Man kann darüber streiten, ob diese verzichtbar sind. Aber im Zweifel und solange keine Lebensgefahr vorliegt, müsste man sich — egal was man macht — immer für die Sicherheit des Implantats entscheiden.

Ich muss ja sowieso immer darum bitten, mit Rücksicht und Aufmerksamkeit behandelt zu werden. Ich bin kommunikationsbehindert. Zu wissen, dass ich ganz frei und ungewzungen mit meinem Körper umgehen kann, da ist wichtiger Ausgleich für mich. Wenn mir das genommen würde, fehlt mir ein Kraftreservoir. Darum sage ich, ich hätte dann eine zusätzliche, ja eine Mehrfachbehinderung.

Ein CI bedeutet lebenslange Abhängigkeit von Ärzten und Ingenieuren. Und von einer wahnsinnigen Menge an Batterien (ca 3 alle 3 Tage pro Gerät) und mit Akkus kommt man gegenwärtig nicht mal durch einen langen Arbeitstag. [Siehe die Diskussion in den Kommentaren!] Dann doch lieber Umweltsau. Batterien werden in Deutschland glücklicherweise von der Krankenkasse bezahlt, aber was wenn ich mal im Ausland lebe? Regelmäßige Arztvisiten, Inspektionen und Werkstattbesuche sind Pflicht. Außerdem ist man ganz körperlich an eine Firma gekettet, den Hersteller. Man ist zwar Kunde, wird aber ständig als Patient behandelt und kann auch nicht einfach wechseln, wenn einem die Firma nicht mehr gefällt oder bei der Konkurrenz was besseres herauskommt. Ja nicht einmal wenn bei der eigenen Firma was besseres rauskommt.

Außerdem sind CIs Sprachverstehgeräte — Musik, Klangqualität ist nicht ihr Ding. Und wie das an den Gefühlen zerren kann, habe ich ja schon gestern geschrieben. Stücke, die man schon kennt, kann man wohl wiedererkennen, wohl hauptsächlich am Gesang. Sprache eben. Ob man sie nicht nur hören sondern auch genießen kann, ist offen. Besonders bei Musik, die man noch nicht kennt. Nun ja, auf einem Laptoplautsprecher kann man ja auch gut den Tagesschau-Podcast hören, aber Musik…?

Was man in meiner Situation von einem CI einigermaßen sicher erwarten kann, ist die Verbesserung des Sprachverstehens unter einigermaßen guten Bedingungen. Alle schwierigen Bedingungen (Telefon, Störschall, große Entfernungen, Gruppengespräche,…) bleiben schwierig, da kann keiner vorhersagen ob und wie gut es klappen wird. [Siehe die Diskussion in den Kommentaren!] Bei alldem habe ich nicht das Gefühl, dass ein CI eine Verbesserung meiner Lebensqualität bedeuten würde.

Nachtrag: Zur Vervollständigung des Bildes lesen Sie bitte auch diesen Eintrag.

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99 Antworten zu “Warum ich kein Cochlea Implantat haben will

  1. Guter Beitrag! Ein weiterer Grund für mich persönlich ist auch noch, dass mit einem Implantat meines Wissens das komplette Restgehör zerstört wird und wer weiß, welche Fortschritte es dort in den nächsten Jahren noch gibt. Die Technik ist in meinen Augen dort noch ganz am einfach und wieso sich jetzt ohne Not schon auf eine Technologie festlegen, wenn es „demnächst“ evtl. bessere Möglichkeiten geben wird.

  2. Ich verstehe das gut und hätte an deiner Stelle sicherlich genauso entschieden. Aber an einer Stelle muss ich widersprechen: Ein Cyborg zu sein, fände ich extrem cool.

  3. habe mir deine beiträge über CI + naidas durchgelesen … und staune nicht schlecht. wie vielen hochgradig hörgeschädigten bis zu tauben menschen wurden in den nebel geschickt, dass CI’s das „perfekte“ instrument ist, um wieder g e n a u so hören zu können wie die hörenden. unter diesen erwartungen, v.a. von eltern und mikrokosmos, zerbrechen die implantierten „möchtegern-hörenden“ (nicht böse gemeint!) darunter … und glauben, den fehler bei sich suchen zu müssen, sich noch mehr anstrengen zu müssen. viele werden darunter depressiv …
    doch du hast, obwohl du diese CI-erfahrungen nie am leibe machen musstest, eine ungewöhnlich klare und differenzierte vorstellung, die – wundersamerweise! – real ist und auf viele zutrifft.
    wie hast du es geschafft, so authentische fakten mitzubekommen? sicherlich nicht von den göttern in weiß … oder? *weiter erstaunt den kopf kratz*

  4. @nqlb: Ich finde nicht nur das mit der körperlichen Unversehrtheit und die „Abhängigkeit“ – meine Meinung zu den Dingern kennst du ja – einen wichtigen Punkt, sondern auch das was du über das Boxen schreibst. Solche Sachen verdrängen leider die meisten Ärzte, die dir so’n Ding aufdrängen wollen.

    Vor ca. 2 Jahren hat ein Oberarzt einer Augenklinik (!) versucht mich mit der Masche „Sie sind ja noch so jung und haben Ihr Leben noch vor sich, es entgeht Ihnen doch so viel“ zu zu labern mir doch eins einsetzen zu lassen (da war Profit hinter, im selben Haus dieses Klinikums war die HNO untergebracht) und der hat a) das Wörtchen NEIN nicht verstanden und b) den Satz „Ich will keins und ich diskutiere da nicht drüber!“ nicht. Als ich ihm dann die Frage stellte – nach dem er versuchte die Dolmetscherin zu bequatschen dass die mich bequatscht -, welchen Sinn denn ein CI für mich haben würde wenn ich mir beim Wandern den Kopf verletze (durch meine Gleichgewichtsstörungen falle ich recht oft, lasse es mir aber trotzdem nicht verbieten, es macht mir nämlich großen Spaß zu wandern) und das Ding dann im Eimer wäre guckte er mich ganz blöd an. Siehste wohl, hab ich zur Dolmetscherin gesagt, mit CIs käme ich nicht mal mehr die Serpentine am Philosophenweg hoch…

    @ Kerstin: Solche Menschen kenne ich auch einige. Depression, Sucht… bis hin zu Selbstverletzendem Verhalten. Oft eben wegen dieser überzogenen Erwartungen an die Dinger.

    Liebe Grüße

    Salomea

  5. @Lars : Ich wurde im Juli operiert, mein Restgehör ist komplett erhalten geblieben. Mit neuen Operationstechniken stehen die Chancen ganz gut, sonst hätte ich mich nie getraut.

    @Kerstin: Mich haben die Ärzte sehr genau aufgeklärt und im großen Ganzen genau die Nachteile aufgezählt, die hier im Blogeintrag zusammengefasst wurden. Vermutlich hatte ich ein wahnsinniges Glück? Keine Ahnung. Mir war auf jeden Fall sehr bewusst, auf was ich mich einlasse, keiner wollte mir unbedingt was verkaufen oder so. Im Gegenteil, mir wurde von allen beteiligten gesagt, dass ich mir sehr genau überlegen soll, ob ich das wirklich haben will.

    Mehr später, ich habe gerade nicht viel Zeit.

  6. Ja, man hat heute sehr gute Chancen, das Restgehör zu erhalten, wenn man das will.

    Die Informationen hier oben habe ich zu großem Teil von Ärzten und CI-Herstellern. Ich selbst habe auch keine Ärzte getroffen, die mir was aufdrängen oder verkaufen wollten. Denen war schon klar, dass das keine Lösung für jeden ist und es Leute gibt, die’s nicht wollen. Alle Fragen wurden nach bestem Wissen und Dafürhalten beantwortet. Und von „wieder wie früher“ oder „ganz normal hören“ hat auch keiner gesprochen.

    Natürlich waren die Ärzte selbst grundsätzlich von dem überzeugt was sie da machen, raten oder anbieten. Und das kommt natürlich mehr oder weniger rüber. Aber mal ehrlich, wer würde es anders wollen?! Das wär ja wie die, die plötzlich „auch Akupunktur“ anbieten ohne richtig TCM gelernt zu haben oder sich mal n Bioresonanzgerät in die Praxis stellen, weil man damit Geld verdienen kann.

  7. Ist doch eine gute Entscheidung! Ich wüßte nicht ob ich so mutig wie Du wäre., nur aus der Hoffnung heraus, mehr hören zu können.

  8. Bei allem Respekt vor deiner Entscheidung – leider werden wieder Dinge hier behauptet, die nicht zutreffen:
    z.B. Batterieverbrauch ist viel zu hoch angegeben.
    z.B. Musikhören: bei den CIs heute kaum problematisch
    z.B. Verlust des Restgehörs: kann passieren, passiert aber immer seltener

    Was ich wirklich nachvollziehen kann ist, dass jemand, der mit HG noch Sprache verstehen kann, ein CI für sich ablehnt.

    Gruß
    Katinka

  9. Ich danke dir für diesen Beitrag. Ich habe die OP auf unbestimmte Zeit, wegen bei mir aus gesundheitlichen Gründen bestehender Risiken, verschoben. Auf viele der von dir beschriebenen Risiken oder Nachteile bin ich nicht hingewiesen worden.
    Nach dem lesen deines Beitrages bin ich nun froh, diese OP nicht gemacht zu haben.
    Ich sehe meinen Verdacht bestätigt, nur als Versuchskaninchen benutzt zu werden.
    Laut Nachforschungen meinerseits gibt es erst 2 Patienten , denen nach einer Radikal-OP ein CI eingesetzt wurde.

  10. Hi Katinka, ich freue mich, dass Du hier kommentierst! Allerdings weiß ich nicht, wo hier „wieder“ etwas behauptet wird, ich habe bisher über CIs gar nichts behauptet. „Wieder“ ist hier also fehl am Platze. Außerdem würde ich mich freuen, wenn Du meine Fehler konstruktiv beheben könntest. Deine Verwendung von „z.B.“ legt zudem nahe, dass es noch mehr Fehler gibt, die Du aber nicht genannt hast.
    Das mit dem Restgehör wurde bereits gesagt, auch von mir. Zu den Laufzeiten ist es meines Wissens nach so: Med-Els brauchen 3 Batterien und reichen für 3, selten auch mal 4 Tage. Das neue Modell von Cochlear braucht 2 Stück und hält 2-3 Tage. Akkus bei Med-El halten etwa 10h, bei Cochlear auch, wobei es scheinbar auch einen großen gibt, der etwas länger halten soll. Bei AB weiß ich nichts über die Batterien, Akkus gibt es einen kleinen für etwa 12h und einen großen für max 24h. Das sind Angaben direkt vom Hersteller — und ist alles abhängig von der Einstellung des Prozessors. Da ich hier allgemein ohne Nennung eines bestimmten Herstellers gesprochen habe und man bei Unsicherheit immer von der unteren Laufzeitgrenze ausgehen sollte, sehe ich nicht wo ich hier „viel zu hohe“ Zahlen angegeben habe.

    Bei Musik, was genau heißt „kaum problematisch“ und worauf stützt Du dich?

    @Übermama, ich hoffe, die gesundheitlichen Umstände haben sich gebessert. Das mit dem Versuchskaninchen verstehe ich nicht. Was meinst Du? Und von was für einer Radikal-OP sprichst Du?

  11. Zu den Batterien: die Laufdauer hängt vom Stromverbrauch des einzelnen Implants beim einzelnen Träger ab, daher gibt es nur Durchschnittswerte. Die hier genannten Laufzeiten entsprechen jedoch eher der Mindestlaufdauer.
    Stimmt, Hörreste wurden thematisiert – dazu möchte ich sagen, dass in vielen Fällen die Hörreste von den Betroffenen „überbewertet“ werden, (klar, jeder liebt seinen Rest, auch wenn er kümmerlich ist).
    Insgesamt ist m.E. hier der Eindruck entstanden, als sei das CI eher etwas Negatives.
    Das hat mich gestört. Ich habe keine Probleme damit, wenn jemand sagt, „kein CI für mich“, aber dann sollte aus der persönlichen Sichtweise begründet werden und nicht „über das CI“.
    Fakt ist: die Mehrheit der heutzutage mit CI Versorgten erreicht offenes Sprachverstehen und damit auch die Fähigkeit zu telefonieren.
    Ein Großteil der CI-TRäger kann (wieder) Musik hören.

    Dieses Wissen beziehe ich sowohl aus meiner beruflichen Tätigkeit als auch aus eigener Betroffenheit (wobei ich defintiv nicht von mir auf andere schließe!).
    Ich denke, dass jemand, der wegen Kickboxen kein CI möchte, bzgl der Hörschädigung keinen Leidensdruck hat. Das ist auch ok so. Ich möchte halt lieber hören als kickboxen.

    Ich frage mich, ob jemand auf das Weiterleben verzichten würde, wenn ein wichtiges Organ (das transplantierbar wäre) ausfällt, nur weil er sich deswegen mehrfach behindert fühlen würde (und vermutlich wirklich wäre, im Gegensatz zum Status als Mensch im Cochlea Implantat).

    Katinka

  12. Na bitte, es geht doch. Danke Katinka.

    Wobei ich finde: Also wenn die Ablehnung hier nicht aus der persönlichen Sichtweise begründet war, dann weiß ich nicht, wie das sonst gehen sollte.
    Über offenes Sprachverstehen habe ich mich nicht geäußert. Ich weiß auch, dass die Aussichten fürs Telefon bei Spätertaubten gut sind, dennoch habe ich niemanden getroffen, der sich dazu hergegeben hätte zu sagen: Sie werden das in jedem Falle und mit unbekannten Gesprächspartnern können. Und Musik, nun da streitet man sich ja auch in den einschlägigen Foren.

  13. Hi there
    I understand and respect your decision making process. It is a hard decision to make, a non reversible one too.
    You know the progress that I have made with my CI but others may not so if you don’t mind I will add a few things. Hopefully my google translator was faithful to the original German words.
    I don’t feel that I am a guinea pig for doctors, after 25 years CIs are pretty mainstream really. I took the advice of my surgeon about which CI to have, but I did question him closely about his past results with that one. The healthcare system in Canada ensures that doctors do not profit from advising one manufacturer over another. I also feel that the clinic I attended has too much integrity for that.
    My residual hearing has been preserved in my implanted ear. I am starting to enjoy music again, I went to the opera last week (HD live cinema) and the only problem was with my hearing aid. I had to switch that off to enjoy the sound better. I was also able to understand the spoken word without subtitles, this was in the interval when they interviewed the singers.

    Batteries on my CI last 11.5 hours exactly. I don’t use the disposable ones at all, just the rechargeable ones. The recharger comes with different plugs to be used when travelling.

    I don’t feel any less whole with the CI in my head, rather more complete really. I understand about your disappointment over the kick boxing. Only you can decide how important this is to you.

    Static, well I live in Ontario Canada. We have static in the winter. big time. There are ways round it and it doesn’t seem to be a problem in practice.

    I’ve made a couple of phone calls, they are weird, very weird but it will improve and become normal I’m certain of this.

    So, after that ramble. I wish you well whatever decision you make. I think it’s normal to question and doubt at this stage.

  14. So, jetzt endlich mal zum eigentlichen Eintrag (blöde Hektik! ;-))

    Ich kann Deine Entscheidung verstehen. Wenn mein Hörvermögen durch Hörgeräte verbessert hätte werden können, hätte ich auch eher zu Hörgeräten gegriffen als zum CI. Ich habe ja auch gut 10 Jahre überlegt, bevor ich den Schritt wirklich gewagt habe. Irgendwann wollte ich einfach wissen, ob nicht doch noch mehr geht. Und obwohl ich noch kein Sprachverständnis habe, habe ich es nicht bereut. Alleine schon endlich mal einen Vogel zu hören war es wert, auch wenn das nur eine relativ tief krächzende Krähe war. Aber ich habs gehört, zum ersten Mal, und das hat mich verdammt glücklich gemacht.

    Die Punkte, die Du für Deine Entscheidung zusammengetragen hast, finde ich alle wichtig. Sport z.B., eine Sportart, die ich mag, wäre mir auch wichtig genug, um ihrentwegen zu sagen: „Nö, ich will kein CI.“. Zum Glück betreibe ich nur harmlose Sportarten (schwimmen, radfahren, ab und zu joggen). Fußball habe ich mal gespielt, das würde ich nicht mehr ohne weiteres tun, aber ich habe mich sowieso nie getraut, das im Verein zu spielen, weil man da die Anweisungen (und natürlich die Pfeife) hören muss. In unserer kleinen Firmen-Damenmannschaft hat man das nicht so eng gesehen, das war just for fun.

    Dass das Risiko bei Unfällen höher ist, sehe ich allerdings nicht so. Mal ehrlich, wenn man so ungücklich stürzt oder von einem Gegenstand getroffen wir, dass das CI zerstört wird, dann hat man auch ohne CI ein ernsthaftes Problem. Diese Stelle ist so oder so empfindlich. Sicher, beim Radfahren sollte man vielleicht besser einen Helm tragen (muss endlich mal einen kaufen …), aber sonst ergreife ich keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen.

    Übrigens, was Musik angeht: Für mich hört sie sich noch nach Güterbahnhof an, aber ich bin trotzdem glücklich über das, was ich höre, weil die E-Gitarre schon gewaltig an Tiefe gewonnen hat. Und Drums auch. Wer hätte gedacht, dass Drums auch hohe Töne erzeugen können?!? Das hört sich zwar noch nicht so gut an, gibt aber Hoffnung. Ich bin zuversichtlich, dass ich Musik irgendwann auch mit CI genießen kann, und wenn es drei Jahre dauert. Ich habe es ja erst seit zwei Monaten, da geht noch einiges!

    Jetzt habe ich wieder viel zu viel über mich gequatscht. Was ich eigentlich sagen sollte: Ich finde es gut, dass Du Dir solche intensiven Gedanken gemacht hast und eine für Dich logische Entscheidung getroffen hast. Das kenne ich auch anders. Ich habe schon miterlebt, wie Leute sich mehr oder weniger blind operieren ließen, dachte, dass sie danach supergut hören und regelrecht zusammengebrochen sind, weil sie gerade mal einige eher ekelhafte Geräusche wahrnehmen konnten … Sowas darf nicht passieren.

  15. Mog, thanks for commenting! I’m very happy to hear about your positive experiences, esp. re. music, and hope others will be, too. And thanks for the good wishes, too.

    Nikana, auch Dir danke! Geschichten vom glücklich gemacht werden höre ich gern. Dass der Kopf so oder so empfindlich ist, stimmt. Aber ich kann Deinen Satz nur umdrehen: Ich hoffe, dass es stimmt, dass das CI erst dann kaputt gehen würde, wenn ich auch so ein ernsthaftes Problem hätte. Da bin ich mir nach meinen Nachforschungen nämlich alles andere als sicher. Und ich stimme Dir zu, Blindflug — oder schlimmer: blind geflogen werden — darf hier nicht passieren. Das ist auch ein Grund warum ich meine Überlegungen hier öffentlich betreibe.

    Wobei man berücksichtigen muss, dass es hier um Spätertaubte geht.

  16. Das mit dem Restgehört scheint dann relativ neu zu sein. Ich hatte mich nach meinem Hörsturz auf einem Ohr einfach aus Interesse mal mit meinem Ohrenarzt darüber unterhalten, der meinte, dass ein Restgehör immer besser als ein CI ist und das bei einem CI dieses verloren ginge.

  17. Bei mir wurde innerhalb von einem Jahr das linke Ohr dreimal operiert. Ich werde hier nur auf die Radikaloperation eingehen, weil es sonst den Rahmen eines Kommentars sprengen würde. Zudem wurden mir von den Ärzten keine ausreichenden Informationen gegeben.
    Der Warzenfortsatz wird hinterm Ohr ausgeräumt und die hintere Begrenzung des Gehörgangs entfernt. Nach Information eines Arztes wurde bei mir zusätzlich bis ans Gehirn operiert und zusätzlich Knochen entfernt, mein Gleichgewichtsnerv soll freiliegen, außerdem wurde mir eine Gehörgangplastik eingesetzt.
    Auch nach mehrerem Nachfragen wurde mir keine weitere Auskunft gegeben. Durch Zufall kam ich in den OP-Bericht der 1. Operation, da war die Rede von Tumoren. Jeder Arzt hat sich bis jetzt um eine vernünftige Antwort gedrückt.
    Nein, mein Gesundheitszustand wird sich nie wieder verbessern. Im Gegenteil, die Ärzte warten seit ca. Jahren auf meinen Tod.
    Die Ärzte haben noch nicht oft nach Radikal-OP’s ein CI implantiert. Da ich wohl auch noch ein seltener Fall war, wäre es doch nur logisch, wenn sie mich als Versuchskaninchen benutzen würden. Ich finde es überhaupt nicht schlimm, aber sie hätten mich wenigstens fragen können.
    Ich möchte hier nicht auf weitere Details eingehen. Bei Interesse gebe ich dir gerne per Mail nähere Auskunft.

  18. Ich kam natürlich an, nicht in, den OP-Bericht.
    Die Ärzte warten seit ca. 20 Jahren.

  19. Lars, ja, ist recht neu. Jedenfalls, dass es die entsprechenden Studien gibt und auch einigermaßen viele Operateure das können. Die Gefahr, dass ein Fehler passiert und es verloren geht ist natürlich immer noch da.

    Babbeldieübermama, danke für die Erläuterung. Das verdient allerdings den Namen radikal und so ist auch klar was Du gemeint hast. Ich wünsche Dir Glück und das Beste!

  20. Tatsache ist, dass niemand voraussagen kann, wieviel Benefit jemand mit dem CI haben wird.
    Mit den neueren OP-Methoden ist die Chance, das Restgehör zu erhalten, stark gestiegen, dennoch wird es niemand garantieren.
    Insofern hilft es auch nicht, wenn ich von meinen eigenen Erfahrungen berichte, weil sie nun mal nicht auf andere zu übertragen sind (jeder hört anders mit CI).
    Was ich jedoch nicht unterschreiben würde, wäre „Restgehör ist besser als CI“. Wenn hiermit die so genannte Resthörigkeit gemeint ist. Aus persönlicher Erfahrung kann ich dazu nichts sagen, da ich vollständig ertaubt bin (war), ohne jeden Hörrest. Und: es bedarf einiger Zeit des Trainings, bis man mit dem CI „gut“ hört (gut im Sinne von Sprachverstehen).

    Im Endeffekt muss jeder selbst entscheiden – besser mit Hilfe aktueller Informationen als mit Wikipedia usw.

  21. Ich trage selbst ein CI und werde in einigen Wochen endlich nach Jahren ein zweites CI machen lassen. Mein Gehör hat in den letzten Jahren auch auf dieser Seite stark abgenommen, gehörlos bin ich allerdings bereits seit Geburt.
    Ein Wort zur „Abhängigkeit von den Ingenieuren“: Ich habe meine Abhängigkeit von meinen Ingenieuren, die das CI betreuen, viel kleiner gefühlt als beim Hörgerät. Denn das CI ist jedenfalls bei mir um ein vielfaches einfacher zu handhaben als beim Hörgerät. Beim CI geht man nur einmal pro Jahr in die Klinik, beim Hörgerät dagegen muss man hin und wieder mal zum Akustiker, um neue Otoplastiken zu machen, neue Hörgäte ausprobieren, Hörgeräte neu einstellen, Hörgeräte testen und so weiter. Dadurch, dass das Hörgerät messbar und man sich vor allem die Höreindrücke viel einfacher vorstellen kann, ist die Abhängigkeit vom Akustiker viel grösser als von einem Ingenieur, der wirklich um Informationen Deinerseits betteln muss, weil er keine Ahnung hat, wie Du hörst. Er kann auch Dein Gehör nicht wirklich messen, wie ein Akustiker. Der Ingenieur ist voll und ganz auf Dich angewiesen. Zudem hat sich das CI um viel zuverlässiger erwiesen: keine Rückkopplung (Pfeifen), das kann es gar nicht geben.
    Was das Thaiboxing angeht, ja, da gebe ich Dir recht: Diesen Sport sollte man mit CI nicht unbedingt ausüben. Aber ist das Opfer wirklich so gross, dass Du auf besseres Sprachverstehen verzichten willst?
    Gut, man kann argumentieren, dass man keine Resultate garantieren kann. Aber – zumindest in der Schweiz – man empfiehlt ein CI eigentlich nur, wenn man nicht wirklich etwas verlieren kann.

  22. Katinka, weil Du wikipedia erwähnst: Ich würde die Informationen da genau wie Du weiß Gott nicht als Entscheidungsgrundlage sehen. Aber ich habe sie bereits mehrfach verlinkt, um Leuten, die hier lesen und gar nicht wissen was ein CI ist einen knappen Hinweis zu geben. Weil ich sonst keinen kurzen griffigen und einigermaßen neutralen Link zur Verfügung habe. Hättest Du da was besseres?

    eyeit, interessant, so hab ich das noch nie gesehen mit dem Verhältnis zum „Einstellungspersonal“. Ansonsten: Der Witz oder die Schwierigkeit bei der Sache ist doch, für sich zu entscheiden was von den ganzen Dingen an die man sich und sein Verhalten anpassen muss, ein „Verlust“ oder ein „Opfer“ ist. Und das kann man eben nur selbst. Davon hängt’s dann ab ob ein CI empfohlen wird. Jeder Arzt, denke ich, würde sagen, ja, wenn Sie das unbedingt behalten wollen empfehle ich Ihnen das auch nicht, auch wenn sonst alles klar ist.

  23. Interessanter Beitrag! 🙂

    Eine meiner Gründe gegen CI ist, dass mir die Vielfalt der Menschheit gut gefällt. Ich brauche nur an z.B. Daniel Tammert, ein Autist, zu denken. (es gibt ein Biographiebuch von ihm) Was er aufgrund seiner Behinderung so alles erlebt hat.

  24. Pingback: Behindert ist man nicht… « überschaubare Relevanz

  25. Da bei mir jetzt zu 99% auch ein (bzw. in meinem Fall wahrscheinlich sogar zwei, wenn die KK mitspielt) CI ansteht ist es mal ganz interessant zu sehen, wie ich vor knapp drei Jahren darüber gedacht habe (siehe erster Kommentar). Ich bin mittlerweile auch beidseitig ertaubt und bei mit stellt sich nicht mehr die Frage, ob CI oder nicht, sondern nur noch, wann ich es bekomme.
    Es ist schon ein deutlicher Unterschied in der Lebensqualität zwischen „an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit“ und „Gehörlosigkeit“ im Sprachverständnis und die Nachteile des CIs sind in meinen Augen mittlerweile geringer als die Vorteile, die ich mir dadurch erhoffe.

  26. Ganz so lang ist es ja nun noch nicht her, eher fast zwei Jahre. Aber das ist lustig, nicht wahr? Dieses Nachlesenkönnen… 🙂

    Ansonsten, mich erstaunt es auch, und immer noch, wie sehr sich das unterscheidet, dieses Fastnichtshören und das Nochetwaswenigerhören. In Sachen KK wünsche ich viel Glück!

  27. Ah – Da kommt der Mathe-LK wieder zum Vorschein 😉

    Ich lese mir gerade noch einmal deine Einträge zum CI durch (sofern die entsprechend getaggt sind) und finde die nach wie vor sehr interessant, vor allem, da sie auch meine Erwartungshaltung bestätigt (Sprachverstehen wieder halbwegs möglich; Musik mit Einschränkungen). Bei der Voruntersuchung wurde mir gestern auch bestätigt, dass ich durchaus realistische Vorstellungen habe, was machbar ist und was nicht (sicher auch durch Deine Blog-Einträge, die ich „damals“ ja schon einmal gelesen habe).
    Was mich aber interessieren würde wäre Dein Fazit heute. Würdest Du die Entscheidung genauso noch einmal treffen? Ärgerst Du Dich evtl. mit dem Wissen von heute, es erst einmal herausgezögert zu haben? Und dann natürlich: Wie ist Dein Hörempfinden heute?

  28. Das schreibe ich Dir mal in einem eigenen Beitrag auf, ok`?

  29. Das wäre schön 🙂 Danke schon einmal!

  30. Kreileder Markus

    Bin seit einem halben Jahr selbst auf einer Seite ein Ci Träger und auf der anderen Seite trage ich nach wie vor ein normales Hörgerät, kann daher etwas dazu sagen. Ein Ci braucht man vor allem dann, wenn man wirklich sehr schlecht hört und mit Hörgeräten kaum noch ein Sprachverstehen
    mehr möglich ist. Bei mir war es so, das ich vom 10 Wörtern nur noch
    ein Wort richtig verstanden habe und das war einfach zu wenig.Mit Ci
    verstehe ich jetzt schon von 10 Wörtern 6 richtig, Ja ich höre Sogar auf der Ci Seite viel besser als auf der Hörgeräte Seite. (Manchmal träume ich schon vor dem zweiten CI, weil ich weiß, das ich damit noch mehr hören
    Könnte, aber solange ich auf der Hörgeräteseite von 10 Wortern noch 3 richtig verstehe, belasse ich es so, aber sollte es schlechter werden,
    gibt es für mich nix mehr zu überlegen. Ansonsten ist es Scheiß egal,
    ob man ein Hörgerät oder ein Ci trägt, Der Tragekomfort ist der gleiche.
    Und ich bin sogar Stoz darauf, ein Ci Tragen zu dürfen und mir geht es mit
    dem Hören wieder viel besser. Aber eines muss man auch wissen, Störgeräusche, telefonieren usw bleibt wie beim Hörgerät immer etwas
    Problematisch, sollte aber kein Grund sein, sich deswegen gegen ein
    CI zu entscheiden. Das Menschliche gesunde Gehör hat eben noch zusätzliche Fähigkeiten, wie z.B. aus dem Lärm die Sprache herauszuhören,
    oder den Störenden Lärm automatisch etwas zu unterdrücken, sodaß es nicht so stört…usw. das geht eben mit Hörgerät oder mit Ci nur begrenzt…..
    Und noch muss man etwas wissen: Wer schon immer sehr schlecht gehört
    hat, der kann nicht erwarten, das er wieder sehr gut hört, jedoch habe ich von vielen gehört das es doch meistens besser als mit dem Hörgerät ist, was auch bei mir eindeutig der Fall ist.Natürlich gibt es immer wieder
    Ausnahmen…..Ja das Leben ist voller Hoffnung….und naja, früher dachten die Menschen oft, der Tickt nicht ganz richtig, dabei hörte er oft nix….

  31. Ja, so würde ich das inzwischen auch zusammenfassen. Freut mich, dass Du das so siehst. Aber eins muss ich noch sagen, dass ich nicht höre heißt ja nicht, dass ich nicht paranoid bin! 😉

  32. Hallo liebe Online-Community !
    Seit ein paar Tagen bin ich stiller Mitleser hier.
    Erstma muss ich nqlb Seite loben, das hast du richtig schoen interessant und informativ gestaltet!

    Ich finde es richtig gut, dass man hier auf gleiche oder
    voellig verschiedene Meinungen trifft.

    Zum CI Implantat moechte ich auch mal meinen Senf dazu geben.
    Ich selbst bin seit Ende des 2. Lebensjahr auf beiden Ohren hochgradig schwerhoerig durch eine Hirnhautentzuendung geworden und trage Naida HG.
    Schon seit ueber 15 Jahren empfehlen mir HNO Aerzte, Hausarzt und Akustiker mir ein CI Implantat.
    Sie empfehlen es mir und unterrichten mich, sodass ich immer halbwegs auf dem neusten Stand bin. Aber aufdruecken tut mir auch keiner was.

    Meiner Mutter bin ich sehr dankbar, das sie auf meine Entscheidung ueber ein CI-Implantat gewartet hat.

    Warum ich dies immer wieder ablehne?
    + wegen Sport oder allg. Verletzungsgefahr
    z.B Kampfsport, Freeride Biken o. Ski, Ballspiele usw…

    Was passiert wenn ein Basketball mit vollen Schwung auf das CI Geraet knallt? Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass das HG in 2 Teile zerfallen ist und ich danach hoellische Kopfschmerzen hatte.
    Oder kann man einen normalen Fahrradhelm oder einen Motorradhelm aufsetzen, wenn man ein CI hat?
    Schon beim HG fiebt und drueckt es und wenn man da noch eine Brille auf hat, ist es noch schlimmer.
    Auch mache ich mir Gedanken, wenn ich mit meinem Kopf an eine Ecke/Kante ausversehen stosse und die Schaedeldecke ist schon duenner. Wie gross ist das Risiko, das man sich schneller verlezt?
    Ich wuerde einfach nicht mehr in Ruhe leben koennen aus Angst, das ich mich am Kopf verletze.

    + wegen der Abhaengigkeit von anderen z.B. Akustiker, Aerzte usw…

    Ich glaube, ich waere richtig ungluecklich,
    wenn ich mein eigenes CI nicht selber einstellen koennte,
    sondern immer an die Techniker angewiesen bin.
    Das bin ich naemlich schon bei den HG.

    +wegen der Batterie Laufleistung

    Leider sind die Batterien noch zu schwach oder das CI verbraucht zu viel Energie, lieber wechsle ich erst alle 2 Wochen.

    +wegen der Bequemlichkeit

    Also ich weiss noch nicht richtig, ob es Probleme gibt
    z.B. beim liegen auf der Couch oder
    einfach mal die Haende hinter dem Kopf halten,
    ob das CI da nicht ein bisschen stoert und im Wege ist?

    Das waeren jetz so meine Bedenken die ich haette,
    die mich wirklich richtig stoeren wuerden und ich als Nachteil ansehe, weil es eben zusaetzliche Probleme gibt.

    Das einzigste was es mir bringen wuerde ist, das ich wahrscheinlich wieder am Tisch Gruppengespraeche verfolgen koennte,
    ich die gesprochene Sprache klarer und deutlicher verstehen werde,
    aba das is ja auch noch ni garantiert.

    Und das andere alles liegen lassen, womit man seinen Tag sonst immer verbracht hat? Ich muesste erstmal meinen Lebenstil total umkrempeln um auf sowas einzugehen.

    ABER ganz abgeneigt bin ich auch nicht, weil ich weiss wie wichtig es ist,
    gut zu hoeren und wie es verbindet mit anderen Menschen,
    wenn man sich richtig unterhalten und verstehen kann.
    Ich denke in 10 Jahren werde ich noch einmal darueber nachdenken, wenn man auch selbst ruhiger geworden ist.
    Vieleicht gibs aber auch wieder was neues in der Technik….

  33. Evtl. kann ich da ein wenig drauf eingehen, da ich vor meiner OP teilweise die gleichen Fragen hatte (heute genau 3 Monate CI-Träger):

    „+ wegen Sport oder allg. Verletzungsgefahr
    z.B Kampfsport, Freeride Biken o. Ski, Ballspiele usw…“

    Kampfsport ist mit CI tabu (generell alles was mit Schlägen auf den Kopf zu tun hat), sonstige Sportarten sollten in der Regel kein Problem darstellen (ich hatte als Beispiel nach Fußball gefragt).

    „Was passiert wenn ein Basketball mit vollen Schwung auf das CI Geraet knallt?“
    Der externe Teil könnte dabei, wie ein Hörgerät, kaputt gehen, der interne Teil ist ziemlich stoßfest. Bei einer Verkettung unglücklicher Umstände kann aber natürlich der interne Teil auch kaputt gehen. Dafür müsste aber der interne Teil schon ziemlich genau und mit großer Wucht getroffen werden. Es stellt sich dann auch die Frage, wie wahrscheinlich dieses bei Ballspielen ist, da man ja in der Regel mit dem Kopf in Richtung Ball guckt.

    „Oder kann man einen normalen Fahrradhelm oder einen Motorradhelm aufsetzen, wenn man ein CI hat?“
    Habe ich noch keine Erfahrungen mit gemacht, aber gehört, dass es da durchaus Möglichkeiten gibt (in den USA gibt es wohl sogar CI-kompatible Helme für American Football).

    „Schon beim HG fiebt und drueckt es und wenn man da noch eine Brille auf hat, ist es noch schlimmer.“
    Beim CI kann nichts fiepen, da ja keine akustische Verstärkung vorliegt. Brille ist aber in der Tat etwas umständlich, da neben dem CI ziemlich wenig Platz auf dem Ohr ist.

    „Auch mache ich mir Gedanken, wenn ich mit meinem Kopf an eine Ecke/Kante ausversehen stosse und die Schaedeldecke ist schon duenner. Wie gross ist das Risiko, das man sich schneller verlezt?“
    Genau die gleichen Bedenken hatte ich auch. Wie oben schon geschrieben: Bei einer Verkettung unglücklicher Umstände kann das CI ausfallen. Die Schädeldecke wird zwar etwas dünner, allerdings gehört der Knochen an genau der Stelle laut Aussagen der Ärzte zu den härtesten Knochen im ganzen Körper. Mir sind auch keine Fälle bekannt, bei denen die dünnere Schädeldecke negative Auswirkungen auf einen CI-Träger gehabt hat.

    „Ich wuerde einfach nicht mehr in Ruhe leben koennen aus Angst, das ich mich am Kopf verletze.“
    Die Angst habe ich nicht, allerdings merke ich, dass ich in einigen Situationen meinen Kopf durchaus anders halte als früher, was aber weniger mit dem Implantat selbst zusammen hängt, sondern eher mit dem Überträger außen, da dieser bei mir doch mal gerne abfliegt (und dann im worst case der ganze Sprachprozessor mit).

    „+ wegen der Abhaengigkeit von anderen z.B. Akustiker, Aerzte usw…
    Ich glaube, ich waere richtig ungluecklich, wenn ich mein eigenes CI nicht selber einstellen koennte, sondern immer an die Techniker angewiesen bin. Das bin ich naemlich schon bei den HG.“
    Die Abhängigkeit hast du auf jeden Fall und ist in der Tat ein Nachteil. Das Problem ist in meinen Augen aber weniger die Abhängigkeit von den Technikern, sondern eher die Distanzen bis zum nächsten CI-Zentrum/zur Klinik. Einen Akkustiker gibt es mittlerweile in fast jeder Kleinstadt, während die CI-Zentren nur sehr vereinzelt existieren.

    „+wegen der Batterie Laufleistung
    Leider sind die Batterien noch zu schwach oder das CI verbraucht zu viel Energie, lieber wechsle ich erst alle 2 Wochen.“
    In meinen Augen eher eine Kleinigkeit. Batterien sollen 2-3 Tage halten (hängt auch stark von den benötigten Einstellungen ab), Akkus halten einen halben bis einen Tag (es gibt verschiedene Größen). Bei mir ist es so, dass ich morgens einen Akku aus der Ladestadion nehme und diesen Abends dann wieder rein mache. Das ganze dauert 10 Sekunden und ist nicht wirklich ein großes Problem. Man bekommt auch mehrere Akkus, kann sich also auch mal ein oder zwei Tage von der Ladestation entfernen.

    „+wegen der Bequemlichkeit
    Also ich weiss noch nicht richtig, ob es Probleme gibt z.B. beim liegen auf der Couch oder einfach mal die Haende hinter dem Kopf halten, ob das CI da nicht ein bisschen stoert und im Wege ist?“
    CI ist ein wenig im Weg und gerade der Überträger rutscht gerne mal ab (ist ja nur mit einem Magneten befestigt). Ist aber alles machbar und man gewöhnt sich dran.

    Die Entscheidung für oder gegen ein CI muss jeder für sich entscheiden und man sollte dann mit einer Entscheidung für ein CI dann auch leben können, da es eben Nachsorge erfordert und es halt verschiedene Risiken gibt. Ich kann für mich persönlich sagen, dass ich die CI Entscheidung jetzt noch nie bereut habe und es bei mir einen deutlichen Zugewinn an Lebensqualität gebracht hat.

  34. Hey Lars, dank dir fuer die ausfuehrliche Antwort.

    Das freut mich, wenn es dir mehr Lebensqualitaet einbringt.
    Ich muesste wirklich aufpassen mit den vielen Risiken und
    einiges aufhoeren.

    CI- kompatible American Football Helme? Waere ja fast Wiederspruch,
    da brutalste Zusammenstoesse mit dem Kopf bei dem Spiel fast normal sind. Waere ja wirklich ein bisschen komisch wenns die wirklich gibt.

    Hab grad nachgeschaut, die gibs wirklich
    http://funnyoldlife.wordpress.com/2010/05/21/helmets-and-cochlear-implants/

  35. Das mit dem Football-Helm ist cool, nicht wahr? ^^

    Bin gerade etwas in Eile, wollte aber gern kurz antworten: Freut mich, dass es Dir hier gefällt! In der Sache kann ich nur sagen, gut so wie Du es machst, genau überlegen was Dir wichtig ist, informieren und nicht drängen lassen. Durch das CI quasi eine Zusatzbehinderung zu haben, war ja auch meine große Befürchtung, sie hat sich nicht bestätigt.
    Vom Handling des Gerätes am Ohr würde ich sagen gleicht es sich insgesamt aus, zB fällt der Sprachprozessor eines CI und die Spule leichter ab, dafür gibt es aber einen (für mich unglaublich liebgewonnenen) Vorteil: Ein freies Ohr! Fühlt sich unglaublich gut an und will ich nicht mehr missen. Wenn das erste halbe Jahr vorbei ist, das CI eingestellt ist und man nur noch einmal im Jahr zur Kontrolle muss ist auch die etwaige Distanz zum CI-Center nicht mehr so wichtig. Kann mich ansonsten eigentlich nur Lars anschließen. Dass man sich schneller verletzt oder im Alltag besonders vorsichtig sein muss, kann ich auch nicht bestätigen. Viele Grüße!

  36. Warum ich mich für CI entschieden habe
    Ja. Ich habe neulich das Ding im Kopf. Ich finde es richtig, wenn man mit Vernunft Hilfsmittel annimmt. Ein Mensch mit Artrose, der bei jedem Schritt, wenn er ein Schritt noch machen kann, von Schmerzen leidet, nimmt eine Prothese, einen künstlichen Gelenk gerne und dankbar an. Diese „Körperliche Unversehrtheit“ die so wichtig für dich ist, ist relativ und grenzt in meinen Augen an Narzissmus. Genau so ein Mensch wäre von anderen Abhängig, nicht selbstständig gehend. Ein Schrittmacher ist ein Implantat und bedeutet LEBEN! Deine Entscheidung ist deine. Das ist vollkommen in Ordnung. Nur, die Argumente sind daneben. Verzeih. Es ist mit deinem Stolz, Angst von Operation, Abhängigkeit in Zusammenhang.

    Viele Akkus. Ja, das Stimmt. Nun, wie viele brauchen Menschen für Elektronik sonst? Das ist kein Argument. Es gibt Akkus, die in einer Ladestation wie dein Handy über Nacht neu geladen werden können.

    Zitat: Ich wäre in animalischem Sinne nie mehr normal. Sondern ein Cyborg.
    Das ist ungerecht. Du bist, genau wie ich, behindert. Implantat ist kaum zu sehen, dein (mein) nicht hören aber merken alle.
    Ich will hören, verstehen, nicht Menschen meiden in der Angst, sie fragen mich was und ich werde nicht verstehen und wie ein Idiot da stehen. Meine Behinderung ist vergleichbar mit Menschen, die die örtliche Sprache nicht „verstehen“. Sie werden nicht angenommen. Still oder offensichtlich. Ich will Regentropfen wieder hören, die Vögel und Geräusche der Meereswellen. Ist das Schlimm? Natürlich ist „Geniessen für uns beide dahin. Ja. Das ist traurig. Aber, da sind wir beide im gleichen Boot. Leider.
    auf meiner Seite http://treenet.ch/Stille sind mehr Informationen zu lesen.

  37. Interessante Ansicht hast Du da. Danke Dir fürs Teilen. Deinem neuesten Eintrag entnehme ich, dass es bei Dir inzwischen deutlich besser läuft als noch vor Weihnachten. Freue mich.
    Ich verstehe nicht ganz, was Du mit „ungerecht“ meinst, Cyborgsein ist doch keine Beleidigung?

  38. Hallo und danke für die Reaktion. Ist höchst interessant, dieses Thema. Es geht sehr oft um Kontext. Cyborg ist natürlich keine Beleidigung. So habe ich es auch nicht gemeint. Trotz dem habe ich, eben aus dem Kontext, oder, wie man so sagt, zwischen den Zeilen gewissen Despekt verspürt. Kann sein, ich habe es falsch verstanden. In dem Fall entschuldige ich mich.
    Zitat: „Zu wissen, dass ich ganz frei und ungezwungen mit meinem Körper umgehen kann, da ist wichtiger Ausgleich für mich.“ Ich weiss nicht, wie alt du bist, aber nicht sehr alt, wenn du aktiv Sport betreibst, wie Thaibox-(was ich-ich bitte um Verzeihung-nicht besonders achte.). Als junger Man natürlich verlierst du aus den Augen diejenige, die an solche Hilfen angewiesen sind. Es geht um gewisse Lebensqualität. Für MICH ist wichtiger mit Menschen zu bleiben. In der Gesellschaft von Freunden lachen, wenn sie lachen, diskutieren (wie hier) zu können. Kommunikation mit anderen ist für mich viel wichtiger, als darüber zu denken, ob ich Magnetchen am Kopf habe (dass ich gar nicht merke) oder Stimmen verzerrt höre. Das Inhalt des verstandenen ist viel wichtiger. Das alles ist aus meiner Sicht wichtiger (ich betone-MEINER SICHT) als Körperliche unverzerheit.
    Noch eiune kleine Bemerkung zu deinen Worten: Zitat: Man ist zwar Kunde, wird aber ständig als Patient behandelt und kann auch nicht einfach wechseln, wenn einem die Firma nicht mehr gefällt oder bei der Konkurrenz was besseres herauskommt. Ja nicht einmal wenn bei der eigenen Firma was besseres rauskommt.

    Das stimmt einfach nicht. Das Implantat ist NUR eine Spule und Elektrode, die in die Cochlea eingeführt ist. Da kann man nicht allzu viel verbessern. Die ganze Technik liegt im Sprachprozessor, dass ausser dem Kopf liegt und den kann man wohl, wenn besseres rauskommt, ersetzen. Neu programmieren. Abhängigkeit? Ja. Das stimmt. Da hast du recht. Ein Diabetiker ist von Insulin abhängig (ist oft mit Taubheit verbunden, wenn genetische Ursache).
    Ich sehe, ich habe vielleicht zu viel geschrieben. Also, bis nächstes Mal. 🙂

  39. Hallo Du!
    Ich habe erst heute deinen Block entdeckt, was ich ziemlich schade finde, weil eigentlich müsste ich gerade eher für die Klausuren büffeln als Beiträge zu durchforsten.
    An diesem hier bin ich hängen geblieben, weil Tomas gerade kommentiert hat. Es ist immer wieder faszinierend wie unterschiedlich die Meinungen zu einem CI sind.

    Ich werde seit zwei Jahren regelmäßig damit konfrontiert.
    Ich bin bereits mit Schwerhörogkeit geboren, hab aber bereits als kleines Kind Hörgeräte vehement abgelehnt. Mit 18 habe ich mich dann doch dafür entschieden, einfach weil ich selbst gemerkt habe dass es allmählich doch schlechter wird und außerdem gab es ja jetzt die kleinen, wirklich unauffälligen Im-Ohr Geräte. Dann kam der erste „Schub“, hab kaum noch gehört, ab in die Klinik, Cochlea hier Cochlea da, ich musste schon fast darum kämpfen einfach bessere Hörgeräte zu bekommen anstatt mir den Schädel aufboren zu lassen um mir irgendwelche Fremdkörper einsetzen zu lassen.

    Ich muss zugeben, ich habe mich noch nie wirklich mit dem Cochlea beschäftigt, habe nur vom Hörensagen (haha) mitbekommen wie es funktioniert und was es tut.
    Mein Problem ist, dass ich meine Augen vor meiner Krankheit verschlossen habe seit ich davon weiß und nun erst seit vier Jahren wirklich damit konfrontiert bin.
    Ich habe bisher weder die Krankheit, noch die Hörgeräte akzeptiert und die Tatsache dass es immer nur schlechter werden kann, hat mich in die Depression gestürzt, ich stelle mir meine ganze Zukunft derzeit in Frage.

    Ich bin zweigeteilt.
    Ich lehne das CI deshalb ab, weil ich weiß wie es ist die Welt zu hören, weil ich sie immer gehört habe. Einerseits will ich sie lieber gar nicht hören als „falsch“.
    Dann denke ich mir wieder, ich bin so jung, mein ganzen Leben liegt noch vor mir, warum sollte ich etwas ablehnen was mir hilft zu hören, unsere Welt zu verstehen?
    Lieber die Welt falsch hören, als irgendwann meine Freunde und Familie nicht mehr lachen hören zu können.

    Ich hoffe mir bleibt noch etwas Zeit bis ich diese Entscheidung wirklich treffen muss…
    Und ich hoffe, bis es soweit ist schaffe ich es mit mir selbst und dem was ich bin, was ich habe im Reinen zu sein.

  40. Hallo Hannah.
    Das, was du schreibst und fühlst ist absolut verständlich. Ich bin in einer anderen Situation. Ich habe früher gut gehört und vor allem Musik konnte geniessen und sogar selbst musizieren, weil ich eine eigene Country Band hatte und seit Kindheit Gitarre gespielt habe und gesungen. Ich war gewohnt im Kreis von Freunden heftig diskutieren und vor allem – lachen. Das alles habe ich allmählich verloren bis zu voller Isolation, Unsicherheit, Minderwertigkeitskomplexen. Aus genetischen Gründen wusste ich, ich werde eines Tages vollkommen Taub sein. Also, was werde ich mit einer CI verlieren? Nichts. Trotz dem, Bis ich mich entschieden habe, dauerte es 2 Jahre.
    Es ist wichtig zu wissen, dass das ganze System besteht nicht nur aus den Komponenten, Spule, Elektrode, Sprachprozessor, sondern aus aus Gehirn. Ja. Gehirn hat grosse Plastizität. Die eigentliche Signale, die an Gehirn durch die Elektroden gesendet werden, muss das Gehirn verarbeiten. Interpretieren. Zuordnen. Und, glaube mir, das tut er. Und, bekanntlich, je jünger, desto lernfähiger. Ich habe CI jetzt erst einen Monat und sehe winzige, kleine Fortschritte. Weil ich will!!! Und ich bin 58.
    Die Entscheidung liegt in deinen Händen. Ich selbst weiss nicht, ob es richtige Entscheidung war. Das gebe ich zu. Aber, ich werde daran, an mir, weiter arbeiten. Mein Gehirn, das glaube ich, schafft es.
    Ich wünsche dir viel Kraft und Mut.
    Tomas

  41. Tomas, Despekt nicht, aber es war schon eine Abneigung. Es gibt eben Leute, die finden das buchstäbliche Verwachsen von Mensch und Maschine cool, ich gehörte nicht dazu. Dass es letztlich um Lebensqualität geht, da stimmen wir überein. Was das „nicht einfach wechseln Können“ angeht: Sicher, man *kann* wechseln. Aber ohne Not wird kaum ein Arzt die OP durchführen, ohne Not wird man sich wohl kaum noch einmal der OP unterziehen wollen, oder? Ausnahme vielleicht wenn man zu wenig zu tun hat.

    Hannah, hallo, herzlich willkommen! „Einerseits will ich sie lieber gar nicht hören als ‚falsch’“ – Meine Erfahrung ist: Es kommt letztlich darauf an, ob man irgendwie zufrieden mit dem eigenen Leben ist. Dass das Leben zu kurz ist um das Glücklichsein auf später zu verschieben, habe ich ja in dem Schwestereintrag von diesem schon einmal geschrieben. Das denke ich auch immer noch. Wird die Lebensqualität zu schlecht, verspricht man sich z.B. von der Möglichkeit, wieder (besser) Sprache verstehen zu können etwas, dann sieht die Sache anders aus (genau wie Tomas ja schreibt). Das war bei mir auch so. Wann das ist, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Und Thomas hat auch recht wenn er sagt, man muss das Gehirn dazuzählen! Wünsche ebenfalls viel Kraft und Mut.

  42. @NQLB: Das mit dem Cyborg-Sein sehe ich ja ganz locker und finde es auch ziemlich cool. In der Beziehung habe ich aber bis jetzt auch noch keine Ablehnung erfahren – im Gegenteil: In der Firma spielen einige Kollegen auch schon mal scherzhaft darauf an (nach dem Motto: Und dafür haben wir ja unseren Cyborg…). Aber ist halt eine reine IT-Firma mit noch relativ junger Altersstruktur.

    @Hannah: „Falsch“ hören ist immer relativ. Du hörst mit Deinen jetzigen Ohren auch schon nicht „richtig“ und verzerrt – das wird einem aber kaum bewusst, da man es nicht anders kennt und es daher als Normal empfindet. Ich war sehr überrascht, welche Geräusche ich vor der CI-OP nicht gehört habe und welche ich jetzt höre. Als kleine Beispiele: Piepen der Bustüren (und darauf könnte ich jetzt auch wieder verzichten; das nervt teilweise ganz schön), Piepen von verschiedenen Haushaltsgeräten (z.B. Uhr am Backofen, meine TV-Fernbedienung) oder auch den Feuermelder (das wusste ich aber, dass ich den nicht höre, nachdem meine Eltern mal angerufen haben und sich gewundert haben, was da im Hintergrund für ein Krach wäre – war ein Fehlalarm des Rauchmelders). Insofern hört man mit dem CI nicht unbedingt „falscher“ oder „richtiger“ als vorher, sondern anders und – zumindest in meinem Fall – deutlich mehr. Nach 3 Monaten hört sich für mich mittlerweile auch alles „normal“ an, da ich mich an den neuen Klang gewöhnt habe. Wie Tomas schon gesagt hat: Das wichtigste Gerät an dem ganzen Prozess ist das Gehirn und dieses ist unheimlich flexibel und kann sich auf neue Eindrücke SEHR schnell einstellen. Den berühmten „Mickey Mouse“-Effekt hatte ich zum Beispiel nur ein paar Tage und habe es danach nicht mehr realisiert (Ausnahme: am Telefon habe ich das ab und an immer noch).

  43. @ Hannah: Ja, deine Zurückhaltung verstehe ich sehr gut. Hatte ich auch jahrelang. Das richtige echte Hören ist wirklich viel wert. Und bleibt es auch! Ich habe jetzt seit längerem schon ein CI und bin froh deswegen. Man gibt nämlich das Echte oder das Intaktsein nicht auf, wird eben nicht zu einer doofen „Maschine“. Natürlich nicht.

    Für das CI kann man sich erst entscheiden, wenn es eine Lösung von Problemen darstellt – nicht aber, wenn man nur an Verlust denkt. Kein Mensch mit Verstand würde etwas wählen, was Verschlechterung bedeutet, ist ja klar. Wer sich für das CI entscheidet, kann also die wirklichen Vorteile für sich erkennen. Muss aber nicht!

    Das CI kommt meistens „am Ende des Verlusts“: Man braucht keine Angst mehr haben, etwas zu verlieren, sondern es geht mit CI wieder bergauf. Keine Depressionen mehr, weiß ich aus eigener Erfahrung. Man gewinnt wieder etwas dazu und erlebt gute Momente. Das ist die eigentliche Basis für eine Entscheidung. Lass dir Zeit damit.

  44. Lars, meine Einstellung dazu hat sich (natürlich) auch gewandelt. Es ging aber tatsächlich nur um die und nicht etwas das, was andere Leute dieser Vorstellung entgegenbringen (oh cool vs. eklich)

    Ansonsten, was Ihr, Du und Butzky, sagt.

  45. Mit dem Rücken an der Wand.

    Hallo zusammen. Auch ich war bisher sehr skeptisch was CI angeht. Nun kampfsport treibe ich zwar nicht, aber bin ein begeisterter Jollensegler, der es nur in letzter Zeit nicht mehr zum Wasser geschaft hat. Schläge und Stöße an den Kopf gehören hier dazu. Aber da Wasser und Salzwasser sowiso eine große Herausforderung an Elektronische Teile darstellt. Ist dies ein anderes Thema für sich.

    Nun den Sinneswandel von „not like beethoven“ kann ich zwar noch nicht nachvollziehen bin mir aber ziemlich sicher, dass er hierauf antworten wird ;).

    Ich bin hochgradig Schwerhörig, besonders im Hochtonbereich.
    Bei mir war immer ein Resthörvermögen da. Eigentlich habe ich mich schon gut eingerichtet darauf, dass immer neue technische Innovationen mich mit meinem Resthörvermögen weiter gut und besser unterstützen werden. Siehe Clarus/ Naida etc. von Phonak

    Nun da mein rechtes Ohr mich so ca. alle zwei Woche für zwei bis drei Tage im Stich lässt, die Ärtze sprechen von einem dualiserenden? (schwankenden, instabilien) Hörvermögen. Also Hörstürze. Stellt sich immer wieder aufs neue die Frage, kommt das hören wieder? Wenn ja, auch komplett? Es zerrt stark an den Nervenkostüm und auch für meine frische Familie ist es nicht leicht in dieser Situation.
    Seit fünf Monaten wird mit Tabletten versucht diese Situation zu stabilisieren. (ein wenig besser)

    Meine Entscheidung für eine CI-Operation beruht auf folgendenes:
    – Ich will meine kleine Tochter verstehen können
    – Auch auf der Arbeit, entgeht mir soviel, was mir früher nicht entgangen wäre
    – Mein Akustiker, der mein Leben lang, dass beste für mich rausgeholt hat. Rät mich hierzu. (Kein finanzielles Interesse dahinter!)
    – Ich will Sicherheit für mich, die ich jetzt nicht habe. Denn wenn ich unsicher werde, schlägt sich das auf alle Bereiche nieder. Hier sei Auch das Sebstvertrauen angesprochen.
    – Keine ständig Medikamtöse Therapien auf Dauer

    Folgende Befürchtungen hatte ich noch vor der Entscheidung zu der Operation.
    – höhere Empfindlichkeit, aussreichend hier beschrieben.
    – Kann ich noch auf der Baustelle arbeiten? Bin Handwerker und Büroarbeiter zugleich. Was sagt die BG-Bau hierzu?
    – Derzeit nuzte ich bei Phonak den iCom. Hierbei kann ich Audio, Telefongespräche und Fernseher in beidseitig hören. Hierbei besteht kein Komptabilität zwischen Phonak und Cochlea, (Phonak hat zwar Advance Bionics aufgekauft aber es besteht noch keine Planung der Entwicklung eines Systemintergriertes CI (leider)) (Also für mich ist ein oder zwei Jahre zu spät)
    – Elektromagnetisch Interferenzen bei Magnetfeldern, da CI durch Induktion funktioniert.
    – optische Beeinträchtigung, weil wir uns immer von äußeren definieren. Nur die Hörgeräte sind ja nicht weniger auffällig.
    – Verlust des Resthörvermögen für andere technisch oder spätere Medizinische Anwendungen (nicht absehbare Entwicklung bei der Forschung)
    – Wird das hören schlechter als jetzt? (Dies Frage hat sich inzwischen erübrigt)

    Nun habe ich mich zu der OP durchgerungen und entschieden, weil es für mich existenziell wichtig ist gut verstehen zu können.

  46. und zudem die rasante technische Entwicklung seitens der Prozessoren und technischen Möglichkeiten noch unerwähnt geblieben ist.

  47. Hallo Daniel, danke für Deinen Kommentar. Ich habe gerade leider sehr wenig Zeit, will aber kurz antworten (wie Du ja vermutet hast). Zu den Dingen, wo ich was sagen kann.
    Baustelle– kann ich mir problemlos vorstellen, man muss wohl ein wenig herumprobieren, wenn man einen Helm tragen muss.
    Interferenzen– habe noch nie welche wahrgenommen außer in Induktionsmodus natürlich.
    zukünftige Möglichkeiten– habe ich auch lange daran gknabbert aber man muss halt im hier und jetzt leben und entscheiden und sehen ob man warten will.
    Ich wünsche jedenfalls alles Gute und hoffe, Du erreichst, was Du dir versprichst. Die Chancen sind jedenfalls gut.

  48. Da ich gerade krank zu Hause liege, kann ich auch ein paar Antworten geben:
    – Kann ich noch auf der Baustelle arbeiten? Bin Handwerker und Büroarbeiter zugleich. Was sagt die BG-Bau hierzu?
    Wenn ich mich nicht ganz irre, müsste ein Helm genau die Bereiche des Kopfs abdecken, wo sich das CI befindet. Dazu kommt dann, dass ein Unfall auf der Baustelle, der diese Regionen stark beschädigt, auch ohne CI nicht ganz ohne wäre. Auf einer Baustelle dürfte mangelndes Gehör wahrscheinlich auch gefährlicher als ein durch ein CI empfindlicherer Kopf sein.

    – Derzeit nuzte ich bei Phonak den iCom. Hierbei kann ich Audio, Telefongespräche und Fernseher in beidseitig hören. Hierbei besteht kein Komptabilität zwischen Phonak und Cochlea, (Phonak hat zwar Advance Bionics aufgekauft aber es besteht noch keine Planung der Entwicklung eines Systemintergriertes CI (leider)) (Also für mich ist ein oder zwei Jahre zu spät)
    In meinen Augen ist das der komplett falsche Ansatz: Dein CI wird dich nicht nur für fünf Jahre sondern deutlich länger begleiten und Du wirst dort höchstwahrscheinlich einige Modellwechsel erleben. Daher würde ich bei der Wahl eines CIs überhaupt nicht auf die derzeitigen Spielzeuge wie Fernbedienungen oder Zubehör achten, sondern nur auf die technischen Daten des CIs und des dazugehörigen Prozessors. Optisch macht Cochlear momentan sicherlich den besten Eindruck und die Fernbedienung ist ein nettes Gimick, von den technischen Daten war ich aber nicht so überzeugt (wohlgemerkt: Ich – es gibt da wahre Glaubenskriege um das beste CI und das soll jetzt keiner hier werden).

    – Elektromagnetisch Interferenzen bei Magnetfeldern, da CI durch Induktion funktioniert.
    Früher konnte das wohl passieren, mittlerweile müssen sich aber CI und Sprachprozessor gegenseitig „authentifizieren“ (du kannst z.B. auch nur deinen Sprachprozessor mit deinem CI benutzen – wenn Du ein baugleiches CI von jemand anderes benutzt, klappt das nicht). Außer beim „T-Spulen-Modus“ hatte ich ebenfalls noch nie irgendwelche Interferenzen gehört.

    – optische Beeinträchtigung, weil wir uns immer von äußeren definieren. Nur die Hörgeräte sind ja nicht weniger auffällig.
    Ich würde sogar noch weiter gehen: Durch CI wird die Hörbehinderung endlich auch mal sichtbar – wobei das Leute wohl ebenfalls übersehen können. Ein Mitarbeiter bei dem Kunden, bei dem ich zurzeit im Einsatz bin, hat erst nach 2 Monaten gemerkt, dass ich ein CI trage… Hab halt dunkles Haar und mich für ein dunkles CI entschieden (am liebsten wäre mir ja transparent gewesen, aber das gibt es leider nicht…), so dass es wohl nicht so stark auffällt.

    – Verlust des Resthörvermögen für andere technisch oder spätere Medizinische Anwendungen (nicht absehbare Entwicklung bei der Forschung)
    War auch für mich ein Knackpunkt, allerdings ist das das gleiche Problem wie bei Computern: Man kann immer warten und es wird immer etwas besseres geben, irgendwann muss man sich aber entscheiden. Und beim CI kommt dann dazu, dass es sicherlich Verbesserungen der Lebensqualität bringt.

  49. Du meinst ein transparentes Gehäuse, so dass man die Elektronik sieht? Stimmt, das wär lustig. 🙂
    Ich würde das dann aber wohl doch eher als 2t-Modell für manche Tage nehmen….

  50. Ich verstehe deine Ängste!
    Aber mir hat das CI endlos viel geholfen!
    Ich erlebe jeden Tag als Hörender,
    Mit all seinen Facetten!
    Und das ist, nach Jahren der Taubheit,
    ein riesengroßes Geschenk!!
    Liebe Grüße, Werner aus Nürnberg

  51. Ich bin vollkommen einverstanden. Obwohl ich erst 4 Monate CI trage, verstehe ich sehr viel. Bei Tests 70%. Ich fühle mich nicht mehr so isoliert, wie früher. Ich bin wieder dabei! Es ist neues leben für mich. Alle, die CI ablehnen, überlegt euch alles noch mal. Grenzt euch nich ab. Für fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Besuche meine Webseite http://treenet.ch/Stille. Über Kommentare oder einfach Gedanken würde ich mich freuen. Tomas, Schweiz. .

  52. Freut mich sehr, dass es für Euch so gut läuft!
    Und wie schonmal gesagt, sehr schön gemachte Seite, Tomas. Schaut mal vorbei….

  53. Claudia Sauerwald

    Hallo, ich bin w., 44 J. alt und im Babyalter in Folge von Mittelohrentzündungen hochgradig schwerhörig geworden. Konnte in der Kindheit bei Taubheit links und hochgradiger Schwerhörigkeit rechts mittels Hörgerät ab dem 7. Lebensjahr alles gut kompensieren, in dem ich von den Lippen ablas und mit dem Gerät recht gut hörte, ich trainierte auch das Telefonieren und das klappte relativ gut, nur bei fremden Leuten wars schwieriger.
    Ich ging auch in die normale Grundschule und Hauptschule, erst in Klasse 10 wechselte ich zur Schwerhörigenschule und konnte den Typ 10 B ,Realschulabschluss machen.
    Allerdings wuchs ich in einer Familie auf, die ein generelles Problem mit der Andersartigkeit eines Menschen hat. Mein Vater und eine seiner Schwestern hatten Diabetes, waren hochsensibel und anders begabt als sie sich gaben. Er arbeitete als einfacher Arbeiter, weil er seine Familie versorgen wollte, dazu fühlte er sich verpflichtet, aber mein Vater galt als hochintelligenter Mann und war ein messerscharf beobachtender, introvertierter Mann, der seine eigenen Gefühle u. Bedürfnisse nicht ernst nahm, weil er niemanden enttäuschen wollte.Mein Vater starn jung, mit 39 und seine Schwester auch, etwas über 30. Ich habe erfahren, als 10 jähriges Mädchen, dass mein knapp 19 j. Onkel, der jüngste Bruder meines Vaters sich umgebracht hatte. Seit kurzem weiß ich , wieso: Er konnte seine Homosexualität nicht ausleben bzw. er hatte Angst, dies zu tun, weil er damit die Familie enttäuscht hätte. Damit konnte er nicht leben.
    Meine Schwerhörigkeit wurde nicht wirklich angenommen. Immerzu hieß es:“Du hörst nur das, was du hören willst, und nicht das, was du hören sollst.“ Es galt auch:“Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Meine Eltern gaben mich zur Hauptschule, weil sie meinten, das ich nun mal mit dem „Makel“ klar kommen muss und mit den anderen auch. Für die Mutter war ich immer ein seltsames, merkwürdiges Mädchen. Gute Noten sollte ich heimbringen, was ich nur in den Fächern schaffte, die mich interessierten wie Englisch und Deutsch (Mathe,um Gottes willen). Ich dachte, ich muss auf andere hören, wegen des (zugebenenermaßen falsch verstandenen) Respekts der älteren u. Lebenserfahrenen gegenüber, aus Dankbarkeit halt und auch mein lebenslanger Versuch, Anerkennung zu bekommen. Vergebliche Liebesmüh. Die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten, die ich nicht nur machte, um eine Lücke nach der Schule im Lebenslauf zu schließen, sondern auch um die Familie stolz zu machen, scheiterte, genauso wie der Versuch das Abitur zu machen, weil mir dann ein Führerschein bezahlt werden würde. Die stressige Beziehung mit meinem Ex-Mann, der stets klagte, das ich das Fernsehen zu laut machen würde scheiterte ebenfalls. Und dann lernte ich, bereits erschöpft von vielem, was mir widerfahren war, meinen 2. Mann kennen, der mich nahm, wie ich war. Von ihm bekam ich zwei Söhne, von denen einer sich als extrem schwierig gestaltete…die Gesellschaft meckerte wegen der Kinder, angeblich schlecht erzogen, dabei waren sie einfach nur ehrlich…und ich hatte die Schule und andere Eltern am Hals. Ich war überfordert, allen wollte ich es recht machen, meine Kinder,so nehmen wie sie waren, zugleich mich mit anderen auseinandersetzen, denen so eine Einstellung fremd war und doch war ich diesem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt, das ich oft ohnmächtig mich fühlte. Auch Streitereien innerhalb der Familie kamen vor, denn mein Verhalten war den anderen ein Rätsel, sie verstanden mich nicht und verurteilten mich. Und ich war traurig und wütend, weil sie mich nicht verstanden/verstehen wollten. Ein Teufelskreis und ich erkrankte 2001 an Morbus Meniere, was mir eine erhebliche Hörverschlechterung einbrachte, Schwindelattacken und Ohrgeräusche usw. Seit 2 Jahren habe ich keine Anfälle mehr und versuche, mehr Ruhe in mein Leben zu bringen. Auch mit gelegentlichem Lagerungsschwindel habe ich zu tun. Meine Hörfähigkeit ist momentan so, das kein Sprachverstehen mit Hörgerät mehr vorliegt, der Sprachtest beim Akustiker war katastrophal vor 2 J., nur eine Stimme hörte ich, aber WAS das gesagt wurde, keine Ahnung. Das war eine Frustration. Ich muss zugeben, ich habe viel mitgemacht. Meinem Mann mit seinen beiden Krebserkrankungen zur Seite gestanden(er ist Gott sei Dank wieder weitgehend gesund, hat allerdings Diabetes Typ 1).Aber wenn es um mich geht, hab ich gern weggesehen…ich mache mich gern unsichtbar, weil ich mich mein Leben lang für meine Behinderung geschämt habe, habe seit Jahren Panikattacken, hab mir meine eigene schöne Welt zurechtgezaubert wie etwa schöner Garten,schöne Wohnung, anderen Gestaltung ich fast allein mitwirkte. Ich kann ab und zu Vögel hören, die müssen aber ganz nah sein oder knapp über mir. Manchmal bin ich ehrlich gesagt froh, nicht alles hören zu können, weil soviel Scheiß gesagt wird. Andererseits sagt man auch mir seit Jahren,ein Ohrenarzt, das ein CI doch überlegenswert sei. Ich habe Angst vor einer OP, und Angst vor dem, was ich hören könnte. Ich höre ja jetzt schon so wenig, das ich mich doch sehr erschrecken würde, glaube ich. Natürlich weiß ich auch, das mir manches an schönen Geräuschen entgeht. Ich bin praktisch isoliert, auch aus Angst, verletzt zu werden. Ich meine hier, niedergemacht und nicht akzeptiert zu werden. Alles schon erlebt. Und meine Familie könnte denken, mit CI könnte sie wieder hören, also kann die wieder voll mitmischen etc. Hier müsste ich, das weiß ich sehr genau, natürlich ganz erheblich Grenzen setzen. Und ich gehöre zu jenen, die das üben müssen, das nun mal Enttäuschung dazu gehört, also auch andere zu enttäuschen. Ich sehne mich danach, so sein zu dürfen wie ich bin. Mich 100% tig so annehmen, wie ich bin, mit dieser Hörbehinderung. Wie aber ist das mit einem CI vereinbar? Bedeutet ein CI nicht auch, das man seine Hörunfähigkeit nicht annimmt oder akzeptiert? Oder weil es „zum guten Ton“ einer Gesellschaft gehört, das man zu funktionieren hat, egal ob Behinderung oder nicht? Ich war immer schon ein introvertierter Mensch, konnte nicht gut aus Schüchternheit auf andere so zugehen. Ich will mich nicht mehr verbiegen lassen. Auch würde mir eine Prozedere an Untersuchungen sehr lästig sein…das würde ich im Falle einer CI-Entscheidung in Kauf nehmen müssen. Ich wünsche mir sehr, das ich in nächster Zeit besser abwägen kann, für oder dagegen. Es spielen viele Emotionen mit und es geht ja nur um mich. Entschuldigt den langen Text.

  54. Claudia, über deine Offenheit freue ich mich. Ich möchte dir Mut machen und dir empfehlen, sich nicht mehr von der Meinung anderer abhängig zu machen, sondern rein nach deiner Intuition und Meinung zu handeln. Es gibt keinen, der dich gerade biegt, das kannst du selbst und du kannst das mit deiner feinen Wahrnehmung deiner Selbst gut. Ängste sind schlechte Ratgeber, aber gute Lehrer, wenn sie angenommen werden auf dem Weg zur Erfüllung. Du musst gar nicht „funktionieren“ für andere, nur für deiner selbst willen.

  55. Hallo Claudia, zunächst mal will ich mich Martin anschließen: Hut ab vor Deiner Offenheit. Möchte Dir auch gern Mut machen, obwohl das natürlich schwer ist so übers Internet. Mir scheint aber, Du beobachtest wirklich sehr genau und weißt eigentlich in Dir drin auch, was Du willst und was nicht.
    Du fragst, ob ein CI nicht bedeute, dass man sich selbst nicht annimmt, nicht akzeptiert, dass man schlecht hört. Meine Ansicht dazu ist: Ein CI macht einen nicht gut- bzw. normalhörig, sondern (stabil) schwerhörig. Leicht bis mittelgradig schwerhörig. Insofern *musst* Du dich dafür als schwerhörig akzeptieren, sonst wird das nichts. Und wenn Du es ablegst, bist Du immer noch taub. Auch das muss man akzeptieren. Ob man sich verbiegen läßt/funktionieren muss hängt von vielem anderen ab, ob man ein CI hat/macht oder nicht gibt da nicht den Ausschlag. Es macht nur vieles im Umgang mit anderen Menschen etwas leichter. Wenn einem das nicht paßt, was man hört oder es zu laut ist, kann man ausschalten. Wobei Du hast Recht, die Erwartungen der anderen („kann wieder hören“) sind etwas, wo man sich Strategien zurechtlegen muss, wie man damit umgeht. Das kann man aber üben bzw. ist eigentlich auch nichts wirklich anderes als was man sowieso schon tut um durchzukommen.
    Ich hoffe, ich konnte Dir auf Deine Fragen antworten — jedenfalls wünsche ich viel Stärke und Glück! Wie gesagt, ich glaube, Du weißt eigentlich schon ziemlich genau was Du möchtest.

  56. Claudia Sauerwald

    Danke für Eure Antworten.Dieses Forum finde ich gut und es hat ein gewisses Niveau, was mich sehr freut, denn ich erlebte vor Jahren ein anderes Forum und da ging es vor allem sehr zickig zu und weniger sachlich. Da ich selbst hypersensibel bin, ist das schon wichtig, weil ich lasse mich manchmal von meinen Gefühl gelegentlich überrollen und das dient keiner Sache und mir selbst dann auch nicht. Richtig, ich beobachte genau alles um mich herum, ich habe auch keine Wahl, wenn ich mich einigermaßen geschützt fühlen möchte. Leider spüre ich sehr schnell schlechte Energie anderer Menschen, auch Disharmonien jeder Art schon vorher, bevor andere sie merken und dann muss ich mich rasch rausziehen. Dazu kommt noch, das ich eine perfektionistische Neigung habe, schon früh: Ich lernte perfekt sprechen. Niemand bemerkt, das ich überhaupt schlecht höre, nicht mal im Anflug. Meine Mutter sorgte auch mit dafür, dass ich mir das aneignete und ich war dann auch stolz, dass ich es so schaffte mit der Sprache und Wortschatz, das mich niemand von anderen Nichthörenden unterscheiden konnte. Der Wortschatz ist dann auch so, das ich mich vom Arbeiter bis zum Akademiker unterhalten könnte, ich habe in meiner Jugend sehr viel gelesen. Nun, irgendwann bemerkte ich, und das war bereits in meiner Ausbildung der Fall, die Kehrseite dieser goldenen Medaille: Man glaubte mir nicht, das ich schlecht hörte, bis sie den Schlauch am Ohr sahen (vom Hörgerät),früher versteckte ich es, heute eher nicht mehr. Dementsprechend rücksichtslos verhielten sich manche Menschen und mir wurde es lästig, ständig zu sagen:“Hallo, ich bin schwerhörig! Könnten Sie wiederholen?“ Und manchmal verstand ich beim 3. Mal nichts und was machte ich? Es wurde mir peinlich und ich gab auf und gab vor, sowas wie:“Ja,Ja.“ So kam ich irgendwie durch und insgeheim doch nicht, weil es ja bequem war und die Antwort nicht verstanden wurde. Dieses 100%tige hinter-mir-stehen, mit allen Konsequenzen, nun, das muss ich noch mehr lernen und ich möchte das auch. Wegen dem Schwindel habe ich Angst, beim Lagerungsschwindel, der noch auftritt, das macht mich immer unsicher.Und Unsicherheit oder etwas dann nicht unter Kontrolle zu haben, das fuchst mich gewaltig. Ich kann das mit Übungen wieder korrigieren, aber jedesmal, wenn mir schwindelig wird, bin ich sauer! Dann mag ich das gar nicht, diesen Mist mit den Ohren zu haben und dem Gleichgewichtsorgan. Natürlich, dieses Akzeptieren…ich wünschte, meine verstorbenen Leute hätten mir zu Lebzeiten beigebracht, das es natürlich sei ,nicht perfekt zu sein…dass es normal ist, dass man anders ist. Das Gott einem das mitgegeben hat …mit allen Bedingungen und so weiter. Das bekomme ich jetzt wenigstens ,und das ist mein Wunsch, schon langsam hin. Seltsamerweise fühlte ich mich nie zu Hörgeschädigten hingezogen.Ich wuchs unter Normalhörenden auf und wusste, wie die „tickten“…in der letzten Klasse der Schwerhörigenschule damals, als ich dort rüberging,um einen besseren Abschluß zu machen, das war wie Urlaub, da hatte ich keine Angst, mein Hörgerät zu zeigen. Ich hatte viel Spaß dort, was in der hörenden Schule eher nicht da war, weil das anstrengend war. In der Schwerhörigenschule erlebte ich die Schüler und den Schulstoff weit zurück hinter dem, was ich vorher kannte. Die Schüler selbst hatten eine gewisse Albernheit, das war mir gelegentlich zuviel, auch wenn ich wirklich Spaß hatte und mich wohlfühlte. Aber die mangelnde Ernbsthaftigkeit sorgte auch dafür, dass die Lehrer eher beschäftigt waren, denen soziales Verhalten beizubringen oder Probleme zu diskutieren. War sehr lustig zu hören, wie einmal eine Enlischlehrerin mal einen Test machte und die Schüler fragte, was der Piccadilly Circus ist. Die Antwort:“Eine Frikadelle!“ genügte, um mich lachend vom Stuhl zu reißen…Naja, und nach der Schulzeit wusste ich nicht, was ich werden sollte, was schwierig, mein Vater starb in dieser Zeit und ich war wie ein verlorenes Schaf. Ich fühlte mich zu Hörenden hingezogen, weil ich dachte, das die „Mehrheit“ aus ihnen besteht und alle Welt hört, also müsse man vorwiegend mit denen klarkommen. Welch ein Irrglaube! Ich schaute in meiner Jugend bis kurz nach dem ich 25 wurde und bereits junge Mutter war, schon auf die Schwerhörigen hinab, weil sie nicht „soweit“ waren wie ich..Weder in der Bildung teilweise, noch in ihrem Wortschatz. Das war ein Hochmut meinerseits, der nicht schön war. Das tut mir heute noch leid, auch wenn ich gestehen muss, das meine Ursprungsfamilie ihren Anteil dazu hatte, den menschliche Makel hat man zu verstecken, so gut es geht…alles darf innerhalb der 4 Wände sein, aber nach außen nix. Tolle Fassade. Ich liebe meine Ursprungsfamilie sehr…aber die Haltung, sehr preußisch, weil die aus Dresden und Cottbus stammen und nach den Kriege herkamen nach NRW…Bahnerfamilie und die Oma altadeliger Herkunft…ach Gott…diese Haltungen, nicht sein zu dürfen, wie man ist…und das zu tun, was sich gehört… hat leider einige Tragödien hervorgebracht…Meine Oma hat zu ihren Lebzeiten binnen weniger Jahre 3 ihrer 5 Kinder und 1 Schwiegersohn begraben müssen. In meinem Poesiealbum steht nach dem Suizid meines jüngsten Onkels:“Gott schickt ein Unglück Dir ins Haus, mach Du Dir selbst ein Glück daraus.“ Hach, ich könnte ein Buch schreiben…Mensch. Es wird Zeit, auch für mich zu kämpfen und nicht immer für die anderen…

  57. Claudia Sauerwald

    Nun ist mir noch etwas ganz absurdes eingefallen…Mitbekommen habe ich, das man als CI-Träger eher keine Tomografie machen lassen darf, also alles, was irgendwie magnetisch ist…nun eine absurde Frage:

    Mein Mann ist Insulin-Pumpenträger, wegen Diabetes Typ 1 (übrigens hörend)…ich stelle mir gerade vor, wie seine Pumpe alle Nase lang ausfällt, wenn ich in seine Nähe käme…

    Muss ich im Falle einer Entscheidung für CI da etwas bedenken wegen Insulinpumpe ???

    Was meint ihr? Das man kein Kickboxen machen kann, leuchtet ja ein…aber ich als Hundebesitzerin brauch das nicht (Berner-Sennenhund) und solange ich Gartenarbeit machen und marschieren kann…

  58. Das Problem bei der Computertomographie ist, dass die hohen Magnetfeldstärken auch auf den Magneten im Implantat wirken. Die Konsequenzen können dann meines Wissens von Erwärmung über Verrutschen bis hin zum herrausziehen des Magnetens führen (wenn jemand da genaueres weiß, möge er mich bitte belehren). Egal was passiert: Angenehm sind die Konsequenzen nicht und sie können das Implantat beschädigen.
    Aus diesem Grund sind Aufnahmen vom Kopf und oberer Körperhälfte Tabu, die untere Körperhälfte ist – wenn besondere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden und die Genehmigung vom CI-Hersteller eingeholt wurde – machbar.

    Ich würde allgemein davon ausgehen, dass es keine Wechselwirkung mit der Insulin-Pumpe deines Mannes geben wird, sicher kann das aber nur der Hersteller der Pumpe sagen. In den Unterlagen von meinem CI steht bezüglich anderer Implantate aber nichts.

  59. Natürlich gibt es keine Wechselwirkung zwischen CI und der Insulinpumpe eines anderen Menschen. Ebensowenig wie zwischen einem CI und em eigenen Herzschrittmacher.

    Das Problematische heißt MRT (Magnetresonanztomographie). Die CT, Lars, funktioniert mit Röntgenstrahlen und ist (CI-technisch) völlig unproblematisch.
    Wie mit MRT umzugehen ist, sagt der Hersteller. Grundsätzlich sollte man sie vermeiden. In niedrigen Feldstärken kann man, soweit ich weiß, wenn nötig, bei allen modernen (!) CIs welche machen lassen.

  60. Claudia, auf eine deiner Fragen möchte ich eingehen: „Bedeutet ein CI nicht auch, das man seine Hörunfähigkeit nicht annimmt oder akzeptiert?“

    Ich bin hochgradig schwerhörig und trage Hörgeräte. Verleugnung? Ich erleichtere mir den Alltag mit Hörenden, nehme Musik wahr und kann Filme erleben. Mit meiner Frisur, die aus sehr kurzen bis gar keinen Haaren besteht, zeige ich meine HdO-Hörgeräte erst recht, und ich finde das gut so. Und ich treffe weiterhin Hörbehinderte und bin Vertreter von Hörbehindertenverbänden.

    Man kann seine Haare färben – ist das Verleugnung der angeborenen Haarfarbe? Das kommt auf die innere Einstellung an. Für die einen ist es eine Übung, für die anderen ein bewusstes Spiel, für andere eine (subjektive) Notwendigkeit, und andere haben ihre Gründe, die vielfältig sind. Die Haare oder das Haarfärbemittel können nichts dafür oder dazu.

    Zu deiner Frage: Das kommt nicht auf das CI, sondern auf die eigene innere Einstellung an.

    Ich kenne einen gehörlosen Pantomimen, der heute ein CI trägt, um, wie er in „Sehen statt hören“ gesagt hat, leichter in seinem Beruf mit Kunden verhandeln zu können. In der GL-Welt aber blieb er nach wie vor.

    Ich kenne auch einen Fall, bei dem das CI zwar implantiert, aber nach kurzer Zeit nicht weiter verwendet wurde, weil das Umfeld zu hohe Erwartungen stellte.

    NQLB hat es schon geschrieben: Ein CI macht keinen zum hörenden Menschen. Es ermöglicht jedoch Dinge, die ein Gehör erfordern, z.B. die Unterhaltung in Lautsprache. Und es steht jedem frei zu entscheiden, ob man das will oder nicht.

    „Ein bisschen CI“ geht nicht, daher empfehle ich, sich für ein CI nur zu entscheiden, wenn die Entscheidung freiwillig ist und aus eigenem Wunsch kommt.

    Du kannst dich selbst gut wahrnehmen. Von deinem familiären Hintergrund kannst du dich lösen, wenn du nicht fragst „Soll ich, weil andere das wollen?“, sondern „Will ich?“

  61. Ich bin absolut einverstanden. Haarfarbe ist gutes Beispiel. Mit einem anderen würde ich es ergänzen. Brille. In der oben genannter Einstellung müsste ich keine Brille tragen und meine starke Kurzsichtigkeit akzeptieren und nicht mit Brillen verleugnen. Wenn es überhaupt geht :). Mein Nachbar hat einen künstlichen Gelenk. Sollte er vielleicht lieber zuhause sitzen und auf den Tot im Sessel warten? Er kann jetzt in die Berge gehen und wandern. Ich, mit CI (5 Monate jetzt) kann immer besser kommunizieren. Im Garten die Vögel hören und Freude daran haben. Ich höre jetzt sogar den Regen! Nach vielen Jahren ist es wunderschones Erlebnis, so ein Regen. Ich kann andere Meinung und Entscheidung annehmen, aber schwer begreifen. Hab keinen Angst, ihr, die vor einer Entscheidung steht! Für jegliche Fragen stehe ich zur Verfügung. http://treenet.ch/Stille
    Tomas

  62. Hallo Claudia
    an diesem Punkt war ich auch. Ich wollte doch so mit mir zurechtkommen wie ich war. Nun, mittlerweile habe ich ein CI (einseitig) und bin, ja, entgegen meinen Annahmen, glücklich damit.
    Das war ein langer Prozess, weil ich mich lange damit beschäftigte, WAS ich denn daraus (als Schwerhörige) lernen darf.Während dem fast Ertauben haderte ich oft, und MUSSTE gewisse Dinge lernen. Nun, ich habe gelernt mich abzugrenzen, nein zu sagen, mich zurückzuziehen, offen zu sein, mich selbst zu sein, mich selbst zu lieben, auf mich zu hören.
    Ich habe aber schon vor dem Entscheid, den Entschluss gefasst, dass ich auch als Schwerhörige alles machen kann was ich möchte. das einzige was mich begrenzen konnte war ich selbst.
    Ich habe vor Kurzem eine Ausbildung abgeschlossen, musste damit umgehen nicht alles zu verstehen, und zu vertrauen. Ich musste ofen sein, und die Leute um gewisse Rücksichtnahme bitten, und habe mich in der Welt des Aquariums zurechtgefunden.
    Das CI ist nicht die Lösung deiner Probleme, die Probleme sollten und können wenn möglich jetzt gelöst werden, aber das CI gibt einem ein bisschen Lebensqualität zurück.
    Meine Familie hat immer noch eine taube Mutter und Ehefrau, ich gerate auch nicht ins Schwitzen, wenn das CI nicht zur Hand ist, und ich kann meine Taubheit auch gut und gerne „zelebrieren“.
    Und ich habe die luxuriöse Variante des Hörens: etwas mitbekommen oder nichts mitbekommen 🙂 (Das ist dann in den Situationen, wo ich nur das höre was ich will)

  63. Pia Butzky

    Hallo Claudia,
    also, mmh, ich weiß nicht, ob das winzig kleine CI Technikteilchen solch große Sinnfragen wie „Identität“ oder „Anderssein“ oder „Vorwurf an die Umwelt“ oder „Familienschicksale“ wuppen kann. Ich würde alles ein bischen einfacher halten. Stimme ansonsten allen Anderen oben voll und ganz zu …

    Meine Entscheidung für das CI war recht simpel: Ich sorge für mich.
    Weil ich Hunger habe, esse ich etwas. Weil mir kalt ist, ziehe ich einen Mantel an. Weil ich nach Ertaubung (wieder etwas) hören wollte, habe ich mich für ein CI entschieden. Mit dem CI läuft es bei mir meistens gut, ohne CI wäre es eine totale Katastrophe.

    Die Entscheidung ist sicher nicht so einfach, das will ich mal nicht verharmlosen. Aber Du darfst bei dem CI herzhaft egoistisch denken und entscheiden! Gute Aussichten.
    🙂

  64. Claudia Sauerwald

    Vielen Dank für Eure Antworten. Ich muss sagen, ich kämpfe sehr mit mir, aber das ist eigentlich nicht untypisch für mich. Als die Frage anstand, mich damals sterilisieren zu lassen, also nach 2 Kindern, denn ich hatte nach der Geburt des 2. Kindes einen Bauchwandbruch (Hernie)—hatte ich für diese Entscheidung immerhin 5 Jahre gebraucht…ich gehöre zu dem Homo Sapiens Typen, die es sich echt schwer macht, mit Entscheidungen, deren Konsequenzen eher unabsehbar, aber dennoch in irgendeiner Weise da sein werden, egal, in welcher Form. Das liegt einerseits in mir drin, andererseits war meine Familie auch nicht gerade entscheidungsfreudig bzw. nicht wirklich hinter ihren Makeln, von denen es zahlreiche gab.

    Jetzt, wo ich wirklich ernsthaft beginne, mich damit auseinanderzusetzen, mache ich viel durch, emotional. Früher war ich schon aufgewühlt bzw. aufgelöst, wenn ich mich mal halbwegs mit CI beschäftigt habe, aber der Schmerz und die Angst so groß, das ich irgendwie verdrängte..und tatsächlich kam was dazwischen: Mein Mann bekam Diabetes, Krebs und ich half ihm mit durch diese schweren Zeiten. Dann hatte ich eine wunderbare Ausrede, das die Kinder noch zu klein waren, um die allein zu lassen, allerdings hatte ich schon damals wenig Unterstützung von seiten der Familie, wenn ich die wirklich mal brauchte. Eingefordert hatte ich es auch nicht gerade, denn ich wurde so erzogen, das man eben nicht an sich selbst zu denken hatte. Das galt als Egoismus. Nun aber kommen mir verschiedene Erinnerungen hoch…Ich bin `68 geboren und meine Eltern `44, `49. Also quasi noch im Krieg und Nachkrieg. Sie wussten es nicht besser, selbst die Ohrenärzte anscheinend nicht…Als die mich erstmals wegen dauernder Mittelohrentzündungen untersuchten, stellten die fest und das war Anfang der 70er, das ich möglicherweise zurückgeblieben sei, denn ich war zwar sprachlich talentiert, was von Mutter permanent gefördert wurde, ich konnte aber bereits von anderen unbemerkt vom Mund absehen, aber sehr ruhig und reagierte verträumt. Richtig festgestellt wurde das dann im Alter von 7 Jahren in der Uni-Klinik Mainz. Mein Vater lieferte mich rasch ab, um mir Herzeleid zu ersparen und gleich am ersten Tag begegnete mir ein etwa gleichaltriges und auch sogar gleichnamiges Mädchen, das auf der Brust so ein Riesenapperat trug, um den Hals gehängt quasi und 2 Kabel, die aus den Ohren rauslugten. Ich achtete gar nicht mehr auf das, wie ich bemerkte, eher lallende Mädchen, sondern auf diese riesige technische Errungenschaft, die mir Angst machte. Mein Vater verließ rasch die Station und ich blieb 3 Wochen allein zurück inmitten etlicher Untersuchungen und vieler Kinder…ich wollte immer nach Hause und wurde krank vor Heimweh, das berühmte Heimfieber erfasste mich. Am letzten Tag holte mein Vater mich und ich weinte vor Freude und ich stürzte jubelnd in seine Arme. In meiner Brust war dabei ein unendlicher Schmerz. An diesem Tag bekam ich auch mein erstes Hörgerät. Allerdings, bemerkte ich einerseits erleichternd, ein Hinterm-Ohrgerät drehten sie mir grob rein…und damit registrierte ich sehr wohl: Ich bin anders als andere! Mit 13 Jahren passierte dann etwas merkwürdiges: Ich sollte nach einem erneuten Hörtest ein 2. Hörgerät bekommen. Das verstand ich überhaupt nicht nicht, denn dort war ich taub, seit ich überhaupt denken konnte! Ich drückte natürlich beim Hörtest auch, wenn ich etwas hinterm Ohr spürte, ein Reflex. Und der Akustiker deutete das so: Da muss noch was sein! Und mein Vater glaubte es ihm.Ich versuchte ,meinen Vater umzustimmen, doch er glaubte dem Akustiker mehr als mir. Ich verdrängte das solange, bis die Anpassung erfolgte: Ich ließ mir alles gefallen, wie die am Ohr an mir rumzupften und machten, Passstück, Schlauchkorrektur und so weiter und ich hasste es,wenn man an mir rumfummelte! Mir gegenüber war ein raumgroßer Spiegel und ich sah dieses Treiben neben mir und mich selbst und da brach ich weinend zusammen. Ich war plötzlich so außer mir und mein Vater reagierte sehr betroffen. Beide ,der Akustiker und mein Vater versuchten mich zu trösten, das ich mich schon daran gewöhnen würde usw. doch ich merkte sehr rasch, das dieses Hörgerät mir nicht das Geringste brachte! Ich war so enttäuscht, das man mir nicht glauben wollte…Als ich das Akustikergeschäft verließ, schenkte der Akustiker mir eine kleine Taschenlampe und mein Vater mir auf dem Heimweg eine kleine Cola. Beide waren wir traurig, jeder auf seine Art und Weise. Als dieses falsche Hörgerät einmal verschwand und ich nicht finden konnte, war mein Vater zornig und ich bekam Stubenarrest. Irgendwann fand ich es, unterm Bett, ich hatte es offen rumliegen lassen, und unsere Katze liebte das für sie toll riechende Ohrpassstück, sie leckte ihm dran rum und nahm es unters Bett. Irgendwann später legte ich dieses Hörgerät nicht mehr an und mein Vater registrierte es, schweigend. Das andere Hörgerät jedoch nutzte ich täglich bis zum Schlafengehen, denn ich sah und merkte, das dieses mir sehr wohl etwas brachte und ich hasste diese Stille ohne das Ding! Ich finde, zu jeder Neuerung oder technischem gehört sehr viel Einfühlsamkeit…damals und gelegentlich wie heute sind sogenannte Experten doch recht plump und irgendwie ungehobelt.
    Gerade heute morgen bemerkte ich einmal mehr, was dieses alles für mich bedeutet…diese Auseinandersetzung ist schwer für mich…heute morgen ging mir diese Batterie aus, wie ein Stecker ausgezogen, nun hörte ich nicht mal mich selbst. Da bemerkte ich eine Gangunsicherheit und ich spürte meine Beine anders…es ist immer, als ob eine Lebensquelle in mir weg ist. Sprachverstehen ist schon mit HG nicht mehr vorhanden, ich höre aber noch Stimmen unmittelbar neben mir, also wenn da einer ist, oder den Hund bellen, alles andere nehme ich über die Augen und Gefühle wahr. Was besonders nervig ist, diese dauernde Rückkopplungen beim Gassigehen mit dem Hund. Mein Ohr bewegt sich mit jedem Lachen, sogar wenn ich esse…dann pfeifts…neulich begrüßte ich eine andere Hundebesitzerin…die Hunde trollten alle rum, der eine Hund von ihr springt mich immer an und gibt mir einen „Kuss“ und dann kommt mein Pieper nicht aus dem Pfeifen raus, da sind so Sachen, die mir peinlich sind…und dann mach ich mich besser vom Acker. Oder wenn 3. Personen auf uns stoßen beim Gassigehen und derjenige sich mit meinem Mann unterhält, dann fühle ich mich wie auf einem amderen Planeten oder besser Glasglocke: draußen und möchte mich am liebsten auflösen. Ist absurd, ich weiß, aber ich fühle mich scheiße, ich kriege nix mit, mein Mann unterhält sich, oft auch bestens…und dann kriege ich diese Beklemmungen…wie Panikattacken. Ich denke mir, Mensch, das kanns doch nicht sein! Wenn Gott mir diese Behinderung gegeben hat, schon von klein auf, und später, wenn es sich verschlechtert hat, dann muss er doch einen Grund haben! In dem ich lerne, das beste aus dem zu machen, was ist, oder? Und nicht klage, was nicht ist. Nehmen wir an, wir Menschen inkarnieren mehrmals in verschiedene Epochen (was ich durchaus glaube…) Dann ist es doch so, das Gott sogar auch das gewollt hat, dass ich ausgerechnet in diese Ära zur Welt komme, wo gerade diese technischen Entwicklungen laufen, die durchaus Sinn machen und zugleich ist dieses eine Ära, wo der Mensch sich wieder auf sich selbst besinnen soll. Das würde für mich bedeuten: Gott hat mir dieses Leben geschenkt mit all seinen Bedingungen, aber auch mit den Möglichkeiten, die diese Zeit bietet…Das heißt vollkommene Akzeptanz seiner selbst mit seiner Unvollkommenheit, andererseits entwickelt man sich gerade über die Unzulänglichkeiten weiter. Letzteres bezieht sich auf die Körper,Geist und Seele und auch die gute sinnvolle Technik. (Es gibt ja auch viel technischen Mist, den ich unsinnig find). So langsam freunde ich mich mit dem Thema CI an, und bin aber noch zu emotional, entgültig zu entscheiden…ich kann mir denken, das dies abe reine Frage der Zeit ist. Gruß, Claudia

  65. Liebe Claudia, vielen Dank fürs Teilen Deiner Gedanken. Berührt mich, manchmal auch bedrückend. Ich kenne einiges von dem was Du schreibst sehr gut. Ich wünsche Dir viel Glück und die nötige Zeit auf dem Weg — und hoffe Du kannst Dir auch Situationen suchen, in denen Du das alles mal vergißt.

  66. Hallo zusammen,
    ich habe auf Facebook eine Seite erstellt, die den Austausch von Schwerhörigen, Gehörlosen, CI- und HG- Trägern fördern, Brücken bauen, Ängste ablegen… vor allem aber auch Hörenden einen Einblick in „unsere“ Welt geben und Verständis schaffen soll – denn „Hören“ bedeutet nicht zwangsläufig „Verstehen“. (siehe auch: https://www.facebook.com/HeartOfHearing). Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden ob er die Chancen und Risiken einer CI-OP auf sich nimmt (ich persönlich würde einem Frühertaubten oder von Geburt an Gehörlosen, der keine Sprachentwicklung durchlaufen hat, bspw. KEIN CI empfehlen… allen Spätertaubten hingegen schon). Ich wurde vergangenen Montag bilateral implantiert. Für mich sind deine Argumente nicht nachvollziehbar, darum geht es aber auch nicht… mich würde interessieren, wie gut du aktuell hörst und in welcher Klinik du „beraten“ wurdest. Hast du schonmal eine stationäre Reha gemacht/darüber nachgedacht, um dich vielleicht mal von kompetenten Menschen (und vor allem, anderen Betroffenen „AUFKLÄREN“ zu lassen)…?
    LG Oliver

  67. Claudia Sauerwald

    Hallo Oliver. Nun, wie gut höre ich? Das ist nicht so einfach zu beantworten, also wenn meine Familie zu mir spricht, höre ich ihre Stimmen, mit Hörgerät. Sie sind mir zugewandt und dann lese ich ab und dann gehts. Sprachverstehen ist laut Hörtest nicht mehr vorhanden. Mit Hörgerät kann ich noch meine Stimme kontrollieren, d.h. ich rede also normal, wobei ich sagen muss, dass ich schon immer eine sehr gute Sprache hatte, sodass die allermeisten zunächst gar nicht merken, das ich hörgeschädigt bin. Es sei denn (manchmal tue ich das, wenns keinen anderen Weg gibt, etwa, wenn ich nicht die Hälfte des Gegenübers verstanden habe), und dann schauen die erstaunt und meinen:“DAS hätte ich nicht gedacht.“ Sobald ich das Gerät rausnehme, zum Duschen oder Schlafen, dann rede ich ungern, weil ich weiß, das meine Stimme monoton wird oder „eiert.“
    Nein, ich war noch nicht in einer Reha- Einrichtung. Eine Psychologin und Heilpraktikerin rieten mir allerdings, noch warten mit einer evtl.Untersuchung und OP. Bei Gesprächen ist herausgekommen, dass erst noch einer meiner tatsächlichen Akzeptanz meiner Behinderung gearbeitet werden muss. Offenbar ist das noch nicht ganz der Fall, denn manchmal hadere ich schon etwas mit mit mir, das manches nicht perfekt läuft. Ich las mir nochmal gründlich die Akte durch von der Uni-klinik Mainz, in der ich als 7jährige 1975 für ganze 3 Wochen drin war. Dort war ich also auch 3 Wochen ohne Elternbesuch. Die hatten mich dorthin gebracht, vorher hatten wir eine schöne Main-Schifffahrt gemacht, dann brachten sie mich zur HNO-Kinderstation und ließen mich dort. Ich sollte untersucht werden, warum ich auf Ansprache oder Klatschen nicht so reagierte, das soll seit ca. dem 3. Lebensjahr so gewesen sein. Die 1. Einschulung war schief gelaufen, man stellte mich wegen Verspieltheit und Verträumtheit zurück und ich kam erst mal in die Vorschule. In der Mainzer-Uniklinik war ich verstört, weil ich erstmals ohne Eltern fort war, diese ganzen Untersuchungen waren nicht schön. Bei Hörtests weinte ich oft, das ich nach Hause wollte. Ich reagierte immer auf Kinderlieder, aber bei etwas lauteren Tönen sagte ich bockig:“Das hör ich nicht!“ Anfangs ging man deswegen davon aus, das das eher eine Pseudo-Schwerhörigkeit war. Dann schaute ich in die richtige Richtung, zeigte aber in die falsche. Von 3 Wochen war ich 1 Woche krank, ich hatte heftiges Fieber. Mein Vater erzählte später, das das Heimweh-Fieber war. Weitere Hörtests ergaben, das ich tatsächlich eine Innenohr-Schwerhörigkeit hatte und bekam mittels OP einmal Paukenröhrchen (wegen diverser Mittelohrentzündungen im Kleinkindalter) und am Tag der Entlassung mein erstes Hörgerät. Dem Gerät stand ich lange ablehnend gegenüber. Irgendwann gewöhnte ich mich dran. Ein 2. Gerät auf dem andren Ohr, was man mir anpassen wollte mit 13 Jahren, duldete ich nicht. Denn ich hörte damit auch nichts, denn auf der Seite war ich bereits taub. Die wollten meine Gehörgänge nicht verkümmern lassen, das verstand ich nicht, ich wollte kein Gefummel mehr. Ich versuchte dann, so gut zu leben damit, wie es geht. Aber ich passte mich den andren an, der Familie, denn ich war eine sogenannte „gute, wohlerzogene“ Tochter, ich hatte zu gehorchen. In der Schule kam ich so durch, denn ich hatte immer Leute, die mir geholfen haben. Ich habe es versucht, allen irgendwie recht zu machen, bis vor ein paar Jahren noch…ich habe mehr gelebt wie eine Hörende, nicht wie ein Mensch, der hörbehindert ist und durchaus Rücksichtnahme verlangen darf…Das ist kein Egoismus, sondern Notwendigkeit. Ich war also ein besonderer Apfelbaum, der immer Tomaten gegeben hat. Das geht natürlich nicht…So langsam komme ich auch drauf, das ich sein darf wie ich bin…Aber es ist schon schwer, das,was man jahrelang antrainiert hat, abzulegen, nämlich das man eben nicht perfekt ist…Wenn ich jetzt ein CI machen lasse und die Gefahr besteht leider, das einige in meiner Umgebung tatsächlich meinen könnten, das ich dann besser hören würde und mich vereinnahmen…meine Mutter ist so jemand, die quatscht mich jetzt schon voll, danach bin ich sauer auf sie und auf mich, weil ich mich neben ihr immer noch klein fühle und es noch nicht so gut kann, ihr zu widersprechen,etwa:“Halt den Mund,Mama!“ Ihr ist auch nicht klar, wie schlecht ich höre, dabei habe ich das seit 12 Jahren so im Praktisch-tauben Zustand. Sie legte eine CD ein,im Wohnzimmer um die Ecke der Küche und sagt:“Hör mal, schön, ne?“ Ich sag zu ihr:“Mutter, ich hör schon lange keine Musik mehr, der Tobi legt sonntags gerne klassische, allerdings leise Musik zum Frühstück ein, das hör ich nicht mehr, aus dieser Entfernung gar nicht, 8 bis 10 Meter.“ Da schaute sie mich an, als glaube sie das nicht. Das ist schon ein seltsames Gefühl, da hab ich mich abgefunden, keine Musik mehr hören zu können, aber die Mutter will es immer noch nicht wahrhaben. Ich habe jetzt noch nicht die nötige Ruhe, um mich darauf zu konzentrieren, wieder neu hören zu „lernen“. Erst muss ich Behinderung als solches ganz akzeptieren. Das Wichtigste ist allerdings noch etwas anderes: Mich hat immer gestört, das die es nicht kapiert haben, das tat weh und ich fühlte mich unverstanden . Ich muss mich gar nicht rechtfertigen, Hauptsache, ich mag mich so wie ich bin und gut ist! Was die anderen sagen, oder wie die anderen das finden, sollte mir komplett wurscht sein. Daran arbeite ich jetzt.

  68. Die kritischen Einwände gegenüber dem CI sind schon berechtigt und keine Panikmache, wie das so oft behauptet wird. Wobei die Enttäuschung über eine Erfolglosigkeit weniger schwerwiegender ist als die „körperliche Unversehrtheit“ nach einer Reimplantation, von der hier die Rede war. Da ich diesen Horror durchlaufen habe und immer noch nicht weiß, wie es weitergehen soll, kann ich ein solches Desaster ziemlich gut beurteilen. Wer heute noch mit seinem CI zufrieden ist, könnte es möglicherweise in Zukunft nicht mehr sein.

    Vor 5 Monaten hatte ich meine meine 2. Reimplantation, also meine 3. Operation insgesamt auf dem gleichem Ohr bei Schneckenverknöcherung. Erst im Nachhinein wird einem bewußt, daß diese Operation besser nicht hätte stattfinden sollen. Neben eigenen Vorwürfen reihe ich mich allerdings auch ein in die Riege der Patienten, die sich nicht genug aufgeklärt fühlen und zu recht beklagen, daß über die Risiken überhaupt nicht gesprochen wurde, weil ja heutzutage die Operationen „gar nicht mehr so schlimm“ seien. Die Realität sieht leider ganz anders aus. Nachdem mein erstes Implantat bereits nach 8 Wochen gerade in der entstehenden Verstehensphase abgerutscht war, konnte ich mein 2. immerhin 20 Jahre tragen. Allein diese Operation war nicht schlimm, denn bereits nach einem Tag fühlte ich mich mit meinem Wickelverband wieder fit. Die 3. Operation hingegen kann ich nur als „rustikal“ bezeichnen. Noch nach 5 Monaten ist die Kopfbeweglichkeit eingeschränkt und ich muß entweder meine Baseballmütze oder den Sprachprozessor tragen, um die Balance zu wahren. Die Spannungsbeschwerden lassen bei sich verändernden Kopfbewegungen einfach nicht nach, was psychisch schwer zu verkraften ist.

    Wußten die Ärzte wirklich nicht, was auf mich zukommen könnte? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Als schlimmstes Vergehen betrachte ich das Ausweichen auf meine Fragen, was diese Mißempfindungen verursacht haben könnte. Trotz ständiger Nachfrage ist man mir bis heute die Antwort schuldig geblieben. Also mache ich mir selbst ein Bild und sage, es lag mit großer Wahrscheinlichkeit an den Narbenfeldern, die durchoperiert werden mußten und an den neuen Narben, die entstanden sind. Andeutungen hat es vorher in keiner Weise gegeben, denn sonst hätte ich auf jeden Fall „Nein“ zur Operation gesagt. Wenn operative Machbarkeit höher eingeschätzt wird als gesundheitliche Bedenken, so ist das meiner Ansicht nach sehr fragwürdig.

    Jeder kann sich frei für oder gegen die Operation entscheiden, heißt es so oft. Das stimmt schon, obwohl alles viel komplizierterr ist. Denn wir stehen heute gesellschaftlichen Bewertungsmaßstäben gegenüber, die mehr oder weniger als Wegweiser gelten. Man möchte nichts falsch machen, weil es hinterher Vorwürfe geben könnte. Nicht nur eigene, sondern auch die von Angehörigen: „Dabei war doch die Prognose so gut“.´und man hatte es doch „unbedingt empfohlen“. So liegen die Dinge leider. Also möchte man die Sache möglichst schnell hinter sich bringen, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, etwas unversucht gelassen zu haben. Auch dafür sollte man ein gewisses Verständnis aufbringen.

    Mit diesem Implantat verstehe ich in der oft beschriebenen Verfremdung Zahlen, Monatsnamen, Wochentage und sogar kleine freie Sätze, wenn man mir gegenüber sitzt und die notwendige Zuwendung erfolgt. Dieses Verstehen steht aber in keinem gesunden Verhältnis zu den Fremdkörperbeschwerden, die ich hinnehmen muß. D. h., daß die freie Kopfbeweglichkeit sehr viel höher einzuschätzen ist.

    Der Blick in die Zukunft ist ziemlich getrübt, denn ich kann mir nicht vorstellen. daß sich etwas an den durch die Operation verursachten Spannungszuständen ändert. Höchstens durch eine Explantation. Doch auch da stellt sich die Frage, ob nicht neue Wunden geschlagen werden.
    Nichts sehne ich so sehr herbei wie eine beschwerdefreie Kopfbeweglichkeit.

    Und niemand ist da, der mir Hinweise geben kann, wie es weitergehen könnte, der mir durch Fallbeispiele eine mutmachende Perspektive aufzeigt. Wahrlich der reinste Horror, wenn ich mir vorstelle, wie das Morgen aussieht…

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  70. TanteMaedel

    Ich habe ein Jahr gebraucht, um mich für ein CI zu entscheiden. Mir wurde immer wieder zugesetzt, es zu machen und bei mir baute sich eine immer größere Schranke auf. Irgendwann habe ich mir sachliche Informationen geholt. Mein Leidensdruck, so wenig zu verstehen wurde größer, da ich ein kommunikativer Mensch bin und eindeutig den auditiven Kanal bevorzuge. Mein Hemmnis, war die Musik, denn sie hört sich mit CI nun mal anders an. Irgendwann wollte ich einfach entspannter versetehen können, die Verständigung war kaum noch möglich und nur mit angestrengtem Lippen ablesen. Gebärdensprache habe ich versucht zu lernen, aber sie wurde nicht meine Sprache und ich wollte mit jedem direkt kommunizieren. Als mein Herz sich für ein CI entschied und das ist wichtig, dass man es mit dem ganzen Herzen tut, war ich begeistert, als ich die ersten blechernen Töne hörte. Vieles musste ich lernen zu unterscheiden. Vieles hörte ich zum ersten Mal, wie die Zwischentöne, wenn Vögel ihren gesang loslassen. Bekannte Stücke der Musik, in der hörte ich Klänge, die ich vorher nicht gehört hatte. Mir ist aber auch bewußt, dass es einen Unterschied gibt zu Menschen, die einmal gut gehört haben und wissen, wie Musik sich anhören kann. Für sie ist es ein Verlust, für mich ist es ganz klar ein Gewinn, weil ich fast taub geboren bin. Für mich klint die Welt wundervoll und ich bin jeden Tag begeistert, über das was ich mehr höre. Ich habe das erste Ci 2004 und das Zweite 2006 bekommen.
    Wenn ich heute Menschen berate, gebe ich sachliche Informationen und bitte sie, sich weitere Infornationen von Anderen zu holen, sei es von Betroffenen und sei es von Sachkundigen. Außerdem schaue ich, ob jemand mehr gebärdensprachlich orientiert ist oder lautsprachlich. Denn die Entscheidung für die jeweilige Welt ist ein wichtiger Faktor in den Möglichkeiten der Nutzung des Ci´s. Diese gebe ich auch entsprechend weiter, damit die Enttäuschung nicht zu groß ist, weil die Erwartung nicht erfüllt werden kann.

  71. Das finde ich gut zusammengefasst und da finde ich mich sehr drin wieder.

  72. Hallo
    Ich habe hier nun sehr viel über die Persönlichkeiten und CI gelesen, wirklich überrascht bin ich nicht und möchte einen beitrag dazu leisten.

    Ich bin schon als 3 jährige durch mittelohrentzündung Hörgeschädigt. Damals war es eine mittelgradige Schwerhörigkeit beiderseits. Ich bin in der Welt der „hörenden“ aufgewachsen ging aber auf eine Schwerhörigenschule mit Realschulabschluss und lernte dort auch die gebärdensprache.. Ich fühle mich aber auch heute bei Gehörlosen nie richtig wohl ,bei hörenden aber auch nicht. Meine Mutter ist zwar offen damit umgegangen, trotzdem wurde ich in meiner Kindheit oft bevormundet. Probleme mit meinen hinter dem Ohr Geräten habe ich nie gehabt, ich bin sehr offen damit, so offen das die meisten vergessen haben das ich nicht richtig hören kann. Fremde fragen da schon mal nach und dann erkläre ich die Sache freundlich und gut ist. Seid ich meinen 1 sohn habe (11 Jahre) trage ich ständig meine Hörgeräte auch nachts (ich trug vor der Geburt meines Sohnes nachts keine hörgeräte) ein unglücklicher umstand hat mich zu dieser Maßnahme verleitet, ich hatte ein blitzlichsender babyphone,mein Jung war 6 mon. hatte ich es nicht wahrgenommen, morgens hab ich mich angezogen meinen jungen fertig gemacht und Flasche gegeben und dann hab ich meine hörgeräte reingemacht, da hörte ich ein klicken und klackern an der Tür. beim öffnen meiner Haustür blieb mein Herz stehen , da stand die Feuerwehr und wollte die Tür öffnen, hinter den 3 Feuerwehrmännern standen Sanitäter kurz erklärt was los war, ging die Feuerwehr und dafür kam die Polizei ebenfalls geklärt wie was los war, und dann bekam ich panik wenn nun das Jugendamt kommt und meinen Jungen holt, bin alleinerziehend!! Die Polizisten beruhigten mich zwar, da keine gefährdung vorlag und nur ein einmaliger Zwischenfall, aber der schöne morgen war für mich erstmal vorbei, meine nerven lagen blank..von diesem Tage an habe ich immer das rechte Gerät 24std. im Ohr , damit ich hören kann wenn mein jung was hat nun ist er 11 aber sein Bruder 3 Jahre alt ich hatte mehr vertrauen in meinem Gehör als in der technik was Babyphone angeht. Also traue ich mich nicht das Hörgerät (außer beim Haarewaschen) abzulegen. 11 jahre lange angewohnheit legt man ungerne ab. Was mich nun zum Thema CI bringt. Vor 2 monaten legte mein Ohrenarzt nahe doch mal ein CI in betracht zu ziehen. Logischer weise tat ich das was alle zuerst tun… Ich lehnte ab. Ich war geschockt das mein Hörvermögen so dermaßen schlechter geworden war das ich alle Vorschläge verweigerte darüber zu reden oder nachzudenken. Nach der 2 Geburt durch den Stress ( Beziehung, Trennung, großes Kind hatte Probleme und Kleinkind) hatte ich einen Hörsturz , den ich jedoch ignorierte da ich mit anderen dingen zu Beschäftig war, nun ist natürlich zu spät es zu richten.. aber das ist mir naja. Ich dachte zu dem Zeitpunkt nicht das es sooo schlimm sein könnte und meine Geräte einen defekt hatten. Nun ists mit Hören nicht mehr viel, der Doc machte heute einen Sprachtest! ohne Geräte höre ich zwar noch was und ich muss mich stark konzentrieren. Mit Hörgeräten in normaler sprachlautstärke ist das Sprachverständnis sehr schwierig.. In % sagt der Doc Knapp über 40% insgesamt! Das ist nun nicht wirklich gut. Meine Bedenken eines Ci eher Technisch. Da ich nun ziemlich viel über CI´s gelesen habe!
    Hörgeräte (HDO) kann ich leiser stellen wenn es mir zu laut oder nervig ist, beim CI geht das nicht,
    die Batteriedauer ist sehr Kurz, (HDO trotz 24 std nutzung rechts hält es 2 wochen)
    Über Nacht MUSS ich es raus/ abnehmen!
    Als nächstes beschäftigt mich,
    Wie stark verändert sich das hören an sich mit CI, denn so wie ich höre kommt es mir, wie vielen anderen vielleicht auch, normal vor!
    Wobei ich anmerken muss, was ist schon normal!
    Wie lange dauert es bis Gehirn diese große Veränderung aufgenommen hat. ( bedauerlicherweise bin ich kein geduldiger Mensch)
    Wie sehr beeinträchtig mich die erste Zeit der CI gewöhnung, im Gesellschaftsleben?
    Das hören ist mir sehr sehr wichtig, gerade wegen meinen Söhnen, ich möchte unterschiedliche Gespräche folgen können, ohne nur auf 1 Thema fixiert zu sein und dann rätseln was auf der anderen Seite thematisiert wird. Also aktiv diskutieren können, ohne mir anhören zu müssen, wenn ich nicht weiß worum es geht, dann sollte ich mich raushalten, was inzwischen sehr oft passiert, ist das mit einem CI möglich?
    Mein Vertrauen in meinem hören wird also inzwischen nach und nach erschüttert!Denn auch wenn ich hörgeräte lauter stelle , verschwinden , einige Silben trotzdem.. ist schon seltsam..
    Nun denke ich ernsthaft über die Möglichkeit des CI´S nach!

    Abhängig bin ich und andere, so oder so ob ich nun Regelmäßig zum akustiker renne, weil das HDO einen defekt hat, oder zum CI techniker, bleibt sich gleich. Hörtest sollte man eh alle 3 mon. machen.
    Da ändert sich für mich nichts.

    Ich weiß der letzte Beitrag liegt eine weile zurück 😉
    Ich wünsche einen schönen Abend
    Fragen werde ich natürlich beantworten!
    Liebe Grüße Iris

  73. Hallo Iris,

    gerne möchte ich dir in deiner Situation Mut machen. In meiner eigenen Situation hat sich das CI bewährt bis auf ein paar negative nervige Situationen. Da hierbei ein Magnet die Spule festhält im gegesatz zu den HdO wo ein fest sitzendes Passstück kann es jederzeit durch Verrutschen, auch bei minimalen zum Kontaktabbruch kommen. Diese führen dazu, das es beim Hören zu zerstückelungen kommt. In der Nacht beim schlafen verrutscht es ständig und am nächsten Morgen wache ich ohne Hörkontak auf.

    Aber ich möchte die durch CI erworbene mehr Lebensqualität, Selbstvertrauen und hören nicht missen.

  74. TanteMaedel

    HAllo Iris,
    auch ich kenne das Thema alleinerziehend, BAbyphone, Hörstürze, etc. Ich habe ein Jahr gebraucht, um mich für die Ci´s zu entscheiden. Heute, wo ich sie habe, ist Kommunikation einfacher geworden und gerade für meine Söhne, habe ich hinterher gedacht, es hat sich einiges verbessert. Auch wenn es schwer ist, sich das einzugestehen, auch für sie ist es eine Belastung, wenn die Mutter schlecht versteht und gerade in emotionalen Situationen, alles wiederholen müssen. Ich kann nur aus den Erfahrungen sagen, es hat sich in allen Lebenssituationen, das Leben verbessert und es ist leichter geworden, weil man sich nicht mehr so sehr anstrengen muss zu verstehen und das gibt Energie für andere Dinge, die man gerade als Alleinerziehende braucht.

  75. Hallo Iris, ich kann mich den beiden nur anschließen. Und natürlich kann man auch CIs leiser stellen.

  76. Hallo. Ich danke euch für eure unterstützung und hinweise., derzeit warte ich erstmal auf ein Termin zum Test, ob ich tatsächlich CI geeignet bin.Ich warte erstmal ab. ;-)LG

  77. Marion Mellusi

    Mein Name ist Marion,ich bin 52 Jahre alt und habe seit acht Jahren eine Innenohr-Schwerhörigkeit.
    Vor circa drei Monaten habe ich gemerkt das sich mein Hören verschlechtert hat ,ich bin zu meinem HNO Arzt,mit dem Ergebnis ,ertaubt auf hohe Töne,beidseitig.
    Ich war sehr verzweifelt,wie sollte jetzt alles weitergehen, ich arbeite im OP
    und da ist Gutes hören angesagt.
    Da ich schon seit Monaten von einigen Kollegen Diskriminiert werde, aufgrund meiner Schwerhörigkeit ,bin ich jetzt in Psychologischer Behandlung und befinde mich seit sechs Monaten im krank.
    In der HNO Klinik wurden alle Untersuchungen gemacht man kam zu dem Ergebnis ,das ich ein geeigneter Patient für ein Cochlea Implantat wäre.Gleichzeitig erprobe ich hochwertige Hörhilfen und ich höre seit
    zwei Monaten Vogelgezwitscher. .
    Zuerst habe ich geglaubt eine Biene ist an meinem Ohr vorbei geflogen
    oder war es ein Windzug.
    Es war ein Vogel und ich habe geweint vor Freude, unvorstellbar für einen normal hörenden.
    Nur ist meine Angst vor ein Cochlea Implantat sehr groß.
    Meine größte Angst ist es nicht mehr in meinem Beruf arbeiten zu können. Ich hoffe es wird alles gut.

    Lieben Gruß Marion

  78. TanteMaedel

    Liebe Marion, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass du vor Freude geweint hast, als du das Vogelgezwitscher gehört hast. Aber dass du es mit einer Biene/Windzug verwechselt hast, spricht Bände, damit hast den Vogel viel zu leise gehört. Mit einem Cochlea Implantat, wirst du den Vogel ganz deutlich hören und nicht nur dieses laute piep, piep, sondern auch das Trillern dazwischen. Alles Andere habe ich in den Beiträgen davor erwähnt. Ich wünsche dir eine gute Entscheidung für eine bessere Lebensqualität

  79. Liebe Marion, ich sehe es wie TanteMaedel. Aber hab Mut, egal wie Du dich entscheidest, gibt es Möglichkeiten wie alles wieder besser wird. Soweit hört sich das ja an als hättest Du die Unterstützung und Beratung, die Du brauchst.
    Wünsche viel Glück und alles Gute!

  80. Hi nur kurze Sätze von Mir.
    Ich selber bin CI Träger, ich weiß nicht wo ihr alle eure Horror Geschichten her habt.
    Ich mache Sport , habe schon paar mal eins richtig auf die Rübe bekommen und war schon einmal damit Tauchen, nie Probleme gehabt.
    Musik klar ist anders, mein gesundes Ohr verbindet das aber sehr gut mit dem CI OHR auch Musik machen ist kein Problem, zu mindesten für jemand mit noch einem gesunden Ohr (mit zwei CIs kann ich nicht beurteilen.)
    Magneten an den Kopf häften, so ein Schwachsinn das ist totaler Müll.
    Den Scherz hatten schon paar Kumpels bei mir versucht mit null Erfolg,
    und statische Aufladung hatte ich auch noch nie.

    Noch nicht mal eine große OP oder des gleichen ich war zwei tage später wieder munter draußen am herumlaufe ohne das man mir die Harre geschnitten hatte oder den Kopf auf geschnitten wurde.
    Ein kleiner schnitt hinter dem Ohr mehr nicht, noch nicht einmal schmerzen nur leichtes brennen an der schnitt wunde.
    Was die Abhängigkeit angeht ja eine etwas stärkere im ersten Jahr, danach nur noch eine ganz minimale wegen Batterien oder Support 2- Max 4 mal im Jahr ein paar Minuten.
    Und wenn jemand noch mit seinen Hörgeräten klar kommt sollte er auch dabei bleiben da rate ich von einem CI ab.

    NUR BITTE an alle die denjenigen die keins haben lasst die Beurteilung bitte denen die eins tragen und Erfahrung haben.
    Ich habe mich auch durch diese Horror Märschen verrückt machen lassen und das umsonst.
    Natürlich gibt es eins zwei Sachen die eine gewisse Einschränkung beinhalten ABERR (lach) im ernst jetzt, wie man es dreht hat man Einschränkung ob mit oder ohne nur halt anders verlagert.

    Und für die diejenigen die schon seit Jahren Taub sind, ist es wahrscheinlich nur störend (vielleicht). Denn das was noch nie erlernt wurde oder schon lange verkümmert ist kann man nicht her zaubern. Da wäre es dann die Überlegung wert ob es für einen selber Sinn macht, nur nicht bitte mit solchen falschen Kriterien.
    Jemand der noch nie hören gelernt hatte wird es auch nicht mehr im alter lernen und jemand der schon lange draußen ist wird auch länger brauchen um es wieder zu lernen bzw. je nach dem wie lange wird es auch nicht den gewünschten Effekt haben.

    Also Nochmals, „bitte“ lasst solche Pro und Kontra von denen schreiben die eins haben und wirklich wissen, was die Nachteile und die Vorteile sind.

    Denn das was die Ärzte da erzählen und die Hörakustiker ist nur Werbung und auch die können das nicht nicht wirklich beurteilen da sie selber ja keins tragen.
    Wo ich zustimme ist wirklich in Sachen Verletzung am Kopf, nicht am Implantat sondern allgemein,
    wenn ich weiß das ich ein sehr hohes Risiko habe wirklich eine ernsthafte Verletzung am Kopf davon zu tragen,
    durch Tätigkeiten die mir es nicht erlauben einen Schutz zu tragen, was aber in meinen Augen dumm ist, sollte man die Finger weg lassen.
    Ich wiederhole, nicht wegen der stelle am Kopf wo sich das Implantat befindet viele meinen das man dort aus Glas ist, („Bullshit“ ist man nicht) ich rede hier von einer allgemeinen Kopf Verletzung wegen einem MRT (Magnetresonanztomographie).

    Risiko ist auch wenn wir vor die Haustür gehen.

    CI HÖREN IST ANDERS MAN MUSS ES ERLENEN !
    FÜR DIE, DIE NORMAL GEHÖRT HABEN UND IHR GEHÖR VERLOREN HABEN IST ES EINE ENORME HILFE
    (HILFE) MEHR IST ES AUCH NICHT SO DIE REALITÄT.

    Gruß Andy

  81. Hallo nqlb,
    ich danke dir sehr für diesen Beitrag. ich befand mich seit ca. einem halben Jahr im Entscheidungsprozess für/gegen ein Cochlea. Was mich total genervt hat bei meiner Umwelt mehr als bei Ärzten, dass alle die Contra-Argumente immer wegwischten mit einem Satz: Aber dafür kannst du dann wieder besser hören!
    Und meine Ängste, Befürchtungen Sorgen wurden abgetan mit Unverständnis, ich solle doch froh sein und alles wird doch gut gehen. Kaum jemand hat verstanden, dass ich nicht einfach ein Kopftätscheln brauche um brav ja zu sagen, sondern eine gute Auseinandersetzung mit meiner Situation, meiner subjektiven Wahrnehmung des Ausmaßes der Behinderung (inweiweit bin ich mit meinem Leben zufrieden oder unglücklich in Bezug aufs fast taub sein usw.).
    Dein Beitrag hat mir die Worte aus dem Mund genommen und mir Motivation gegen weiter zu forschen, nicht nur im Internet sondern auch in mir 🙂
    Letztendlich habe ich mich für ein CI entschieden, obwohl ich noch vor einem halben Jahr völlig dagegen war und sehen eine CI-OP nächste Woche voller Spannung entgegen.
    Danke dir für diesen Blog, hier bin ich seit einigen Monaten immer wieder stilles Mäuschen 🙂
    Gruß
    Kathy

  82. Hmmmmmm wo oder wie fange ich an ?Ich habe mir alle Beiträge seit gestern Abend hier durch gelesen.Ok ich versuch mal kurz und knapp zu erzählen.Aktuell ist meine Situation wie folgt : beidseitig schwerhörig auf den linken Ohr noch eine Hörkraft von 10% auf den rechten Ohr noch 15 % dann zwei fachen tinitus mein HNO meinte denken sie über ein implantat nach. Ich bin jetzt 40 habe 5 kinder das jüngste ist jetzt 7 Monate alt. schwerhörig wurde ich im Jahr 2000 da bin ich in den Harz gefahren zum St.Andreasberg und bekam einen Hörsturz das fiepen im ohr nahm ich total gelassen kannte das geräusch ja,ist ja so als wenn man Wasser ins ohr bekam,so dachte ich das wird schon weg gehen nunja was für ein fataler irrtum .Ich ging erst 4 Wochen später zum doc der sagte sorry das ist nur inerhalb von 14 tagen behandelbar aber ich werde es versuchen zu richten so kam ich zwei Tage an einen Tropf mit Kochsalzlösung was kein erfolg brachte anschliessend wurde ich zur druckkammer verwiesen .Da sah ich wie sich ein älterer Herr die Maske vom Gesicht riss ich bekam Panik und flüchtete.Nun ich hatte 2000 noch eine hörkraft von 75 % beidseitig was mich aber bis heute Wahnsinnig machte war das Piepen so bin ich zu einen Hörakustiker der mir verspach das Piepen in den Griff zubekommen.Ich bekam innenohr hörgeräte der Marke K (besitzt in meiner Stadt eine Fussball Mannschaft) mein jetztiger Hno meinte die innen Ohr Hörgeräte waren ein riesen Fehler die Ohren bräuchten Sauerstoff was sie mit diesen Dinger aber nicht bekamen.Nunja ich glaubte Ärzten und erstrecht den Akustiker. Vor drei Jahren war ich wieder beim Hno der festellte das meine hörgkraft jetzt schon zwischen 40% auf den einen und 45% auf den anderen Ohr beträgt.Ich wieder zu einen Akustiker (diesmal einen anderen) den ich auch gleich sagte das es mir wichtig wäre meinen zweifachen Tintus in den Griff zubekommen wenn möglich.Er bejahte dies.so testete ich 6 Monate verschiedene Geräte und Hersteller es gab zwei Geräte die meinen Tinitus wirklich übertrumpften will sagen ich nahm es nicht mehr war Hörkraft wurde wieder zu 97% hergestellt ich war stolz wie Bolle nach 6 Monaten endlich zwei Geräte gefunden zu haben die mich glücklich machten.Ein problem hatte ich meine Umgebung war übelst Laut,auch ich hörte endlich wieder Vögel zwitschern und kinder vor unserer Haustür spielen aber mir explodierten die Ohren zu Haus meine Kinder selbst meine frau redeten mittlerweile so laut wegen mir das es sich jetzt anhörte als würde jeder schreien ich hatte nun die Wahl gehe ich jetzt täglich mit kopfschmerzen ins Bett bis die familie sich umgestellt hat und nicht mehr so schreit oder lauf ich jedesmal zum akustiker der ein paar km weit weg ist und lass die dinger jedes mal umstellen? Ich benutzte die Hörgeräte nie wieder.Jetzt war ich in August wieder beim Hno weil ich bemerkte wie genervt alle sind weil ich sie mehrmals bat zu wiederholen was man sagte ich meinen kindern schon bei bringe mich direkt anzugucken wenn sie mit mir reden das sie langsam und deutlisch sprechen sollen so könne ich ja lippen ablesen und mir den rest zusammen reimen. Aber beim einkaufen verstehe ich nix mehr ich muss immer auf den kassen display ablesen um zu wissen was ich bezahlen soll bekannte sind genervt weil sie einmal zweimal sogar dreimal wiederholen müssen was sie sagten.Nunja wie gut ich jetzt nur noch höre schrieb ich am Anfang ich weiß der eine sagt selber schuld hättest ja deine geräte targen können bla bla bla aber etc pp hab ich nicht nun ist es so wie es ist. Ich habe leider erst am 22.1.2015 einen Termin bei der Mhh Hörzentrum und freu mich schon auf die Test Scherz aber wenn sich nun herraustellt das ich wirklich nur noch die implantate wählen kann macht mir das irgentwie angst aus verschiedenen Gründen.Wie wird sich alles für mich anhören? Wie Maschinen,oder erkenne ich die personen doch noch an ihrer Sprache?wird wieder alles so Laut wie vor drei jahren als ich die hörgeräte weg ließ weil mir alles zu laut war ? Oder kann ich die Implantate selber leise stellen ? Ich las hier ja das es gehen soll.Wie ist es heute bei der Musik hört sich alles nach blechtrommeln an ?oder hört es sich noch normal an wie über meine kopfhörer?Nunja ich werde am 22.1.2015 wissen wie es weiter geht und hoffe das ich wieder hören kann bevor ich ganz taub bin die vorstellung kein kind oder fernseh zu hören macht mir jetzt Angst und ich bin gespannt ob ich jemals wieder vögel zwitschern höre weil das ist schon etliche jahre her. Sorry für das generve Euer Kai

  83. Ich habe ja mittlerweile auch ein CI (seit meinem ersten Post ganz oben sind schon einige Jahre ins Land gegangen :)) und antworte mal mit meinen Erfahrungswerten. Vorweg muss ich aber sagen, dass das CI bei mir extrem gut funktioniert und die Ergebnisse am Ende immer individuell sind und man daher im Vorfeld nicht sagen kann, wie es bei jedem einzelnen anschlägt.

    „Wie wird sich alles für mich anhören? Wie Maschinen,oder erkenne ich die personen doch noch an ihrer Sprache?“
    Ich kann Menschen mittlerweile wieder auf Basis ihrer Stimme auseinanderhalten. Am Anfang hat es sich mechanisch/piepsig angehört (der berühmte Micky Maus Effekt). Dies hängt damit zusammen, dass die Elektroden nur den Teil stimulieren, der für die hohen Töne zuständig ist, da die Bereiche, die für die tiefen Töne zuständig sind, für die Elektroden (noch) nicht erreichbar sind (die Cochlea wird ja immer enger und die tiefen Töne sind ganz am Ende.
    Der Effekt hat sich bei mir aber sehr schnell gelegt und mittlerweile klingt alles wieder natürlich, da sich das Gehirn an die neuen Tonimpulse gewöhnt und die Töne „ummappt“.

    „wird wieder alles so Laut wie vor drei jahren als ich die hörgeräte weg ließ weil mir alles zu laut war ? Oder kann ich die Implantate selber leise stellen ? Ich las hier ja das es gehen soll.“
    Die Lautstärke kann man selber beeinflussen. Dieses geschieht zum einen bei der Anpassung in der die generelle Stimulierungsstärke bestimmt wird und zum anderen kann man die Lautstärke am CI selber dann noch mal nachjustieren (je nachdem, wie groß der Bereich dort eingestellt ist). Wenn man die passende Lautstärke hat, ist das aber ganz natürlich und „normal“ – hier gibt es vor allem auch keinen Schalldruck der andere Bereiche im Kopf in Mitleidenschaft zieht. Lustiger Effekt: Die Technik hält die Lautstärke konstant, egal wie die Umgebungslautstärke ist. Das hat dann auf Konzerten den lustigen Effekt, dass man gar nicht wahrnimmt, dass die Lautstärke massiv zugenommen hat – bis man versucht mit jemandem zu reden und seine eigene Stimme nicht mehr hört.

    „Wie ist es heute bei der Musik hört sich alles nach blechtrommeln an ?oder hört es sich noch normal an wie über meine kopfhörer?“
    Musik und CI ist momentan das große Forschungsgebiet und die Ergebnisse reichen hier von „hört sich klasse an“ bis hin zu „furchtbar und kaum zu ertragen“. Ich gehöre glücklicherweise zu denen, die mit ihrem CI sehr gut Musik hören und auch genießen können. Hätte ich aber vorher nicht unbedingt mit gerechnet und ich bin auch nicht der Standardfall.

    „…ich bin gespannt ob ich jemals wieder vögel zwitschern höre weil das ist schon etliche jahre her.“
    Bei mir war es so, dass ich viele Geräusche zum ersten Mal seit langer Zeit wahrgenommen habe. Und nach drei Jahren ist es mittlerweile auch so, dass ich von einigen Geräuschen richtig genervt werde – aber in den Fällen kann man das CI dann ja zum Glück ablegen (einen Ausschalter haben die Dinger alle scheinbar nicht).

    Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen.

  84. Lieber Kai, du nervst überhaupt nicht. Ich bin ja nun etwas weiter als du, denn ich habe mich für die OP entschieden. Spätestens als ich nicht mehr telefonieren konnte, das GEfühl hatte meine vierjährige Tochter muss viel zu viel Verantwortung für mich übernehmen und als ich auf einer Geburtstagsparty versuchte zu tanzen und Lieder zu mitzugröhlen – leider erfolglos denn trotz aller Lautstärke erkannte ich kein Lied, war mir klar, schlimmer gehts nimmer.
    Ich bin nun am 4. Dez. operiert worden und gehörte leider zu denen Patienten, die nach der OP nicht ganz so viel Glück hatten. Ich habe immer noch permanenten Schwindel mit dauernder Übelkeit, der Geschmack auf rechter Seite ist weg, statt dessen habe ich ein Gefühl als hätte ich Metall im Mund. Ich habe mich manches Mal gefragt, ob das das wert war, weil mir niemand sagen kann wie schnell es mir besser geht, bzw. ob der Geschmack je wieder kommt.
    Und dann durfte ich jedoch schon mal zum „Probehören“ und konnte tatsächlich beim ersten Mal bereits echte Töne wahrnehmen. Kein Rattern, keine schlimmen Geräsuche wie manche berichten. Helle schöne Töne, in Tonhöhen, die ich nicht mehr kannte und in angenehmer Lautstärke! Mir flossen schon paa Tränchen denn ich hatte diese Töne inzwischen ganz vergessen.
    Am 5.1. ist meine Erstanpassung des Prozessors und ich freue mich sehr drauf – dann geht das hören lernen los. Ich glaube ich versuche nicht zu viel zu erwarten, denn die paar Elektroden können nun mal nicht an die 20.000 Haarzellen ersetzen – aber besser als jetzt wird es allemal davon bin ich nach dem Probeton überzeugt. Toi toi dir Kai, egal wie du dich entscheidest.
    LG
    Kathy

  85. Hallo Kathy
    Anscheinend wurde der Nerv beschädigt bei der OP. Sollte sich mal normalisieren. Wenn du willst, kannst http://www.treenet.ch/Stille schauen. Dort sind meine persönliche Erfahrungen.

    Viele Erfolg
    Tomas

  86. danke Lars klar bist du Hilfreich dank dir habe ich alles hier gelesen es war spannend für mich zulesen wie dein wandel zustande kam.Von niemals nicht zu gut das ich es getan habe^^ Kathy danke ich werde berichten wie und zu warum ich mich so entschieden habe ^^^hab ja am 20.01 erstmal einen untersuchungs termin bei dem Hörzentrum mal sehen was kommt. ich wünsch euch allen das beste wir lesen und schreiben uns versprochen.

  87. Hallo Thomas,
    ja ich hatte heute, 11 Tage nach der OP, mit dem operierenden Prof. gesprochen. Mein Glück ist, dass ich ein Metall-Geschmack im Mund habe, das ist ein Zeichen dass der Nerv noch intakt ist, kann aber paar Monate dauernd bis er richtig funktioniert. Gibt aber durchaus Fälle, wo der Geschmacksnerv dauerhaft beschädigt wurde. Man erklärte mir, dass bei mir zwischen Gleichgewichtssinn und Gesichtsnerv sehr sehr wenig Platz war, von daher ging man mehr Richtung Gleichgewichtssinn und daher auch meine noch starke Schwindel-Problematik. Langsam aber sicher bessert sich die Lage. Trotzdem komm ich mir noch vor als wär ich vor 11 Tagen in ein Karussel gestiegen und dürfte nicht raus obwohl mir schwindelig und übel ist :))

  88. Guten Morgen ihr hab da jetzt doch noch ne Frage da ich ja jeden Tag an den 22.01.2015 denke . Hat jemand ne Ahnung was für Test auf mich zukommen und wie lange die Dauern? Also Hör und Sprachtest denke ich aber wie oft werde ich da hin müssen bis man sagt ok du musst implantate haben oder es geht noch mit Hörgeräten ? Was ich nicht glaube bei meinen noch kaum vorhandenen Gehör. Mit freundlichen gruß euer Kai

  89. Also ich weiss nicht ob alle Kliniken gleich verfahren. Bei mir war es so, dass ich zuerst einen Termin hatte mit zwei oder drei Hörtests, bei denen es hieß ja ich bin „taub“ genug – da habe ich mehr Zeit im Warteraum verbracht als bei den Tests selber, ca 4 Stunden war ich dort. Ich fand sie nur sehr deprimierend, weil sie mir noch krasser als die üblichen Tests beim HNO aufzeigten welches Ausmaß meine Schwerhörigkeit hat. Ich hatte vorher sehr lange mit allen möglichen bewussten und unbewussten Mitteln kompensiert und mir lange eingeredet es würde so reichen…
    Danach musste ich zwei Tage in die Klinik, weil weitere Tests folgten und ich so jederzeit „verfügbar“ war. Da waren einige Hörtests, Untersuchung des Hörnervs, des Gleichgewichts, MRT um zu sehen ob Verknöcherungen da sind, also ob man gut beim Bohren durchkommt. Danach war die Empfehlung: CI ist bei mir nicht nur sinnvoll sondern auch machbar. Ich weiss nicht wie es bei anderen ist wie gesagt, aber bei mir war für die Kostenübernahme wichtig, dass ich noch ein aktuelles Sprachaudiogramm bei meinem Hörgeräteakustiker mache, aus dem ersichtlich ist, dass die Hörgeräte nicht mehr ausreichend versorgen (dazu gehört auch der subjektive Eindruck ob man die Hörgeräte überhaupt noch „ertragen“ kann vor lauter Lautstärke usw.)

  90. Danke Kathi das reicht mir doch schonmal als info einen aktuellen sprachtest haben die schon von mir bekommen und nun ich wohne in Hannover und das hörzentrum der MHH soll super sein ich werde berichten was abgeht^^ Hörgeräte würde ich vermuten würde mir nicht bringen weil die hörkraft nur noch 10 und 15 % vorhanden ist dann der zweifache tinitus naja ich bin gespannt.

  91. Bei mir war es folgendermaßen: Überweisung vom HNO-Arzt zur Klinik, die dann eine Voruntersuchung gemacht haben, ob ich für ein CI geeignet bin. In meinem Fall war die Klinik die Medizinische Hochschule Hannover.
    Die Voruntersuchung bestand bei mir aus folgenden Teilen und war auf zwei Tage verteilt, die ich stationär im Krankenhaus war. Das ganze ist ohne Anspruch auf Vollständigkeit, da das auch schon ein Weilchen her ist…
    – Klassische Hörtests (Freiburger Einsilber, etc.)
    – Normale HNO-Untersuchung
    – MRT des Kopfs (ca. 30 Minuten) – hatte ich vorher noch nie gemacht und war für mich der unangenehmste Teil des ganzen Testprogramms, da man sich nicht bewegen durfte, man in einer engen Röhre lag und es auch keine Informationen über den Fortschritt gab
    – CT des Kopfs (da bin ich mir nicht ganz sicher, ob das nicht evtl. erst vor der OP war)
    – Überprüfen des Hörnervs (ist auch etwas unangenehm, da hier das Trommelfell mit einer feinen Nadel durchstochen wird, die dann den Hörnerv wohl direkter stimulieren kann; hört sich aber schlimmer an, als es war, vor allem, da es auch eine leichte örtliche Betäubung eingesetzt wird; dauerte länger (1-2 Stunden?))
    – „Pädagogisches Gespräch“ (hört sich ebenfalls schlimmer an, als es ist; zum einen soll ermittelt werden, ob man das CI selber möchte oder ob man gezwungen wird; zum anderen wird geguckt ob die Erwartungshaltung korrekt ist oder ob man komplett überzogene Erwartungen hat; da würde ich mir aber bei Dir keine Sorgen machen, da Du Dich ja scheinbar schon informiert hast; zusätzlich kann man dann auch selber noch Fragen stellen, wenn man welche hat; war bei mir insgesamt ein sehr lockeres Gespräch und braucht man sich nicht vor verrückt machen)

    Abgerundet wurde das ganze dann noch von einem Treffen mit einem der Ingenieure, bei dem die verfügbaren Modelle vorgestellt wurden und offene Fragen beantworten wurden. Die „pädagogische Untersuchung“ ist quasi der allgemeine Fragenteil, während es beim Ingenieur eher um den technischen Teil geht.

    Am Ende stand dann noch ein Termin bei der Oberärztin, die dann noch alles einmal zusammengefasst hat und dann auch die Ergebnisse mitgeteilt hat.

    Alles in allem war das alles sehr positiv und gut durchorganisiert. Negative Punkte bei dieser Voruntersuchung waren für mich nur, dass man zum einen stationär aufgenommen wurde (im gleichen Zimmer waren dann auch Frisch-operierte und welche, die zur Erstanpassung da waren) obwohl ich dieses als nicht-notwendig empfand und man zum anderen ziemliche Wartezeiten hatte.

    Die Tests des Gleichgewichtssinns gab es bei mir auch, allerdings waren die in meiner Erinnerung am Tag vor der OP und nicht in der Voruntersuchung (aber wie gesagt: 3 Jahre her).

    Zur Indikation von CI: Die Indikation wird mittlerweile immer weiter ausgeweitet, so dass mittlerweile immer mehr Personen für ein CI in Frage kommen – auch solche, bei denen vor 10 Jahren noch gesagt wurde, dass es nicht sinnvoll sei. Vor 3 Jahren war es meines Wissens so, dass man für ein CI in Frage kommt, wenn das Sprachverstehen unter 30% lag. Generell kann man aber sagen, dass Du nicht ohne Not zur CI-Untersuchung geschickt wirst. Wenn Dein Arzt Dir das empfohlen hat, dürften die rein formellen Voraussetzungen schon gegeben sein und auch die medizinischen Voraussetzungen sind dann in der Regel schon gegeben. Bei der Voruntersuchung geht es darum, die ganzen Indikatoren noch einmal (ggf. auch besser) zu messen und auch die medizinischen Voraussetzungen noch einmal genau zu analysieren; es macht ja kein Sinn ein CI zu implantieren wenn gar keine Innenohrschwerhörigkeit vorliegt, sondern das Problem woanders lokalisiert ist.

    Falls noch Fragen sind, melde Dich einfach. Das wichtigste ist aber, dass Du Dich deswegen jetzt unnötig verrückt machst. Genieß am besten erst einmal die Weihnachtszeit 🙂

  92. Hey Lars danke für deine ausführlicher erkläreung. Ich erwähnte ja schon das ich mich immer freue von dir zu lesen. Also bei mir ist es ja auch die Medizinische Hochschule Hannover aber die haben ja (ich weiß nicht wie lange schon ) ein Hörzentrum auf der Karl wichert alle quasy vor dem ganzen MHH Komplex. Wie gesagt mein HNO meint ich sollte ein Implantat in betracht ziehen bzw er sagte im wortlaut er kann mir nicht wirklich mehr helfen es wird daraus hinaus laufen das ich Implantate brauche ich habe hör und sprachtest hier liegen kann aber mit den werten vom sprachtest nix anfangen bzw sagen ob gut oder schlecht. Ich sage mal so Telefonieren geht gar nicht mehr von 10 wörtern verstehe ich nur 1 wort den rest versuch ich mir zusammen zu reimen fernsehen geht eh nur noch mit kopfhörer Auto radio ist bei mir nur noch aus weil ich das so laut aufdrehen müsste um etwas zu hören das es meiner Frau und den 5 kindern weh tun würde.und ich hätte Angst wenn ich radio anhabe ein martinshorn oder gar das blaulicht zu verpassen ich schaue schon immer in allen richtungen sagte meine Frau ^^

  93. Keine Kommentare mehr schade seit 16.Dezember 2014, wiesooooooooooo

  94. Ja Kia schon lange nichts Neues mehr hier gelesen.. ich habe mich erstmal bewusst fern gehalten, denn ich hatte eine schwierige Zeit und wollte nicht immer nur meckern und maulen 🙂
    Inzwischen pendelt sich alles ein und ich kann alles fast aus der „Ferne“ betrachten:
    Im Dezember implantiert, seit Januar 2015 mit dem Prozessor (Naida von Bionics) versorgt, um die stationäre Reha betrogen (Klage liegt beim Gericht rum) ambulante Therapie erst jetzt angefangen alles andere vorher im Alleingang gelernt.. Inzwischen Schwerbehinderung, Schriftdolmetscher für Teamsitzungen und Fachvorträge erkämpft.. Und demnächst werden Technische Hilfsmittel für die Arbeit getestet dann wiederum die Finanzierung erkämpft..
    Das sind so die Stichworte der letzten 11 Monate. Immer nur kämpfen, immer nur das Gefühl man ist in einer „Bettler-Rolle“ obwohl es ein Recht auf Inklusion gibt. Oft falsche Informationen sogar vom Integrationsamt.. einfach nur arm. Ich weiss ich bin irgendwie in dem Bereich ein Pechvogel, denn ich kenne einige bei denen alles einfach reibungslos ging.
    Der Geschmack auf der rechten Zungenseite ist immer noch weg, das Kribbeln der Kopfhälfte hat endlich nachgelassen, Schmerzen endlich ganz weg. Den Schwindel hab ich mit meiner Tochter auf Spielplätzen wegtrainiert 🙂 dauerte aber tatsächlich über vier Monate… heftig.
    Ansonsten habe ich von Anfang an immense Fortschritte gemacht. Am Anfang war nur ein metallisches „Pling“ bei jedem Geräusch oder Wort.. und bereits nach zwei Wochen verstand ich schon einiges. Sechs Wochen später hatte ich 100% Sprachverstehen bei Zahlenwörtern. Inzwischen auch in Geräuschumgebung ganz gute Ergebnisse. Das sind alles halt Tests unter Laborbedingungen. Im realem Leben läuft es etwas anders. Der klang ist immer noch metallisch und hallig, an der Einstellung liegt es wohl nicht da haben wir schon viel getestet. Also brauch ich weiterhin Geduld.
    Trotz allem versuche ich alles zu genießen wie vorher. Herbert Grönemeyer Konzert im Mai, Phantom der Oper im August :)) Grönie ging ganz gut, vor allem eher die langsamen Lieder mit Klavierbegleitung. Meistens musste ich erstmal rausfinden welches Lied eigentlich läuft. Musical war schwieriger, das war eher Erinnerungsarbeit, da ich das Musical schon mal gehört habe vor vielen Jahren und auch die CD oft gehört habe.. Kino ist toll, viel viel besser als vor der OP.
    Alles in allem, es ist NICHT vergleichbar mit natürlichem Hören, aus meiner Sicht. Aber ich bereue NICHT mich DAFÜR entschieden zu haben.
    Mal wieder ein Roman von mir :)) Soweit erstmal…

  95. Dieser Artikel ist natuerlich schon etwas aelter. Ich moechte hier aber zu ein paar Punkten gerne etwas sagen. Ich habe seit 16 Jahren ein CI auf der rechten Seite und mich vor kurzer Zeit auch auf der linken Seite operieren lassen.

    Zu dem Muay-Thai-Boxen: Ein halbes Jahr vor der ersten Operation habe ich mit Judo angefangen. Mir wurde ebenfalls von den Aerzten abgeraten, weiter Judo zu machen. Fuer mich kam das nicht in Frage. Ich habe dann – nach einer dreimonatigen Pause, um das Implantat ausheilen zu lassen – noch neun Jahre Judo gemacht, war Trainer, Pruefer, habe den Schwarzgurt erreicht und an zahllosen Wettkaempfen teilgenommen. Das Implantat war nie ein Problem und ist nie beschaedigt worden.

    Zu dem „Cyborg“-Sein und Batterien: Man spuert das Implantat selbst nicht. Man spuert kein ungewohntes Gewicht oder sonst etwas. Einzig der Sprachprozessor ist deutlich spuerbar, wie ein groesseres Hoergeraet. Ja, die Krankenkasse uebernimmt die Batterien, und was mit dem Ausland… ich bin nach Australien ausgewandert und musste dort, da fuer ein paar Jahre ohne bezahlte Batterieversorgung, meine Batterien selbst bezahlen. Im Internet kann man sie guenstig bestellen und so belaufen sich die taeglichen Kosten fuer Batterien auf etwa 0,60 Euro. Im Vergleich zu dem, was man fuer Essen ausgibt, kaum der Rede wert.

    Statt lebenslanger Taubheit waehle ich lieber lebenslange Abhaengigkeit von Aerzten und Ingenieuren. Man ist sowieso von allem moeglichen abhaengig, so z.B. von den Bauern, die unser Essen anbauen und an die Supermaerkte liefern. Von Chefs am Arbeitsplatz. Von der wirtschaftlichen Situation. Da ist die „Freiheit“ die selbstgewaehlte Taubheit bietet, eine Illusion.

    Zu mir persoenlich muss ich sagen, dass ich mit dem CI besser hoere als je zuvor in meinem Leben (ich bin hochgradig schwerhoerig geboren), ich wuerde es sofort wieder machen, und das CI hat mir ermoeglicht, nach Australien auszuwandern, als ich meinen Mann (Australier ohne Deutschkenntnisse) kennenlernte. Ja, man muss mit dem CI neu hoeren lernen. Ja, vor allem anfangs klingt es anders – aber wie mit einem neuen Hoergeraet, gewoehnt man sich dran und mit der Zeit klingt es immer normaler. Ja, es ist anstrengend. Aber es ist definitiv alle Muehe wert! Ich spreche Englisch fliessend und kann mich ohne groessere Probleme verstaendigen. Ich habe einen grossen, guten Freundeskreis der ausschliesslich aus Guthoerigen besteht. Ich koennte mein Leben nicht mal ansatzweise so leben, haette ich kein CI. Ich hoere Musik und musiziere selber (ich spiele Klavier und Ocarina). Ich mache sehr viel Sport (Klettern, Ultramarathons laufen, Reiten) und das CI schraenkt mich dabei nicht ein.

    Ich wuerde gerne wissen, ob du immer noch so denkst, wie du es in deinem immerhin 7 Jahre alten Artikel beschrieben hast, oder ob du das alles mittlerweile etwas anders siehst.

  96. Danke für Deinen Kommentar! Gern schreibe ich Dir dazu.

    Dass der Blogeintrag zusammen mit diesem hier https://notquitelikebeethoven.wordpress.com/2009/11/03/warum-ich-ein-cochlea-implantat-haben-will/ zu verstehen ist, hattest Du sicher gesehen. Bilanz hatte ich übigens schon einmal hier gezogen https://notquitelikebeethoven.wordpress.com/2011/08/22/cochlea-implantat-nachteile/

    Boxen ist etwas anderes als Judo, der möglichen Schläge gegen die Kopfseite wegen, zumal Thai-Boxen, wo das auch mit dem spitzeren Ellenbogen geschehen kann. Wettkampf und hartes Sparring würde ich nicht machen, für den Rest habe ich meine Lösungen gefunden. Vor allem nicht treffen lassen ; )

    Ich spüre das Implantat durchaus. Also nicht in seiner Gesamtheit. Aber doch, dass da im Innenohr etwas anders ist als ohne. Nur eine kleine Stelle, aber die merke ich. Und das habe ich auf beiden Ohren, bei beiden Implantaten.

    >Statt lebenslanger Taubheit waehle ich lieber lebenslange
    >Abhaengigkeit von Aerzten und Ingenieuren. Man ist
    >sowieso von allem moeglichen abhaengig, so z.B. von den
    >Bauern, die unser Essen anbauen und an die Supermaerkte
    >liefern. Von Chefs am Arbeitsplatz. Von der wirtschaftlichen
    >Situation.
    Das finde ich sehr gut und kann ich vorbehaltslos unterschreiben.

  97. Linde Kampf

    Ich lese dies erst im Jahr 2016. So Sie wohl heute stehen? Ihr Kommentar zur Ablehnung ist voll von unvollständigen Informationen, vor allem die neuen Generationen von CIs sind sicherer „verpackt“, MRT sicher auf bestimmen Frequenzen (weiß der Hersteller).
    Allerdings habe ich die Antworten nicht gelesen, weil zu umfangreich.
    Ich dachte anfangs auch so. Technik im Kopf iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii. Aber ich kann jetzt wieder besser hören und mein Leben ist wieder voller. Das „fleichliche“baut nämlich ab, wenn Sie immer angestrengt hören. Es sei denn,Sie entschließen sich zum Einstieg in die Gesellschaft der Gehörlosen, aber da werden Sie jahrelang eine Fremde sein!
    Ich hab grad eine Menge Probleme mit den Einstellungen, aber das was ich an Mehr durch das Hören habe, möchte ich nicht missen.
    Ich wünsche Ihnen ein gutes Leben.
    L.Kampf

  98. wie wäre es meine Seite zu besuchen? Ich trage CI bereits 5 Jahre.

    Tomas
    http://www.treenet.ch/Stille

  99. Veronika Romer

    Als ich das von dir vergleich hab dachte ich mal wieder an mich und vergleichte es. Ich bin 12 Jahre alt und werde am 26.07.17 operriert. Jezt dragge ich noch Hörgerette. Ich kriege aber dann schon bald Ci eigentlich wolte ich auch keins aber ich habe mich nicht getraut es meinen Eltern zu sagen seit dem mach ich mir auch sehr viele sorgen ob bei der OP alles gut laufen wird. Mit den Telefonieren im Sport unterricht und ander Hobbys denke ich das ich mich nicht mehr darüber freuen werde und kein Spass dran haben werde in der Zukunft. Nach der Op wer de ich wieder hier schrieben und sagen wie sei gelaufen ist.

    Mit freundlichen Grüssen
    Veronika

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