Liebe oder Gehzurhölle: Kannst Du’s unterscheiden?

„Wow, mit Kopfhörern auf sieht I love you! verflixt genauso aus wie F**k you!“ — So kürzlich das volllippige Erweckungserlebnis von Freundin Berlinessa.

Ich fand das gar nicht. Ich fand, diese beiden sind wirklich leicht zu unterscheiden. Jedenfalls leichter als die wohlmeinenden Vorschläge der hilfsbereit einspringenden US-Freunde: Olive juice? Elephant juice? Hehehehe.

Wie seht Ihr das? Könnt Ihr’s unterscheiden?

Für meine deutschen Leser sei gesagt, dass diese dem deutschen Ohr vielleicht exotisch anmutenden Säfte in den USA einige Berühmtheit erlangt haben. Sie sind beliebt dafür, dass sie zumindest den Sex in schlechtlaufenden Liebesbeziehungen noch ein wenig länger am Laufen halten. Wer sie lautlos in den Mund nimmt, kann später immer behaupten, er habe von Liebe gesprochen. Oder hat nie gelogen. Fieses Ausnutzen der Tatsache, dass Lippenlesen eigentlich gar nicht geht. Oder auch, wenn man sich nicht sicher ist. Dann guckt man treu und haucht: Elephant juice. Ist ein bißchen wie etwas mit gekreuzten Fingern versprechen…

Schonmal probiert?

Und wer sich für gut im Lippenlesen hält, versuche sich mal an diesem Spiel, das der Herr just like Beethoven freundlicherweise gepostet hat.

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21 Antworten zu “Liebe oder Gehzurhölle: Kannst Du’s unterscheiden?

  1. Das ist ja irre. Jetzt kenn ich Elefantensaft und hab mich zum ersten Mal am Lippenlesen versucht. 14 Minuten hab ich gebraucht, davon entfielen wohl 12 Minuten auf Beispiel 2, der Rest ging erstaunlich leicht.

  2. Danke für den Test. Konnte das bislang schwer einschätzen. Ich weiß, dass ich Lippen lese – aber nicht, wie erfolgreich. (Zur Selbstbeweihräucherung: Hab 5,45 min gebraucht, keine Fehler, aber zT mehrfach wiederholt…)

    Wobei durch die Satzbausteine erheblich vereinfacht ist. Ich denke, die letzten drei Sätze könnte man ggfs sogar zusammen setzen ohne die Videos abszuspielen.

  3. Finde ich auch. Man kann bei dem Test viel kombinieren, weil man die Begriffe ja einfach schon vorher lesen kann. Aber Ablesen muss man trotzdem. Habe 8 min gebraucht (auch lange geraten bei Nummer 2).

    Das Spiel ist aber sehr anschaulich für „Normalos“. Man hat ja beim Absehen immer diese erste Geisterstimme im Kopf, die schon Phantasielaute erzeugt, bevor man die Worte dann korrekt kombiniert oder zusammengesetzt hat.

    „Hodleebembeebschler“ kommt dann heraus für „Wollen Sie mir mir sprechen?“

    Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell und eifrig das Gehirn das gesehene Mundbild in Geräusche übersetzt (mal abgesehen von der Trefferquote). „Man kann nicht nicht kommunizieren“ passt in Abwandlung auch auf „Man kann nicht nicht Lippenabsehen“. Das meint natürlich die fehlerfreie Worterkennung, sondern die kreative Lautmalerei. Denn: Irgendein Geräusch macht der Kopf doch immer …

  4. Autsch, Korrektur: „NICHT“ fehlt im Satz.

    Das meint natürlich NICHT die fehlerfreie Worterkennung, sondern die kreative Lautmalerei.

  5. tina, 🙂 ja manchmal klappt’s eben und das schnell.

    Francis und Pia, freut mich, dass es gefällt. Aber Ihr hättet ja nicht spicken müssen, wenn’s Euch zu einfach ist. 🙂

  6. Ja, wenn man den Kontext kennt oder sogar mögliche Varianten … und wenn man das beliebig oft wiederholen kann. Im echten Leben hätte die Dame wahrscheinlich spätestens nach der 17. Bitte um Wiederholung einen Zettel geholt. Oder Schlimmeres. Ist echt ne Leistung! Aber mir ist zumindest ansatzweise auch klar geworden, wie es geht.

  7. Genau. Willkommen in der Welt der Schwerhörigen, die aus Kontexten, möglichen Varianten, endlicher Geduld, Zetteln und Schlimmerem besteht. 🙂

  8. Meine Güte! Ich war chancenlos. Ich glaube, ich MUSS so einen Kurs machen!

  9. Elephant juice, frau frogg. Elephant juice. 😉

  10. Pingback: schwer hörig. | text de luxe

  11. Geht ja GAR NICHT. Also bei mir, mit dem Lippenlesen. Deswegen habe ich das „I love you“ und das „F*ck you“ ja auch verwechselt. — Ich wollte gleich beim erste Beispiel die Frau am liebsten durch an der Schulter schütteln dazu bewegen, so zu sprechen, dass ich’s verstehe.

    Und ich gehe gleich mal weiter. Ich stelle es mir total frustrierend vor, wenn man sich einen abbricht und alles an Geduld und Lipenlesefinesse aufbringt und dann hat das Gegenüber was total banal langweiliges gesagt. Platzt einem da die Hutschnur?

  12. Ich wusste ja, dass ich nicht Absehen kann… grottig! Naja, habe es immerhin in 8 Minuten irgendwas geschafft. Aber bin schon beim ersten Beispiel verzweifelt. Als ich das dann hatte, ist der Knoten dann doch irgendwie geplatzt und ich hab es schneller erkannt. Ich habe auch schon ein Semester lang ein Absehen-Seminar belegt und das hat mir GAR NIX geholfen… nur Frustration gebracht. Und ohne Ende Bewunderung und Anerkennung für die Leute, die das Absehen in ihrem täglichen Leben ständig brauchen… ist mir unbegreiflich, wie man das schafft. Obwohl eine Freundin (gl mit CI), das um Längen besser kann als ich… Aber wie die das macht??? Keine Ahnung! 😀

  13. Berlinessa, zuweilen vielleicht. Aber das ist eher sich entladender Frust über die Gesamtsituation denn über eine bestimmte Mitteilung. Normalerweise ist es einfach befriedigend zu verstehen, dabeizusein, auch wenn’s nur um kleine nichtsnutzige Dinge geht. Weißt Du noch?

    Eule, ist alles eine Frage wieviel man schon weiß, was gesagt werden könnte und wie die sonstigen Bedingungen sind. Mein Namensvetter diskutiert das ja gerade hier mit mir.

  14. 3:24 😉
    Aber ich behaupte ebenfalls, dass das anderen Dingen als meinen überragenden Absehfertigkeiten geschuldet ist. Und es hat ja nichts mit spicken zu tun. Man hat die Wörter vorher ja unten raus suchen müssen und weiß daher zumindest von den markantesten Wörtern, was noch übrig ist. Ging mir zumindest so. Wenn dann noch der Gerechtigkeitssatz eher am Ende steht… Hmm 😉

    Aber vielleicht sollte ich einfach nichts sagen und behaupten, ich sei eine zweite Neef *duck*

  15. Habt ihr gesehen? Mal bald ins Video reinschauen, bevor der Link wieder gekappt wird:

    http://www.stern.de/tv/sterntv/ertaubt-und-chefarzt-die-sensationelle-karriere-des-roland-zeh-1540279.html

    Es geht um den ertaubten Chefarzt, der zwei CI hat. Sehr aufschlussreich – und der Beitrag zeigt auch nicht ansatzweise, wie unglaublich stark sich dieser Mensch konzentrieren muss(te) und wieviel Kraft er hat. Wenn ihr, Normalos, mal jemand für ein Training braucht zu „hohe Konzentration halten“ und „sein Ding machen“ – Normalos, dann fragt uns einfach.

    😉

  16. Hmm… ich behaupte mal, dass ich eher zu den Nahezu-perfekt-von-den-Lippen-Absehern gehöre bzw. gehört habe (vorm CI war es auch bei mir besser) – aber ich fand den Test extrem schwer. Vermutlich, weil man nur den Mund sieht, ich brauch schon das ganze Gesicht – und ICH fand, dass die Wörter teils so unnatürlich bzw. anders betont ausgesprochen wurden, dass ich sie so nicht absehen konnte. Nur mit mehr Raten, als es sonst bei mir notwendig ist… 😉

  17. just like Beethoven

    Jojo, diesen Test empfandest Du von Deiner Warte aus als extrem schwer. Vielleicht wäre es günstiger gewesen, zusätzlich die Augenpartie oder noch besser, das ganze Gesicht mit einzublenden. Ich würde das dort gezeigte Absehbeispiel aber nicht als unnatürlich bezeichnen. Er war im Gegenteil nicht nur sehr gut, sondern sogar vorbildlich.

    Vor dem CI hast Du also „nahezu perfekt“ von den Lippen abgesehen. Dann müßtest Du keine Schwierigkeiten gehabt haben, die Nachmittagstalkshows der Schnapssender (bei abgedrehtem Ton) zu verfolgen. Denn dort sind die Gesichter noch am besten erkennbar. Eine solche Leistung bezweifle ich aber stark. Ein paar Wortfragmente mag man dort verstehen, die aber nicht ausreichen, um den Inhalt mitzubekommen.

    Die Bescheidenheit des Lippenabsehens können wir vor dem Spiegel an uns selbst immer wieder testen.

    „In der letzten Legislaturperiode ist es verlesen worden“

    Im undurchdringlichen Dickicht des Dschungels gab es kein Entrinnen“

    Inmitten des goldgelben Feldes, weithin blühend, tummelten sich die Bienen“

    Nun habe ich mir nicht die wenigen schweren Sätze herausgesucht und die“ vielen einfachen“ ausgelassen, sondern es ist so, daß in Texten die Sätze überwiegen, die im Hals- und Rachenraum gebildet werden, also so gut wie gar nicht abgesehen werden können. Die richtigen Schlußfolgerungen dürften uns dann so schwer nicht fallen…

  18. Natürlich meine ich mit „nahezu perfekt“ im Rahmen dessen, was überhaupt möcglich ist – es ist ja bekannt, dass von den 30 Phonemen nur 11 von den Bewegungen her unterscheidbar sind.

    Ist „vorbildlich“ nicht auch subjektiv? Einige Hörgeschädigte brauchen ein sehr deutliches, sehr betontes Mundbild, andere wiederum kommen damit gar nicht klar – andere sind mit Dialekt aufgewachsen und haben damit keine Mühe, andere verstehen nur Hochdeutsch… usw. usf.

    Ich will den Test in keinster Weise herabwerten. Ich finde nur, man merkt bei dem Test sehr deutlich, dass Absehen eben nicht „einfach nur Absehen“ ist, sondern eine Kombinationsleistung verschiedener Faktoren wie z.B. die Gesichtsmimik und den Kontext.

  19. just like Beethoven

    Wie wichtig Kontext, Gesichtsmimik und Kombinationsleistung sind, ist hier schon dargestellt worden. Damit hast Du recht. Und vor allem kommt es darauf an, ob demjenigen, der absehen muß, eine ergänzenden Hörleistung zur Verfügung steht oder überhaupt keine. „Taub“, „an Taubheit grenzend“ oder „resthörig“ scheint ja so eng beieinanderzuliegen, was zur Folge hat, daß es viel zu wenig auseinandergehalten wird. Dazwischen liegen Welten, auf die ich aufmerksam machen möchte.

    Du hast im ersten Abschnitt relativiert und kommst damit der Wahrheit näher. Hättest Du das nicht getan, würden das ahnungslose Menschen ganz anders auffassen und das Absehen auf andere Weise interpretieren.

    Das subjektive Empfinden mag verschieden sein, doch war das gezeigte Beispiel nicht zu übertrieben und für meine Begriffe die gute Mitte. So nämlich wurde früher in der Sendung „Sehen statt Hören“ gesprochen. Wenn immer betont wird, man solle in der Hochsprache reden und nicht im Dialekt, tut man es deshalb, weil das Absehen im Dialekt eben doch die größeren Schwierigkeiten bereitet. Wer Dialekt bevorzugt, damit aufgewachsen ist oder ihn nebenbei spricht, hört so schlecht nicht, wäre aber im reinen Absehen damit schlecht beraten.

  20. Eieiei, so tragisch ist das doch nu nicht.
    Letzten Endes soll der Test ja nicht die eigenen Absehfähigkeiten trainieren oder testen, sondern Normalhörenden ganz generell mal demonstrieren, wie schwierig die Angelegenheit ist und ein bisschen Sensibilität dafür schaffen. Und das kriegt er doch ganz gut hin.
    Dass man sich über die Details streiten kann hat man doch immer.

  21. just like Beethoven

    Emmi, Du sagst richtig, daß der Test in erster Linie Normalhörende sensibilisieren sollte, über die Schwierigkeiten des Absehens nachzudenken. Die besser Eingeweihten macht er hoffentlich nachdenklich, daß Absehen vom Hörstatus abhängig ist und wegen des akustischen Begleiteffektes unterschiedlich bewertet werden muß. Wo keiner besteht können nicht die gleichen Verstehenskriterien gelten. Oder anders gesagt: der Zwang des reinen Absehens kann mit einem Pseudoabsehen nicht verglichen werden.

    Unvergessen ist, wie ich nach meiner Ertaubung an der SH-Schule dauernd animiert wurde, noch besser abzusehen. Unter ganz und gar ungleichen Bedingungen. Die Klasse sucht sich dazu den Mitschüler aus, der am schlechtesten hört, der ja auch „fast taub “ ist, bedenkt nur nicht den gewaltigen Unterschied. Heute weiß ich, daß dieser Mitschüler einen guten Teil mehr gehört als abgesehen hat. Das nur als Beispiel.

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