Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #10: Kundenkontakt per Telefon

Hier gibt es eigentlich nur einen einzigen Ratschlag: Vermeiden! Am besten komplett. Selbst wenn man einigermaßen telefonieren kann, gibt es einfach zu viele Möglichkeiten, wie das schiefgehen kann. Mindestens bedeutet es Streß pur!

Das Problem besteht darin, dass der Anrufer die Initiative hat. Und man ja selbst erst einmal verstehen muss, wer dran ist und was er überhaupt will. Man hat keinerlei oder nur sehr wenig Anhaltspunkte, die das Verstehen erleichtern. Womöglich ist der Anrufer auch noch aufgebracht oder in Eile…

Ich gebe beruflich meine Telefonnummer gar nicht erst heraus. Sie steht auch nicht auf meiner Visitenkarte. Stattdessen betone ich meine Erreichbarkeit per E-Mail (oder je nach Anlass manchmal auch Chat). Das zu betonen ist aus mehreren Gründen wichtig:  Man muss gleich am Anfang für klare Verhältnisse sorgen und die Schwerhörigkeit oder Ertaubung offen kommunizieren. Es muss klar sein, dass man genauso erreichbar ist wie alle anderen. Und netter Nebeneffekt ist, dass man sich dem Gesprächspartner/Kunden oft deutlich einprägt — die erinnern sich an mich.

Ob der Verzicht auf Telefonnummern machbar ist, hängt natürlich von der eigenen Funktion, von Branche, Unternehmen und vom Chef ab. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich aber, es zu versuchen — wenn man dabei erstmal überlegt und dann klarmacht, welche Alternativen es gibt und das sie tatsächlich machbar sind, ohne die Abläufe zu gefährden. Dazu gehört z.B. auch, im Büro einen Kollegen zu suchen, der Notfallanrufe übernehmen kann (z.B. auch ans Reisebüro für kurzfristige Reisen).

E-Mail und Chat haben den Vorteil, dass man hinterher alles gleich schriftlich hat. Falls sich telefonieren gar nicht vermeiden läßt: Am besten alles noch einmal schriftlich notieren und per E-Mail bestätigen lassen, dass man alles und das auch richtig verstanden hat.

Was haltet Ihr von diesen Ratschlägen? Wie sind Eure Erfahrungen mit dem Telefon und seiner Vermeidbarkeit?

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10 Antworten zu “Taub im Job, trotzdem erfolgreich, Tipp #10: Kundenkontakt per Telefon

  1. Ich kann mit 2 CIs relativ gut telefonieren, aber grundsätzlich betone ich die Emailadresse erstmal. Die Telefonnummer gebe ich trotzdem an, sage aber, dass Handy praktisch nur per SMS gut ist, weil das Mobiltelefon viel schwieriger ist.

    Trick: Ein binaurales Headset mit Verstärker benutzen! Damit geht’s recht gut, habe ich mir auch privat für zu Hause gekauft.

  2. Man kann sich seine Kunden auch erziehen 😉 À propose Erziehung: Wichtig ist, dass man konsequent bleibt! Also nicht in Gegenwart des Kundens mit der eigenen Mutter telefonieren, sondern da konsequent taub bleiben. Dann klappt’s auch mit den Kunden …

  3. Not quite like Beethoven

    eyeIT, ich habe noch das Problem, dass ich es oft nicht schaffe, mich rechtzeitig zu verkabeln wenn einer unerwartet anruft und dann entweder den Anruf verpasse oder mit dem suboptimalen Lautsprecher telefonieren muss. Was für ein Headset hast Du denn? Da ich HG+CI hab brauch ich ja Induktion…

    Jens, das mit der Erziehung klappt aber nur wenn die Kundenbeziehung stabil ist und man damit rechnen kann, dass sie länger dauert…

  4. Hab ich glaub ich schon mal erzählt: Headset mit Ohrmuscheln, die über beide Ohren (bzw. SP) drüber gehen. Nie so entspannt telefoniert, weil man zum einen beide Ohren benutzt und zum anderen die Umgebungsgeräusche ausgeblendet werden. Induktion empfinde ich als nervig (zusätzlicher Griff zur FB, Ausrichtung des Headsets, resultierende Qualität usw.).

    Mit Headset telefoniere ich dann vollkommen normal und entspannt, aber das ist ja ziemlich individuell.

  5. Ach so, äh: Verkabeln entfällt in meinem Fall auch, weil das Headset einfach angestöpselt bleibt. Heißt: Wo andere zum Telefonhörer greifen, greife ich zum Headset, fertig 😉

  6. Pia Butzky

    Mit neuen Kunden telefonieren, das bleibt ein Risiko. Aber wenn der Kontakt schon da ist, auch erstmal über E-Mail, und man abgeklärt hat, um was es geht und wieviel besprochen wird (z.B. kurze Rückmeldungen zu einer aktuellen Entscheidung), dann klappt es auch ganz gut.

    Gar nicht geht:
    Ganz neue Kontakte, die nichts von der Hörbehinderung wissen – und die ganze Romane am Telefon bereden wollen. Diese Leute bremse ich aber auch schhon deshalb aus, weil Telefonate nicht so effektiv sind wie E-Mails und eher unproduktive Zeitverschwender sind. Das wollen die Vieltelefonierer immer nicht begreifen, ist aber so. Ich habe es zigmal nachgemessen: Von 20 Minuten Telefonat bleiben als reiner Informationsgehalt 5-6 simple Sätze in einer Email, die in 5 Minuten geschrieben sind.

    Insbesondere wichtige Dinge wie Preise, Abmessungen, Termine, Adressen, Auftragsentscheidungen, Bestellungen, Rechtliches) lasse ich mir nie am Telefon angeben, nur schriftlich!!!

    Das hat nichts mit dem Hörenkönnen zu tun,
    sondern damit, dass ich auch 14 Tage später noch in einer E-mail nachlesen kann, ob der Kunde uns nun 2000 eur oder 2900 eur zugesagt hat und wann der Liefertermin vereinbart wurde. Am Telefon sind die Leute nie verbindlich, aber schriftlich schon.

    Kann ich nur allen ans Herz legen, die beruflich wichtige Dinge zu regeln haben, egal, ob man nun gut hört oder nicht.

  7. Regenbogen

    @Pia:
    Richtig, wer schreibt, der bleibt.
    Telefonate gehen nur für kurze Anfragen oder „bitte schicken Sie mir den Antrag zu“ oder eine Terminvereinbarung.

    Wichtiges immer schriftlich oder per Mail; sonst nützt auch eine Telefonnotiz nichts, wenn der andere behauptet „hab ich nie gesagt“.

  8. >> Das hat nichts mit dem Hörenkönnen zu tun,
    sondern damit, dass ich […] <<
    Sehr richtig! Und die Sache mit den Romanen stimmt ebenfalls. Was ich immer sehr nervig fand war ein Kollege, der, wenn man ihn im firmeninternen Messenger angeschrieben hat, zurückgerufen hat.
    Ein weiterer Vorteil bei schriftlicher Kommunikation ist aus meiner Sicht nämlich auch, dass man sich die Zeit für die Beantwortung nehmen kann, wenn man gerade den Kopf frei hat. Insofern finde ich es gar nicht so schlecht, nicht unbedingt aufs Bimmeln abrufbereit sein zu müssen.

  9. Pia Butzky

    @ Emmi: „… Zeit für die Beantwortung nehmen kann, wenn man gerade den Kopf frei hat. “

    Genau! Und ich kann auch vorher für mich fertig nachdenken, bevor ich antworte. Das geht am Telefon oft nicht. Da werden ganz viele Gespräche ohne Nachdenken geführt und zig wirre Sätze gemacht anstelle eines „Ja“ oder eines „Nein“. Erfahrung aus dem Beruf: Die Vieltelefonierer sind sehr unproduktiv, kann ich nur sagen.

  10. Emmi, zum Headset: weiß grad nicht mehr ob Du das schonmal gesagt hattest, jedenfalls will ich jetzt auch so eins! 🙂

    Pia, wo muss ich unterschreiben? Mach ich für alles was Du sagst: 🙂

    Ich finde übrigens ganz wichtig, was Ihr sagt, weil man damit als Hörbehinderter selbstbewußt im Job auftreten kann. Das Muster, was Ihr hier mit dem „Am Telefon=Roman“, per „E-Mail=5 Sätze und viel effizienter“ umreißt ist eins DER Argumente, wie Hörbehinderte nicht nur ihren Nachteil ausgleichen sondern auch noch Abläufe verbessern und optimieren können. So ähnlich wie auch hier bei Meetings und Teamsitzungen.

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