Schöne Töne #12 — Der elektrische Anfänger

Um mich rum der Klang — in meinem Kopf, nun ja. Ich weiß, was ich hören müsste. Denn als ich, glaube ich, 14 war habe ich diese beiden Stücke rauf und runter gehört. Ich kann sie immer noch fast auswendig, vom Text und von der Musik her, Sprache und Töne. Damals hab ich nur mittelgradig schwer gehört.

Jetzt hab ich sie wieder rausgekramt, weil man das elektrische Hören mit CI ja vollkommen neu lernen muss. Und mit Stücken üben soll, die man sehr gut kennt. Das Gehirn davon überzeugen, dass es das was ankommt fortan anstelle des Alten akzeptieren möge. Das Neue in die alten Schubladen einsortieren, aber gleichzeitig auch die Schubladen ändern.

Ich mag sie immer noch. Aber mal ehrlich: Ohne die Untertitel würde ich den Text nicht verstehen. Und wüßte in all dem Krach, Gepfeife und Gepiepe nicht einmal, wo ich gerade bin. Zum gut Hören ist’s noch ein weiter Weg …

Queen: Under Pressure

Queen: Killer Queen

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16 Antworten zu “Schöne Töne #12 — Der elektrische Anfänger

  1. Oh, Under Pressure is a fantastic song. Good choice for a hear-goal.

  2. Hörst Du die Melodien halbwegs raus, oder nur relativ zusammenhangslose Geräusche?

  3. Das Wörtchen, auf das es ankommt (und das man gerne aus tiefstem Herzen hassen darf!), heißt einfach…. Geduld.

  4. Regenbogen

    Ich drück Dir die Daumen, daß Du die Stücke bald zufriedenstellend hören kannst.

    Ich hab ja als Hörende da gar keinen Einblick – aber ich hab mal bei „Planet Wissen“ ein (angebliches oder tatsächliches, kann ich nicht beurteilen) Hörbeispiel gehört und konnte das erst mit Angabe des Textes entziffern….

    Ihr leistet da wirklich was, wenn Ihr Euch das Hören Stück für Stück zurückerobert und dazu kann man Euch nur alles Gute wünschen.
    Hoffentlich machen die Melodien Dir dann auch wieder Freude; klingen ja sicher auch etwas anders als von früher gewöhnt?

    Liebe Grüße vom Regenbogen

  5. Das erste Stück halte ich als Hörtraining für sehr ungeeignet. Die Tonlage der Stimme ist kaum von der Musik zu trennen. Oftmals wird sie sogar ganz von ihr verschluckt.
    Das zweite Stück scheint mir insgesamt deutlicher. Vielleicht primär mit diesem arbeiten?
    Oder Musikstücke wählen, deren Gesang deutlich mehr Gewicht hat. Versuch es auch mal mit Kinderliedern. Sicherlich hast du da auch noch von einigen den Text im Kopf… und bei YouTube ist bestimmt auch das eine oder andere zu finden.

    Anyway… dir viel Erfolg!

  6. Elizabeth, 😎

    Nikana, also nun, nach einigem Üben und nochmal am CI nachstellen sind’s definitiv keine zusammenhanglossen Geräusche mehr. Höre neben Schlagzeug und Gesang immer mal wieder auch was von Gitarre und Bass. So richtig „Melodiehören“ würde ich es aber noch nicht nennen.

    Jojo, Du hast ja soo recht. Ehrlich gesagt, solange die Fortschritte fühlbar bleiben, auch wenns nur ein wenig ist, fällt mir das auch nicht schwer. I don’t need speed, I need acceleration!

    Regenbogen, danke! Ich glaube, der Klang wird immer etwas anders bleiben. Und ich hab auch immer mehr Respekt vor „uns“, vor allem den Älteren und denen mit weniger Hörgedächtnis!

    Francis, hi, freut mich, dass Du hier mitliest! Du hast recht, der Gesang bei „under pressure“ ist sehr schwer. Aber es gibt ja nicht nur den Gesang, ich versuche eher das Gesamtbild zu erfassen, v.a. dieses bekannte, durchgängige Motiv. Mit einfacheren Liedern „arbeite“ ich auch, hab mir schon was ausgedacht, das ich darüber demnächst hier schreiben will… 🙂

  7. Pingback: Gib mir Melodie: Musik hören mit dem Cochlea Implantat « Not quite like Beethoven

  8. Pia Butzki

    Jetzt muss ich zu diesem alten Thread doch mal einen frischen Link posten, der heute (28.3.2014) im Netz rumgeistert:

    http://gefaelltmir.sueddeutsche.de/post/80962788815/netzschau-am-28-maerz-2014

    Eine bisher gehörlose Frau bekommt ein CI und heult. Jetzt denkt natürlich alle Welt, sie freut sich über die Töne, but how could she? So heule ich jedesmal, wenn ich merke, dass ich das Lied, was da im Radio oder sonstwo gespielt wird, eigentlich kennen müsste, dass es mal mein Lieblingssong in meiner (hörenden) Jugend war. Dass es mal schön war, sich das anzuhören. Aber mit CI absolut nichts zu erkennen. Null. Alles Baustellenkrach. Hässliche Monotonie statt Melodie. Musikhören ist aus meinem nunmehr 12jährigen Leben mit CI gänzlich verschwunden.Alles hört sich wie experimenteller Punk an. Entsetzlich.

    Vielleicht sollte ich das mal als Video mitschneiden, wie ich heule, wenn mir jemand sagt, dass gerade ein Song zu hören ist, den ich mal sehr sehr sehr mochte. Und jetzt mit CI noch nicht mal mehr erkennen kann.

  9. Pia Butzki

    Und nochmal der Original-Link (?):
    http://www.birminghammail.co.uk/news/midlands-news/joanne-milne-woman-hears-first-6885761

    So heule ich auch manchmal, wenn ich versuche, mit CI Musik zu hören. Die Frau in dem englischen Video bekommt ja bekanntlich bei ihrer Erstanpassung gerade mal einen ausserirdischen Piepston auf das CI. Mehr kommt ja am Anfang gar nicht. Sie weiß nicht – und wird niemals wissen – was die wirkliche echte akustische Welt ist. Und was man alles verliert, wenn man mal richtig hören konnte.

    Das musste mal zum Ausgleich gesagt werden, sonst denkt die Welt, es wäre wirklich so riesig toll und kitschig und erfreulich mit CI. Nein, leider nicht.

  10. Ja, dieses Video wird gerade ziemlich heftig herumgereicht. Wir hatten etwas ähnliches ja auch schon einmal hier diskutiert: https://notquitelikebeethoven.wordpress.com/2011/10/01/activate-and-share/

  11. tantemädel

    Ich kann es nicht beurteilen, wie man richtig hört, weil ich nie richtig gehört habe. Und ich glaube auch, dass Menschen, die richtig gehört haben, enttäuscht sind, wenn sie nach der Ertaubung ein CI bekommen, weil sie das Hören erwarten, dass sie mal hatten. Für mich war und ist das CI ein Gewinn, auch beim Musik hören. Wenn ich bekannte Stücke höre, bin ich erstaunt, was es noch alles zu hören gibt, weil ich es vorher nicht gehört habe. Deswegen kann ich diese gefühlsmäßige Reaktion im Film nach der Erstanpassung sehr gut nachvollziehen, da es mir sehr ähnlich ging. Der Unterschied ist doch einfach, dass ich etwas durch das CI gewinne, während bei den Ertaubten der Verlust noch vorhanden ist. Und doch kenne ich einige Ertaubte, die sich über das CI freuen, weil es so schrecklich für sie war nichts zu hören und sie das Hören mit CI als Gewinn ansehen, auch wenn es nicht das alte Hören ist.

  12. Hm, manche Dinge kommen auch erst später wieder – das kann durchaus ein paar Jahre oder mehr dauern. Am Anfang hab ich ja nicht alles wieder erkannt – das hat gedauert. Und bis etwas angenehm war – so oft hören, bis das auch wieder so wieder wie früher war. Das Gehirn lernt ja mit. Da bin ich jedes Mal erstaunt, was das Gehirn für eine Arbeit leistet. Aber das Video mit der Frau.. da denken alle doch gleich : Man hört von Nullkommanix auf jetzt gleich top. Nur : vom ersten Ton an ist es einfach harte Arbeit, das alles erst mal zu lernen. Und selbst nach 12 Jahren CI und einem zweiten CI seit Oktober bin ich immer noch am lernen . Man lernt da einfach ständig. Und so trifft das Schlagwort Lebenslanges Lernen auf CI-Träger ziemlich zu, das ist Realität. Manchmal trauern Leute dem alten Hören nach, was verständlich ist. Doch man kann aus dem neuen Hören auch das Beste machen, auch dann wenns um Musik geht.
    Die Reaktion der Frau kann ich aber sehr gut verstehen – denn das ist ein besonderer Moment, gerade dann, wenn man noch nie was gehört hat – oder seit langem nichts mehr. Da würde sich jeder freuen, irgendwas zu hören, sei es nur ein kleiner Piepton.
    Was ich aber an dem Video fragwürdig finde, ist dass nun jeder denkt : Die hören gleich top.

  13. Ich bin noch Blutiger Anfänger (EA am 6.4.16), aber mit Musik musste ich einfach loslegen, nach einem miesen Brei-Klang-Tag mit Kind(ern) und Kegel bei IKEA…mit 3 Gläsern Wein hat es dann ach wirklich Spaß gemacht…
    White Wedding – Billy klingt zwar noch etwas wie Micky Maus, aber nachdem ich mir auf Youtube eine uralte MTV unplugged Version angehört habe schält sich seine Stimme immer mehr raus, auch live mitschnitte. Wenn auch nur mit Audiokabel.
    Was geht in Sachen Musik, die Logopädin empfahl mit Weihnachtslieder. Ich entschied mich Musikstücke, die ich nicht nur rauf und runter gehört habe, sondern mit denen mich auch etwas verbindet. Erst mal die, die ich selbst auf dem Bass gespielt habe… und neben dem Schlagzeug höre ich den Bass und die Stimme (nicht echt aber sie ist da und sogar verständlich). Allerdings immer nur bei den Titeln die ich wirklich kenne, alles andere ist Brei… woran liegt das? Bei Glory Box von Portishhead höre ich den Unterschied zwischen Studioversion und live mit Orchester und bei einfachstem Punk nur Brei…Clash hingegen geht gut.
    Fragen, warum diese Unterschiede und wie hole ich mir das spontane Musikerkennen wieder zurück?

  14. Von zwei Seiten her: Durch langsam immer bessere Einstellungen und Hörtraining. Nur Geduld. Und nicht zufrieden geben mit verwaschenem Klang. Ansonsten klingt das für so kurze Zeit doch schon ganz gut, finde ich. Wünsche alles Gute und viel Erfolg.

  15. Danke für die Tipps. Seit der letzten Einstellung hat sich irgendwie nicht so viel getan (für mich gefühlt), Kollegen und freunde sagen allerdings es sei viel besser geworden, während die Familie sagt es ist schlechter.
    mit Audiokabel deutsche Serien ansehen klappt, englisch leider nur mit Untertitel, obwohl ich, als ich noch hören konnte Englisch immer bevorzugt habe. Auch Geschäftsmeetings in Englisch sind noch holprig, ich hoffe das ändert sich noch, sonst darf ich keine Projekte mehr in London machen…
    Ich will jetzt Stück für Stück probieren die Musik, die ich über Audiokabel gut höre auch über Lautsprecher zu hören. Dann wage ich mich wieder an fremde Stücke. mein Hirn will im Moment nur altbekanntes.

  16. Bei dem Englisch zeigt sich halt der Unterschied zur Muttersprache, das ist auch bei mir so: So gut meine Englischkenntnisse auch sind, unterm Strich spreche ich es doch ein paar Jährchen weniger, habe doch etwas weniger Übung darin als in Deutsch.

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