Das große Gruseln: Viren und Hacker in meinem Cochlea Implantat?

Enno jagt mir (und offensichtlich auch Jule) bei Yucca Tree Post  einen Schauer über den Rücken: „Mensch mit Computervirus identifiziert“, schreibt er und verweist auf Medizintechnik wie Cochlea Implantate. Denn auch da werden Fernwartung und Funkverbindungen mit anderen Geräten in Zukunft kommen. Aber muss man deswegen Angst vor Viren und Hackern im elektrischen Ohr haben?

Dass Cochlea Implantate ihre Träger fernsteuern könnten, war wohl früher ein gern erzähltes Schauermärchen. Nun — das kann man wohl ausschließen. Aber auch im renommierten New England Journal of Medicine haben Wissenschaftler vor kurzem vor Sicherheitslücken bei medizinischen Geräten und Implantaten gewarnt (der Text ist nur für Abonnenten zugänglich, hier eine frei zugängliche Zusammenfassung).

Bei Kernspin-Tomographen (MRI) ist es schon passiert: Letztes Jahr Jahr wurden einige Geräte in Krankenhäusern vom Conficker-Wurm infiziert. Im obigen Artikel wird daher gefordert: Bei medizinischen Geräten und Implantaten muss die Sicherheit erhöht werden bevor etwas geschieht. Am besten indem entsprechende Anforderungen schleunigst in den Zulassungsprozess integriert werden.

Ich denke: Da Cochlea Implantate nicht lebensnotwendig sind, wäre das vermutlich ziemlich einfach zu machen. Aufwendiger müssten die Vorkehrungen z.B. bei Herzschrittmachern und anderen Geräten sein, die kontinuierlich lebenswichtige Funktionen regulieren. Außerdem besteht, soweit ich das sehe, die größte Gefahr nicht in der drahtlosen Verbindung als solcher. Sondern in der dauerhaften Verbindung und v.a. im automatisierten Austausch von Daten.
Für beides sehe ich beim CI wirklich überhaupt keinen Anlass. Wenn es Sprachprozessoren (also den äußeren, hörgeräteartigen Teil des CI) mit integrierter Telefon-, Radio- oder mp3-funktion gibt, reden wir nochmal. Dann nämlich wäre es wirklich fatal, irgendwelche Datenpakete anzunehmen ohne genau zu wissen, was sich dahinter verbirgt. Oder was denkt Ihr?

Erstmal finde ich das Thema Sicherheitslücken, Hacker und Viren auf anderen Gebieten viel beunruhigender. Z.B. diese smarten Stromzähler, die gerade überall eingebaut werden
[Nachtrag: Ennos Beispiel, Autos, ist auch nicht von schlechten Eltern.]

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25 Antworten zu “Das große Gruseln: Viren und Hacker in meinem Cochlea Implantat?

  1. Ich sehe das genauso. Soweit ich weiß, gibt es noch keine Sprachprozessoren mit Bluetooth-Anbindung, mit könnte eventuell theoretisch (vorsichtig, vorsichtig ;)) etwas passieren, aber selbst damit würde ich mir relativ wenige Sorgen machen. Denn dann lässt sich bestimmt festlegen, welche Funksignale zugelassen werden, alles andere wäre schon alleine deshalb grob fahrlässig, weil man dann ja eventuell vom Telefongespräch des Nachbarn ungewollt beschallt wird. Natürlich kann es immer wieder vorkommen, dass die Software einen Fehler hat und doch etwas durchkommt, aber ich glaube nicht, dass an jeder Ecke ein Computervirus gierig darauf lautert, endlich meinen Sprachprozessor befallen zu dürfen.

    In meiner Naivität glaube ich im Moment auch nicht, dass sich überhaupt irgendjemand die Mühe machen wird, Sprachprozessoren und CIs „anzugreifen“. Welchen Nutzen sollte man dadurch haben? Die Herstellerfirma erpressen? Den Endnutzer zu schädigen bringt doch dem Hacker eigentlich gar nichts. Es sei denn, man will jemanden vor einer wichtigen Konferenz oder so lahmlegen, aber das ist jetzt eher Stoff für einen Politthriller. (Wehe, mir klaut jetzt jemand diese Idee! ;-))

    Ein Hacker muss das System übrigens gut kennen, damit er es angreifen kann. Da es nur sehr wenige Menschen geben dürfte, die sich hier wirklich auskennen, und die noch dazu vermutlich alle für CI-Hersteller arbeiten/arbeiteten, ist die Gefahr nochmal um einiges geringer. Es sei denn, jemand will sich rächen, aber das wäre schon wieder ein neuer Thriller … 😉

  2. Zusätzlich kann man — mit Blick auf die Kernspingeschichte — noch sagen: Bloß kein Windows auf dem CI. 😉

    Oder am besten überhaupt keine standardisierte, weitverbreitete Software.

  3. Ja, das ist auf jeden Fall am sichersten. Windows zu hacken ist relativ einfach, das kennt ja jeder. Deshalb gab es auch jahrelang keine Viren für den Mac, es hat sich einfach nicht gelohnt, da der Mac im Vergleich zu Windows nur eine handvoll User hatte.

  4. Pia Butzky

    Das CI hat momentan nichts mit Datenübertragung in elektronischen Netzwerken zu tun, rein technisch sind das zwei paar Schuhe. Genauso wenig ist meine Radio von Hackerangriffen bedroht, obwohl das sogar den Stecker im Stromnetz hat.

    Aber andersherum wäre es mal sinnvoll, für die leidige Prozessoreinstellung eine solche Datenübertragung in Fernverbindung endlich mal zu schaffen, die es ermöglicht, den Prozessor über Distanz hinweg einzustellen, damit man nicht jedesmal für einen Piep in die Klinik fahren muss. Zukünftig stelle ich mir auch vor, dass CI-Träger selbst ihre Software zum Einstellen zur Verfügung haben, damit man nicht für jeden Piep in die Klinik fahren muss, wo der Techniker nur einen kleinen Schieberegler an seinem Monitor eine Stufe nach oben schiebt.

    Viele CI-Träger sind ja nicht zufrieden mit der doch recht mühsamen Abgleichung, die man mit dem Techniker machen muss, weil der (oder die) nicht unbedingt so einstellt, wie man das am besten zum Hören braucht. Das Erklären und Anpassen ist sehr umständlich und findet in einem geräuscharmen Raum statt. Kaum auf der Strasse, merkt man: Es klirrt oder dröhnt jetzt mehr als vorher. Aber dann ist der Termin gelaufen und man muss wieder Wochen warten und wieder für den Piep in die Klinik fahren, damit es justiert wird.

    Viele wünschen sich eher die eigenständige Möglichkeit, sich nach eigenem Gehör einzustellen, zuhause, mit lokal gespeicherter Software. Das wird in Zukunft sicher die Richtung sein. Damit man nicht für jeden Piep in die … *sigh*

  5. Das halte ich aber für sehr gefährlich, Pia. Hörgeräte- und CI-Techniker machen nicht umsonst eine Ausbildung. Ich fahre lieber für jeden Piep in die Klinik, als das Ding total falsch einzustellen und dann etwaige Schäden davontragen zu müssen. Mal ein Beispiel: Mein Techniker hat mir das Gerät letztes Mal auf meinen Wunsch lauter gestellt und gefragt, ob es in Ordnung wäre. Ich bejahte. Bis er eine Rassel holte und sie kräftig schüttelte. Mir ist es so schwindelig und schlecht geworden, dass ich fast vom Stuhl gefallen wäre, ich musste mich regelrecht an der Sitzfläche festkrallen. Wäre ich so nach draußen gegangen … Nee, das will ich mir nicht ausmalen.

    Selbst einstellen nur dann, wenn man wirklich ganz genau weiß, was man macht, und dazu gehört mehr als die Software bedienen zu können. Sicher, man kann es lernen, aber ich für meinen Teil überlasse das doch lieber den Profis, die sich auch regelmäßig weiterbilden.

    Natürlich kommt es auch immer auf den Techniker an, ich glaube, mit meinem sehr viel Glück zu haben. Er schickt mich nie einfach so wieder weg, sondern testet immer ausführlich, ob die Einstellungen so OK sind. Entweder mit diversen Instrumenten, oder indem er einfach mit mir redet oder mir Musik vorspielt. Das sollte eigentlich jeder Techniker tun.

  6. Pia Butzky

    Die unabhängige eigenständige Einstellung wird zukünftig mit dafür speziell angelegter Software möglich, die natürlich für CI-Träger entwickelt wird. Schonend und bedienungsfreundlich, laientauglich bzw. mit einer Einweisung, ist doch klar. Sie hat natürlich Schutzfilter und Sperren, damit man keine gefährlichen Fehler oder Übersteuerungen machen kann. Versteht sich ja von selbst. Das kann man doch vergleichsweise einfach programmieren.

    Der erste Anpassungprozess würde noch in der Klinik gemacht, aber die späteren sporadischen Feineinstellungen kann man dann selbst vornehmen. Man merkt selbst sofort, ob es zu laut oder zu grell ist und kann mit der auf Patienten abgestimmten Software nachregeln. Ich brauche nicht mehr extra einen Techniker in einer Klinik, der eine Rassel schüttelt.

    Diese in gesichertem Bereich mögliche manuelle Bedienung halte ich für realistisch, der Bedarf ist hoch und die technische Weiterentwicklung naheliegend.

    Eine andere technische Zukunftsentwicklung wäre sehr viel gefährlicher, aber auch weitaus unrealistischer: Die Datenabfrage oder -einspeisung in das CI von außen per Netzverbindung , die der Betroffene nicht selbst steuern kann, z.B. laufender automatischer Update oder Support. Eine Notwendigkeit dafür besteht aber nicht und es wäre eher „science fiction“.

    Ängste vor solchen ungeschützen Netzen sind aber umso mehr ein Grund, sich der persönlichen Softwaresteuerung für CI-Träger zuzuwenden. Man ist einfach unabhängig. Wenn es das schon gäbe – das eigene CI-Schaltpult am Monitor für Zuhause – würden alle es haben wollen!

  7. Überzeugt mich nicht, auch wenn die Idee sehr interessant ist. Ungefährliche Feineinstellungen kann man doch jetzt auch schon vornehmen, indem man die Lautstärke und Mikrofonreichweite steuert (zumindest bei meinem Modell, natürlich kann ich jetzt nicht für alle Geräte sprechen). Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Endbenutzer viel mehr ändern darf, ohne über die entsprechende Ausbildung zu verfügen. Würde es eine solche Software irgendwann geben, würde ich mich natürlich nicht dagegen wehren und sie sofort ausprobieren. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie jemals entwickelt wird, denn das wäre mit Sicherheit eine sehr teure Angelegenheit. Zumal dann je nach Funktionsumfang auch noch entsprechende Schulungen/Einweisungen finanziert werden müssten …

  8. Pia, klar ist das noch Zukunftsmusik. Und genau das meinte ich ja, für diesen kontinuierlichen und automatischen Datenaustausch sehe ich beim CI keinen Bedarf (weder bei Support noch bei Update).

    Zu der Sache mit dem Selbst-Einstellen: Mich hat das schon bei Hörgeräten immer wahnsinnig genervt, dass ich nicht zumindest ein bißchen mehr selbst machen konnte. Ich würde also auch sehr gern selbst mehr an meinem CI rumspielen.
    Ich glaube aber inzwischen, es gibt eine ganze Reihe von guten Gründen warum das nicht generell so gemacht wird und nicht so kommen wird. Jedenfalls nicht im ersten halben Jahr und danach braucht man ja normalerweise auch eh nicht mehr so große Änderungen.

    Was mich mal interessieren würde wäre, ob ich an mir selbst rumstellen darf, also ob ich mir Software und Stecker bestellen und damit zuhause spielen darf. Weiß das jemand? Was für Training muss man da nachweisen?

  9. Pia Butzky

    ??!!
    Not-quite-like-Frankenstein, das solltest du dir gut überlegen. Die Software und den Stecker zum CI gibts wohl nur vom Hersteller und nur für die Audiologie / Klinik. Sie werden dir eben aus euren o.g. Einwänden das Zeug NICHT aushändigen. Noch nicht.

    Die Fachleute bekommen eine mehrwöchige Einweisung bzw. Training. Diese Einweisung scheint aber gar nicht soo kompliziert zu sein, deshalb denke ich, in Zukunft wird es für den Hausgebrauch modifizierte Software geben. Dann kannst du ausgiebig an dir herumspie … herumstellen.

    @ Nikana: Das Programmieren einer solchen „Hausgebrauch-Software“ ist eine recht einfache Sache. Nicht schon morgen, aber in wenigen Jahren ist das zu machen. Technisch sicher kein großes Ding. Man KANN ein leicht verständliches Programm entwickeln mit speziellen Funktionen. Die jetzige Kliniksoftware ist ja für ALLE Patienten und die Erstanpassung angelegt, aber das braucht die persönliche Software doch gar nicht zu leisten! Aus Kostengründen ist das ebenfalls realistisch, und bei hoher Nachfrage finanziert sich die Sache. Ich hoff, sie bauen sowas.

  10. >??!!

    🙂
    Klar. Keine Sorge, war auch nur mal so gefragt. 🙂 Trotzdem denke ich, dass es doch einige Vorteile hat, dass man nicht selbst dran dreht. Und auch nicht ständig, wenn einem gerade danach ist. V.a. wenn es zB ungeduldige oder alte Leute sind oder auch solche die sich für den technischen Teil nicht interessieren oder ihn nicht verstehen.

    Das kann man doch alles mit der Fernbedienung machen. Und sich dann eben noch zwei oder drei Programme mit so unterschiedlichen Charakteristiken draufmachen lassen, dass man bißchen rumprobieren kann. (Ich gebe zu, ich bin befangen, weil ich habe das so gemacht.) Das Endziel ist doch sowieso, eine Einstellung zu finden, bei der man so wenig wie möglich rumschalten muss, oder wie siehst Du das?

    [Nachtrag: Bei dem Modell ohne Fernbedienung natürlich am Gerät, nicht an der Fernbedieung.]

  11. Pia Butzky

    Es wird kommen, egal in welcher Form: Die deutlich erweiterte Möglichkeit für CI-Träger, sich selbst nach Gehör anzupassen. Viel schneller und direkter als über den Umweg „Kliniktermin“. Es kann auch eine Art Fernbedienung mit Display sein, erstmal egal. Die jetzigen Reglerfunktionen sind doch recht kümmerlich.

    Auch die Anlage von CI-Programmen für unterschiedliche Situationen kann man dann selbst machen, ohne langwierige, umständliche Anleitungen für den Techniker in der Klinik. Ich kratz´ mich ja auch selbst und muss nicht erst einen Termin mit langer Anreise machen, um jemandem zu erklären, wo es juckt. Damit der mal kratzt.

    Dass einige CI-Träger das nicht nutzen können oder wollen, ist ja kein Grund, darauf ganz zu verzichten. Die meisten Leute warten schon darauf … du ja auch! 😉

  12. Hehehe, wenn Du sagst „egal in welcher Form“ dann kann ich Dir natürlich nicht widersprechen. 🙂 Und natürlich gibt es auch ein paar Einstellungen, bei denen ich auch denke, verflixt, das könnte man gut selbst machen.

    Trotzdem halte ich „ich kratz mich wenn es juckt“ für den nicht ganz richtigen Vergleich. Und zwar weil es beim CI-Hören ums Damit-Hören-Lernen geht. Den Trainings-Aspekt darf man nicht unter den Tisch fallen lassen. Es kann es durchaus sinnvoll sein, eine Weile in einer Einstellung zu verharren anstatt ständig dran rumzudrehen. Dann kann es sein, dass man ständig mit dem Neu-Lernen neuer Einstellungen beschäftigt ist und mit dem Weiter-Lernen einer alten in der gleichen Zeit schon deutlich besser gehört hätte. Zu solchen Themen würde ich gerne mal Studien sehen.

  13. Pia, es kommt natürlich stark auf den Funktionsumfang an. Die Lautstärke z.B. würde ich gerne etwas stufenloser einstellen können, zwischen 5 und 6 ist bei mir z.B. ein riesiger Sprung. 5 ist mir bisweilen zu leise, 6 zu laut – ich will die Mitte, aber die gibt es (noch) nicht. Auch bei den Mikrofoneinstellungen würde ich gerne mehr einstellen, meinen Gesprächpartner besser heranzoomen, die Autogeräusche komplett ausblenden, wenn ich nur Beifahrer bin, usw. Aber an den Frequenzen will ich lieber nicht rumspielen, nicht ohne eine sehr ausführliche Schulung. Nicht ohne ganz genau zu wissen, was ich mache und welche Folgen es haben kann. Nicht ohne ganz genau zu wissen, warum ich gerade an dieser Frequenz rumspielen muss … Da steckt zuviel dahinter.

  14. Ich glaube es gibt zwei Aspekte.
    Das eine ist, wie man am besten vorgeht um mit dem CI schnellstmöglich und bestmöglich zu hören — und die Frage ob man da unbedarft rumpfuschen kann oder einen nicht so beeinflussbaren Zeitplan und einen Professionellen braucht. Da ist das Problem, dass das ja generell nicht so klar ist bzw. zu individuell sein könnte als dass es allgemeingültige Strategien dafür gibt. Aber wie gesagt, das wär so ein Gebiet wo ich gern mehr Forschung hätte.
    Und das andere ist, ob man sich per Rumpfuschen tatsächlich körperlich oder psychisch (?!) Schaden zufügen könnte. Kann man das machen, was in englischen Foren so schön „fry my brains“ heißt? 😉 Oder wäre das nicht ganz einfach technisch zu verhindern und alles innerhalb des erlaubten Bereiches könnte man auch gut selbst machen?

  15. Naja, technisch verhindern lässt sich in Bezug auf Software eigentlich alles, das ist immer nur eine Frage von Zeit und Kosten. ABER: Was ist der erlaubte Bereich? Ist es so einfach, die Grenze zu finden? Ich hatte mal den Fall, dass nur eine kleine Stufe zwischen „ist in Ordnung so“ und „oh mein Gott, ist das ekelhaft!“ entschied. Und zwar nur auf einer Frequenz. Selbst der erfahrene Techniker war verwundert, dass der Unterschied so krass war. Da müsste man theoretisch beim Techniker jede einzelne Einstellung für jede Frequenz durchspielen, um herauszufinden, was erlaubt ist und was nicht. Und das dauert …

    Im Moment halte ich es noch für zu gefährlich, an den Frequenzen rumzuspielen. Wer weiß, was in 20 Jahren kommt? Vielleicht sieht es da schon wieder ganz anders aus, aber im Moment glaube ich nicht, dass in den nächsten Monaten/Jahren eine Softwarelösung kommt, die es zulässt, dass der CI-Träger die Frequenzen verschieben darf.

  16. Pia Butzky

    Wenn man bedenkt, dass unsere „Cyborg-Technik“ noch in den Anfängen steckt, dann wird die Prothetik sich zukünftig sehr viel weiter entwickeln und ihre Bedienbarkeit sich drastisch verändern – weit über das hinaus, was ich oben beschrieben habe. Verglichen mit anderen technischen Entwicklungen steht das CI noch am Anfang. Ich habe kürzlich mit einem Röntgenfacharzt gesprochen, der beruflich vor ca. 10 Jahren mit dem CI-Thema zu tun hatte und jetzt ganz raus ist aus dem Gebiet. Er bestaunte mein CI-Hören und meinte, die technische Weiterentwicklung wäre ja enorm.

    Er stand hinter mir und sprach leise. Ich verstand mühelos JEDES Wort. (Musste wegen Knieverletzung den Impuls unterdrücken, vor Freude in die Luft zu springen …)

  17. Das sich seit damals die Technik rasant weiterentwickelt hat ist natürlich unbestritten. Aber — im Augenblick scheint es einige wirklich widerständige Probleme zu geben, ich würde für die nächsten 10 Jahre erstmal nicht ganz so eine rasante Weiterentwicklung erwarten (bevor nicht ganz andere Ansätze zur Reife gebracht worden sind). Und ich denke, dass es auch dann weniger darum gehen wird, möglichst viele dem Nutzer (vs. dem Professionellen) möglichst viele Einstellungsmöglichkeiten zu überlassen, sondern eher, dass es überhaupt möglichst ohne viel Einstellen unterschiedlicher Parameter funktioniert.

  18. Pia Butzky

    Oh, was für widerständige Probleme denn? Woher weisst du das, Detective Beethoven? Lass mal hören … bzw. lesen.

  19. Die widerständigen Probleme, die ich im Kopf hatte, sind Musik und Störschall.
    Sicher, es wird Updates von Verarbeitungsprogrammen geben und bauliche Verbesserungen (hoffe ich jedenfalls). Aber die Dinge, die hier möglicherweise größere Durchbrüche versprechen, scheinen alle noch ziemlich weit weg, schon allein wegen der Studien, die dafür durchgeführt werden müssen. Das ist nur was mir so von ein paar Forschern und Entwicklern erzählt wurde und was ich den paar Papieren entnehme, die ich gelesen habe.

  20. Pia Butzky

    Ah ja. Vielleicht sind sie auch dran an kleineren Elektroden? Richtung Nanotechnik. Damit man weiter in die Cochlea einschieben kann und feinere, gezieltere Impulse an den Hörnerv leiten kann. Tiefere Frequenzen, mehr Klang, Vokalunterscheidung usw.

    Musikhören wäre schon toll. Aber das ist keine Zielsetzung, dafür forschen und basteln sie nicht. Das wäre eher ein Nebeneffekt von verbesserter Spracherkennung. Vermutlich bleibt die „Forschungsfront“ auch zukünftig zuerst bei den Kleinkindern, die über das CI Sprache lernen sollen.

    Trotzdem: Wenn jemals mehr autonomes und individuelleres Anpassen des CI möglich sein sollte – die meisten Leute würden sich freuen darüber. (Hersteller, huhu, lest das hier bitte …)

  21. Also was noch gemacht wird ist mit der Oberfläche der Elektrode experimentieren, dass nicht so viel Bindegewebe drauf wächst und vielleicht sogar mal Nervenzellen dahin/daran.
    Aber jetzt muss ich auch mal rückfragen: Wie kommst Du drauf, das Musikhören „keine Zielsetzung, dafür forschen und basteln sie nicht“?

  22. Pia Butzky

    Haben sie gesagt, die Hersteller. (Stand 2009, Antwort eines CI-Herstellers auf meine Frage dazu). Spracherkennung sei weitaus wichtiger und auch schneller zu erreichen, weil Wortverständnis und Klang getrennt sind. Sprachentwicklung bei Kleinkindern sei vorrangig, versteht sich. Man versucht, so früh wie möglich optimale Lautspracherkennung zu erreichen.

    Getestet wird auch nur die Spracherkennung. Es gibt noch nicht mal objektive Tests zum Einschätzen, ob und wie mit CI Musik überhaupt gehört wird. Es gibt keine standardisierten Klangtests zum Anpassen des Prozessors. Das ist alles noch unbeackertes Feld. Da sind sie nicht dran.

  23. Ich hab das Thema zunächst nicht so gelesen, da für mich ein Virusbefall eines CI oder Hörgerätes undenkbar ist, so lang da kein windows drauf läuft.
    Klar kann man alle Technik sabotieren, aber in diesem Bereich sehe ich keinen „Markt für Terroristen“ ohne das Thema verharmlosen zu wollen.
    Zum Thema Einstellen von CI und Hörgerät und wer darf was, kann ich aus meiner Erfahrung nur sagen, dass hier nur gelten kann „Finger weg, wer keine Ahnung hat“ Egal ob Laie oder Fachmann. Das Risiko ist einfach da und eine Hörgerät, das 140 dB am Trommelfell macht ist kein Spielzeug. Bei den CI ist das wohl ähnlich.
    Zudem sind Hörgeräte Medizinprodukte und unterliegen dem MPG (Medizinproduktegesetz)
    Ich gehe davon aus, dass dies auch für CI´s gilt.
    Vorauszusetzen ist definitiv, dass die Akustiker und Techniker in Handwerk beherrschen und wissen was sie tun. (Punkt)
    Ich gehe jetzt aber mal davon aus, das auch viele HG-CI-Träger absolut in der Lage sind selbst aktiv zu einer optimalen Einstellung beizutragen. Dazu gibt es bei der Hörgeräteanpassung reichlich Frageninventar, Tagebücher, Anpassmanager, die auch Fragenkataloge enthalten, die das Feineinstellen über den Akustiker erleichtern.
    Intelligente Hörsysteme haben datalogging, protokollieren also das Trageverhalten, die Häufigkeit verschiedener Hörsituationen und die Änderungen an der Lautstärke in den verschiedenen Hörprogrammen. Manche sind sogar selbstlernend, was die Lautstärke angeht, übernehmen also Änderungen, wenn diese immer gleich sind und über eine regelmäßige Zeit wiederholt werden.
    Man kann heute mit tollen Messmethoden sehr viel machen und doch bleibt das subjektive Hörempfinden für mich das Maß aller Dinge. Denn wenn der Nutzer des Gerätes etwas als zu laut oder grell oder was immer empfindet, dann ist das für ihn so und muss zeit- und wohnortnah geändert werden. Es ist extrem komplex aber warum soll nicht ein Teil der Möglichkeiten an den Träger gegeben werden !? Es gibt aber Parameter, die fest in Expertenhand gehören. Ein Zusammenarbeiten aller ist wohl der beste Weg und da habe ich erlebt, dass ich selbst als Akustiker-Meister keine Möglichkeit bekomme ein CI einzustellen,
    d.h. die CI Einstellung erfolgt exklusiv in der Klinik. Das ich das auch erst lernen müsste ist ja selbstverständlich, aber Grundlagen wären ja schließlich da. So könnte das Netz der Versorgung ausgebaut und erweitert werden und davon würden letztlich alle profitieren.

  24. Pia Butzky

    „… da habe ich erlebt, dass ich selbst als Akustiker-Meister keine Möglichkeit bekomme ein CI einzustellen, d.h. die CI Einstellung erfolgt exklusiv in der Klinik.“

    Dude! Hast recht. So stelle ich mir auch eine deutliche Verbesserung vor.

    Die Anpassung scheint gerade für Fachleute in relativ akzeptabler Zeit erlernbar, da frage ich mich auch, warum das der Akustikermeister am Wohnort nicht zukünftig mal vornehmen kann. Muss ja nicht die Erstanpassung sein, aber alles weitere.

  25. Dude, danke für den langen Kommentar und die Erläuterungen!
    Zumindest an einigen CI-Zentren laufen ja Studien, dass die Leute zur CI-Anpassung nicht mehr ins Zentrum kommen, sondern zu (geschulten) Akustikern in ihrer Wohnortnähe gehen. Also nach den ersten paar Monaten mit CI.

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