Warum poltert er so?

Klopfen. Bisher war mir nicht klar wie gestört eigentlich meine Beziehung zu Klopfen ist. Die gute Freundin, bei der ich gerade zu Besuch war, wohnt mit ihrem Liebsten in einer wunderschön weitläufigen Altbauwohnung. Fast jedes Zimmer hat zwei Türen. Auch das Bad, eine in den Flur, eine direkt in ihr Schlafzimmer. Nur — beide Türen lassen sich nicht abschließen.  Und ich höre ja von außen nicht unbedingt, ob wer drin ist.

„Kein Problem“, sprach die Freundin, „Kannst ja klopfen, wenn Du rein willst. Dann rufen wir, wenn schon wer drin ist.“ Das leuchtete mir natürlich ein. Und es dauerte genau bis zum nächsten Morgen, genau bis ich mich ausgezogen und unter der Dusche eingeseift hatte, bevor mir einfiel, was ich vergessen hatte zu sagen: Dass ich so ein Klopfen gar nicht hören würde, ohne Hörgerät und ohne elektrisches Ohr. Keins davon hatte ich mit ins Bad genommen. Ich glaube, ich habe schon lange nicht mehr so viel Krach im Bad gemacht, damit sie auch ja Bescheid wissen.

Muss wohl ausgleichende Gerechtigkeit gewesen sein.

[Auf Nachfrage in den Kommentaren hin: Das Problem bei der ganzen Badgeschichte ist nicht das Nacktsein, sondern dieses blöde Gefühl des Ausgeliefertseins.]

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24 Antworten zu “Warum poltert er so?

  1. Wie wäre es mit einem netten Schildchen an der Türklinke? Wobei da natürlich immer die Gefahr besteht, dass man zumindest an einer Tür vergisst, das Schild wieder umzudrehen. 😉

  2. Die dauerhafte Lösung. Hilft nur auch nicht, wenn die Situation schon mal da ist. Zumal die problematische Tür die war, die direkt ins Schlafzimmer des Paares führte. Und die wollte ich nicht unnötig (und nackt) öffnen.

  3. Singen wär auch schön gewesen, oder? Passt zum Duschen 1a.

  4. In der Tat. 🙂 Wobei da hätte ich mich auch gleich nackt erwischen lassen können — Belästigungs- und Peinlichkeitsfaktor wären sicher nicht kleiner gewesen…

  5. Alexandra

    Meine Mädels sollen die Badezimmertür nicht abschliessen (ich denke, ich habe da so ein Trauma aus MEINER Kindheit, das müssen die jetzt leider ausbaden); daher ist die Regelung bei uns: wenn keiner im Bad ist, bleibt die Badezimmertür offen stehen, wenn keiner reinkommen soll, ist die Tür geschlossen. Führt nur manchmal zu Verwirrung, wenn Gastkinder das Bad verlassen und die Tür dennoch schliessen…

  6. ich wundere mich gerade ein bißchen.. sicher möchte ich nicht nackt beglotzt werden, und auch dem anderen ist es ja eher unangenehm, in so eine situation hineinzuplatzen – ABER.

    aber ist es denn wirklich so schlimm, wenn da jemand reinkommt, der/die sicherlich sofort wieder umdreht und die tür schließt, wenn er/sie dich entdeckt hätte?… vielleicht habe ich da auch – mit dem durchschnitt verglichen – zu wenig schamempfinden [?]. ich fände das zwar ein bißchen komisch, aber bei weitem nicht berichtenswert und/oder schrecklich peinlich/unangenehm. just my 2 cents.

  7. Alexandra, ach, Du hast Dich auch mal auf einem italienischen Dixieklo eingeschlossen, das nicht mehr aufging und sowohl Dich als auch Deine Eltern eine Stunde in helle Aufregung versetzte? 🙂

    Rebhuhn, es ist eigentlich vollkommen egal. Aber mit Taubheit fällt halt eine Fernwarn-Funktion vor allem möglichen aus — und es ist eigentlich dieses blöde Gefühl der Ausgeliefertheit, um das es mir heute morgen ging. Bis die Dinge nicht sichtbar/direkt vor der Nase sind, sind sie „nicht da“. Und dann sind sie gleich „ganz da“. Das ist schon verunsichernd, auch wenn’s eigentlich nur so ne Nichtitgkeit ist.

  8. Pia Butzky

    Passiert auch Hinz und Kunz mit vollfunktionstüchtigen Ohren, dass man das Bad mal überfrequentiert und – egal von welcher Seite – unangenehm stört oder gestört wird.

    Issso. Machtdochnichts.

    Oder dann eben doch einen Zettel an die Tür: „Nich reinkomm, ich will mein Rue haben!!“ Hat der Lütte (8 Jahre alt) von meinem Freund an seine Tür gemacht.

  9. hah, das kenne ich. wenn man badezimmer nicht abschliessen kann und man deswegen extra viel lärm macht. hat auch immer etwas komisches 😀

  10. Pia Butzky

    Hach, fällt mir grad noch ein:

    Klopftaktisches.
    Wenn du selbst, not-quite-like-Norman-Bates, einen Raum betrittst und nicht stören willst, kannst du zuerst die Tür öffnen, nur den Kopf durchschieben, auf den Boden gucken und fragen, ob du grad störst. Klingt komisch, machen aber viele so. Nicht hochgucken, aber Kopf durch die Tür. Man hört dann ja, wenn jemand kreischt: „Aaaah, rrraus, wir sind gerade am …“

    Umgekehrt ist die Duschsituation keine spezielle Hörminderungsbetroffenen-Spezialproblematik. Woher ich das weiß? Na. HTCHCOCK. PSYCHO. Die war nicht taub, die da zu Boden ging.

  11. Moritz, 🙂

    Beim Duschen selbst erledigt das Wasser das Geräuschemachen. Eben, siehe Psycho. Gepolter kam danach.

    Aber Pia, sag mal, das mit dem gesenkten Kopf Reinstecken kommt mir ziemlich komisch vor? Das machen echt Leute?

  12. Pia Butzky

    Ja, das machen echt Leute. Gerade in Räumen, wo man weiß, jemand zieht sich um oder wäscht sich oder ist privat. Das kenne ich aus dem Alltag, dass jemand was will, kurz was bespricht und eben aus Höflichkeit weg guckt. Kann man machen, wenn man nicht stören, aber auch nicht wie doof vor der Tür stehen möchte.

    Oder aber du trainierst dir einfach ein entspanntes Verhältnis zu geschlossenen Türen an. MEIN gespanntes Verhältnis zu Türen ist ein ganz anderes: GEGENSPRACHANLAGEN und Türsummer an stark befahrenen lauten Straßen. Horror!

  13. Also, aus Höflichkeit nicht direkt hin- oder sogar weggucken kenne und mache ich natürlich auch. Aber so richtig in den Raum stellen (oder Kopf rein), weggucken und fragen ob’s stört, kommt mir immer noch komisch vor.
    Muss ich mal probieren 🙂

    Türsummer wiederum geht doch leicht. Einfach dagegenstemmen. Wenn’s nicht irgendwann aufgeht nochmal klingeln. Oder was möchtest Du für Gespräche führen über die Gegensprechanlage?

  14. Pia Butzky

    Wann summt denn die Tür nach dem Klingeln? Manche gehen dann eben nicht auf, wenn man vorher schon dagegen drückt. Und warum reden die Leute über die Gegensprechanlage? Wird mir immer ein Rätsel bleiben. Manchmal bitte ich schon Passanten, mir zu helfen und für mich zu hören. Das ist enorm unsicher, wenn man das Gequackel aus der Anlage nicht versteht und sich irgendwie zurecht stottert „Ja hallo, hier ist die soundso, ich möchte gern zu Herrn Müllermeier.“ Quackelquackelknirsch, keine Ahnung was dann passiert. Ist er nicht da? War er es selbst? Ist er in Kanada oder kommt er gleich runter? Verstehe nix.

  15. Mir scheint, Du klingelst in anderen und wesentlich offeneren Situationen als ich.
    Dass ich mal verstehen muss, was da über die Anlage gesagt wird (und nicht nur meinen Namen sagen und die Tür aufdrücken muss) passiert mir wirklich nur alle Jubeljahre mal. Ebenso dass die Tür, an die ich mich nach dem Klingeln lehne, nicht aufgeht (und das nicht einfach heißt, dass keiner da ist).

  16. Pia Butzky

    Gerade erst wieder passiert: Gestern abend, Berlin Mitte, Straßenbahn, Straßenmusikant, Autos, Passanten und Schuhgeklapper. Ich vor der Sprechanlage einer schicken, renommierten Büroadresse. Kleine Löcher in goldmetallicglänzendem Klingelschild, aus denen viel Quackelquackelknirsch rauskommt. Unverständlich. Da geht die Butzky mal wieder baden … um thematisch zu deiner Dusche zurück zu kommen.

  17. Hm. Das tut mir leid. Machst Du das denn aus Jobgründen? Und was hast Du denn dann gemacht, bist Du unverrichteter Dinge wieder gegangen?

  18. Pia Butzky

    Na ja, NQLB, ich kann ja sprechen. 😉 Also brüllte ich in die Löcher des Klingelschildes: „Ich verstehe Sie leider nicht, bitte öffnen Sie die Tür, ich komme hoch, damit wir uns verständigen können.“ Und dann eben drücken, bis die Tür aufgeht. War beruflich und wichtig, hat dann doch geklappt.

    (Schließt sich das Thema „hallige und karg möblierte große Altbauräume mit knarrendem Parkett“ an, wo die schicken Anwesenden leise sprechen, weil die Akustik so knallt. Gedämpfte Stimmen im CI zerfallen bei mir aber in zwei getrennte Lagen, einmal tiefdumpfes Dröhnen und einmal hohes Raspeln, dazwischen nichts. Difficult.
    Das elegante Persönchen, das mit mir so leise sprach, war eine zierliche junge Frau mit feinen Umgangsformen. Wenn die gehört hätte, was ich hörte … absolutely shocking.)

  19. @Pia, dein Problem mit den Türsummern und Gegensprechanlagen kenn ich auch, ich verstehe oft gerade so noch, was gesprochen wird (manchmal aber auch nicht) und ich rüttel dann die Türe, wenn ich geklingelt habe… irgendwann geht die auf oder nicht. Und wenn nicht, klingele ich nochmal.
    Immerhin kann ich unterscheiden, obs jetzt grad gesummt hat oder nicht, aber wenn ich den Summer nicht kenne oder der viel zu leise ist (bzw. der Verkehr zu laut), dann ist immer die Frage: hat es schon oder noch nicht?!

  20. Pia Butzky

    Japp. Und oft kommt über die Sprechanlage erstmal eine Wegbeschreibung durch 4 Hinterhöfe mit 12 Nebeneingängen und 4 Stockwerken mit 7 Etagenfluren – die ich nicht verstehe. Null. Und dann noch laute Umgebungsgeräusche! Mit CI ist das einfach zwecklos.

  21. Pia, das ist ja shocking, indeed! Bin gerade recht froh, dass ich sowas nicht beruflich machen muss. Diese richtig fiesen Altbauwohnungen hatte ich noch gar nicht seit ich Cyborg bin. Wegbeschreibungen auch nicht — aber wenn mal wieder eine kommt, werd ich Euch hier jede Treppenstufe meiner Odyssee beschreiben. 🙂

    Leon, also ich lehne mich kontinuierlich dagegen. Falle dann zwar manchmal mit der Tuer ins haus aber das macht ja nix. 🙂

  22. @Pia: und vorher Wegbeschreibung geben lassen geht nicht? Ich mach das oft, wenn ich mal in Berlin bin…

    @not quite: dann ist es eben so 🙂

  23. Pia Butzky

    Beruflich. Bin grad sehr froh, dass ich das mache. 😉 Gewerbehöfe und mehrfachgenutzte Bürogebäude, mehrere Hinterhöfe in Reihe mit unzähligen Firmen und Agenturen. Diese traditionellen oder auch neuen Gewerbehöfe gibt es massenweise in Berlin. Immer mit Klingelsprechanlage und Wegbeschreibung am Tor. Ja, wo lebt ihr denn? Kommt ihr nicht rum?
    Tssss.

  24. Wenn das so ist: Mein Respekt!

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