Wie geht das mit der Gebärdensprache und dem Sprechen an Hörgeschädigten-Schulen?

Das Deutschlandradio Kultur hat mit dem Leiter einer Berliner Schule für Hörgeschädigte ein spannendes Gespräch geführt.

Da werden viele Fragen beantwortet, die hier im Blog gerade heiß diskutiert wurden…

[gefunden via deafread]

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27 Antworten zu “Wie geht das mit der Gebärdensprache und dem Sprechen an Hörgeschädigten-Schulen?

  1. Interessantes Interview. Der Mann spricht sich ja auch eigentlich für beide Sprachen als Idealfall aus – scheint das also nicht für unmöglich zu halten.

    Gut finde ich auch, daß die Lehrer an der Schule anscheinend ja gebärden können und daß es da auch entsprechenden Unterricht gibt.

    Es soll ja auf keinen Fall so kommen, daß die DGS „ausstirbt“ oder sowas, das wäre definitiv schade drum und würde auch denen, bei denen CIs etc. gar nichts bringen, echt das Popokärtchen* zuschieben.

    *Arschkarte für Weicheier….(wer´s noch nicht kannte gg)

  2. Beeindruckend ist, dass der Schulleiter als PÄDAGOGE gute Chancen und Ergebnisse sieht, lautsprachbegleitende Gebärden und Hörreste zu kombinieren, also Hören und Gebärden gleichermassen zu fördern. Und er betont, dass es die MEDIZINER sind, die da Bedenken haben.

    Jetzt sage ich mal, dass die Mediziner nicht die wirklich verlässliche Erfahrungskompetenz haben, sondern den Stress, möglichst ultimative Ergebnisse für ihre implantierte Hörtechnik zu erreichen (welche Technik auch immer). Deshalb befürchten sie eine Ablenkung durch die Gebärden.

    Interessant.
    Hier würde ich doch gern mehr pädagogische Erfahrungen (auch gründliche Studien) zur Kindesentwicklung begrüßen, weniger die Meinung von Medizinern.

    Als Ertaubte habe ich im Erwachsenenalter Gebärden gelernt (lautsprachbegleitend) und hatte Spaß an der Bewegung beim Kommunizieren. Mit dem Angebot von Gebärden könnte man sogar schüchterne hörende Kinder fördern, mehr aus sich heraus zu gehen. Übrigens: In Berlin nutzen einige erwachsene Schauspieler und Theaterleute auch Gebärdenkurse, um sich körperlich präziser darzustellen und auszudrücken.

    Mehr Öffnung, weniger Dogma …

  3. Naja, zum Stichwort „medizinischer Blickwinkel“: Man könnte meinen, wer nur einen Hammer hat, sieht überall Nägel. Und man müsse woanders hingehen, um einen anderen Blickwinkel zu bekommen.

    Aber „Gesundheit“ des Menschen ist laut WHO „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“

  4. @Pia: Wobei halt noch zwischen LBG und DGS zu unterscheiden wäre.

  5. Regenbogen

    Hat eigentlich gestern jemand Sehen statt Hören gesehen?
    Da ging es um einen CI-tragenden Biologiestudenten.
    Er war mit 15 Monaten aufgrund einer Hirnhautentzündung ertaubt und bekam mit 5 Jahren ein CI.

    Er hat für mich sehr verständlich gesprochen, konnte aber wohl auch gebärden, weil er das auf der Schule mit Gehörlosen gemacht hat (wenn auch nur bis er 16 war, dann gingen die Gl ab und so kann er´s wohl nicht so perfekt, wie er gern möchte).

    Anscheinend ist es doch ganz gut möglich (abhängig von den individuellen Gegebenheiten), sowohl per CI Lautsprache zu lernen als auch zu gebärden. Wurde ja mal irgendwo hier bestritten.

    Fußnote:
    Ich hätt mich ein bißchen beömmeln können, als der Moderator Thomas Zander dem Jungen wohl doch gern das Eingeständnis entlockt hätte, daß er das doch nicht so klasse findet. Die Frage schon…..stört es dich, daß du von Technik abhängig bist. Die Antwort war cool….sonst wär er halt von Menschen abhängig.
    (Genau genommen ist jeder Mensch heutzutage wahrscheinlich beides, wenn auch auf anderen Gebieten.)

    Die Frage an die Mutter, ob sie sich eigentlich Gedanken darüber gemacht hätte, ob ihr Sohn ihre Entscheidung später gut finden würde, hab ich auch so als Versuch aufgefaßt, sie als verantwortungslos hinzustellen…das hat mich schon ein bißchen gestört. Die Frage würde sich bei einer Nicht-Implantierung doch genauso stellen – wenn man sich damit befaßt.

  6. Hab ich nicht gesehen. Und ich kenne den Ton der Sendung nicht, keine Ahnung ob der Redakteur ein Ziel hatte beim Fragen. Aber die Antwort des Jungen könnte auch von mir sein.

  7. Regenbogen

    Not quite, auf den Gedanken, daß der Moderator eigentlich ein Ziel damit gehabt haben könnte, kam ich, weil mir mal jemand gesagt hat, Thomas Zander sei sehr gegen das CI. 😉

    Außerdem ist SsH ja doch eine Sendung, die sehr stark von DGS-lern genutzt wird (klar, wird ja auch in DGS ausgestrahlt – mit Dolmi-Übersetzung in Lautsprache)….und wie spinnefeind sich die Fanatiker auf beiden Seiten sind, ist ja doch nicht ganz unbekannt. 😉

  8. Gut, einen Biologiestudenten und seine Mutter sollte man vielleicht nicht in die Mangel nehmen wie zB einen Politiker. Aber wenn Interview (und Stück?) ansonsten ausgewogen waren, finde ich es schon gut, kritische Fragen zu stellen. Vor allem wenn genau das eben die Fragen sind, die in der Diskussion immer wieder genannt werden.

  9. Regenbogen

    Naja, vielleicht hab ich in den letzten ein, zwei Jahren einfach zuviel von diesen Auseinandersetzungen mitbekommen und interpretiere da jetzt zu viel rein, das mag auch sein.

    Klar, kritische Fragen müssen erlaubt sein….und sofern Herrn Zander die Antwort nicht gepaßt hat, hat er sich jedenfalls nichts anmerken lassen, also absolut professionell gearbeitet.

  10. CharlyBrown

    Regenbogen, Du hast durchaus recht, nicht zuviel rein interpretiert.
    Thomas Zander ist kein objektiver Moderator beim Thema CI.
    Er ist als CI-Hasser bekannt.
    (hat bei den Kulturtagen der Gehörlosen auf der
    Bühne eine Puppe mit CI symbolisch mit Nadeln
    durchstochen, auf den Boden geworfen und
    mit den Füssen draufgetreten. Mehrere junge
    CI-TrägerInnen haben ampört den Saal verlassen)
    Das er im Fernsehen einen CI-Träger interviewt
    ist so ähnlich, als wenn ein Vegetarier den Besitzer einer Fleischfabrik interviewen soll.

  11. Regenbogen

    😮

    Ach, DER war das mit der Voodoo-Puppe?
    (…und wenn´s keine offizielle Voodoo-Puppe war, dann sollte das ja dennoch diese bekannte Voodoo-Zeremonie darstellen, mit der man ja seinen Feinden irgendwelche Flüche auf den Hals hetzt bzw. ihnen Schaden zufügen/sie vernichten will….)

    Naja, grundsätzlich kann ja auch ein Vegetarier den Besitzer einer Fleischfabrik interviewen….es kommt halt drauf an, ob er Profi genug ist, zwischen seiner Privatmeinung und dem Job zu unterscheiden. Finde ich.
    Die Frage klang halt während der Sendung ziemlich….nun ja, so, als wollte er doch kein zu gutes Bild des CI abgeben. Explizit gesagt wurde das allerdings nicht.

  12. Jetzt würde ich den Beitrag doch gern mal sehen. Gibt’s den irgendwo in einer Mediathek anzusehen oder runterzuladen?

    Und was war denn damals die Idee bei dieser Aktion mit der Voodoo-Puppe?

  13. Regenbogen

    Also da warte ich noch auf Charlys Kommentar zu – der kennt sich da definitiv besser aus, aber ich würde mal vermuten, daß so eine Voodoo-Aktion von jemandem, der rabiat gegen das CI ist, ziemlich eindeutig in der Aussage ist: Die möchte ich am liebsten verfluchen und ihnen die Pest an den Hals wünschen.

    Es gab ja wohl mehrere solcher Aktionen – auch mal, daß da Plakate und T-Shirts rauskamen mit „F*** CI“ drauf.

    Und da hört in meinen Augen jeder Spaß und jede Meinungsäußerung auf. Und das auch noch als Kultur auszugeben – Gott sei Dank gibt es ja wohl auch noch andere Dinge in der Gebärdensprachkultur, sonst hätte ich dafür nur Verachtung übrig, denn man kann seine Meinung haben und sie auch sagen, aber man muß deshalb nicht andere Menschen beleidigen und ihnen Böses wünschen, nur weil sie sich anders entschieden haben.

  14. Regenbogen

    PS
    Und sollte Herr Zander die Bedeutung der Voodoo-Puppe nicht gekannt haben (was ich aber nicht annehme; ich glaube, so gebildet ist der schon), – macht´s auch nicht viel besser, sowas einfach zu übernehmen, ohne zu wissen, was er damit aussagt.

  15. Hahaha, hab gerade mal gesucht und das hier gefunden:
    CI-Werbeteam: Voodoopuppe

    🙂

  16. Regenbogen

    Trotzdem – als Teil einer Kulturveranstaltung extrem zweifelhaft. Schon gar, wenn man weiß, daß da richtig Haß hintersteckt.

  17. CharlyBrown

    Die „Feindschaft“ mancher Gehörlosen gegen das CI begann vor ca 20 Jahren als erstmals taub
    geborenen (bzw früh ertaubten) Kindern ein CI implantiert wurde.
    In der Presse wurde damals geschrieben
    „Das CI erspart tauben Kindern das Schicksal
    Gebärdensprache“.
    Gehörlose haben das als Herabsetzung ihrer Sprache angesehen.
    Es gab anfangs auch erhebliche Zweifel, ob
    taubgeborene Kinder mit dem CI wirklich
    zum Sprachverstehen kommen.
    Einige Misserfolge bei CI-Operationen wurden
    von Vertretern der Gehölosenkultur zum Anlass
    genommen, den Medizinern und hörenden Eltern heftige Vorwürfe zu machen.
    Das widerum brachte einige Eltern von CI-Kindern auf die Palme.
    In verschiedenen Foren wurde teilweise sehr emotionell pro und contra CI oder Gebärdensprache diskutiert.
    Unter den Gehörlosen kursierten
    „Gruselgeschichten“ über missglückte CI-Operationen.
    Inzwischen gibt es in der Gehörlosengemeinschaft viele junge CI-TrägerInnen.
    Nur noch eine Minderheit der Gehörlosen
    pflegt sowas wie „Feindschaft gegen CI“.

  18. Regenbogen

    ….und ein Vertreter dieser Minderheit ist aber der Herr Zander, und genau so war das mit der Puppe auch zu verstehen, woll?

  19. Regenbogen

    Ach, Not quite, wegen der kritischen Fragen….

    Ich finde, es liegt auch ein dicker Unterschied darin, ob die kritischen Fragen aus einer kritischen Haltung gegenüber dem Gerät CI heraus resultieren oder ob da Haß und Feindseligkeit gegenüber den MENSCHEN hintersteckt, die sich da anders entschieden haben als man selbst.

    Wir hatten ja auch irgendwo eine Debatte, wo sich bengie darüber beklagte, daß man den Deafies „Wahn“ unterstelle (glaube, so ähnlich hatte er es formuliert).

    Ich selber hatte das eher als „sektenähnlich“ umschrieben.
    Und damit meine ich auch nicht, daß jemand da kritisch ist – auch nicht, daß er die Meinung vertritt: Das Beste für Gehörlose/gehörlose Kinder ist es, gebärdensprachlich aufzuwachsen, ohne daß ihnen da operativ am Kopf rumgefrickelt wird.

    Schlimm finde ich dann nur, wenn da so Vorwürfe rüberkommen, denen gehen die Gefühle der Kinder an der Schwanzflosse vorbei und die machen die Kinder alle zu seelischen Krüppeln und das ist ihnen dann noch egal.
    Halt so Verurteilungen von Menschen.
    Und das erinnert mich stark an Sekten.
    Wir sind so ein kleiner elitärer Kreis, Außenstehende kommen da nicht rein, und alle, die nicht genau so denken wie wir und die irgendwie kritisch sind oder so, – ab in die Hölle (mal religiös gesprochen).

    Verstehst, was ich meine?

  20. Ich versteh was Du meinst. Aber ich habe ja auch den Beitrag leider nicht gesehen.

  21. Regenbogen

    @CharlyBrown:
    Ich weiß ja nicht, wie oft Du Dich im Taubenschlag einloggst….
    hab Dir ne PM geschickt.

    (Wenn ich schon sonst in keinem Forum mehr einen gültigen Account habe….wer mich erreichen möchte, kann das wenigstens im Taubenschlag noch tun. 😉 )

  22. CharlyBrown

    Regenbogen, hab im Taubenschlagforum PM beantwortet und dort meine E-Mail hinterlassen.

  23. Regenbogen

    Zum Thema Gebärdensprache und Schule….

    http://www.taubenschlag.de/meldung/5578

    Na, das ist doch mal was.
    Irre ist nur, daß es so lange gedauert hat, bis mal sowas in die Wege geleitet wurde – und da sagt man sonst, nur Gottes Mühlen mahlen langsam. 😉

    Hätte ich vor einiger Zeit ja auch nicht gedacht, daß in Gehörlosenschulen nicht (immer) in Gebärdensprache unterrichtet wird….

  24. Sowas gut öffentlich sichtbar zu kommunizieren halte ich auch für wichtig. Was ich nicht verstehe ist, inwiefern die damaligen Beschlüsse „aufgehoben“ werden konnten, also inwiefern sie überhaupt noch Gültigkeit hatten.

  25. Regenbogen

    Du meinst, Du weißt nicht, ob die DGS im Unterricht „einfach nur so nicht praktiziert“ wurde/wird oder ob sie nach wie vor VERBOTEN war, bis jetzt?

    Das entzieht sich auch meiner Kenntnis, da können sich ja vielleicht mal gehörlose Leser Deines Blogs zu äußern.

    Was ich aber auf jeden Fall auch wichtig finde, ist, daß das geschehene Unrecht (selbst wenn die Beschlüsse heutzutage ohnehin nicht mehr praktiziert würden) auch anerkannt wird.
    Es wird sich heute für so viel entschuldigt und Unrecht eingestanden – ja auch durchaus zu Recht.
    Das Unrecht an den Opfern des Nationalsozialismus, das Unrecht an den Menschen, die in der ferneren wie auch der jüngeren Vergangenheit unter den Verfehlungen der Kirche(n) gelitten haben, etc…..

    Da soll man ruhig auch in diesem Fall mal sorry sagen.

    Kann mir schon vorstellen (wenn auch sicherlich nicht 100 % selbst innerlich nachfühlen, das kann man wohl nur als Betroffene/r), daß das richtig Scheiße ist, wenn man nur lautsprachlich sprechen darf, es aber eigentlich rein anatomisch nicht kann.
    Den Leuten entzieht man ja jegliche Kommunikation…und da wir nun mal „Herdentiere“ sind, sozusagen, macht einen fehlender Austausch mit seinen „Artgenossen“ krank…von der fehlenden Bildung mal abgesehen, wenn man nur die Hälfte mitkriegt.

    Bei der Gelegenheit….
    man soll ja nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen.
    Ich selbst hatte, wie schon oben gepostet, auch nicht gewußt, daß Gebärdensprache im Unterricht keine Selbstverständlichkeit ist (…als ich noch in einem anderen Forum war, hab ich dort nie unter Schule und so gelesen, weil ich aus dem Alter nun wirklich raus war….).
    Dadurch hab ich die Gründe für das bei einigen Leuten miserable Deutsch anderswo gesucht….
    z.B. in der Forderung nach DGS-Videos, die ich mal gelesen hatte (sowas saug ich mir ja nicht selbst aus den Fingern). Dachte, es wäre dann die fehlende Praxis, wenn die Leute es sich „bequem“ machen wollen.
    Vermutlich hab ich damit auch so einige vor den Kopf gestoßen….
    Falls es zufällig jemanden interessieren sollte (oder auch nicht….): Tut mir leid.

  26. Auf der Seite des Kongresses ist das ganze etwas ausführlicher dargelegt. Meins war demnach ein rein sprachliches Problem — „Beschlüsse aufheben“ und „entschuldigen“ treffen die Sache wohl nicht so richtig.

  27. Regenbogen

    Eins kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen…..
    Nur weil jemand der Meinung ist, Taubsein sei eine Behinderung, wertet er deshalb nicht alle Menschen ab, die als anders angesehen werden.
    Sowas gibt´s, vielleicht auch sehr oft, das will ich nicht bestreiten.
    Ist aber kein Automatismus.

    (….damit das jetzt nicht in den falschen Hals gerät:
    Ist nicht meine Meinung. Ich akzeptiere das Selbstverständnis der Gehörlosen als sprachliche Minderheit.)

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