Wie lebt man gut mit Schwerhörigkeit? Nochmal Evelyn Glennie

Mal ab von der Musik und dem Film — diese Frau ist einfach wahnsinnig erfolgreich und lebt offensichtlich genau so wie sie leben will. Was hat so eine zu sagen, was kann man von ihr lernen?

Schon im Film Touch the Sound kriegt man schnell den Kernpunkt mit: Klein-Evelyn spielte Klavier und wollte Musikerin werden, verlor als junges Mädchen große Teile ihres Gehörs. So dass der Ohren-Arzt dem stark schwerhörigen Mädchen sagte, Musikerin? Kind, das kannst Du vergessen.

Das hat das kleine Mädchen sehr verunsichert. Doch zum Glück hatte sie einen Vater, der sagte: Hörend oder nicht, sie wird tun, was sie tun will. Und Klein-Evelyn wurde zur weltbekannten Percussionistin.

Es klingt banal und vielleicht ein wenig naiv, aber ich glaube: Die Unterstützung der Eltern und Orientierung daran was man will, nicht was einem gesagt wird was man könne, sind das wichtigste. Ich glaube, man muss das immer wieder betonen. Denn niemand kann von vornherein sagen, welche Lebenswege unmöglich sind.
Darum finde ich es auch so schlimm wenn Menschen mit eingeschränkter oder gar keiner Audio immer nur auf die gleichen Jobs eingeschworen werden. Und gerade vorgestern ergab sich z.B. hier im Blog wieder so eine Diskussion, bei der ich fand, dass genau das im Hintergrund stand — obwohl es vordergründig um ganz Anderes ging.

Dazu kommen müssen natürlich noch eine Prise Realitätssinn und eine Handvoll Glück. Das ist das Rezept. Realitätssinn hieß in Evelyn Glennies Fall:  statt „nur“ Pianistin Percussionistin werden. Und Glück hieß, auf inspirierte Lehrer zu treffen (und vielleicht ein Stipendium, das ist mir nicht so ganz klar).

Auf Evelyn Glennies Website kann man einen Text namens Disability Essay lesen, eine Rede, die sie mal gehalten hat,  wenn ich recht verstehe für Lehrer oder Therapeuten:

How […] do the terms „disabled“ or „Deaf“ really apply to me? In short, they don’t, not even the „Hearing Impaired“ label works because in some respects my hearing is superior to the average non-impaired person. I simply hear in a different way to most people. Other people apply the categories, but to me and some others like me these particular categories are irrelevant.

Das ist der Kern ihrer Selbstwahrnehmung: Wenn es darum geht, was sie tun und lassen kann, wie sie sich fühlt oder was sie ist, dann fallen ihr nicht zuerst die Etiketten „behindert“, „schwerhörig“ oder „taub“ ein. Und genau das hält sie auch für den Keim ihres Erfolges. Dass sie ihr Gehör ganz ähnlich wie Normalhörende behandelt. Soll heißen: nicht weiter darauf herumreitet, welche Grenzen sie hat und wo sie liegen. Sondern sie gleichsam vergisst — und sich auf ihre ganz andersartige Stärke konzentriert, nämlich ihre Musikalität.

Nebenbei: Ich finde es auch reichlich unglücklich, dass ich im Zusammenhang mit der Grimme-Nominierung in vielen Berichten als „schwerhöriger Blogger“ zu Ehren zu komme. Dabei ist das, was hier gut und preiswürdig ist, ja gerade nicht, dass ich schlecht höre. Sondern dass und wie ich hier schreibe.

Like all other people, regardless of any so called „handicap“, there are certain jobs I can’t do due to my physical attributes. However, I can’t excel at hundreds of other jobs because I either don’t want to or I believe I am not sufficiently talented. How we categorise ourselves and where we fit in to our own framework of understanding leads the vast majority to the belief that they are unable to achieve the highest levels of attainment in their chosen field of endeavour.

Was man von Evelyn Glennie lernen kann ist: Selbstbeschränkung und die Konzentration auf die eigenen Schwächen können eine viel größere Behinderung sein als irgendwelche körperlichen Gegebenheiten. Ich kann dem gar nicht genug zustimmen. Sich dauerhaft auf die eigenen Schwächen zu konzentrieren macht schließlich nicht nur unglücklich, davon hat wirklich niemand etwas.

Es gibt nur einen Haken. Was ich oben „Rezept“ genannt habe, ist eigentlich keins. Denn das Ganze heißt natürlich nicht, und das sagt auch Dame Glennie, dass man die Schwächen ignorieren oder verleugnen könne. Den Luxus hat man nicht. Spätestens von anderen wird man wieder darauf zurückgeführt. Man muss sich schon damit auseinandersetzen. Und Strategien entwickeln, wie man mit den Problemen, die daraus erwachsen, umgehen oder sie vermeiden kann. Glücklich sind dabei diejenigen, deren Zustand gleich bleibt (wo sich also die Hörfähigkeit nicht ständig verschlechtert oder stark schwankt). Denn dann muss man das Ganze nur einmal machen. Und nicht immer und immer wieder.

Was man genau tun und lassen soll, ist  damit noch lange nicht beantwortet. Und dass es einfach wird, ist damit auch nicht gesagt. Man kann sogar scheitern. Nur — gibt es eine Alternative? Ich glaube nicht.

/2010/03/16/musikhoren-probiers-mit-ausziehen/
Advertisements

106 Antworten zu “Wie lebt man gut mit Schwerhörigkeit? Nochmal Evelyn Glennie

  1. Noch eine Voraussetzung, an die ich gestern abend nicht mehr gedacht habe, ist natürlich: Dass man sich auch ein bißchen ausprobiert, möglichst in jungen Jahren. Woher soll man sonst wissen, worin die eigenen Vorlieben und Stärken bestehen?!

  2. Irgendwie ist das mit der Berufswahl auch wieder so eine typische (aus meiner Sicht) Unlogik im Bezug auf gehörlose/schwerhörige Menschen wie bei der Sprache. Bilingualität ist für hörende Kinder gut, warum nicht auch für gl/sh/CI-Kinder? Hörende sollen ihren Beruf nach ihren Vorlieben und Fähigkeiten auswählen, warum nicht auch gl/sh Menschen?
    Klar, ausprobieren ist da wichtig und auch die nötige Unterstützung von Familie und so weiter. Ich versteh nur einfach nicht, warum für gl und sh Menschen oder CI-Träger andere Maßstäbe gelten sollten.
    Genauso würde ich es mit der Musik auch sehen. Meiner Meinung nach ist Musik eine persönliche Wahrnehmung (warum sonst würde es so verschiedene Geschmäcker geben). Also warum wird ausgeschlossen, dass eine gehörlose Person Musik als einen wichtigen Teil des Lebens wahrnehmen und Spaß daran haben kann? Und zu ihrem Beruf machen kann?

  3. Hallo,

    ich trage seit meinem 3. Lebensjahr Hörgeräte und ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie dafür gekämpft haben, dass ich zur „normalen“ Schule gehen konnte. Auch wenn es Musik-Lehrer ohne Verständnis dafür und die ein oder andere Hänselei gab, so bin ich doch heute froh, es so gemacht zu haben. Es macht einen ja auch selbstbewußter, wenn man versucht, sich nicht zu verstecken, sondern offensiv mit dem Thema umgeht. Mir hat´s sehr geholfen, dass meine Eltern immer zu mir standen und mich bei all meinen, teilweise abstrusen, Plänen unterstützt haben. Erzieherin wollte ich auch mal werden, aber ich heb noch nie gehört, dass es wegen der Schwerhörigkeit nicht gehen soll.
    Jetzt bin ich Orthopädieschuhmacherin und ganz froh, in all dem Lärm zwischendurch mal abschalten zu können.

    Liebe Grüße
    Jennifer

  4. Diese Musikerin kennegelernt zu haben, ist eine echte Bereicherung. Der Filmausschnitt von gestern hat mich auch sehr begeistert. Obwohl ich nicht weiß, ob ich wirklich anderthalb Stunden durchstehen könnte. 😉

    Ihre Statements zum Thema Behinderung und Normalsein werte ich als Vision, die jeder Mensch verinnerlichen sollte. Visionen haben nämlich eine magische Eigenschaft. Wirklich mit Leib und Seele verfolgt, neigen sie dazu, sich zu verwirklichen. Ich finde, das ist eine echt coole Vorstellung: alle Menschen mit niedergerissenen Grenzzäunen im Kopf, damit sie möglichst wertfrei anderen und sich selbst begegnen können. Mehr mit diesem buddhistischen achtsamen Blick. Sich auf Stärken und Ressourcen zu konzentrieren, macht überdies sowieso mehr Spaß.

  5. Ich habe mir gestern ein Blindenfußballspiel angesehen und war sehr begeistert, dass auch Menschen mit einer sogenannten Behinderung die Möglichkeit haben, ihre Leidenschaft für den Fußball auszuleben. Ähnlich ist es mit Evelyn Glennie: Sie ist Musikerin geworden, weil sie es wollte und weil ihre Eltern ihr keine Steine in den Weg gelegt haben. In ihrem Fall ist die Behinderung sogar eine Stärke, weil wir Westeuropäer häufig dazu neigen, Musik all zu kopflastig anzugehen. Bei Evelyn Glennie habe ich immer den Eindruck, dass sie mit dem ganzen Körper dabei ist, was sicher auch durch ihre spezielle Art des Hörens unterstützt wird.

    Ich kann zwar „normal“ hören und sehen, aber könnte mich durchaus auch als behindert bezeichnen, weil ich ohne Hilfsmittel nicht fliegen kann. Der Vorteil ist, dass alle Menschen mit dieser Behinderung leben müssen und sie somit nicht als offizielle Behinderung gilt. Ich finde, unsere Gesellschaft sollte sich mehr auf die Stärken der Menschen besinnen und nicht auf ihre Schwächen.

    Und wo Jennifer das Stichwort „Erzieherin“ einbringt: Ich kenne eine blinde Erzieherin. Ich hatte auch erst das Vorurteil: „Wie soll das denn gehen?“, aber im Gespräch habe ich erfahren, dass sie den Kindern etwas beibringen kann, was eine sehende Erzieherin nicht leisten kann: Die Kinder müssen Rücksicht auf ihre Behinderung nehmen, sie lernen schon im frühen Alter Verantwortung. Seitdem denke ich, dass es viel mehr blinde Erzieherinnen geben sollte.

  6. du hast im post etwas gesagt, was ich genau so empfinde und was mich immer wieder so traurig macht: Die Unterstützung der Eltern und Orientierung daran, was man will, nicht was einem gesagt wird, was man könne, sind das wichtigste. das fehlt eben bei so vielen eltern, nicht nur bei denen von schwerhörigen… – grundsätzlich auch nochmal meine uneingeschränkte bewunderung für alle diejenigen [wie eben auch dame glennie], die wirklich zu wollen und brauchen scheinen, was sie machen. da will ich auch hin.

  7. Rebhuhn, ich stimme Dir da voll zu, Eltern spielen eine verdammt große Rolle. Aber manchmal wächst man an den von ihnen gesetzten Widerständen auch erst in etwas viel Tieferes und Großartigeres hinein als es ohne diese möglich gewesen wäre. Es kann also auch eine Chance sein.

    Manchmal braucht man nämlich Grenzen, um über sie hinauszuwachsen. Wenn man es schafft, mit so einer tiefen Überzeugung den Eltern ein ‚Nein! Ihr irrt Euch!‘ entgegenzuschleudern, kann kein Kritiker der Welt mehr dagegen an. Klar, als kleines Kind ist man ziemlich schutzlos, und glaubt den Eltern alles. Aber wenn man älter wird, kann man sich auch „Ersatzeltern“ suchen, die als Vorbild und Unterstützer besser funktionieren. Könnte z.B. auch Glennie sein.

  8. Eule, letztlich sind das keine anderen Maßstäbe, genau. Aber vielleicht müssen GL/SH/CI ein bißchen flexibler sein. Evelyn Glennie als Pianistin kann ich mir z.B. nicht so gut vorstellen.

    Hi Jennifer, danke für Deinen Kommentar! Schön, Erfahrungen von anderen zu hören.

    Janice, ich glaube ich würde es nicht mal Vision nennen wollen, weil das so abgehoben klingt. Aber „Orientierung“ ist auch nicht besser, das stimmt. Hauptsache man hat eine.

    Jens, ja, das ist schon sowas gesellschaftlich-kulturelles ob man auf seine Stärken schaut oder eher grundsätzlich eher rumzukritteln geneigt ist. Übrigens, interessante Seite hast Du da.

    Rebhuhn, ja, Ich fühle mich auch wirklich sehr glücklich und bin dannkbar, dass ich die Unterstützung meiner Eltern hatte.

    Janice, Wackelpudding sollen Eltern natürlich nicht sein. Ich glaube es geht um so ein grundsätzliches Gefühl von Unterstützung.

  9. Pia Butzky

    Die hörbehinderte Musikerin Evelyn Glennie halte ich allerdings für eine der einsamen Ausnahmen, die es recht selten gibt, die ich sehr bewundere, die mir aber in meinem normalsterblichen Dasein nicht wirklich Maßstab sein können. Aber sehr viel Mut machen.

    Der körperbehinderte Sänger Thomas Quasthoff hat Hauptrollen auf der Bühne in klassischen Opern bravourös gespielt (eben nicht nur gesungen, sondern mit Ganzkörpereinsatz gespielt – was ihm vorher unmöglich schien). Es gibt Berichte von blinden Mount Everest-Besteigern und von querschnittgelähmten Rekordhaltern im Segeln und noch zig andere verblüffende Leistungen von einzelnen, die genau dort besondere Dinge geschafft haben, wo ihre Behinderung eigentlich das „Nein“ vorgeben würde.

    Aber völlig unabhängig von Behinderung oder nicht gibt es auch viele mittel- bis dunkelgrau belichtete Menschen, die keine besondere Begabung haben, bei denen es einfach nicht funkt. Für die sind die Ausnahmemenschen nicht wirklich eine Vorgabe, ein Beweis für „es können“. Völlig wurscht, ob nun behindert oder nicht – nur mal so grundsätzlich gesehen.

    Ehrlich: Aus mir wird keine tolle Musikerin, echt nicht. Null Begabung. Da nützt mir die tolle Evelyn Glennie überhaupt nüscht … und meine Taubheit nur so viel, dass ich meine schlimmschrägen Töne selbst nicht zu hören muss.

  10. Das Argument, liebe Pia, will mir nicht einleuchten. Geht doch hier nicht darum, dass man Weltklasse werden müsste. Es geht nicht um lauter kleine Evelyn Glennies. Sondern um das Muster und was einen weiterbringt. Ich glaube das gilt genauso wenn man keine besondere Leuchte ist.

  11. Pia Butzky

    Doch doch, es geht schon darum, eine besondere Begabung, einen Lebenstraum oder eine innere Energie umzusetzen. Nur dann stellt sich ja überhaupt die Frage, ob man sich von der Behinderung behindern lässt. Wenn diese Begabung – oder auch ein intensives Interesse an etwas – gar nicht vorhanden ist, stellt sich die Frage auch nicht, wie man Hürden überwindet oder Türen in Wänden findet (hui, reimt sich).

    Das meint: Wenn ich gar keine Ambitionen habe, bemerke ich auch keine Behinderung. „Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht.“ (Alter linker Spruch.) Wenn die Frau Glennie sich nicht aus sich selbst heraus für Musik und Rhythmus interessieren würde (innerer Drang, Begabung), würde sie vielleicht irgend einen anderen Beruf machen, der nicht so überraschend konträr zur Hörbehinderung steht. Und würde vielleicht auch eher darum herum lavieren, also etwas tun, was vielleicht typischerweise „passt“.

    Meine Überzeugung ist: Menschen mit besonderen Zielen und Talenten wachsen auch (und besonders dann?) in ganz widrigen Umständen, sogar entgegen negativer Elternhaltung und schlechten Ausgangsbedingungen. Und Menschen ohne diese innere Energie bringen es einfach nicht, trotz vorbildlicher Förderung von Eltern und besten unterstützenden Ausgangsbedingungen.

    Denn: Entweder es zündet innerlich oder es zündet nicht.

  12. Pia Butzky

    @ Du, Identitätskrisen-Beethoven, das macht mich jetzt aber nachdenklich:

    „Nebenbei: Ich finde es auch reichlich unglücklich, dass ich im Zusammenhang mit der Grimme-Nominierung in vielen Berichten als „schwerhöriger Blogger“ zu Ehren zu komme. Dabei ist das, was hier gut und preiswürdig ist, ja gerade nicht, dass ich schlecht höre. Sondern dass und wie ich hier schreibe.“

    Mmmh. Wenn du nur gut bloggen = schreiben würdest, honey, wärest du einer von sehr vielen. Dass du aber das Thema Schwerhörigkeit zum Kern gemacht hast und gleichzeitig eigenwillig beobachten und interpretieren kannst, das, mein Bester, macht sich zum einzigartigen Blogger mit Preisanwärterschaft.

    Wieso spaltest du das?
    Gehört doch zusammen.

  13. @not quite like beethoven: Ich habe gerade darüber nachgedacht, dass Menschen mit Hörbehinderung ja leider nichts vom Hauptbestandteil meiner Website, nämlich dem Audio-Podcast, haben. Und da kam mir die Idee, ich könnte dessen Inhalt vielleicht zusätzlich in Textform veröffentlichen, damit auch Hörbehinderte etwas davon haben.

    Ich weiß noch nicht, ob ich das umsetze, aber danke jedenfalls, dass du mich indirekt auf die Idee gebracht hast. Dafür hättest du eine Grimme-Nominierung verdient! Ach, hast du ja schon bekommen… 🙂

  14. Jens, machs 😉

    Hmm, ich bin grade ziemlich platt (zu viel Sport), aber ich denk mir halt: Schön, solange die eigenen Begabung nicht eine hochgradig kommunikative ist. Ansonsten gibt es halt viele Dinge, für die man fürchterbar begabt sein kann, wo man Neigung usw. hat – aber irgendwo gibts dann einfach Hindernisse, die subtiler sind als die Entscheidung Piano vs. Percussion. Im Übrigen ist ja auch dieses „Ok, werd ich eben Percussionistin“ auch ein „drumrum lavieren“, wenn man so möchte.
    Hmm, ich weiß nicht, ob ich das jetzt so toll erkläre, was ich sagen will, aber ich denke halt: Warum heißt es bei ihr „Ziel erreichen“ (und trotzdem darf man ja nicht sagen), obwohl sie ja eigtl. ursprünglich was anderes tun wollte (und wenn es nur die Wahl des Instrumentes ist) – bei anderen Leuten in profaneren Berufen ist es dann aber gleich ein Ausweichen? Vielleicht kanalisieren die ihre Talente eben auch einfach anders. Und macht das nicht eh jeder? Kompromisse eingehen? Mit eigenen Stärken abgleichen? Ich finde solche Aussagen (wenn auch vermutlich nicht so gemeint) ein bisschen, hmm… Anmaßend.
    Was ich mich auch frage… Was sind genau typische Schwerhörigen-Berufe? Bei Blinden waren es ja Rechtsanwalt und Besenbinder, aber bei Schwerhörigen? Das Einzige, was mir persönlich aufgefallen ist, ist, dass viele SHs richtung SH-Pädagogik, Lehramt an Schwerhörigen-Schulen usw. gehen. Ach so, wenn jemand IT sagt: Auch da brauchts so dermaßen viel Kommunikation und Absprachen, selbst als SysAdmin kommt man da nicht drum rum. Und genau das denk ich eben: Es gibt so wenig Berufe, die wirklich ein (sehr) gutes Gehör erfordern – aber kaum einen Beruf, der ohne Kommunikation abgeht.

    So, das war jetzt der Chaos-Beitrag des Tages, aber mein Blut wird glaub ich grade anderweitig zur Regeneration ziemlich gequälter Muskeln gebracht 😉

  15. @ Pia, ich verstehe Deine Argumente, aber wenn Du Deine Talente als große Begabung ansehen könntest, würde das abgehobene Beispiel von Frau Glennie vielleicht gar nicht mehr so abgehoben sein. Ich bin z.B. recht unmusikalisch. Ich singe aber trotzdem gern. Wenn mir Singen so wichtig gewesen wäre, hätte ich sicher an meiner Unmusikalität gearbeitet und geschaut, welcher Weg sich auftut. Nun haben mir meine Eltern auch noch gesagt: Singen ist eher was Privates. Sie haben mir den Spaß daran nicht genommen, aber sie haben auch nicht wahrgenommen, dass der Spaß daran ein Indiz dafür ist, dass es vielleicht doch eine versteckte Musikalität gibt. Wenn man all das berücksichtigt, kann ich gar nicht bei dem Satz bleiben: Ich bin recht unmusikalisch, sondern ich müsste sagen: Ich weiß nicht, ob ich musikalisch bin, denn ich habe nie versucht, es herauszufinden. Ob das nun an meinen Eltern allein liegt? Denke nicht. Aber es liegt an den verinnerlichten Glaubenssätzen, die maßgeblich von ihnen geprägt wurden.

    In punkto Musik haben die mich nie sonderlich behindert. Ich bin ja jeden Tag aufs Neue frei, herauszufinden, ob diese Sätze stimmen. Aber bei anderen Dingen haben mich diese Glaubenssätze ziemlich behindert und manchmal auch in eine Lebensrichtung getrieben, die ich im Rückblick als Umweg auf dem Weg zu meiner Persönlichkeit werte. Das macht mich manchmal ziemlich traurig. Nicht wegen der Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, sondern wegen der Nicht-Wertschätzung meines Ichs. Und wegen der Ängste, die ich deswegen habe. Denn nun habe ich bei meinen Herzenswünschen manchmal Angst vor dem Urteil der anderen. Um dieser Angst Kraft zu entziehen, dafür sind „Ersatzeltern“ gut. Und solche Ausnahmetalente als Vorbilder oder Kraftgeber, wie Dame Glennie oder behinderte Sportler. Aber auch z.B. meine Oma, die nie was „Besonderes“ gemacht hat, aber mit ihrer herzlichen Art oft meine letzte Rettung war. Frag die mal, ob sie ein besonderes Talent hat, dann sagt sie glatt: nö. Stimmt aber nicht. Fragst Du mich das gleiche über meine Oma, fallen mir zig ein. Vielleicht würde sie heute anders über sich denken, wenn sie ihren Wunschberuf hätte machen können. Trotz der vielen Wenns und Abers, die das damals verhindert haben. Das erzählt sie mir heute noch: „Wenn damals der Scheiß-Hitler nicht gewesen wäre…!“ Das ist zwar ein irre starker Grund, vielleicht von seiner Negativ-Wirkung ähnlich, wie eine Behinderung, was ich aber nicht beurteilen kann, weil ich beides nicht persönlich erlebt habe, aber ich behaupte mal, es gibt in jedem von uns Kräfte, die stärker sind, als diese Gründe. Wie man die zum Zug kommen lässt, dafür gibt’s bestimmt so viele Wege wie Menschen. Ich glaube aber ganz fest dran, dass das im Prinzip jeder hinkriegen kann.

  16. Kleiner Nachtrag: Ich rede nicht davon, dass man sich an Wunschberufen festbeißen soll, die nun mal unrealistisch sind, sondern an der Energie, die dazu führt, dass es dieser Wunschberuf ist. Also, wenn mein Wunschberuf z.B. Model ist, ich meine Beine aber nicht verlängern kann und ich deswegen nun einmal keine Chancen habe, kann ich das glauben oder auch nicht. Nachdem ich es versucht habe, werde ich feststellen, dass es trotzdem geht oder auch nicht. Wenn es nicht geht, kann ich immer noch Handmodel werden. Oder Schauspielerin. Oder irgendetwas anderes, wo ich mich verkleiden, schön aussehen und etwas darstellen kann. Dann wäre nach meinem Verständnis der Herzenswunsch trotzdem erfüllt.

  17. Pia Butzky

    Hi, Emmi. Doch doch, es gibt typische Schwerhörigenberufe, die auch Jugendlichen oft in der Berufswahl vorgestellt werden: Küchenhilfe in Kantinen und Großküchen, Drucker und Druckereifacharbeiter, Facharbeiter in lauten Maschinenhallen (oder Bergwerk oder Bau oder Handwerk ) zum Beispiel. Das sind immer schon Berufe in lauter Umgebung und mit wenig Kommunikation gewesen. Dort wird sowieso mit Handzeichen oder Zetteln hantiert, und die Arbeitsphasen sind so routiniert oder standardisiert, dass keine langen Diskussionen, Meetings, Teamrunden nötig sind. Dabei sind das durchaus auch fachlich anspruchsvolle Tätigkeiten, aber nur unten* in der Produktion. Entscheiderebenen stehen den Leuten kaum offen.

    (*unten meint: Wir haben in der modernen Arbeitswelt eine allgemein negative Gewichtung der früher angesehenen manuell produktiven Tätigkeiten, also Handwerk und Facharbeit. Produktion ist deklassiert gegenüber jeder Art von Management, Consulting, Controlling, wo viel geredet und wenig erschaffen wird. Finde ich persönlich gefährlich unausgewogen, aber das ist ein gaaanz anderes Thema. )

    Im Büro und Kundenverkehr/ Verkauf: Hier sind hochgradig Schwerhörige täglich enorm ausgebremst. Aber das kann je nach Hörtechnik mittlerweile auch wieder ausgeglichen werden, siehe einiges dazu hier in nqlbs Blog. Gesprächslastige Tätigkeiten sind aber für Gehörlose, die gar keine Lautsprache beherrschen, nicht machbar.

    Jetzt frage ich mich, (wie du ja auch schon), ob es ein Ausweichen ist, wenn jemand beispielsweise einen handwerklichen Beruf ausübt, der nicht kommunikationslastig ist, aber seinen/ihren Fähigkeiten entspricht. Und gleichzeitig auch das Hörproblem umgeht, weil 95% der Arbeit ohne Kommunikation zu schaffen ist.

    Hier schließt sich der Kreis: Man hat ja noch einige weitere Fähigkeiten jenseits des Hörens, die stärker bestimmen sollten, was man tun möchte (sagt nqlb ganz oben). Manches kollidiert schon mal mit der Hörfähigkeit, aber manches auch nicht. Wenn Kollision: Dann wird es interessant, ob man sich durchbeisst und kreative Lösungen für „Unmöglichkeiten“ findet oder ob man das als Grund nimmt, zu sagen: „Ach schade, dann geht es eben nicht.“

    Kennt ihr das auch:
    Während man selbst noch nach cleveren Lösungen sucht, ist die liebe Umwelt schon dabei, aufzugeben! Die sind ängstlicher und bequemer als wir. Dagegen agiert wohl auch die Frau Glennie mit ihrem Apell an Pädagogen und Eltern.

  18. Pia Butzky

    @ Janice: „Das erzählt sie mir heute noch: `Wenn damals der Scheiß-Hitler nicht gewesen wäre…! ´ Das ist zwar ein irre starker Grund, …“

    Gut gesagt, ich muss soo lachen. Trifft es auch wohl sehr gut. Denn egal zu welchen Zeiten oder Bedingungen man lebt: Man findet außen immer einen Grund für einen Verzicht, den man innen selbst entschieden hat. Aber manche Umstände sind wirklich eine harte Betonwand: Krieg, Armut, Analphabetismus, Rassismus und Zugangssperren zu Bildung. Wenn man aber bemerkt, dass es darin immer Einzelne gibt, die innerhalb dieser miesen Situationen etwas aufbauen, ist man tief beeindruckt!

    Nicht lachen: „Eltern“ scheinen eine sehr weit verbreitete Behinderung zu sein. 😉
    Hatte ich auch mal. Bin aber jetzt geheilt, seitdem ich meine eigenen Dinge nicht mehr meinen Eltern in die Schuhe schieben kann. („Die hätten mich mehr fördern sollen, die haben dies und das bei mir falsch gemacht …“) Das wehleidige Gejammer über „Eltern“ kann ich mir bei einigen Leuten in meiner Umgebung nicht mehr anhören. Hat nichts mit Akustik zu tun. Da fehlt mir das Verständnis …

  19. @ Pia: Denn egal zu welchen Zeiten oder Bedingungen man lebt: Man findet außen immer einen Grund für einen Verzicht, den man innen selbst entschieden hat.

    Dat isses, was ich meinte. Und ich finds auch völlig ok, wenn dieser Verzicht stimmig ist und das eigene Leben nicht mit Bitterkeit füllt. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof, gell?! Aber wir haben nun mal nur diese eine Chance. Und da wärs halt echt schade, die nur mit Trübsal blasen wegen der bösen Anderen, zu vergeuden. Gelegentliches Trübsal blasen ist aber ziemlich wichtig, finde ich. Und Aufstehen noch wichtiger. 😉 So, und jetzt hör ich auf zu missionieren.

  20. Pia Butzky

    Ja, genau. Auch ein Verzicht ist eine Entscheidung, zu der man stehen kann (und sollte). Wo du weiter oben vom Modeln mit zu kurzen Beinen sprichst: Auch hier findet sich ja das einzigartige Model mit den Beinprothesen, das bzw. die vorgemacht hat, wie man ganz ohne Beine auf dem Laufsteg präsentiert – hochprofessionell. Es gibt also doch manchmal „Türen in Betonwänden“. Oder dann eben den Weg aussen rum. Egal.

    Mach es. Kate Moss ist viel zu klein und hat O-Beine. Und? Ist die etwa erfolglos?
    😉

  21. Haha, Pia! Ich WILL das doch gar nicht! Ich was ganz anderes!

  22. Sollte natürlich heißen: Ich will was ganz anderes! (Nämlcih fehlerfrea tipsen!) 🙂

  23. Pia Butzky

    Wieso schreibst du dann lang und breit vom Modeln, wenn du es gar nicht willst? Rätselhaft. Was willst du denn? Im Ernst. Bist du denn in irgendeiner Weise eingeschränkt, also körperlich oder sonstwie? Musst du „durch Wände“?

    Lass doch mal hören bzw. mach doch mal die Tür auf …

  24. Liebe Pia, vielen Dank für Dein ehrliches Interesse. Das Modeln war echt nur ein Beispiel, was mir gerade so einfiel, weil ich wirklich ziemlich kurze Beine habe. Ich bin körperlich oder sonstwie gar nicht eingeschränkt. zumindest nicht offensichtlich. Ich führe ein ziemlich zufriedenes und bodenständiges Leben. Nix Besonderes. Aber: Ich habe eine schwerhörige Mutter, die ihre selbst empfundenen Grenzen ziemlich uneingeschränkt irgendwie an uns Kinder weitergegeben hat: nicht auffallen, das tun, was die anderen wollen, sich selbst zurücknehmen. Ihr werdet das kennen, diese ganzen psychischen Muster, die entstehen, wenn man Angst vorm Scheitern hat. Ich werfe ihr das nicht vor. Aber ich versuche mich immer noch davon zu befreien. Ein Symptom dieses „Eiertanzes“ war, dass ich drei Berufe gelernt habe, bis es der Richtige war. Im Nachhinein betrachtet, war es von Anfang an klar, was ich werden musste: das was ich jetzt geworden bin. Aber ich habs mir halt immer ausgeredet, weil ich mich für unfähig gehalten hab. Deswegen fühle ich mich hier in diesem Thread auch ganz gut aufgehoben.

  25. Pia Butzky

    Ah ja. Verstehe.
    Ich war auch lange im Selbstzweifel gefangen, als ich noch jung, körperlich fit und geistig wach war. Selbstzweifel kann man als eine erhebliche Behinderung sehen, stimmt!

    Hier kommt der Punkt, wo eine plötzliche Einschränkung, der Schuß vor den Bug, eher eine Stärke als eine Behinderung ist.

    Denn als dann meine körperliche Behinderung hammerhart als Hörverlust und Ertaubung einsetzte, änderte sich mein Selbstzweifel. Ab dann ging es nur noch darum: „Wie komme ich weiter auf dem schmalen Grad durchs Hochgebirge?“ Bildlich gesprochen. Ein Fuß vor den andern. Nicht grübeln, nicht umherschauen. Weiter, langsam, aufmerksam.

    Man hat einfach eine gerade Linie vor sich, wenn man Hürden nehmen muss und rechts und links eingeschränkt ist. Dann kann man nicht mehr weglaufen. Dann kommt Stärke. Also keine schwarzeneggersche Kraftmeierei, wohlgemerkt. Stärke ist nämlich zum Beispiel: Beharrlichkeit. Dran bleiben, einfach geduldig bleiben. Erfolge sehen, die man vorher für zu klein gehalten hat. Aus Fehlschlägen clever lernen anstatt sich schlecht zu bewerten. Und vieles mehr.

    Nicht lachen:
    Manchen Leuten könnte man den „Schuß vor den Bug“ auch als Heilmittel empfehlen, also quasi ein „therapeutisches Behindertsein“.
    *augenzwinker*

  26. Pia, das ist eine richtige Mutmach-Geschichte! Du schreibst das sehr schön mit dem Gebirgspfad. Das kann ich mehr sehr gut vorstellen.

    Schüsse vor den Bug sind vielleicht für einige genau richtig, andere brauchen wieder was anderes. Aber Du hast recht: sie rütteln wach, diese Einschnitte.

  27. Pia Butzky

    Übrigens: Wie sprecht ihr zuhause, wie kommunizierst du mit deiner Mutter? Ist sie von klein auf hörbehindert?

    Mir ist im Bekanntenkreis schon mal aufgefallen, das die von Geburt an Schwerhörigen, die in einem durchaus behüteten Umfeld aufwachsen, genau diese Anpassung früh lernen und auch nie als negativ empfinden.

    Ich verstehe das auch ein bischen.
    Es gibt einfach keinen Grund zur Revolte, zur Kritik, zu Ablösung und Distanz. Man erlebt die Umwelt als Ratgeber und wichtige Förderer oder Dolmetscher, Infoquelle oder Berater. Gegen die möchte man auch gar nicht angehen, warum auch?

    Aber aus meiner „Außen“-Sicht ist es doch sehr angepasst, passiv abwartend, immer lieb, aber auch konturlos. (Oder ich schaue nicht wirklich hin … kann auch sein.)

  28. Hmm, ja, sehr guter Punkt. Man findet echt IMMER was, was einen gehindert hat, dies und das zu tun. Wobei ichs auch wieder schwer finde, daraus nicht den Umkehrschluss zu ziehen: Ich finde durchaus nicht, dass jeder ALLES tun kann – und mit DSDS hat man ja recht plakative Beispiele dafür, dass so eine Denke auch mal schiefgehen kann 😉
    Mir persönlich ist es halt lieber, Dinge zu versuchen und vielleicht zu scheitern, als immer nur auf Nummer sicher zu gehen.

    Pia, ich bin gerade ECHT froh, dass du das ansprichst, weil mir das mal wieder klarmacht, wie sehr ich in meiner Studentenwelt lebe. Klar hab ich auch an Ausbildungsberufe gedacht, aber irgendwie nur wenig an die klassischen manuellen Sachen (ich stimme dir aber mit deinem kleinen Exkurs, den du nicht weiter ausführen möchtest, sehr zu). Darüber hinaus ist gerade das auch eine Art von Arbeitsplatz, die immer seltener wird. Und die technischen Möglichkeiten sind heute bedeutend besser als vor 20, 30 oder gar noch mehr Jahren. Schon allein deswegen kann man sich das eigtl. gar nicht mehr leisten, Leuten so ein eingeschränktes Blickfeld auf die Berufswahl zu geben.

    Liegt vielleicht an meinem Berufszweig, aber ich krieg zum Beispiel oft zu hören „Naja, Führungspositionen sind für Schwerhörige ja nicht drin“ Ich glaube, deswegen würde mich ein/e Schwerhörige/r in gehobener Position in einem größeren Unternehmen viel mehr beeindrucken als eine Evelyn Glennie (so toll sie auch sein mag). Mich macht dieses „Geht eh nicht!“ irgendwie stinksauer.
    Zumal ich ja persönlich der Meinung bin, dass die wenigsten Menschen für Führungspositionen gemacht sind und den wenigsten klar ist, was sie eigtl. für eine Verantwortung haben. Aber ok, auch darum geht es gerade nicht.

  29. Ach, noch was: Aus meiner Sicht muss man sich auch nicht unbedingt im Beruf verwirklichen. Es ist doch total legitim, einfach nur arbeiten zu gehen. Nicht jeder hat das Bestreben, in seinem Beruf total aufzugehen. Soll Leute geben, die einfach arbeiten gehen wollen, von 8 bis 17.00, am Ende des Monats kommt Geld aufs Konto, fertig. Ist doch okay?

    Ich hab das Gefühl, es gibt nur noch zwei Extreme, die man am besten auch noch verbindet: Der Beruf muss ganz supertoll zu allen Aspekten der eigenen Persönlichkeit passen, Spaß machen UND man muss sich da total reinhängen.

    Das andere: Selbstverständlich lernt oder studiert man etwas, das für die Industrie usw. von bestmöglichem Vorteil ist.

    Und die Könner unter den Könnern verbinden das Ganze auch noch.

    Ähm, ist klar. Und die Arbeitgeber freuen sich, weil die halbe Welt ganz freiwillig sich selbst und Lebensläufe verbiegt, um möglichst reibungslos in die Abläufe zu passen – und weils ja so erwartet auch noch freiwillig Überstunden macht, Klamotten in den Farben des Corporate Designs trägt und am besten die Firma als Familie empfindet… Besser KANNS ja gar nicht laufen für nen Arbeitgeber (okay, DAS ist jetzt echt weg vom Thema *g*).
    Wie immer ist eh klar: Wenns halt einfach so IST, dass alles zusammen passt, dann ist das natürlich total okay 😉

  30. @ Pia: Meine Mutter ist durch ein Geburtstrauma hörbehindert. Das wurde spät diagnostiziert. Hörgeräteanpassung ging daneben. Danach hat sie 50 Jahre (!) ohne Hörgerät gelebt. Der Arzt meinte nur, es sei ein Wunder, dass bei ihrem Sprachverständnis überhaupt normale Gespräche zustande gekommen seien. Jetzt hat sie Hörgeräte und kommt auch ganz gut zurecht. Wir unterhalten uns ’normal‘, d. h. ich rede möglichst laut und langsam und sie fragt nach, wenn sie was nicht sicher gehört hat.

    @Emmi: Ja, DSDS ist ein gutes Beispiel kolossaler Selbstüberschätzung. Aber ich behaupte mal, dass 80% der Teilnehmer damit nicht ihrem Herzenswunsch nachgehen, sondern dass sie glauben, dass sei „ihre einzige Chance“. Toll! Ausgerechnet vor 80 Mio. potenziellen Zuschauern und vis a vis mit Dieter B. Keine gute Idee.

  31. Pia Butzky

    „… deswegen würde mich ein/e Schwerhörige/r in gehobener Position in einem größeren Unternehmen viel mehr beeindrucken als eine Evelyn Glennie … “

    GENAU. Das ist es. Bei dem Blick auf die exotischen Ausnahmepersonen werden die unsichtbaren Helden im Beruf kaum wahrgenommen, aber die machen mir am meisten Mut! Ich kenne einen von Geburt an hochgradig schwerhörigen Ingenieur, der eine verantwortliche Position bei einem großen Energieversorger ausfüllt. Bewundere ihn zutiefst. Mag mir kaum vorstellen, was für eine Leistung allein schon das Studium war …

    Oder dass unser-aller-beethoven hier in Harvard war: Unglaublich. (Gebt ihm den Grimme, aber mal fix!)

    Oder icke: Selbstständig. Ausgerechnet ich Angsthase. Und wusste vorher gar nicht, dass ich das kann. Hatte keine Ahnung, dass ich den Kopf dafür habe, das zeigt sich erst jetzt mittendrin beim Machen.

    Hau rein, Emmi. Du merkst erst, was du kannst, wenn du es angehst und dir einfach keine Angst machen lässt. Man lernt Radfahren durch die vielen Stürze am Anfang. Umfallen ist wichtig! Sagt auch die Hirnforschung übrigens.

    SUCHEN ist wichtig. Deine Berufsversuche sind bereits DEIN Ding, sind wertvoll für DEINE Entscheidungen. Nicht jammern. Lass deine beeindruckende Mutter da raus. Sie hat immens viel richtig gemacht, das wirst du mit 40 oder 50 erst merken. Und Frieden schließen …
    😉

    So, jetzt auf in die Pfingsttage!
    Bis bald wieder, Emmi!
    Freue mich.

  32. Pia Butzky

    Ach, sorry, Janice und Emmi, jetzt habe ich euch verwechselt bzw. die Namen.

    Also JANICE, du merkst schon, was ich dir sagen wollte? Mach deine Mutter nicht zu einer Behinderung. 😉

    Sorry wegen dem Durcheinander.

  33. „Bei dem Blick auf die exotischen Ausnahmepersonen werden die unsichtbaren Helden im Beruf kaum wahrgenommen, aber die machen mir am meisten Mut!“

    Der Satz bringt das auf den Punkt, was ich gestern mit meinem Geeiere sagen wollte 😉
    Und ich bin schon Einiges angegangen, wovon nach dem Abi sicher niemand (und am wenigsten mein Mathelehrer) gedacht hätte, dass ich das durchziehe. Ich hab zum Beispiel ein technisches Fach studiert und hab einen extrem guten Abschluss gemacht. Aber ich finds oft schwer, sich da von anderen Schwerhörigen nicht runterziehen zu lassen, die einem erzählen, was alles nicht geht. Ich würd das gern selbst rausfinden, danke. Und ich fange dann oft an, mir im Vorfeld zu viele Gedanken zu machen und das zu glauben, was mir Leute, die ja schon viel mehr Berufserfahrung haben, so erzählen.
    Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass das gar nicht so sehr was mit einer Behinderung zu tun hat, sondern damit, dass viele Menschen nicht zufrieden mit dem sind, was sie so erreicht haben. Andere von vornherein klein zu reden kommt ja leider oft genug vor.

    Sodele, bis dann, euch allen auch schöne Pfingsten, ich MUSS jetzt das tolle Wetter genießen, bevors wieder vorbei ist 😉 Bis bald, ihr alle, bis bald, Pia 🙂

  34. Haha, ich hab mich schon gewundert 😉 Macht nix, konnte ich mich wenigstens mal kurz ein bisschen profilieren (klingt ja netter als angeben :P) *g*

  35. Ja, habs gemerkt und mich auch gewundert. *Wink zu Emmi*. Pia, hätte ich diese Worte vor 10 Jahren gehört, hätte ich mich voll ertappt gefühlt. Aber jetzt gehts schon ganz gut. Ich arbeite zwar noch Details auf, aber das große Ganze stimmt schon. Trotzdem danke fürs ‚Zurechtrücken‘.

  36. not quite like beethoven unterwegs

    Habe mich gerade ganz fasziniert durch Eure Kommentare gelesen. Das ist toll, spannend und lehrreich! Ich freue mich wirklich, dass Ihr hier schreibt! Wollte ich nur kurz durchgeben, wenn ich schon gerade keine Zeit hab, was hinzuzufügen.

    Nur zu dem einen mit der „unglücklichen Berichterstattung“: Pia, man kann’s nicht trennen wohl aber unterscheiden. Und bei manchem Bericht fand ich’s halt ein wenig einseitig. Ist aber wirklich nur so eine Nebenherbeobachtung.

  37. Das Thema, worum es geht, sind die Grenzen. Grenzen, die einem gesetzt werden, egal ob man behindert ist oder nicht, sie werden nun einmal gesetzt. Solche Grenzen gibt es durch psychische und physische Faktoren, aber auch Talent und Begabung im allgemeinen.
    Die Gesellschaft lässt im Allgemeinen aber Individuen nicht ihre Grenzen erfahren, sie ausleben, warum auch immer. Oft ist es Neid, Angst oder schlicht Unwissen. Wenn Eltern ihrem Kind beispielsweise einem Kind verbieten, eine Gesangskarriere einzuschlagen, erfährt keiner der Beteiligten, was das Ergebnis davon sein könnte. Das heisst aber auch, dass sehr oft auch das Potential solcher Wege nie gesehen wird. Das ist natürlich ein plakatives Beispiel und ich propagiere nun auch nicht, dass jeder versuchen soll, einen Bon Jovi zu werden, nein es geht darum, zu zeigen, dass oft einfach verhindert wird, Grenzen zu erfahren.
    Bei Menschen, die nicht einer funktionalen Norm entsprechen, also oft allein deswegen ge-hindert werden, weil sie „behindert“ sind, geht das zum Teil so weit, dass Fachleute meinen, sie müssten – plakativ gesprochen – in Watte eingepackt werden, damit sie es nicht noch schwerer hätten. Tatsächlich haben es sie aber gerade dadurch schwerer, weil sie ihre individuellen Möglichkeiten trotz ihrer Behinderung nicht explorativ erforschen können.
    Ich selber bin Gehörlos – und kann trotzdem telefonieren. Naja, nicht, dass ich in einem Call-Center arbeiten könnte und wenn ein normalhörender Mühe hat zu telefonieren (Lärm, schlechte Verbindung, murmelnder Gesprächspartner etc), dann kann ich es gar nicht.
    Gehörlos sein und telefonieren, ein Widerspruch, nicht wahr? Ja, das konnte ich auch nicht von heute auf morgen, sondern ich habe es halt jahrelang gelernt, aber ich hatte das Glück, dass meine Familie da nicht daran gehindert hatte, sondern mich unterstützte.

    Abschliessend zum Wort „Behindert“. Mit dem Wort an sich habe ich kein Problem, aber es zeigt auf, wie die Gesellschaft implizit über uns denkt. Wir sind eingeschränkt gegenüber dem „normierten Menschen“, das stimmt. In den meisten Fällen aber könnten wir dasselbe machen wir der normierte Mensch, wenn wir nur nicht daran gehindert würden, in dem wir beispielsweise keine Treppen vor dem Zivilstandsamt hätten, wo vielleicht auch mal Rollstuhlfahrer amtlich heiraten möchten, keine Treppen vor Regierungsbehörden, denn es könnte sein, dass auch Rollifahrer gewählt würden… (diese Liste liesse sich unendlich lange fortsetzen und natürlich habe ich hier wiederum ein plakatives Beispiel genommen, trotzdem schliesst Analoges auch meine Behinderung ein)

  38. @Emmi: Ich hab’s wirklich gemacht. Heute um 10 Uhr gibt es meine erste Podcast-Folge mit Transkription für Hörbehinderte. Wehe das liest jetzt keiner.

    Ich muss jetzt erst mal Schlaf nachholen. 😉

  39. Pia Butzky

    @ Jens: WOW! Danke für die Mühe.

    @ eyeIT: „Gehörlos und trotzdem telefonieren“ verstehe ich nicht. Ich bin komplett taub ohne CI und kann so ganz sicher nicht telefonieren. Null. Das bezeichne ich als „gehörlos“. Absolut NICHTS hören. Null. Mit meinem CI bin ich hörbehindert und kann genau das, was du beschreibst, also telefonieren unter bestimmten Voraussetzungen und nach langer Übung.

    Finde ich sehr irritierend, wenn du noch Hörreste hast, die zum Telefonieren ausreichen, aber es „gehörlos“ nennst. Vermutlich bist du dich eher hochgradig schwerhörig? Dann weißt du allerdings nicht, wie es ist, wirklich NICHTS zu hören. (Wird dir hoffentlich auch nie passieren.)

    Freue mich, wenn du das aufklären kannst. Bin neugierig.

  40. Hallo Pia,

    ich setze hochgradige Hörbehinderung mit Gehörlosigkeit gleich. Das, was Du mit „gar nichts hören können“ meinst, ist Taubheit. Ich stütze mich da vor allem auf die medizinische Definition ab, weil alles andere sehr ungenau ist und keine Klarheit bringt. Gehörlos ist auch, wer CIs trägt, wie ich.
    Man muss sich vor den Augen halten: Nur ein kleiner Prozentsatz aller Gehörlosen ist wirklich taub. Das sind vor allem jene Leute, die beispielsweise keinen Hörnerv haben, womit sie weder ein Hörgerät noch ein CI nutzen können. Theoretisch könnten sie noch vom ABI profitieren, das aber noch in einem frühen Entwicklungsstadium steckt. Dann gibt es natürlich allgemein die Gruppe, die nicht von einem CI profitieren könnten (aber theoretisch noch einen winzig kleinen Rest hätten, der aber kaum mehr zu nutzen ist). Das sind ebenfalls taube Leute.

    Wer mich auf der Strasse fragt, was mein Hörstatus sei, dem sage ich in aller Regel, dass ich Gehörlos bin. Hochgradig Hörgeschädigt/Schwerhörig/Hörbehindert oder Resthörig bringt da nicht viel, da muss man einfach noch vieles erklären. Wenn ich sage, dass ich Gehörlos sei, dann ist vieles viel klarer, ausser der Tatsache, dass ich halt keine Gebärdensprache kann, aber die meisten, die GS können, können ohnehin auch sprechen.

    Was ich bin, um es noch klarer zu machen: Seit Geburt gehörlos und seit 10 Jahren CI-Träger.

    Zufrieden? 🙂

  41. Pia Butzky

    Mmmh. Leider nein, denn alle die überhaupt nichts hören, also echt komplett ohne Gehör, nennen sich nicht etwa „Taube“ sondern eben genau so: Gehörlos.

    Wenn sich auch Leute so nennen, die sehr wohl Höreindrucke (und sogar noch Teile von Sprachverstehen) haben, wird es missverständlich, denn genau zwischen „noch was hören“ und „gar nichts hören“ liegt ein bedeutender Unterschied!

    Für mich ist das irreführend, denn gehörlos, also OHNE Gehör, das kann logischerweise nicht „irgendwie doch noch Gehör“ sein. Zum Vergleich: Wer keine Beine hat (beinlos), kann nicht doch noch irgendwie ein bischen laufen. Jedenfalls nicht ohne Prothese.

    Wenn du, eyeIT, mit CI-Prothese telefonieren kannst, erklärt sich das natürlich – und auch unspektakulärer.

    In der Sprache gibt es ähnliche Begriffe, die eine definitive Abwesenheit von etwas bezeichnen, und nicht etwa „da ist eigentlich doch noch was vorhanden“: tonlos, elternlos, mittellos, schlaflos, taktlos, geschmacklos, schnörkellos, schnurlos, batterielos, sorglos, kinderlos …

    Nur der Begriff „gehörlos“ wird verwirrend verwendet. Aber ich sehe: Das Thema taucht ja häufig auf, es bleibt eben einfach missverständlich. Gerade auch bei der (gehörlosen oder schwerhörigen??) Musikerin Glennie rätselt die Umwelt ja, wieviel an akustischen Reizen noch da sind, die sie nutzen kann – oder ob das null ist. Nix. Niente.

  42. Ja, aber das ist ja genau der Fall: die allermeisten Gehörlosen, die sich – um es noch komplizierter zu machen – über die Gebärdensprache definieren und Gehörlosigkeit auch damit verbinden, haben ja ein Restgehör. Da kannst Du Gehörlos (in Deinem Sinne) sein, aber wenn du Die GS nicht kannst, bist Du für *sie* nicht Gehörlos.

    Es geht mir aber auch darum, der Gesellschaft zu zeigen, dass eben Gehörlosigkeit nicht gleich Gehörlosigkeit ist und wenn man diesen Begriff so lax definiert, sollte man sich meinetwegen auf den Begriff Taubheit einigen.

    Das ist mein Standpunkt 🙂

  43. Pia Butzky

    Naja, es hätte gereicht, wenn du oben einfach das CI beim Telefonieren erwähnt hättest. Gerade in diesem Blog bist du ja wirklich nicht der Einzige mit CI. So dachte ich wirklich, du kannst ganz ohne Hörvermögen telefonieren!

    *achtung scherzanfang*
    Wie bezeichnet sich denn eigentlich ein Gebissträger?
    „Ich bezeichne mich als zahnlos und kann dank einer eingesetzten Prothese wieder beissen und kauen.“
    Hier fängt jetzt die Definitionsklemme an: Wer nur noch 2 Zähne hat, ist der schon ganz zahnlos? Nö. Aber richtig beissen kann er auch nicht mehr. Also hochgradig zahnlos. Und wer ein künstliches Gebiss hat, hat keine Zähne mehr, kann aber trotzdem beissen … aber längst nicht so, wie mit richtigen Zähnen. Er ist also mittelgradig beiss- und kaubehindert, solange er das Gebiss drin hat, und vollständig zahn- und gebisslos, wenn er es rausnimmt.
    Und genauso ist das mit CI.
    *scherz ende*

  44. Pia Butzky

    … ach nee, Denkfehler, „hochgradig zahnlos“ geht ja nicht. Also besser: „an Zahnlosigkeit grenzend beissunfähig“.

    *lach*

  45. eyeIT und Pia, und um das Verwirrspiel komplett zu machen, gibt es ja auch vollkommen Gehörfreie, die sich lieber „Taube“ als „Gehörlose“ nennen. Rein vom Wortbau her bevorzuge ich aber auch „gehörlos“ für „ganz-und-gar-nix-hören“. Nur, auch bei mir assoziiere ich mit „Gehörlose“ gleichzeitig die kulturell Gehörlosen, also die Gebärdensprachler. Und die müssen ja wiederum nicht ganz taub, äh, gehö– , ach AAArrrgh!

    Aber das Zahnlosbeispiel ( 🙂 )zeigt die Probleme schön. Die Entsprechung wäre ja nicht gehörlos, sondern ohrlos. Oder?

  46. Ich grenze „taub“ von Gehörlosigkeit deswegen ab, weil durch das CI die Grenze zwischen völliger Taubheit und Gehörlosigkeit durchaus verschoben hat. Wer also von einem CI nicht profitieren kann, ist taub, denn er hört nichts, selbst wenn er eines tragen würde.
    Wenn ich die beiden CIs nicht trage, bin ich taub, ja. Aber sobald ich die trage, höre ich was, aber nicht so gut. Was bin ich jetzt? Ich definiere mich als Gehörlos und zwar frei von jeglichem „Kulturverständnis“ der GS.

    Alles klar? 😀

  47. Ähm, okay. Ich versteh schon, was du sagen willst, aber dann braucht man nicht so bass erstaunt tun, wenn Leute nachfragen, sondern kann die Erklärung gleich mitliefern, statt so eine „Fragt! Nach!“-Provokation einzubauen (und mehr ist „Ich selber bin Gehörlos – und kann trotzdem telefonieren.“ besonders in einem Blog wie diesem ja nicht, an der Stelle hättest du deine Definition auch einschieben können und gut). Aber okay, das sind dann jetzt Kommunikationsvorlieben (ich mag es auch nicht, wenn Leute Andeutungen machen, von denen eh klar ist, dass der andere nachfragen muss, bevor man sich dann dazu herablässt, das zu erläutern… Laaangweiiilig 😉 ).

    Ich bin übrigens cekammili und kann trotzdem nicht fliegen 😦

  48. Pia Butzky

    Si, si, ich stimme Seniorita Emmi zu:
    Es ist recht naheliegend, das CI-Hören als „schwerhörig“ zu erklären. Alles andere ist doch Effekthascherei. „Booah, echt, du bist gehörlos und verstehst jetzt meine Frage?“ Spätestens dann muss man doch das CI erwähnen, warum also nicht gleich? Sowas führt doch nur dazu, dass man unglaubwürdig wird. Ich denke, du machst es nur kompliziert, eyeIT, wenn du so ein Versteckspiel machst wie oben. Zumal du ja nicht der erste Mensch mit CI bist …

    Trotzdem toll, dass du mit CI telefonieren kannst! 😉

    So, und jetzt müsst ihr alle ganz stark sein:
    „Die Gesellschaft“ gibt es gar nicht! Shocking, aber wirklich wahr. Es gibt nur einen Haufen einzelner Menschen, und die denken gar nicht alle gleich. *echtnichtzufassen* Wenn ich versuche, „der Gesellschaft“ was klar zu machen, komme ich in den berüchtigten Vermutungs- und Spekulationsnebel. „Die Gesellschaft“ macht ja immer grundsätzlich was falsch, was man dann (rechthaberisch) gerade rücken muss. „Die Gesellschaft“ ist eher eine Phantasie, die sich jeder nach Belieben ausschmücken kann, egal ob schlecht oder gut. Oft erscheint diese phantasierte Gesellschaft als imaginärer, unsympathischer Gegner. Es sind aber in Wahrheit eher Einzelne, mit denen man im realen Leben zu tun hat. Jeder denkt anders! Und da stellt sich heraus, dass es durchaus nette Leute sind, die ich als aufmerksam und zugänglich erlebe, an denen mir was liegt. Und denen erkläre ich gern, wie ich höre mit CI. Ganz einfach: SCHWERHÖRIG. „Hören ist schwierig, also bitte Geduld, aber dann freut euch mit mir, dass so vieles geht und wir uns unterhalten können.“ Genau dieses Mittelding versteht jeder. Wenn ich mich aber mit „taub“ oder „gehörlos“ vorstellen würde, würde das zu Missverständnis führen, das ich gar nicht möchte.

    @Emmi: Was ist cekammili?

  49. Pia Butzky

    @ nqlb:
    Das ulkige „zahnlos-gehörlos“ Beispiel hinkt in folgendem eklatanten Punkt: Es gibt ja keine von Geburt an Zahnlosen, die in eine besondere Identität hinein gewachsen sind.

    Das ist der Knackpunkt. Wenn man mal spaßeshalber den Vergleich „Zahnprothese – Hörprothese“ weiter führt, passt nahezu alles, was mit dem reparativen Ersatz von organischem Verlust zu tun hat, denn alle Gebissprothesenträger hatten ja mal eigene Zähne. Das passt auf die Hörprothesenträger, die vor dem CI ein natürliches Hörvermögen mit intaktem Innenohr hatten.

    Aber niemand wurde zahnlos geboren, also ganz ohne natürlichen Zahnwuchs, oder? Zumindest gibt es keine Community der „von Geburt an Zahnlosen“.

    Hier kommt das Hinken des Vergleichs zum Vorschein: Wer von Geburt an hörbehindert ist, erlebt das CI ja nie als eine „Rückkehr“, sondern nur als eine relativ beschränkte Verbesserung der Hörbehinderung – wohl überwiegend vorteilhaft, aber dennoch nur eine Veränderung INNERHALB der Behinderung.

    So erklärt sich mir, dass einige CI-Träger ihren Status OHNE das CI als vorrangig sehen, während mir Spätertaubten nur wichtig ist, wie ich MIT dem CI bin. Nämlich schwerhörig.

    Isses so? So isses.

  50. >Isses so? So isses.

    Ich mag das 🙂

  51. Pia, cekammili war eine Wortneuschöpfung meinerseits, die einfach nur verdeutlichen sollte, was ich meine: Ein Wort, bei dem man nachfragen MUSS (in diesem Fall, weil man gar nicht wissen kann, was es bedeutet). Hätte auch nicht sein müssen, aber ich fands grad so hübsch *g*

    „Es gibt ja keine von Geburt an Zahnlosen, die in eine besondere Identität hinein gewachsen sind.“
    Eigtl. gibt es NUR von Geburt an Zahnlose, die aus dieser Identität hinAUSwachsen 😀

  52. Nein, klar. Ich sag‘ manchmal auch nur, ich sei Schwerhörig. Aber dann haben alle wieder das Gefühl, nur weil ich „Hörgeräte“ trage, würde ich gut hören.

    Du kannst es einfach drehen wie Du es willst, um Erklärungen kommst Du meiner Meinung nach in den meisten Fällen nicht herum. Ich habe natürlich schon alles ausprobiert. Aber ich halte es für das Beste, wenn die Fakten für jeden verständlich von Anfang an auf dem Tisch liegen, dann gibt es hinterher weniger Probleme. Es kommt sehr auf die Situation an, wie ich das sage. Im Beruf sage ich das wiederum anders. Aber ganz generell sage ich halt am liebsten, dass ich Gehörlos bin.

  53. Da sind wir uns denke ich auch alle einig, dass man um Erklärungen nicht rum kommt. Deswegen verstehe ich halt nicht, warum du unbedingt ein einziges (aus meiner Sicht auch noch unnötig verwirrendes) Label „gehörlos“ draufkleben willst (so kams bei mir zumindest an) – weil das aus meiner Sicht eben bei den meisten noch mal anders konnotiert ist.

    Aber wenn das im Alltag so für dich funktioniert kanns mir ja nur recht sein.

  54. just like Beethoven

    @eyeIT

    Deine verqueren Ansichten über den Gehörlosen. der da telefoniert, sind ausgesprochen grotesk. Fast jeder, der das liest, muß darüber stolpern. Es ist grad so wie einst beim Beruferaten mit Robert Lembke. Da lautete eine Standardfrage immer: „Gehe ich recht in der Annahme, daß Sie mit der Herstellung und Verteilung einer Ware beschäftig sind“. Bei einem Seiltänzer mußte die Antwort ein „Ja“ sein. Bis einem Kandidaten eines Tages mal eine andere Formulierung einfiel. Und die lautete: „Gehe ich nicht recht in der Annahme, daß Sie mit der Herstellung und Verteilung einer Ware beschäftigt sind“. Da sahen sich alle an und wußten nicht, was sie sagen sollten. Der Ratemeister mußte eingreifen, um am Ende doch noch die richtige Antwort zu finden. Deine Formulierung macht genaus so baff…

    Man könnte auch versuchen „tot“ zu steigern, was aber gar nicht ginge. Denn Totsein stellt schon einen Endzustand dar. Und genauso ist es mit Behinderungen. Es wäre Unsinn, „hochgradig blind“ zu sagen, weil „blind“ schon alles aussagt. Möglich wäre ein „hochgradig kurzsichtig“, aber nichts anderes. Deshalb ist auch Deine Definition ziemlich unglücklich, weil sie sich abwendet vom „hochgradig schwerhörig“ und zudem für viele Irritationen sorgt.

    Das Wort Taubheit und taub wird vor allem dann benutzt, wenn eine Ertaubung vorliegt. Und daraus ist auch meist erkenntlich, daß sich dieser Mensch nicht so leicht in die Gebärdenwelt integrieren läßt. Vom anatomischen Standpunkt her bin ich eben aber doch gehörlos und die meisten Leute benutzen dann auch lieber dieses Wort, denn ein „Sie müssen entschuldigen, ich bin taub“ wirkt schon sehr schroff und macht die Behinderung noch um eine Spur brutaler. Wenn Du dich selbst als gehörlos bezeichnest, aber vom CI profitierst, verwischt Du deine Bevorteilung, was verheerende Folgen für diejenigen nach sich ziehen könnte, die nun wirklich nichts hören.

    Stell Dir mal ein geselliges Zusammensein vor mit 2 anderen Gehörlosen vor, die mühsam an den Lippen hängen müssen. Nur Du hast es leichter, bekennst Dich aber nicht zu Deiner Vorteilsnahme, sonnst Dich vielleicht im Vermögen, besser kommunizieren zu können. Obwohl Du doch auch „gehörlos“ bist. Und der Kommunikationsdruck wächst von ahnunglosen Mitmenschen, so gut sein zu müssen wie sie es bei Dir erlebt haben. Hast Du darüber schon mal nachgedacht? Wahrscheinlich nicht. So habe ich es auch in der Schwerhörigenschule als einziger Gehörloser erlebt. Die Klasse guckt sich denjenigen Mitschüler aus, der am schlechtesten hört und sagt dann: Er ist ja auch „fast“ taub und schaltet damit etwas gleich, was gar nicht gleichgeschaltet werden kann. Dieser vermeintlich Taube hing dann in seiner Freizeit gern am Radio…

    Die medizinische Definition weist also das CI-Tragen auch als „gehörlos“ aus. Dann müßte der CI- Industrie und den Lobbyisten ein großes Armutszeugnis ausgestellt werden. Denn in der Praxis tun sie ja oft so, als hätten sie Menschen nicht nur in die Schwerhörigkeit gebracht, sondern sie ganz und
    gar zu Hörenden umgeformt. Also ist diese Definition ziemlich abwegig und man muß wohl erst mal so richtig auf diesen schreienden Widerspruch aufmerksam machen.

    Du magst wenig hören, bist deshalb aber nicht gehörlos, erst recht nicht, wenn Du noch telefonieren kannst. Dann sagt dieser Unterschied ungeheurer viel aus und CI-Träger wäre auf jeden Fall angebrachter.

  55. Ich glaube, eines wird hier falsch verstanden. Ich habe gesagt, dass ich dies unter Hörenden, der Gesellschaft gegenüber meistens das so sage, weil den Hörenden zwei Dinge gleich klar werden: Ich höre (wirklich) nicht gut, zweitens es ist möglich, aus einem „Tauben“ wieder einigermassen hörend zu machen, gleichzeitig auch klar, dass das nicht so gut funktioniert wie bei einem Schwerhörigen. Ich muss mich da viel weniger erklären. Wenn ich CI-Träger sage, dann muss ich erklären, was das ist und das stiftet am Ende oft mehr Verwirrung als es klärt, weil sie sich darunter gar nichts vorstellen können.

    Aber was man hier auch sieht: CI-Träger wollen/sollen offensichtlich sich keiner Gruppe angehörig fühlen, vor allem jene, die sogar einigermassen telefonieren können. Es gibt immer wieder die Ausgrenzung von Betroffenen, die halt mehr (oder auch weniger) können als andere, das sagst Du ja auch selber. Es ist bezeichnend, wenn ich als Gehörloser – ich bin ohne das CI nun einmal Gehörlos, profitiere halt mit dem CI viel, dass da Entgeisterung herrscht.

    Umgekehrt, wenn ich mich „kulturell geprägter“ Gehörloser, d.h. ein Gebärdender Gehörloser wäre, und ein CI tragen würde, darf ich mich dann als Gehörlos bezeichnen?

    Wenn aber sich die Hörgerätetechnik weiterentwickelt und sich die Grenzen verschieben, die grundsätzlichen Probleme aber bestehen bleiben, was macht man dann? Einfach eine neue Gruppe erfinden, damit man unter den Betroffenen wieder eine Gruppe hat, womit die Gesellschaft aber nichts anfangen kann, weil sie die nicht kennt?

    Sehen wir den Tatsachen in die Augen: In 10 Jahren wird es keinen (jungen) Gehörlosen mehr geben, der kein CI hat, das ist ja schon heute zum grossen Teil der Fall. Bleiben wir dann immer noch bei Euerer Definition?

    Gerade einer Deiner Links in ein Forum hat dieses Problem ebenfalls angeschnitten. Dieses Forum steht aber mit dieser Frage nicht allein da.

    Ich habe nun nicht mehr die Absicht, hier in diesem Artikel weitere Kommentare zu schreiben. Es gibt noch andere Artikel, die ich kommentieren möchte, ja, auch Deine weiteren 😉

    Ruht Euch am Pfingstmontag aus… 🙂

  56. Pia Butzky

    (*falle gerade vor Lachen vom Stuhl*)

    Ja, richtig, Emmi, irgendwas war falsch: „Keine von Geburt an Zahnlosen …“ *lach* Macht die Sache mit dem Vergleich jetzt nicht wirklich klarer, ich sehe schon.

    Kommt noch erschwerend hinzu, dass „gehörlos“ und „ohrlos“ zwei verschiedene paar Schuhe sind, sagt nqlb. Lässt sich nun „Ohr und Hörfähigkeit“ übertragen auf „Zahn und Kaufähigkeit“?

    *Mal so aus Jux:*
    Wenn „ohrlos“ die Entsprechung für „zahnlos“ ist, dann wäre „gehörlos“ die Entsprechung für „bisslos“. Aber „zahnlos“ wird nicht noch differenziert, denn die Abwesenheit des Körperteils „Zahn“ zieht ja die Einschränkung schon unmittelbar nach sich. Hier reicht ein einziger Begriff.

    Dagegen:
    Ein „gehörloser“ Mensch hat durchaus Ohren, geht also nicht des Körperteils „Ohr“ verlustig, sondern dessen Funktionen. Das Gehörlose an sich wird nicht vorrangig mit dem offensichtlichen Fehlen eines Körperteils beschrieben. (Beziehungsweise man sieht von außen nicht, wieviel „Ohr“ noch innen drin ist. Eigentlich liegt aber doch jeder Gehörlosigkeit auch eine konkrete organische Störung zugrunde? Also doch „ohrlos“ in gewisser Weise! Nur ist das Ohr eben sehr viel kleinteiliger im Vergleich zum Zahn. Beim Ohr reicht schon eine winzig kleine Macke und es ist hin.)

    Fazit: Weil man im Gegensatz zum Zahnlosen das Ohrlose am Gehörlosen nicht offensichtlich erfassen kann, ist es so verwirrend, wenn jemand mit ungewissen Hörfähigkeiten von sich als „gehörlos“ spricht, während der Aussenstehende das Gehörlose mit dem Zahnlosen gleichsetzt, also mit dem tatsächlichen Fehlen eines Körperteils und folglich dessen Funktionen.

    Und während man sich vom Grad einer Zahnlosigkeit mit einem Blick überzeugen kann, bleibt der Grad der Gehörlosigkeit immer auch individuelle Interpretationssache des/der jeweiligen Betroffenen, unterliegt also nicht einer verbindlichen und allgemein verabredeten Definitionskala. (Deshalb auch der ganze Wiggel um Abgrenzungen innerhalb der SH/GL-Gruppen untereinander.)

    Schön, dann haben wir das jetzt klar.
    😉

  57. Pia Butzky

    @ eyeIT
    Du hättest hier im Blog einfach nur von Anfang an das CI erwähnen sollen.

    That´s it. Warum so ein Prinzessinengetue?
    Mach dich mal locker. 😉

  58. Ich will nur kurz darauf hinweisen möchte, dass ich NICHT „just like Beethoven“ bin! Das ist ein anderer.

    Außerdem, Herr just like beethoven, ist es mit der Blindheit auch nicht so einfach, wie es in Deinem Kommentar rüberkommt. Ja vielleicht nicht einmal mit „tot“, siehe die Hirntoddiskussion.

    Und Pia, ich weiß wirklich nicht wie Du Dich „mit einem Blick“ von der Zahnhaftigkeit oder -losigkeit Deines Gegenübers überzeugen willst. Vielleicht ist es doch ganz gut, dass wir uns noch nicht persönlich getroffen haben?! Wer weiß, was Du bei solchen Gelegenheiten anstellst… 😉

  59. Pia Butzky

    Du, @ just like, jetzt wird es aber interessant mit deinem Vergleich:
    „Es wäre Unsinn, `hochgradig blind´ zu sagen, weil `blind´ schon alles aussagt. “

    Im ersten Moment fand ich das sofort überzeugend. Im zweiten Moment fiel mir auf: Wer weiß, wie viele andere Behinderten-Gruppen (z.B. Blinde!) so einen Abgrenzungswiggel haben wie „die mit den Ohren“? Ich bin sicher, dass Blinde und hochgradig Sehbehinderte genau so Mühe haben wie wir, zu differenzieren! Wirklich.

    Mir hat mal ein Sehbehinderter beschrieben, dass er hell/dunkel-Verzerrungen und Blitze sieht, aber deshalb so behindert ist wie ein komplett Blinder, der alles schwarz sieht. Bei stern TV war mal ein Mann, der einen Tunnelblick hat, einen stark eingeschränkten Bereich, in dem er einen kleinen Ausschnitt sieht. Er kann mit höchster Anstrengung etwas lesen, aber nicht Autofahren, keinen Raum erfassen, kein Gesicht ganz erkennen, ist hilflos im Stassenverkehr und öffentlichem Raum usw.

    Die hochgradig Sehbehinderten haben vermutlich genau die gleiche Aufklärungsmühe, wie Hörbehinderte auch, die etwas Restgehör haben. Man ist enorm behindert im Alltag, aber doch wieder nicht komplett ohne Sinneseindrücke. Wir stellen uns Blindsein einfach dunkel vor, aber Störungen des Sehsinnes können genauso vielfältig daher kommen wie Hörstörungen. Vielleicht gibt es auch tiefe Gräben zwischen den Blinden, die Braille beherrschen und denen, die mit etwas Sehrest eine moderne Vergrößerungstechnik zum Buchstabenlesen verwenden können?
    Ich kann mir vorstellen, dass sich dadruch auch gewisse Lager ergeben.

  60. @Pia – ja ok, ich seh’s : im ersten Beitrag ging das unter, dass ich CI-Träger bin.

    Die philosophische Diskussion über den Besitz von Zähnen oder nicht finde ich interessant 😀

    @not quite like beethoven: Wenn das Treffen mal stattfindet, wär‘ ich echt gern dabei. Mal sehen, wie zahnlos unsere Diskussionen sein werden 😉

  61. „Du hättest hier im Blog einfach nur von Anfang an das CI erwähnen sollen.“
    Genau das.
    Aber nun isses ja geklärt und wir können uns alle wieder lieb haben, wie schön, an solch einem sonnigen Feiertag 😀

    Die Differenzierung zwischen just like und not quite like hab ich bisher übrigens mit Bravour gemeistert 😉

    Ein Treffen zum CIs, HGs. Gebärden und meinetwegen auch dritte Zähne begutachten fände ich ganz fürchterbar reizend.

  62. Pia Butzky

    @ an beide Quasi-Beethovens

    Huuuh. Tot und Hirntod? Da bringt ihr mich auf was. Wer weiß, was die Toten, Geister, Engel und Untoten so alles an ähnlichen Abgrenzungsdiskussionen führen? Vermutlich gelten Wiederauferstandene auch nicht wirklich als Gestorbene und werden von der Gruppe der Forever-Deads ausgeschlossen? Und Untote und Vampire sind noch restlebendig, wenn auch bei weitem nicht mehr „wirklich“ lebendig und mit erheblichen Einschränkungen. Geister und Götter wiederum gelten als hochgradig tot, aber als „Lebende begleitend“ mithilfe von Hilfsutensilien wie Bettlaken, Wolken, Büschen u.a. – übrigens im Unterschied zu den endgültig Verblichenen, die sich schlichtweg ruhig verhalten. Die Puristen unter den Toten und Untoten, lehnen alle Arten von Hilfsmitteln ab und bezeichnen sich selbst als „leblos“. Einige Grenzgänger dazwischen bezeichnen sich als „leblos, aber mit Hilfsmitteln kurzzeitig erscheinungsfähig“. Wiederauferstandene fühlen sich als Minderheit benachteiligt und in ihrem Status von den anderen Gruppen missverstanden. Aber sie verhalten sich die meiste Zeit ruhig.

    *schönenpfingstmontagallerseits*

  63. just like Beethoven

    @Pia und not quite,

    Haarspaltereien wie mit dem Blindsein oder den Hirntoten betreibe ich nicht. Ich habe es grob umrisssen und es ist wohl zutreffend. Außerdem mußte ich mir über ein Problem davon bestimmt mehr Gedanken machen als Ihr. Es gibt nämlich Situationen, die doppelt belasten. Das kann ich besser nachempfinden als die meisten, die hier schreiben. Das erfordert dann unheimlich viel Kraft. Das möchte ich jetzt nicht näher erwähnen, sondern nur umreißen.

    @eyeIT

    Du redest schon wieder Unsinn und es ist anmaßend, wenn Du schreibst, in 10 Jahren würde es keine junge Gehörlose mehr geben. Wie die Zeit dann ausssehen wird kannst Du gar nicht wissen. Wer weiß, ob diese Operationen dann überhaupt noch bezahlt werden könnten. Wer denkt an die Länder der dritten Welt? Dort macht die Gesamtzahl der Gehörlosen „80%“ aus. Das scheinst Du so ganz nebenbei vergessen zu haben oder wußtest es gar nicht mal. D. h., solche Operationen fallen ganz unter den Tisch, weil nur das nackte Überleben zählt. Was Du also sagst ist unzutreffend.

    Korrektur: Der Seiltänzer in meinem Beispiel hätte natürlich mit „Nein“ antworten müssen.

  64. Ich bin nach der Lektüre dieser Kommentarseite ein wenig orientierungslos. Oder soll ich sagen: orientierungsbehindert? Schwerorientiert? Restorientiert? Orientierungsgeschädigt?

    Wie ich sehe, scheint das mit den Definitionen gar nicht so einfach zu sein. Für mich als „Normalhörender“ stand der Begriff gehörlos bislang immer für das völlige Fehlen des Hörvermögens. Beim Wort „taub“ dachte ich bislang, dass dies als diskriminierend gelten würde, weil es ethymologisch wohl von „dumm“ kommt. Ich erinnere mich an eine „Taube“ in der Abenteuerserie „Silas“, die allerdings noch Resthörvermögen hatte (bzw. ohnehin nur so getan hat als ob). Als Kind hatte ich bei dem Begriff „Taube“ immer einen Vogel im Kopf und erst später verstanden, dass die Bezeichnung mit ihrer mangelnden Hörfähigkeit zu tun hatte. 😉 Aber wohl eben wegen dieser Figur hätte ich gedacht, dass Taubheit eben nicht völlige Gehörlosigkeit bedeutet.

    Puh! Habe gerade mal bei Wikipedia nachgeschlagen und blicke nun etwas besser durch.

    War das Thema hier nicht ursprünglich, wie man mit der Schwerhörigkeit lebt und was man von Evelyn Glennie dabei lernen kann? Irgendwie ist das ein bisschen abgedriftet. 🙂

    @just like B.: „Korrektur: Der Seiltänzer in meinem Beispiel hätte natürlich mit „Nein“ antworten müssen.“

    Danke für den Hinweis. Ich habe 10 Minuten über diesem Satz meditiert und mich gefragt, ob ich wirklich so schwer von Begriff bin. 😉

  65. Pia Butzky

    Humor, – @ just like und @ alle anderen – ,
    es ist das kleine winzige Fünkchen Humor. Macht vieles leichter – und klüger noch dazu. Nicht immer gleich draufhauen bitte …

    Doch, Jens, wir sind am Thema dran. Dass du als Kind „Taube“ für „Tauben“ gehalten hast – echt niedlich. Siehst du, so schnell entsteht das Durcheinander: Alles eine Frage unklarer Begriffe, das kannst du als Normalhörender ja auch nachvollziehen.

    Genau wegen dieser unklaren Begriffe und Definitionen wird die Musikerin Glennie einerseits bestaunt und andererseits kritisiert. Ich verstehe völlig, dass sie sich nicht zum Zirkusaffen machen möchte als bestaunte „hörbehinderte Musikerin“, sondern ihre echte Begabung und hochprofessionelle Beschäftigung mit Musik in den Mittelpunkt stellt. Sie zieht aus der Hörbehinderung eben NICHT ihre Identität, während im Gegensatz zu ihr beispielweise eyeIT seine Identität zuerst in der Gehörlosigkeit sieht, nicht in ihrer Überwindung.

    Interessant!

  66. @Pia: Nein, ich habe als Kind nicht Taube (Gehörlose) generell mit Tauben (Vögel) verwechselt, sondern nur die alte Frau aus „Silas“, die in der Serie nur „Die Taube“ genannt wird und ich mich immer gefragt hatte, warum eigentlich, ist ja auch arg missverständlich. 🙂

    Warum ich Evelyn Glennie bewundere ist, dass sie trotz einer großen Beeinträchtigung beim Hören die Not zu einer Tugend gemacht hat und auf einem Gebiet Weltklasse erreicht hat, das man Menschen mit dieser Behinderung nicht zutraut. Wie stark ihre Behinderung nun im Detail ist, finde ich wirklich zweitrangig und Diskussionen darüber befremden mich schon ein wenig. Klar, wenn sie komplett ohne Gehör wäre, dann wäre das schon ein Wunder, aber soweit ich weiß, wird im Film ja auch gesagt, dass sie noch Resthörfähigkeit besitzt.

    Glennie ist eine großartige Musikerin und das wäre sie auch ohne „Behindertenbonus“.

  67. Pia, so langsam krieg ich mich wieder ein — Dein Traktat über die Tote, Gestorbene, Verblichene und Leblose! ^^ 😀

    just like Beethoven, also Haarspaltereien würde ich das nicht nennen und ein bißchen Relativierung und Witz muss auch erlaubt sein. Aber ich habe großen Respekt vor Deiner Lebensgeschichte und dem Blickwinkel, den Du hier einbringst.

    Jens, genau. Der „Behindertenbonus“ ist ja auch nur die umgekehrte Form von Diskriminierung. Die Entwertung der Leistung. Oder manchmal, wenn man ihn sich selbst einräumt, auch eine Ausrede.

  68. Ergänzung: Ich bin sogar davon überzeugt, nachdem ich den Film gesehen hatte, dass ihre Behinderung ihre Art Musik zu leben und zu fühlen und somit ihre Musikalität sogar unterstützt, sie somit auch gewisse Vorteile aus der Behinderung zieht. Und das macht die Sache so spannend, mehr als die Tatsache, dass sie trotz Behinderung Konzertmusikerin werden konnte.

  69. Ich glaube der Schlüssel ist, das habe ich vor kurzem in einem anderen Thread schonmal geschrieben, dass man durch Behinderung zu einem Spezialisten wird. Oder zumindest werden kann. Ich habe mich als Spezialist für Kommunikations- und Verstehensprobleme beschrieben. Glennie hat aus sich eine Spezialistin für Musik, fühlenderweise, gemacht.

  70. Pia Butzky

    @Jens: Ach so.

    @ NQLB: Ach so.

    Eure Pia, die Spezialistin für lange Kommentare.

  71. Hallo,
    Bin 23 Jahre alt und mache viel Kunst mit Musik in form von Filmen.
    Leider habe ich vor einem Jahr einen Tinnitus beidseitig bekommen, daraufhin eine schwere Depression. Im Januar habe ich dann zwei aufeinandervolgende vestibular Ausfälle gehabt und kann bis jetzt nicht ohne starken Schwindel 2 meter gehen. Zudem habe ich ab Januar allmählich mein Gehör verloren und bin inzwischen nach ca. 30 bis 40 Hörstürzen vollkommen ertaubt. Die Ärzte haben keine Ahnung was los ist. Jedenfalls bin ich zu dem Entschlus gekommen, das nicht mehr lange mitzumachen. Ich brauche meine Gehör um meine Lebensaufgabe ausführen zu können. Ich habe keine Lust mehr mir etwas von den angeblichen Spezialisten erzählen zu lassen und darum wollte ich mal fragen ob sich hier jemand schonmal Gedanken darüber gemacht hat wie man wiederHÖREN kann und nicht, wie man damit umgeht.
    Die elektrosmog Geräte im Gehirn oder Ohr erreichen nicht annähern die subtiele Qualität, die ich benötige.
    Darum würde ich mich sehr freuen, wenn wir uns gegenseitig helfen könnten. Ich beschäftige mich auch gerne eindringlich mit der Theorie des morphogenetischen Feldes und anderen experimenten. Die funktionieren wenigstens auch über Distanz. Vieleicht könnte man ja mal einen Tag für Hörgeschädigte einführen, wo alle gleichzeitig daran glauben wiederhören zu können.

    Vielen Dank und Bis dann.

    Eric

  72. Hi Eric. Tolle Internetseite, habe mich in den Videos umgesehen und reingehört (dank meines Cochlea Implantats). Beeindruckend.

    Zu deiner Frage, ob sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht hat, wie man wieder Hören kann: *Nö, den Leuten, die das Gehör verloren haben, war das egal. *ironisch

    Lerne schrittweise damit umzugehen, denn weglaufen (wie du es versuchst) geht nicht. Und mach aus dir keine Prinzessin, die was ganz Besonderes ist. Die anderen Ertaubten sind in der gleichen Situation, sie brauchen und vermissen ihr Hören ganz genauso. Die haben auch schon alberne Versuche mit karibischen Wunderheilern, Lourdes-Wallfahrten und „morphogenetischen Feldern“ durch, aus reiner Verzweiflung.

    Dass du mit anderen Ertaubten Kontakt aufnimmst, ist ein guter Schritt!
    Stell dich der Realität, dreh nicht ab. Stell dich der Frage, wie man mit Hörverlust zurecht kommt, welche Hilfsmittel es gibt und wie man Musik machen kann, wenn das Hören nachlässt. Ein kreativer Mensch kann auch mit veränderten Bedingungen umgehen und etwas Neues daraus machen. Setze deine kreative Kraft dafür ein.

    Die depressive Verlustphase, in der du dich gerade relativ frisch befindest, verändert sich mit der Zeit und wird zu Akzeptanz (gegen die man sich anfangs lange sperrt) und pragmatischer Lösungsphase. Geduld, das dauert. Kleine Schritte. Bei mir war es letztlich das CI, das mir nach meiner Ertaubung „aus dem Keller“ geholfen hat.

    Alles Gute. Pia B.

  73. Hallo Pia,

    Vielen Dank für deine weisen Worte. Und danke, dass dir meine Filme gefallen haben. Weisst du noch wo ich diese Leute finden kann, die das, was du gesagt hast alles ausprobiert haben? Ich möchte mal mit denen darüber reden.
    Ich möchte mit den anderen zusammen wieder hören können und nicht aus mir was besonders machen!
    Ich lasse mir meine Hoffnung durch niemanden mehr nehmen. Da sind die Menschen nämlich echt gut drin. Ein Mensch ist dazu gemacht um hören zu können. Außerdem ist der Mensch in der lage so ziemlich alles zu regenerieren, selbst Gehirnzellen. Wenn man eben die richtigen Anweisungen gibt sollte das also funktionieren. Alllerdings ist das bei Stammzellen und ziemlich vielen Quadratmetern Nervenleitung nicht gerade so einfach und dauert Zeit. Außerdem ist der Verlust von Gehör-Sinneszellen durch NanoGift, Dauerstress, Elektrosmog und moderne Medikamente etc. für den Körper etwas neues. Da muss er erstmal was gegen entwickeln. Und wie gesagt, es handelt sich um ein Experiment.

    Verlieren kann ich sowieso nichts mehr und ich möchte nicht einfach von dem Universum so rumgeschubst werden wie es ihm passt. Gott freut sich über jede kreative Idee, oder nicht? Würde ich nicht daran glauben, wäre ich schon längst gesprungen, also bitte mach mir das jetzt nicht kaputt.

    Bis dann.
    Eric

  74. Ich stimme Pia völlig zu. Ich bin zwar nicht spätertaubt (sondern seit meiner Geburt Resthörig), aber ich kann jedes Wort, das sie schrieb, unterschreiben.

    Was Du beschreibst, klingt für mich ganz nach Morbus Menière, aber wenn das die Ärzte nicht diagnostiziert haben, dann ist es wohl eher nicht.

    Übrigens: Ich kenne einige professionelle Filmemacher, die gehörlos sind.

    Was mich wunder nimmt: Was sind denn „morphologischen Felder“? Sowas ist mir noch nicht untergekommen…

  75. Urlaubsbedingt etwas später auch noch mal von mir etwas:

    Eric, klasse Seite! Gefällt mir, was Du da machst. Zur Ertaubung: Als jemand, der im Laufe des Lebens auch schon einiges ausprobiert hat, wollte ich noch sagen: Ich finde es auch wichtig, sich nicht demotivieren zu lassen und zu tun, was einem sinnvoll erscheint. Man muss ein bißchen aufpassen und genau prüfen, was einem so gesagt wird. Und man muss aufpassen, dass man sich nicht zusehr in den eigenen Hoffnungen verfängt. Aber wenn es die eigene Prüfung überlebt und man dabei und damit glücklich ist, dann sollte man dem schon weiter nachgehen. Sich vorschnell mit Dingen abfinden, sie als „ist eh nicht zu ändern“ zu akzeptieren ist genauso unklug wie dauerhaft weiter gegen sie anzurennnen wenn sie nicht zu ändern sind. In diesem Graubereich muss man für sich den eigenen Weg finden, was man akzeptiert und was nicht. Wichtig ist, dass man dabei das beste Leben lebt, das man leben kann und soweit als möglich tut, was einen glücklich, motiviert und kreativ macht.
    Bei den Ohren ist das Problem, dass man nicht so gut wie etwa bei den Beinen sieht, wenn und inwieweit die biologischen Strukturen zerstört oder gar nicht mehr vorhanden sind. Das setzt der Regeneration Grenzen.

    eyeIT, –> http://de.wikipedia.org/wiki/Morphisches_Feld

  76. Hallo ,
    Vielen Dank Beethoven. Ich habe mich über deinen Kommentar sehr gefreut. Ich denke er spricht viel wahres inseiner Neutralität. Er hat mir heute sogar genug Energie gegeben um Holz zu hacken, obwohl ich nicht mal gerade stehen kann (soviel zu morphischen Feldern).
    Ich hatte eigentlich erwartet bei dieser meiner ersten Anlaufstelle von der ganzen Resignation zerfetzt zu werden. Das war auch eigentlich der Grund dafür warum ich erst garnicht ins Internet gegangen bin. Aber scheinbar gibt es doch Leute die mich begreifen.
    Wie auch immer. Ich möchte weniger darüber streiten, ob es möglich ist oder nicht! Sondern ich will jetzt endlich die Segel setzen und nach Amerika aufbrechen. Auf dem Weg dahin können wir ja immernoch darüber diskutieren, ob es Amerika überhaupt gibt, die Welt rund ist oder warum dokumentierte Wunderheilungen funktionieren.
    Es ist auch so, das ich herausgefunden habe, das kämpfen nichts bringt, bzw. das Gegenteil erzeugt. Ich kämpfe also nicht dafür, wieder hören zu können, sonder ich WERDE ( Futur von sein) wieder hören können. Die Frage ist nur wie. Und darüber wollte ich mich eigentlich unterhalten.

    Außerdem interessieren mich die Filmemacher von denen eyeIt gesprochen hat. Hast du da Namen zu?

    Bis dann
    Eric

  77. „… bei dieser meiner ersten Anlaufstelle …“
    Wirklich deine erste Kontaktaufnahme? Oh. Vielleicht kannst du noch mehr direkten Kontakt mit anderen Betroffenen suchen, auch Treffen in deiner Umgebung? Mit Schwindel ist das sicher nicht einfach, ich weiß (hatte ich auch, verschwand nach ein paar Jahren wieder = ausgebrannter Meniére).

    In der Verlustphase möchte man die Chance auf Heilung um keinen Preis aufgeben, das geht wohl jedem so. Während ich das Gehör verlor, habe ich alles Mögliche (und Blödsinnige) versucht und im Bekanntenkreis, in Zeitungen und in Selbsthilfegruppen zig Berichte von Betroffenen gelesen, die in Polen oder in der Karibik bei Wunderheilern waren, die sich mit esoterischen Strahlen behaftete Steine umgehängt hatten, die religiöse Gebetsrituale und Wallfahrten absolvierten, besondere Fastenprozesse und körperliche Entgiftungen vornahmen, Bachblütentropfen und Homöopathie und Magnetfelder versuchten usw. Hoffnung ist ein starker Motor. Und die Geduld.

    Du liegst auf jeden Fall richtig, wenn du Unterstützung suchst und Gemeinsamkeit mit anderen als Chance siehst, übrigens weit über eine einmalige gemeinsame „Denkaktion“ hinaus. Austausch und Kontakt mit anderen, die diese Situation ebenfalls kennen, damit kommst du weiter oder wohin immer du willst …

    Zum Schluß eine kleine feine Frage:
    Wie ist das mit dem Erpressungsgedanken? Erpressung meint, man stellt dem Leben ultimative Bedingungen und sagt: „Nur unter den-und-den Umständen kann ich wieder zufrieden sein.“ Erpressung meint: „Du blödes Schicksal, gib mir sofort mein Gehör zurück, sonst …!“ Erpressung geht so: „Zuerst mal muss Heilung kommen, sonst gehe ich nicht weiter.“ Man hält die Luft an, solange die Umstände nicht wieder so sind, wie man sie wünscht. Man ist auch absolut im Recht, das Gehör gehört einem ja und hat gefälligst wieder da zu sein. Stimmt völlig! Macht aber enorm unglücklich.

    Wie bekommt man also wieder Luft – ohne diese Erpressung?

  78. Hallo Pia,
    Das ist eine gesegnet gute Frage!!! Die habe ich mich jetzt auch schon seit über einem Jahr jeden Tag ununterbrochen gefragt.
    Wie bekommt man es hin, seinen Willen durchzusetzten, ohne, dass mein Körper darauf mit Adrenalin, darauf mit Cortisol und darauf schließlich, da mit den Umständen nicht vereinbar, mit ner Depression zu reagieren.
    Meine Meinung bisher ist volgende:
    Man muss erstmal über den Berg rüber (Ohne dabei sein Hauptziel zu vergessen), damit sich die Depression in positive Energie verwandelt und die muss man dann am a packen und versuchen damit das wiederhörenkönnen zu initiieren. Das erpressen habe ich bis vor kurzen auch noch getan, bis ich gemerkt habe, dass das keinen Sinn hat, gehört aber anscheinend zum Prezess.
    Darum wollte ich jetzt mal den Ansatzt mit dem einfachSoWiederHören können bzw. dem DavonAusgehenDass ausprobieren.

    Wie lange war es eigentlich zurück, das du dein Gehör verloren hattest ehe du dich für ein CI entschieden hast? Denn ich habe in einem Buch gelesen, dass das Gehirn ca. 7 Jahre braucht um sich komplett zu regenerieren. Nach 10 Jahren soll angeblich kein einziges Atom mehr von dem alten Mensch übrig geblieben sein. Die DNA behält allerdings immer ihre Information. Außerdem weiss man inzwischen, dass das Gehirn „zerstörte“ Bereiche nachbilden kann.

    Man muss den gebrochen Knochen im Bein nicht sehen, damit der Körper ihn wieder zusammensetzt.
    Aber man muss ihm die Richtung weisen. Vieleicht weiß er ja noch garnicht, das da was kaputt ist, oder hat sich jemand schonmal gefragt, warum man da eigentlich keine Schmerzen spürt, wenn so etwas extrem wichtiges wie das Gehör, kaputt geht? Ich meine nicht, dass man sich jetzt mit einem Hammer das Felsenbein zerkloppen muss, aber vieleicht kann man dem Köper ja durch Gedanken mitteilen, dass da ne Baustelle ist und er gefälligst mit der Stammzellenproduktion ein bischen voran machen soll. Man hat ja schließlich nicht das ganze Leben Zeit.

    Bis dann.

  79. Eric, Du hast „Glück im Unglück“:
    Es gibt heute CI.
    Du bist noch recht jung, und erst seit weniger als ein Jahr ertaubt.
    Damit hast Du eine gute Chance, mit CI wieder Lautsprache frei
    verstehen können.
    Als ich im Jahre 1987 in Hannover ein CI bekam, war dort ein junger Mann.
    Ähnlich wie Du erst seit einigen Monaten ertaubt.
    Er konnte nach nur vier Wochen wieder Sprache verstehen.
    Musik war allerdings mit den damaligen „grobklotzigen Prozessoren“
    kein Genuss.
    Mit den heutigen modernen Prozessoren gibt es CI-TrägerInnen,
    die von Musik begeistert sind. Anderseits gibt es immer noch
    CI-TrägerInnen, die sagen:“Musik mit CI ist nur Lärm“.
    Wenn Du kein „Elektroding“ im Kopf haben willst, gibt es zwei
    Möglichkeiten:
    1.Du wartest jahrelang bis ewig auf ein „Wunder“.
    2.Du akzeptierst das Taubsein:
    Es gibt viele andere Möglichkeiten im Leben als Musik.
    Du kannst Dein künstlerisches Talent auf optische Kunst richten,
    Du kannst vieleicht etwas ganz anderes machen.
    (Schriftsteller werden oder einfach ein guter Handwerker)

  80. Sehr interessante Diskussion hier. Vor allem die Überlegung, die Pia „Erpressung“ genannt hat. Die Bedingungen, die man irgendwann mal für sein Leben aufstellt und an denen man festhalten, von denen man nicht abweichen will. Solange alles läuft wie geplant oder man einfach Glück hat ist das ja kein Problem. Erst bei Fehlschlägen, Unglücken und Enttäuschungen wird’s interessant. Wenn man Flexibilität und Ich-bleiben kombinieren muss. Da zeigt sich dann der Charakter, finde ich.

    Eric, Knochenbruch regeneriert sich, klar. Bei der Sache mit dem Bein meinte ich nur, dass wenn das Bein ab ist, keiner mehr auf die Idee kommt, der Körper könnte es vielleicht mit geeigneten Denkanstößen wieder regenerieren. Aber im Innenohr, selbst wenn da (mal hypothetisch gesagt) keine einzige Nervenzelle mehr vorhanden wäre, sieht man das nicht. Alles sieht gesund aus, fühlt sich gesund an.
    Schmerz gibt es übrigens nur da wo es Schmerzrezeptoren gibt (im Gehirn zB meines Wissens nach nicht). Und wo noch was lebt.

  81. Hallo,

    Also das es ein CI gibt weiß ich natürlich, aber ich hatte das eigentlich schon auf die Rote Liste gesetzt. Zum einen, da ich keine bessere Definition von Elektrosmog finden kann, als ne Magnetspule direkt im Kopf. Zum anderen wegen des Mangels an Qualität.
    Ich ziehe vor, auf das Wunder(nr.1) zu „warten“. Denn grundsätzlich nennt man alles Wunder bei dem man keine Ahnung hat wie es funktionierte.
    Natürlich könnte ich theopraktisch auch was ganz anderes „werden“, aber irgendwas in mir sagt mir, dass ich es mir ab einen gewissen Punkt nicht mehr bieten lassen soll und es treibt mich daraufhin immerwieder in die selbe Richtung. Und die lauten: Überleg dir gefälligst was, wie du wieder hören kannst, ich hab dir nicht umsonst ein Gehirn gegegeben!

    Zu der Neurogenese habe ich heute wieder in Erfahrung gebracht, dass das Gehirn wohl keine Probleme hat Nerfenzellen zu erschaffen, dass es aber wichtig ist, das es entsprechende Impulse bekommt. Will man z.B. gegen den Abbau von Nerfenzellen bei Alzheimer antreten, muss man das Gehirn mit Hirnjogging trainieren und mal was neues lernen, zb. Jonglieren ect.

    Jetzt ist mein FAZIT, dass es eben bei der Regeneration vom Hörzentrum, bzw. dem Innenohr so ist, dass man die Reize zum stimmulieren desselben eben dadurch nicht erhält, weil es eben defekt ist. Man könnte aber mal probieren ob man, auch wenn die Geräusche nicht hörbar sind, oder mit anderen Worten, nicht bis zum Bewustsein vordringen, trotzdem irgendwie warnehmen kann. Also man versucht, sich auf ein „nicht vorhandenes“ Geräusch zu konzentrieren.

    Zu den Schmerzrezeptoren weiss ich nur, das man Gehirn OPs oft im Wachzustand durchführt(e), da man sonst nicht weiß, ob man eventuell was falsches erwicht und da da eh keine Schmerzrezeptoren sind. Der Patient kann sich aber melden, wenn plötzlich sein rechtes Bein ertaubt oder er an Massenmord denkt. 😉
    Im Inneohr sind demnach wohl auch kaum welche, obwohl ich manchmal dort Schmerzen empfinde, oder aber!, das Innenohr ist garnicht kaputt, sondern nur die Leutung zum Hirn, wo ja keine Rezeptoren vorhanden sind.

    Hoffe das klingt nicht zu weit hergeholt, aber wollte nur mal ein bischen anregen.
    Bis dann
    Eric

  82. Hi Eric,

    zu den Filmemachern – da kontaktierst Du wohl am besten
    http://www.gsvideo.ch/
    Anscheinend produzieren sie heute praktisch ausschliesslich GS-Videos, das war vor einigen Jahren noch nicht der Fall, so viel ich weiss.

    Zum Thema Elektrosmog möchte ich einige Überlegungen aufwerfen. Man kann sich eigentlich gar nicht vor Elektrosmog verstecken – hast Du ein Handy? Eine Mikrowelle? Einen Backofen? Kochherd? TV? Computer? Lampen? Und seit spätestens den 1930ern gibt es Radiowellen sendende Radiofunksender (das sind elektromagnetische Wellen). Und wusstest Du, dass Photonen (=Licht) der Sonne auch elektromagnetische Wellen sind?

    Ich persönlich stelle mir die Frage: Was macht mir mehr Angst? Die sehr reale Isolation von anderen Menschen durch die Gehörlosigkeit oder die sehr angebliche – bisher noch nie nachgewiesene – Wirkung von Elektrosmog?

    Ich gebe aber offen zu – ich habe bereits 2 CIs.

  83. Hallo,

    Ja, es scheint, das die nur GS videos machen. Mich würde vielmehr interessieren wie Spielfilme oder KunstFilme für Taube aussehen. Ich mein jetzt nicht nur mit Untertitel, fertig.

    Bei Elektrosmog gilt so wie bei vielen anderen Sachen: Die Menge machts.

    Und ich habe kein Fernsehen, Handy, Microwelle oder ESL „ElektrosmogStrahlenLampen“. Die habe ich vor langem schon aus dem Fenster geschmissen, z.B. als ich gelesen habe, dass man mit zwei angeschalteten Handys neben einem Ei dieses in nur 65 Minuten hart kochen kann!!! Ich will nicht wissen was mit dem Protein im Gehirn passiert, aus dem es zu min 60% besteht. Kannste ja mal ausprobieren wenn du lust hast. Ich habs schon gemacht. Hat gut funktioniert.
    Mein Tinnitus hat übrigens begonnen, als ich im Praktikum täglich 10 Stunden 20 Wlan Rechnern ausgesetzt war.
    Die Krebsrate ist in mehreren hundert Metern neben Antennenmasten und Handywellen Masten übrigens nachgewiesen vielfach höher als wo anders.
    Bei den Photonen der Sonne hat sich der Mensch schon seit er existiert angepasst. Die die ihm zu schaffen machen werden, seien da nicht die großen Ozonlöcher, durch den sogenannten Van-Allen-Strahlungsgürtel weggefiltert.
    Da hab ich übrigens auch noch ne gute Frage an die CI-Träger. Haben die „Fachärzte“ einen darauf hingewiesen, dass der Prozessor durchbrennt, wenn eine starke intergalitische Strahlenwelle, seis nur Sonnenwind von der Sonne, auf denselben treffen? ohhhh je, das hört sich gruselig an.
    ….
    Reicht erstmal als Senf denk ich. Soviel zum Thema sehr angeblich. Bitte nicht falsch verstehen. Ich will nicht provoziere und keine Angst machen, das sind nur Tatsachen. Ich würde aber gerne zum Thema zurück kommen.
    Nennen wirs es mal Neurogenese.
    Bis dann.

  84. Eric, gib bei solchen Behauptungen (Krebsrate/Mobilfunkmasten, WLAN und natürlich vor allem Sonnenwind und CI) bitte eine Quelle oder zumindest einen Link an. Denn die ganze Strahlung ist mir zwar auch nicht ganz geheuer, aber in dem Bereich wird so viel rumbehauptet. Sollte es hier wirklich Tatsachen geben und nicht nur Studien, die mal in die eine und mal in die andere Richung deuten, wenn sie überhaupt fundiert sind, wäre das ziemlich interessant!
    Bis dahin haben diese Sätze hier den Charakter von Spekulation.

    Zumindest die Sache mit dem Eierkochen scheint allem Anschein nach eine Ente zu sein. Du sagst, Du hast es selbst probiert?

  85. Eric, es ist auch eine Frage des Vertrauens in andere Menschen – in Techniker, Wissenschaftler, Physiker, Audiologen, Neurologen, Mediziner – wenn man sich für ein CI entscheidet. Das Konglomerat aus diesen Forschungen und unzähligen Erfahrungen fließt ja hinein. Ohne Vertrauen geht es nicht. Man kann sich die Welt zu einem düsteren Ort voller böser Gefahren denken, oder sich dahin orientieren, wo Probleme angepackt und gelöst werden.

    Und es gibt mitterweile einige Menschen, die seit 25 – 30 Jahren problemlos ein CI haben, nix da mit Schauermärchen über intergalaktisches Buhu. Du kannst dich ohne Risiko einfach mal über die technischen Hintergründe zum CI informieren, bevor die Phantasie mit dir durchgeht.

    Apropo Phantasie:
    Gerade du könntest einer von den einzigartigen Menschen sein, die trotz Hörverlust einen Weg finden, Musik und Klang in der Medienarbeit weiter zu verfolgen. Oder sogar künstlerisch zu thematisieren. Ich muss an Schlingensief denken, der aus der persönlichen Angst vor dem nahen Krebstod eine kreative Theaterarbeit gemacht hat, die weit über seine eigene Person hinaus geht. Er hätte eigentlich jammern können „Oh, ich bin sterbenskrank, also kann ich jetzt nicht mehr arbeiten. Zuerst muss ich wieder gesund werden, erst dann …“ Aber er hat noch intensiver weiter gemacht und das Thema Tod nicht ausgeklammert, sondern in den Fokus gestellt. Kreativ.

    Also: Wie ist das mit dir und Musik? Was machst du mit allen deinen Sinnen, so wie sie jetzt eben sind?

    Beispiel: Als ich das Gehör verlor und keine Sprache / keine Musik mehr erkannte, habe ich mal den Quitsch-Knacks-Rhytmus meines alten Fahrrades mit dem Diktiergerät einer Freundin aufgenommen und dann für einen kleinen Trickfilm verwendet. Die Tonspur konnte ich am PC anhand der Amplituden sehen, also habe ich auf Sicht geschnitten. Das ergab ein Rhythmusmuster, akustisch wie optisch. Ein Experiment! Keine Ahnung, wie sich das für Normale anhörte, aber da fängt ja das eigentlich Neue an – was vorher eben noch nicht gemacht wurde. Videotechnik war nie so mein Ding, deshalb habe ich es bei dem einen Experiment belassen. Aber ein interessanter Anfang ist es allemal …

  86. * „CI seit 25 – 30 Jahren“, das heisst genauer:
    Die ersten Implantierten in den frühen 1980er-Jahren hatten noch keinen großen Nutzen vom CI, aber sie tragen die Implantate schon so lange, immerhin. Seit den 1990er-Jahren gibt es stetig steigende Hörerfolge. Ich habe eine junge Frau kennengelernt (jetzt ist sie ca. 24 Jahre alt), die als Kind mit 5 Jahren ein CI bekam und auf eine normale Schule gehen konnte. Sie hatte nie Probleme mit dem Implantat in all den Jahren. Was macht sie bloss falsch? *lach*

  87. Hallo,

    Ihr habt alle recht!

    (Ich habe es auprobiert mit ner handyflattrate. Hart gekocht war aber übertrieben, es war mehr eine glibbrige Masse. Tut mir leid.)

    Handymaste:
    http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/359856/index.do
    http://www.dsltarife.net/news/4342.html
    (von Mobilkom Austria wird die Studie natürlich angezeifelt!!! es geht ja um ihren Hals und millionensummen Schadensgelt.)
    Einfach handymast und krebsrate bei google eingeben. Da gibts genug Beispiel….

    Aber ich mach trotzdem weiter. Ich denke auch, dass ich hier ein wenig an die. falschen Leute geraten bin, denn so wie ich das sehe, habt ihr ja alle bereits ein CI. Da nützt es ja nichts sich für natürliches wieder hören einzusetzen.
    Also machts gut Leute und vielen Dank fürs zuhören. Wie auch immer die Sache bei mir ausgeht. Entweder ich überlebs oder kann wieder hören. In beiden Fällen würde ich glaube ich nicht zurück schreiben.
    Außderdem, wenn ich davon ausgehen würde, wieder hören zu können, würde ich mich eigentlich garnicht mit dem Thema beschäftigen, sondern einfach abwarten und Kaffee trinken. Also lebt wohl.

    Eric

  88. Ich denke, es ist ein Irrtum zu denken, wer ein CI habe könne sich nicht mehr für natürliches Hören einsetzen. Mich jedenfalls würde es freuen zu hören, wenn’s bei Dir Neues gibt.

    Zu Elektrosmog generell: Sehr schwieriges Feld, und wie gesagt: Ich mache mir auch Sorgen, es spricht vieles dafür, sich so ganz grundsätzlich mit möglichst wenig Funkgerätstrahlung zu umgeben.
    Ich denke aber auch: Man sollte es aber mit dem Sorgenmachen speziell mit Blick auf Dinge wie CIs auch nicht übertreiben solange nichts konkretes sicher ist. Einmal googlen reicht da nicht, man muss schon versuchen, sich zumindest ein bißchen einen Überblick über die Diskussion verschaffen. Ich finde den Wikipedia-Artikel zu Elektrosmog recht gut. Speziell die von Eric zitierte Studie wird ja nicht nur von den Mobilfunkanbietern kritisiert (zusammenfassende Stellungnahme des Bundesamtes für Strahlenschutz, dort „Oberfeld-Studie“ genannt).

  89. Hallo Eric… ich meld mich hier auch mal zu Wort 🙂

    Erstmal stelle ich mich kurz vor, dann weisst schonmal etwas von mir:
    Ich bin 24 und spätertaubt. ich hatte mit 16 einen Rollerunfall, mit 18 kam raus, dass ich schlecht höre…da meine Hörverschlechterung schleichend kam. Das hab ich natürlich mal gar nicht anerkannt. Selbstverständlich hab ich mich auch geweigert, Hörgeräte zu tragen… ich kann auch sagen die Ärzte waren erstaunt wie gut ich bei meiner Hörkurve damals noch kommunizieren konnte, sie sagten ich hätte das mit meiner enormen Gehirnleistung ausgeglichen. Naja auf jeden Fall, wurde es nach und nach wieder schlechter, also mussten Hörgeräte her. Im Übrigen könnte ich auch mittlerweile Klinik-Testerin sein.. ich dachte nämlich auch immer… wenn man endlich weiß woher das kommt, dann kann man es auch wieder heilen. Ich war in versch. Kliniken.. jeder hat mal irgendwo was gefunden.. aber niemand konnte mir nun wirklich sagen, was nun mit meinem Gehör passiert ist. Bis dann mal einer auf die Idee gekommen ist, dass auch wie meine Hörkurve aussah, dies nicht von lauter Musik kommen kann sondern wahrscheinlich ein Innenohrtrauma vorlag und nun nach und nach die Häärchen verkümmerten. (ich hab natürlich im Internet auch schon alles mögliche nachgelesen… wenn ein Arzt mir jetzt noch so kommt von wegen.. ach des junge Ding, das hat nur zu laut Musik gehört, bekomm ich wirklich einen Anfall… demnach es gibt verdammt viele schwarze Schafe.. man sieht eben Ärzten auch nicht an, ob sie es drauf haben oder nicht)
    So jetzt zum Thema Heilung… das kam mir natürlich auch in Sinn… es ist aber so dass man Hören verlernen kann. Das ist nicht so wie beim Laufen, Fahrrad oder Autofahren, das wird im Kopf anders abgespeichert. Das Hören verlernt man.. wird der Hörnerv nicht benutzt bildet sich da eine Eiweißschicht drüber.. im Übrigen auch der Grund warum es sich am Anfang mit CI doch sehr komisch anhört… die muss erstmal weg. Deswegen sagt man ja auch man sollte sich ein CI möglichst schnell implantieren lassen, weil man dann noch auf sein Hörvermögen zugreifen kann. Also meine Logik sieht dann wie folgt aus: Wenn das Gehör weg ist und auch nicht weiter trainiert oder beansprucht wird, ist die Schutzreaktion des Körpers die Eiweißschicht, die aber zur Folge hat, dass das Gehör „abgekaspelt“ wird. Wie schon oben gesagt, ist das Hören im Kopf anders abgespeichert.. also verliert man nach und nach auch die Erinnerung wie man hört. Also verkümmert das nach und nach… dann sieht der Körper das Gehör wohl eher wie ein Blinddarm an… ich mein da kann man auch nichts selber heilen … wenn der raus muss, muss der raus.. sonst kann auch ein Blinddarm tödlich sein (ich weiß das ist vllt nicht das beste Beispiel, unser Körper ist ein Wunder an sich, natürlich.. aber auch nicht vollkommen. )
    Im übrigen zum Thema, wie weit man bei der Heilung ist… ich hab das mal aufgeschnappt.. ich weiß nicht ob ihr das schon gehört habt. Meerschweinchen haben das ähnlichste Ohr wie die Menschen.. bei denen hat man versucht, die Häärchen im Ohr, die ja verkümmert sind, neu einzupflanzen.. was eigentlich auch esehr gut geklappt hat… bis auf dass die wachsen und wachsen und wachsen… – weiß net ich wollt net alle paar Monate zum Innenohr-Friseur 😉

    Naja langes Gebabbel kurzer Sinn… wie oben geschrieben hab ich auch um mein eigenes Gehör gekämpft… das ist völlig normal. Ich hab aber für mich entschieden, dass ich nicht noch mehr Lebensqualität verlieren wollte. Nicht Jahre auf irgendein Wunder warten wollte. Ich hab einfach gemerkt, wie sehr es an mir gezerrt hat, ich habe mich immer mehr zurückgezogen, vieles einfach abgeblockt.. sprich ich war nicht mehr ich selbst, denn ich bin seit jeher ein kommunikativer Mensch gewesen! Das ging nicht mehr, das machte mich an allem am meisten fertig… heute kann ich sagen.. WIE ich höre ist mir eigentlich Keks… hauptsache ICH HÖRE WIEDER. Warum mich selbst also so unter Druck setzen.. mit Selbstheilung und allem.. gut und schön… wenn das geht, dann dauert das. Mir ist ehrlich gesagt meine Zeit dafür zu schade. außerdem kostet all das so verdammt viel energie, die ich eigentlich für mein Leben brauche. Ich habe einfach gemerkt wie ich mich verändert hatte und zu einer person wurde, die mir keineswegs gleicht.

    Zum Elektrosmog… ähm wie sieht es denn da beim Herzschrittmacher aus? also gibt ja auch einige Menschen die seit 20 Jahren ein CI haben und die nicht völlig verstrahlt sind 😉 (und wenn hat des ne andre ursache :D) Zum Thema Qualität.. auf was stützt du dich da denn?

    Naja auf jeden Fall hab ich mich für mein CI entschieden, dafür durft ich dann auch noch 2 jahre kämpfen, in denen ich auch wieder sehr abgebaut hatte. ABER im Juni war es dann soweit 🙂 endlich .. rechts also CI, links Hörgerät… nun hab ich mein CI seit etwas über 2 Monaten an meinem Kopf (also Sprachprozessor).. und ich kann sagen, ich konnt mich schon am nächsten Tag nur mit meinem CI unterhalten..(Hörgerät sollt ich ablegen, damit mans besser lernt).. war zwar sauanstrengend.. aber es ging!!! In der Reha hab ich dann nochmal sehr erstaunliche Fortschritte gemacht.. und ich bin ja erst am Anfang. *juhuu* Es war ein Gefühl, als wurde ich von Fesseln befreit. Natürlich höre ich nicht wie ein „Normalhörender“, aber hallo ich HÖRE! 🙂 … und zwar JETZT 😉

    Grüßle, Nanelie 🙂

  90. Jetzt verstehe ich nicht wirklich, was Eric eigentlich möchte (er scheint dies ja schon nicht mehr zu lesen).

    Zum womöglich abwegigen Vergleich zwischen Handy und CI hätte ich gern physikalischen Messdaten mit Fakten: Welche Strahlung in welcher Wirkung tritt bei den beiden doch deutlich unterschiedlichen Geräten auf? Das Ganze in physikalischen Messwerten (werde ich bei Audiologen anfragen).

    Zum Zweiten hätte ich gern eine seriöse Untersuchung über Strahlungsintensitäten und ihre Auswirkung auf den menschlichen Körper (siehe umstrittene Studien). Wenn starke Strahlungsfelder eine nachweisliche Wirkung haben, ist aber immer noch fraglich, ob sehr schwache Felder eine Wirkung haben. Man könnte ja an langjährigen CI-Trägern Untersuchungen vornehmen zu einer vermuteten Strahlungsauswirkung, dann wäre es eindeutig (werde ich mal bei Kliniken anfragen).

    Aber was Eric eigentlich suchte, waren ja Leute, die mit ihm fest daran glauben, dass er wieder wird hören können. „Glauben“ ist nicht so mein Ding, aber wünschen kann ich. Ich wünsche Eric also, dass er wieder hören kann. Wie und womit: Das wird die Zukunft zeigen.

  91. Hallo,

    Ich wollte mich ja eigentlich nicht mehr melden, aber:
    Nanelie: Dir ist es ja dann ähnlich ergangen. (16 würd ich aber als frühertaubt bezeichnen oder nicht.)
    „…wird der Hörnerv nicht benutzt bildet sich da eine Eiweißschicht drüber.“

    Genau so hat sich das bei mir auch „angehört“. Nach der anfänglichen Hörvererrung, bei der sich die Menschen wie Roboter angehört hatten, hatte ich nachvolgend etwa zwei Monate ziemlich genau im Wochentackt einen „Hörsturz“ bei dem meine Hörleistung sich über einen Tag drastisch verschlechtert.
    Bei diesen volgenden „Stürzen“ war es allerdings nicht wie zu Beginn eine Verzerrung, sondern es hörte sich mehr so an, als ob alles ein wenig abgedämpft wurde, eben so, als ob das ne schicht „Ruß“ draufgelegt wird.
    Nun hat mir mal jemand gesagt, das die Hörverzerrung einen Innenohrschaden signalisiert, die dämpfung jedoch eher einen Mittelohrschaden.
    Ich frage mich auch, ob dies eher ein Schutzmechanismus ist. Denn ich kann mir gut vorstellen, dass die geschwächten Innenorzellen, die ja so verdammt wichtig sind (offensichtlich wichtiger selbst als das Gehirn, da ja angeblich nicht reproduzierbar) mit allen dem körper zu verfügung stehen Mitteln geschützt werden. Vieleicht eben mit einer stabielen Eiweißschicht bis der verursacher der Vergiftung beseitigt ist.
    Stellt euch das mal so vor ihr habt nen großes Sinnenhärchen an eine Zelle gebunden vor euch stehen. Da sind jetzt nen haufen dinge die die zelle angreifen und aushöhle( Z.B.: E123 ect. , winzige Nanopartikel in lebensmitteln, Elektrosmog, Amalgam, dass wiederum wie ne Baterie wirkt und die empfindliche Zelle schädigen kann, was sich evtl. als Tinnitus bemerkbar macht, Ultraschall vor der Geburt etc.)
    Da der Körper jetzt keine Ahnung hat was los ist, warum plötzlich höchste Panik im Ohr herscht, da er die Verursacher garnicht erkennt, zementiert er das inzwischen total instabiele und zerbrechliche Härchen jetzt mit ner dicken Schicht aus Eiweiß ein, damit es wenigstens nicht bricht. Das kleistert er dann immer weiter zu, leider auch die Beschädigung im Inneren, wo demnach auch keine Austaussch mehr statt findet. Also die Schadstoffne nicht raus können und auch die Nährstoffe nicht rein.

    Die Frage ist also zusammengefasst: Wie bekomme ich die da wieder weg??
    Auch habe ich mich eben inzwischen auch mit dem Gedanken auseinander gesetzt, ob es garnicht nötig oder gar hilfreich ist, das zu forcieren. Denn der Körper weiß schließlich am besten wann die da wieder weg soll. Und wie gesagt 7 bis 10 Jahre kann es da schonmal dauern, wenn die Verursacher beseitigt sind.
    Falls die Theorie nicht stimmt und es sich um ein verlernen handelt würde ich gerne wissen wie man das Hören wieder erlernen können kann. Hierzu habe ich aber gehört, das man das hören nie verlernt. Vieleicht war das in einem anderen Sinn gemeint.?
    Auch habe ich ein art interessante Dinge über sogenannte Prionen im Gehirn gelesen, Eiweißstoffe, welche der körper nicht weiß auszuscheiden und sie darum so gefählich sind, weil er sie dan überall ablagern kann. Ich kann allerdings nicht viel aufschlussreiches im Internet finden.

    Also bei mir wurde auch mehrfach dieser Test gemacht, bei den man so ein knatterndes Geräusch hört, wobei die Sinneszellen stimuliert werden und zusätzlich noch ein sogenannter otoakustische Emissionen Test(glaube ich hatte man das genannt) gemacht.
    Dabei ist heraus gekommen, das meine sujektive Hörkurve( 100 bis 120 DB) garnicht mit der Messung der Emissionen übereinstimmt. Man hat mir gesagt, das sie eigentlich so verlaufen müsste, wie es etwa zu Beginn war, bevor die etappenweise Etaubung erfolgte.
    Also, dass zwar auch das Innenohr geschädigt sei, aber ich eigentlich viel besser bzw. überhaupt hören müsste. Wobei man diese Methode jedoch noch nicht anerkannt hat, da sie wohl auch fehlerhaft sei.

    Zu dem Herzschrittmacher und dem 20 Jahre CI: JEder Mensch ist auch nicht gleich, wohnt in der selben Gegend, ernährt sich gleich etc.
    Ich habe in einem Buch “ Chemoterapie heilt krebs und die Welt ist eine Scheibe“ gelesen, das die Energiequellen, Licht, Sonne, Bewegung und Ernährung sowie ein kleiner Teil Glaube(wenn man kein Yogi Meister ist) im Verhältnis zueinander stehen und einander kompensieren können. Krankheiten enstehen nur, wenn das kompensieren nicht mehr ausreicht, also alles irgendwo fehlt. Vieleicht haben die 20 Jahre CI Träger dafür einfach guten KnickKnack.

    Das mit den Merschweinchen hört sich lustig an, bin gespannt was die Wissenschaft da noch hinbekommt, bzw. wie lange es noch dauert bis man da was vernüftiges findet. Ich kann mir gut vorstellen das das mit dem natürlichen hören aus dieser Fachrichtung noch in dieser Generation möglich ist, so schnell wie die da voran kommen.

    Eine seriöse Untersuchung über Strahlungsintensitäten und ihre Auswirkung auf den menschlichen Körper hätte wohl jeder gerne. Ob die existieren kann wage ich jedoch zu bezweifeln ( jeder Mensch ist unterschiedlich).Und wenn, wird die wahrscheinlich wie immer von größeren Interessegruppen, wie z.B. der Pharmaindustrie, welche, ihrer eigenen Existens wegen, garnicht will, dass Menschen gesund sind, verschwiegen.

    Ich denke die Entfernung spielt neben der Stärke auch eine große Rolle. Ein 10000Volt Strahlenmast in Australien kann dir weniger anhaben, als ein 1,5 Volt ElektroMagnet im Kopf. Ich würde einfach bei diesen Frage auf deinen Instinkt hören. Der hat nämlich fast immer recht!
    Wenn man mir z.B. wie nach den letzten vier KH Aufenthalten versucht zu erklären, das man denkt, das es eventuelle erblich bedingt ist(owbohl seit Generationen keiner was mit den Ohren hatte) und im selben Satz dann aber sagt, das man im Grunde genommen keine Ahnung hat, dann läuten bei mir schon die Alarm glocken. Ich habe dann immer so einen Druck auf der Lunge. Als wolle mir mein Körper sagen, dass der Typ im weißen Gewand spinnt und ich ihm doch besser in die Schnauze hauen sollte, ähnlich wie es wohl bei Nanelie der Fall war.

    Bis dann

    ——————————–
    „Sie kamen nach Betsaida. Da brachte man einen Blinden zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm den Blinden bei der Hand, führte ihn vor das Dorf hinaus, bestrich seine Augen mit Speichel, legte ihm die Hände auf und fragte ihn: Siehst du etwas? Der Mann blickte auf und sagte: Ich sehe Menschen; denn ich sehe etwas, das wie Bäume aussieht und umhergeht. Da legte er ihm nochmals die Hände auf die Augen; nun sah der Mann deutlich. Er war geheilt und konnte alles ganz genau sehen. Jesus schickte ihn nach Hause und sagte: Geh aber nicht in das Dorf hinein!“

  92. Zu der Frage ob und wann regenerative Methoden etabliert sind, mit denen kaputte Ohren repariert werden können: Ich denke auch, das könnte noch in unserer Generation der Fall sein. Ich glaube aber, die wesentliche Frage ist: Was tut man bis dahin? Oder bis man irgendeine andere Form von Heilung findet oder auch nicht? Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu leben, in der Zeit. Es nicht auf später verschiebt und nur noch sucht, sucht, sucht. Oder es allein, isoliert und in Wartestarre verbringt.

  93. Hallo,

    Ich glaube dazu habe ich eine gute Patentantwort gefunden: Glauben

    Hört sich jetzt weit hergeholt an und ich würde es selbst nicht glauben, wenn ichs nicht gerade versuchen würde.
    Um eins klarzustellen: Meine Eltern waren zwar Baptisten, aber ich bin sehr frei erzogen wurden und hatte mich etwa ab 12 dazu entschieden die Finger von der katholischen Kirche zu lassen.
    Wie auch immer: Ich leese gerade das Buch Ein Kurs in Wundern…
    http://www.einkursinwundern.com/
    …und bekomme immer mehr die Idee, dass es irgendwo auch Vorteile hat das Hören verloren zu haben, denn es eröffnet sich auf einmal eine Dimension, die ich vorher nicht mal gekannt habe. Ich frage mich außerdem, wie gesegnet gewitzt Gott doch ist!:
    Es hätte keine bessere Methode geben können, ZU GLAUBEN, als jemandem das Gehör wegzunemen, das Denken mit Rauschen zu blockieren und jegliche Bewegung einzuschränken. Da muss man zwangsläufig auf sein Herz hören. Alles in Allem: Es wird mit Sicherheit einen Grund dafür gegeben haben warum man ertaubt ist.

    Das es klappen wird habe ich vorgestern irgendwie gefühlt. Inzwischen ist mein Tinnitus auch fast weg. Ich nehme an. Er wird in den nächsten Tagen verschwinden. Soviel zum thema, 6 Monate Tinntus gleich chronisch (hab ihn jetzt schon 1,5 Jahre gehabt). Na endlich…freu!

    Sobald man das verstanden hat, was man verstehen sollte, wird man auch wieder „vollständig“. Wenn mans noch nicht begriffen hat, dann kann man zu 1000 Geistheilern und 10000 Ärzten gehen. Die werden einem alle nicht helfen können.
    Bis dann.

  94. Hallo Eric,
    laß mich raten; Du bist der aus dem Taubenschlag? 😉

    Dumme Frage mal:
    Deine Eltern waren Baptisten und Du hast mit 12 entschieden, die Finger von der *katholischen* Kirche zu lassen?
    Hast Dich da verschrieben, oder wie paßt das zusammen? Denn ich würde doch mal davon ausgehen, daß Baptisten ihre Kinder im Sinne ihrer Kirche und nicht im Sinne der katholischen erziehen – so daß sich ihnen die Frage nach dem Katholizismus doch gar nicht stellen dürfte, schon gar nicht in dem Alter, oder?

    „es wird einen Grund dafür geben, daß man ertaubt ist“ – ich persönlich denke, alles hat irgendeinen Grund, auch wenn wir es (noch) nicht verstehen. An reine Zufälle, denen wir ausgeliefert sind, glaube ich nicht.

  95. PS
    Entschuldige die vielleicht blöde Frage – vielleicht hattest Du in dem Alter schlechte Erfahrungen tatsächlich mit der katholischen Kirche gemacht oder ich habe etwas falsch verstanden; aber das so zu lesen, hat mich einfach spontan an einen Leserbrief nach dem Ausbruch des Irakkrieges erinnert, in dem der Schreiber sinngemäß ankündigte: „Ich werde jetzt aus der Kirche austreten, weil der Papst George W. Bush nicht exkommuniziert….“

  96. Freut mich, das mit dem Tinnitus. Und dass die Episode Ertaubung für dich nützlich war bzw weiter ist, auch.
    Nachtrag: Eric. Ich meine natürlich Eric.

  97. Hallo,
    Tut mir leid, wenn ich mich unklar ausgedrückt habe. Jeder soll daran glauben woran er will!
    Ich wollte damit sagen, dass ich bis vor kurzem nicht viel mit Religion im ALGEMEINEN zu tun hatte. Bin aber katholisch getauft und musste die Kommunion mitmachen. Ich hatte da als Kind nicht so die Böcke drauf und hatte den Katholizismus auch nie wirklich begriffen. Ebensowenig die Baptisten. Der mit dem Irakkrieg wohl auch nicht. Ich mag jedenfalls nicht die Getrenntheit die einem da immerwieder suggeriert wird: Er da oben ich hier unten ganz klein mit Mütze. Kommt wohl durch die großen Gebäude.

  98. Ach so, okay.
    Staune trotzdem, daß Baptisten ihr Kind katholisch taufen lassen. 😮

  99. Das mit dem Suggerieren von Getrenntheit ist übrigens ein subjektiver Eindruck….klar ist Gott groß und wir Menschen klein, aber gerade das Christentum – übrigens als einzige Religion – lehrt, daß er sich ja in Christus klein gemacht hat, um uns nahe zu sein….nicht nur körperlich, als Kind, sondern auch gesellschaftlich, in der Armut und im Tod als Verbrecher….
    das aber nur nebenbei; ich stimme Dir absolut zu: Jede/r soll glauben (oder auch genauso gut nicht glauben), was er oder sie für richtig hält; da denke ich auch sehr liberal und solange der oder die andere mich ebenfalls gewähren läßt und keinem dritten Wesen damit schadet, bin ich eigentlich allem gegenüber tolerant.

  100. Ich gehe dem Verdacht der elektromagnetischen Strahlung nach und habe dieses gefunden: Eine Auswertung der Sterberate bei bestimmten Krankheiten im Verhältnis zur Wohnlage mit/ohne Hochspannungsleitung. Schweiz.

    http://www.elmar.unibas.ch/FMPro?-db=ELMAR.fp5&-format=details.html&identnummer=2209&-find

    Dort wurde je nach Aufenthaltsdauer (5 /10/15 Jahre) im Radius von weniger als 50 m nahe Hochspannungsleitungen, „ein erhöhtes Sterberisiko an Alzheimer oder seniler Demenz beobachtet“. Den Faktor der Erhöhung (1.51 – 2.00) kann ich als Laie nicht einschätzen, weiß daher nicht, ob der hoch oder gering ist. Die Wirkungsweise muss auch noch nachgewiesen werden, bisher hat man nur die Statistik als Anhaltspunkt, aber kein konkrete Wissen dazu.

    Als Nächstes schaue ich mal, wie hoch die elektromagnetische Strahlung des CI im Vergleich zur näheren Umgebung einer Hochspannungsleitung ist, also welcher Strahlungsintensität man ausgesetzt ist. Medizinisch gibt es keine Langzeituntersuchung bei Patienten, obwohl manche schon jahrzehntelang ein CI haben. (Man weiß wohl auch nicht genau, was man da überhaupt prüfen soll, weil – siehe oben. Die konkrete Wirkungsweise von Strahlen auf körperliche Zustände ist noch nicht erforscht, aber die Intensität spielt wohl eine wichtige Rolle.)

  101. Sehr interessant, danke, Pia.
    Man verwechsle mich nicht mit einem Abwiegler. Mir macht sowas auch Sorgen. Aber weil das Thema so kompliziert ist, will ich nur mal zeigen, was es so kompliziert macht.
    Dies ist eine einzelne Studie — und was sie findet, sind, wie oben schon gesagt, statistische Relationen, keine Ursachen. Das heißt man müsste eigentlich mehrere Studien haben damit der Verdacht erhärtet ist (so erhärtet z.B., dass man *wirklich* Grund zur Sorge hätte oder damit was von Energiekonzernen oder der Regierung fordern könnte). Das gilt besonders weil in der verlinkten Kurzfassung steht: Das gefundene, erhöhte Risiko ist nicht statistisch signifikant (d.h. es ist verhältnismäßig klein und könnte auch ein einfacher Ausreißer sein). Und es wird dort darauf hingewiesen, dass Todesfälle durch Demenzkrankheiten nicht sehr gut erfaßt sind, dh. man weiß eigentlich gar nicht recht wie groß die Erhöhung tatsächlich ist.

    Dass ich die Schwächen so mühelos aufzählen kann, ist allerdings ein Hinweis auf die methodische Seriösität der Studie (ebenso wie die Autoren und die Zeitschrift).

  102. Es gibt ja massenweise weitere Studien zu Elektrosmog, die man googlen kann, aber ich schaue eher nach Links zu Unidatenbanken, nicht nach kleinen privaten Websites. Interessant auch dies hier:

    http://www.krebsinformationsdienst.de/themen/risiken/elektrosmog.php

    In Relation dazu würde ich als Laie die elektromagnetische Strahlung, die ein CI erzeugt, doch als sehr gering einschätzen. Aber wie die Intensität tatsächlich in vergleichbaren Werten ist, versuche ich herauszufinden. Folgt also noch …

  103. Genau richtig. Wie gesagt, dankeschön!

  104. Pingback: Elektrosmog: Schäden durch Cochlea Implantate? | Not quite like Beethoven

  105. Hallo Eric, ich wollte eigentlich nur kurz auf Spätertaubung eingehen:

    „Spätertaubung bezeichnet den Verlust des Gehörs nach dem Erwerb der Sprache, also etwa nach dem 5. oder 6. Lebensjahr. Ein vorheriger Verlust wird Gehörlosigkeit genannt.“ Also wenn bereits das Sprachbild gut ausgereift ist, was bei mir ja eindeutig der Fall war. Deswegen habe ich es nun auch etwas leichter mit einem CI hören zu lernen. Mein Erinnerungsvermögen an das Hören ist noch gut vorhanden, da ich nie wirklich GANZ taub war.

    Richtung Elektrosmog geh ich mal beim anderen Beitrag etwas ein 😉

  106. tantemädel

    DAnke für die Hinweise, die Diskussion, die sich daraus entspannt. ist auch sehr interessant und ich stelle fest, dass man einfach Ziele für sich haben muss und daran glauben muss. Grenzerfahrungen wird es immer geben, bei jedem, mehr oder weniger. Die Frage ist nur, wie gehe ich damit um, versuche ich diese Grenze zu beseitigen, indem ich Alternativen suche, ausprobiere und/oder trainiere. Das sieht man an dem Beispiel von Glennie sehr gut.
    Der Alltag gibt einem dafür sehr viel her, Beispiel telefonieren, Gespräche führen in lauter Umgebung, zu Blääck Föös gehen, Theater, Commedy, in dem man einfach macht und schaut was sich daraus ergibt.
    Als mein Bruder mich fragte, ob ich mit ihmeinen Gleitschirmkurs besuche, war ich skeptisch, weil ich meinte, nicht genug dafür zu hören. Ich hatte mal wieder meinen zigsten Hörsturz gehabt, und hörte noch weniger, obwohl ich ja schon fast taub geboren bin. Ich tat es, weil mein Bruder mich ermutigte und weil mein Traum war, einmal zu fliegen wie ein Adler. Wie bei jedem, musste ich erstmal laufen lernen mit dem Gleitschirm, dann kamen die ersten Hopser, die wir mit dem Gleitschirm machen durften, der Lehrer lief vor mir her und gab mir die vereinbarten Zeichen mit denen ich wusste, was ich machen sollte. Bei den Anderen verständigt er sich mit Walkie Talkie. Ich bekam mein erstes CI und benutzte das Walkie Talkie und durfte fliegen. Das vertrackte war nur, es klappte nicht, als ich im Flug war und verstand seine Anweisung nicht, doch ich flog, nutze den Wind so wie ich es gelernt hatte, genoß es, wie ein Adler zu fliegen. Ich schaute runter auf den verzweifelten Lehrer, folgte seinen Anweisungen, die er mir jetzt optisch gab und landete. Erschimpfte wie ein Rohrspatz mit mir, verständlicherweise.
    Es war ein kurzer Flug, aber ich hatte meinen Traum erfüllt, mehr wollte ich nicht und ich hatte erfahren, was möglich ist.
    Diese Erfahrung gab und gibt mir immer wieder den Auftrieb einfach zu machen, zu telefonieren, zu …..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s