Punkrocksicher — Wie Hörgeräte meinen Musikgeschmack veränderten

Ich hatte mal Hörgeräte, die waren punkrocksicher. Widex C18, es waren die besten Geräte die ich je hatte, vor allem weil sie eine super Störschallerkennung hatten. Ich verstand in lauten Restaurants besser als meine Eltern und ihre Freunde. Das ansonsten unerträglich laute Geplapper der anderen Menschen wurde auf ein sanftes Säuseln herabgedämpft. Das müsst Ihr euch mal vorstellen: Ich. Als Schwerhöriger. Verstand! BESSER! Solche Freude!!

Nur, sobald irgendwo Punkrock kam — ich rede hier von sowas wie The Exploited, Dead Kennedys, Slime — regelten die Geräte ihn automatisch runter. Drehte ich die Lautstärke hoch, regelten sie noch mehr runter. Selbst auf Konzerten war das so. Es war frustrierend!

Ich glaube damals begann ich, etwas melodischere Sachen zu hören. Zuerst Primus

… und irgendwann war ich dann eher bei so Sachen, wie Ihr sie (neben anderem) hier im Blog unter Schöne Töne findet.

(Und ein andermal gibt’s dann auch was über aktuelle Musik.)

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11 Antworten zu “Punkrocksicher — Wie Hörgeräte meinen Musikgeschmack veränderten

  1. My favorite by Primus was this one:

  2. Bei den meisten Punkkonzerten hast du musikalisch wohl eh nicht viel verpasst.

  3. Elizabeth, yay, Tommy the cat!

    BeastyBasti, haha, das stimmt. Man könnte es auch als kleinen Schubs hin zum besseren Musikgeschmack deuten…

  4. Mein musikalisches Problem heißt Kate Bush. Seit 1978 begleitet mich ihre Musik – also schon länger als jede gute Ehe. Und ich würde sie wieder heiraten. Ihr Markenzeichen: eine Göttinen-Stimme, die über – ich weiß nicht wie viele Oktaven nach oben geht. Da eines meiner Markenzeichen aber eine zunehmende Hoch- und Mitteltonschwerhörigkeit ist, höre ich ihre Stimme mittlerweile irgendwie anders, leiser, schneidender und es klingt – mir bricht es das Herz, es zu sagen – fast unangenehm. Der einzige Trost besteht darin, dass sie mir ihrerseits ein Stückchen des Weges entgegen kommt und das tut sie auch. Mittlerweile ist die Tonlage ihrer Stimme wenigstens etwas gefallen…

  5. Bei allem Schmerz, das ist aber eine schöne Geschichte! Hattest Du nicht mal gesagt, Du wolltest was über Schwerhörigkeit schreiben?
    Was ich nicht ganz verstehe: Meinst Du mit oder ohne Hörgeräte, also handelt es sich um einen Schwerhörigkeits- oder einen Geräteeffekt?

  6. Ja, ich werde zu meiner Schwerhörigkeit demnächst bloggen, habe aber noch ein bisschen Anlaufschwierigkeiten… Beim sich verändernden Hören von Kate Bush handelt es sich um einen Geräteffekt. Der vermutlich ziemlich banal ist. Das Spezifikum von Kate Bush‘ Stimme sind eben gerade die hohen Töne, und die können die Hörgeräte (bei meiner zunehmenden Schwerhörigkeit) immer schlechter bewältigen. Ich glaube ja sehr stark daran, dass Menschen Kompensationsweltmeister sind, auch in einem symbolischen Sinne. Wie ich Kate Bush mit 14 Jahren „Wuthering Heights“ habe singen hören (und entflammt war wie Romeo und Julia) hatte ich noch keine Hörgeräte. Verrückt dass ich intuitiv so gerne hohe Frauenstimmen hör(t)e, als hätte ich damals schon geahnt, dass mir das verloren gehen könnte…

  7. Bin ja gerade einohrig und darum eh ein schlechter Hörer. Aber hab gerade „Wuthering Heights“ nochmal angehört: Wenn sie einigermaßen alleine singt, kann ich gerade so erahnen, wie grandios der Gesang ist. Und mit Zuhilfenahme der Hörerinnerung auch ein bißchen mitgerissen sein! Aber es fehlt was. Und sobald die Instrumente dazu kommen, kann ich’s vergessen, dann höre ich sie nicht mehr und nur Instrumental klingt das ganze langweilig.

  8. Kate Bush. Seufz.
    Die sang aber auch arg hoch früher. Da kam nichts mehr drüber. Wir Mädchen waren damals 15 und sangen so hoch mit. Alle normalhörend und jung wie Erbsen. Ich hörte damals gern „Bakerstreet“ von Gerry Rafferty, wenn ich recht erinnere. Und „Hotel California“ von den Eagles ganze Nächte durch. Das hört sich mit CI jetzt alles wie Punk an.
    Zum Heulen.

    Nur die raspelige Stimme von Rod Stewart („Ich bin segeln“) erkenne ich mit CI, aber den mochte ich früher gar nicht. Wie Hörtechnik den Musikgeschmack verändert … seufz. Nicht zum Guten. Leider.

  9. Wie klingt denn Kate Bush jetzt mit CI bei Dir? Ich hab mir das neulich mal angehört und es klang nicht wie früher aber durchaus sehr akzeptabel.

  10. Das letzte Mal, als ich es versucht hatte, klang Kate Bush wie Rod Stewart in einer Punkband. Ich kann Stimme und Instrumente nicht auseinander halten, da werden Konsonanten zum Schlagzeugtakt und irgendwas Hohes wird dreigleisiges Klirren Kreischen Sirren und die Mitteltöne fehlen komplett. Es ist alles verzerrt, als ob man ein Seil auseinanderdreht, bis man nur noch viele dünne Fasern in der Hand hat. Beim Tanzen (extremst selten) hüpfe ich rockig umher, während andere schwoofen, weil sich für mich immer alles wie hektische Percussion anhört. Ruhiges und Stimmungsvolles ist aus meinem CI-Leben komplett verschwunden, es kracht und schreit unentwegt aggressiv und seelenlos. Aber das ist gar nicht mein Musikgeschmack. Echt nicht.

    Mit Hörgeräten konnte ich damals noch den kleinen feinen Sommerhit „so bizarre“ aus den späten 90ern hören – lässig, leicht und locker. Geht heute nicht mehr. Oder REM mit „losing my religion“, heul heul. Für immer weg. Als wenn die Punks* alles weggekillt und sich stattdessen auf die Bühne gestellt hätten. Und jemand hat den Raum abgeschlossen, sodass man sich das ohne Ausweg antun muss. Grausig.

    (*Ich meine jetzt richtig schlechte Punks, besoffen, zugedröhnt, aggressiv, unterschichtig. Es soll angeblich auch andere geben.)

  11. Oh. Das ist ja nun wirklich sehr graphisch beschrieben.

    Ich habe gerade nochmal Wuthering Heights probegehört (nur die youtubeversion), dort schrieb jemand: Kate Bush to the ear is like silk to the skin. Ich finde aus meiner Erinnerung her, das paßt. Mit CI kann ich mich dem nun leider auch nicht mehr anschließen. Definitiv nicht.
    Andererseits klingt es doch ganz schön, sogar mitreißend, besonders mit Hörgerät auf der anderen Seite dazu. Da bin ich sehr froh drüber.
    Du hast es sicher schonmal geschrieben, aber — hast Du eigtl. nur 1 CI (nix auf dem andern Ohr)?

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