Kinderstimmen — oder: Die Geister, die ich rief

Die Menschheit wäre um einiges ärmer ohne die Sprüche ihrer Kinder. Mindestens aber würde einem ganzen Genre von Blogs die Amüsiergrundlage entzogen. Die Herzdamengeschichten wären nicht dieselben. Und auch die dunkle Seite müßte sich ohne Kinder-O-Ton öfters andere Würze ausdenken.

Für mich aber ist, was live aus Kindermund kommt, ein Buch mit sieben Siegeln. Kinderstimmchen und Schwerhörige, das geht nicht zusammen. Dazu noch kindliche Aussprache und sonstiges Rumgewusel, fertig sind unüberwindliche akustische Hindernisse.

Nur das Grinsen der anderen Anwesenden sagt mir, dass es lustig sein muss. Und zu Kindern selbst hab ich keinen Draht. Manchmal hatte ich schon Angst wenn ich nur wußte, dass Kinder anwesend sein würden. Weil eigentlich wollte ich ja gern mit ihnen was machen.

Ein wenig bang war mir also, als ich letztes Wochenende Freundin N. mit Mann und Kind besuchte. Und umso mehr freute ich mich, als ich merkte: Mit elektrischem Ohr und Hörgerät zusammen verstehe ich ihre Kleine einigermaßen. Ich glaube, es lief sogar sehr gut. Nachdem die Fünfjährige sich an mich gewöhnt hatte, zog sie an mir, zeigte mir ihr Zimmer und überreichte  selbstgemachte Geschenke. Sie wackelte für mich an ihrem Wackelzahn und, kurz gesagt, sie laberte mich nach Strich und Faden voll.

Puh. Wäre auf jeden Fall ruhiger gewesen ohne CI. Aber ich wollte es ja so. Jetzt ist der Geist aus der Flasche. Nur dass ich beim Memory so haushoch verlor, kann ich leider nicht auf die Schwerhörigkeit schieben…

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4 Antworten zu “Kinderstimmen — oder: Die Geister, die ich rief

  1. Regenbogen

    Jau, das ist erstaunlich mit dem Memory, nicht wahr?
    Das war sogar mal Thema in einer Sendung – war es „Frag doch mal die Maus“….ich weiß es nicht mehr genau.

    Ist ein Phänomen – Kinder denken anders und können sich daher die Lage der Kärtchen beim Memory besser merken.

  2. Wie schön ist das denn? Je mehr ich das verfolge, desto mehr denke ich auch über ein CI nach…

  3. Ja, beim Memory verliert ein „normaler“ Erwachsener sogar gegen geistig behinderte Kinder. Das ist phänomenal!
    Ehrlich gesagt: Ich glaube, wenn ich Kinder nicht mehr hören würde, würde ich verzweifeln. Ich habe meinen Patenkindern Ritsch-Ratsch-Tafeln geschenkt, damit wir einmal miteinander schreiben und zeichnen können, wenn ich nichts mehr höre. Aber sie sind erst vier (naja, fast fünf). Sie haben, glaube ich, noch nicht ganz begriffen, was das alles bedeutet.

  4. Ist das so, mit dem Memory? Interessant, da wird sich die Mama freuen. Denn die war es, die uns beide an die Wand gespielt hat…

    enno, ich bin jedenfalls mal gespannt, wie’s weitergeht. Sind ja eher so punktuelle Erfolge gerade, wo nicht klar ist ob das verläßlich reproduzierbar ist.

    frau frogg, ich bin sicher, sie wissen es nicht. Aber ist ja okay, es hat halt Vorteile, vier, fast fünf zu sein.

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