Das CI und der Spinal-Tap-Faktor: Musik eins lauter!

Laut macht Laune, das ist ja nichts Neues. Um das zu wissen muss man kein Stammgast im Berghain sein und auch kein Fan von Manowar — die seit über 25 Jahren den Titel lauteste Band der Welt beanspruchen. Ab einer gewissen Lautstärke hört man die Musik nicht nur. Sie drängt sich dem Körper auf, nimmt ihn gefangen und rockt ihn. Adrenalin!

Wie ich gerade feststellen durfte, passieren bei mir schon weit unterhalb dieser Schwelle seltsame Dinge. Denn ich habe nun zwei Ohren, die grundverschieden sind: Links das elektrische Ohr, eingeschaltet von der Empfindlichkeit her annähernd normal aber eben elektrisch, flüsternd und quartzig. Rechts, das Ohr mit dem ich geboren wurde, ohne Hörgerät in etwa so schwerhörig wie 1960er-Jahre-Kunst.

Höre ich nun Musik, heißt das für mein dazwischensitzendes Gehirn: Bei Bestückung links CI und rechts BioloGI wird erstmal nur elektrisch bedient. Das klingt nicht wirklich schlecht, aber ich merke, dass das CI auf Sprache spezialisiert ist. Höre ich Musik, nehme ich vor allem Gesang wahr. Dazu Rhythmus und dann- weitere mittlere und hohe Klänge. Das ist okay, aber meist nicht wirklich mitreißend. Ein bißchen wie ein Laptoplautsprecher.

Doch ab einer gewissen Lautstärke greift der Spinal-Tap-Faktor. Eins lauter — und es ist eine andere Welt! Das ist komisch weil ihr wißt ja alle wie es ist, die Musik lauter zu drehen. Es wird halt langsam lauter und dabei irgendwie mitreißender. Aber die Musik ändert sich nicht plötzlich radikal. Genau das passiert bei mir! Auf einmal wird BioloGI zugeschaltet, Basswahrnehmung und ein bißchen aus dem unteren Mittenbereich. Es ist als drehte ich zusätzlich noch an einem anderen Regler als Lautstärke. Einem, auf dem etwa „Fülle“ und „Begeisterung“ steht. In den klassischen Worten:

„You see, most blokes, you know, will be playing at ten. You’re on ten here, all the way up, you’re on ten on your guitar. Where can you go from there? Where?“

„I don’t know.“

„Nowhere. Exactly. What we do is, if we need that extra push over the cliff, you know what we do?“

Na, eins lauter natürlich. Auf elf! Nur dass ich mit CI für den extra push nicht mal einen dieser mythischen Verstärker brauche. Der biologische Nachbrenner wird schon früher zugeschaltet.

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11 Antworten zu “Das CI und der Spinal-Tap-Faktor: Musik eins lauter!

  1. Hach, haargenau dasselbe hier. Wenn ich Musik relativ leise höre, klingt sie nicht unbedingt nach Musik. Ab einer gewissen Lautstärke aber: WOW! Über Kopfhörer ist die übrigens schon relativ früh erreicht, so dass ich meinem Restgehör mit der Lautstärke nicht schade. Und, was mich gestern ganz besonders gefreut hat: Ich höre trotz Kopfhörer noch mein Telefon klingeln. Neue Welt … 🙂

  2. Richtig laut Musik hören muss manchmal einfach sein!
    Aber Manowar? Herr L. spielte sie mir mal vor, ich kugelte mich vor Lachen! Da quillt das Testosteron aus den Lautsprechern und tropft auf den Teppich! Das es die noch gibt…

  3. Nikana, Telefonklingeln? Ich glaube damit kann ich nicht dienen…

    Nina, oh ja, das tut es. 🙂 Lustig, oder? Ein Relikt. Ich dachte nur, es paßt wunderbar zu Spinal Tap.

  4. Mein Telefon klingelt relativ tief, das höre ich auch ohne CI gerade so noch. Allerdings nur dann, wenn wirklich alles ruhig ist. Mit Kopfhörer hatte ich da früher keine Chance.

  5. Da fällt mir spontan ein Song aus meiner Sturm und Drang Zeit ein: Die Crackers „phonhaus“

    Er tut den Stecker rein und alle Knöpfe auf zehn – dann kann die tierische Post abgehn…

    Zum Thema Telefon: Bei mir zu Hause läuft noch ein altes W48 – wenn das im Wohnzimmer klingelt höre ich das draußen beim Rasen mähen…

  6. Hey, das Lied kenn ich sogar 🙂 Aber mal im Ernst: 10? Lächerlich!

    Na gut, um des Reimes willen vielleicht. An der „elf“ sind schließlich auch die Ärzte gescheitert: „Heute kann Euch keiner helfen, unsere Marshalls gehn bis elf. Und heute werdn wir Alles geben, wir wolln ja nicht ewig leben“ (aus Gute Zeit).

  7. Kannst du, FastsotaubwieBeethoven, denn Musik hören mit deinem neuen CI? Das ist ja noch recht frisch und wird auch noch laufend eingestellt, oder? Was hörst du denn da jetzt überhaupt an Musik? Nur Krach? Oder wirklich echte Musik?

    Fassunglos: Pia Bu.

  8. Wenn ich mein anderes Ohr entweder mit Hörgerät oder ohne (dann laut!) dazunehme klingt’s klasse. Echte Musik, gar keine Frage.
    Nur mit CI ist’s schon als Musik erkennbar (definiv nicht „nur Krach“). Aber es ist klingt dünn und ist SEHR sprachbetont. Ist sehr vom Stück und Instrumentierung abhängig ob das gut klingt oder nicht.

  9. Hm, jetzt warst Du doch schneller mit dem Posten des xkcd-Links, Herr Beethoven. Gerade wollt ich Dir den Wunsch erfüllen… 🙂 Grüße auf diesem Wege!

  10. Bin ungeduldig wenn ich begeistert bin!

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