Hörtraining: Was ich vom kleinen Kerlchen lernte

Mit dem elektrischen Ohr muss man ja üben, sonst wird das nichts. Vorgelesene Bücher, die man gleichzeitig noch  mitliest, sind da sehr praktisch. Dabei lernt man nämlich nicht nur Hören mit dem Cochlea Implantat:

  • Der kleine Prinz ist mir irgendwann als ich noch klein war in Überdosis aufgedrängt worden. Wenn man mir den heute als Hörbuch schenkt, ist meine erste Reaktion: Ähh, danke.
  • Wenn man sich nach einigen Wochen dann doch mal daran macht, sieht man: Das macht aber nichts. Es gibt schon einen Grund dafür, dass das Buch so berühmt geworden ist.
  • Wenn man zum Mitlesen ein Hörbuch kauft, muss man aufpassen, dass man die 1:1 gelesene Version erwischt. Also beim Kauf unbedingt auf den Hinweis „ungekürzt“ achten! Außer wenn der Käufer und Schenker mein Papa ist. Der sucht dann nämlich extra antiquarisch eine kleine, handliche Ausgabe, hört alles mehrfach selbst durch und zeichnet extra für mich ein, was ich höre. Und das sieht dann aus wie auf dem Bild unten.
  • Die sind da alle so sicher über sich selbst und in der Welt. Der Fuchs ist ein Fuchs, die Blume ist eine Blume und die Schlange ist eine Schlange. Sie wissen das auch. Und sie wissen, was zu tun ist.
  • Ich finde nicht, dass das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist, genauso wie es für die Ohren nicht unhörbar ist.
  • Von Saint-Exupéry lese ich heute lieber sowas wie Nachtflug.
  • Komischerweise lachen die Leute beim kleinen Prinzen nicht so wie bei der kleinen Lisa, wenn sie als Kollateralschaden mithören, was ich da höre.

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19 Antworten zu “Hörtraining: Was ich vom kleinen Kerlchen lernte

  1. Regenbogen

    Warum findest Du das komisch, daß sie beim Kleinen Prinzen nicht lachen?
    Meiner persönlichen Meinung nach (die natürlich keiner teilen muß) gehört der Kleine Prinz zu den wunderbarsten Geschichten, die je geschrieben wurden (ist eigentlich auch eine Liebesgeschichte, denn Antoine de Saint-Exupéry soll in der Rose des Kleinen Prinzen seine Ehefrau Consuelo „verewigt“ haben).

    Ich kann die Einschätzung des Fuchses sehr gut teilen….weiß aber nicht, wie Du den Sinn dieses Wortes aufgefaßt hast?
    Dieser Satz steht ja, wenn ich mich recht erinnere, im Zusammenhang mit der Szene, in der der Kleine Prinz das Rosenfeld entdeckt und dabei merkt, daß seine Rose gar nicht so einzigartig ist, wie sie ihn glauben machen wollte.
    Mit den Augen betrachtet, ist das auch so. Sie ist eine Rose – und auf dem Rosenfeld blühen tausende weiterer Rosen.

    Das, was seine Rose zu etwas Besonderem macht, ist tatsächlich für die Augen nicht zu sehen. Das fühlt man nur mit dem Herzen…schon richtig, würde ich sagen.

    Und was das mit dem Hören angeht….
    schon mal „When You Say Nothing At All“ gehört, gesungen von Ronan Keating, aus dem Film „Notting Hill“?
    Hat, würde ich sagen, eine ähnliche Botschaft wie der Kleine Prinz, obwohl es da ja auch nicht um Hörschädigung ging….mal gucken, ob ich einen Link mit dem Text finde…

  2. Regenbogen

    So, mal schauen, ob´s fluppt….

    http://www.magistrix.de/lyrics/Ronan%20Keating/When-You-Say-Nothing-At-All-1754.html

    Sollte es rechtlich nicht okay sein, so einen Link zu setzen, entfernst Du ihn dann?

  3. Der Kleine Prinz. Hm. Davon habe ich schon so viel gut Gemeintes gehört und gelesen.
    Ich kenne die Geschichte nicht, aber jedes Zitat daraus, das ich irgendwo lese, bestärkt mich in meiner Entscheidung, das auch dringend dabei zu belassen.
    Menschen sind so unterschiedlich.

  4. Dein Vater ist super finde ich!
    Das hat er klasse gemacht… 🙂
    Chapeau!

  5. Muriel, ich kann das verstehen, so ging es mir auch immer. Irgendwann habe ich ihn doch gelesen, weil ich ihn IMMER und immer wieder geschenkt bekam, weil Leute wohl festgestellt haben, dass er in meinem Bücherregal noch fehlt – ja, warum wohl? 😀 Was soll ich sagen: Ich fand ihn furchtbar, vielleicht sogar noch etwas furchtbarer als erwartet. Aber ja, Menschen sind sehr unterschiedlich.

    Dafür finde ich deinen Vater umso großartiger, nqlb 🙂

  6. Mhhmh, obwohl ich den kleinen Prinz wohl auch in Überdosis als Kind genießen durfte, mag ich die Geschichte nach jedem Mal lesen nur noch mehr. Ich liebe diese zurückhaltende Melancholie der Geschichte, die nicht so unangenehm schmalzig ist, sodass man eben doch auch mal lachen darf.

    Aber es ist wohl die bekannte Geschmackssache.

  7. Regenbogen

    @Not quite:
    Vielleicht gibt es doch eine Erklärung dafür, daß die Leute über die dickliche kleine Lisa mehr lachen. (Aber eine gaaanz böse, dafür nicht ganz ernst gemeinte. 😉 )

    Die dickliche kleine Lisa ist, wie ihr Name schon sagt, ein bißchen zu moppelig für die Katalog-Idealfigur.
    Der kleine Prinz ist auf den Zeichnungen (übrigens m.W. Original vom Autor) mehr oder weniger ein Strichmännchen….und kommt damit einer Topmodelfigur sehr nahe. „grins“
    Also wird er heutzutage im Körperkult ernster genommen. „lach“

    Nee, ich denke, es liegt natürlich am Inhalt.

    Auffallend daran ist ja auch, daß so manches von den Zitaten auch oft über Geburts- Hochzeits- oder Todesanzeigen landet. Die passen aber auch sehr gut, finde ich.

  8. Regenbogen, genau, die Sätze aus dem Buch haben einen Poesiealbum-Verbreitungsgrad erreicht, der der öffentlichen Wahrnehmung des Buches nicht immer guttut. Siehe Muriel (Hi übrigens mal wieder 🙂 ).
    Darum fand ich es auch nach anfänglichem Unwillen ganz gut, das Buch mal wieder zu lesen. Steckt ja doch mehr drin.

    Zum „Wesentlichen“ — ich bin halt eher ein Freund genauen Hinsehens und Hinhörens als diffuser Gefühligkeit. Gerade was Beziehungen (zu Dingen und Menschen) angeht halte ich ersteres für unterschätzt. Natürlich kann man (und ich auch) trotzdem zuweilen in Romantik ausbrechen wie Ronan Keating. 😉

    Rieke (und Emmi), ich werd’s ausrichten — freut er sich bestimmt. 🙂

    Emmi, warum fandest Du es denn so furchtbar?

    Jonathan, hi, willkommen auf meinem Blog! Genau diese reduzierten, zurückhaltenden Stil des Buches fand ich auch wieder sehr schön. Finde ich allgemein schön bei Texten und Büchern.

  9. Pia Butzky

    Kennt ihr bzw. kennst du http://www.hoerbuchundci.de ? Eigentlich kann man ja wirklich jedes Buch nehmen, das in Druckform und als Hörbuch vorliegt. Bloss sollte es ein/e Profisprecher/in sein, denn die Autoren lesen ihre eigenenTexte viel zu luschig.

    Und ich schließ mich an:
    Hast einen echt netten Papa, Beethoven!

  10. Ich liebe deinen Vater ja schon seit dem ersten Kennenlernen mit Marzipantorte. Jetzt liebe ich ihn aber noch tausendmal mehr. 🙂

    Beste Berlinessagrüsse bitte!!!!

  11. Regenbogen

    @Notquite,
    „diffuse Gefühligkeit“ würde ich das nicht nennen.
    Wenn Du mit genauem Hinsehen (ich beziehe das jetzt mal auf Menschen) meinst, daß man seinen Verstand nicht ganz ausschalten und den Charakter des anderen etc. erstmal gut kennenlernen soll – da stimme ich Dir absolut zu.

    Ich denke aber, daß Saint-Exupéry hier mit dem, was man mit den Augen sieht, eher die Oberflächlichkeiten meint, etwa die optische Schönheit (….paßt ja auch auf die Rosen).

    Ich persönlich kenne das halt von mir, daß (wenn auch nicht allzu häufig, da wähle ich schon gut aus) manche Menschen irgendwann ihren Status von „ist ganz nett, mag ich gut leiden“ auf „ist ein einmaliges Juwel unter meinen Zeitgenossen“ wechseln.

    Und was das Sich-sicher-sein angeht….
    der Fuchs, ja, der verkörpert ja sowas wie ne höhere Weisheit. Der kleine Prinz lernt viel von ihm; der ist sich nicht immer so sicher – und die Rose ganz sicher nicht, die macht bzw. hat ja viele (Charakter-) Fehler, die sie beim Abschied des kleinen Prinzen einsieht und bereut. Also, so 100 pro sicher….finde ich mit Ausnahme des Fuchses und irgendwo noch der Schlange nicht.

  12. Pia, danke für den Tip! Ich denke aber auch, man kann eigentlich seinem ganz normalen Geschmack folgen. Vielleicht vor dem Kauf nochmal dort gucken ob es schon besprochen ist. Habe übrigens gerade noch eins bei dem der Autor spricht und das ist gut gesprochen. (Verrate bald mehr. 😉 )

    Berlinessa, aber sicher, das mache ich!

    Regenbogen, ich meine eigentlich nicht, dass man den Verstand nicht ausschalten soll, sondern nur, dass sich genau hinsehen und -hören lohnt. Nicht nur verstandesmäßig, sondern auch gefühlsmäßig. Und auch nicht nur erstmal, sondern am besten (fast) immer. Im Rahmen des Buches paßt der Spruch schon, da wird ja völlige Gleichheit dem Augenschein nach unterstellt.

    Mit dem sich sicher sein, meinte ich: „Wer seid Ihr?“ „Wir sind Rosen!“ — „Wer bist Du?“ „Ich bin ein Fuchs.“ Mehr muss nicht gesagt werden, damit ist alles klar.

  13. Regenbogen

    @Not quite:
    Ja, wenn Du das so meinst – okay, das unterschreibe ich auch.
    Lohnen tut sich ein Hinschauen und -hören allemal, klar.

    Hm, das mit dem Sichersein kann ich jetzt dennoch nicht ganz nachvollziehen. Ich und sicher auch Du 😉 würde doch auch auf eine solche Frage antworten können: Ich bin ein Mensch.
    Mehr als die Zuordnung zu einer bestimmten Art ist doch da gar nicht geschehen.
    Was wir oft unter „Wer bin ich eigentlich?“ verstehen – die Vielschichtigkeit einer komplexen Persönlichkeit und so – ist doch im Buch gar nicht beantwortet worden?

  14. Regenbogen

    Versteh das aber jetzt bitte nicht falsch, woll – ist völlig okay, wenn Du das so siehst, wie Du es siehst!
    Dafür ist es ja auch gut, daß es so viele verschiedene Bücher gibt und so viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Geschmäckern. 😉

  15. Keine Sorge, ist alles okay zwischen uns.

    Du hast recht, die Vielschichtigkeit iener komplexen Persönlichkeit wird im Buch nicht beantwortet. Aber nach ihr wird nicht einmal gefragt. Die kommt gar nicht vor. Darum wird ja gerade die die Antwort: „Fuchs“, „Rose“ oder bei den Menschen: „Säufer“, „König“, „Reicher“ oder auch die „großen Leute“, also die Zuordnung zu ganz ganz groben, stereotypen Arten, als vollkommen passend und ausreichend behandelt. Mehr muss man nicht wissen, wenn es nach dem Buch geht. Das macht ja aber auch gerade den Reiz aus.

  16. Regenbogen

    Vielleicht erkennt sich aber mancher ja auch in mehreren der genannten Stereotypen wieder?
    Vielleicht steckt in manchen von uns ein Teil von mehreren der Figuren….

    Mich selbst hat z.B. ziemlich beeindruckt, was der kleine Prinz (sinngemäß, hab jetzt das Buch nicht zur Hand) zum Eitlen sagt: „Okay, ich bewundere dich – aber wozu nimmst du das wichtig?“

    Nicht daß ich eitel wäre (dazu besteht bei mir kein Grund, das wär dann keine Eitelkeit, das wär dann ein Irrtum 😉 ), aber ich halte mir das manchmal vor Augen, wenn es mir was ausmacht, von anderen blöd angeguckt zu werden….also, ich finde einfach, ich hab viel von dem Buch gelernt.

  17. Du hast Recht, es sind wohl Allegorien, die Menschen, Tiere und Pflanzen, die der kleine Prinz trifft. Wollte ja aber auch gar nicht sagen, dass es ein schlechtes Buch ist, ziehe nur andere vor. Gerade jedenfalls, denn das gibt es ja auch, dass ein Buch in einem bestimmten Abschnitt des Lebens wichtig ist und in anderen nicht.

  18. nqlb, das ist schwierig, weil ich es irgendwie doof finde, über ein Buch zu motzen, von dem andere schon gesagt haben, dass sie es mochten.
    Was fand ich also so furchtbar… Diese aufgesetzte Tiefgründigkeit. Der erhobene Zeigefinger. Und das Ganze dann sprachlich noch zum Schaudern…

    Dass Exupéry nach allem, was ich gelesen habe, wohl eher nicht der Typ war, der sich dieses kluge Getue anmaßen durfte, kann man ja EIGTL. dem Buch nicht anlasten – aber ich finde, das Buch zeigt genau das auf jeder einzelnen Seite.

    Ich mag da aber nicht so arg viel zu sagen, gibt ja genug Leute, die es mögen. Mir bringt das Buch zumindest einen Sortier-Vorteil 😉

  19. Ich verstehe die Zurückhaltung, freue mich aber, dass Du dennoch geschrieben hast. Außerdem finde ich, wenn man — so wie Du — sagt, warum, dann ist das kein doofes Motzen. Ich find’s interesant zu sehen was Leute an einem Buch mögen oder was sie abstößt.

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