Der Sound der Sommernacht

Vor die Wahl von zu heiß und zu kalt gestellt wähle ich zu heiß. Immer. Selbst wenn ich was zu tun habe und mir die Brühe läuft, ich mag tropische Schwüle. Und ich mag den Sound der Sommernacht.

Nachts in der Wohnung, alle Fenster auf — und ich habe das Gefühl, die ganze Stadt senkt sich akustisch auf mich nieder. Eine Tür klappt, irgendwo läuft ein Fernseher. Eine schöne Frau mit Absätzen läuft vorbei, jemand singt (ja singt) irgendwo. Sind wir hier in Berlin oder im Film? Von Ferne nähert sich ein Roller. Lautes Seufzen aus der Nachbarwohnung, beantwortet vom Hund der anderen Nachbarwohnung. Ein Mann schreit einen anderen an. Und schließlich kommt eine Gruppe Jugendliche vorbei, sammelt alle Geräusche ein und hinterläßt nur Stille. So scheint es mir jedenfalls.

So nah. All diese Geräusche, die ich sonst nicht hören würde. Wohl weil sonst nicht so viele Leute draußen sind oder ebenfalls ihr Fenster aufhaben. Und ich ein bißchen genauer auch wegen des elektrischen Ohrs. Schön.

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8 Antworten zu “Der Sound der Sommernacht

  1. Regenbogen

    Du hast diesen zauberhaften Sound vergessen, wenn Mücken durch das geöffnete Fenster gekommen sind und jetzt herumsirren und ihren Angriff planen. 😦

    (Und das ist der Grund, warum ich nicht ganz so scharf auf Sommer bin….die zu große Hitze natürlich auch. So was Extremes mag ich nicht.)

  2. Und erst an einem heißen Sommer in der Natur….. als ich neulich nach 23 Jahren erstmal wieder eine Grille gehört habe und auch als solche erkannte! Ein wunderbares Gefühl

  3. Pia Butzky

    Hui, bist du gut eingestellt mit CI!
    Toll. DAS alles kannst du hören mit der Kiste? Eine Kulisse von Geräuschen habe ich zwar auch, aber nur zusammengepappt als ein irgendwas an Klacken, Knirschen, Puckern. Knirschen könnte ein Auto oder Musik sein, wobei das Puckern von sich unterhaltenden Personen auf dem Gehsteig kommt (nicht Schritte, sondern weiter entfernte Stimmen.)

    Vielleicht hast du das Modell „Abhorchen“ bekommen, während ich nur das Modell „Einzelzelle“ habe, das einen Radius von ca. 3 m im ruhigen Raum abdeckt?

    Wie auch immer: Hitze! Poaah. Hitze ist ja eher fies mit Hörtechnik, finde ich. Sie schweißelt ein, klebt und glitscht, drückt, hindert am spontan-in-den-See-springen und muss vor Sonne, Creme, Wasser, Sand und Diebstahl ständig bewacht werden.
    Nervig.

    Aber frag mich zu anderen klimatischen Bedingungen und ich sage ebenfalls: Nervig.

  4. Regenbogen

    Apropos Sound des Sommers….
    ich hab vor meinem Küchenfenster einen Baum. Der wird regelmäßig von Meisen und Buchfinken bevölkert, die da ihre Mahlzeiten einnehmen (was auch immer).

    Diese Geräusche bin ich also gewöhnt.
    Gestern morgen nun, ich war gerade beim Lüften (endlich kam mal was anderes durchs Fenster rein als Wüstenluft), da erklang nebenher noch so ein durchdringendes „Tok-tok-tok“.
    Ich also aufgestanden und hin, nachschauen, wer oder was das nun ist….
    Da war ein Buntspecht im Baum und hämmerte auf einem der Äste rum. Sowas hab ich in den 14 Jahren, die ich da wohne, auch noch nicht gehabt. 😉

  5. Regenbogen — Mücken? Was ist das? Dieses Jahr außerhalb Finnlands noch keine gesichtet. Buntspecht ist allerdings auch nicht schlecht.

    Zimi — das ist ja schön, freu mich für Dich! Es ist die mir vertraute, eher städtische Kulisse, die ich da beschrieben habe. Mit Grillen habe ich außerhalb des Urlaubs gar nicht soviel Erfahrung gemacht, außer dass einige Freunde regelmäßig über „diese !$@@%!!-Viecher“ lamentieren, die sie am Schlafen hinderten. 😉

    Pia — dochdoch, das geht. Ich kann nicht verstehen, was die Leute sagen, aber hören und identifizieren tu ich’s. Ehrlich gesagt, diese Unterschiede schockieren mich immer wieder, ich wünschte, da würde mehr Forschung reingesteckt. Oder brauchst Du womöglich einfach nur mal ne bessere Einstellung oder ein Software-Update?
    Übrigens, im Vergleich zum Hörgerät finde ich das CI im Sommer noch extrem unanspruchsvoll! Oder vielleicht mute ich dem Ding auch nur halbabsichtlich viel zu (Schweiß, Creme etc), weil ich nicht einsehe, mich in der Hinsicht behindert zu fühlen.

  6. Pia Butzky

    Den Verdacht habe ich schon länger, dass ich nicht wirklich gut eingestellt bin. Aber die Audiologen/Techniker argumentieren dann ja immer damit, es käme auch auf die vorliegende organische Situation (u.a. auch Platzierung des Implantates) und das Engagement beim persönlichen Hörenüben plus Sprachverarbeitung des Gehirns an – was bei mir übrigens beides nachweislich optimal ist. Habe ich von Klinik und Audiotherapeut extra noch mal prüfen und bestätigen lassen.

    Die technische Einstellung ist bei mir eine Sackgasse, habe ich das Gefühl. Woher soll man einen wirklichen objektiven Vergleich bekommen, wenn andere CI-Leute sagen: „Ich kann dies und das“, aber man selbst kann es nicht? Und die Fachleute sagen dann: “ Bei Ihnen ist alles bestens eingestellt.“

    Pfffh. Steht man da.

  7. Natürlich mag dieses Gefühl täuschen — aber ich habe einige Zeit drauf verwandt zu verstehen, welche Parameter bei meinem Modell veränderbar sind und was sie beeinflussen. Das habe ich mir von verschiedenen Seiten erklären lassen. Dann habe ich absichtlich ein paar extremere Einstellungen ausprobiert. Und jetzt habe ich ein besseres Gefühl dafür, was vielleicht einstellungsseitig möglich wäre und wo eher Training oder die Aufgabe der Hoffnung (und vielleicht irgendwann mal angenehm überrascht sein) angeraten wäre.

  8. Häh? Überraschend nüchterne und technische Diskussion nach diesem Threat. Was hier wundervoll beschrieben wurde, ist keine CI Leistung, sondern Aufmerksamkeit, Genuss, Beobachtung und Liebe zum Detail. Vielen Dank für diesen leider kurzen Text. Für einen Moment war Deine Strasse nun auch in meinen Gedanken.

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