Was für ein Audiot! — Eine Blogempfehlung

Einer der nettesten Nebeneffekte dieser Grimme-Nominierung ist, dass neue Besucher hierherfinden und ich dadurch  auch interessante Blogs kennenlerne. Das neueste Beispiel ist so spannend, dass ich es Euch hier vorstellen möchte.

Auf Ohrenblicke führt Jens die Welt durch die Ohren betrachtet vor. Das heißt vor allem: In Form von Podcasts.  Jens bezeichnet sich selbst zuweilen als Vollaudiot — darunter versteht er jemand, der in Tönen denkt, mit Geräuschen malt und seine Realität aus Klängen zusammenbastelt. Ich habe mich ein bißchen durch Ohrenblicke und das dazugehörige Lieblingshörer-Forum geklickt, ein bißchen reingehört, habe was verstanden oder auch nicht — und bin begeistert von diesem akustischen Blick auf die Welt. Denn die Themen sind eigenwillig, die Podcasts gut gesprochen. Und selbst wo ich nichts verstanden habe, konnte ich fremde oder unerwartete Klänge genießen.

Der neueste Streich ist eine Reportage vom Blindenfußball. Und dank Jens Beschreibung kann ich mir das lebhaft vorstellen:

Die Rasselbälle verlieren Farbe und Form und verwandeln sich in bewegliche Geräusche – die Spieler werden zu Stimmen, die sich in einem akustischen Raum bewegen.

Außerdem, last but definitely not least, ist dieser Bericht ein schönes Beispiel dafür, was im Internetz und in den Einmann-Medien wie Blogs alles möglich ist. Jens ist nämlich vor kurzem über Not quite like Beethoven gestolpert und hat spontan beschlossen, zumindest probeweise Skripte für seine Podcasts anzubieten. Den Blindenfußball-Beitrag gibt’s nun also zum Mitlesen — und zwar hat sich Jens sogar die Mühe gemacht, sein Sounddesign zu beschreiben!

Ich finde das großartig! Klickt mal bitte rüber und schenkt dem Mann ein wenig Aufmerksamkeit (flattr gibt’s auch).

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18 Antworten zu “Was für ein Audiot! — Eine Blogempfehlung

  1. Pingback: Ohrenblicke und Hörbehinderung - Gedanken zur Barrierefreiheit » Ohrenblicke

  2. Pingback: Tweets that mention Was für ein Audiot! — Eine Blogempfehlung « Not quite like Beethoven -- Topsy.com

  3. Pia Butzky

    @Jens, ich habe dein Script zum Potcast gelesen. Damit du weisst, dass deine Mühe nicht umsonst war: Klasse, danke! Ich schreibe gleich noch einen Kommentar bei dir drüben rein, sobald ich die Hürde „Potcast“ genommen habe – ich höre mit CI und muss mich erst reinwuseln.

    @nqlb
    Wie machst du das technisch am PC mit dem Hören, nimmst du Kopfhörer? Boxen? Oder besondere Zubehörkabel …?

  4. Pia Butzky

    Ach, falsch geschrieben. Muss natürlich korrekt „pottkasten“ heißen.

  5. Je nachdem. Wenn’s nur Sprache und einigermaßen klar ist, probiere ich als erstes einfach den Laptoplautsprecher. Für längeres und/oder schwierigeres entweder Audiokabel ans CI oder Kopfhörer über CI und Hörgerät. Wobei letzteres (bimodal) oft besser ist, ersteres fällt bei mir eher unter Hören-Üben.

    Für sowas wie den Film von neulich oder die sounddesignten Podcasts von Jens über die Boxen der Stereoanlage. Aber ich glaube den besten Sound könnte ich erreichen wenn ich mir mal einen guten, geschlossenen Kopfhörer anschaffen würde (so groß, dass CI+HG drunterpassen ohne dass es drückt).

  6. Aber ihr hängt euer Kabel nicht an Netzstromgeräte, gell?! :O

  7. Zunächst mal vielen Dank für die Weiterempfehlung. Ich muss zugeben, dass ich es nicht für möglich gehalten hätte, dass sich Menschen mit Hörbehinderung für mein Projekt begeistern können, das macht mich schon ein wenig stolz.

    Ich möchte dich (und deine Leser) bitten mir ein wenig mehr zu erzählen, wie ihr meine Aufnahmen wahrnehmt, wo ihr etwas nicht versteht und wo eure Grenzen liegen. Ich werde hier im Blog natürlich auch noch einiges nachlesen, denn bislang weiß ich noch recht wenig über das Hören mit CI.

    Falls genügend Interesse besteht, werde ich weitere Transkriptionen meiner Produktionen anbieten. Es ist zwar etwas aufwändig, aber ich merke, dass es auch für mich selbst eine interessante Erfahrung ist zu versuchen die Klänge in Worte zu übersetzen.

    Noch zwei Spitzfindigkeiten zum Schluss: Die „Reportage“ über den Blindenfußball ist im Grunde noch keine, die wollte ich mir für eine längere Folge aufheben. So spreche ich auch noch nicht über das Spiel an sich, ich habe außerdem auch noch einige Interviews geführt. In dieser Folge geht es erst mal nur um ein paar Gedanken zu der ersten Berührung mit Blindenfußball.

    Das „Sounddesign“ ist ebenfalls im Grunde kein Design, sondern eine natürliche Atmo, die ich bis auf ein paar Schnitte (die man nicht hört) unbearbeitet gelassen habe. Ich habe hier also keine neuen Klänge kreiert, sondern wollte die akustische Realität naturgetreu wiedergeben.

    Danke noch mal für die Werbung und ich drücke alle Daumen für den Grimme-Preis!

  8. Kommentare hier oder drüben? 😉
    Das, was du erzählst verstehe ich problemlos, du redest ja relativ langsam und deutlich. Den Coach verstehe ich schon deutlich schlechter, weil eben auch durcheinander geredet wird und alles etwas leiser ist.

    Beim Schuss macht mich das Gemurmel im Hintergrund rappelig, weil ich nicht weiß, ob es da etwas zu verstehen gibt oder nicht 😉 Das geht mir aber auch im Alltag und bei Filmen so. Gibt ja Szenen, da soll man eben nur SEHEN, dass gesprochen wird, KANN es aber gar nicht verstehen (für mich der einzige Vorteil an UT für Schwerhörige: Dass dann „unverständliches Gemurmel“ dasteht 😉 Ich brauche sonst keine Untertitel, aber in diesem Moment weiß ich dann: Okay, GIBT einfach nix zu verstehen). Oder im Alltag, wenn Normalhörende etwas auch nicht verstehen können. Durch das Transkript kann mans dann aber nachlesen.

    Tja, ähm… Keine Ahnung, ob dir das nun weiterhilft 😉

  9. Klar, alles hilft mir weiter, danke! Mich interessiert neben der Hörwahrnehmung auch, ob genügend Leute mein Transkript lesen und sich die Sache lohnt. Ohne die tolle Werbung von N.q.l.Beethoven hier wäre das sicher vertane Liebesmüh. Leider misst mein Statistik-Tool auch nicht die Downloadzahlen der PDF-Datei, da muss ich mir mal was überlegen.

    Kommentare „drüben“ wären natürlich auch Klasse, denn je mehr sich dort bewegt, desto mehr motiviert mich das weitere Transkriptionen anzufertigen und vielleicht findet die Sache sogar Nachahmer. Ich habe heute Morgen noch einen Artikel über die Aktion geschrieben, auch hier würde ich mich über Diskussionen und Anregungen freuen!

  10. Emmi, nein, keine Sorge. Der Laptop hat ja Batterie.

    Jens, ich hatte schon immer ein etwas laxes Verhältnis zum Begriff „Reportage“ — auch wenn ich durchaus auch ungehalten wäre, wenn ich eine Reportage über das Spiel bestellt hätte und dann diesen Beitrag abgeliefert bekommen hätte. Mit Sounddesign meinte ich eigentlich nur, dass Du Dein Intro so genau beschrieben hast.
    Ansonsten würde ich generell vielleicht nur noch sagen: Schwierig wird’s immer wenn sich Klänge/Musik und Sprache überlagern. Weil bei eingeschränktem Hören schnell die Differenzierungsfähigkeit verloren geht. Wenn man beides getrennt genießen kann ist’s zwar weniger atmosphärisch, aber für Hörbehinderte einfacher.

  11. Das Sounddesign beim Intro und Outro hatte ich völlig verdrängt. Das stimmt natürlich, das war ein wenig Bastelei.

  12. Der Stand der Dinge: Inzwischen gibt es drei kurze Ohrenblicke-Folgen mit Skript. Das Ganze ist schon ein wenig Mehrarbeit, aber ich versuche zumindest die Kurzfolgen auch in Zukunft mit „Untertiteln“ anzubieten und ich werde demnächst mal einen Aufruf starten nach Leuten, die mir helfen, auch längere Folgen zu transkribieren. Alle Folgen mit Skript findet man auf dieser Seite:
    http://www.ohrenblicke.de/schlagwort/untertitel

    Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn ihr noch ein bisschen die Werbetrommel für mein Projekt rühren könntet. Es sind sicherlich nicht all zu viele, die von meinen Skripten gebrauch machen, aber ich möchte damit auch ein Zeichen setzen, dass es Menschen gibt, die die Welt anders wahrnehmen und ich hoffe, dass ich so einen kleinen Beitrag für ein barrierefreies Internet leisten kann. Ich denke auch, dass die Texte Menschen helfen, die die deutsche Sprache lernen möchten und hoffe, auch in dieser Richtung noch mehr Publikum zu finden, sodass sich die Mehrarbeit lohnt.

    Liebe Grüße an alle!
    Jens

  13. Hallo Jens. Klasse Website, klasse Idee.
    Das mit den Texten zum Nachlesen ist für die Wortbeiträge recht gut, nur die Musik oder Hintergrundgeräusche entfallen dann natürlich.

    Ich habe mir Orgelmusik in Tunis angehört: Gut gesprochen, gut verständlich, gutes Tempo. Nur ist die Hinterlegung mit Musik (Orgel) eben genau der Knackpunkt für Hörgeräteträger oder CI-Träger. Entweder Geräusch oder Sprache, beides übereinander ist schweirig. (Deine Mischung ist noch ganz akzeptabel, weil der Hintergrund gedämpft ist, aber in manchen Filmen wird die Filmusik so nervig penetrant in Dialoge reingemischt, das es nicht zum aushalten ist. Sogar in guten Filmen. )

    Ich werde auf jeden Fall (wieder) öfter bei dir reinhören und dich weiterempfehlen. Geht klar. Pia

  14. Hallo Pia,

    danke für deine Anmerkungen! Meine Mischung ist auf mein eigenes Hörempfinden abgestimmt, da kann ich leider keine Kompromisse eingehen. Ich verstehe, dass dich Geräusche oder Musik unter der Stimme eher stören, für mich transportieren sie aber Emotionen und auch Informationen, auf die ich nicht verzichten möchte. Ich habe auch gar keine Ahnung, wie man mit Hörbehinderung das MP3-Format wahrnimmt, das ja für „Normalhörende“ ausgelegt ist. Es wäre mal interessant, eine Software zu entwickeln, die verschiedene Arten von Hörbehinderung simulieren kann.

    Ich hoffe aber, dass zusammen mit dem Skript die Sache attraktiv genug für Hörbehinderte ist. Die Geräusche und Musik werden ja im Skript auch so gut wie möglich umschrieben – ist natürlich nicht dasselbe, wie sie zu hören, klar, aber das ist für mich die Herausforderung, den Charakter des Podcasts möglichst 1 zu 1 in den Text umzusetzen. Die Frage ist halt, ob es genügend Leute gibt, die Interesse an so einem Skript haben, dass sich die Arbeit lohnt.

    Kleiner Tipp: Falls dein Wiedergabegerät die Möglichkeit hat, die Wiedergabe auf Mono zu schalten (das heißt, beide Kanäle zusammenzumischen), dann wird alles, was aus der Mitte kommt, also vor allem die Stimme, meist etwas präsenter. Allerdings geht dann die Räumlichkeit verloren, die bei meinem Podcast auch sehr wichtig ist. Das Leben ist ein einziger Kompromiss. 😉

    Auf jeden Fall danke, dass du dir mein Zeugs anhörst und weiterempfiehlst!

    Liebe Grüße,
    Jens

  15. Pia Butzky

    „Ich verstehe, dass dich Geräusche oder Musik unter der Stimme eher stören, für mich transportieren sie aber Emotionen und auch Informationen, auf die ich nicht verzichten möchte.“

    DANKE! Endlich sagt es mal einer. Genau das fehlt nämlich, wenn man mit CI/Hörtechnik hört: Emotionen. Auf die möchte ich nicht verzichten, aber die Hersteller von Hörtechnik sagen: „Nicht so wichtig, Sprachverstehen ist wichtiger.“ Fies, ne? Siehe auch `Digitale Hörgeräte und Musikhören´

    „Es wäre mal interessant, eine Software zu entwickeln, die verschiedene Arten von Hörbehinderung simulieren kann.“
    Ähm, nö, das nun wirklich nicht. Eher eine Software, die verschiene Arten von Hörbehinderung KOMPENSIEREN kann. Du schreibst hier in einem Blog, in dem es von echten -unsimulierten- Hörbehinderten wimmelt.
    😉

    Aber das ist jetzt nicht wirklich wichtig, bloss mal so nebenher kommentiert. Die Transskriptionen auf deiner Website sind eine echt gute Sache, wäre schön, wenn man sowas häufiger in den Medien hätte, macht aber sicher höllisch Arbeit.

  16. „Ähm, nö, das nun wirklich nicht. Eher eine Software, die verschiene Arten von Hörbehinderung KOMPENSIEREN kann.“

    Natürlich wäre eine solche Erfindung im Gegensatz zu meiner vorgeschlagenen Idee absolut wünschenswert und nobelpreistauglich! Allerdings hoffe ich, dass es hier nicht nur Hörbehinderte gibt, sondern dass sich auch die sogenannten Normalhörenden für die Welt der unsimulierten Hörbehinderten, die hier sehr anschaulich beschrieben wird, interessieren. Und für diese ist eben die von mir vorgeschlagene Erfindung von großem Nutzen, wenn sie beispielsweise einen Podcast, Radiobeitrag oder auch Musik produzieren und mal hören wollen, wie ein Hörbehinderter das wahrnimmt. Genauso wie ich es interessant finde, mal die Augen zu schließen und die Welt als Blinder wahrzunehmen.

    Nun ja, was die Arbeit am Skript betrifft, die ist bei den Kurzfolgen relativ überschaubar, denn den Sprechertext schreibe ich ja sowieso. Ich muss es nur in die Form bringen und die Atmo und O-Töne transkribieren. Weit aufwändiger wäre es die Interviews zu transkribieren, weshalb ich das bislang noch nicht gemacht habe.

  17. Nur zur Info: Ich habe es mal probiert, eine Ohrenblicke-Folge mit echten Untertiteln zu versehen. Das Ergebnis kann man sich hier ansehen/-hören:

    Dazu habe ich noch einen kleinen Artikel geschrieben:
    http://www.ohrenblicke.de/lesen/was-eisdielen-in-groenland-mit-untertiteln-zu-tun-haben

    Beste Grüße aus dem Ohrenblicke-Land!

  18. Pingback: Sinfonie der Stadtmitte — Warum auch Grönländer eine Vorliebe für Eis haben können | Not quite like Beethoven

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