Schlurpf, machte das elektrische Ohr und begann zu arbeiten

Jetzt ist es soweit. Das elektrische Ohr wird in Betrieb genommen. So richtig mit regelmäßigen Inspektionen, in die Werkstatt bringen, Mechaniker Mechatroniker Techniker und wahnsinnigem Stromverbrauch. Nur ne lange Verlängerungsschnur schlepp ich nicht mit mir rum.

Direkt vorher war ich noch nachdenklich: Saß im Wartezimmer und blickte auf eine Zeitschrift hinab. Und merkte, wie unheimlich visuell ich gepolt bin. Das Zucken der Augen von der Zeitschrift hoch, unruhig. Immer wenn wer vorbeiläuft oder reinkommt. Nicht weil ich aufgeregt bin, sondern weil ich sonst nicht weiß, was abgeht und nicht höre, wenn ich gerufen werde. Ob sich das wohl ändert, wenn ich mehr höre? Ob es entspannender wäre? Wäre es ein Verlust, die Leute weniger gut lesen zu können?

Kurz darauf drückt mir mein Techniker die Spule in die Hand, etwas größer als ein 2-Euro-Stück. Die soll an meinen Kopf. Aber wo? Ich bin mir trotz viel Tastens nicht sicher wo genau der Teil des Implantats liegt, wo die Spule hinsoll. Ich suche. Dann: Schlurpf. Die Spule springt an meinen Kopf. Wow, das ist ja wirklich ein ganz eigenartiges Gefühl. Man muss gar nicht viel suchen, die weiß selber wo sie hin will. Funktioniert ganz ohne mich. Ach, genau wie Magnetschmuck, beruhige ich mich.

Und ich habe gleich das erste Geräusch gefunden, dass ich niemals hören werde. Denn das schlurpf stelle ich mir natürlich nur vor. So fühlt es sich an. Und ich werde nie wissen, ob es das wirklich macht, weil ich zu dem Zeitpunkt nie was hören werde. Das Ohr kann sich nicht selbst beim Hören zuhören. Was die anderen erzählen (es macht kein Geräusch) ist mir egal. Für mich macht es ab heute jeden Morgen: Schlurpf.

Und wie hört es sich an damit? Erzähle ich gleich….

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18 Antworten zu “Schlurpf, machte das elektrische Ohr und begann zu arbeiten

  1. Da bin ich gespannt!
    Viel Vergnügen beim Entdeckungshören!

  2. na, Du machst es ja spannend …

  3. Klar, 2. CI und, schwupps, kannst du hören, ob du was hörst 😉
    Oder was auch immer da noch kommen mag.
    Soll allerdings keine Handlungsempfehlung sein.
    Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf deine erste Höreindrücke und auf die vielen schlurps, die dir im Alltag so begegnen!

  4. waaaaah, jetzt bin ich noch viel gespannter!! ist dir eigentlich klar, wie viele leser jetzt zu hause sitzen, sich auf die knöchel beißen und darauf warten, daß es bei dir *geräusch* macht? 😀 😉 😀

    [natürlich ist es für dich selbst am … und so, schon klar, ABER.. ! :D]

  5. Jaja, ich weiß, Ihr wollt alle wissen wie das Hören ist. Ich mach das ja auch nicht um die Spannung zu erhöhen. 😉
    Ist einfach, dass dieses Ding anstecken (oder besser: mich davon anspringen lassen) und es tragen für mich schon so seltsam ist….

  6. Komisch, dieses „schlurpf“-Gefühl hatte ich nie. Wie verschieden die Menschen doch sind!

    Vorher hab ich mir auch immer Gedanken gemacht, wie das wohl so sein wird mit Spule am Kopf, wie schwer das ist und so (ja, ich weiß, völlig irrational…). Dabei merke ich die Spule nie. Sie legt sich immer so unauffällig und sanft und irgendwie schwerelos an ihr Gegenstück im Kopf an. Unangenehm wirds nur dann, wenn ich das CI das erste Mal am Tag anlege und zufälligerweise gerade laute Geräusche sind. Das CI ist so viel mehr von o auf 100 als das HG…

  7. Vielleicht liegts daran, dass ich kurze Haare hab? Oder dass bei mir der Magnet stärker ist? Oder ich bin einfach nur empfindlicher.
    Das Vergnügen mit von 0 auf 100 hatte ich noch gar nicht, mal sehen…

  8. Danke für deine sehr persönlichen Berichte! Und was das Schlurpf angeht: Du könntest es ja aufnehmen und abspielen, wenn das Implantat sitzt.

  9. Ich habe zu danken, für Interesse und Dabeibleiben. Zum Aufnehmen: Ich glaube die Realität kann mich nur enttäuschen, ich werde mich ihr darum nicht ausliefern. Ist doch Weihnachten, oder? 😉

  10. Pingback: Strom ins Ohr: Vom nicht ganz wie früher Hören mit dem Cochlea Implantat « Not quite like Beethoven

  11. also ich finde dieses schlups richtig putzig – das zeigt mit welcher Fantasie Du unterwegs bist und
    dass Comics sicher beliebt sind bei Dir :-))))
    Ich habe jetzt ein Jahr das CI und trotz Restgehörschrottung durch die OP höre ich und lerne auf dem CI Ohr das Hören völlig neu und kann nicht sagen, dass ich alles bereue. Auf den Tinnitus hätte ich verdammt gerne verzichtet – denn mit dem werde ich sterben – das weiß ich jetzt schon. Das Tolle am CI, ich habe gewagt 3 Vorträge zu hören und saß nicht wie früher in der ersten Reihe, sondern auf der letzten: Mit CI-Ohr, einem HG und die FM-Anlage habe ich 70% des Vortrages nicht nur gehört – sondern auch verstanden – und das ist absoluter Plus-Rekord. In solchen Momenten bin ich sehr froh, die Chance bekommen zu haben ein CI zu erhalten. Trotzdem ist die Klangqualität nicht der Hit und deshalb habe ich im März diesen Jahres auf die OP am rechten Ohr verdammt gerne verzichtet. Klingt verrückt ist aber gut so!

    Tolle Zeit an alle mit CI und weiter Mut geben und machen!

    Netten Gruß Carole

    (Mitarbeiterin CI-SHG-KA)

  12. Ich sag nur „puff“, „zack“, „kloink“ — bin halt mit der Comicsprache aufgewachsen. 😉

    Bei mir ist’s genauso. Es ist nicht alles toll, es gibt Nachteile. Aber unterm Strich bin ich froh damit. Und mit einem zweiten CI eilt’s mir auch nicht, im Moment gefällt mir gerade die Mischung gut.

  13. HI, hab erst jetzt dein Feedback auf mein Schreiben vom 16.72010.

    big handshake ***schüttel*** :-))) viele Grüsse nach Berlin aus Karlsruhe

  14. Halloo.
    Nachdem ich jetzt gefühlte 1000 Blog-Einträge hier gelesen habe und völlig fasziniert davon bin, muss ich das jetzt hier auch mal „kund“ geben. 😀
    Ich bin, wie du hier so häufig erwähnst, normalhörend und Logopädiestudentin in Nijmegen und muss gerade einen Vortrag über Schwerhörigkeit bzw. CI vorbereiten und stöbere mich hier so quer durch das Internet durch alle erdenklichen Foren und wissenschaftlichen Seiten…
    Deine finde ich mit Abstand am Besten und Interessantesten. Deine vielen Anekdoten aus dem Leben machen es für mich, als Normalhörende und als angehende Therapeutin(wo ich ja auch mit diesem Bereich höchstwahrscheinlich Kontakt haben werde), viel besser begreiflich oder vorstellbar, wie sich das alles so anfühlen muss. Ich werde diese Seite unter meinen Kommilitoninnen verbreiten, wenn es dir nichts ausmacht … 🙂
    liebe Grüße

  15. Freut mich, dass es Dir gefällt, und noch mehr, dass es Dir weiterhilft. Das höre ich gern. Und danke fürs Verbreiten. Wünsche guten Rutsch!

  16. Pingback: Das Karussell | Not quite like Beethoven

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