Das elektrische Ohr: Die umstrittenste bionische Prothese von allen?

Spiegel Online bringt ein Stück über künstliche Körperteile (scheint down zu sein, andere URL siehe Kommentare), darunter am Ende auch zwei (!) Absätze über Cochlea Implantate (CI). Und im Spiegel-Forum, wo man über den Beitrag diskutieren kann, ist das CI schon nach weniger als vier Stunden das worüber am meisten diskutiert wird.

Schaut’s Euch mal an, vielleicht mögt Ihr Euch ja auch zu Wort melden!

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33 Antworten zu “Das elektrische Ohr: Die umstrittenste bionische Prothese von allen?

  1. Wer weiß, vielleicht melde ich mich auch noch im Spiegelforum an….sofern es bis dahin noch nicht völlig entgleist ist. 😀

    Hab das auch ins DCIG gesetzt – und im HCIG hab ich dazu ja auch schon was gepostet.

  2. Wow, die sind aber ganz schön ironieresistent bei Spiegel Online…

    ich denke viele Kommentare zeigen einfach Unwissenheit bezüglich des CIs – ist ja nicht so, als ob mans eingesetzt bekommt und dann sofort hören kann. Das weiß ich aber auch erst, seitdem ich diesen Blog lesen 😉

    Was ich nicht ganz verstehe: Warum können völlig Ertaubte das CI denn nicht einfach als Hilfsmittel betrachten? Ich könnte mir vorstellen, dass es doch auch einem erwachsenem Ertaubten den Alltag sehr erleichtern kann, auch wenn er vielleicht gesprochene Sprache nicht 100% ig verstehen kann. Die Gebärdensprache wird ihm deswegen doch niemand „wegnehmen“ wollen…

    Die Befürchtung, dass die eh schon hierzulande viel zu spärliche Infrastruktur für Gehörlose (wie z.B. Untertitel im Fernsehen) eingeschränkt wird mit dem Argument, Gehörlose könnten sich doch einfach ein CI einsetzen lassen, kann ich aber wiederum verstehen. Da kann das CI an sich aber nichts für 😉

  3. Das mit der Unwissenheit ist auch kein Wunder, die Informationen erhält man ja nicht, wenn man nicht aktiv nachforscht. Dann stehen in den Medien meist nur so knappe Sätze wie in dem Spiegel-Artikel. Insofern find ich diese anhängende Forumsdiskussion schon ganz gut, da kommt vieles mal zur Sprache für die, die aufmerksam lesen wollen.

    Nachtrag: Das mit dem „nur Hilfsmittel“ ist so schwierig, wenn es mit Lebensentwürfen und -geschichten verknüpft wird. Und mit der anderen Frage, die Du aufwirfst, für welche „Infrastruktur“ gesorgt werden sollte bzw. was Minderheiten/Behinderten zuzumuten ist. Ich finde aber, es hilft ungemein, wenn man möglichst konkret bleibt und jeweils Roß und Reiter benennt.

  4. Beim Spiegel-Forum geistern mir zuviele Hörende herum, die von dem ganzen Thema null Ahung haben. Leider haben auch viele Eltern von Gl/Sh/CI-Kindern von diesem Thema keine Ahnung, cih weiß das aus eigener Erfahrung und als Kontakten mit solchen Eltern. Und dazu noch die Radikalis auf beiden Seiten. *Brrrr*

  5. Korrektur:

    … ich weiß das aus eigener Erfahrung und aud Kontakten mit solchen Eltern.

    Dan kann man sich manchmal wirklich auf den Kopf greifen.

  6. @NewAtair:
    Also erstens hatte ich den Eindruck, daß dort viele CI-Träger gepostet haben, nicht nur Hörende.
    Und natürlich zwei Gehörlose.

    Zweitens, woher weißt Du, daß die Hörenden da alle null Ahnung haben? Beziehst Du Dich da auf bestimmte Postings? Oder gehst Du jetzt einfach mal davon aus, daß die meisten Hörenden sich mit der Materie nicht beschäftigen?

  7. @not quite like Beethoven: Damit:
    „Das mit dem „nur Hilfsmittel“ ist so schwierig, wenn es mit Lebensentwürfen und -geschichten verknüpft wird. “

    hast Du natürlich recht – ist ja auch kein Pappenstiel, so eine CI-OP.

    Rein aus dem Bauch heraus würde ich das so sehen: Ich kann erwachsene Ertaubte verstehen, die sich gegen Druck verwehren, sich um jeden Preis mit möglicherweise zweifelhaftem Nutzen einsetzen zu lassen. Ich kann aber Eltern nicht verstehen, die einem stark schwerhörigen oder tauben Kind „aus Prinzip“ kein CI einsetzen lassen wollen weil das „audistisch“ ist.

    So, und jetzt zerfleischt mich 😉

    Was die Infrastruktur angeht: Ich verstehe z.B. nicht, warum die ganzen Hollywoodfilme, für die doch sowieso bestimmt jemand schon Untertitel gemacht hat (sind jedenfalls immer auf den DVDs mit drauf) meistens keine Untertiteloption haben. Allerdings habe ich auch keine Ahnung, was das technisch für ein Aufwand ist, einen Film im Fernsehen mit Untertitel zu senden (aber bei Arte gehts ja andererseits auch…)

  8. @Regenbogen: Vielleicht habe ich etwas zu ungenau geschrieben: Es mischen sich zu viele Hörende ein, die entweder Besserwisser sind, keine Ahnung haben und/oder sich NIE mit der Materie beschäftigt haben und nur das wiederholen und nachplappern, was in den Medien gelesen oder gehört haben. Auf solche „wohlmeinende“ Meinungen kann ich verzichten, denn WIR (egal ob CI/GL/SH) selbst wissen, was für uns selbst gut und von Nutzen ist.

    Und Radikale auf beiden Seiden mag ich nicht, denn dieses Schwarz-Weiß-Denken ist sooooo extrem unproduktiv. Warum kann nicht beides sein: GS und CI/HG?

  9. Ach ja, und manche anscheinen hörende Poster schreiben, dass CI-Träger keine UTs brauchen?

    Da lachen die Hühner, da ich genug CI-Träger vom Babyalter an, kenne, die UTs brauchen.

    Geh, immer diese extremen Typen ….

  10. New Atair, freut mich, dass mein Blog nun schon attraktiver scheint als das Spiegel-Forum, vielleicht hab ich ja dann auch bald Spiegel Online überholt 😉 Zum Thema, dass viele keine Ahnung haben, besonders Eltern: Ich finde es ziemlich toll wie gut und schnell man sich, wenn man einigermaßen mit dem Internet umgehen kann, inzwischen informieren kann, v.a. über Betroffenen-Foren. Von daher hab ich Hoffnung, dass das besser wird.

    Uschi, mit Zerfleischen kann ich leider nicht dienen, sorry. 🙂 Dass das kein Pappenstiel ist, hab ich ja selber gerade gemerkt. Ich möchte die Entscheidung auch nicht für mein Kind treffen müssen. Ich habe übrigens noch keine Eltern getroffen, die ihrem Kind (wenn das wirklich taub und nicht nur schwerhörig ist) ein CI verweigerten weil das „audistisch“ sei. Mehr weil, z.B., sie ihrem kleinen Kind keine OP am Kopf und kein Leben mit Apparat im Kopf und „am Tropf“ von Batterien zumuten wollten, weil sie selber so in der Gehörlosenwelt verwurzelt waren oder weil sie (im AUsland) kein Geld bzw. Versciherung dafür haben. Und das mit den fehlenden UT für Filme — versteht im Grunde niemand. Es gibt wirklich keinen überzeugenden Grund.

    Gerade vor dem Hintergrund wäre es wünschenswert, wenn Gehörlose und CI-Träger (die sind ja immer noch gehörlos bzw. schwerhörig) an einem Strang zögen.

  11. Da ich das Blog hier schätze und hier mich angesprochen fühle, möchte ich mich hier zu euer Diskussion äußern.

    Ich werde bestimmt als Radikale wahrgenommen. NewAtair, ich kann Ihnen ganz zustimmen, dass das Schwarz-Weiß-Denken öfter zu Nichts führt. Manchmal ist der Weg zum Erfolg mit radikalen Denkweisen und Haltungen eng verbunden. Westerwelle oder Wowereit wäre heute kein hohes Tier geworden, wenn viele schwule und lesbische Radikalen damals nicht auf den harten Kampf eingehen würden. Viele wurden mit Steinen beworfen. Viele wurden ermordet. Viele begingen Selbstmord. Es ist schön zu sehen, dass Westerwelle heute auf gleiche Augenhöhe mit Araber, die noch heute homosexuellen Menschen zum Tod verurteilen, verhandeln kann.

    Dagegen sind taube Radikale (noch) völlig harmlos, fast hilflos und machtlos!

    NewAtair, zu deiner Frage, warum nicht beides sein kann:

    Oralismus, Cochlea Implantat und pränatale Selektion tauber Babies durch Genetik basieren auf der Ablehnung des Taubseins. Wenn diese Ablehnung aber eine persönliche Sache ist, ist natürlich völlig in Ordnung! Es ging bisher öfter um die institutionelle Organisation und die Ideologie gegen die Taubheit. Das CI für Kinder ist eben dafür da, dass sie hörend werden und im hörenden Umfeld ohne Bezug zur Gebärdensprache und anderen tauben Menschen leben. In Dänemark sind fast alle Schulen für taube Menschen bis auf eine in Kopenhagen geschlossen, weil heute ja fast alle Kinder CIs kriegen und zu Regelschulen gehen. In Deutschland ist solche Entwicklung noch nicht soweit. Damit die Gebärdensprache überhaupt weiterhin existiert und weiterentwickelt wird, muss der Kontakt zu anderen tauben Menschen weiterhin bestehen. Die Gebärdensprachen können in der Zukunft nicht allein von Existenz der längst verstaubten Gebärdensprachlexika leben. Siehe Hieroglyphen.

    Mit der Zeit wird die Technik auch immer besser, so dass in nächsten Jahrzehnten alle taube Menschen in kurzer Zeit hörend werden. Und sogar heute wird genetische Prävention der Taubheit praktiziert. In Großbritannien gab es Wirbel um gesetzliche Regelung für genetische Prävention der Taubheit. Durch diese „Möglichkeit“ können die Kultur und die Sprache tauber Menschen natürlich nicht optimal an nächsten Generationen weitergegeben werden, denn sie sind komplett von tauben Menschen abhängig, die nun mal zu 90% vom hörenden Umfeld stammen. Der Einfluss der Institutionen gegen Taubheit spielt daher bei der Existenz der Taubengemeinschaft in der Zukunft eine große Rolle.

    Ich selbst bin ja politisch aktiv und habe wirklich nicht leicht mit diesem Thema. Ich möchte ja so gern mit verschiedenen Institutionen und Organisationen fürs CI wie DCIG zusammenarbeiten. Den Weg zu totaler Prävention der Taubheit in der Zukunft kann und möchte ich nicht unterstützen.

    Ich freue mich ja über Freude am Hören vieler ertaubten und schwerhörigen Menschen wie z.B. hier. Ich glaube nicht, dass sie in der Gebärdensprachgemeinschaft viel glücklicher wären. Es muss aber nicht für alle taube Menschen gelten! =)

  12. @bengie:
    Das mag in einigen oder vielen Fällen (auf die Zahl mag ich mich da nicht festlegen, da fehlt mir der Überblick) stimmen, daß ein Kind implantiert wird, dessen Eltern in der Sache „völlig unbeleckt“ sind und deshalb auf einen Arzt eingehen, der ihnen von der Gebärdensprache abrät.

    Gibt aber auch durchaus andere Meinungen – das solltest Du ja damals auch festgestellt haben, als Du mal zeitweise im DCIG-Forum mitgepostet hast. 😉
    Ich hab da jedenfalls eine Menge Postings gelesen, die sich genau in diese Richtung (die ja auch New Atair angesprochen hat) geäußert haben. Einige von den Mitforumianern sagen ja auch über sich, daß sie (mehr oder weniger gut) gebärden können oder daß sie es heutzutage schade finden, es nicht gelernt zu haben.

    Es wär eigentlich schön, wenn man diese Strömungen so ein bißchen mitnehmen könnte.
    Manchmal kriegt man das Gefühl, wer im DCIG-Forum ist, wird von vornherein verteufelt – ohne daß die Leute da mal ein bißchen differenzieren. Es gibt überall solche und solche. 😉

  13. Bengie, vielen Dank für das Lob und den guten Kommentar — ich freue mich, dass Du hier bist! Ich finde den Hinweis besonders wichtig, dass es für die Gebärdensprache wichtig ist, dass sie gelebt wird. Also, dass sie von Leuten mit Muttersprachkompetenz in Alltag, Kunst, Beruf etc angewendet wird. Sonst würde sie zum bloßen Hilfsmittel — wie die Zeichensprachen, die zB an der Börse verwendet werden (oder eben auch das CI!).
    Ich glaube, dass taube Kinder (auch wenn sie ein CI haben) möglichst früh mit Laut- und Gebärdensprache gefördert werden sollten. Dann können sie darin ihren Weg finden und sich später ggf. auch für eine entscheiden. Es gibt ja relativ viel Forschung zu zweisprachiger Erziehung (2 Lautsprachen), vielleicht kann man davon was lernen, wie hier am besten vorzugehen ist?

    Regenbogen, ich glaube es ist ganz generell ein Problem, dass Leute nicht viel wissen, emotional aufgewühlt sind und dann von Ärzten eingeschüchtert sind oder sich gedrängt fühlen. Da ist das CI-Thema ja kein Einzelfall. Aber wie gesagt, speziell auf Online-Betroffenen-Foren (egal ob CI oder GL) setze ich da große Hoffnungen.
    Übrigens, ich bin ja noch neu, kenn die alten Streitereien nicht so gut. Aber ich bin auch im DCIG-Forum angemeldet und trotzdem ist Bengie hier. Find ich gut.

  14. @Not quite like Beethoven:
    Naja, mir hat man damals geschrieben, daß ich im DCIG poste, sei ja so, als würde ein Jude in ein palästinensisches Forum gehen…..

    (Und das, obwohl ich, um im Bilde zu bleiben, weder Jüdin noch Palästinenserin bin; schließlich bin ich hörend….und habe somit mit den Zoffereien zwischen den Parteien eigentlich gar nichts zu tun; ich habe da auch keine finanziellen- oder sonstige Lobby-Interessen, da ich beruflich weder mit dem CI noch mit Dolmetschen oder sowas zu tun habe….)

  15. Das ist natürlich hart und daneben. Ich finde das übrigens interessant, diesen immer mal wieder hochkommenden Vorwurf, Nichtbetroffene sollten sich raushalten. Klar, bei den Entscheidungen sollen sie sich raushalten, aber sonst sehe ich das gerade andersrum: Ich freue mich über jeden und jede Nichtbetroffene/n mit Interesse am Thema. Zumal wenn das Interesse so groß ist, dass nicht nur mitgelesen, sondern auch selbst gepostet/kommentiert wird. Davon können wir (Betroffene und auch „die Gesellschaft“) denke ich nur gewinnen.

  16. Wir sind doch alle betroffen, ob wir nun hören können oder nicht, oder mit oder ohne Implantat leben. Schließlich müssen wir doch alle miteinander leben, interagieren, kommunizieren. Voraussetzung dafür ist natürlich, daß man dem Gegenüber auch zuhören möchte. Das ist aber bei jedem kontroversen Thema so, da gibt’s immer zwei Experten und drei Meinungen.

    Ich bin hier seit Monaten stille Mitleserin (no pun intended) und sehr, sehr dankbar für dieses Blog und die spannenden und lehrreichen Erfahrungsberichte, auch wenn ich ausgezeichnet hören kann und kaum bis gar keinen regelmäßigen Kontakt mit Schwerhörigen oder Gehörlosen habe . Ich kenne kaum ein faszinierenderes Blog, denn ich werde hier immer wieder angestoßen mich mit einem elementaren Teil meines Selbst auseinanderzusetzen.

  17. Ja, klar, zumal ich ansonsten sooo oft den Vorwurf lese, Hörende interessierten sich gar nicht für Hörgeschädigte und ihre Probleme und ihre Kultur.

    Außerdem denke ich mir, ich war auch noch nie im Krieg, aber ich hab trotzdem eine Meinung dazu.
    Ich versuche, mir meine Ansichten zu bilden, indem ich lese bzw. in anderen Fällen auch höre, was Betroffene sagen.
    Wenn ich daraus falsche Ansichten entwickle, darf man mich gerne korrigieren. Ich bin geistig flexibel genug, meine Meinungen auch zu überdenken und ggfls. zu sagen: Okay, ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil. Da breche ich mir keinen Zacken aus der Krone.
    Kommt aber natürlich drauf an, in welchem Ton man da angegangen wird und ob man bitte auch erklären darf, wie es zu diesem oder jenem Vorfall gekommen ist.

  18. Übrigens, was mir so einfällt, bengie….
    Da Du schreibst, Du würdest gern auch mit Organisationen wie der DCIG zusammenarbeiten:
    Warum ist eigentlich nie was aus dem Angebot von Th.Henss geworden, mal einen Austausch zu organisieren? Hat er doch mal gepostet und irgendwann hab ich das Thema auch hochgeschoben.
    Ich glaub schon, ihn so einschätzen zu können, daß er das auch macht, wenn er sowas anbietet. (Sollte natürlich dabei nicht soweit kommen, daß die Leute sich an die Gurgel gehen. 😉 )

    Ist übrigens okay, wenn Du den Weg zu totaler Abschaffung der Taubheit nicht mit unterstützen möchtest. Der ginge ja vermutlich auch nur über vorgeburtliche Selektion (fieses Wort für eine noch fiesere Tat, wenn man mich fragt), denn es wird doch immer Leute geben, bei denen das CI schon aus anatomischen Gründen gar nicht geht.
    Was ich dann nur nicht so prickelnd fände, wäre eine Forderung wie mal im Taubenschlag aufgestellt: Daß die DCIG doch bitte dafür werben möge, DGS UND CI zu nutzen.
    Finde, da gehört Zusammenarbeit zu, und nicht die eigene Aufgabe auf die DCIG abwälzen, die ist nämlich nicht zu diesem Zweck gegründet worden. Das wär so, als würde ein Badmintonverein vom örtlichen Fußballverein verlangen, für ihn mit die Mitgliederwerbung zu machen.
    (Die DCIG-Forumianer sind übrigens m.W. nicht alle auch Mitglieder der DCIG – also nicht verwechseln. 😉 Wäre aber trotzdem schon mal ein Anfang.)

  19. Kiki, das ist aber schweres Lob, danke! Ich glaub, was es so schwierig macht ist, dass wir nicht einmal alle miteinander leben und kommunizieren. Aber die vielen, mit denen wir es nicht tun, sind uns auch nicht egal. (Wobei, auch wenn alle miteinander reden würden, wäre es bestimmt nicht harmonischer.)

  20. Schade, der Artikel ist bei Spiegel nicht mehr online.
    Ich habe nur die ersten beiden Seiten im Spiegel Forum durchgelesen und da gesehen, dass der Beitrag eigentlich aus der National Geographic ist.
    Weiß zufällig jemand, ob er dort noch irgendwo online ist? Ich würde auch gerne lesen, was für ein Artikel eine solche Disskusion auslößt. 🙂

  21. Also wenn ich auf die Schnelle recht seh, war es eine Mischung aus dem hier, dem hier und noch etwas. Aber der Witz war ja gerade, zumindest aus meiner Sicht, dass in dem Artikel das CI überhaupt nur erwähnt wurde. Das war der Stein des Anstoßes…

  22. Nqlb, naja, ganz so unerwartet ist das eigentlich gar nicht.
    Ich sag mal so, Hörgeschädigte sind schon eine besondere Spezies „Behinderter“ (liebe Hörbis: In Anführungszeichen – explizit in Anführungszeichen. Nicht daß sich jetzt jemand auf den Schlips getreten fühlt. 😉 )
    Hab im Fernsehen auch schon Blinde gesehen, die gesagt haben, sie kennen es halt nicht anders und würden deshalb jetzt keine OP machen lassen, wenn man auf einmal ihr Sehvermögen wieder herstellen könnte. Die Chance auf normales Sehen wäre dann so groß wie die auf Hören bei einem CI-Träger, der sein Leben lang stocktaub war – nämlich ziemlich gering, weil der dann zwar was sehen würde, es aber gar nicht einordnen könnte (im Gehirn fehlen ja die erlernten Verbindungen, was das alles ist, was man sieht).
    Dennoch würde es da oder bei Rollis oder was weiß ich für Gruppen nie zu so einer regelrecht ideologischen Debatte oder gar zu Anfeindungen kommen, wenn da ein anderer sich anders entscheidet.

    Liegt halt daran, daß die Gl ihre Gebärdensprache haben und ihre eigene Kultur daraus entwickelt haben – das ist bei den anderen Formen von Behinderung halt nicht der Fall.

    Entsprechend war das durchaus zu erwarten, daß gerade dieses Teilstück aus dem Artikel für Diskussionen sorgt.

  23. Für mich ist es auch nicht unerwartet. Ich habe das geschrieben, weil Linda nach dem Artikel fragte, der das auslöste, das Kontroverse aber nicht der Artikel war.

  24. Nun, schade ist das gegenseitige Mißtrauen auf jeden Fall.
    Ich erinnere mich auch an eine Sache, die ich im Taubenschlag gelesen habe….es ging um den CI-Tag 2009.
    2008 hatte dieser wohl noch ein Motto, das die Gl (wie ich meine, mit Recht) sehr kränkend empfanden: „Hören ist das Tollste auf der Welt – wenn man es kann“ – oder so ähnlich. Da hat´s dann anscheinend Proteste gehagelt.
    Das Motto von 09 weiß ich jetzt nicht mehr auswendig – war aber wesentlich besser. Es wurden sogar explizit die Gl dazu mit eingeladen. Im Taubenschlag war dann die Vermutung geäußert worden, daß man jetzt wohl auch die letzten Gl dazu bequatschen wolle, sich bzw. die Kinder implantieren zu lassen.

    Gut, möglich ist alles, ich bin ja nicht in den Organisationen drin und weiß nicht, was die ausbrüten. Aber meiner Ansicht nach hätte man es ausprobieren müssen. So bleibt es halt eine rein spekulative Unterstellung, die nicht bewiesen ist.

    Und jetzt versuche ich noch einen Link auf einen Thread im dcig-Forum zu setzen….
    Da ich die Leute da zumindest virtuell ein wenig kennengelernt habe, glaube ich da schon sagen zu können: Das am Schluß ist ernst gemeint und wer von den Gl mal reinschauen und auch mitposten möchte (so unwahrscheinlich das leider ist), braucht sich da keinen Zwang anzutun. 😉

    http://www.dcig-forum.de/phpBB2/viewtopic.php?p=15790&highlight=#15790

    Mal guggn, ob´s klappt….

  25. Die ganzen Diskussionen um die CI kann man eigentlich mal in 2 Kategorien aufspalten: Die Leute, die sich selber entscheiden, die OP zu machen – also Leute die „erwachsen“ genug sind und sowas auch selber entscheiden können – und auf der anderen Seite die kleinen Kinder, bei denen die Entscheidung durch die Eltern getroffen wird. Bei den Erwachsenen ist es dann noch häufiger so, das sie Schwerhörig sind oder früher einmal hörend waren – also beide Welten kennen.

    Ich denke die erste Kategorie braucht man nicht diskutieren – wer alt genug ist sowas nach reiflicher Überlegung zu entscheiden kann und soll es machen wie er will.

    Die 2. Kategorie ist viel interessanter. Ist es nicht oft der Fall, das wenn hörende Eltern ein gehörloses Kind bekommen, für sie eine Welt zusammen bricht? Und wenn dann noch von Anfang an die komplette Umwelt (Bekannte gleichermaßen wie behandelnde Ärzte) in die gleiche Kerbe schlägt und von vornherein das CI empfiehlt und erklärt, das es ohne ja gar nicht geht – dann kann ich zu 100% nachvollziehen, das die Gehörlosen sowas mit extrem gemischten Gefühlen verfolgen.

    Sicher ist es einfacher, das Kind operieren zu lassen und das Leben geht „normal“ weiter – sich mit Gebärdensprache und der Gehörlosen Welt auseinander zu setzen wäre da weit komplizierter. Aber das es auch ohne CI geht zeigt doch grade die Gehörlosenkultur. Und das steht nun mal im Gegensatz zu vielen Aussagen der Ärzte die das CI befürworten. Es geht auch ohne!

    Und wenn dann diese Empfehlungen der Ärzte, ohne genug Aufklärung über die Möglichkeiten die es auch ohne CI gibt, ausgesprochen werden, sehe ich da auf jeden Fall eine gewisse Diskriminierung der Gehörlosen.

    Wie muss sich denn ein Gehörloser fühlen, wenn er die Diskussion mitbekommt, in der das was er selber lebt, von den Ärzten als nicht empfehlenswert dargestellt wird? Als etwas, das man besser operieren müsse?

    Ich will an dieser Stelle versuchen trotzdem Wertfrei zu bleiben. Es gibt viel pro und contra – aber trotz allem sollte man doch versuchen bei aller Aufklärung das Leben der Gehörlosen ohne CI nicht als minderwertig erscheinen zu lassen – denn das ist es nicht!!!

    Wenn ich mit meinem gehörlosen Freund unterwegs bin entdecken wir immer wieder Situationen, in denen einer von uns grade im Vorteil ist – und was mich fasziniert und zugleich erfreut: Diese Situationen halten sich in Waage. Wie oft geht es mir so, das ich von Lärm gestört bin – mich nicht konzentrieren kann – ich den Geräuschen einfach nicht ausweichen kann weil ich meine Ohren NIE abschalten kann? (Das ist nur EIN Beispiel…) Dafür bin ich ev. manchmal im Vorteil wenn es um Kommunikation mit Fremden geht – aber ich sehe nicht, das das ein besonderes Problem für meinen Freund darstellt wenn er allein unterwegs ist.

    Solange bei der Diskussion um CI das gehörlose Leben als minderwertig dargestellt wird, wird es weitere Diskussionen geben – die dann auch im Tonfall etwas „rauher“ werden, wie in dem oben verlinkten Forum.

    Ich kann daher sehr gut den Beitrag von benjiee im Spiegel Forum nachvollziehen – und finde ihn äußerst mutig. 100% Zustimmung! Und ich bin hörend!

    Die teilweise frech bis unfreundlich geschriebenen Antworten im Spiegelforum können nur von Leuten kommen, die sich nur oberflächlich oder gar nicht mit der Thematik beschäftigt haben. Sie Antworten aus der Sicht von Hörenden – ohne auch nur einmal versucht zu haben, sich in die gehörlose Welt hinein zu versetzen. Das ist auch als Hörender sicher nicht einfach, aber bei einer so kontroversen Diskussion unerlässlich. Sonst kommt es eben zu so viel Unverständnis.

    Das sollten sich die ganzen Leute, die da so ohne jedes Verständnis auf den Beitrag von benjiee geantwortet haben mal vorstellen: Es gibt Gehörlose – die mit ihrem Leben, so wie es ist, absolut glücklich und zufrieden sind!

    So – das musste mal gesagt werden! 😉

  26. @Anfänger:
    Gar keine Frage, daß nicht alle Gehörlosen unglücklich sind mit ihrem Leben.
    Ebenfalls gar keine Frage, daß es viele Ärzte etc. gibt, die so etwas wider die Wahrheit behaupten.
    Und es ist absolut nachvollziehbar, wie Du ja auch schreibst, daß die Gl sich dadurch diskriminiert fühlen (weil sie es in dem Fall tatsächlich sind).
    Ich glaube auch, daß die Leute hier da ähnlich denken wie Du (im Spiegel-Forum ist das sicher anders; da waren schon einige wirklich unterirdische Postings dabei, siehe das erste von dojomon oder wie der hieß).

    Die Frage, die sich mir stellt, ist aber doch eigentlich:
    Was kann man dagegen tun?
    Und da sind Verbalkeulen sicherlich nicht sehr von Nutzen. Okay, bengie schrieb weiter oben, neue Ideen gehen manchmal mit Radikalismus einher. Schön – nur könnten so genausogut auch die radikalen Verfechter des CI argumentieren.
    Damit ist m.E. niemandem geholfen.

    Meiner Meinung nach kann der Weg nur über Zusammenarbeit gehen.
    Die ganz Radikalen auf beiden Seiten wird man zwar kaum in ein Boot bekommen, weil die viel zu verbohrt sind.
    Aber die, die zumindest ein wenig toleranter und zugänglicher sind, die kann man versuchen, einzubinden.
    Je mehr da an Kontakten, Austausch und auch Verständnis entsteht, desto mehr werden die Radikalinskis an den Rand gedrängt und schließlich zu einer Minderheit. Wäre jedenfalls meine Hoffnung.

  27. Schöner Kommentar, danke, Anfänger!

    Was man tun kann, Regenbogen, ist glaube ich nur, die Aufklärungs-, Beratungsangebote an Betroffene (und dabei insbesondere: unvermittelt betroffene Eltern) zu verbessern. Und die Eingliederungsangebote für die jeweils gewählte Welt.

  28. Was man tun kann ist eigentlich ganz einfach: Aufklärung. Die Möglichkeiten, die Gehörlose im alltäglichen Leben haben sind den wenigsten Leuten bekannt. Das gilt es zu ändern. In Deutschland ist das Bewusstsein für Gehörlose noch viel zu klein. Siehe Untertitel im TV. Da gibts in anderen Ländern schon viel mehr Sendungen mit UT – Deutschland ist da eher die rote Laterne am ende der Liste.
    Das Thema Gehörlosigkeit muss mehr an die Öffentlichkeit – und eben nicht nur im Zusammenhang mit CI.

  29. Tja – da war dann wohl NQLB schneller mit der Idee der Aufklärung… 🙂

  30. Aufklärung sollte aber, finde ich, durchaus auch in Zusammenarbeit entstehen – oder?

    Ich denke, solange da immer noch ein regelrechter Krieg ausgefochten wird, läuft da keine vernünftige Aufklärung. Weil beide Seiten ausschließlich das widergeben, was für sie selbst positiv ist, statt auf sämtliche Möglichkeiten, Risiken etc. hinzuweisen.
    (Erinnere mich an eine Sendung Planet Wissen, in der u.a. ein Hörbeispiel mit CI gezeigt wurde – und gleichzeitig wurde vom Arzt gesagt, das führen sie aber betroffenen Eltern nicht vor, sonst könnten die sich deshalb gegen das CI entscheiden.
    Meiner Meinung nach ein absolutes No-go.
    Eine freie Entscheidung ist nur möglich, wenn man ALLE Vor- und auch die Nachteile kennt!)

  31. Also ich denke: Zusammenarbeit in dem Sinne, dass man sich nicht körperlich angreift, ja. Darüber hinaus — nicht so sicher. Entweder man verpflichtet eine Person darauf alles umfassend darzustellen (und läuft Gefahr, sie zu überfordern) oder man läßt mehrere je ihre Seite darstellen, gern durchaus parteiisch (und hat dann das Problem dass man’s irgendwie wieder zusammenkriegen muss). Ich bin eher für letzteres.

  32. Ich würde die Aufklärung gerne weiter gefasst sehen – eben nicht nur im Bezug zum CI und deren Alternativen. Ein geschärftes Bewusstsein in der Gesellschaft für die Gehörlosen und die Bereitschaft vielleicht auch mal wenigstens die Grundlagen der DGS zu erlernen wäre wünschenswert – das ganz allgemein. Auch hörende können untereinander davon profitieren…

  33. @Anfänger:
    Das würde eine umfassende Aufklärung meiner Meinung nach automatisch implizieren.

    Was ich für gut halten würde:
    Wenn Gehörlose und CI-Befürworter Hand in Hand arbeiten würden – was natürlich bedeutet, die einen informieren über das CI, seine Risiken, seine Vor- und Nachteile, das Leben damit etc., und die anderen halt über ihre Kultur, die Gebärdensprache etc.

    Das schließt aber dann auch ein, daß die Gehörlosen dann auch wirklich bereit sind, hörende Eltern mit gehörlosen Kindern auch aufzunehmen.
    Ich hab jetzt kein gehörloses Kind, sondern habe nur so DGS gelernt (was heißt gelernt – 2 VHS-Kurse sind ja nicht viel)- und ich weiß von jemandem, der war schwerhörig, hat 5 DGS-Kurse absolviert, wurde aber bei den Gl rausgeschmissen unter Hinweis darauf, daß sie wiederkommen kann, wenn sie´s perfekt drauf hat.

    So, und jetzt geh mal davon aus, so Jemande wie sie, wie ich, bekommen ein gehörloses Kind (oder gar jemand, der überhaupt noch nie damit zu tun hatte).
    Wie will man mit dem Kind in DGS als Muttersprache kommunizieren, wenn man sie nicht selbst gut kann?
    Wie aber soll man sie richtig lernen, wenn man keine Praxis bekommt?

    Ich hab schon oft gelesen, daß es Gl einfach zu anstrengend ist, nach einem harten Alltag unter Hörenden auch noch in der Freizeit Anfängern beim DGS-Lernen zu helfen.
    Das verstehe ich.
    Ich finde es dann aber ein bißchen unfair, den hörenden Leuten Vorwürfe zu machen, wenn
    sie ebenfalls den bequemeren Weg wählen, und wenn der dann CI fürs Kind heißt.

    Außerdem könnte noch ein weiterer Punkt das CI zu einer sehr verführerischen Alternative machen:
    Es gibt ja weitaus weniger Gl als Hörende.
    Was ist, wenn das Kind mal irgendwann aus welchem Grund auch immer in Ungnade fällt?
    Ich hab das ja bei mir erlebt, nachdem ich aus einem hier nicht näher genannten Forum ausgeschieden bin – da hab ich nur gedacht: Halleluja, Gott sei es gedankt, daß ich hören kann – sonst wäre ich jetzt total isoliert und könnte schön vor mich hin vereinsamen. So hab ich doch recht schnell wieder Anschluß gefunden.
    Das wäre für mich schon auch ein Punkt, der für eine Implantierung spricht – ohne mich da jetzt festlegen zu wollen.
    Ich weiß wirklich nicht, was ich täte, wenn ich entscheiden müßte; und ich habe eigentlich auch keine Meinung zum CI, denn da respektiere ich die Entscheidung der betreffenden Menschen, egal wie die ausgefallen ist.
    Ich sehe nur einige Vor- und einige Nachteile auf beiden Seiten, ohne da jetzt eine endgültige Abwägung zu machen und auf richtig oder falsch zu entscheiden.

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