Zwischenstand: Wie klingt’s denn so inzwischen?

Kristallen. Nach fast einem Monat elektrischen Hörens klingt es: kristallen. Damit meine ich nicht, wie man vielleicht denken könnte, kristallklar, sondern hart. Sehr konturiert. Aber auch spröde, so als ob die Klänge gleich bersten könnten. Kann irgendjemand von Euch sich was unter dieser Beschreibung vorstellen?

Dieser Klang ist übrigens ganz und gar nicht unangenehm. Hat vielleicht was mit meiner Vorgeschichte aquarelligen Impressionismus zu tun.

Nur leider ist der Klang auch unvollständig, ich höre manches nicht. Manche Frequenzen und auch manche kompletten Klänge. Und manche Frequenzen höre ich zwar, aber sie sind dermaßen verschoben, dass ich sie kaum erkenne. Stellt Euch ein Foto vor, in dem alle — sagen wir — bläulichen Töne in Feuerwehrrot übersprüht sind. Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, lenken vom Rest ab und fransen aus. Jetzt stellt Euch die Leistung vor, die das Gehirn vollbringen muss, das wieder in Ordnung zu bringen! Ich merke jeden Tag wie es das mehr und mehr tut.

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19 Antworten zu “Zwischenstand: Wie klingt’s denn so inzwischen?

  1. Klingt doch aber nach erfreulichem Fortschritt. Oder lege ich da zuviel eigenen Optimismus in meine Interpretation?

  2. Ja, also nein, tust Du nicht.

  3. ohje wie die technik den menschen verändert. aber ich freue mich für dich!

  4. Hallo. Komme durch Zufall in diesen Blog und staune. Du hast jetzt ein frisches CI? Ich habe 2, mehr passen leider nicht in den Kopf, sonst hätte ich gern mehr. *lach*

    Bin auch unfreiwillig ertaubt und kenne die ganze Nummer. Mache aber gern mal ein paar Jahre Pause und halte Abstand zu dem Thema, deshalb schreibe ich nicht viel, nur dies:
    Das CI kommt langsam – aber es kommt.

    Ich bin noch nach jahrelangem Tragen ganz von den Socken, dass ich jetzt einen Melodiebogen erkenne, den ich bisher als öde monoton gehört habe. Da kommt häppchenweise immer wieder was Neues dazu. Ich telefoniere ganz normal, verstehe Leute ohne Angucken, wenn der Raum ruhig ist. Fühle mich gut mit CI.

    Habe hier gern im Blog querbeet gelesen und mitempfunden, denn mir geht / ging es alles genauso. Ist ja doll. Du machst das klasse mit dem Beschreiben. SUPERGUT.

  5. You know, one could easily manipulate RGB or CMKY color palettes in a photo using Adobe Photoshop to show something just like what you are describing, a visual metaphor for sound.

  6. Noch mal kurz was zum „Bogen hören“ von vorher:

    Zum Glück bin ich völlig unmusikalisch, sonst würde ich unter der Hörverzerrung mit CI stärker leiden. Aber ich erinnere mich gut an den Musikunterricht in der Schule und an die BOGENFORMEN der Noten auf dem Papier. Eine Melodie kann man bekanntlich auf dem Notenblatt in Bögen und Wellen sehen, wenn alle Tonhöhen mit einbezogen sind.

    Mit CI (und ertaubt) hängen aber alle Noten immer auf der gleichen Notenlinie wie Fliegenschiß, nix da mit Bögen und Wellen. Es klumpt monoton immer auf der gleichen Tonstufe. Dumpf und unfroh.

    Aber Geduld, Beinahe-Beethoven.

    Der Klang des CI wird sich noch in den nächsten Wochen und Monaten so richtig doll weiter entwickeln. Das wird aufregend. Ich weiß noch, dass ich gequitscht habe vor Freude, als ich zum ersten Mal ein Auto hinter mir hörte, BEVOR ich es gesehen habe – nicht ganz unwichtig als Radfahrerin im Straßenverkehr. Und eine Küchenschublade hat russisch gesprochen, ich war mir ganz sicher. Stimmen und Geräusche waren nicht zu unterscheiden (jetzt ja). Bestimmte Lederabsätze auf Asphalt waren das Einzige, was sich sexy anhörte, der Rest war furchtbar.

    Da musst du durch.
    Bin sehr gespannt, wie du es weiter erlebst, ich lese das gern. Du (be-)schreibst wunderbar.

  7. Hallo Joe,

    „ohje wie die technik den menschen verändert. aber ich freue mich für dich!“

    Darüber denke ich in letzter Zeit auch oft nach. Technik, die an unserem Körper anliegt oder in uns einwandert (Implantat) hat uns schon viel mehr verändert, als wir annehmen! Schon die simple Gleitsichtbrille verändert unsere Wahrnehmung. Dann habe ich gelesen, dass viele Patienten ihren Herzschrittmacher „hören“ können, obwohl die (Schul)Mediziner, die sie eingepflanzt haben, das kategorisch abstreiten. Oder das hier: Was ist der Vorteil eines künstlichen Hüftgelenks? Enorm: Wenn man hinfällt und es bricht, hat man keine Schmerzen… 🙂

    Gut, das war jetzt ein kleiner Exkurs zum Frühstück, und ich freue mich sehr, dass unser aller „Fast“-Beethoven solche Fortschritte macht…

  8. Joe und jueb, ja, das ist natürlich so schon ein Messer oder Schuhe verändern uns. Trotzdem wäre ich da fürs Grenzen Ziehen und Sagen, dass eine Gleitsichtbrille oder ein Hüftgelenk nochmal was anderes ist. Keine Cyborg-Technologie nämlich, ich hab ja hier in den Kommentaren schonmal dazu geschrieben.

    Pia, freut mich, mach’s Dir bequem hier, komm gern wieder! Die Berichte von „Älteren“ sind für mich sehr motivierend. Vor allem die über quatschende Schubladen 🙂

    Elizabeth, yes, I know. I even thought about doing it but then I stayed with words….

  9. Hallo nqlb,
    unter kristallen was vorstellen – so wie Du es beschreibst und als Hörende….
    vielleicht, nachdem ich jenes Hörbeispiel in Planet Wissen mal gehört habe.
    Ich frag mich zwar, woher wissen die, daß es für einen CI-Träger so klingt? (…naja…woher wissen die, wie Leute mit Sehbehinderung und Tunnelblick sehen….da gibt´s ja auch Brillen….)
    Aber mal vorausgesetzt, daß es der Wirklichkeit entspricht….
    Ich hätte es als metallen, roboterartig beschrieben (und ich hab den gesagten Satz auch erst verstanden, nachdem der einmal in „normaler“ Lautsprache gesagt worden ist, aber das wissen ja die CI-Träger….das Hören muß quasi erst neu erlernt werden.).
    Zu einem von Dir als kristallen beschriebenen, harten Klang würde das passen, oder?

  10. Die wissen das nicht. Die versuchen es zu simulieren, so gut man es sich aus den Beschreibungen und technischen Abläufen eben vorstellen kann.

    Also ich würde sagen, dass metallen und roboterartig nicht paßt. Metallen hatte ich mal, roboterartig nie. Nicht bei mir, das kann anderswo ganz anders aussehen! Bei mir klingt es da wo es nicht natürlich klingt — und das ist eben nicht überall — eher steinig als metallen. Wenn man das so sagen kann. Das meinte ich mit kristallen. Nicht kieselsteinig, sondern kristallen, quartzig.

    Ich bin aber nicht sicher, ob mehr darüber reden auch für mehr Kommunizierbarkeit dieses Klang-Fühl-Erlebnisses sorgen kann.

  11. Discovered that if I log into google first, it will automatically translate your blog. Ummm– can’t believe I never did that before! Anyway I have never known anyone to describe hearing with a cochlear implant in quite this way, and it’s very exciting. I also realize that hearing with a CI is nothing like what I may have ever imagined.

  12. Glad those translations help rather than confuse. Especially in this post I feel like I’ve reached the limits of communicability of an experience.

    I think the CI experience is very different for anybody, and I would guess even if people had exactly the same experience they might well pass over the fine nuances if they don’t have a blog devoted to describing what it’s like 🙂

  13. Du beschreibst das ganz wunderbar, zumindest glaube ich, mir vorstellen zu können, was du meinst.
    Ich wünsche dir von Herzen dass es immer besser wird!

  14. Dankeschön, das freut mich sehr!

  15. Hey, dass macht es mir immer spannender, ich hab auch so ein Ci bekommen und am 1.3.10 wirds eingeschaltet. danke für deine Eindrücke

  16. Oh, bitte. 🙂 Und wünsche viel Erfolg, das bleibt auf jeden Fall noch ein bißchen spannend!

  17. Hallo, ich hab mein CI nun fast 2 Wochen und bin begeistert. Ich konnte schon auf der Heimfahrt im Auto Gespräche mit den Insassen führen (einer vorn, einer hinten). Vorher war das nur mit einem möglich, und nur mit der umgebauten Motorradsprechanlage. Einfach im Störschall mit Leuten reden. Leben tue ich noch in Entenhausen höre mich sogar selbst wie einE Mickymaus an. Es wird von Tag zu Tag natürlicher. Das es so schnell was bringt hätte ich nicht gedacht. Die Ärzte wollten mir lieber das „bessere Ohr“ tunen und meinten ich bräuchte auf dem Schlechteren lange Zeit und viel Geduld. Waren 4 Tage, als ich feststellen durfet, daß sich der OP schon zu diesem Zeitpunkt gelohnt hat. Und es wird immer besser. Musik hören „übe“ ich mit SKA und RAPP, ist aber noch mit Lärm vergleichbar…. Für mich ist das CI ein Geschenk des Himmels.

  18. Klingt ja klasse! 🙂 Dann wünsche ich mal weiterhin viel Glück und Erfolg!

  19. Pingback: Gute Frage: Können jemals zwei das Gleiche hören? | Not quite like Beethoven

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