Schöne Töne #14

Es ist kurz nach sechs. Dieses knisternde Britzeln, was ist das bloß? Klingt eigentlich ganz schön. Erwartet hätte ich so früh am Morgen nur das anschwellende Brausen des Verkehrs und die eine oder andere Vogelstimme. Das Übliche halt.

Jetzt aber klingt es fast wie Regen — ein Prasseln, obwohl draußen die Sonne lacht. Dann sehe ich es: Der Herd! Die Milch! Es riecht verbrannt. Schon bildet sich Kruste. Waaahh!!

Bevor ich das elektrische Ohr hatte, hätte diese Geschichte sieben Sätze später begonnen. Das feine Britzeln und Prasseln hätte ich trotz Hörgeräten nicht gehört. Sie hätte aber genauso geendet. Ich notiere mir: Es kommt nicht darauf an, was Du hörst, sondern was Du daraus machst!

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18 Antworten zu “Schöne Töne #14

  1. Da ich mein CI wirklich nur dann trage, wenn ich es für notwendig erhalte, hätte ich die verbrannte Milch anhand der erhöhten Dampfbildung und/oder dem verbrannten Geruch in der Luft identfiziert.

    So geht’s auch. Und man muss nicht kurz überlegen: „Moment mal, was hör ich da? Der Regen kann es nicht sein, der Wasserhahn kann es auch nicht sein…“ Das Ausschlussverfahren dauert doch etwas länger als einfach den Augen und der Nase zu folgen. *find*

    Oder genauer gesagt: Ich bin eine CI-Apartheidträgerin, denn die Merkmale des Tragens sind wie folgt:
    1.Wieviele Leute?
    2. Kenn ich sie oder nicht?
    3. Werden wir ausgehen (Kino, Disco, etc.)

    Ansonsten trag ich es nicht. So einfach ist das und die angenehme Folge ist: Meine Mitmenschen vergessen einfach nicht, dass Rücksichtsnahme notwendig ist. Da ist ein unangenehmer Nebeneffekt als CI-Trägerin: „Ach, du hast ein CI? Und damit hörst du ganz normal?“ Und man hört wie da nebenbei schwingt: „Oh, gut, dann muss man ja nicht so große Rücksicht nehmen.“

    Als CI-Apartheidträgerin sorgt man also dafür, dass man selbst nicht zu abhängig wird von der Technik und dass die Mitmenschen in der Umgebung die Rücksichtsnahme nicht verlernen.

  2. Genau das, liebe Jule, meine ich. Es reicht nicht zu hören, man muss auch was damit anzufangen wissen. Sonst ist das verschwendete Zeit und Aufwand. Ich bitte aber zu meiner Entlastung die frühe Uhrzeit zu berücksichtigen und die damit einhergende Trägheit im Kopf. 😉

    Dein Entscheidungsprogramm gefällt mir — wobei meine Erfahrung ist, dass man auf die Frage „Und? Jetzt hörste normal oder wie?!“ auch „Nein, behandel mich wie immer“ antworten kann.

    Oder jedenfalls will ich doch nicht hoffen, dass ich mit CI nun mit häufiger überkochender Milch rechnen muss…

  3. Hallo not quite … machst du denn kein Hörtraining, wo du übst, wie sich überkochende Milch anhört? 🙂
    Einfach mal öfters überkochen lassen – dann kannst du das Geräusch bald identifizieren 🙂
    (das gleiche gilt natürlich auch für überlaufende Badewannen, auslaufende Waschmaschinen usw. usw. 🙂

  4. Das kenn ich nur zu gut 🙂 Bei mir beginnen solche Geschichten immer erst beim siebten Satz. Oder ich höre undefinierbare Geräusche, frage meine Freundin, ob sie was gesagt hat, und sie antwortet dann, ob sich ihre Stimme etwa wie das Martinshorn der Ambulanz anhört, die auf der Hauptstrasse um die Ecke vorbeifährt.
    Oder ich höre in der Küche ein undefinierbares Summen und checke erst mal Gastherme und Geschirrspüler ab, damit ich weiss, was da jetzt läuft. Irgendwie schaff ichs nie, solche Geräusche genauer zu definieren. War das bei Dir auch so und geht sowas mit nem CI besser?

  5. Maryanne, hehehe, das Überkoch-Geräusch fehlt tatsächlich in allen Übungsprogrammen, die ich kenne. Ich glaube aber, ich sollte eher üben, beim Hören die entsprechende Reaktion einzuleiten anstatt wie ich erstmal das Geräusch zu genießen.
    Die auslaufende Waschmaschine allerdings — hört die sich nicht genauso an wie eine ordentlich funktionierende? Wasserfließen hör ich da immer.

    Banane, es kommt wirklich drauf an. Das meiste geht schon — ab und zu ist mal was dabei, was ich nicht erkenne. Ich trage aber auch CI+Hörgerät, das macht es vermutlich einfacher.

  6. Und wie schauts bei Musik aus? Gleiches oder besseres Verständnis/Hörgefühl als mit Hörgerät? Einige Bekannte mit CI haben mir berichtet, dass Musik mit CI für sie anders, teilweise schlechter klingt. Wäre für mich durchaus ein Grund, mir keines implantieren zu lassen.

  7. Mit CI ist schon anders, v.a Tonhöhen- also Melodienhören ist schwierig. Aber CI+HG ist besser als vorher nur mit Hörgeräten. Elektrik kann was Akustik nicht kann und umgekehrt. Es gibt mir was was vorher fehlte wieder. Mehr zu meinem Musikhören mit CI hier, hier und hier.

  8. Verstehe, danke. Und beim nächsten Mal benutz ich die Suchfunktion auch selbst 😉
    Dass sich das Gehirn andere akustische Eindrücke „zurechtrückt“, wie in einem Deiner Berichte beschrieben, erlebe ich übrigens auch, beim Gitarre spielen. Wenn das rechte Ohr nen schlechten Tag hat, klingts mies, obwohl ich laut normalhörender Freundin spiele, wie immer. Nach ner Stunde stimmt dann auch mein eigener Höreindruck wieder. Und an anderen Tagen klingt gleich von Anfang an alles wie gewohnt. Witziger Effekt 🙂

  9. Interessant. Aber freut mich, dass Du das witzig findest und nicht etwa beunruhigend.

  10. Am Anfang hats mich auch nervös gemacht. Mittlerweile kann ich aber recht gut unterscheiden, ob mein Ohr spinnt oder die Gitarre verstimmt ist. Und mitunter gibts Tage, an denen das Spielen überhaupt keinen Spass macht, weil dank des rechten Ohrs alles einfach nur mies klingt. Das ist dann frustrierend. Aber am nächsten Tag gehts dann meistens wieder. Interessant ist auch, dass laute Musik meine Ohren offenbar sensibilisiert. Höre ich ein paar Stunden lang laut (und aktiv, nicht nur nebenher) Musik, klappts dann mit dem Hören allgemein und musikalisch besonders gut. Mitunter hab ich rechts auch leichten Tinnitus, der durch lautere Musik auch wieder verschwindet.

  11. Regenbogen

    @not quite:
    Mit noch mehr überkochender Milch, nur weil Du ein CI trägst, mußt Du nur rechnen, wenn die von Dir in einem anderen Posting erwähnten Viren das CI so programmieren, daß Du damit den Fernseher einschalten, das elektrische Garagentor öffnen und eben auch versehentlich den Herd aufdrehen kannst. 😉

  12. Banane, dass es besser geht, wenn Du aktiv hörst, kann ich mir vorstellen. Was meinst Du denn mit „laut“? Einfach nur „nicht leise“, also so, dass man entspannt alles hören kann plus vielleicht ein klein bißchen mehr? Oder richtig „laut“? Letzteres Ersteres wäre ja eher sowas wie eine Fingerübung, letzteres ein Ohrendurchpusten.

    regenbogen, entgegen der Versprechungen mancher Hersteller stößt das CI da an seine Grenzen.

  13. not quite: Richtig laut, in der Tat mehr ein Ohrendurchpusten. Freundin und Stieftochter schauen dann meist schon schief, weshalb ich das in der Regel nur dann mache, wenn ich allein zu Hause bin. Wenn ich damit morgens gegen 9 anfange, sind die Ohren zu Mittag so richtig gut drauf. Mache ich es nicht, kann ich das Gitarre-spielen am Abend dann meistens gleich sein lassen, weils klangmässig keinen Spass macht.

  14. Ist ja wirklich eigentümlich!

  15. Schlimm ist es wenn man das Britzeln perfekt hört, aber verdrängt bis es zu spät ist. Ich habe inzwischen ein perfektes Rezept für die Reinigung verbrannter Milchhaferl, falles es jemanden interessieren sollte.

  16. Pia Butzky

    Banane:
    Ja, das kenne ich auch noch vom Beginn meiner Hörstörung. Sobald Tondröhnung drauf kommt, schien sich das Ohr wieder zurecht zu rappeln. Hat aber nicht vor Hörverlust geschützt, leider.

    Nervig lauten Tinnitus kann ich jetzt runtersingen – also selbst einen möglichst lauten „aaaah“-Ton machen (auch wenn Andere doof gucken). Nach einer Minute ist das Mistding wieder ruhiger.

    Ilse:
    Angebrannte Milch auf Ceranplatten! Anlaß für heftige Familienkräche. Hast du einen Tipp, außer neuen Herd kaufen? *seufz*

  17. Pia: na fein, dann bin ich ja nicht der einzige damit 🙂
    Und ja, auch bei mir wird der Tinnitus mit einem möglichst gleichen Ton „von aussen“ leiser oder verschwindet.

    Zur Milch: eigentlich sollte sowas mit dem üblichen Ceranfeld-Schaber runtergehen.

  18. Ilse, gerade heute konnte ich feststellen, dass ich’s langsam lerne. 🙂 Brutzelndes Gemüse ganz deutlich gehört. Aber wie man die angebackenen Milchhaferl gut wieder abkriegt, würde mich trotzdem interessieren…

    (Ceran stell ich mir übrigens auch leicht vor — mit dem Schaber.)

    Zum Tinnitus: Ich hatte mal einen Regenstab, damit ging’s auch lange Zeit für lange Zeit weg.

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