Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #8: Auf Dienstreise

Es ist schon länger her, seit ich das letzte Mal Tips zum Arbeitsleben als Schwerhöriger gegeben habe (hier Gesprächsführung in Teamsitzung und Meeting, da  akustisches Überleben bei Geschäftsessen). Aber da ich ja mit dem elektrischen Ohr nun langsam wieder zur Tagesordnung übergehe, soll es endlich auch hier weitergehen.

Auf Dienstreise — zahlt sich einfach aus, wenn die Rezeption weiß, dass sie einen nicht anrufen soll. Es muss nicht erst brennen, damit man das zu  schätzen weiß…

Es reicht schon, wenn sie einen morgens anrufen, weil das Auto, das einen abholen soll, vor der Tür steht und wartet, was man aber nicht hört, weil man nach dem Duschen noch ein wenig ohne Hörgeräte herumgelaufen ist damit die Ohren innen trocknen bevor für den Rest des Tages wieder die allseits beliebten Ohrpaßstücke reinkommen — so dass das Auto nach einiger Zeit unverrichteter Dinge wieder wegfährt, man dennoch auf es wartet, weil man ja nicht weiß, dass es schon da war und dann am Ende Himmel, Hölle und einiges an Geld in Bewegung setzen muss um wenigstens nur ein bißchen zu spät dran zu sein. In dem Fall ist es dann auch egal, dass der Chauffeur eigentlich nicht hätte wegfahren dürfen ohne zu klären, wo man abgeblieben war.

Ich habe es also auf die harte Tour gelernt: Im Hotel immer Rezeption und Personal ansprechen und auf die Hörprobleme hinweisen.  Zumindest in den USA kann man sich in fast allen Hotels auch Zimmer mit Lichtwecker, Lichtklingel und Lichtbrandalarm geben lassen.

Schließlich noch ein allgemeiner Punkt : Ich weiß von anderen Schwerhörigen und Ertaubten, dass alleine auf Reisen gehen ihnen Angst macht. Noch dazu mit dem Druck im Kopf, es ist dienstlich, es muss alles klappen! Und es stimmt ja, es ist schwieriger, sich als Schwerhöriger an Orten zurechtzufinden, wo man nicht genau weiß, wie alles läuft. Wo nicht alles auf Schildern steht. Wo vielleicht obendrein noch die Akustik so schlecht ist, dass man kaum jemand fragen kann. Oder sogar noch Fremdsprachen gesprochen werden! Ich erinnere mich da an einige stressige Erlebnisse auf großen, schlecht beschilderten Busbahnhöfen. Auch unter dem Motto Macht Schwerhörigkeit spießig? habe ich schonmal über dieses Unsicherheitsgefühl geschrieben.

Hier etwas zu raten ist auch schwierig — außer vielleicht: Mit Online-Karten und den Webseiten vom öffentlichen Nahverkehr in Städten sowie der Bahn ist schon unglaublich viel vorher planbar. Dann läuft vor Ort alles wie am Schnürchen und man muss nur noch in den eh unplanbaren Notfällen fragen.

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11 Antworten zu “Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #8: Auf Dienstreise

  1. Vielleicht wäre es gut, wenn man die Einstellung „Es muss alles klappen, ist ja dienstlich“, ablegen würde. Dann wird man viel entspannter. Ich habe das Anfang meiner beruflichen Laufbahn auch gedacht und irgendwann mich mit dem Gedanken abgefunden, dass irgendwann einmal etwas richtig schief geht und mir ein Termin platzt. Das hätte in meinem Fall bedeutet, dass über einen Event bei dpa nicht berichtet wird.
    Ich nehme mir unterdessen vor, alles mir mögliche dafür zu tun, damit das nicht passiert, aber auch nicht in Panik zu geraten, falls doch.
    Die Welt geht ja nicht unter. Und interessanterweise ist das Worst Case-Szenario noch nie eingetreten. Jedenfalls nicht bei mir, bei meinen nicht behinderten Kollegen schon. 🙂
    Man muss sich daran gewöhnen, dass das Leben nicht immer planbar ist. Dann lebt es sich leichter.

  2. @Christiane: Ich würde es eher im Gegenteil sagen: gerade, weil ich soviel plane, vorausschauend arbeite und reise und mir eben viel mehr Gedanken mache als Leute, die unbeschwert durchs Leben gehen, passieren mir trotz der „Behinderung“ kaum Fehler, ganz im Gegenteil, ich weiß oft besser Bescheid als viele anderen. Aber ja, ein internetfähiges Handy hilft sicher auch.

  3. und immer an das gute in passanten glauben. die beißen manchmal auch gar nicht. (außer ein paar unerzogene, aber das kennt man ja auch von so hunden)
    ich habe schon die nettesten auskünfte von düster dreinblickenden musikhörenden hiphopperInnen bekommen 😀

  4. Christiane und Christina, ich glaube Ihr widersprecht euch gar nicht. Sich bißchen entspannen (einfach mental) heißt ja nicht aufzuhören zu planen.
    Übrigens, Christina, guter Hinweis mit dem Telefon, da hätte ich auch mal was zu schreiben können.

    Anika, schön hast Du das gesagt, mit den Passanten und Hunden 🙂 Bei den meisten hilft ja auch einfach mal anlächeln beim Fragen.

  5. Ja, das Vorausschauen ist durchaus nötig bei uns Schwerhörigen.

    Ich habe leider die Angewohnheit, auf den letzten Drücker bei Terminen aufzutauchen. Das rührt noch aus der Zeit her, als ich normalhörend war, nicht gern vorn sitzen und auch nicht lange warten wollte. Aber jetzt als Schwerhörige muss ich bei Seminaren und Voträgen immer schon vorher organisieren:

    Sehr früh ankommen, um die erste Reihe zu erwischen – nahe am Redner. Und sogar Tage vorher abklären, ob ich eine Mikroportanlage mitbringen kann. Dann muss ich den Redner noch bitten, das Mikro umzuhängen und muss dazu Stunden vorher auch den Akku aufladen.

    Und vor dem CI (komplett taub) musste bei Meetings im Kollegenkreis immer jemand neben mir mitschreiben, damit ich zumindest wusste, was Thema war. So lernt man doofe und nette Menschen kennen … wie im richtigen Leben auch.
    ;o)

  6. Genauso ist es bei mir auch, Pia. Und das blödeste ist: Wenn man erstmal in der ersten Reihe sitzt und dem Redner sein Ansteckmikro gegeben hat, muss man auch dableiben bis er zu Ende geredet hat. Selbst wenn das laaaaangweilig ist und sich die hinteren Reihen leeren….

  7. I have techie meetings to attend about four times a year that has over 100 attendees. They know me by now and know my needs. I have looked into remote CART, but it really can’t work in such a large meeting with a question/answer period. I do the best I can. Luckily an associate takes all the notes. There is a hands-on period and an outline I can follow.

    Other classes are small enough that I can hear OK if I sit in the front row. Sometimes I email ahead to ask them to reserve a front row seat.

  8. I wanted to mention that because of our ADA (American Disability Act) laws, they are obliged to accommodate me when I make a ‚reasonable‘ request– a subjective term defined differently depending on the person– but since I work for a county program it’s quite difficult for them to get around ADA laws. I would like to work elsewhere, but feel stuck here in this job, since I know private orgs wouldn’t be so accommodating.

  9. Yes, same problem over here, too, many times it seems easier in the public sector. I hope you’ll keep looking, though, so that you are ready when an opportunity arises…

  10. I’m not looking. 🙂 I’m basically satisfied with my job, except that lately there has been some pressure to do more with the public. I could ask for less responsibility which would also mean less pay. But we don’t really depend on my measly salary as it is, so it’s not as critical to be making top dollar. We’ll both retire within a decade.

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